„Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin“

Nils von Pinkstinks hat mal wieder einen wunderbaren Artikel geschrieben:

Er stellt erst dar, was sie für ein gutes Paar sind und das alles wunderbar ist, aber dann wirft leider etwas einen Schatten auf die Beziehung:

Sie leben in verschiedenen Welten

Denn in meiner Welt ist es zumeist vollkommen ausreichend, mit dem Selbstbewusstsein eines mittelmäßigen weißen Mannes aufzutreten.

In der Welt des Feminismus mag das durchaus so sein, denn mit mehr Selbstbewußtsein aufzutreten würde ja auch gleich zu Tadel führen.

Aber ernsthaft, er fügt gleich noch einen sexistischen Tweet dazu um seinen Punkt zu unterstreichen:

Der Tweet ist in so viele Richtungen sexistisch, dass es erstaunlich ist. Männer, will er wohl sagen, sind so privilegiert, dass sie einfach nicht mehr brauchen. Frauen könnten froh sein, wenn sie alles mit nur dem Selbstvertrauen eines mittelmäßigen Mannes angehen könnten, aber sie werden ja immer niedergemacht. Würde natürlich auch bedeuten, dass Männer eben viel selbstbewußter sind und damit auch weitaus eher für Führungspositionen etc geeignet. Es ist also genauso eine Frauenabwertung: Sie sind noch nicht einmal so selbstbewußt, wie ein durchschnittlicher Mann.

In ihrer Welt ist es viel zu häufig nicht einmal ausreichend, die professionellste, klügste, anpackendste, witzigste oder mitfühlendste Person im Raum zu sein, um Gehör und Beachtung zu finden. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen ich mich einfach nur informiert, selbstsicher, dreist oder tatkräftig geben muss, um das zu erreichen, was ich will. Ich brauche bei Fragen und Problemstellungen nicht lange zu überlegen – zu fast allem habe ich eine Meinung parat. Sie hingegen zieht oft klügere, sinnvollere Schlüsse als ich – ohne dass davon wirklich jemand Notiz nehmen würde.

Das ist eben der Effekt, wenn man einer radikalen Ideologie angehört, in der man meint Schlaues zu sagen, es aber tatsächlich gar nicht sagt. Soweit ich weiß ist seine Lebensgefährtin irgendwo Gleichstellungsbeauftragte, was auch etwas ganz anderes ist als Artikel darüber zu schreiben, wie schlecht Männer sind. Bei dem einen ist man häufiger Leuten im Weg, die einen für vollkommen überzogen finden, bei dem anderen lebt man in einer Filterblase, bei dem einem ähnlich radikale gratulieren, dass man ihre Ideologie teilt.

Während ich vor ein paar Jahren mit unserem Söhnchen ein bisschen im Rock durch die Altstadt spaziert bin, und viele Leute darum viel Aufhebens gemacht haben, hat sie im Gleichstellungsbereich gearbeitet und tagtäglich sehr verbohrten Herrschaften erklärt, wieso Geschlechtergerechtigkeit eine gute und lohnende Sache ist.

Vielleicht sollte sie dann schlicht auch in eine Filterblase ziehen, in dem man ihre Theorien teilt. Dass ist glücklicherweise noch nicht überall so.

Nun könnte man einwenden, dass das einfach unser Ding ist. Wir sind eben verschieden, introvertiert versus extrovertiert, Rocktragen bringt mehr Aufmerksamkeit und was nicht alles. Stimmt aber nicht. Es ist eine Geschlechterkiste. Wenn eine Kollegin mir erzählt, dass sie ein Bewerbungsgespräch mit einem leitenden Redakteur hatte, der die Füße auf den Tisch gepackt und sich über ihren Lebenslauf lustig gemacht hat, dann denke ich nicht mit Schrecken daran, dass mir das auch passieren könnte. Ich überlege, dass ich womöglich meine Füße dazugepackt und den Job genau deshalb bekommen hätte.

Und das wäre auch die bessere Lösung, weil souveräner.

Denn egal wie sehr ich mich um Gleichberechtigung bemühe: Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin.

