Maskulistische Theoriewoche: Staatsfeminismus (Tag 2)

Dieser Beitrag ist Teil der maskulistischen Theoriewoche

Das heutige Thema ist

“Staatsfeminismus” 

Es ist eine Theorie, die aus meiner Sicht schnell das Gegenstück zum „Patriarchat“ auf maskulistischer Seite ist: Der Staatsfeminismus wird gerne im Sinne der großen Verschwörungstheorie benutzt, in dem alle Stellen „feministisch verseucht“ sind. Fakten werden dafür selten gebracht. Meist bleibt der Nachweis ähnlich nebelhaft wie das Patriarchat

1. Wie genau definiert ihr „Staatsfeminismus“ und wie steht ihr zu anderen Definitionen, die vielleicht noch in den Kommentaren kommen

2. Inwiefern spielt diese Theorie eine Rolle im Maskulismus?

3. Welche Argumente/Studien sprechen dafür oder dagegen?

Maskulistische Theoriewoche: Beide Geschlechter gestalten die Gesellschaft (Tag 1)

Dieser Beitrag ist Teil der maskulistischen Theoriewoche

Das heutige Thema ist

“Der beiderseitige Anteil der Geschlechter an der Gesellschaft/Biologie und soziale Ausformung” 

als Gegenstück zum feministischen Ansatz, nachdem die Gesellschaft im wesentlichen durch die Männer gestaltet wird und alle Strukturen zu ihrem Vorteil und zum Nachteil der Frauen eingerichtet sind.

1. Wie nehmen die Geschlechter jeweils Einfluss, welche sonstigen Faktoren spielen in die Geschlechterrollen hinein, wie kann man Biologie und soziale Ausformungen einbeziehen?
2. Inwiefern spielt die eine Rolle im Maskulismus?
3. Welche Argumente/Studien sprechen dafür oder dagegen?

Bloggeburtstag: 5 Jahre „Alles Evolution“ (etwas zu spät)

Da fällt mir gerade auf, dass ich den Bloggeburtstag verpasst habe.

Am 1.Mai 2010 erschien der erste Artikel auf „Alles Evolution“.

Ich weise noch mal auf ein paar Möglichkeiten hin dem Blog oder mir zu folgen:

facebook twitter rss

Lobhymnen auf mich oder den Blog (oder wenn es denn sein muss auch gerne Kritik) bitte wie immer in den Kommentaren.

Statt Geschenke freue ich mich über jede Verlinkung 😉

Wie immer danke ich allen Kommentatoren ohne die das Bloggen nur halb so viel Spass machen würde!

Solidarität unter Frauen und die Abgrenzung zu Männerhass

Naekubi hatte ich hier schon einmal, mit ihrer Ansicht, dass Komplimente der Verdinglichung und Abwertung von Frauen dienen.

Jetzt hat sie bei der Mädchenmannschaft einen Artikel zum „Schwesterncode“ eingestellt, den ich auch interessant finde:

Sie hat sich auf einer Firmenfeier betrunken und eine Kollegin kümmert sich um sie:

“Wie ist deine Adresse nochmal, Naekubi?” Ich hing an der Schulter meiner neuen Kollegin und konnte kaum verbergen, dass ich mich nur mit Mühe auf den Beinen hielt. Es war kurz nach Mitternacht an einem Donnerstagabend auf einer Promotion-Party und mir war schlecht. Sehr schlecht.(…)

Die Kollegin hatte ein Taxi hergewinkt und öffnete die Beifahrertür, um mit dem Fahrer zu sprechen. Ich schaffte es noch, halbwegs verständlich meine Straße zu nennen, während sie mich vorsichtig auf den Rücksitz des Wagens bugsierte und die Daten durchgab. “Komm gut nach Hause!” Die Kollegin schlug die Tür des Fahrzeugs zu, winkte mir noch aufmunternd und ich war auf dem Weg durch die Nacht, nach Hause. 15 Minuten und 15 Euro später lag ich in meinem Bett.

