Warum ist der Feminismus so still bei vorteilhaften Berichten für Frauen?

Im Feminismus geht man davon aus, dass die Geschlechter (oder einfacher: eigentlich alles) sozial konstruiert ist. Wenn etwas als weiblich wahrgenommen wird, dann machen es Frauen eher, weil sie es als zu ihrer Identität passend empfinden, wenn es als männlich dargestellt wird, dann werden sie abgeschreckt. Genauso, wenn sie von Hindernissen, etwa Sexismus, erfahren.

Danach müssten eigentlich positive Nachrichten die Lage der Frauen verbessern. Dennoch konzentriert sich der Feminismus im Wesentlichen darauf, die Lage für Frauen so negativ wie möglich darzustellen.

Aber selbst so günstige Nachrichten, wie der Umstand, dass Frauen bei Bewerbungen bevorzugt berücksichtigt werden, tauchen auf den feministischen Blogs nicht auf

Kommentator Matze stellte dazu einmal wie folgendes dar:

Ich frage mich öfters bei welche Kampagne von Feministen überhaupt noch tatsächliche Probleme behandelt werden.

Gamergate: Feminsitinnen sagen das Frauen dort nicht erwünscht sind.

Der Physiker mit dem speziellen T-Shirt: Feministinnen sagen das Frauen in den Naturrwissenschaften nicht erwünscht sind.

Gender Pay Gap: Feministinnen sagen das Frauen, bei gleicher Qualifikation und Erfahrung, in der selben Firma weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen.

Rape Culture: Feministinnen sagen das Frauen niemand ernst nimmt, wenn sie mit eine Vergewaltigung zur Polizei gehen.

Frauenquote: Feministinnen sagen das Männer Frauen davon abhalten beruflich aufzusteigen.

Häusliche Gewalt: Feministinnen sagen das man bei Männern nie wissen kann, ob er nicht ein Gewalttäter ist, der sie irgendwann mal schubsenverprügeln wird.

Yeah! Empowerment!

Sprich: Feminismus ist in seiner Darstellung ganz überwiegend negativ. Ich schrieb in einem Kommentar auf einen anderen Kommentar von Matze:

Von deinem Link:

The Hunting Ground opens like a horror movie: We meet a suite of innocents who have no idea they’re heading off to hell. This documentary about sexual assault on college campuses begins with YouTube videos of high school girls reacting with tearful joy to their acceptance letters. Lambs to the slaughter, we’re supposed to think. The film that follows portrays college as so dangerous for young women that the viewer is left with the sense that these students would have been better off posting college rejection videos and staying home.

Wenn man die eigenen feministischen Theorien auf Frauen und diese Vorhalte anwendet, dann müsste sich daraus eine ganz erhebliche Abschreckung ergeben:

Sollte ich als Frau studieren? Ich werde mit höherer Wahrscheinlichkeit vergewaltigt werden?
Sollte ich als Frau versuchen Karriere zu machen? Ich werde mit hoher Wahrscheinlichkeit 23% weniger verdienen und nicht akzeptiert werden
haben Frauen gleiche Chancen? Nein, sie werden systematisch benachteiligt, dass ganze System ist gegen sie ausgerichtet
wird es sich bessern? Unwahrscheinlich, das Patriarchat ist so mächtig, dass es kein einziges Land ohne dessen Vorherrschaft und ohne Rape Culture gibt, es gibt auch kein Land, in dem die Geschlechterrollen aufgehoben worden sind.
sollte ich dann in traditionellen Geschlechterrollen leben? In diesem Fall stärkst du das Patriarchat/die Geschlechterrollen und schadest allen anderen Frauen

Ich würde ja gern mal einen entsprechenden Text erstellen, von Feministinnen in irgendeiner Form als zutreffend absegnen lassen und ihn dann zB Abiturientinnen und Studenten vorlegen. Und danach drei Fragen stellen:
1. auf einer Skala von 1 bis 10, willst du Karriere machen?
2. wenn ja: wie schätzt du die Erfolgschancen ein?
3. auf einer Skala von 1 bis 10, glaubst du, dass diese Thesen zutreffend sind?

Vielleicht auch die Fragen 1 u 2 vorher stellen und danach noch einmal.
Ich könnte mir vorstellen, dass dabei ein gewisser Zusammenhang herauskommt, dass diese feministischen Thesen abschreckend wirken, was bei Zugrundelegung des Poststrukturalismus dann bedeuten würde, dass die Verbreitung das Patriarchat stärkt bzw. ihm zuarbeitet.

Gegen eine zu positive Darstellung könnte man natürlich halten, dass jemand ja nun einmal den tatsächlichen Stand festhalten und diskutieren muss. Allerdings werden ja auch insoweit positive Nachrichten, etwa die Mitteilung neulich, dass weibliche Bewerber sehr gute Chancen haben, sogar bessere als männliche, nicht kommuniziert (oder habe ich sie auf einem feministischen Blog übersehen?). Es passt eben nicht in das Ofernarrativ und das ist wichtiger als positive Nachrichten und Frauen Mut zu machen. Was eigentlich alles aussagt