„Ich würde nie mit einem Mann bei einem ersten Date schlafen, aber ich will, dass er es versucht“

Ich habe mal wieder in die alte „Interview mit Dating Gurus“-Reihe von David DeAngelo reingehört, in der er verschiedene Leute, die mit dem Bereich Pickup oder Flirten oder entsprechenden Grundlagen in Verbindung stehen, interviewt.

Da stellte einer der Interviewten dar, dass Frauen im Flirtbereich häufig geradezu eisern passiv sind und häufig sich bestimmte Zeitrahmen oder ähnliches für Sex gesetzt hätten, die aber nicht gleichbedeutend damit sind, dass in dieser Zeit nichts sexuelles stattfinden soll.

Zum ersten Punkt meinte er, dass eine Frau auf einem Date die ganze Zeit denken kann, dass der Mann doch nun langsam mal etwas machen sollte und letztendlich der Mann an Attraktivität verliert, wenn sie merken, dass er nichts macht. Er ist dann im Prinzip ein Feigling oder hat keine Ahnung von Frauen. Man darf getrost bei Freundinnen über ihn lästern, obwohl die Frau selbst eben so passiv geblieben ist, wie er selbst.

Grund für diese Passivität sei häufig, dass die Frau eben davon ausgeht, dass es Aufgabe des Mannes ist, die Eskalation zu betreiben und das Ganze auch unter dem Punkt, dass man auch damit einen Schlampenruf vermeidet, behandelt wird. Nur wenn der Mann aktiv ist, kann man eben in der Rolle der Abwehrenden, aber auch etwas zulassenden bleiben. Man kann also wesentlich besser das Tempo der Interaktion steuern, in dem man an den passenden Stellen bremst als wenn man selbst diejenige ist, die aktiv ist. Es spielt insofern in die klassische Rolle hinein, dass sie diejenige ist, die erobert wird.

In der feministischen Theorie wird hingegen gern mit starren Regeln gearbeitet:

  • Bei No means No muss der Mann ein Nein als Botschaft sehen, dass sie die Interaktion insgesamt nicht möchte oder jedenfalls vor einem Fortsetzen genau mit ihr dessen Umfang abklären
  • Bei Yes means Yes muss er sie explizit fragen, ob sie dieses oder jenes möchte
  • und bei „enthusiastic consent“, also enthusiatischer Zustimmung, muss sie nicht nur zustimmen, sondern man muss auch feststellen, dass sie die jeweilige wirklich will und dies mit erkennbarer Freude.

In all diesen Modellen ist kein Platz für das Konzept „ich will, dass er mich zu erobern versucht, dass eine gewisse sexuelle Spannung vorliegt, dass sexuelle Energie im Raum ist, bei der ich etwas zulasse, aber nur so lange und so weit, wie ich es will, aber ohne es auszusprechen, sondern einfach als Prozess“

Der Interviewte teilte dann noch mit, wie eine Freundin es ihm gegenüber mal formuliert hatte:

Ich würde nie mit einem Mann bei einem ersten Date schlafen, aber ich will, dass er es versucht

Ich glaube, dass da ziemlich viele Frauen zustimmen würden. Wenn sie von einem ersten Date hören, dass wie folgt geschildert wird:

Er war voller Begierde und wollte mich. Erst legte er seinen Arm um mich, dann küsste er mich, seine Hand war erst an meiner Seite und wanderte dann langsam hoch, aber es war das erste Date und so einfach wollte ich es ihm nicht machen, ich habe seine Hand wieder etwas weggeschoben, aber ich habe gemerkt, wie sehr er mich wollte und seine Küsse und Berührungen haben mich auch immer heißer gemacht, bis seine Hände schließlich wieder auf meinen Brüsten lagen und er sie leicht knete, während er mich küsste. Ich konnte schon fast nicht mehr, weil es sich so gut anfühlte, aber beim ersten Date schlafe ich nicht mit einem Mann und ich habe dann seine Hände wieder runtergeschoben, damit es nicht zu heiß wird. Irgendwann hatte ich nur noch meine Unterwäsche an, es ist irgendwie passiert und er wollte mir auch den BH ausziehen, aber es war ja das erste Date, ich habe ihn nur die Körbchen etwas runterschieben lassen und es war unglaublich, wie er leicht an meinen Nippeln saugte und seine Hand gleichzeitig meine Seite entlang strich. Irgendwann musste ich den BH wieder hochziehen und seine Hand wegschieben, er hat gemerkt, dass ich super erregt war und ich habe auch gespürt, wie erregt er war, es war aber genug für den ersten Abend.

