Frauen, die Männer als Vertreter von Fraueninteressen wählen

In einer sehr einseitigen Sicht der Dinge bedeuten Männer an der Spitze, dass Fraueninteressen nicht hinreichend berücksichtigt werden und nur Frauen tatsächliche Vertreter von Fraueninteressen sein können.

Es erscheint wahrscheinlich unserem auf Gruppenzugehörigkeit ausgerichteten Denken auch verständlich, dass jemand aus der eigenen Gruppe eher auf der gleichen Linie liegt und die eigenen Interessen insofern im Auge hat.

Das ist jedoch ein Denken, dass so nicht stimmen muss: Denn Gruppen nach Geschlecht sind sehr groß und sehr heterogen, einzelne Mitglieder der Gruppe können weitaus mehr davon haben, die Interessen des anderen Geschlechts zu vertreten,

Dies ist eben bereits dann der Fall, wenn ihm persönlich die Förderung der Interessen mehr bringt als die Förderung des anderen Geschlechts, was bei einem Politiker sehr schnell der Fall sein kann: Vorteile, die persönlich aus dem Einsatz für Männerinteressen haben kann, können sehr klein ein, gerade weil die Erfolgsaussichten ungewiss sind. Ein Einsetzen für Fraueninteressen kann ihm hingegen, da es mehr weibliche Wähler gibt, einen guten Posten bringen, der sich direkt auszahlt.

Hinzu kommt, dass Frauen als Vertreter auf diesem Bereich weitaus weniger machen müssen – sie gelten eben bereits als Frauenfreundlich, da Frauen, wohingegen viele Männer dies eher noch zusätzlich beweisen wollen. Zudem wirkt es dann nicht als schlichtes Herausholen von Interessen, die gut für einen selbst sind, sondern es kann eben als Einsetzen für Schwache und Hilfsbedürftige geframt werden.

Frauen zu helfen und zu unterstützen bedient zudem eben auch viele Rollenklischees, etwa der Gentleman oder der Ritter, der für die Gunst der Dame kämpft oder schlichter gesagt: Der Beschützer.

Zudem könnte eine erfolgreiche Politikerin vielleicht auch eine für viele Frauen ungünstigere Position haben: Es bringt  einer Hausfrau nicht, wenn Karrieren von Frauen gefördert werden. Da kann es für sie günstiger sein, einen Mann zu wählen, der konservative Rollen fördert statt sie auflösen zu wollen.

Insoweit muss aus dem Umstand, dass es mehr männliche Politiker gibt nicht folgen, dass Fraueninteressen nicht vertreten sind.

„Die Männerrechtsbewegung lebt vom defizitären Gefühl, von Frauen nicht mehr genügend gelobt zu werden“

Adrian hatte in einem Kommentar, der mir jetzt gerade wieder vor die Augen kam, einmal folgende kurze These aufgestellt:

Die Männerrechtsbewegung lebt hauptsächlich vom defizitären Gefühl, von Frauen nicht mehr genügend gelobt zu werden

Finde ich eine interessante These. Richtig daran ist sicher, dass Männer bereit sind für die Bewunderung von Frauen einiges zu machen und das Gefühl gebraucht und anerkannt zu sein, sie über vieles hinwegsehen lassen würde.

 

Von nichtexklusiven Beziehungen, den Hoffnungen der Frauen und nichtverantwortlichen Frauen

Er hat eine (Fern-)Beziehung, daneben eine Vielzahl von sexuellen Kontakten mit anderen Frauen. Dass er  nebenher Sex mit anderen Frauen haben wird und sie auch Sex mit anderen Männern haben kann macht er allen Beteiligten immer sehr deutlich.

Am Morgen nach einer Party sitzen wir mit einer Gruppe beim Frühstücken. Nachdem seine Freundin gefahren ist nutzen die anwesenden Frauen die Gelegenheit, im ins Gewissen zu reden/ihrem Ärger Luft zu machen.

