„In einer hetero_cis_sexistischen und patriarchalen Gesellschaft zu leben und keine Cis-Typen zu begehren ist ein Akt des Widerstandes“

Die gute Lantzschi, älteren Mitlesern vielleicht noch ein Begriff, hat mal wieder einen tollen Artikel bei der Mädchenmannschaft geschrieben.

menschen haben die welt geschaffen in der wir leben, gestalten sie täglich und tragen verantwortung für ihr handeln. der versuch, das als etwas wertfreies, folgen- und harmloses oder unpolitisches zu interpretieren, macht, dass diskriminierung (wenn überhaupt) irgendwo herrührt, aber sicher nicht von menschen. maximal wurden „natürliche gegebenheiten“ merkwürdig gedeutet. überholter scheiß eben diese diskriminierung.

die welt auch als kontinuierliche soziale konstruktion von machtverhältnissen zu begreifen und die eigenen entscheidungsmöglichkeiten und handlungsspielräume darin wahrzunehmen, sich die eigenen zugänge zum leben bewusst zu machen und ggf. zu erweitern, für andere zu nutzen oder gegen ihr versperrt sein anzukämpfen ist teil (nicht nur explizit) feministischer politiken.

bis typen ins spiel kommen.

 

Ja, die Welt überhaupt wäre natürlich viel schöner, wenn da nicht diese Typen wären. Männermenschen sind bekanntlich die schlimmsten.

es gibt grenzen, die zu übertreten nach wie vor ein no-go zu sein scheint, nicht nur, aber vor allem in explizit feministischen kontexten: begehren von typen zu politisieren.

Eigentlich ja nur der alte Ansatz von „Das private ist politisch“, im Feminismus auch gern in der Form von Theorien wie „politisches Lesbentum“

es ist natürlich okay, dass LGBT gegen diskriminierung ankämpfen. nicht okay ist es auch im eigenen alltag zu schauen, in der eigenen praxis, mit wem ich mein leben gestalte, wem und damit oft verbunden welchen themen ich aufmerksamkeit widme, mit wem ich beziehungen (jeglicher art) knüpfe, wie wir fürweneinander da sind, schlicht: welchen einfluss haben meine politischen perspektiven und haltungen auf meinen alltag, aktivistisch oder auch nicht. das private ist politisch eben. schon gar nicht okay ist es, zu hinterfragen, warum ich eigentlich – obwohl feminist_in – mein handeln (auch) auf typen ausrichte. im bett, im plenum, im job, im freund_innenkreis.

Durchaus verständlich: Wer mit dem Feind schläft war noch nie wirklich beliebt. Und für radikale Feministinnen ist eben – allen Versuchen des Gaslightnings zum Trotz – der Mann der Feind

die dezentrierung von cis typen scheint nach wie vor eine ziemlich radikale forderung zu sein, auch wenn immerzu mit begriffen wie patriarchat und heteronormativität um sich geschmissen wird. dies als lesbische politik zu rahmen, auch. besonders wenn’s dann mal auch nicht um menschen geht, die typen begehren. sofort wird mensch oder die eigenen politiken wahlweise als bifeindlich, monosexistisch, (wahrnehmungs)gestört, transfeindlich, unrealistisch, männerfeindlich, gewaltvoll, verkürzt, altbacken oder abwertend als lesbe/lesbisch/dyke bezeichnet. in diesen vorwürfen in diesem kontext stecken so viele lesbenfeindliche und insgesamt hetero_cis_sexistische wie pathologisierende annahmen, die vollkommen geschichtslos, kontextbefreit und kritiklos durch den raum schwirren dürfen.

Ein geiler Absatz, der schön „competitive victimhood“ zeigt. Nadine als Lesbe möchte eben gern Männer uneingeschränkt als den Feind sehen können, der umfassend ausgegrenzt gehört, also auch im Bett. Andere sehen sich dabei aber in ihrer Identität als etwa Bisexuell oder Transsexuell gestört, so dass sie innerhalb der Ideologie gleich einen Wettkampf austragen können, wer in diesem Fall das wichtigere Opfer ist – die Frau als Opfer des Mannes und seiner Macht oder die Frau, die auch gerne mit Männern schläft.

klassiker in der diskussion: darauf reduziert werden, wen mensch datet oder vögelt oder dass es einem_einer ja eigentlich nur darum gehen würde (eine bestimmte sexualität als „moralisch besser“ zu definieren). weil begehren mit sexueller orientierung gleichgesetzt wird (sexuelle orientierung ist als konzept enorm problematisch, da es nix mit machtverhältnissen oder wie begehren hergestellt wird zu tun hat, teilweise als „harmloser“ nachfolger von eugenischen konzepten zu gender- und sexualitätsidentitäten, die von der hetero_cis_norm abweichen, unhinterfragt übernommen). die entpolitisierung / reduzierung von begehren ist deshalb so daneben, weil sie a) lesbische politiken und lesbische bewegungs-/geschichte komplett negiert und b) der vorstellung auf den leim geht, nach dem alle nicht-heten hypersexualisiert anderen ihre sexualität oder „lebensweise“ grenzüberschreitend (oh gays als predatory – the next trope) auf die nase binden und ihren „lifestyle“ ausbreiten wollen (oh gays als spreading disease – hello fellows!). offenbar ist es nicht nur unvorstellbar, sondern auch richtig ängstigend, typen nicht (auch) attraktiv zu finden. hetero_cis_sexismus und lesben/biphobie 101.

