Der Familienausschuß des Bundestages

Was ich immer recht interessant finde ist sich einmal den Familienausschuß anzuschauen, offiziell der Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, es dürfte neben dem Rechtsausschuß der Ausschuß sein, in dem viele der hier behandelten Themen diskutiert werden:

Auf der Seite des Ausschusses heißt es:

Auch wenn meist nur vom Familienausschuss gesprochen wird, beschäftigt sich der Ausschuss doch mit vielen unterschiedlichen gesellschaftspolitisch relevanten Themen. Seine Aktivitäten zielen darauf ab, Familien sowie Kinder und Jugendliche zu stärken, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erzielen und die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels unserer Gesellschaft engagiert sich der Ausschuss besonders dafür, die Rahmenbedingungen für ein weitgehend selbstbestimmtes Leben der älter werdenden Bürgerinnen und Bürger kontinuierlich weiterzuentwickeln und das bürgerschaftliche Engagement aller Generationen zu fördern.

Ich zähle bei den ordentlichen Mitgliedern von 40 insgesamt 23 Frauen, was meine ich ausgewogener ist als bei der letzten Wahl:

Die ordentlichen Ausschußmitglieder der CDU (14)

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend CDU

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend CDU

Mir sagen sie nichts, aber vielleicht ja anderen. Auch interessant wäre es mal zu schauen, wer so bei Twitter ist und wen man da mal direkt auf bestimmte Themen ansprechen kann

Die SPD stellt 9 Ausschußmitglieder:

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend SPD

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend SPD

Die AFD stellt 5 Mitglieder:

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend AFD

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend AFD

Die FDP stellt 4:

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend FDP

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend FDP

Die Linke auch 4 Mitglieder und eine davon ist Vorsitzende:

 

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend Die Linke

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend Die Linke

Frau Achelwilm schreibt auf den Frauenseiten:

3. Was möchten Sie speziell frauen*politisch erreichen?

„Oh, da gibt es noch sehr viel, was erreicht werden kann und muss. Die Lohnbenachteiligung von Frauen lückenlos beenden. Frauen, egal in welcher Position, in ihrem Selbstbewusstsein und ihren Rechten stärken. Gesetzliches Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit. Ausreichend gute und wohnortnahe Kita-Plätze. Dass die Frauenfrage auch global gedacht wird. Alleinerziehende politisch wertschätzen und unterstützen. „Gläserne Decke“ durchbrechen (warum werden ausreichend qualifizierte Frauen auf jeder nächsthöheren Aufstiegsebene immer weniger?). Sorge- und Pflegeberufe massiv aufwerten. Institutionelle Frauen- und Gleichstellungsstrukturen bedarfsgerecht finanzieren. Den Hebammenberuf stärken. Die Löhne im Einzelhandel hochsetzen, flexiblere Ladenöffnungszeiten und „Arbeit auf Abruf“ unterbinden. Sexismus gesellschaftlich ächten und überwinden.“

4. Was verstehen Sie unter Gleichstellungspolitik?

„Jede Form von struktureller Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund einer Geschlechtszugehörigkeit (oder -unzugehörigkeit) transparent zu machen und mit allen Mitteln der Politik zurückzukämpfen. Eine Dauer- und Querschnittsaufgabe.“

5. Wieso sollten Frauen* Ihnen ihre Zweitstimme geben?

„Weil meine Partei konsequent Frauen fördert und nach vorne stellt. Weil das Wahlprogramm der LINKEN im Parteienvergleich am meisten Frauenpolitik beinhaltet (Quelle: Deutscher Frauenrat). Weil ich mich seit vielen Jahren auf verschiedenen Ebenen aktiv mit Gleichstellungs-, Frauen- und Queerpolitik beschäftige und so bald nicht damit aufhöre – auch und erst recht nicht, wenn ich es in den Bundestag schaffe. Weil mein Begriff von Feminismus ein „linker“ ist, sprich: Frauenpolitik darf sich nicht nur um quotierte Aufsichtsratsposten drehen, sondern muss Frauen insbesondere da stärken, wo sie am Ende von Gehaltstabellen stehen; wo sie keine Lobby, Unterstützung oder Vertrauensperson haben; wo sie Schutz gegen Zumutungen brauchen; wo sie über mehr selbstbestimmte Zeit verfügen wollen; wo sie falschen und einschränkenden Rollenerwartungen mutig entgegentreten.“