dann würden die meisten Frauen es wohl durchaus als gelungenes erstes Date ansehen, bei dem eine Menge sexueller Spannung in der Luft lag, man etwas rumgemacht hat und sie gleichzeitig auch gemerkt hat, dass er ihre Grenzen akzeptiert, auch wenn er immer wieder trotz ihrer gegenteiligen Aktionen gewisse Grenzen auf die richtige Weise überschritten hat. Man kann dagegen andere Szenarien setzen, bei denen sie merkt, dass er bei solchen Unterbrechungen sauer wird oder es nicht akzeptiert, dass sie bestimmte Sachen nicht möchte oder es keine sexuelle Spannung innerhalb ihrer Grenzen, sondern tatsächliche Abwehr ihrerseits von Sachen, die ihr unangenehm sind, und bei denen er es nicht lässt, obwohl sie das deutlich macht.

Ein solches „Vorspiel“, bei dem sie gerade nicht klar stellt, was ihre Grenzen sind und er entsprechend empathisch innerhalb des Zugestandenen, aber auch des nicht Zugestandenen, aber durchaus Erwünschten bewegt, kann damit gerade das notwendige Vertrauen bieten, nach dem es dann tatsächlich zum Sex kommen kann. Es wäre also in gewisser Weise „Informationsgewinnung“

Es kann auch den inneren Vorhalt beruhigen, dass sie „zu leicht zu haben“ ist, also ihren eigenen „Bin ich wenn ich mich so verhalte eine Schlampe?“-Alarm, der gerade davon lebt, dass er etwas macht, was außerhalb des offiziell zugestandenen, aber noch in dem, was sie will, liegt. Ihre „Gegenwehr“, der Umstand, dass sie ihm etwas verboten hat (und sich damit auch), kann auf diesem Konto verbucht werden und damit späteren Sex okay sein lassen. In der gleichen Weise sind wohl

Auch diese Funktion fällt innerhalb der feministischen Theorie weg, dort soll ja gerade direkt im Vorfeld die Zustimmung erklärt werden. Das erfolgt auf einer nüchternen Ebene, bei der die Frau jeweils entscheiden muss, was sie macht und das mitteilen muss, raubt also auch den Einwand „wir haben etwas rumgemacht, aber nur, weil es so schön mit ihm war und ich so geil wurde, ich habe ihn (und mich) dann gebremst, weil ich ja ein anständiges Mädchen bin und nicht am ersten Date mit ihm schlafe.“

Die klassische Vorgehensweise bietet damit gerade weil sie sich eher in einer Grauzone bewegt, einige Vorteile für die Frau. Sie erlaubt es, einen spannenden, sexuellen Abend zu haben, seinen Ruf zu wahren und das Gefühl zu genießen, Herr der Lage zu sein und begehrt und umworben zu werden. Natürlich ist es im Gegenzug auch anfällig für gewisse Überschreitungen. Ich vermute, dass die meisten Frauen da aber durchaus der Meinung sind, dass sie deutlich machen können, was sie wollen und zudem die Erfahrung gemacht haben, dass das akzeptiert wird. Gleichzeitig bieten andere Regeln auch keinen Schutz, wenn jemand eine klar verkündete Abweisung nicht akzeptiert.