Die Entpolitisierung von Begehren ist daneben, weil man damit ja nur meinen kann, dass es Homosexuelle machen, damit sie die anderen auch ins Bett bekommen. Netter Strohmann aus meiner Sicht: Tatsächlich macht sie es ja schlicht weil sie Männer hasst, die sie für unterdrückende Schweine hält und die Leute sind dagegen, weil sie nun einmal entweder (Trans-) Männer sind oder gerne aufgrund ihrer sexuellen Orientierung mit ihnen schlafen und das nicht ändern wollen.

zweiter klassiker in der diskussion, nachdem diese darauf reduziert wurde, mit wem ich vögele oder wen ich date: DAS KANN MAN SICH DOCH NICHT AUSSUCHEN!!1!1 zunächst wäre hier noch einmal anzumerken, dass es bei begehren nicht nur ums anhimmeln, knutschen und ficken geht, sondern in erster linie, wem ich meine aufmerksamkeit und zuwendung in allen lebensbereichen schenke, welche gesellschaftsanalyse für mich passt, welche utopie ich vorstelle und mit wem ich dafür kämpfen möchte

Also mal kurz Begehren umdefinieren und so weit fassen, dass es nichts mehr mit Sex zu tun hat sondern eher mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun hat. W

dann: hatten wir das mit der sozialen konstruktion nicht geklärt? warum die eigene sexualität davon ausklammern?

Weil sie biologisch ist. 

Aber gut, dass Argument zieht im Genderfeminismus eben nicht. Da darf es eben nicht ziehen, denn alles ist ja sozial konstruiert.

klar, wer möchte schon zugeben, dass er_sie im herzen dabei ist (literally), welche körper und identitäten als begehrenswert vorgestellt und hergestellt werden oder welche menschen objekte deines creepy fetischs sind?! wer möchte schon gerne zugeben, sich berechtigterweise über typen von mansplainer bis mörder und vergewaltiger und die normalität von patriarchalen gewalt/verhältnissen aufzuregen, aber kein problem damit zu haben typen in unserem leben raum zu geben und ihre existenz in unserem leben mit kackscheiße als feministisch zu verteidigen. aber die rechtfertigung „ich bin halt so“??? wow, stell dir vor, du bist so ignorant, dass deine kognitive dissonanz dir nix anhaben kann.+

Nein, Feminismus hat nichts gegen Männer. Aber wenn man mit einem schläft oder – Gott bewahre – sogar eine Beziehung mit ihm hat, dann verliert man halt das Recht sich über Mansplainer, Mörder und Vergewaltiger aufzuregen – den das sind ja auch Männer und alle Männer sind da gleich.

drittens wäre an dieser stelle auch noch einmal anzumerken, dass die haltung typen zu begehren etwas wäre, was unveränderbar sei, schlichtweg auf hetero_cis_sexistischen, eugenischen, völkisch-rassistischen und biologistischen konzepten von menschsein und beziehung zu anderen beruht. wir alle werden in einer welt sozialisiert, die diese konzepte unhinterfragt als norm setzt und durchsetzt.

Und das sogar nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren. Heterosexualität, wir könnte man nur überhaupt auf die Idee kommen, dass das Begehren des Geschlechts mit dem man seine Gene in die nächste Generation bringen kann, biologisch sein könnte? Darwin ist eben auch nur ein alter weißer heterosexueller Mann.

wir internalisieren diese konzepte. unsere „begehrensbiografie“ erleben wir trotzdem sehr unterschiedlich. manchmal scheint das eigene begehren als etwas, das lange zeit so war. manchmal sind wir unsicher, welche haltung wir dazu einnehmen. manchmal schämen wir uns oder entwickeln gepflegten selbsthass, weil wir begehren, wie wir es gerade tun. manchmal wissen wir nicht, wie und wen wir begehren. manchmal stehen wir nicht zu unserem begehren, weil wir diskriminierung fürchten oder erstmal die innere zwangsheterosexualität auseinander klamüsern müssen.

Zur Zwangsheterosexualität als feministische Theorie hatte ich auch hier etwas geschrieben

in einer hetero_cis_sexistischen und patriarchalen gesellschaft zu leben und keine cis typen zu begehren, sich aktiv dagegen zu entscheiden, den raum von cis typen im eigenen leben auf das mir momentan mögliche minimum zu reduzieren und auch mein sprechen darüber zu verändern, ist ein akt des widerstands.

Also nicht, dass ich euch absprechen möchte mit Männern zu schlafen, aber echte Widerstandskämpfer machen das nicht. Ich bin also besser als ihr und ihr solltet auch so handeln. Verbündet euch nicht mit dem Feind. Wer mit einem Mann schläft stützt das Patriarchat.

in dieser gesellschaft mein begehren auf marginalisierte identitäten zu richten oder stärker auszurichten ist ein akt des widerstands. denn diese menschen sind die einzigen potentiellen mitstreiter_innen, die ein ehrliches und aufrichtiges interesse am ende dieser zustände haben (abgesehen von den heteras, die es schon als errungenschaft feiern, wenn ihr BF mal keine scheiße erzählt oder das kind kurz hält, während sie den abwasch macht). das alles ist teil lesbischer politiken und lesbischer identitäten, nicht exklusiv, aber eben auch.

Schlaft lieber mit Minderheiten, etwa Lesben, diese Minderheiten sind die einzig Guten. Habe ich schon gesagt, dass ich eine solche bin?

Wenn man aber nur mit Männern schläft, dann ist man ein falscher Aktivist, der nur vorgibt an der Revolution mitzuarbeiten, in Wahrheit aber nur ein weniger an Unterdrückung feiert.

kann mensch selbstverständlich nicht teilen diese perspektive, aber dann bitte: werft nicht bei jeder sich (nicht) bietenden gelegenheit ein, dass typen auch noch da sind. wissen wir alle, die wir atmen.

