Die Deutschen flirten sehr subtil

Ich unterhalte mich mit einer befreundeten Südländerin. Sie meint, dass die deutschen Männer viel zu zurückhaltend wären. In ihrem Land wäre man viel direkter und die Männer würden nicht so um den heißen Brei herumreden. Ein Mann solle nicht so schüchtern sein, sondern mutig der Frau zeigen, dass er was will und eine Abweisung riskieren. Das würde einen Mann ausmachen: Das er „Eier“ hat. Hier würde man erst stundenlang schauen und Emails schreiben und um einander rumschleichen. Es sei nicht auszuhalten!

Mein Einwand war, dass ich ihr ja in der Sache zustimme, dass es aber nun einmal in Deutschland so gemacht werde und die deutschen Frauen das eben so wollen. Gleichberechtigung, sexuelle Belästigung und so.

Sie darauf: „Ach ja? und warum lassen die sich dann sobald sie im Urlaub bei uns sind reihenweise von unseren Männern ficken?“

Ich gebe die Frage ab an die Kommentare und verbleibe mit „Wir sind Helden“ und Aurelié:

24 Gedanken zu “Die Deutschen flirten sehr subtil

  1. Deine Freundin hat Recht! Deutsche Jungs sind wirklich zu zurückhaltend. Meiner Erfahrung nach reagieren auch deutsche Frauen sehr wohl auf „direct game“. Also auf direktes Ansprechen und einer männlichen Präsenz, die sich nicht hinter Schüchternheit versteckt.

    Dein Einwand, dass …“ich ihr ja in der Sache zustimme, dass es aber nun einmal in Deutschland so gemacht werde und die deutschen Frauen das eben so wollen. Gleichberechtigung, sexuelle Belästigung und so.“

    ist zwar politisch korrekt. Wenn deutsche Männer diese falsche Wahrnehmung (Stichwort: „The map is not the territory“ von DeAngelo) überwinden könnten, hätten sie deutlich öfter Sex mit mehr Sexpartnern.

    Schon bemerkenswert, wie auch vermeintlich aufgeklärte, dem Feminismus gegenüber nicht unkritisch eingestellte Männer wie Du immer noch unter dem Einfluss einer verzerrten Wahrnehmung leben. Und dadurch ihr eigenes Handeln zu ihrem Nachteil beeinflussen lassen..

  2. @Seppo

    Ich bin mir der Vorteile von „direct game“ oder zumindest schnelleren indirekten Game durchaus bewusst. Wie ich hier schon mehrmals geschrieben habe sind die Attraktivitätsmerkmale meiner Meinung nach unabhängig vom Land eingespeichert. Ich habe schon erlebt, was man mit der richtigen Vorgehensweise in kurzer Zeit schaffen kann und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man als Mann immer mutig eskalieren soll, dabei aber natürlich auf die jeweilige Frau kalibriert.

    Bei dieser Kalibrierung wirken sich meiner Meinung nach die kulturellen Unterschiede aus. Die Art der Franzosen oder Griechen zu flirten kommt auch bei deutschen Frauen an, allerdings empfinden diese die Art mitunter als zu direkt, weil wir andere Freiräume haben. Das bedeutet wahrhaftig nicht, dass man umeinander rumschleichen muss, aber ich denke eine gewisse Modifizierung nach Land passt schon. ZB kenne ich eine Deutsch-Griechin, die in Deutschland aufgewachsen ist und im Urlaub in Griechenland jemanden kennenlernte, der ihr gut gefiel. Da sie nur kurz da war fragte er sie recht schnell, ob sie miteinander schlafen wollten und wohl auf eine Art die andere Griechinnen als nichts besonderes oder zu direkt empfinden würden. Was soll er machen, sie war ja nur noch kurz da, natürlich musste er sie fragen, war wohl da die Meinung. Ihr hingegen hätte der Aufbau von etwas mehr Rapport und ein indirekteres „Hinübergleiten“ zu Sex mehr zugesagt, sie lehnte ab, weil es ihr zu plötzlich war.

    Es ging mir in dem Gespräch nicht um mich, sondern um eine Erklärung, warum man es in Deutschland so macht.
    Ich würde da tatsächlich Mechanismen vermuten, die etwas mit einer anderen Einstellung zu Sex und Gleichberechtigung zu tun haben. Bei uns betont man vielleicht einfach den Sex weniger, vielleicht ein Überbleibsel von „Frauen nicht zu Sexobjekten machen“ als Forderung des Feminismus?
    Oder ist es einfach so, dass die Südländer mehr Testosteron haben und daher insgesamt männlicher, dominanter, direkter auftreten?

    Mich würden die Gründe tatsächlich interessieren.