 

Die Grünen auch 4 Mitglieder und die stellvertretende Vorsitzende

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend Grüne

Deutscher Bundestag Ausschuss für Familie Senioren Frauen und Jugend Grüne

Frau Schauws schreibt in ihrer Twitter-Bio:

#Grüne Bundestag #Frauen #Feminismus#Queer* #Lesben #LGBTI Niederrhein Krefeld Moers

Frau Dörner schreibt bei der Heinrich Böll Stiftung:

Frauenanteil im Bundestag gesunken
Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag beträgt seit Beginn der neuen Wahlperiode nur noch 31 Prozent. 218 der 709 Abgeordneten sind weiblich. Der Anteil an Frauen* im Bundestag ist damit so gering wie seit 1998 nicht mehr. Der geringe Frauenanteil hängt auch mit der AfD zusammen. Seit der Wahl im Herbst 2017 ist sie erstmals im Bundestag vertreten. Nach CDU/CSU und der SPD bildet sie mit 92 Abgeordneten die drittgrößte Fraktion. Nur 10 davon sind weiblich. Damit hat sie mit knapp 11 Prozent den geringsten Frauenanteil aller Fraktionen. Aber auch die FDP-Fraktion hat nur einen Frauenanteil von 24 Prozent und bei der Union ist der Anteil der Frauen von 26 auf 20 Prozent rapide gesunken.

31 Prozent Frauenanteil im Deutschen Bundestag – schon diese Zahl zeigt, wie wichtig Feminismus und das Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter weiterhin sind. Der Gender Pay Gap, der Gender Pension Gap und der mit dem 2. Gleichstellungsbericht besonders beleuchtete Gender Care Gap, die alarmierenden Zahlen häuslicher Gewalt gegen Frauen – all dies zeigt, Feminismus ist notwendig und top-aktuell.

(…)

Es ist von zentraler Bedeutung mit den vielen wichtigen Akteur*innen in der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten. Die vielen engagierten Feminist*innen geben  Hoffnung, dass wir etwas drehen können. Wir sehen einen erstarkten Rechtspopulismus, eine Rechtsverschiebung dessen, was als Meinungsäußerung akzeptiert wird, einen neu erstarkten Hass. Aber wir sehen auch ein neues Dagegenhalten und neue Kraft. Der breite, von so vielen getragene Protest gegen die Anzeige von der Frauenärztin Kristina Hänel, die Infoverweise zum Schwangerschaftsabbruch auf ihrer Website zur Verfügung stellte; die „Schweigenbrecher*innen“ der #meToo-Kampagne, die breit besuchten Demos im vergangenen Jahr vom Internationalen Frauentag bis hin zu den Women’s Marches haben diese Möglichkeit schon mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Antifeminismus der AfD mobilisiert viele. So gab es beispielsweise vor der Bundestagswahl auch die Kampagnenseite „Frauen gegen die AfD“, auf der sich viele Frauen zu Wort gemeldet und deutlich gemacht haben, warum die AfD aus ihrer Sicht frauenfeindlich ist.

Denn die politische Programmatik zeigt alarmierend deutlich, dass die von vielen, auch und gerade jüngeren Frauen und auch Männern als selbstverständlich empfundene Gleichstellung eben nicht selbstverständlich ist, sondern dass es sich lohnt und auch notwendig ist, weiter zu kämpfen. Daran gilt es anzuknüpfen.