Ihr müsst das nicht so sehen, aber ihr solltet dann wenigstens die Fresse halten, Männer widern mich an, haltet sie aus meinem Leben raus, wenn ihr sie schon nicht aus eurem raushalten könnt.

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57 Gedanken zu “„In einer hetero_cis_sexistischen und patriarchalen Gesellschaft zu leben und keine Cis-Typen zu begehren ist ein Akt des Widerstandes“

  1. Anleitung für das Schreiben feministisch-avantgardistischer Texte unter beibehaltung größtmöglicher Lesbarkeit:

    Kurze Sätze sind, das ist längst erwiesen, ein Unterdrückungsmechanismus, welcher von weißen alten Männern (Fuck Hemingway) erfunden wurde, um vielschichtigen Ausdruck auszurotten. Bilde lange, verworrene Sätze.

    Grammatik und vor allem Kommasetzung sind spaltende Performances die nicht akzeptiert oder gar unterstützt werden sollten da Feminismus ja für Integration steht.

    priorisierung von wörtern durch großkleinschreibung ist patriarchalische kackscheiße und muss vermieden werden

    ebenso das prioritizing der language der leser_Innen ist reine diskriminierung der downtrotten gedankengänge der autorin

    nicht nur gedanken sind frei sondern auch und (nicht) vor allem gedankengänge was auch (butterblumenbrot!!) private jokes und vieldeutigkeiten umfasst so dass rechtes (linkes) schreiben/reden nur geraten (gewusst?) kann, wenn auch die flirrendsten schnipsel noch in buchstaben gegossen werden

    schade ist dass die diskriminierung von vokalen als reines füllmaterial zwischen konsonanten noch nicht ins selbst avantgardiatische bewusstsein gedrungen ist. frht fr d slbstlt. wg mt dr knsnntn-hrrschft. frauen knnn rst fr sn, wnn d vkle es snd.

    • PS. Selbst die taz hatte bereits vor 5 Jahren den Eindruck dass lantzsch auf ungeklärte Weise dem Irrenhaus entkommen ist.

      http://www.taz.de/!5081236/

      Insofern hat eine Textrezension von ihr auch immer ein Geschmäckle wie von der Londoner Upper Class, die gelegentlich den Sonntagsausflug zur Freak Show nach Bedlam statt zum Zoo unternahm.

      Und taugt doch als Mahnmal, wie verschroben Weltbilder selbst relativ intelligenter Menschen werden können.

      • „PS. Selbst die taz hatte bereits vor 5 Jahren den Eindruck dass lantzsch auf ungeklärte Weise dem Irrenhaus entkommen ist.

        http://www.taz.de/!5081236/

        Wohl eher dem Vorschulkindergarten, denn:
        „Doch dort ist seit einiger Zeit ein Richtungsstreit entbrannt – einer, der vor zwei Wochen auch das letzte Gründungsmitglied dazu brachte, das Projekt kurz nach seinem fünften Geburtstag zu verlassen.“
        Man munkelt, daß jetzt das Höchstalter auf unter vier Lebensjahre gedrückt wurde.

    • Kurze Sätze sind beim Lesen vielleicht hilfreich aber nicht zwingend notwendig, zumal sie ja auch in längerer Form durchaus lesbar, begreifbar und aussagekräftig sein können.
      Für Feministinnen vielleicht nicht. 😉

      Aber unabhängig von Geschlecht und Position halte ich es für ein Unding, unhöflich und respektlos gegenüber dem mehr oder weniger geneigten Leser, wenn man nicht mal Mindeststandards wie Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung etc. einhält.
      Wenn sie intellektuell nicht dazu in der Lage ist, könnte man vielleicht darüber hinwegsehen.
      Wenn sie theoretisch dazu in der Lage wäre, auch mit Artikel bzw. Schreiben mit korrekter Rechtschreibung zu verfassen, es aber an Faulheit und/oder mangelndem Respekt scheitert, sollte sie vielleicht besser die „Klappe halten“.
      Nein – wenn ich mir den Verbalauswurf durchlese, den sie da so absondert, sollte sie das auf jeden Fall.

    • Ich denke, man sollte schon anerkennen – ja, genießen -, daß Sprache im Feminismus häufig – vornehmlich? – zur modischen Inszenierung der betreffenden Autorin genutzt wird. Das geht dann meist auf Kosten der Darstellungs-Funktion von Sprache, dient dann hauptsächlich der Selbst-Stilisierung der Autorin, kann kommunikativ aber sehr wirkungsvoll sein. Sprachlich kommt’s eben nicht auf das Was-wer-wann-wo an, sondern nur noch auf das WIE, auf das irgend:WIE~

      Ja, und das ist doch eine Sache, die man im Leben häufig wiederfindet, z. B. auch beim Pick Up. Ist eigentlich ziemlich Banane, *was* Du Deiner Lieblings-Schwäche so im Einzelnen sagst – aber WIE du es sagst, macht häufig einen sehr großen Unterschied.

      Übrigens ist das auch bei den mündlichen Texten von Jugendlichen eine wirklich faszinierende Angelegenheit: wie die das schaffen, A zu sagen, aber auf so eine Weise, daß sofort klar wird, daß hier genau das Gegenteil gemeint ist. Das schaffen die ganz ohne Ironie. Bewundernswert.

      Ein ähnliches Phänomen findet man – auf literarisch höchstem Niveau – bei Autoren wie Thomas Mann …

      • Mich erinnert der Text an Reden von Rudi Dutschke.
        Bei dessen verschwurbelten hochintellektuellen Schachtelsätzen fingen meine Synapsen auch immer nach wenigen Sekunden an, zu bruzzeln.

