Bloggeburtstag: 5 Jahre „Alles Evolution“ (etwas zu spät)

Da fällt mir gerade auf, dass ich den Bloggeburtstag verpasst habe.

Am 1.Mai 2010 erschien der erste Artikel auf „Alles Evolution“.

Ich weise noch mal auf ein paar Möglichkeiten hin dem Blog oder mir zu folgen:

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Lobhymnen auf mich oder den Blog (oder wenn es denn sein muss auch gerne Kritik) bitte wie immer in den Kommentaren.

Statt Geschenke freue ich mich über jede Verlinkung 😉

Wie immer danke ich allen Kommentatoren ohne die das Bloggen nur halb so viel Spass machen würde!

Solidarität unter Frauen und die Abgrenzung zu Männerhass

Naekubi hatte ich hier schon einmal, mit ihrer Ansicht, dass Komplimente der Verdinglichung und Abwertung von Frauen dienen.

Jetzt hat sie bei der Mädchenmannschaft einen Artikel zum „Schwesterncode“ eingestellt, den ich auch interessant finde:

Sie hat sich auf einer Firmenfeier betrunken und eine Kollegin kümmert sich um sie:

“Wie ist deine Adresse nochmal, Naekubi?” Ich hing an der Schulter meiner neuen Kollegin und konnte kaum verbergen, dass ich mich nur mit Mühe auf den Beinen hielt. Es war kurz nach Mitternacht an einem Donnerstagabend auf einer Promotion-Party und mir war schlecht. Sehr schlecht.(…)

Die Kollegin hatte ein Taxi hergewinkt und öffnete die Beifahrertür, um mit dem Fahrer zu sprechen. Ich schaffte es noch, halbwegs verständlich meine Straße zu nennen, während sie mich vorsichtig auf den Rücksitz des Wagens bugsierte und die Daten durchgab. “Komm gut nach Hause!” Die Kollegin schlug die Tür des Fahrzeugs zu, winkte mir noch aufmunternd und ich war auf dem Weg durch die Nacht, nach Hause. 15 Minuten und 15 Euro später lag ich in meinem Bett.

Soweit nichts ungewöhnliches. Sie betrinkt sich auf einer Party, eine Freundin setzt sie in ein Taxi und dieses bringt sie nach Hause. Die Gedanken der Autorin dazu finde ich interessant:

Kurz bevor ich in rauschhaften Schlaf verfiel, kam mir ein kurzer Gedanke: Ein geheimer Schwesterncode. Die Sache ist die: Viele Frauen würden nach wie vor das Label “Feministin” von sich weisen, wenn man sie danach fragen würde. “Nein, ich rasiere mir die Achseln und ich mag Männer!” heißt es da immer wieder entrüstet. Das Klischee der achselhaarbewehrten, latzhosentragenden Feministin – es ist nach wie vor lebendig, und zu selten stellt sich die Frage, warum man überhaupt meint, sich von diesen Attributen unbedingt abgrenzen zu müssen. Und auch der Netzfeminismus kriegt praktisch jeden Tag sein Fett weg, nicht nur von Männern. Solidarität zwischen Frauen? Klingt abgehoben, zu theoretisch, zu links. Warum sollte man sich mit jemandem verbünden, nur weil man das selbe Geschlecht hat? Viele Frauen halten solch feministische Proklamationen im Alltag nicht für notwendig. Sich als Feministin identifizieren erst recht nicht.

Da sieht sie also eine Solidarität unter Frauen, die sie in Bezug auf den Feminismus vermisst. Dazu würde  mir zuerst einfallen, dass eben in vielen Fällen der moderne Gender-Feminismus gar keine Frauensolidarität ist, sondern vielen eben als zu weitgehend erscheint, zu sehr auf ein Nullsummenspiel der Geschlechter ausgerichtet und zu weit weg von der Wirklichkeit. Wer sich wirklich darauf einlässt, in die feministische Theorie einzusteigen, der bekommt eben erst einmal Verhaltensregeln auferlegt, darf nicht zu geschlechterrollenkonform sein, muss gleichzeitig aufpassen, dass er andere Diskriminierungsformen nicht beachtet und wird auch bei Männern schlechter ankommen, weil diese die Feindseligkeit, die in dieser Ideologie herrscht, ja durchaus mitbekommen.