Einige Themen werden anscheinend eher im Rechtsausschuss verhandelt, beispielsweise das Wechselmodell, wenn ich es richtig verstanden habe.

Dennoch finde ich es interessant, mal zu schauen, wie die Ausschüsse so besetzt sind. Wenn jemand Informationen zu den anderen Mitgliedern hat oder sich freundlicherweise die Mühe machen möchte da etwas zu suchen, dann würde es mich freuen. Ich denke so bekommt man vielleicht einen interessanten Überblick.

FDP bringt Antrag auf Wechselmodell als Regelfall in den Bundestag ein

Heute, ich habe gelesen um 18:00 Uhr, soll im Bundestag über einen Antrag der FDP auf das Wechselmodell als Regelfall diskutiert werden.

Die Linke hat einen genau gegenteiligen Antrag:

Ich vermute, dass der Antrag leider nur geringe Chancen hat. Aber als Debatte trotzdem gut. Wenn dann würde wohl auch erst beschlossen werden, dass es in die Ausschüsse geht, wenn ich es richtig verstanden habe.

Die Anträge:

Rot-Rot-Grün wollen eine Frauenquote für Parlament und Ämter einführen

Wie Arne auch bereits berichtete hat man in Berlin dafür gestimmt, dass eine Frauenquote für Parlament und Ämter eingeführt werden soll:

Die Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten könnte deutlich besser sein. Im Berliner Abgeordnetenhaus sind nur 53 von 160 Abgeordneten Frauen, mit 33,1 Prozent nicht einmal jede Dritte. Rot-Rot-Grün will die paritätische Beteiligung von Frauen an politischer Willensbildung in Parlamenten, Ämtern und Gremien erhöhen und prüft die Einführung eines Parité-Gesetzes.

Dieser Antrag wurde mit Stimmen der Koalition bei Enthaltung der CDU und gegen das Votum der FDP und AfD am Donnerstag verabschiedet. Die Koalition lässt ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes erarbeiten, ob ein Parité-Gesetz, also eine Frauenquote in Parlamenten, Ämtern, und Gremien verfassungskonform ist.

Aus meiner Sicht wäre das Verfassungswidrig. Es stellt einen unzulässigen Eingriff in die innere Demokratie einer Partei dar und verstößt auch meiner Meinung nach dagegen, dass sich Parteien mit ihren Ideen beim Wähler durchsetzen müssen und dort miteinander konkurrieren müssen, es obliegt den Parteien, wie sie sich dafür aufstellen. Wenn eine Partei meint, dass nur Männer aufgestellt werden sollen, dann sollte das ihr gutes Recht sein.
Eine Verfassungsänderung, die so etwas vorsieht, könnte hingegen durchaus wirksam sein, bräuchte aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Wählern aufzuzwingen, wen sie wählen sollen, ist ein sehr schwacher Weg. Immerhin hätten bereits jetzt Frauen Frauen wählen können, etwa über die Grünen und die Linken. Und natürlich indem sich mehr Frauen in Parteien aufbringen und dort aktive Arbeit machen. Es ist auch mit unseren Wahlsystem, welches ja gerade das gewinnen eines Direktmandats belohnt, kaum vereinbar (was man auch ändern könnte).

Meine Meinung dazu, die ich hier schon geäußert hatte, bleibt insofern gleich: Wenn man mehr Frauen in der Politik will, dann müssen Frauen das erreichen, indem sie dort mehr auftreten und Wähler ansprechen

Merkel zur Kanzlerin gewählt

Deutschland hat wieder eine Regierung. Der Spiegel berichtet:

171 Tage nach der Bundestagswahl ist Angela Merkel (CDU) zur Kanzlerin gewählt worden. 364 Abgeordnete des Bundestages gaben der 63-Jährigen in der geheimen Wahl ihre Stimme. Das Regierungsbündnis aus CDU, CSU und SPD kommt auf 399 von 709 Stimmen.