        Und bis zum Ende waren sie längst abgeraucht.

  2. Ist doch gut wenn die Dame sich von Männern fernhält. Frauen mit schweren psychischen Störungen sind nun mal recht oft vertreten und wenn die sich dann an ihr eigenes Gechlecht (oder an eines der 99999 anderen) halten ist mir das durchaus recht. Ich Date ja schließlich auch nur Feministen im BDSM Bereich da ich Vergnügen daran finde das Arschloch bei solchen Frauen raushängen zu lassen. Für alle anderen Sachen, zu denen selbst ein ONS zählt, würde ich mir nie eine Feministin raussuchen.

  3. Manchmal Christian, denk ich mir, du musst ein Textmasochist sein.
    Wer kann sowas lesen, darin Sinn finden , das analysieren ?
    Sowas sollte man im eigenen Wahn schmoren lassen.

    Herr schmeiss nen ordentlichen X-Flare vom Himmel, 2 – 3 Monate Stromausfall und die Menschheit ist geheilt von soetwas.

    • Es ist ein großartiger Text und die Diskussionen aus Twitter bringen wunderbar den Männerhass im Feminismus raus.
      Da stößt wunderbar einiges zusammen, das Recht zu begehren, wenn man will und der Hass auf Männer und der alte Grundsatz, dass das private politisch ist

      • zugegeben, um den Wahn der Zeit zu demonstrieren, ein einzigartiges Dokument, dass man vielleicht in Stein meisseln sollte, damit spätere Forschergenerationen nicht rätseln müssen, wie es zur Zäsur in der Zivilisationsgeschichte kam. Aber mit Erklärung für die ganzen verquasten Wortkapriolen und -kreationen.
        Meine Bewunderung hast du.

  4. Wenn jetzt Sexualität, wenn ich die Dame richtig verstehe, doch sozial konstruiert ist, ist dann nicht

    (a) es eine gute Sache, gegen die Zwangsverschwulung ab dem Kindergarten zu protestieren und

    (b) Schwule zu „heilen“?

    Ah – ich vergaß, Heteros sind vernichtenswerte Untermenschen. Am Homo-Wesen soll die Welt genesen.

    • Zwabgsverschwulung? Da braucht jemand dringend einen Aluhut

      Warum sollte man selbst wenn es sozial konstruiert ist schwule „heilen“. Sie sind nicht krank, sie schlafen nur mit Männer

      Aus radikalfeministischer Sicht liegt, wie sie ja auch schreibt, eine zwangsheterosexualisierung vor. Insofern nein

        • @Shitlord

          Das begreifen sie nicht, denn 1. bei „Zwangsheterosexualität“ oder „Heteronormativität“ handelt es sich um die gesellschaftlich repressive Norm, die einer lesbischen Frau die potentiellen Sexualpartnerinnen wegnimmt.
          Wären 2. also *alle Frauen* lesbisch oder würden wenigstens so tun, hätte N.L. das sexuelle Anrecht auf eine wesentlich größere Auswahl und Anzahl an Frauen.

          Deshalb – weil das nicht stattfindet – muss es sich bei mangelnder Auswahl und Anzahl um das Resultat eines gesellschaftlichen Zwangs handeln, der N.L. die Frauen wegnimmt.
          Würde die Heteronormativität wegfallen, würden alle Frauen zweifellos über N.L. herfallen – das findet in der Realität nicht statt, also müssen die Frauen von einer höheren Macht daran gehindert worden sein und werden.

          Ist doch logisch, oder?!
          Um dir zu zeigen, wie genderneutral und großartig diese Denkweise ist, den Absatz noch einmal mit vertauschten Rollen:

          „Deshalb – weil das nicht stattfindet – muss es sich bei mangelnder Auswahl und Anzahl um das Resultat eines gesellschaftlichen Zwangs handeln, der crumar die Frauen wegnimmt.
          Würde die Heteronormativität wegfallen, würden alle Frauen zweifellos über crumar herfallen – das findet in der Realität nicht statt, also müssen die Frauen von einer höheren Macht daran gehindert worden sein und werden.“
          Seitdem mir der Grundgedanke einleuchtet, bin ich ebenfalls gegen diese Heterodingens Macht und problematisiere das Begehren von Frauen in vollem Umfang.
          Wenn es nicht in erster Linie und vor allem mir gilt.

          Shitlord, man sollte auch die Teilwahrheiten der Feministinnen erkennen und feiern! 😉

  5. Mal wieder everything wrong with feminism

    Sie fordert das man aus politischen Gründen mit bestimmten Menschen schläft.

    LOL

    Wie ist eigentlich ihre Einstellung zu Totalitarismus? Ist der auch emanzipatorisch? Feministisch?

    Hat schon irgendeine andere Feministinnen eine Kritik dazu geschrieben oder regen die sich lieber wieder darüber auf das die Menschen männerhassende Feministinnen kritisieren?

  6. Lustiger Text, der kann was. Wäre man ein Aktivist, könnte man diese tiefsinnigen Überlegungen in lesbare Sprache bringen und WEIT verbreiten. Ganz unkommentiert – er spricht für sich.

    Ein Grund, warum sich der Genderismus ausbreitet wie böse Zellen: die wenigsten, die feministische Ansichten mittragen, wissen, was sie da eigentlich denken. Haben es nicht durchdacht. Haben es in ihrem intellektuellen Ursprung nicht verstanden. Glauben zu denken und bemerken nicht, daß sie einem absurden Glauben anhängen, dessen Grundlagen bereits durch den einfach gestrickten Hausverstand als grotesk erkennbar sind.