Soweit nichts ungewöhnliches. Sie betrinkt sich auf einer Party, eine Freundin setzt sie in ein Taxi und dieses bringt sie nach Hause. Die Gedanken der Autorin dazu finde ich interessant:

Kurz bevor ich in rauschhaften Schlaf verfiel, kam mir ein kurzer Gedanke: Ein geheimer Schwesterncode. Die Sache ist die: Viele Frauen würden nach wie vor das Label “Feministin” von sich weisen, wenn man sie danach fragen würde. “Nein, ich rasiere mir die Achseln und ich mag Männer!” heißt es da immer wieder entrüstet. Das Klischee der achselhaarbewehrten, latzhosentragenden Feministin – es ist nach wie vor lebendig, und zu selten stellt sich die Frage, warum man überhaupt meint, sich von diesen Attributen unbedingt abgrenzen zu müssen. Und auch der Netzfeminismus kriegt praktisch jeden Tag sein Fett weg, nicht nur von Männern. Solidarität zwischen Frauen? Klingt abgehoben, zu theoretisch, zu links. Warum sollte man sich mit jemandem verbünden, nur weil man das selbe Geschlecht hat? Viele Frauen halten solch feministische Proklamationen im Alltag nicht für notwendig. Sich als Feministin identifizieren erst recht nicht.

Da sieht sie also eine Solidarität unter Frauen, die sie in Bezug auf den Feminismus vermisst. Dazu würde  mir zuerst einfallen, dass eben in vielen Fällen der moderne Gender-Feminismus gar keine Frauensolidarität ist, sondern vielen eben als zu weitgehend erscheint, zu sehr auf ein Nullsummenspiel der Geschlechter ausgerichtet und zu weit weg von der Wirklichkeit. Wer sich wirklich darauf einlässt, in die feministische Theorie einzusteigen, der bekommt eben erst einmal Verhaltensregeln auferlegt, darf nicht zu geschlechterrollenkonform sein, muss gleichzeitig aufpassen, dass er andere Diskriminierungsformen nicht beachtet und wird auch bei Männern schlechter ankommen, weil diese die Feindseligkeit, die in dieser Ideologie herrscht, ja durchaus mitbekommen.

Weiter bei der Autorin:

Gedankenfetzen wirbelten mir durch den Kopf, als ich im Bett lag, was nicht nur auf den Alkohol zurückzuführen war. Kolleginnen und Kollegen hatten im Club immer wieder gefragt, ob alles in Ordnung war. Den Männern sagte ich: Klar, alles bestens. Hauptsache sich nicht angreifbar machen. Ich kannte sie nicht gut, Misstrauen war aus meiner Sicht als Frau deshalb  angeraten. Den Frauen sagte ich schließlich: Mir geht es nicht gut. Ich traute mich, meine Verwundbarkeit zu zeigen. Sie verstanden – meine Aussage deuteten sie sofort richtig: Bring mich bitte hier weg. Genau das taten sie: Sie stützten mich, saßen mit mir auf der Couch, gaben mir Wasser. Kurz: Sie kümmerten sich um mich und halfen mir. “Mir ist das auch schon mal passiert – ich weiß, wie das ist,” sagte die Kollegin, die mir das Glas Wasser besorgt hatte.

Da wird es eigentlich schön deutlich: Sie hat ihre Männerfeindlichkeit so weit verinnerlicht, dass sie es nicht mehr schafft, sich einem Mann anzuvertrauen, auf das er ihr ein Taxi ruft. Die Rape Culture macht eben auch in dieser Hinsicht paranoid: Männer würden ihre Schwäche nach ihrer Vorstellung anscheinend direkt ausnutzen. Mich verwundert etwas, dass anscheinend einfach ein Taxi gerufen worden ist: Die meisten Taxifahrer sind ja männlich. Das wiederum scheint aber okay gewesen zu sein, diesen Mann nimmt sie als Dienstleister anscheinend überhaupt nicht wahr.

