„Hat die Gleichberechtigung unser Sexleben zerstört?

Ein Bericht in der Daily Mail über das Buch „A million wicked thoughts“ und den darin enthaltenden Gedanken, dass Frauen Machos bzw. Männlichkeit sexy finden (via).  Ich hatte zwar schon einmal einen Artikel zu „A Billion Wicked Thoughts„, aber das Thema finde ich interessant, daher noch eine Besprechung in einem weiteren Artikel:

‘At work, I’m always the one in control and I admit that I like it that way. It’s exciting and it’s sexy being an Alpha woman,’ she says.

But when it comes to her partner Max, who is also a lawyer, albeit with a less high-profile job, she often finds herself feeling confused about who calls the shots — especially when it comes to sex. ‘When I get home, I no longer want to be the power broker, the one who’s always in charge and in control. I need to be wooed and seduced, and to feel that Max has power over me,’ she says.

(…)

Using the internet, neuroscientists Ogi Ogas and Sai Gaddam analysed half a billion sexual fantasies, preferences and practices, then correlated their findings with animal behaviour studies and the latest findings in neuroscience, to come to the very non-PC conclusion that when it comes to sex, women are wired to find sexual submission arousing.

And that gender equality, far from liberating women sexually, actually inhibits desire.

‘If you feel compelled to approach sex with the same gender attitudes as the working world, it’s going to be difficult to be aroused,’ says Ogas.

Feminism, to put it as bluntly as these two do, is bad for sex, and is the prime reason why increasing numbers of women are seeking help for problems associated with low libido.

 Es werden in dem Artikel aber natürlich auch Gegenstimmen aufgeführt:

As for female sexual fantasies, the counsellor and psychologist Linda Young offers a word of caution.

‘The kind of guy that stars in a woman’s sexual fantasy is not necessarily the same one who shares her values or shares parenting,’ she says.

‘And, yes, women — including feminists — are often aroused by “bad boys”. But to say feminism is causing loss of desire is misleading.

‚Feminism is about social, economic and political equity, and is independent of what turns someone on in a bedroom or a fantasy.’

There is plenty of evidence to counter the claims made by Ogas and Gaddam. One major study, involving 27,500 people conducted in 29 countries by the University of Chicago, showed that men and women aged 40-plus reported less satisfaction with the quality of their sex lives in countries where men have a dominant status over women, such as the Middle East.

Das widerspricht meiner Meinung nach allerdings der obigen Grundthese nicht. Männlich sein ist sexy, aber das muss nicht ausschließen, dass man den anderen als gleichberechtigt ansieht. Es geht ja gerade darum, dass er der Mann ist, bei dem sie sich gerne sexuell unterordnet, nicht der Mann, der es tatsächlich erzwingt.  Es geht um positive soziale Dominanz, also das Ausstrahlen von Selbstbewußtsein, Anführereigenschaften etc, nicht negative Dominanz, die erzwungen wird.

Das Schlußwort ist dann auch etwas verallgemeinernd:

Women are still coming to terms with the incredible pace of change in their lives over the past half-century. To admit to sometimes having fantasies of submission is nothing to be ashamed of. Even if you’re a feminist. It’s all part of desire’s rich tapestry. And there’s nothing remotely wicked about that.

 

Unsere eingeschränkte Sicht auf unsere biologischen Grundlagen

Wie selbstverständlich uns unsere Emotionen und unsere Denkweise sind macht es einen bewußt, wenn man Tiere beobachtet.

Ein Herdentier, dass angegriffen wird kann, wenn der Angriff vorbei ist und evt. ein anderes Tier aus der Herde erlegt wurde, einfach ruhig weiter grasen. Es plant keine Rachefeldzüge gegen den Löwen. Weil diese Emotionen für ein Herdentier ohne wesentliche Sozialstruktur nicht sinnvoll ist. Um so größer und anonymer die Herde , um so weniger Emotionen benötigt es.

Von seinen Mitherdentieren hat es nichts zu erwarten, also lohnt es sich nicht, diese zu merken und ihr Verhalten abzuspeichern. Alle Löwen wollen es fressen, einen Groll gegen einen einzelnen Löwen zu hegen bringt ebenfalls nichts.

Für uns hingegen, die wir in Gruppen leben, innerhalb derer wir Bündnisse aufbauen und innerhalb derer wir Gefälligkeiten austauschen, sind solche Emotionen wichtig. Wir benötigen Erinnerungen an das Verhalten anderer Tiere, damit wir wissen, wem wir etwas schulden und wer uns etwas schuldet. Denn nur dann, wenn die Systeme auf Gegenseitigkeit aufbauen und kontrolliert werden kann, wer sie ausnutzt kann sich Altruismus entwickeln. Und Leute, die einen ausnutzen oder einem Schaden wollen, wieder zu erkennen, ist dann ebenfalls sinnvoll.

Ein anderes Verhalten, die Anoymität einer Herde, ist für uns unvorstellbar. Tiere, die sich in einem Disneyfilm so verhalten würden, würden uns fremd und irrational vorkommen. Wir könnten sie nicht verstehen, weil ihre Vorstellungswelt biologisch nicht zu der unseren passt.  Mit den vermenschlichten Tiercharakteren können wir uns wesentlich besser identifizieren.