    Wäre das geklärt, würde sichtbar, daß es nicht um Erkenntnis oder um Gerechtigkeit geht, sondern um Vorteil und Macht. Womit man dann – kleiner, liebevoller Seitenhieb zum gestrigen Thema – mit der „genzentrierten“ Theorie analytisch tatsächlich das Auslangen fände. Im Falle von Frau Lentzsch: sie will mit ihren Theorien durchsetzen, daß sie als Nicht-Typ im Jahrmarkt des Begehrens eine größere Nummer wird.

    • P.S.: Wer diesen schönen Sonntag intellektuell nicht nur mit der Beschäftigung mit Unrat, sondern auch ein wenig festlich beginnen will, hier wären zwanzig kluge Minuten mit Camille Paglia:

  7. in dieser gesellschaft mein begehren auf marginalisierte identitäten zu richten oder stärker auszurichten ist ein akt des widerstands.

    Als Ferndiagnostiker (eine zu Unrecht verschmähte Fähigkeit) sage ich: Die hat einen gewaltigen Sprung in der Schüssel!
    Ich frage mich, ob Borderliner sich vom Radikalfeminismus ganz besonders angezogen fühlen, weil;

    – er simple Freund-Feind-Muster bereit hält
    – Verantwortung für eigenes asoziales Verhalten als Akt des Widerstands gegen eine Tyrannei verklärt
    – den eigenen Wahnsinn als politisch widerständige und ehrenwerte Haltung etikettiert
    – für alles Schlechte in dieser Welt sofort Schuldige und Verantwortliche benennen kann
    – eigenes Unvermögen als Unterdrückung entschuldigt
    – und Kritik als unerheblich erscheinen lässt, da es sich doch nur der Versuch ist, die Rebellin gegen das Unrecht mundtot zu machen, was die Heldin des Alltags natürlich nicht mit sich machen lässt!

    • @ ddbz

      „Ich bin ganz verwirrt! Kann Leszek zB mal eine Einordnung des Feminismus dieser Dame vornehmen?“

      Sie ist dem (vulgär-)poststrukturalistischen, politisch korrekten Gender/Queer-Feminismus zuzuordnen.

      Ihre Interpretation der pseudo-emanzipatorischen, regressiven Ideologie des postmodernen Gender/Queer-Feminismus fällt hin und wieder unfreiwillig komisch aus, da sie in manchen ihrer Texte, ausgehend von den ohnehin absurden theoretischen Grundlagen des postmodernen Gender/Queer-Feminismus bestimmte Einseitigkeiten besonders hervorhebt oder sogar noch abstrusere Positionen zu bestimmten Themen konstruiert, so dass bei manchen ihrer Texte schnell der Eindruck entstehen kann, dass es sich um eine Satire handele, (erstaunlicherweise sind sie aber wohl nicht satirisch gemeint).

      Innerhalb des postmodernen Gender/Qeer-Feminismus selbst ist sie offensichtlich dem lesbischen Flügel zuzuordnen und mit diesem Text tritt sie quasi in einen Meinungsstreit zu anderen Flügeln dieser feministischen Richtung, worauf Christian ja schon anhand des Stichwortes „competitive victimhood“ hingewiesen hat.

      Die Tendenz dieses Textes in Richtung einer Reaktivierung des feministischen Konzepts des „Politlesbianismus“ zu agumentieren, das ideengeschichtlich eigentlich aus dem mit dem Gender/Queer-Feminismus ideologisch zerstrittenen klassischen Radikalfeminismus (der 70er Jahre) stammt und das im zeitgenössischen Feminismus nur noch selten vertreten wird, dürfte sich im postmodernen Gender/Queer-Feminismus allerdings wohl eher nicht durchsetzen, da es zu stark darauf hinaus läuft eine neue „Norm“ zu etablieren, die andere Gruppen innerhalb der Szene – und hier mit guten Gründen – als diskriminierend ansehen würden. Aber es ist jedenfalls ein unterhaltsamer interner Flügelkampf.

  8. Ich stelle mir das schon extrem frustrierend vor, wenn lesbe sich ständig in Hetero-Frauen verliebt und nix als Abfuhren bekommt…

    Der Versuch, es als heldenhaften Widerstand gegen eine „hetero cis sexistische patriarchale gesellschaft“ zu framen, wird ihr allerdings auch nicht mehr 69er einbringen.

    Ich schenke ihr eine Packung Mitleid 🙂

  9. Es ist vllt. Zeichen der Dekadenz unserer Zeit, daß jeder noch so fertigen Borderline-Persönlichkeit Plattform und Reichweite gewährt wird.

  10. Im Ggs. zu Schwulen, wurden Lesben m.W. nie richtig unterdrückt. Wo deren Hass herkommt, möchte ich mal wissen. Die Lesbennetzwerke scheinen mir in ihrer sexistischen Radikalität recht gefährlich zu sein.

    Früher gingen so Frauen ins Kloster und machten sich dort gegenseitig das Leben schwer. Heute überziehen sie die Welt mit ihrem widersprüchlichen Seim. Kann es sein, dass Schwule mehr Spaß am Leben haben, als Lesben? Liegt das daran, weil bei Lesben die irrational-gefühlige Seite des Weiblichen verdoppelt ist, statt durch einen Mann geerdet zu werden?

    Nur so eine küchenpsychologische Spekulation meinerseits.

