Frauen, die Spermien produzieren

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass es radikale Transsexuelle so wichtig ist, einer Kategorie zugeordnet zu sein, die sie jedem Inhalt entkleidet haben und die absolut sozial konstruiert ist.

Geht man von einem Gehirngeschlecht aus, dann kann ich es verstehen.

Von Intersexualität auszugehen bei der man beim Verhalten und denken Frau ist auch.

Dieses  „ich fühle mich als Frau, also muss alles was ich bin Frau sein, auch wenn die biologische Funktion eindeutig ist, finde ich sehr überzogen

Harvey Weinstein, weibliche Solidarität, offene Geheimnisse und sexuelle Belästigung

Harvey Weinstein und die vielen Frauen, die anführen, dass er sie sexuell belästigt hat, führen zu diversen Artikeln, die anführen, dass zum einen die Lage der Frauen als hochproblematisch dargestellt wird und zudem ein gemeinsames Interesse der Frauen dargestellt wird, solche Männer zur Strecke zu bringen.

Tatsächlich war das Verhalten von Harvey Weinstein ein „offenes Geheimnis“:

Es wird dort dargestellt, dass das Thema so weit verbreitet war, dass man es als Witz verwenden konnte, vor Weinstein auf der Hut zu sein, ohne dazu näher etwas zu sagen und jeder in Hollywood wusste, was los war.

Warum kam es nicht zu einer „Frauensolidarität“ wie sie jetzt gefordert wird?

1. Freiwilligendilemma

Ein Faktor könnte das Freiwilligendilemma sein:

Das Freiwilligendilemma (engl. Volunteer’s dilemma) ist ein Problem aus der Spieltheorie, bei dem kollektiver Gewinn bereits durch einen teilweisen Gewinnverzicht eines einzelnen Akteurs erzielt werden könnte. Es stellt eine spieltheoretische Formalisierung der aus der Sozialpsychologie bekannten Verantwortungsdiffusion dar.

Das 1985 von Andreas Diekmann erstmals untersuchte Freiwilligendilemma[1] wird oft mit dem Fall der unterlassenen Hilfeleistung beim Mord an Kitty Genovese veranschaulicht. Bei diesem Mord in New York beobachteten 38 Zeugen die sich über längere Zeit hinziehende Gewalttat von ihrer Wohnung aus und keiner der Zeugen, von denen jeder einzelne die Anwesenheit der anderen Zeugen bemerkte, leistete Hilfe oder verständigte die Polizei.[2]

Es tritt eine Verantwortungsdiffusion ein,  wenn jeder meint, dass ja andere die Verantwortung übernehmen könnten, weil es ja alle wissen. Das natürlich um so mehr, wenn die Kosten auf der anderen Seite gleichzeitig hoch sind für den, der die Verantwortung übernehmen möchte. Denn dieser muss dann damit rechnen, dass sich Weinstein und hochbezahlte Hollywoodrechtsanwälte auf ihn stürzen.

2. Die gangbare Lösung wird als ausreichend eingeschätzt, so dass es zu einem Fehler des anderen wird

Ein (wahrscheinlich schlechtes) Bild:

Ein Wohnkomplex ist über  einen schlechten Weg erreichbar, der eine hohe Stolpergefahr birgt. Alle wissen, es, keiner hat das Geld für die Reparatur, also haben alle gelernt vorsichtig zu gehen und überall sind Warnschilder angebracht. Dennoch stolpert immer wieder eine neue Bewohnerin und verletzt sich.

Was sind die Reaktionen? Solange die Kosten für die Reparatur nach wie vor als zu hoch bewertet werden werden sie wohl eher sein:

  • Pff, warum passt sie nicht besser auf? Es haben ihr doch alle gesagt, dass der Weg defekt ist
  • Jetzt sollen wir zahlen, weil sie zu blöd ist, vorsichtig auf dem Weg zu sein?
  • Da hätte sie vielleicht mal ihre Stöckelschuhe ausziehen sollen…
  • Sie ist eben keine von uns schlauen, die wissen, wie man sich auf dem Weg bewegt, warum soll ich das ausbaden?
  • Der Weg ist eigentlich gar nicht so schlecht, man muss nur wissen, wie man sich auf ihm bewegt.
  • Ich bin auch mal hingefallen, die soll sich nicht so anstellen, ist doch nichts schlimmes passiert.