Geil! „Ich komme leider so häufig in die Gelegenheit mich feiern zu lassen, es tut mir leid, dass mich das freut. Hat jemand meine Büßerpeitsche gesehen? Seht ihr wie eifrig ich sie benutze? Ich bin wirklich ein echter Feminist, ich lasse mich noch nicht einmal gerne feiern.“

Der obige Satz sagt eigentlich alles, was man über den Feminismus und Männer in diesem wissen muss.

Mich in einer ziemlich ekligen und ausgesprochen schwachen Sekunde besser zu fühlen als die Frau, die mir vier Kinder geboren hat, jeden Job rockt, in vielem professioneller ist als ich und die ich so sehr liebe.

„Habe ich schon gesagt, dass ich als Mann ein elendiger Wurm bin? Ich vergesse das aber leider ab und zu in wirklich ekelhaften, schwachen Stunden und dann fühle ich mich einfach wohl, obwohl ich ein Mann(!) bin“

 

Die für alle ein freundliches Wort hat und sich schon so lange mit meinen Macken abgibt. Das Ringen um Gleichberechtigung muss viel früher ansetzen als beim zähneknirschenden Anerkennen, dass Frauen über Jahrhunderte und Jahrtausende bis in die Gegenwart benachteiligt wurden und dass es Zeit ist, diesen Missstand zu beheben.

„Ich mag mein Leben, obwohl es auf der jahrhundertelangen Unterdrückung aller Frauen beruht! Was sind wir Männer doch widerlich! Aber wirklich: Ich werde Buße tun! Ich weiß, dass ich schlecht bin!“

Es muss damit beginnen, dass Männer sich eingestehen, wie sehr sie diesen Zustand genießen und von ihm profitieren. Es muss anfangen beim reflexartigen Übertünchen männlicher Unsicherheiten durch Überlegenheitsgebaren auf Kosten des anderen Geschlechts. Es muss sich mit der Frage beschäftigen, wieso Männer ganz allgemein die Leistungen von Frauen eher geringschätzen.

„Ich hingegen schätze die Leistungen von Männern als gering ein, wenn ich nicht gerade eine dieser schwachen Stunden habe (Ekelhaft!)“

Heldinnen täten uns ganz gut. Gerade uns Männern. Je länger wir uns einreden, dass es an ihnen mangelt, desto mehr übersehen wir die so zahlreich vorhandenen: Sportlerinnen, Politikerinnen, Aktivistinnen, Künstlerinnen. Oder eben naheliegender: Meine Lebenskomplizin. Jeden Tag wacht sie in einer Gesellschaft auf, die

ihr Aussehen kritisiert,
ihr Alter moniert
ihre Bedürfnisse ignoriert,
ihren Körper objektifiziert und
ihren Anspruch auf Teilhabe negiert.

Ja, Männer hingegen werden so mit Privilegien vollgestopft, dass sie kaum gehen können. Sie werden nie für ihr Aussehen kritisiert, wer hätte je gehört, dass „alte (weiße) Männer“ abgewertet werden? Oder das ihre Bedürfnisse ignoriert werden? Männer gehen stets vollbefriedigt durchs Leben, während es für Frauen keinerlei Luxus gibt. Gar keinen. Und wo dürfen Frauen schon mitmachen? Dürfen die etwa Studieren, was sie wollen und sind frei in einem Wettbewerb einzutreten, der mit Überstunden etc hart geführt wird? Natürlich nicht!

Sie erhebt sich und ist einfach großartig. Sie lässt sich dort nicht entmutigen, wo mir kein bisschen Mut abverlangt wird. Sie erkämpft sich Räume, in denen ich nur stattzufinden brauche. Sie besteht auf Dinge, die mir einfach zuerkannt werden. Sie ist meine Heldin.

Das ist schön für ihn. Es ist wunderbar, wenn die Beiden so glücklich sind.

Aber ich brauche diese Männerabwertung nicht und ich muss auch nicht künstlich Frauen zu Heldinnen machen.

Das ist keine Gleichberechtigung. Das ist ein Kult, in der der Mann der Sündenbock und die Frau die erlösende Göttin ist.