    Verkrachte Existenzen, die am liebsten die Gesellschaft in die Selbstausrottung führen würden. Gott sei Dank ist bei Heterofrauen die Hormonlage dann doch stärker, als der wohlfeile Drang sich als das bessere Geschlecht zu präsentieren. Ein Kampf gegen die Evolution kann nicht gewonnen werden (zumindest nicht so, dazu bräuchte es fortgeschrittene Gentechnik 😉

    • Noch eine Hypothese: vielleicht hassen Lesben Männer gerade deswegen so sehr, weil bei Heterofrauen Männer das Leben so sehr dominieren, dass die Lesben Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Kennt man ja, dass Frauen gerne über Typen klatschen, ständig Diäten machen, sich Schminktipps geben etc. eine Lesbe muss sich regelrecht ausgeschlossen vorkommen.

      Umgedreht ist das bei Schwulen und Hetero-Männern nicht so extrem. Nicht dass Heteros nicht über Frauen reden würden, aber das Thema ist m.E. bei weitem nicht so präsent, wie umgekehrt.

      Aber vielleicht irre ich auch, müsste man mal untersuchen.

    • „Wo deren Hass herkommt, möchte ich mal wissen. Die Lesbennetzwerke scheinen mir in ihrer sexistischen Radikalität recht gefährlich zu sein.“

      Sehr wichtiger Punkt. Diese Leute sind wirklich gemeingefährlich.

      Die Frage wäre natürlich: Wieviele der Lesben sind so? Nach meinem Eindruck: die Mehrheit. Aber das ist natürlich erst mal nur eine Hypothese.

      • „Nach meinem Eindruck: die Mehrheit. “
        Alle Lesben, die ich kenne (und das sind einige, weil wir mit einem Paar gut befreundet sind), fallen nicht darunter.
        Die sind aber auch alle „von Grund auf“ lesbisch.

        Daher die Gegenthese: die männerfeindlichsten Lesben sind jene, die aufgrund schlechter Erfahrungen von bi zu lesbisch gewechselt sind.

        Belege hab ich allerdings nicht.

        • Selbst in diesem Fall würde ich auf einen Unterschied hinweisen:

          Auch viele Männer machen „schlechte Erfahrungen“. Die Konsequenz ist aber in der Regel nicht, daß sie schwul werden und dann von der Vernichtung aller Frauen phantasieren.

          Bei vielen Frauen mit „schlechten Erfahrungen“ ist das offenbar ein wenig anders: sie radikalisieren sich in einer geradezu unvorstellbaren Art und Weise …

          • „Auch viele Männer machen „schlechte Erfahrungen“. Die Konsequenz ist aber in der Regel nicht, daß sie schwul werden und dann von der Vernichtung aller Frauen phantasieren.“

            Ich kann mir gut vorstellen, dass es das auch gibt, MGTOW sind m.E. ein moderater Flügel enttäuschter Männer, der schon ein bisschen diese Tendenz hat. Der Unterschied liegt eher darin, dass ein Mann, der solche Phantasien an die Öffentlichkeit trägt, schnell die Polizei im Haus hat. Auch hier haben Frauen mal wieder Narrenfreiheit, weil ohnehin niemand glaubt, dass sie dem geisteskranken Geschwafel auch mal Taten folgen lassen. Pech, wenn das dann doch passiert…

          • Nachtrag: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es das auch gibt“, meinte ich Gewaltphantasien gegen Frauen, nicht „schwul werden“, ich glaube letzteres ist eher schwierig für einen Hetero. Auch bei Frauen, aber die sollen ja angeblich eine stärkere Bi-Neigung haben.

          • Ja, in dieser Hinsicht ist das Pendant zu Radikalfeministinnen verm. MGTOW zu nennen.

            Frauen sind halt anders als Männer.

    • Wo deren Hass herkommt, möchte ich mal wissen.

      Meine Spekulation: Anders als Schwule dürften Lesben, gerade wenn sie jung, unerfahren und damit schwach sind, den Annäherungsversuchen von Männern ausgesetzt sein. Anders als Heten sind sie aber an Heterosex desinteressiert, damit dürften sie Annäherungsversuche als Übergriffe auffassen, man denke daran, dass Femis bereits Blicke als sexuelle Belästigung (also als Übergriffe) definieren. Hinzu kommt, dass sie körperlich unterlegen sind, und somit in die Notlage geraten, mit dem „Übergriff“ nicht richtig umgehen zu können, vielleicht wollen sie sich nicht outen und lassen sich darauf ein, obwohl sie es eigentlich verabscheuen – einfach aus Angst vor negativen bis gewalttätigen Reaktionen des Mannes, der sich nähern will (die Lesbe Alice Schwarzer bspw. hatte mal einen männlichen Freund.) – und Angst ist ein Nährboden für Hass. Schwule dürften kaum unerwünschte Anmachen von Frauen erhalten und wenn, dann können sie souverän damit umgehen, sei fassen weibliche Annäherung nicht als bedrohlichen Übergriff auf.

  11. ground control to private lantzsch:
    seems as if ya’re out to lunch
    … an‘ we don‘ caaaaare …..

    ( Küchendiagnostisch würde ich auf längeren Crackabusus tippen )

  12. Lantzschi schreibt:

    „in vielen aktivistischen kontexten herrscht die überzeugung vor, dass die gesellschaft, in der wir leben, durch machtverhältnisse sozial konstruiert wird. kurz: durch verschiedene formen von diskriminierung geformt wird.“

    Nur, dass Michel Foucault, auf dessen Machtbegriff hier indirekt Bezug genommen wird, diesen doch etwas anders verstanden hat als eine triviale dualistische Aufteilung von Gruppen nach einem Schwarz-Weiß-Schema, bei dem der einen Seite stets der Status als einseitig privilegiert und der anderen Seite stets der Status als einseitig diskriminiert zugewiesen wird.