Von den 702 anwesenden Abgeordneten gaben 692 ihre Stimme ab, davon waren vier Stimmen ungültig. Gegen Merkel votierten 315 Abgeordnete, neun enthielten sich.

Merkel erhielt 35 Stimmen weniger als die 399 Sitze, über die das Regierungsbündnis verfügt. Schon bei den vergangenen drei Regierungskoalitionen unter ihrer Führung erhielt Merkel nie alle Stimmen der jeweiligen Regierungsabgeordneten:

 

Kann man von HartzIV leben?

Spahn (CDU) hat eine Diskussion über HartzIV ausgelöst. Grundlage war Folgendes:

Spahn hatte in dem Interview die Entscheidung der Essener Tafel, keine weiteren Ausländer mehr aufzunehmen, verteidigt. Niemand sei auf die Tafeln angewiesen, denn Hartz IV reiche als Grundsicherung aus. „Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt“, sagte er. Die gesetzliche Grundsicherung werde genau bemessen und regelmäßig angepasst. Der Funke Mediengruppe hatte der CDU-Politiker zudem gesagt, Hartz IV bedeute nicht Armut, sondern sei die Antwort der Solidargemeinschaft auf Armut. Er fügte hinzu: „Mehr wäre immer besser, aber wir dürfen nicht vergessen, dass andere über ihre Steuern diese Leistungen bezahlen.“

Jetzt ergänzte er noch:

Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn hat auf die scharfe Kritik an seinen Aussagen zu Hartz IV reagiert. Seine Aussagen kämen natürlich nicht gut an, das merke man ja auch an den Reaktionen, sagte der CDU-Politiker in „Klamroths Konter“ bei n-tv. Gleichzeitig bezeichnete er Sozialleistungen wie Hartz IV erneut als ausreichend.

„Natürlich ist es schwierig, mit so einem kleinen Einkommen umgehen zu müssen, wie es Hartz IV bedeutet“, so Spahn. „Ich sage ja gar nicht, dass es leicht ist. Das deckt die Grundbedürfnisse ab und nicht mehr. Da gibt es nichts zu diskutieren und das habe ich auch nicht infrage gestellt.“

Was bekommt man nun mit HartziV und wie wird es berechnet:

Demnach also 416 Euro, wobei zusätzlich noch Wohngeld gezahlt wird, welches nach den Verhältnissen vor Ort berechnet wird, hier zB Berlin

Dabei sind die Zahlungen wie folgt:

1 Person 50 m² 404 € Kaltmiete

2 Personen 60m² 472 € Kaltmiete

1 person mit Kind 65m 491 €

Rechnet man mal mit 150 € Nebenkosten, dann kommt man auf einen Betrag bei einer Einzelperson von 404 € + 150 € +416 € =970 €.

Durch einen Netto-Brutto-Rechner gejagt ergibt das ein Gehalt von 1265,86 € Brutto.

Um darauf mit dem Mindestlohn zu kommen muss man 33 Stunden pro Woche arbeiten. 

Der Selbstbehalt eines vollarbeitenden unterhaltspflichtigen Elternteils gegenüber seinen Kinder entspricht: 1.080 € und liegt damit nur 110 € über diesem Satz. Der Selbstbehalt eines nichterwerbstätigen unterhaltspflichtigen Elternteils liegt bei 880 € (etwa bei Rente) und damit noch 90€ unter diesem Satz.

Der Eheangemessene Selbstbehalt gegenüber Ansprüchen des Ehegatten liegt bei nichterwerbstätigen, also wiederum zB Rentnern nur bei 1090 €, bei Erwerbstätigen bei 1.200 €.

Wer also sagt, dass man von 970 € nicht leben kann, der müsste ebenso für eine Anpassung des Selbstbehaltes im Unterhaltsrecht sein.