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Frau testet, wie Männer auf „Catcalling“ reagieren

Eine Frau testet, wie Männer auf „Catcalling“ reagieren. Ähnliche Versuche dieser Art gab es auch schon:

Sie stellt die Grundsituation wie folgt dar:

Viele von euch kennen dieses Szenario, zumindest in abgewandelter Form: Ich stehe an der roten Ampel und bemerke plötzlich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehe mich um, in der leisen Hoffnung, jemanden anzublicken, den ich zumindest kenne; und dann steht da so ein schmieriger Typ. „Pssst, hey Süße“, sagt er. Und ich? Will weg, so schnell es geht – angewidert von dem plumpen Annäherungsversuch. „Geiler Arsch“ ruft er mir noch hinterher. Mein Kopf signalisiert: Flucht. Und ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich einfach so getan habe, als wäre nichts passiert. Wieder war ich so perplex, dass ich nichts unternommen habe.

Viele meiner Freundinnen erzählen mir von ähnlichen Erlebnissen. Catcalling, so wird die Art sexueller Belästigung genannt, die auf offener Straße durch einen Mann gegenüber einer Frau geschieht, indem er ihr hinterherruft, pfeift oder sie im schlimmsten Fall auch noch berührt.

Nun zu ihren eigenen Versuchen:

Lange suchen muss ich nicht, ich entdecke mein erstes Versuchskaninchen in der Nähe eines Fahrkartenschalters. Mit traurigem Gesichtsausdruck steht er da, den Kopf gesenkt, Blick auf den Handybildschirm. „Hey Hübscher“ sage ich. Das hat mich echt viel Überwindung gekostet. Ich beruhige mich aber mit dem Gedanken, dass es sich bei meinem erbärmlichen Flirtversuch ja nur um eine Art Experiment handelt. Er schaut mich jetzt ganz verängstigt an, dann nach links und rechts, und sagt: „Nenn mich nicht Hübscher. Ich habe eine Freundin“.

Oho, damit habe ich nicht gerechnet. Ich setze noch einen drauf und sage: „Bist du deshalb so traurig? Lächle doch mal, steht dir bestimmt viel besser.“ Ein Klassiker, den sich Frauen ständig anhören dürfen, wenn sie auf eine plumpe männliche Anmache nicht mit euphorisiertem Strahlen reagieren. Über meine eigene Schlagfertigkeit verwundert, mache ich mich aus dem Staub. Vorher erhasche ich aber noch einen Blick auf seinen verdatterten Blick. Er lacht für einen Moment, schüttelt den Kopf und schaut weiter auf sein Smartphone.

Interessanterweise gilt der „Ich habe eine Freundin“-Spruch im umgekehrten ja auch bereits als Nachweis, dass Männer Frauen nicht respektieren.

Sie bekommt also hier einen Korb. Leider bricht sie recht früh ab. So dramatisch scheint es der Angesprochene aber nicht gesehen zu haben, vermutlich wird er es eher interessant gefunden haben.

Ihr zweiter Versuch:

Meinen zweiten Versuch starte ich im Fitnessstudio. Dort finde ich, nicht unerwartet die schönsten Klischees erfüllend, eine geballte Ladung an Testosteron: Pumpende Muskelprotze, zwischen Eiweißshakes und Langhanteln. Ich schwinge mich an ein Trainingsgerät und nehme Blickkontakt zu meinem Nachbarn auf. Die Situation ist mir mehr als unangenehm. Trotzdem überwinde ich mich: „Trainierst du schon lange hier?“

Irritiert blickt mich der Pumper an. „Joa, sieht man doch“, sagt er dann und hält mir seinen Bizeps hin. Ohne zu zögern meine ich zu ihm: „Ich finde übrigens, dass du echt tolle Beine hast – und dein Gesicht ist echt interessant“. In meinen Augen ein klassisches Beispiel für einen Spruch, der die Grenzen eines Kompliments überschreitet – zumindest der Teil mit den Beinen. Er prustet los, wird dann aber wieder ernst und blafft mich an: „Du hast es ja nötig, alter“. Am liebsten wäre ich ja im Boden versunken, mein Probe-Training ziehe ich aber trotzdem durch. Hier kennt mich ja eh keiner.