    Michel Foucault (Hervorhebungen von mir):

    „Ich glaube – jedenfalls ist das der Sinn der Analysen, die ich vornehme (…), dass wir Machtbeziehungen NICHT SCHEMATISCH BETRACHTEN DÜRFEN, auf der einen Seite jene, die Macht haben, und auf der anderen jene, die keine haben. (…) Dieser Dualismus findet sich bei Marx niemals, wohl aber bei reaktionären und rassistischen Denkern wie Gobineau, (…).
    Die Machtbeziehungen sind überall. Allein schon die Tatsache, dass Sie Studentin sind, versetzt sie in eine bestimmte Machtposition. Andererseits bin ich als Professor gleichfalls in einer Machtposition. Ich bin in einer Machtposition, weil ich keine Frau bin, sondern ein Mann. UND ALS FRAU SIND SIE GLEICHFALLS IN EINER MACHTPOSITION, NICHT IN DERSELBEN, ABER WIR BEIDE SIND GLEICHERMAßEN IN EINER MACHTPOSITION.
    (…)
    Interessant ist (…) wie die Maschen der Macht in einer Gruppe, einer Klasse, einer Gesellschaft funktionieren, das heißt, wo sie jeweils im Netz der Macht lokalisiert sind und wie sie Macht ausüben, sichern und weitergeben.“

    (aus: Michel Foucault – Die Maschen der Macht, Vortrag 1976, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften, Vierter Band 1980 – 1984, Suhrkamp, 2005, S. 244)

    Macht und Diskriminierung sollten Foucault zufolge also nicht schematisch, sondern ergebnisoffen und kontextbezogen analysiert werden.

    Wer dies ernsthaft tut, wird m.E. automatisch zu dem Ergebnis gelangen, dass Jungen und Männer nicht einseitig privilegiert sind, sondern dass es viele Diskriminierungen gibt, von denen Jungen und Männer betroffen sind:

    http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

    https://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

    In diesem Sinne haben linke Männerrechtler wie z.B. Warren Farrell in seinem Buch „The Myth of Male Power“ oder Christoph Kucklick in seinem Buch „Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der negativen Andrologie“ oder David Benatar in seinem Buch „The Second Sexism“ oder Arne Hoffmann in seinem Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“, die theoretische Ansätze vertreten, welche Diskriminierungen von Männern UND Frauen zu erfassen vermögen, sicherlich eine realistischere Analyse zu geschlechtsbezogenen Themen entwickelt, die besser dazu geeignet ist, die Komplexität der sozialen Wirklichkeit von der Foucault in diesem Zitat spricht, zu erfassen.

    • Das ist ein wichtiger Punkt: Foucaults Machtanalyse ist völlig unbrauchbar für den typischen Feminismus. Foucaults Analyse ist hier viel zu differenziert, gewissermaßen zu intelligent für den Feminismus.

      Ich wäre mir aber nicht sicher, ob sich der Feminismus in Bezug auf Unterdrückung, Diskriminierung usw. auf Foucault und sein Macht-Konzept stützt. Allgemein sind die akademischen Feministen in der Regel auch Foucault-Anhänger – aber das bedeutet natürlich nicht, daß sie Foucault auch in diesem einen Punkt (Unterdrückung, Diskriminierung, …) für sich in Anspruch nehmen.

      • @Jochen @Jochen @Leszek

        Foucault hat das gleiche Schicksal erlitten wie Marx; nämlich in die Hände von denjenigen zu fallen, die mit einer höchst eigennützlichen „Lesart“ ein Maximum an Demagogie aus den Texten herausholen wollten und diese damit in eine vulgäre Farce verwandelt haben.

        Pjotr hat zum Persönlichkeitstyp einer solchen „Lesart“ m.E. richtig ausgeführt, diese/r ist *auf der Suche* nach einer Theorie, die:

        „- Freund-Feind-Muster bereit hält
        – Verantwortung für eigenes asoziales Verhalten als Akt des Widerstands gegen eine Tyrannei verklärt
        – den eigenen Wahnsinn als politisch widerständige und ehrenwerte Haltung etikettiert
        – für alles Schlechte in dieser Welt sofort Schuldige und Verantwortliche benennen kann
        – eigenes Unvermögen als Unterdrückung entschuldigt
        – und Kritik als unerheblich erscheinen lässt, da es sich doch nur der Versuch ist, die Rebellin gegen das Unrecht mundtot zu machen.“

        Wobei der letzte Punkt interessant ist in Kombination mit dem ersten, weil sie sich gegenseitig bedingen.

        Zunächst ist der Feind ist *moralisch schlecht*, *weil* mächtig, man selbst *moralisch gut*, *weil* ohnmächtig. Das ist bereits hochgradig gefährlich, weil es *religiöse Position* ist vgl.: „Selig die Armen im Geist, denn ihr ist das Reich der Himmel.“ und „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.…“
        Die religiösen „Armen“ übersetzen sich 1:1 in die intersektional Diskriminierten – die Position in dem intersektionalen „victim stack“ mag differieren, der Grundgedanke ist identisch.
        Dem Personal der LEIDERFAHRUNG gebührt das Himmelreich und um so mehr Leid, desto mehr Himmel, d.h. es handelt sich um das „revolutionäre Subjekt“ DER RELIGION.
        Interessant finde ich, dass damit „Leid“ und „Ohnmacht“ verabsolutiert werden, es zugleich jedoch weder wirkliche Subjekte gibt, die außerhalb kollektiver (identitärer) Zuschreibungen Leid erfahren, noch Kollektive, die jemals „für sich“ existieren können.
        Weil es keine Kollektive sind, die objektiv Gemeinsamkeiten *haben können*, weil Liz Mohn mit einer Kassiererin im Aldi nichts gemein hat und sie trotzdem unter dem Kollektiv „Frau“ verhandelt werden.
        Das so gebildete Kollektiv ist keins. Es existiert nicht.