Weiter bei der Autorin:

Gedankenfetzen wirbelten mir durch den Kopf, als ich im Bett lag, was nicht nur auf den Alkohol zurückzuführen war. Kolleginnen und Kollegen hatten im Club immer wieder gefragt, ob alles in Ordnung war. Den Männern sagte ich: Klar, alles bestens. Hauptsache sich nicht angreifbar machen. Ich kannte sie nicht gut, Misstrauen war aus meiner Sicht als Frau deshalb  angeraten. Den Frauen sagte ich schließlich: Mir geht es nicht gut. Ich traute mich, meine Verwundbarkeit zu zeigen. Sie verstanden – meine Aussage deuteten sie sofort richtig: Bring mich bitte hier weg. Genau das taten sie: Sie stützten mich, saßen mit mir auf der Couch, gaben mir Wasser. Kurz: Sie kümmerten sich um mich und halfen mir. “Mir ist das auch schon mal passiert – ich weiß, wie das ist,” sagte die Kollegin, die mir das Glas Wasser besorgt hatte.

Da wird es eigentlich schön deutlich: Sie hat ihre Männerfeindlichkeit so weit verinnerlicht, dass sie es nicht mehr schafft, sich einem Mann anzuvertrauen, auf das er ihr ein Taxi ruft. Die Rape Culture macht eben auch in dieser Hinsicht paranoid: Männer würden ihre Schwäche nach ihrer Vorstellung anscheinend direkt ausnutzen. Mich verwundert etwas, dass anscheinend einfach ein Taxi gerufen worden ist: Die meisten Taxifahrer sind ja männlich. Das wiederum scheint aber okay gewesen zu sein, diesen Mann nimmt sie als Dienstleister anscheinend überhaupt nicht wahr.

Einschränkend kann ich verstehen, wenn einem bei bestimmten Personen unwohl ist, wenn sie jemanden nach Hause bringen, der betrunken ist. Und ich kann auch verstehen, wenn dieses Gefühl bei Männern in Bezug auf Frauen eher auftritt, denn entsprechendes sexuelles Interesse wird eben eher der Mann haben. Das in einen Generalverdacht umzuwandeln, der sich gegen all ihre Kollegen richtet, das hingegen halte ich dann doch für etwas ungewöhnlich, insbesondere wenn es um das Rufen eines Taxis geht. Irgendwie kommt da dann doch durch:

Sicherlich wäre es besser, wenn gerade Frauen sich offen zum Feminismus bekennen würden (wenn sie schon von seinen Errungenschaften profitieren). Es wäre schön, wenn sich alle offen dazu bekennen könnten. Doch bevor es so weit ist, begnüge ich mich mit dem Schwesterncode.

In einer Welt, in der Mann Männer im wesentlichen als Bedrohung ansieht, ist das ja auch durchaus verständlich, da hat man ja sonst keine Verbündeten.

Interessanterweise findet sich darunter ein ungewohnt kritischer Kommentar:

Ich kann nachvollziehen, dass Kontrollverlust bedrohlich wirkt – aber in einer solchen Situation nur Frauen als vertrauenswürdig einzustufen, stellt für mein Verständnis Männer unter einen Generalverdacht. Ich war weiß Gott schon oft besoffen in Clubs und auf Partys, bin nach dem Kotzen auf der Toilette eingeschlafen, hab auch schon mehr unter dem Tisch gehangen als daran gesessen – trotzdem habe ich mich nie als gefährdet betrachtet. Sicher: Nur weil mir nie etwas passiert ist und weil ich nie Angst vor sexueller Gewalt hatte, heißt das nicht, dass das kein reelles Risiko ist. Aber wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere und die mir im Nachhinein zuschreiben würde, ich hätte unausgesprochen auch die Bedrohung der sexuellen Gewalt gewusst, wäre ich damit mega uneinverstanden. Wenn ich mich um eine betrunkene Frau kümmere, dann nicht, weil ich sie vor Männern schützen will, sondern weil ich sehe, dass es ihr schlecht geht und sie Wasser braucht und ein Taxi. Und wenn ich ihr sage, dass mir das auch schon passiert sei, dann deshalb, weil ich auch schon Wasser und ein Taxi brauchte.

Ich bin Feministin und ich kann mich mit diesem Text überhaupt nicht identifizieren. Schade, dass gerade ein Text, der sich über die männerhassende Zuschreibung von Feminismus beschwert, auf derart generalisierende Weise Frauen in Verbündete und Männer als potenzielle Gefährder aufteilt. 

Der letzte Satz ist in der Tat etwas, was dem ganzen eine gewisse Ironie gibt: Sie beschwert sich, dass Feministinnen als männerfeindlich angesehen werden, und lässt dann im folgenden ein Weltbild erkennen, dass eben genau Männerfeindlichkeit ausdrückt.