Das dürfte um so eher passen, wenn es um Sachen wie einen gezeigten Penis oder eine dumme Anmache geht. Man kann es schlicht ausblenden und als Unannehmlichkeiten ausblenden und muss das wahrscheinlich auch, wenn man eine sehr schöne Frau ist und sich unter mächtigen Männern in einer Branche, in der persönliche Beziehungen alles sind, bewegt.

Um das Bild noch etwas zu strapazieren:

Inzwischen ist ein besserer Weg angelegt, den man aber erst benutzen darf, wenn man ein paar Jahre dabei ist oder eine der besseren Wohnungen bezogen hat.

Dann werden Gedanken dazu kommen wie:

  • Jeder Anfang ist hart, da mussten wir alle durch
  • Sollen die doch ihren Weg selber machen, ich gebe da nichts zu
  • So schlecht ist der Weg auch nicht und bald sind sie eh auf dem anderen

Und um es noch weiter zu strapezieren:

Es gibt viele Wege die schlecht sind und die muss sie eh auch lang gehen, dieser Weg mag in einem schlechten Zustand sein, aber schlechte Wege sind überall anders auch, zumindest zu Wohnungen mit gleichem Preis.

Dann hätte man:

  • Klar, wir zahlen die Reparatur dieses Wegs und alle anderen Wege bleiben genauso schlecht, was soll das bringen?
  • Selbst wenn wir den Weg hier teuer reparieren, dann stolpert sie eben über einen anderen, sie muss eh lernen vorsichtig zu sein und ihre Naivität ablegen.
  • Sie jammert über diesen Weg, als ob es nicht überall schlechte Wege geben würde

3. Die Vorteile der Nichtsolidarität 

Weinstein scheint schlicht gut in dem gewesen zu sein, was er machte:

On Sunday, one man’s name will be invoked in Oscar acceptance speeches even more frequently than mom, America and the Almighty. Or at least, one of his monikers will be. At last month’s Golden Globes, Meryl Streepreferred to him as „God“; Madonna as „the punisher“. For Thomas Langmann, the French producer of The Artist, he was simply „le boss“.

Harvey Weinstein’s producer credit on films such as The Iron Lady, My Week with Marilyn, and W.E. has earned him his 303rd Oscar nomination. Surely it’s only a matter of time before the academy fires up the foundry and remodels the award itself in his generous image.

Forget an honorary gong – and word is Weinstein wouldn’t mind an Irving G Thalberg memorial award, handed out periodically by the academy to outstanding producers – this would be the only truly fitting tribute. (…)

For decades, he had been a living legend, one of the few producers with face as well as name recognition. In 1979 he and his younger brother, Bob, had dropped out of college and set up a distribution company in a one-bedroom Manhattan apartment, which eventually morphed into Miramax (named after their parents, Miriam and Max).

(…)

In 1993 Miramax was taken over by Disney for $60m. Initially, they were happy bedfellows. Profits rose from £5m to £75m in four years. Weinstein’s short fuse (now ascribed to glucose overdose on account of a fondness for M&Ms) was indulged and found to be colourful, marketable even. He told the New York Observer he was „the fucking sheriff of this fucking lawless piece-of-shit town“. To some extent, he was right.

Er war anscheinend laut, setzte sich ein, hatte ein gutes Gespür und kannte jeden. So etwas wird eben nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt für etwas, aus dem die bekannteren Frauen längst raus waren. Ein Oscar oder ein tolles Filmprojekt ist besser als irgendein Modell vor Belästigung durch einen bestimmten Mann zu schützen

4. Die Eingebundenheit bzw. die Wichtigkeit anderer Gruppen

Weinstein war politisch links, spendete für die Demokraten, war im Club der erfolgreichen Filmemacher, die etwas bewegen konnten, verstand sich gut mit Größen wie Clinton oder anderen Hollywoodstars.

Er hatte mit diversen Stars Projekte durchgezogen, Leute immer wieder unterstützt und ein passendes Netzwerk aufgebaut, er hatte sich mit dem Rest Hollywoods gegen Trump positioniert und Teil der Familie. Und zwar nicht über eine abstrakte Geschlechtergemeinschaft, sondern eine tatsächliche Gruppe, aus der man Vorteile bekommen konnte und bei der man wusste, dass genug andere Leute Vorteile bekommen hatten.