Einschränkend kann ich verstehen, wenn einem bei bestimmten Personen unwohl ist, wenn sie jemanden nach Hause bringen, der betrunken ist. Und ich kann auch verstehen, wenn dieses Gefühl bei Männern in Bezug auf Frauen eher auftritt, denn entsprechendes sexuelles Interesse wird eben eher der Mann haben. Das in einen Generalverdacht umzuwandeln, der sich gegen all ihre Kollegen richtet, das hingegen halte ich dann doch für etwas ungewöhnlich, insbesondere wenn es um das Rufen eines Taxis geht. Irgendwie kommt da dann doch durch:

Sicherlich wäre es besser, wenn gerade Frauen sich offen zum Feminismus bekennen würden (wenn sie schon von seinen Errungenschaften profitieren). Es wäre schön, wenn sich alle offen dazu bekennen könnten. Doch bevor es so weit ist, begnüge ich mich mit dem Schwesterncode.

In einer Welt, in der Mann Männer im wesentlichen als Bedrohung ansieht, ist das ja auch durchaus verständlich, da hat man ja sonst keine Verbündeten.

Interessanterweise findet sich darunter ein ungewohnt kritischer Kommentar:

Ich kann nachvollziehen, dass Kontrollverlust bedrohlich wirkt – aber in einer solchen Situation nur Frauen als vertrauenswürdig einzustufen, stellt für mein Verständnis Männer unter einen Generalverdacht. Ich war weiß Gott schon oft besoffen in Clubs und auf Partys, bin nach dem Kotzen auf der Toilette eingeschlafen, hab auch schon mehr unter dem Tisch gehangen als daran gesessen – trotzdem habe ich mich nie als gefährdet betrachtet. Sicher: Nur weil mir nie etwas passiert ist und weil ich nie Angst vor sexueller Gewalt hatte, heißt das nicht, dass das kein reelles Risiko ist. Aber wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere und die mir im Nachhinein zuschreiben würde, ich hätte unausgesprochen auch die Bedrohung der sexuellen Gewalt gewusst, wäre ich damit mega uneinverstanden. Wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere, dann nicht, weil ich sie vor Männern schützen will, sondern weil ich sehe, dass es ihr schlecht geht und sie Wasser braucht und ein Taxi. Und wenn ich ihr sage, dass mir das auch schon passiert sei, dann deshalb, weil ich auch schon Wasser und ein Taxi brauchte.

Ich bin Feministin und ich kann mich mit diesem Text überhaupt nicht identifizieren. Schade, dass gerade ein Text, der sich über die männerhassende Zuschreibung von Feminismus beschwert, auf derart generalisierende Weise Frauen in Verbündete und Männer als potenzielle Gefährder aufteilt. 

Der letzte Satz ist in der Tat etwas, was dem ganzen eine gewisse Ironie gibt: Sie beschwert sich, dass Feministinnen als männerfeindlich angesehen werden, und lässt dann im folgenden ein Weltbild erkennen, dass eben genau Männerfeindlichkeit ausdrückt.

Selbermach Samstag 134 (02.05.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Ausreden, um scheitern zu dürfen

Das menschliche Gehirn ist teilweise darauf bedacht, dass man sich selbst nicht zu schlecht findet und wir Menschen neigen daher dazu, unsere Erfolge unseren Fähigkeiten und unsere Misserfolge externen Umständen oder jedenfalls Umständen außerhalb des eigenen Einflussbereichs zuzurechnen.

Mitunter scheinen mir solche Prozesse auch dazu zu führen, dass bestimmte Theorien, die so etwas einfach machen, populär werden.

Ein Beispiel wäre etwa, dass Schönheit rein sozial konstruiert ist und eigentlich alles schön sein könnte. Und das man sich wegen Poster, die sportlich-schlanke Frauen zeigen, aufregen darf, weil diese ein zu hartes Schönheitsideal kreieren, wie gerade etwas dieses Werbeposter von „Protein-World“, welches für einen Shitstorm sorgte:

Protein World - Beach Body ready

Protein World – Beach Body ready

Die Frau hat ja in der Tat einen klasse Körper und viele Frauen werden auch gerne so aussehen oder viele Männer werden eine solche Frau ansehnlich finden. Hier wird, obwohl dies ja dann eigentlich „Thin-Shaming“ ist, der eigentlich sportliche und attraktive und auch wesentlich gesündere Körper abgewertet und als „krankhaft dünn“ heruntergeredet. Alle Körper seien schön und man müsse Diversität zulassen. Mit solchen Werbungen fördere man nur Magersucht, die armen Mädchen würden unter einem kaum auszuhaltenen Druck stehen, wenn sie solche Bilder sehen würden. Schon hat man eine Ausrede, um eben nicht „Beach ready“ zu werden. Dabei unterschlägt man, dass Magersucht nur etwa 0,6% aller Mädchen betrifft, krankhafte Fettsucht aber weitaus mehr Frauen und das Fettleibigkeit gravierende gesundheitliche Folgen hat, wohingegen einen Körper wie in dem Bild oben zu haben, wohl eher gesund ist