Uns erscheinen menschliche Emotionen als normal und richtig. Dabei sind sie dies eben teilweise nur für uns Menschen. Deswegen fällt uns vielleicht auch die Vorstellung so schwer, dass sie auf biologischen Grundlagen beruhen

Unterschiede zwischen Frauen und Männern beim Reden über Probleme

In einem Spiegelartikel geht es um die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim Reden über Probleme, Kummer und Gefühle. Besprochen wird dabei eine Studie, die ich allerdings bislang noch nicht online finden konnte. Zu den Unterschieden in dem Artikel:

„Jahrelang haben bekannte Psychologen behauptet, dass Jungen und Männer über ihre Probleme reden wollen, aber sie die Angst zurückhält, dass es peinlich wird oder sie Schwäche zeigen“, sagt Amanda Rose von der University of Missouri in Columbia. Die Forscherin und ihre Kollegen berichten nun im Fachmagazin „Child Development“ (online noch nicht verfügbar), dass andere Gründe das Verhalten erklären. „Die Antworten der Jungs deuten darauf hin, dass sie Problemgespräche einfach nicht als eine besonders sinnvolle Aktivität sehen.“

(…)

Jungen und Mädchen verknüpften mit den Gesprächen mehr Hoffnungen als Befürchtungen, wobei dies bei den Mädchen etwas ausgeprägter war. Und: Nur bei zwei der negativen Erwartungen fanden die Forscher deutliche Unterschiede. Demnach fühlen sich Jungs eher seltsam, wenn sie über Gefühle sprechen. Und sie halten es häufiger für Zeitverschwendung. Da die Forscher dieses Ergebnis in mehreren Experimenten bestätigen konnten, lässt sich gut ausschließen, dass es sich bloß um einen statistischen Ausreißer handelt.

„Die Ergebnisse erfordern einen wichtigen Wandel, wie wir über die Gesprächsbereitschaft von Jungen denken“, schreiben die Psychologin und ihre Kollegen. Jungs würden Problemgespräche eben nicht meiden, weil sie die Reaktionen der anderen fürchten oder sich selbst dadurch schlechter fühlen.

Wenn sie sich merkwürdig fühlen, dann kann das natürlich auch ein Form des Schlechterfühlens sein. Aber dessen ungeachtet kann ich mir auch gut vorstellen, dass es Männern weniger bringt als Frauen.

Es passt jedenfalls recht gut zu den verschiedenen Wegen, wie Männer und Frauen auf Stress reagieren:

  • Bei Frauen bewirkt die Ausschüttung des Stresshormons Adreanlin die Ausschüttung von Oxytocin. Dies wird bei Frauen durch Östrogene noch verstärkt. Durch die Ausschüttung des Oxytocin entspannt sich der Körper und de Cortisolspiegel sinkt. Da Oxytocin insbesondere  Bindung, Nähe und sozialen Kontakt bewirkt hilft damit weiterer sozialer Kontakt und ein empathisches auf einander eingehen den Stress weiter. Frauen reagieren auf Stress mit „Tend and Befriend“ – was Gespräche über die Probleme, insbesondere verbunden mit dem Gefühl, dass sie verstanden werden und sich jemand um sie kümmert, für sie zu einem guten Weg macht, die Probleme zu lösen und den Kummer abzubauen
  • Männer hingegen haben als Stressabbauprogramm eher Fight or Flight statt Tend and Befriend eingebaut. Bei Stress wird über die Ausschüttung von Adrenalin die Ausschüttung von Vasopressin getriggert. Dieses ist mit Aggression verbunden. Testosteron verstärkt dessen Wirkung und senkt die Wirkung von Oxytocin. Männer sehen ein Besprechung solcher Passagen daher eher unter dem Gesichtspunkt, dass sie sich verteidigen müssen oder das sie Fliehen, also sich zurückziehen müssen. Damit würden Besprechungen insbesondere dann wenig bringen, wenn in diesen keine Lösung gefunden werden kann, das Problem nicht angegriffen werden kann. Dann würde es aus Sicht des Mannes wohl eher etwas bringen sich zurückzuziehen und nicht darüber zu reden.
Natürlich gilt dies alles wieder mal nur für Schnitt der Männer und Frauen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es bei Männern sehr darauf ankommt, was für ein Problem es ist, ob man es lösen kann und wie man darüber spricht.

Gruppendenken, Feminismus und die Wichtigkeit der Gruppe

Leser Nick weist in dem Artikel „Feminismus und andere Verschwörungstheorien“ in einem Kommentar auf das Konzept des „Group Thinking“ bzw- Gruppendenken hin.