HartzIV soll nichts sein, was einen gut leben lassen soll. Es soll die Grundbedürfnisse abdecken und muss niedrig sein, weil es von anderen finanziert wird und Arbeit gleichzeitig noch attraktiv sein soll.

Unterhaltsschuldner haben teilweise weniger zur Verfügung und sollen davon ganz selbstverständlich leben, auch wenn sie nebenher noch Vollzeit arbeiten.

Natürlich ist es immer leicht zu sagen, dass es besser wäre, wenn diejenigen mehr zur Verfügung hätten. Aber natürlich verteuert jede Erhöhung dort auch über höhere Steuern Arbeit und macht sie gleichzeitig uninteressanter. Eine Betrachtung der einzelnen „Tortenstücke“ halte ich dabei auch für nicht sehr effektiv. Letztendlich kommt es auf den Gesamtbetrag an. Und mit dem kommt man durchaus über die Runden.

Die meisten Studenten oder volljährige Kinder mit eigenen Hausstand, etwa Auszubildenden, dürfte weniger zur Verfügung haben als 970 €. Der Bedarf wird bei diesen bei „auswärtiger Unterbringung“ üblicherweise in den Leitlinien mit 735 € angesetzt, inklusive Miete.

Natürlich haben viele Studenten den Vorteil, dass sie mit ihren Eltern im Hintergrund noch jemanden haben, der ihnen zur Not mal aushilft und der ihnen auch noch mal so Kleidung kauft. In gewisser Weise übernehmen diese Rolle die sozialen Einrichtungen bei vielen HartzIV Empfängern.

Welchen Betrag haltet ihr für angemessen?

 

 

Mansplaining? Wer unterbricht mehr, Männer oder Frauen?

Ein paar schnelle Überlegungen:

Leider eine relativ kleine Studie, aber dennoch sehr interessant. Interessant wäre eine größere Studie, aber auch die Frage, ob Frauen anders reden bzw. ein Sprachstil gefunden werden kann, bei den Leute allgemein eher unterbrochen werden

Natürlich wären auch Hierarchien interessant: Wenn Männer eher in Führungspositionen sind, dann kann ein geringer Unterschied auch schlicht bedeuten, dass der Chef seltener unterbrochen wird und eher männlich ist.

Franziska Giffey: „Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor“

Verschiedentlich habe ich bei Facebook und Twitter jetzt ein Zitat von Franziska Giffey gelesen, die designierte Familienministerin, gelesen, in dem es um eine Kindergartenpflicht geht. Tatsächlich ist das wohl eher ein Landesthema als ein Bundesthema aber es ist ja dennoch nicht uninteressant.

Als konkreter Punkt findet sich bei Frau Giffey auf ihrer Homepage:

  • Wenn über 60% der Neuköllner Kinder in Klasse 1 mit Entwicklungsverzögerungen und fast 40% mit Sprachstörungen starten, weil sie in ihrem bisherigen jungen Leben nicht die Förderung und Anregung erfahren haben, die für einen guten Schulbeginn notwendig wären, dann sind das Alarmsignale, denen nur mit einer verbindlichen frühen und institutionalisierten Förderung für alle begegnet werden kann.
  • Es ist ein Fehler gewesen, die Vorklassen an den Grundschulen abzuschaffen.
  • Die qualitativ hochwertige Förderung der Kinder durch einen verbindlichen Kitabesuch bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Erlangung der Schulreife. Eine gute Vorbereitung auf den Schulbesuch in der Kita ist zielführender als die frühe Einschulung. Es sind gemeinsame Anstrengungen im Land und in den Bezirken nötig, um ausreichend Kitaplätze und qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.
  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor. Wir müssen es schaffen, dass 100 Prozent der Kinder mit guten Voraussetzungen in der Schule ankommen. Denn was in der frühkindlichen Förderung versäumt wird, kann nicht mehr aufgeholt werden und setzt sich in Frustration und verfehlten Schulkarrieren fort.

