Status macht attraktiv: Yanis Varoufakis

Yanis Varoufakis ist der griechische Finanzminister in der Regierung von Alexis Tsirpas.

Yanis Varoufakis

Yanis Varoufakis

Er gehört zu den „griechischen Rebellen“, die einen neuen Anfang bringen sollen und Hoffnungsträger sind. Durch ihn hat sich der Ton verändert: Griechenland trat anders auf, nicht mehr aus der reinen Bittstellerposition heraus, irgendwie trauen ihm die Griechen zu (wenn es jetzt auch echt knapp wird) dass er es schaft der Europäischen Union etwas abzutrotzen. Er ist eine Symbolfigur für Griechenland, wie die ganze Regierung, die für das Neue steht. Zeichen dafür ist auch, dass man keine Krawatte trägt, legerer auftritt.

Wenn man sich Videos von Varoufakis anschaut, dann wirkt er meist vom Auftreten her  souverän, als hätte er die Sache im Griff.

Ich würde ihn nicht für per se hübsch halten, die beginnende Stirnglatze und auch das Gesicht scheinen mir nicht dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Aber er hat ein sehr gutes Auftreten, er strahlt Alphamann-Verhalten aus. Er wirkt selbstbewußt und Herr der Lage. Und er ist jemand, zu dem das griechische Volk aufblickt, von dem sie eine Rettung erwarten, der ihrem Slebstbewußtsein gut tut.

Ein interessanter Bericht im Spiegel zeigt die Folgen:

An einem regnerischen Nachmittag sitzt die Statistikstudentin Eleni Mavropoulou auf der Terrasse eines Athener Straßencafés und erzählt, dass sie total scharf auf einen Typen ist. Der Regen prasselt so stark auf die Markise über ihr, dass man nicht jedes ihrer Worte versteht, aber folgende Sätze sind auf jeden Fall dabei: „Der Kerl hat alles. Er ist ein genialer Wissenschaftler. Er fährt Motorrad. Er ist lustig und charmant. Er ist einer fürs Bett, man sagt, er sei eine Sexmaschine. Er ist der perfekte Mann.“ Ab und zu kramt die 26-Jährige ihr Smartphone aus der Tasche, schaut sich Fotos an oder googelt nach Texten, die ihr Schwarm geschrieben hat.

Auch männliche Fans wollen sein wie er:

Viele Studenten, erzählt Mavropoulou, trügen ihre Hose seit einigen Wochen in die Strümpfe gesteckt – wegen Varoufakis, der habe das früher auch so gemacht. Schals der Edelmarke Burberry galten unter linken Studenten eigentlich immer als modisches Verbrechen – das sei seit einigen Wochen anders. Weil das große Idol damit in Brüssel bei den Verhandlungen der Euro-Gruppe auftrat, sehe man plötzlich auffällig viele junge Männer mit dem berühmten Karomuster über den Campus schlendern.

Also „Leader of Men“, Vorgeber von Trends, der nach dem man sich richtet. Man arbeitet an seiner zusätzlichen Glorifizierung:

An griechischen Hochschulen gibt es derzeit einen wahren Varoufakis-Hype. Der Prof, der auch schon während seiner Zeit an der Uni ein Star bei den Studenten war, wird als eine Art Vin Diesel der Politik gefeiert, als Retter Griechenlands, der den langweiligen Anzugträgern aus den anderen Ländern endlich mal erklärt, wo der Hammer hängt. Fast 70.000 meist junge Menschen haben sich zum Beispiel der Facebook-Gruppe „V für Varoufakis“ angeschlossen, Tendenz seit Wochen steigend. Man postet Fotos und Tweets von Varoufakis, man schwärmt ein bisschen herum und teilt die neuesten Sprüche. Wie Varoufakis seinen Morgen beginnt? Mit einer Einheit Sit-ups und einem dafür gestellten Wecker – damit er nicht vergisst, wieder aufzuhören.

Auch wenn man weiß, dass er die Hoffnungen nicht erfüllen wird, ist er doch als Hoffnungsträger attraktiv:

Früher habe es immer geheißen: „Oh no! Germany is going to fuck us!“ Jetzt sei da Varoufakis, der Kämpfer. Aber mal ganz ernsthaft, Frau Mavropoulou: Glauben Sie wirklich, dass es ein einziger Mann mit der EU aufnehmen und die Krise eines ganzen Landes beenden kann? Die Studentin lacht, drückt ihre Zigarette aus. Dann sagt sie: „Ach, nein, eigentlich nicht. Aber er ist eben sehr süß und sexy.“

Auch die Welt bespricht seine „Sexyness“:

„Faszinierend und sexy“, beschrieb eine begeisterte Journalistin der italienischen Zeitung „Il Garantista“ den neuen Stern am Polithimmel und spricht für Millionen neuer Fans. Auch eine portugiesische Abgeordnete zeigt sich auf Twitter vom Sexappeal Varoufakis völlig hingerissen. Und ein französisches Männermagazin erkor ihn fix zum erotischsten Glatzkopf seit Menschengedenken. Fotomontagen im Netz zeigen den neuen Robin Hood der Verschuldeten wahlweise als Bruce Willis, Mister Spock oder Superman.

(auf der Seite ist auch noch ein Video zu sehen, welches sich dieser Frage auch noch einmal annimmt)

Der lässige Stil, das gesamte Auftreten, das Rebellenhafte sind hier meiner Meinung nach wesentliche Faktoren, die zu dieser Bewertung beitragen.

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