Passiver Sexismus – Sexismus durch Unterlassen

Jessica Valenti hat eine neue Form des Sexismus entdeckt, den passiven Sexismus. Er liegt dann vor, wenn man sich selbst quasi nicht eine innere Frauenquote einrichtet und in den diversen Medien wie Büchern, Twitter oder anderen Bereichen Frauen die gleiche Aufmerksamkeit zuweist.

Denn Frauen und Männer sind per se gleich gut, also muss es Sexismus sein, wenn man nicht Frauen hinreichend berücksichtigt. Dabei ist mir noch nicht ganz klar, ob nur das Weglassen von Frauen passiver Sexismus ist oder sich auch Frauen, die merken, dass derjenige nicht genug Frauen berücksichtigt, passiv diskriminiert fühlen dürfen.

Valenti erläutert es insoweit an Beispielen:

Director and screenwriter John Waters once said: “If you go home with somebody, and they don’t have books, don’t fuck ‘em!” Wise words, but I’d add: Especially if they don’t have books by women.

When you live in a world with outrageous, explicit misogyny – domestic violence, sexual assault and attacks on reproductive rights, to name a few – it’s easy to breeze by the small stuff. After all, there are issues more pressing than whether or not the culture someone consumes is too homogenous.

But passive bias is still bias – and it has ripple effects into the broader culture. Is it really so much to ask that we pay attention to what shapes our tastes?

For example, I was riding the subway recently when I noticed my seatmate scrolling through a Twitter feed that looked remarkably like mine. I was tickled to be sitting next to a like-minded person, but as I looked on I noticed there was one thing that seemed to be missing from his newsfeed: women. He was following fantastic and smart men, but still – as far as I could tell, all men.

I got the same uneasy feeling when I listened to a podcast interview with a TV showrunner and writer that I admire. He spoke eloquently about his passions and mentors – and the people whose work he liked most. All men.

 

Im ersten Satz, dass nur kurz angemerkt, haben wir ein Beispiel für „Mach uns nicht zum Sexobjekt vs. Wer gegen uns ist bekommt keinen Sex„.

Mein Bücherschrank ist nach kurzer Inspektion in der Tat eingermassen männlich. Lediglich die Feminismusecke holt es wieder etwas raus. Es wird dringend Zeit, dass Erzählmirnix endlich eine Hardcoverversion ihres Buches auf den Markt bringt, damit ich da etwas an der Quote arbeiten kann.

Beim Twitteraccount ist es natürlich misslich, dass mir das Erreichen einer Quote dadurch erschwert wird, dass die meisten Feministinnen einen schon geblockt haben, bevor ich überhaupt versucht habe ihnen zu folgen. Da wäre die Beschwerde einer deutschen Feministin lustiger gewesen, weil man denen ja kaum folgen kann, wenn man nicht ansonsten auf der feministischen Linie ist.

Die Idee, dass man für jedes Buch eines Mannes auch ein gleich gutes Buch einer Frau finden könnte und es nur am Geschlecht liegt, dass man das Buch des Mannes wählt, halte ich für wenig überzeugend. Es schreiben denke ich schon wesentlich mehr Männer Bücher.

Aber aus feministischer Sicht natürlich ein sehr gutes Projekt: Es trägt die Verpflichtung in den privaten Bereich und lässt Tadel in nahezu jedem Bereich zu.

Außerhalb des Feminismus waren die Stimmen weniger positiv.