  3. Ich bin Argentinier und lebe seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Oft hatte ich bei deutschen Männern den Eindruck, dass sie tatsächlich ein gar nicht so gewaltiges Interesse an Frauen haben. Es werden Frauen nicht nur nicht angesprochen, sie werden auch nicht selten zurückgewiesen, wenn sie es selbst versuchen. Es sieht so aus, als wären deutsche Männer am liebsten mit anderen deutschen Männern zusammen.(Den gleichen Satz hab ich mal über Engländer gehört). Der Umgang mit Frauen erscheint fast lästig. Ausserdem haben deutsche Frauen bei deutschen Männern einen eher schlechten Ruf. Dabei finde ich sie eigentlich gar nicht so schlimm.

    Was die Südländer betrifft: Italiener, Franzosen oder Brasilianer sind Dauerbaggerer. Spanier oder auch wir dagegen eher nicht(Die Spanier oder wir sind dazu wahrscheinlich zu mürrisch).

    Bei Franzosen und Italienern habe ich oft das Gefühl, sie sprechen so ziemlich jede einigermaßen aussehende Frau an, einfach nur, weil es irgendwie dazu gehört. Oft erwarten sie gar keine positive Antwort. Oft wollen sie nicht mal eine. Man macht es eben einfach nur so. Ablehnung ist kein Problem.

    Für deutsche ist Ablehnung ein Problem. Ihr ohnehin schon schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein rauscht dann ganz in den Keller. So wird das ganze Thema Frauen und Sex ein tendenziell unerfreuliches. Wir reden hier aber nur über die Mittelschicht. In der Unterschicht wird gebaggert wie in anderen Ländern auch. Direct game ist bei einer deutschen Mittelschichtlerin nur mäßig Erfolg versprechend. Und wenn schon, ist es das Beste offensiv zu starten und sich dann erstmal zurückzuziehen, so dass sie sich fragt, war das nun Interesse an ihr oder einfach nur deine normale Art. In den meisten Fällen wird sie dann selbst aktiv.

  4. „Oder ist es einfach so, dass die Südländer mehr Testosteron haben und daher insgesamt männlicher, dominanter, direkter auftreten?“

    ist dir so was eigentlich wirklich kein bißchen peinlich?

  5. @bigmouth

    wenn du deine Kritik etwas deutlicher schreiben würdest, dann könnte ich sie besser verstehen.

    Du scheinst davon auszugehen, dass südländische Männer den gleichen Testosterondurchschnittswert haben wie nördländische?

    Dazu ein Verweis auf Testosterone and human variation

    Oder gefällt dir nur die Schußfolgerung aus einem höheren Testosteronwert nicht?

    Aus der Wikipedia zum Thema Testosteron:
    Außerhalb der Geschlechtsorgane fördert das Hormon das Wachstum der Körperbehaarung und der Barthaare (aber nicht der Kopfhauptbehaarung; siehe auch Haarausfall) und besitzt eine anabole, das heißt muskelaufbauende Wirkung. Des Weiteren verstärkt Testosteron die Knorpel- und Knochenneubildung, ähnlich wie Thyroxin. Ein hoher Testosteronspiegel fördert das Entstehen bzw. die Steigerung von sexuellem Verlangen (Libido) und generell Antrieb, Ausdauer und „Lebenslust“, sowie dominante und aggressive Verhaltensweisen. Als verhaltensbiologische Wirkungen bei Tieren wurden Imponiergehabe, Kampfverhalten sowie Begattungsdrang erforscht und beobachtet. Dies wurde u. a. durch Kastration und anschließende Hormonzufuhr an Tieren (mächtige, aggressive Hengste werden zu sanften, angepassten Wallachen) nachgewiesen.

  6. ich finde es halt merkwürdig, dass du verhaltensweisen so unumwunden biologisierst. dass ist einfach eine etwas elaboriertere version von „heissem südländischen blut“

    • 1. Du hast die Wirkung von Testosteron, die du so wie ich das sehe nicht bestreitest
      2. du hast verschiedene Testosterondurchschnittswerte

      Der Rückschluss, dass dies zu einer Verhaltensänderung führt scheint mir da eher naheliegend, wenn man nicht einen der Punkte selbst angreift. Vielleicht führt dieser biologische Unterschied dann auch einfach zu dem „vorurteil“, dass bezüglich des einzelnen Menschen ja auch ein Vorurteil wäre, aber nicht bezüglich der Bevölkerung im Schnitt.

      Oder ist es einfach nur nicht politisch korrekt, dass Menschengruppen verschieden sein können und das ist der Gedanke, der dich zusammenzucken läßt? Warum eigentlich, wir haben ja offensichtlich in Teilen der Bevölkerung andere Gene, sonst hätten wir Europäer keine weiße Haut und kein Enzym zum Abbau von Alkohol entwickelt (das Asiaten hingegen fehlt). Leichte Unterschiede des Testosteronspiegels (oder der Rezeptoren) sind da eher eine kleinere Adaption.