Scheint mir das klassische Problem zu sein, dass die Männer erst einmal keine Ahnung haben, was da los ist. Sie fühlen sich irgendwie komisch angemacht und können es nicht richtig einordnen. Vielleicht auch, weil sie selbst nervös ist und eben auch tatsächlich was faul ist: Sie will ja nicht einfach so mit ihnen schlafen, wie es ihre Sprüche nahelegen. Sie will nur für ein Interview provozieren.

Park, Wiese, Sonnenschein. Ist das herrlich. Viele Paare, und siehe da, ein einsamer Mann. Er trägt ein Shirt mit Marken-Print, lässig in die Hose gesteckt, und liest auf einer Parkbank. Vorsorglich ziehe ich mir meine große Sonnenbrille auf und gehe auf ihn zu. „Hey, cooles Shirt hast du da. Ist das aus der aktuellen Kollektion?“ Der Shirtträger gibt sich unbeeindruckt und antwortet nur mit einem zustimmenden Nicken. Puh, ist ja langweilig. Spontan fällt mir noch ein: „Also mich würde ja interessieren, was unter deinem Shirt steckt. Ein trainierter Waschbrettbauch?“

Er zieht seine Augen sonderbar zusammen. Dann folgt peinliche Stille und ein entnervtes: „Mein Gott, was stimmt denn mit dir nicht?“ Mit so einer Konfrontation habe ich nicht gerechnet. Dieses Mal muss ich selbst über mich lachen.

Es verwundert mich etwas, dass sie gar keinen Erfolg hat. Vielleicht weil sie irgendwie komisch vorgeht. Zumindest dem Bild auf ihrem Twitterprofil nach sollte sie mehr Erfolg haben:

Alina Hoppe

Alina Hoppe

Wäre natürlich interessant wie alt das Foto ist und wie vorteilhaft es aufgenommen ist. Wobei eine hübsche Frau, die irgendwie so aussieht als will sie einen provozieren, vielleicht gerade noch eher Mißtrauen erregt.

Aber im Ganzen scheinen die Jungs gut damit fertig geworden zu sein und es nicht als so problematisch angesehen zu haben.

Was ja das typische Ergebnis solcher Experimente ist.

Selbermach Samstag 185 (28.04.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

Diskriminierung von Frauen in China im Beruf

Der Spiegel berichtet darüber, dass in China anscheinend Jobs eher auf Männer ausgerichtet sind:

Der chinesische Internet-Handelsriese Alibaba hat offenbar jahrelang Ausschreibungen veröffentlicht, in denen das Unternehmen versuchte, männliche Bewerber mit Frauen zu locken. Human Rights Watch zufolge prahlte Alibaba zwischen 2011 und 2015 in mehreren Jobanzeigen mit seinen „gutaussehenden Mädchen“ oder „Göttinnen“. Außerdem habe die Firma in einem offiziellen Recruitment-Account Fotos von jungen Mitarbeiterinnen gepostet und sie als „Nachtzuschlag“ bezeichnet.

Diese verdammten weißen Männer mal wieder, die auch in China anscheinend alle Führungspostionen besetzen!!!elf

Nein, ernsthaft. Das scheint mir in der Tat ein sehr sexistisches System zu sein, wobei in China eben auch ein extremer Frauenmangel herrscht und gleichzeitig die Geschlechterrollen sehr traditionell sind:

Die Frauen sind insofern sehr materiell und es ist eine ganz offen kommunizierte Sache, dass der Mann Geld haben muss, was auf der anderen Seite natürlich auch eine gewisse Objektifizierung so gesehen nur fair macht.

Weiter in dem Artikel:

Das ist ein Beispiel für sexistische Einstellungspraktiken auf Chinas Arbeitsmarkt, die Human Rights Watch in einem ausführlichen Bericht anprangert. Nach eigenen Angaben untersuchte die Menschenrechtsorganisation dafür mehr als 36.000 Anzeigen, die von 2013 bis 2018 auf chinesischen Jobbörsen und Firmenseiten sowie in sozialen Netzwerken geschaltet worden waren.