Der Satz:

  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor.

ist natürlich interessant. Eine Umsetzung könnte in der Tat bei der Integration sehr hilfreich sein, aber eben auch die Rückkehr von Frauen in den Beruf beschleunigen, wenn es allgemein so durchgesetzt wird, was dann eigentlich auch Regelungen beim Unterhalt nach sich ziehen müsste.

Andere sehen darin wiederum eine Einschränkung der Elternrechte, insbesondere dem Recht sein Kind selbst zu erziehen.

Man kann auch Punkte dagegen halten wie die Bindung an die betreuenden Eltern in diesem besonderen Zeitraum und dafür eben die gleichmäßige Vorbereitung und damit eine Verbesserung der Chancengleichheit für die Kinder, die am besten möglichst früh deutsch sprechen sollten, damit sie überhaupt eine Chance haben.

Die meisten Eltern werden ihre Kinder schon heute in den Kindergarten geben, Kindergrippen hingegen werden wohl einen deutlich niedrigeren Anteil haben.

Was haltet ihr von dem Vorschlag?

Ab welchen Alter wäre eine Pflicht sinnvoll, wenn ihr sie richtig findet?

Ab welchen Alter sollte ein Kind auch abseits einer Pflicht in eine Krippe?

 

Filme, die eher Frauen gefallen vs. Filme, die eher Männern gefallen

Wie man sieht eine relativ stereotype Liste. Bei den Frauen sind auch erstaunlich viele Kinderfilme dabei, die ihnen vielleicht als solche gefallen haben, daneben auch Filme mit „Starken Frauen“, wie etwas Wonder Woman und Hidden Figures, bei denen dann vielleicht eine gewisse „politische Bewertung“ zum tragen kommt, bei den Männern sehr viele Klassiker, aber eben auch Western und Kriegsfilme.

Natürlich gibt es genug Filme, die beiden Geschlechtern gefallen, aber die Unterschiede sind trotzdem sehr interessant.

Gräuelpropaganda

Ich folge dem Twitteraccount „Real Scientists DE“ bei dem immer ein anderer Wissenschaftler eine gewisse Zeit den Account übernimmt und dann aus seinem Fachgebiet berichtet. Dieses mal ging es um Gräuelpropaganda („Atrocity propaganda“):

Ich fand dabei vieles sehr interessant:

Gräuelpropaganda baut auf dem einfachen Prinzip auf, dass man zum einen ein „Wir gegen die“ Gefühl erzeugen muss und dann auch noch eine „moralische Richtigkeit“ des Kampfes gegen die andere Seite errichten muss, so dass der einzige richtige Weg die Solidarisierung mit der eigenen Seite und der Kampf gegen die andere Seite ist. Zudem erleichtert das Entmenschlichen des Gegners den Kampf und das Töten des Gegners noch zusätzlich.

„Beschützt die Frauen und Kinder“ ist dabei ein sehr einfaches Bild, welches sehr wirksam ist. Es bedient gleich mehrere Vorstellungen:

  • Die Frauen und Kinder sind in Gefahr
  • Der Andere bedroht die, die du beschützen musst und willst
  •  Frauen wollen, dass du sie verteidigst, wenn du es nicht machst, dann verlierst du an Wert.

Es wäre interessant, aus welcher Richtung die traditionellen Rollenbilder kommen: Verständlicherweise appellieren traditionelle Rollenbilder eher an den Beschützer, aber gefährliche Zeiten machen auch den Versorger und Beschützer für Frauen interessanter.

Zum „Khaki Fever“ habe ich noch das Folgende gefunden:

khaki Fever

khaki Fever

Ob es so etwas wirklich im nennenswerten Umfang gab wäre interessant. Wenn ja, dann wäre es ein klassischer Fall davon, dass Status attraktiv macht: Überall wurde der Soldat gehypt, also waren Soldaten besonders sexy. Wobei Uniformen häufig eine gewisse Wirkung bei Frauen haben.