Mädchen1: „Du hast eine so nette Freundin, wie kannst du die nur immer wieder betrügen?“

Er: „Ich betrüge sie nicht, ich habe ihr ja gesagt, dass es nichts exklusives ist“

Mädchen2: „Ach was, die hofft natürlich, dass du es aus Liebe zu ihr sein lässt und macht sich Hoffnungen, dass ihr heiratet!“

Mädchen1: „Genau, Frauen machen sich da immer Hoffnungen, die hältst du damit nur hin, obwohl du gar nicht die Absicht hast, dass einzustellen! Du bist ein Schwein!!“

Er: „Meine Freundin hat letztes Wochenende auch mit einem anderen Mann geschlafen“

Mädchen1: „Äh…. also… dann, also dann ist es schon was anderes, ich mein, wenn sie es selbst macht…“

Mädchen2: „Ja, also sie schläft mit dem? Und du findest das okay?“

Er: „Klar, ich habe doch gesagt, dass wir sexuell nicht exklusiv sind“

Mädchen2: „Liebe ist das dann aber auch nicht…“

Das Grundmodell „Frauen entwickeln häufig eher Beziehungswünsche, wenn man länger miteinander schläft“ halte ich im Schnitt für durchaus zutreffend. Es ist aber natürlich sehr Situationsabhänig. Bei der klassischen Fuckzone wird sie häufig einen geringeren Partnerwert haben, den er für Sex okay findet, für mehr nicht. Bei einem „Casanova“ wie in dem Beispiel oben ist es wahrscheinlich auch häufiger der Mann, der es nicht aufgeben will, mit vielen anderen Frauen zu schlafen, wenn es natürlich auch Frauen gibt, die das wollen. Andererseits kann eben auch der Mann froh sein, überhaupt eine passende Frau gefunden zu haben, während der Frau durchaus bewusst ist, dass für sie Leute, die mit ihr schlafen wollen, leicht zu finden sind.

Insofern ist die Wertung der Frauen im Grundsatz nicht falsch, sie verallgemeinern allerdings etwas zu stark. Wobei: Seine Beziehung hat danach auch nicht mehr so lange gehalten, was allerdings auch kein Problem war, da er bald eine neue Freundin hatte – für ihn sprachen seine vollkommene Ergebnisunbekümmertheit („outcome indifference“) und das er durchaus charmant und frech sein konnte – Game eben.

Viele Frauen haben ihm aber auch einen Korb gegeben, weil er eben offen kommuniziert hat, dass er in einer Beziehung nicht exklusiv ist und sich die meisten Frauen das nicht vorstellen konnten.

Ich fand es trotzdem lustig, wie ihm die Mädchen die Leviten lesen wollten und dann plötzlich stoppen mussten, weil er nicht ihrem Schema entsprach. Das hätten sie einer so netten Frau wie seiner Freundin nicht zugetraut.

Gerade Frauen finden denke ich so etwas häufig falsch und gehen davon aus, dass der Mann in einer solchen Situation ausnutzen muss. Es findet sich auch in solchen Überlegungen wie aus der amerikanischen Rape Culture Theorie, nach der ein Mann, der mit einer betrunkenen Frau Sex hat, auch dann dafür verantwortlich ist, wenn er selbst betrunken ist und sie also auch mit einem betrunkenen Sex hatte.

Der höhere und eher auf Casual Sex ausgerichtete Sexualtrieb des Mannes führt dazu, dass diesem mehr Verantwortung zugewiesen wird und er einplanen muss, dass Frauen eigentlich keinen Sex wollen. Im Zweifel lieber lassen, weil Frauen eben anders sind.

Im Gleichheitsfeminismus benennt man diese Andersartigkeit natürlich nicht wirklich, man würde es wohl eher verschleiern, als soziale Konstruktion, die ausnahmsweise nicht zu dekonstruieren, sondern zu respektieren ist.

Hinweis: Maskulistische Theoriewoche

Hier ein Hinweis: (aktuelle Artikel sind unten)

Maskulistische Theoriewoche

Ich möchte einmal etwas Neues ausprobieren und werde daher in der Woche vom 04.05-10.05 jeden Tag ein bestimmtes Konzept aus der maskulistischen Theorie zur Diskussion stellen.

  • 04.05.Biologische und soziale Faktoren der Geschlechterrollen/beiderseitige gegenseitige Verantwortung und Teilhabe an den Rollen
  • 05.05. Staatsfeminismus
  • 06.05. Der entsorgbare Mann / Disposable Man
  • 07.05 Abwertung der männlichen Sexualität und Falschbeschuldigung
  • 08.05 Benachteiligung im Familienrecht iS Sorgerecht, Unterhalt etc
  • 09.05 (häusliche) Gewalt gegen Männer
  • 10.05 Partnerwahlkriterien der Frauen und sich daraus ergebende Anforderungen an Männer

Ich fand hier die Auswahl schwieriger als beim Feminismus, da dieser eine klarer ausformulierte Theorie hat und mit dem poststrukturalistischen Genderfeminismus eine klarer definierte Hauptausrichtung. Die obige Auswahl hätten andere sicherlich anders zusammengestellt, aber ich denke es sind interessante Themen dabei. Dabei besagt die Aufnahme nicht, dass diese Theorien in jedem Teil des Maskulismus vertreten werden, ich selbst halte beispielsweise die Idee eines „Staatsfeminismus“ für nicht sehr überzeugend.