Das Ergebnis: Behörden und Privatfirmen diskriminierten Frauen in vielen Fällen bei der Bewerberauswahl. „In diesem Jahr wurde fast jede fünfte Stelle im chinesischen Staatsdienst ‚ausschließlich für Männer‘ oder ‚bevorzugt für Männer‘ ausgeschrieben“, sagte Sophie Richardson, verantwortlich für China bei Human Rights Watch. Im vergangenen Jahr habe das auf 13 Prozent der Anzeigen im Staatsdienst zugetroffen.

Klar, wenn die klassische chinesische Frau noch weitaus eher auf die Hausfrauenrolle zugeschnitten ist und auch nicht vor hat, nach der Heirat mit einem reichen Mann groß zu arbeiten, dann lohnen sich Männer mehr.

„Gepflegte Figur, ästhetisch ansprechend“

Im März 2017 schrieb die chinesische Suchmaschinenfirma Baidu einen Job als Content-Prüfer aus: Bewerber müssten über eine „ausgeprägte Fähigkeit zur Arbeit unter Druck, Arbeit am Wochenende, an Feiertagen und in Nachtschichten“ verfügen, und dafür bitte „Männer“ sein, hieß es darin laut Human Rights Watch.

Hier im sexistischen Westen würde man für eine solche Anzeige – berechtigerweise – sofort verklagt werden.

Zudem habe nicht nur Alibaba Kandidatinnen und Mitarbeiterinnen in Stellenanzeigen auf ihr Äußeres reduziert. So suchte ein Bekleidungsgeschäft in Peking auf der Jobbörse Zhilian nach Frauen „18 bis 30 Jahre alt, Größe 163 Zentimeter oder mehr, gepflegte Figur, ästhetisch ansprechend“.

Könnte man hier nicht machen. Wobei viele Geschäfte natürlich genau so eine Frau suchen, aber das eben nicht schreiben.

Auch Tencent, Huawei und andere Unternehmen hätten sich überkommener sexistischer Klischees bedient. Das Internetunternehmen Tencent habe im Jahr 2016 über seinem Kanal beim Nachrichtendienst WeChat einen männlichen Angestellten wie folgt zitiert: „Der Grund, warum ich zu Tencent gekommen bin, war ein Urimpuls. Es war hauptsächlich, weil die Damen in der Personalabteilung und die, die mich interviewten, sehr hübsch waren.“

Wäre ja auch mal ein interessanter Grund für viele Frauen in den Personalabteilungen. Vielleicht eine Untersuchung wert.

„Tief verwurzelte Diskriminierung“

Solche Klischees hielten sich in chinesischen Unternehmen hartnäckig, kritisierte Richardson. „Selbst Firmen, die sich rühmen, Kräfte des Fortschritts und der Modernität zu sein, greifen auf solche Anwerbungsmethoden zurück.“ Das zeige, wie tief verwurzelt die Diskriminierung von Frauen in China noch sei.

Tencent entschuldigte sich für die genannten Fälle und versprach „schnelle Maßnahmen, um sicherzustellen, dass sie nicht wieder passieren“. Alibaba wies auf die nach eigenen Angaben hohe Zahl von Frauen in Führungspositionen hin und kündigte an, die interne Gleichstellungspolitik strenger durchzusetzen.

Anscheinend gibt es auch in China schon so etwas wie Ansätze von Gleichberechtigung. Allerdings habe ich gerade das Buch „Poorly Made in China“ gelesen, welches beschreibt, wie in China gehandelt wird, wie man Produkte herstellt, und wie immer versucht wird den Ausländer irgendwie zu betrügen und wie man nahezu alles sagt, wenn man meint, dass der Ausländer das gerne hören will, so dass es auch ein reiner Satz für die westliche Presse sein könnte.

Ein Sprecher von Baidu sagte zu CNN: „Wir schätzen die wichtige Arbeit, die unsere weiblichen Mitarbeiterinnen in unserer Organisation tun.“ Man bedaure die Einzelfälle, in denen Stellenanzeigen nicht den eigenen Wertvorstellungen entsprochen hätten.