(Renee Sommerfield hat mit einem BMI von 16,6 (Körpergröße 1,77, Gewicht 52 kg) theoretisch Untergewicht, solange sie aber täglich genug ist, ergibt sich daraus meines Wissens nach kein Gesundheitsnachteil:

She admits to working out four to five times per week, including beach running and pilates with weights, and told website Glamour Edition that she has always been on the skinny side: „My physique is naturally very petite and I am quite tall (5’10). Growing up, this felt very awkward but I have grown to love and embrace my body!“

„I work hard to keep my body looking healthy and fit, which means eating 6+ times a day and working out with resistance and weights to make sure I maintain lean muscle… I don’t like looking too skinny!

„Confidence comes from how you feel. I feel my best and my most confident when I am fit and toned…. I love moving, being strong and always full of energy. I think there is definitely a noticeable difference between ’skinny-toned‘ and ’skinny-soft‘ – you know when a girl works for her body!“ she added.

Erzählmirnix hat das gerade auch an einem Beispiel einer Victoria Secret Kampagne und den dann folgenden immer dickeren Protestbildern sehr anschaulich besprochen.

Hier werden den Victoria Secret Modells extrem dicke Frauen gegenübergestellt und dies als positiv verkauft.

Der gesamte Gedanke, dass man sich selbst mit entsprechenden Modellen entlasten kann und dann auch entsprechend scheitern darf, sich also erlaubt, den Vorgaben nicht zu entsprechen und dadurch Druck abbaut, scheint mir ohnehin in den radikaleren Theorien in der Geschlechterdebatte eine große Rolle zu spielen:

Im Feminismus ist eigentlich alles darauf ausgerichtet, schuld von einem Weg hin zu anderen, externen Umständen zu verlagern. Mit dem Geschlecht „weiblich“ hat man bereits verloren, alle anderen sind privilegiert, das Patriarchat hat alle Fäden in der Hand, die Geschlechterrollen sind gegen einen etc. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie eigene Entscheidungen treffen, wie etwa niedrigere Wochenarbeitszeiten, Berufe, die eher mit Kindern zu vereinbaren sind und die weniger auf Karriere und Geld ausgerichtet sind, sondern weil das Patriarchat sie unterdrückt und die anderen Privilegien haben. Und diese sollen dann bitte die Privilegien abbauen, auch hier müssen sich also die anderen anstrengen, man selbst muss den Umbau nicht vornehmen, es sind die (externen) Männer, die sich an ihre Privilegien klammern.

Im radikalen Antifeminismus und radikalen Maskulismus findet sich ähnliches. Der Staatsfeminismus macht eh jedes Handeln unmöglich, die Frauen sind so verwöhnt und in einer so hohen Position, dass sie auf Männer herabsehen und sie  nur ausbeuten wollen, alle Frauen sind schlecht und aufgrund dieser Schlechtigkeit lassen sie sich auch nicht auf einen ein. Men Going their own way (MGTOW) kann auch in seiner verbitterten Form in diese Richtung gehen („alle Frauen sind schlecht, also nehme ich sie komplett aus meinem Leben raus – nicht sie lehnen mich ab, ich lehne sie ab).

In der Interview-Reihe von David DeAngelo war auch noch ein interessantes Beispiel aus der Richtung: Er meint, dass Männer mitunter besonders blöde Anmachsprüche machen oder Frauen besonders schlicht anmachen („Ey, ficken?“ oder ein Hinterherpfeifen), weil sie damit in eine Rolle schlüpfen, die sie zum einen ein starker Mann sein lässt und zum anderen bei einer Ablehnung dann eben diese Rolle vorgeschoben werden kann: Sie hat dann nicht ihn abgelehnt, sondern nur die Rolle, die er gerade spielte. Ich hatte am Beispiel des Hinterherpfeifens mal folgendes geschrieben:

Aus diesem Gemisch lässt sich eine Theorie bauen, die ein hinterherpfeifen / hupen erklärt, auch wenn es sinnlos ist.