Ich stelle hier die Themen vorher rein, damit Leute evtl schon einmal etwas zu den Themen vorbereiten können (sei es für längere Kommentare dazu, über das Suchen interessanter Links oder auch das Schreiben von Artikeln zu dem Thema auf dem eigenen Blog).
Fragen dazu wären:
1. Was besagen die jeweiligen Theorien?
2. wie werden sie im Maskulismus eingesetzt?
3. Welche Argumente/Studien sprechen für/gegen sie?

Ich würde mich freuen, wenn dadurch rege Diskussionen ausgelöst werden und insoweit ein neuer Blick auf diese Konzepte entsteht.

Unten geht es mit den aktuellen Artikeln weiter

„Daisy Duck-Frauen“ und „Daisy-Duck-Feminismus“

Ein Artikel in der FAZ vergleicht einen bestimmten Typ Frauen mit Daisy Duck:

Daisy Duck hat zwar keine roten Fingernägel, dafür eine rosafarbene Schleife auf dem Kopf. Ihr größtes Problem ist, dass es ihr sehr gutgeht, sie aber selten zufrieden ist. Schuld daran sind stets die anderen, vor allem Männer. Die seien Bestien, schimpft Daisy einmal in der Barks-Episode „A sticky situation“, denn sie würden nur essen, schreien und das Haus in Unordnung bringen. Besonders oft kriegt es Donald ab, denn der ist besonders oft für sie da. Einmal etwa kutschiert er sie mitten in der Nacht zum Flughafen, um stundenlang mit ihr auf eine berühmte Primaballerina zu warten, deren Ankunft in Entenhausen Daisy miterleben will. Schließlich aber schimpft sie Donald aus – weil er die Tänzerin nicht kennt. Mit hochgerecktem Schnabel und maximalem Distinktionsgewinn straft Daisy ihn ab: „Keinen blassen Schimmer von der Kunst des Tanzens . . . pah!“ Will Donald in der Hängematte entspannen, überrumpelt Daisy ihn mit einer Einladung zu ihrer Lotterie-Reihe „Sonntag im Park“. Natürlich grauenvollstes Socializing, wie Daisy auch indirekt zugibt: „Aber wie sieht das denn aus, wenn mein Freund nicht daran teilnimmt?“ Donalds Einwand, sie wisse doch genau, dass der Sonntag sein freier Tag sei, kontert sie mit Schmollmiene: „Du bist ein Miesepeter.“

Ich fand Daisy Duck schon immer eine interessante Figur: Man weiß nicht so richtig, was sie macht, sie ist richtig Fies zu sowohl Donald Duck als auch Gustav Gans, der in dieser Hinsicht anscheinend gerade kein Glückspilz ist, denn sonst würde er eine vernünftige Frau/Ente/Gans kennenlernen, die tatsächlich an ihm interessiert ist und ihn nicht nur gegen seinen Konkurrenten ausspielt.

Es ist auch interessant, dass diese Quelle weiblichen Entitlements im Feminismus nicht wahrgenommen wird: Kinder wachsen damit auf, dass ihnen eine Frau gezeigt wird, die beliebige Bedingungen stellen kann, die dann von ihren Interessenten erfüllt werden müssen, ohne das sie etwas für diese macht. Es reicht, dass sie da ist, dann müssen alle nach ihrer Pfeife tanzen. Sie lebt ansonsten ein unbeschwertes Leben, anscheinend auch ohne finanzielle Sorgen.

Sie hat insofern einen Anspruch darauf, dass Donald und Gustav sich um sie bemühen, kraft ihres Frau seins. Klar kann man da auch anführen, dass sie eben gerade nur ein Objekt der jeweiligen Begierden ist, aber sie bleibt dabei ja höchst aktiv: Sie ist es, nach der sich alle richten und die auswählt. Sie kann sie benehmen wie sie will. Es ist eine Form des Entitlements, wenn sich alles nach ihr richten soll.

Aber das ist wahrscheinlich auch nur wieder wohlwollender Sexismus.

Dann leitet sie über zum Feminismus:

Daisys Unzufriedenheit ist von der Art, mit der auch die Kundinnen bei Starbucks die leere Milchkanne anprangern und die Marketing-Redaktion-Werbe-Singles auf „gutem“ Kaffee bestehen. Diese Unzufriedenheit hat im Leben der meisten anderen Frauen gar keinen Platz; denn der ist mit anderem besetzt. Trotzdem sollen sie sich fortwährend für die Daisyduckisierung interessieren.