  7. Naja, seit der Völkerwanderung wurde ja in ganz Europa so Einiges durchmischt, ich denke nicht dass es z.B. den Französischen Phänotyp gibt.

    Ich vermute eher einen Zusammenhang mit der protestantischen Sexualmoral, und der damit verbundenen „Ehre“ der züchtigen Bürgersfrau. Anbaggern impliziert ja demzufolge den beleidigenden Anwurf, die Frau habe keine bürgerliche Ehre („Ich bin doch nicht so eine!“)

    Bekannterweise ist der Amerikanische und der Deutsche Feminismus stark von dieser bürgerlich-protestantischen Sexualmoral (Viktorianismus) geprägt, wodurch offenbar so Einiges, trotz Säkularisierung, konserviert wurde. Vermutlich wird auch heute noch, auch freundliches Anbaggern als potentiell ehrenrührig bzw. „Frauenfeindlich“ betrachtet.

    Jedenfalls vermittelt unsere Kultur Mittelschichtmännern oft immer noch diesen Kodex, nur nicht mehr religiös begründet.

    Südeuropa wurde möglicherweise von dieser Sexualmoral (und dieser Art von Feminismus) weniger heimgesucht, jedenfalls kommt man dort offenbar gar nicht erst auf die Idee dass Anbaggern per se beleidigend sein könnte. Die Frau ohne Interesse gibt einen charmanten Korb und gut iss, es hat sich ja niemand „sozialschädlich“ verhalten.

    Vielleicht aber auch tatsächlich ein shit-test, je mehr soziale Ächtung ein Mann bei einer Abfuhr riskiert umso mutiger ist ja sein Anbaggern.

    • @Nick
      „Naja, seit der Völkerwanderung wurde ja in ganz Europa so Einiges durchmischt, ich denke nicht dass es z.B. den Französischen Phänotyp gibt.“

      Es ist natürlich eine Betrachtung über den Schnitt. Allerdings finde ich schon, dass man Nationalitäten in vielen Fällen gut erkennen kann. Ein Grieche sieht häufig anders aus als ein Italiener und erst recht als ein Schwede. So durchmischt sind die Bevölkerungsgruppen in Europa noch nicht. Ich denke die verschiedenen Sprachen sind immer noch eine Barriere.

  8. Ich hab auch schon gedacht, dass es vielleicht etwas mit dem Protestantismus zu tun haben könnte. Auch ist ja der Feminismus in protestantischen Ländern besonders ausgeprägt. Und machen wir uns Nichts vor: zwar gibt es Videos und andere Publikationen, in denen es heißt „Feministinnen haben besseren Sex“ oder „Wir mögen Männer“. Doch das ist Pfeifen im dunklen Wald. Der Feminismus verpasst zumindest den Männern ein höchst puritanisches Korsett und das wirkt sich natürlich auch auf die Frauen aus. Die klagen dann über ihre eigenen Männer und kommen stattdessen zu uns oder den Afrikanern, Orientalen oder Kariben.

    Dass der deutsche Mittelschichtsmann keinen großen Bock mehr auf Frauen hat und sich etwas wie Maskulismus bildet, wundert mich gar nicht.

    Allerdings zeigt die Unterschicht, dass es auch in Deutschland anders geht. Gerade war ich beim AC/DC Konzert, da wurde gebaggert bis der Arzt kommt und wie es schien, oft mit Erfolg.

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  10. @ Nick, Salvatore

    Schon mal daran gedacht, dass die Verschränkung von Biologie und Kultur so weit gehen könnte, dass die Biologie mit darüber entscheidet, welche Kultur sich durchsetzt?

    Dass also möglicherweise die protestantische Sexualmoral nur dort dominant werden konnte, wo die Population hormonell dafür prädestiniert war?

    Also in Regionen, wo Männer und Frauen (genetisch?, ernährungsbedingt?, klimatisch?) einen niedrigeren Testosteronspiegel aufweisen?

    Ich kenne dazu keine empirsichen Daten, aber vorstellbar wäre es ja.

    • @Roslin

      Ich denke auch, dass die Biologie die Kultur beeinflusst und andersherum. Schließlich bedingen Kulturen gleichzeitig auch ein gewisses „Zuchtprogramm“ und durch die von dir angesprochene Rückkoppelung, dass sich die Kultur nach den Vorlieben der Menschen anpasst würde dies noch verstärkt werden.

  11. @ bigmouth

    Das Klischee vom „heißblütigen“ Südländer ist eben, wie viele Klischees, u.U. ein echtes Klischee, also die verwaschene, vergröbernde Widerspiegelung von REALITÄT, enthält also möglicherweise einen wahren Kern.

    Einfach zu sagen, das könne nicht wahr sein, weil es so klischeebeladen ist, hilft da nicht weiter.

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