Wäre es ein kleineres Phänomen als hier dargestellt, dann wäre es auch eine geniale Propaganda: Das junge Frauen unbedingt mit einem schlafen wollen und es so viele sind, dass sie eingesperrt werden müssen, um die armen Soldaten zu schützen – das dürfte gut für die Einschreibungsraten gewesen sein.

Auch das wäre interessant: Gräuelpropaganda stumpft ab. Gerade dann, wenn man merkt, dass sie eben nur Gräuelpropaganda war.

Und natürlich ist auch die Übertreibung klar. Ein möglichst brutales Bild von der anderen Seite zeichnen, diesen Entmenschlichen, als jemanden darstellen, den man zerstören muss, bevor er einen selbst verstört. Das ist das typische an einer Gräuelpropaganda.

Ich kommentierte dort über Twitter:

Es folgte eine kurze Diskussion in der sie davon ausging, dass Feminismus natürlich nur Gleichberechtigung will und insofern keine Gräuelpropaganda betreibt.

Ich finde es aber eigentlich durchaus für den radikalen Feminismus gar nicht so fernliegend:

Er übertreibt bewusst, Frauen sind in allen Lebensbereichen unterdrückt und haben quasi kaum Luft zum atmen in dieser patriarchalen Welt.

Gläserne Decke, Rape Culture, überall müssen Frauen gegen die Männer kämpfen, weswegen man sie aus den Räumen verbannen muss, sie müssen zurückgeschlagen werden, Frauen müssen sich endlich wieder auf die Straße trauen können.

Wenn man dann die eigene Propaganda glaubt, dann hält man Männer nur noch für Mörder, Vergewaltiger etc. Beispiel Nadine Lantzsch bei der Mädchenmannschaft über Hetero-Frauen, die weiterhin Männer nicht vollkommen ausgrenzen:

klar, wer möchte schon zugeben, dass er_sie im herzen dabei ist (literally), welche körper und identitäten als begehrenswert vorgestellt und hergestellt werden oder welche menschen objekte deines creepy fetischs sind?! wer möchte schon gerne zugeben, sich berechtigterweise über typen von mansplainer bis mörder und vergewaltiger und die normalität von patriarchalen gewalt/verhältnissen aufzuregen, aber kein problem damit zu haben typen in unserem leben raum zu geben und ihre existenz in unserem leben mit kackscheiße als feministisch zu verteidigen. aber die rechtfertigung „ich bin halt so“??? wow, stell dir vor, du bist so ignorant, dass deine kognitive dissonanz dir nix anhaben kann.+

Das Bild ist nicht weit weg von dem Tier, dem wilden Affen, der alles zerstören will.

Oder auch direkter:

„Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.

Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Das man lernt in diesen Netzwerken zu kommunizieren. Narzissmus-frei zu kommunizieren. Im Moment dienen Netzwerke dem Ego. Es ist ein ständiges Monologisieren aneinander. Wir müssen also lernen, auch ohne direktes Gegenüber zuzuhören. Dem anderen zuhören. Und nicht nur uns selbst.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen.“

(aus der ersten Version, später im letzten Satz um eine „(lacht)“ ergänzt)

Das bedient alles, was Gräuelpropaganda so braucht. Der Gegner wird entmenschlicht, klar gegen die eigene Gruppe abgegrenzt, man muss ihn beseitigen, wenn die Zukunft positiv werden soll.

Natürlich:

Das gibt es auch von der anderen Seite:

Etwa wenn Frauen als zur Liebe unfähige Wesen dargestellt werden, die nur den Mann ausnehmen wollen und die man deswegen so weit wie nur möglich von einem Fernhalten muss.

Das schlimme beim radikalen Feminismus ist eben, dass es kritiklos in Zeitungen abgedruckt werden kann, an Universitäten gelehrt wird und die Politik mit beeinflusst.