Die Zeitungen und Blogs sind voll mit Daisy-Themen und besonders mit Daisy-Feminismus. Dauernd guckt einem beispielsweise von irgendwoher die gefeierte Feministin Lena Dunham entgegen und zählt ihre berühmten Zwangsneurosen auf. Frauen, die sich auch in irgendetwas hin eingezwungen fühlen (Beziehungen, Jobs, dumme Gesellschaften), sind anscheinend erleichtert über so viel Offenheit. Dunham spielt in der von ihr konzipierten Fernsehserie „Girls“ ein Girl, das Schriftstellerin werden will. Allerdings kann sie von ihren Schreibversuchen nach dem Abschluss des Colleges nicht leben. Ihre Eltern streichen ihr den monatlichen Zuschuss, und so muss sie selbst arbeiten. Zeitweise sogar in einem Kaffeeladen. Allerdings in einem für Brooklyner Hipster, und das auch nur vorübergehend, weil dann wieder was ganz anderes passiert.

Das Recht sich über beliebige aufzuregen und zu erwarten, dass den eigenen diesbezüglichen Gefühlen Vorrang eingeräumt wird, das Gefühl etwas besseres zu sein und sich auch entsprechend verhalten zu dürfen. Lena Dunham ist keine attraktive Frau (NSFW), ihre Partner in der Serie sind hingegen wesentlich näher am klassischen Schönheitsideal für Männer. Anforderungen an Daisy Duck dürfen eben nicht gestellt werden, sie hingegen darf Ansprüche stellen. Es ist insofern ein Spiegelbild der Privilegientheorie: Auch dort ist der Mann privilegiert und muss seine Privilegien ablegen, darf keine Anforderungen stellen, das wäre Shaming oder Aufrechterhaltung der Rollenbilder, jedenfalls aber Unterdrückung.

Die Daisys sind sogenannte Protagonistinnen eines modernen, also „netzaktiven“ Feminismus, sie haben „über 100.000 Follower“ oder sind wenigstens „sehr aktiv auf Twitter“ (so die Buchverlage über ihre einschlägigen Autorinnen). Frauen, die nicht so netzaktiv sind, sind demnach unmodern und müssen weiter Kaffee ausschenken, und zwar nicht bloß, bis es mit der Schriftstellerei klappt, sondern vielleicht ein Leben lang. Wenn die es dann wagen, gut gelaunt zu sein, vielleicht sogar glücklich, dann haben die Daisys ein Problem.

Das scheint so ein bisschen der Vorhalt zu sein, dass die „Daisys“ auch immer irgendwie für etwas größeres bestimmt sein müssen, was ihre Anforderungen rechtfertigt, während normale Leute eben schlicht einen Job haben.

Die Daisy Ducks jedenfalls schreiben über Daisy-Duck-Probleme. Wenn man normale Leute fragt, ob auch sie solche Probleme haben, verstehen sie meistens schon die Frage nicht. Zum Beispiel, wenn es um Arbeit geht. Die Daisy-Duck-Frauen reagieren darauf empfindlich; sie brauchen, bevor sie überhaupt anfangen, zwingend „Kaffee und einen kleinen Spaziergang“, oder sie gehen in Vorbereitung einer längeren Pause zum „Sabbatical-Coaching für Frauen“ (eine Berliner Sabbatical-Coacherin bietet Frauen etwa professionelle Hilfe an beim Umgang mit „Gefühlen wie Einsamkeit beim Anblick anderer Paare“) oder ersatzweise zum After-Work-Yoga (ein Frankfurter Anbieter wirbt: „Der Yogakurs funktioniert wie ein Puffer, der alle Probleme auf Arbeit herausfiltert“, und ja, der Satz geht wirklich genau so). Schier unfassbar muss den Daisy Ducks erscheinen, dass manche Frauen jahrzehntelang wenig glamouröse Arbeiten verrichten, ohne durchzudrehen, zum Teil sogar noch gut gelaunt. Wie erklären diese Frauen das? Man kann sie fragen. Sie leben mitten unter uns!

Also der Vorwurf, dass die „Daisys“ eigentlich mit der Welt nicht klarkommen, jedenfalls gerne aus der Welt flüchten, wo andere Frauen ihre Frau stehen. oder einfach die Darstellung, wie schwer sie es im Leben haben? Der Gedanke, dass man zu besonders für das „normale Leben“ ist?