        Es gibt aber *keine* Position *außerhalb* einer *gegebenen Gesellschaft*, sondern jede/r (re-) produziert diese Gesellschaft nolens volens mit. Damit sind die Möglichkeiten der „großen Verweigerung“ auch begrenzt und N.L. – wie Leszek bereits ausgeführt hat – kommt sie (geschichtsvergessen) *notwendig* auf die gleichen „rebellischen“ Ideen, wie der Radikalfeminismus bereits 50 Jahre *zuvor*: Das „radikal Andere“ ist Polit-Lesbentum und *Separatismus*.

        Hier wiederum ist *Separatismus* verbunden mit einer Position der REINHEIT, die vom Religiösen ins politisch-ideologische transferiert wird – individuelles heterosexuelles Begehren BESCHMUTZT diese Reinheit demzufolge nicht nur privat, sondern auch politisch.
        Was sie äußert, ist bereits Ausdruck eines manichäischen Weltbildes: „Er verlangte von seinen Anhängern Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt.“ Erlösung, bitte sehr, findet im Himmel – außerhalb irdischer Gerichtsbarkeit und Rechenschaftspflicht – statt!!!

        Laut Manichäismus unterscheiden sich: „zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte (..). Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Lichtelementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden.“ Wiki
        D.h. auch der lesbische Separatismus hat diese religiösen Wurzeln im *Effekt*, während die *Voraussetzung* und notwendige Folge des Weltbildes das ist, was hier unter „Freund-Feind-Muster“ verstanden wird.
        Das Muster selber hat jedoch einen SINN, der in der bloßen Wiederholung der Erkenntnis des Musters UNTERSCHLAGEN wird (Herv. von mir):

        „Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit GEHORSAM gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit FURCHT und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und OHNE ZWEIFEL, damit ihr ohne Tadel und LAUTER seid, Gottes Kinder, OHNE MAKEL mitten unter einem VERDORBENEN und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als LICHTER in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens, mir zum Ruhm an dem Tage Christi, sodass ich nicht vergeblich gelaufen bin noch vergeblich gearbeitet habe. Und wenn ich auch GEOPFERT werde bei dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit euch allen.“
        Philipper 2,12 ff

        Noch einmal N.L. mit Pjotr gesprochen: Sie lässt „Kritik als unerheblich erscheinen (…), da es sich doch nur der Versuch ist, die Rebellin gegen das Unrecht mundtot zu machen.“
        Es ist demnach der Versuch, die RELIGIÖSE mundtot zu machen.
        „Mundtot“ verweist wiederum auf die Figur des „Opfers“, welches entsteht, weil es sich „lauter“ gegen das „Verdorbene“ wendet, gegen das „verkehrte“ aus der Position des „Lichts“.
        Das ist eine MÄRTYRER-Figur und deshalb ist sie so mächtig.

        Was N.L. formuliert hat hat, ist ein LUPENREIN RELIGIÖSER Text.
        Ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist.

        Subcomandante crumar

  13. „Die gute Lantzschi, älteren Mitlesern vielleicht noch ein Begriff“

    Und für die neu Hinzugekommenen: Das ist die Dame, die im Lawblog dahingehend zitiert wird, dass der Rechtsstaat nur eine fiese Erfindung von alten weißen Männern sei, um den Rest der Menschheit zu unterdrücken. Udo Vetter, Strafrechtsanwalt, erklärt dann einmal auch für Laien, warum „dieser Rotz“ (so Nadine Lantzsch) unser Leben so lebenswert macht und warum das ein Riesenfortschritt für die Zivilisation war.

    Dieser neuerliche Artikel liest sich so: „Ich bin schon dafür. was ich bin, ein besserer Mensch. Andere müssen erst einmal etwas leisten, um auf mein Niveau zu kommen.“ Das ist eine prima Voraussetzung für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) – die aus dem Text ja auch wunderbar heraustrieft.

  14. Wo wir grad auf hohem nicht-ganz-dicht-Niveau sind…

    Diese Professorin, Angela Putnam,

    argumentiert, dass Meritokratie nur eine irregeleitete Idee der Whiteness-Ideology ist.

    The students are „socialized to believe that we got to where we are…because of our own individual efforts,“

    Die Forderung, Studenten sollten sich anstrengen, ist rassistisch.

    • Natürlich ist das rassistisch. Und wenn sich insbesondere asiatisch-amerikanische Studenten anstrengen, ist das auch rassistisch und treibt White Supremacy voran:
      http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/13613324.2017.1377170?journalCode=cree20

      „This paper examines historical and contemporary racializations of Asian(Americans) within the STEM system. The prevailing perception of Asian(Americans) as model minorities masks how their multiple and contradictory positionings in the STEM system perpetuate the neoliberal racial project and reproduce systems of racism and oppression. Through a multidisciplinary analysis of STEM education and industry, we demonstrate that the shifting racialization of Asian(Americans) secures advantages for White Americans by promoting meritocracy and producerism and justifies White supremacy. By serving these functions, the racialization of Asian(Americans) within the STEM system is central to the neoliberal racial project. This paper also suggests how STEM education researchers can reveal and resist, rather than veil and support, the neoliberal racial project in STEM.“

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