Es betont, dass man keine Ansprechangst hat und ist ein Umstand, der in der passenden Gruppe sehr schnell sozial bestraft werden kann. Da ein Hinterherpfeifen oder Hupen auch meist rein auf die Schönheit der Frau anspricht und insofern auch häufig sexuelles Gefallen bekundet, stellt es auch eher auf eine Kurzzeitstrategie ab, ein tatsächliches Interesse an der jeweiligen Person wird nicht bekundet. Es ist zudem eine Zeichen “Schau hier her, ich will dich”, was impliziert, dass man sich für gut genug hält, nicht abgelehnt zu werden oder zeigen zu können, dass einen die Ablehnung der Frau oder Sanktionen der Gesellschaft wegen der Überschreitung von Regeln nicht interessieren (“Outcome Indifference“).

Es signalisiert damit in gewisser Weise eine hohe Position und ist insofern gerade innerhalb der Männergesellschaft ein Costly Signal innerhalb der sexuellen Konkurrenz, dass schnell teuer werden kann, wenn die Frau darauf reagiert und man dann doch Ansprechangst bekommt.

Ich würde das ergänzen: Man spielt die Rolle von jemanden, der eine hohe Position hat und sich über die Regeln hinwegsetzen kann. Alle wissen, dass man es übertreibt, aber für den Fall, dass die Frau sich beschwert, regt sie sich quasi nur über den Regelbruch und die Persona auf, sie lehnt einen nicht als Person ab oder man kann eben zumindest sich selbst sagen, dass man es da wohl etwas übertrieben hat ohne es auf sich durchschlagen zu lassen.

Auch Pickuptechniken selbst können zu einer solchen Person sein, die man dem eigenen Ich vorschaltet. Gerade wenn man sie ohne wirkliches verstehen und ohne Kalibrierung auf die Situation anwendet. Wenn man also zB eine 5 ausgiebig neggt und dabei vergisst, dass ein Neg gerade keine Beleidigung ist und viel zu unlustig ist. Erfährt man dann die zu erwartende Ablehnung, dann kann man getrost sagen „Pickup ist Humbug, es ist als solches von der Frau abgelehnt worden, aber nicht ich“ und in seinen alten Trott zurückfallen, davon ausgehen, dass alles einfach irgendwie Glück ist, ohne wirklich an sich zu arbeiten oder eben auch den Gedanken beibehalten, dass Frauen an sich eben schlecht sind und es deswegen auch kein Gegenmittel gibt, außer vielleicht einen plötzlichen Lottogewinn (man flüchtet sich also in eine weitere Ausrede). Dieses Schema war denke ich auch gut bei „PUA-Hate“ zu beobachten, einem Forum bei dem sich nicht umsonst Ablehnung von Pickup mit Frauenhass zusammenfand, weil beides eben gute Ausreden sind, um ohne eigene Schuld scheitern zu können. Es ist eine Verschiebung nach außen, wenn man darauf abstellt, dass man eigentlich eine Frau verdient habe, alles richtig mache, und es nur Schuld der Frauen ist, wenn diese einen trotzdem ablehnen, weil sie eben schlecht sind. Es spart einem, sich den eigenen Fehlern zu stellen und an sich zu arbeiten.

Das zeigt auch schön, wie aus solchen Schuldverlagerungen, die einem erlauben, keinen Erfolg zu haben, Hass entstehen kann. Das Feindbild und die Abwertung ist erforderlich, um sich selbst davon überzeugen zu können, dass der andere das Hindernis ist, nicht man selbst. Der Andere muss einem das Gewollte – sei es „schön sein“, Gleichstellung, eine Partnerschaft oder was auch immer – aus Böswilligkeit vorenthalten bzw. Regeln so gestalten, dass man es nicht erreichen kann. Dann ist die Ausredenfunktion gewährleistet und das eigene Ich entlastet.