Human Rights Watch teilte mit, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sei auch auf dem chinesischen Arbeitsmarkt verboten. Die Behörden setzten die entsprechenden Gesetze jedoch zu selten durch. Zudem sei nicht klar genug definiert, was als Diskriminierung gelte.

Nach meiner Kenntnis aus dem oben genannten Buch ist gesamt China ein wilder Westen in dem nur sehr wenige Regeln gelten. Wer Erfolg hat, hat Recht.

Zu meinen, dass da dann gerade Gleichberechtigung anders gehandhabt wird könnte naiv sein.

Cheerleader, American Football Spieler und Schutz vor sexueller Belästigung

In den USA gibt es Beschwerden von Cheerleadern vor sexueller Belästigung bzw zumindest einen Antrag einer Cheerleaderin wegen sexueller Diskriminierung:

According to the Saints’ handbook for cheerleaders, as well as internal emails and text messages reviewed by The New York Times and interviews with Davis, the Saints have an anti-fraternization policy that requires cheerleaders to avoid contact with players, in person or online, even though players are not penalized for pursuing such engagement with cheerleaders. The cheerleaders must block players from following them on social media and cannot post photos of themselves in Saints gear, denying them the chance to market themselves. The players are not required to do any of these things.

Cheerleaders are told not to dine in the same restaurant as players, or speak to them in any detail. If a Saints cheerleader enters a restaurant and a player is already there, she must leave. If a cheerleader is in a restaurant and a player arrives afterward, she must leave. There are nearly 2,000 players in the N.F.L., and many of them use pseudonyms on social media. Cheerleaders must find a way to block each one, while players have no limits on who can follow them.

The team says its rules are designed to protect cheerleaders from players preying on them. But it puts the onus on the women to fend off the men.

“If the cheerleaders can’t contact the players, then the players shouldn’t be able to contact the cheerleaders,” said Sara Blackwell, Davis’s lawyer. “The antiquated stereotype of women needing to hide for their own protection is not permitted in America and certainly not in the workplace.”

Kurz zusammengefasst: Die Cheerleader und die Spieler dürfen nichts miteinander anfangen und die Last zur Vermeidung eines Kontakts liegt alleine bei den Cheerleadern. Sie dürfen niemanden Kontaktieren und müssen eine Bar verlassen, wenn sie ein Spieler betritt. Die Spieler haben hingegen keine solche Regel.

Aus meiner Sicht keine so schlechte Regel: Schöne Frauen und sportliche Männer, die viel verdienen und Status haben, das ist gerade in den USA eine sehr gefährliche Mischung. Es wird immer wieder Probleme gegeben haben, wenn ein Spieler mit einer Cheerleaderin geschlafen hat oder mit ihnen gemeinsam gefeiert hat.

Und: Die Spieler sind das wichtige in einem solchen Team. Eine Cheerleaderin ist leicht zu ersetzen, ein guter Spieler nicht. Wenn die Cheerleader schlecht tanzen, dann stört das die Gewinne weitaus weniger als wenn die Spieler schlecht spielen.

Dazu kommt, dass es typischerweise die Frau sein wird, die eher verletzt wird oder sich wegen Belästigung beschwert. Ihr die Entscheidung aufzuerlegen, dass sie gehen muss wäre insofern durchaus passen, da sie ja auch entscheiden muss, ob sie ein Verhalten belästigt. Zudem schützt es die wertvolleren Bestandteile des Teams, nämlich die Spieler.

Wer in einem Büro eine solche Regel aufstellen würde, der würde auch anführen, dass die Sekretärin die Bar verlassen muss und nicht der Chef.

Natürlich ist das Problem auch durchaus zu regeln, wenn man bestimmte Bars einer der beiden Gruppen zuordnet, so dass diese da ihre Ruhe hat, so dass Cheerleader nicht pausenlos die Bars wechseln müssen.