Er passte eher ins klassisch Linke:

Weinstein, 65, was the opposite, one of the rare men in Hollywood who didn’t care about pursuing an audience of 15-year-old boys with comic book movies. He was someone with taste who was trying to make movies with great roles for women of all ages, a top Democratic fund-raiser who was pushing to make Hillary Clinton the first woman president, a man trusted by the Obamas to have their daughter intern at his company.

Trump anzugreifen, weil er „Grap them by the pussy“ gesagt hatte, war einfach: Kaum einer aus Hollywood hatte viel mit ihm zu tun oder brauchte etwas von ihm. Harvey Weinstein anzugreifen hingegen… das hätte einen schnell in eine Lage gebracht, wo andere Leute sich entscheiden müssen, ob sie mit Harvey einen Oscar gewinnen oder weiterhin gute Freunde mit einem sind, zumindest dann, wenn der Vorwurf schief geht und man es nicht beweisen kann.

Ansgesprochen wird es zB hier in diesem Rant über die Verwicklungen mit Weinstein einer konservativen Kommentatorin:

oder hier:

5. Intrasexuelle Konkurrenz und das Frauenbild anderer weiblicher Stars

Es würde mich wirklich interessieren, welches Frauenbild weibliche Stars haben.  Sie leben in einer Welt der Superreichen, Mächtigen und Berühmten, in denen sie täglich erleben, dass ein Produzent ihres Films seine Frau verlässt und mit einem jungen Modell zusammenkommt. Indem ihre Co-Stars mit den weiblichen Extras schlafen und diese sich ihnen an den Hals werfen. In denen kreischende Mädchenscharen sich um die Stars sammeln und ihnen bekannt ist, dass Männer wie Leonardo di Caprio mit einer beliebigen Anzahl von Frauen schlafen können und viele Models gerne dadurch bekannt werden würden, dass sie seine Freundin für 2 Monate sind.

Weinstein selbst wäre ein gutes Beispiel:

Die Stars werden erst mit ihm und seiner ersten Frau essen gegangen sein, die eine Assistentin in seiner Firma war und nur um dann eben später mit ihm und seiner neuen Frau, einem Modell mit 23 Jahren unterschied, die begeistert davon erzählte, wie sie ihre Firma hochbringt, während der Star im Hinterkopf denkt „Ja, klar mit Harveys Millionen und seinem Einfluss und ich sitze auch nur hier, damit ich dann deine Sachen trage“

Sie werden Kenntnis von unzähligen Affairen haben, bei denen der reiche mächtige Mann seine junge Modellfrau auf Drehs mit einer Prdouktionsassistentin betrügt, die dann einen besseren Job bekommt. Sie werden genug Frauen kennen, die es geschickt inszeniert haben, dass es zu entsprechenden Vorfällen kommt. Sie werden auch genug Frauen kennen, die sich mehr erhofft haben, wenn ein Star sich auf sie einlässt und die sich dann benutzt fühlen. Sie werden auch wissen, dass die Presse über einen herfällt wegen jeder Kleinigkeit und auch über sie genug Müll in der Zeitung steht, Assistentinnen schlecht über sie reden, Leute sich ausgenutzt fühlten etc. Sie werden vielleicht auch Frauen vor Augen haben, die sich an ihren Mann rangemacht haben, ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen haben.

Sie werden auch häufig genug mit einer gewissen Verachtung auf viele der Frauen gucken, die sich benutzen lassen oder die zu naiv sind und zwischen die Räder geraten. Und sie werden sich schlicht häufig einer anderen Gruppe zuordnen, der, die es geschafft hat, ohne eine Schlampe zu sein, die vorsichtig war, die nicht so blöd ist, sich von Weinstein alleine eine Tour durch ein ansonsten verlassenes Haus geben zu lassen, gerade Weinstein, der dicke Kerl, der immer Bestätigung braucht, durch ein paar billige Frauen. Sie werden es entsprechen rationalisieren, dass sie es entweder darauf angelegt hat oder zu naiv ist um jemals in Hollywood Fuß zu fassen. Dass sie sich nicht für ein Neuling einsetzen muss, der nun gerade auf Weinstein, bei dem es ein offenes Geheimnis ist, reinfällt.

Es ist einfach sich über diese Fälle zu erheben und sie nicht sein Problem sein zu lassen.