Factual Feminist: Trigger Warnungen

„Männer müssen performen“

Diese Aussage hier fand ich interessant:

Men are expected to perform. To be successful, to get the girl, to live a good life, men must do. Whether it’s riding wheelies down the street on your bicycle to get that cute girl’s attention or to get a doctorate degree to ensure your personal success and your future family’s, Men must perform. Women’s arousal, attraction, desire and love are rooted in that conditional performance. The degree to which that performance meets or exceeds expectations is certainly subjective, and the ease with which you can perform is also an issue, but perform you must.

 Es ist sicherlich zu absolut dargestellt, hat aber denke ich durchaus einen wahren Kern: Zu passive Männer werden eine sehr hohe Single-Rate haben. Und es gibt von nahezu allem, was man irgendwie machen kann, eine Version in der ganz überwiegend Männer es auf die Spitze getrieben haben, vom Breakdance über Graffitikunst. Selbst in klassischen weiblichen Bereichen, wie etwa dem Kochen, sind diejenigen, die es damit zu Ruhm bringen, meist männlich. Performen, dass wäre etwas biologischer ausgedrückt zum Teil einfach Signalling, also zeigen, dass man besondere Qualitäten hat. Und etwas besser zu können als andere, dass kann eben, wenn es eine in der jeweiligen (Sub-)Kultur angesehene Tätigkeit ist, auch wieder Status geben.

In einem anderen Text schreibt der Autor dazu auch:

For Men, there is no true rest from performance. To believe so is to believe in women’s mythical capacity for a higher form of empathy which would perdispose them to overriding their innate hypergamous filtering based on performance.

Women will never have the same requisites of performance for themselves for which they expect men to maintain of themselves. Hypergamy demands a constant, subliminal reconfirmation of a man’s worthiness of her commitment to him, so there is never a parallel of experience.

Women will claim men “require” they meet some physical standard (i.e. performance) and while generally true, this is still a performance standard men have of women, not one they hold for themselves. There simply is no reciprocal dynamic or prequalification of performance for women, and in fact for a man to even voice the idea that he might qualify a woman for his intimacy he’s characterized as judgmental and misogynistic.

Social conventions like this are established to ensure women’s hypergamous sexual strategy is the socially dominant one. Expecting a woman to perform for a man is an insult to her ‘prize status’ as an individual.

Das ist sehr weitgehend. Denn natürlich besteht auch unter Frauen eine intrasexuelle Konkurrenz um gutes Aussehn. Diese ist insofern vielleicht passiver ausgerichtet. Sie besteht aber durchaus. Allerdings kann eben dennoch eine schüchterne Frau eher damit rechnen angesprochen zu werden als ein schüchterner Mann. Selbst Frauen, die an einem Mann interessiert sind, wählen häufig den passiveren Weg, ihm recht unauffällige Signale zuzusenden, die ihn zu einer „Performance“ einladen, in der er den ersten Kontakt machen muss. Sie bleibt in gewisser Weise „der Preis“, den er erobern soll, auch wenn er erobert werden möchte.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist dies durchaus verständlich: Sperm is cheap, eggs are expensive, deswegen muss sie eher als er schauen, ob er auch die passende „Qualität“ hat, braucht also eher ein gewisses Signalling. Ein Mann, der sich nicht traut, sie anzusprechen, wird in dieser Hinsicht eher ein schlechtes Zeichen sein: Entweder schätzt er ihren Wert zu hoch ein, was bedeutet, dass er seinen Wert niedriger ansetzt als sie, was ein gutes Signal dafür sein kann, dass er tatsächlich niedriger ist. Oder er ist schüchtern, was ihn nach der „Sexy son-Theory“ auch nicht zu einem guten Kandidaten machen muss.

Auch hier könnte man darauf verweisen, dass sexuelle Anziehung eben keine Wahl ist, die man hat, sondern etwas, was sich nach biologischen unterbewußten Bewertungen einstellt. Dann kann die Darstellung, dass man etwas leisten kann, also performen kann, dass äquivalent zu einem guten Körper bei einer Frau sein. Die Performance ist gleichsam ein Striptease, je nach dem, wie sie ausfällt – bezogen auf damit angeregte Partnerwahlkriterien – eben einer hübschen oder einer weniger hübschen Frau.