Die Cheerleaderin zieht es hier auf die Geschlechterebene, was die Hierarchie innerhalb des Unternehmens Footballmannschaft nicht wirklich wiedergibt. Das gelingt ihr auch nur, weil hier das Narrativ, dass es nicht die Belästigten seien dürfen, die den anderen weichen, sondern die Spieler, die sich gut benehmen müssen, in der Belästigungsdebatte eine recht vertraute Figur ist.

Findet ihr die Regel fair?

Toronto, Incels und die unfreiwillige Enthaltsamkeit

In Toronto hat ein Fahrer einen Wagen in eine Menge gelenkt und er soll wohl hauptsächlich von einem Hass auf Frauen getrieben worden sein. Der Spiegel schreibt:

Ein unbändiger Hass auf Frauen: Ersten Hinweisen der Polizei zufolge hat dieses Motiv den mutmaßlichen Attentäter von Toronto zu seiner Amokfahrt getrieben. Nun sind zehn Menschen tot, Angaben eines Polizisten zufolge sind es „überwiegend“ Frauen – und ein Schlaglicht fällt auf eine zutiefst frauenfeindliche, von Gewaltfantasien beherrschte Nische des Internets, die immer schwerer zu ignorieren ist.

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Genährt worden sein könnte der Frauenhass des 25-jährigen Alek M. wohl durch Misogynie – die Frauenfeindlichkeit – in einschlägigen Internetforen, beispielsweise auf Reddit. Auf der Onlineplattform tauschen sich Nutzer in vielen Unterforen, sogenannten Subreddits, über alle erdenklichen Themen in langen Kommentarspalten aus. Einige Mitglieder der Plattform kultivieren dort seit mehreren Jahren eine von Verachtung für Frauen geprägte Haltung.

Wenn er tatsächlich Frauen umbringen wollte, weil er sich abgelehnt fühlte und einen Frauenhass entwickelt hat, dann  ist er wirklich ein Idiot, der sich in eine fürchterliche Ideologie hineingesteigert hat. Er wäre auch ein gutes Beispiel dafür, was eine Gruppenbildung und die einseitige Verteufelung einer als Feind wahrgenommenen Gruppe, letztendlich also eine Identitätspolitik alles bewirken kann.

Man entmenschlicht die andere Gruppe und macht sie alleine für alles verantwortlich.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

„Incel“ ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck „involuntary celibacy“, auf Deutsch bedeutet das „unfreiwillige Enthaltsamkeit“. Heute dient der Begriff einer Gruppe von Männern, die Frauen verachten, als Definition ihres Daseins und wird von ihnen als identitätsstiftender Kampfbegriff im Internet verwendet.

Unfreiwillige Enthaltsamkeit, also Männer, die bei Frauen nicht ankamen und von ihnen abgelehnt worden sind und wahrscheinlich in vielen Fällen den Grund nicht verstanden. Und bei denen das Ganze dann teilweise in Hass umgeschlagen ist.

In dem Bereich der „abgelehnten Männer“ im weiteren Sinne gibt es ein breites Feld an Bewegungen. Etwa könnte man zum Teil MGTOWs hier einordnen, da viele dort eben auch ihren Platz finden, die keinen Erfolg bei Frauen haben, wenn auch andere Teile der Bewegung schlicht das Risiko zu groß finden oder sich aus anderen Gründen dagegen entschieden haben, sich auf Frauen einzulassen. Andere wären die männlichen „Absoluten Beginner“, also Männer, die gerne etwas mit Frauen hätten, aber das „erste Mal“ trotz entsprechender Bemühungen nicht erreichen.

Auch Elliot Rodger, einen anderen Amokläufer, der insbesondere Frauen bestrafen wollte, wird man da irgendwie zuordnen können, vielleicht als „Incel“, was bei ihm Überschneidungen zur „Anti-Pickup-Szene“ hatte.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

Von den vielen Frauenhassern, denen man online begegnen kann, zählen die Incels mit zu den schlimmsten. Das beschreibt auch die Autorin und Wissenschaftlerin Angela Nagle in ihrem Buch über Online-Subkulturen „Kill all Normies“. Der Titel ihres Buchs ist an Incel-Sprech angelehnt, „Normies“ ist eine ihrer abfälligen Bezeichnung für andere Menschen.

„Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Wer verstehen will, woher die Incel-Bewegung kommt, muss einige Jahre zurückgehen und tief in die Nischen des Internets blicken, etwa auf Unterforen von Reddit oder der Seite 4chan. Während das notorische Subreddit r/Incels mittlerweile von der Plattform verbannt wurde, gibt es etliche Nachahmer-Unterforen.

So wird die Amokfahrt von Toronto etwa auf /r/Braincels diskutiert, in einem Beitrag heißt es: „Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Natürlich wird auch dies direkt wieder an vielen Stellen in die klassischen feministischen Theorien eingeordnet, etwa die „Toxische Männlichkeit“:

Das ist eben eine sehr eindimensionale Betrachtung, denn die meisten Männern fahren keine Frauen um. Und natürlich reagieren auch Frauen auf Ablehnung. Der Kampf dagegen stehlt ein wesentliches Element für viele Feministen da.

Ich habe nichts dagegen, wenn sie die Gruppe der „Incels“ oder deren radikaleren Flügel, wenn es da auch gemäßigte gibt, angreift. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da einige Foren etc gibt, die vor Frauenhass triefen.

Mein Gefühl sagt mir, dass sie aber als Gruppe hier eher „Männer“ ansieht.

Ich hätte kein Problem damit extreme Flügel von Männern zu verurteilen. Wenn ich sie auch keineswegs mit jemanden vergleichen möchte, der Frauen überfährt, dann habe ich beispielsweise Kritik an dem Gelben Forum geäußert.

Dennoch kann man sich natürlich davon distanzieren und darstellen, dass man ja auch ganz andere Theorien vertritt, die damit nichts zu tun haben. Leider wird da schnell  alles in einen Topf geworfen

Meiner Meinung nach ist der Hass dort schlicht aus der Frustation der Ablehnung und des eigenen Versagens geboren. Das hat wenig mit Männlichkeit zu tun, auch Frauen kennen diesen Frust sehr gut. Bei Männern mag er eher zu einem Handeln über Gewalt führen, aber Männer handeln allgemein eher direkt als Frauen. Das hat den Vorteil, dass sie sich in anderen Bereichen vielleicht eher in einen Wettbewerb stürzen und tolle Produkte erfinden oder unternehmen aufbauen und leider auch eher solche Aktionen durchführen, um sich zu beweisen.

Was aber bringt es nun, wenn man einem solchen Menschen, der sich beständig abgelehnt fühlt, den Frauen nicht wahrnehmen, egal, wie er sich angestrengt hat, vorhält, dass er toxische Männlichkeit lebt und seinen Privilegien entsagen soll? Oder wenn er ansonsten mit Theorien konfrontiert, die angeben, dass Männer alle Unterdrücken, die Bösen sind, es ihnen überall besser geht und sie davon eben lassen sollen?

Man richtet einen gefallenen Menschen nicht auf indem man ihm sagt, dass seine Gruppe schlecht ist und er ebenso. Der Feminismus hat keine positive Botschaft für Männer wie ihn.

Und meine Vermutung ist: Die gleichen Männern haben auch einen Hass auf die Männer, die besser bei Frauen ankommen. Die Coolen, die Gutaussehenden, die Alphamänner, die ebenso auf sie herabsehen. Sie sind häufig bereits eher „Beta“ und es frustriert sie gerade, dass sie damit nicht bei Frauen ankommen, während es die Alphamänner schaffen. Sie sehen sich als Underdogs, die es gerade verdient hätten, statt der anderen. Und sie werfen den Frauen vor, auf toxische Männlichkeit zu stehen und nicht auf Leute wie sie. „Seid nicht so männlich und gebt eure Privilegien ab“ muss ihnen dann wie Hohn vorkommen, wenn sie das Gefühl haben, dass die meisten Frauen sie verachten und für minderwertig oder jedenfalls nicht gut genug halten.

Weitaus eher würde jemand wie Jordan Peterson vielleicht etwas erreichen können, indem er eine Botschaft der eigenen Verbesserung bringt: Fange an, dein Leben in Ordnung zu bringen, suche die Schuld nicht bei anderen, räume dein Zimmer auf.