 Aus der deutschen Wikipedia:

Groupthink [ist] ein „Denkmodus, den Personen verwenden, wenn das Streben nach Einmütigkeit in einer kohäsiven Gruppe derart dominant wird, dass es dahin tendiert, die realistische Abschätzung von Handlungsalternativen außer Kraft zu setzen

[…]

Faktoren, die das Auftreten von Gruppendenken wahrscheinlich machen, sind:

  • eine hohe Gruppenkohäsion (Nahverhältnis, Ähnlichkeit, Zusammenhalt).
  • strukturelle Mängel im Aufbau der Gruppe
  • Abschottung nach Außen
  • ein sehr starker, dominanter Meinungsführer im Innern
  • fehlende Objektivität seitens der Führungskraft
  • mangelhafte oder sogar fehlende Normen/ Prozesse, um systematisch Handlungsalternativen abzuwägen.
  • Bestehen einer (im Gruppenempfinden) bedrohlichen Situation, die starken Stress und viel Emotionalität auslöst

Symptome von Gruppendenken sind beispielsweise:

  • die Illusion von Unverwundbarkeit, überzogener Optimismus
  • Überzeugung von der Moralität des eigenen Handelns, Stereotypisierung von Außenstehenden oder Gegenspielern
  • Beschönigung schlechter Entscheidungen
  • extremer Konformitäts-Druck (Anpassung an die Gruppe, Zurückhalten von Zweifeln, Einwänden oder Kritik) und Stigmatisierung von „Abweichlern“
  • Druck, die Gruppe vor abweichenden (als negativ oder sogar feindlich angesehenen) Ansichten zu schützen
  • Informationen über die Gruppe und den Informationsfluss nach ‚draußen‘ zu kontrollieren
  • innerer und äußerer Druck zur einstimmigen Entscheidungsfindung

Die Konsequenz dieses Gruppendenkens ist eine sehr stark ausgeprägte Form selektiver Wahrnehmung, die schlussendlich zu durchaus desaströsen Fehlentscheidungen führen kann:

  • Betrachtung von wenigen, ausgewählten Alternativen
  • Nichtbeachtung der Meinung von Experten oder Außenstehenden
  • sehr selektive Informationsbeschaffung (nur Informationen, welche in die bereits eingeschlagene Richtung passen), kein aktives Bemühen um zusätzliche Informationen
  • einzelne Gruppenmitglieder bestätigen sich gegenseitig ihre Theorien
  • keine Erstellung von Alternativ- oder Notfall-Plänen

Das passt meiner Meinung nach zu vielem, was wir in den Geschlechterdebatten sehen. Insbesondere der Feminismus, aber auch der Antifeminismus und der Maskulismus zeigen, dass die Konzepte dort vorzufinden sind.

Der Feminismus hat sich gegen Gegeneinwände dogmatisiert und ist vollkommen in der eigenen Gedankenwelt gefangen.

Forschung, die dagegen verstößt wird nicht wahrgenommen. Gegenpositionen bleiben unbeachtet

Nick dazu in einem weiteren Kommentar:

Das Anerkennen von maskulistischen Positionen stellt ja gerade eine ganz fundamentale Ideologiekritik dar. Wie kann es denn sein, dass die „männergemachten patriarchalen Strukturen“ Männern selbst zum Nachteile gereichen? Wo bleibt da z.B. die „Patriarchale Dividende“, die Männer dazu bringen soll diejenige Männlichkeit hegemonial werden zu lassen die „das Patriarchat am effektivsten aufrecht erhält“?

Wie lässt sich eine Motivation für „die soziale Konstruktion von Geschlecht“ begründen, wenn diese soziale Konstruktion nicht mit „Privilegien“ der in dieser „Hierarchie Obenstehenden“ einhergeht?

Das Anerkennen von maskulistischen Positionen würde zwangsläufig eine Kernsanierung des feministischen Ideologiegebäudes bedeuten, und es wäre höchst ungewiß, wer nach der Sanierung wieder in das Gebäude einzieht. Dann lieber in Kauf nehmen, dass peu a peu die Mieterinnen der baufälligen Substanz den Rücken kehren. Da bleibt wenigstens ein harter Kern, der das Gebäude solange besetzt hält, bis es von selbst in sich zusammenfällt.

Im Antifeminimus gibt es ähnliches:

Es hat sich eine Groupthink herausgebildet, nach der Frauen Feinde der Männer sind und an deren Unterdrückung arbeiten, nur noch Parasiten sind, die den Mann ausbeuten, während dieser quasi im Alleingang alles wesentliche leistet. Wer etwas zu „Illusion der Unverwundbarkeit“ aus dem Bereich lesen möchte, der findet genug „wir lassen uns nicht aufhalten, wir haben schon fast gewonnen“-Parolen.

Auf beiden Seiten hat das Gruppendenken viel Hass aufgebaut

Aber warum kann sich Groupthink etablieren? Man könnte zunächst meinen, dass es für das Gehirn doch besser ist, solche Fehler zu erkennen und damit müßte eine Selektion gegen und nicht für Groupthink eintreten?

Das verkennt aber, dass es mitunter für die Einzelperson besser sein kann, in einer starken, einheitlichen Gruppe zu agieren, auch wenn diese von falschen Voraussetzungen ausgeht. Der Wert der Gruppe an sich für das Individuum kann höher sein als das Risiko einer falschen Meinung. Dabei sind mehrere Faktoren zu bedenken:

1. Gruppen sind wichtig (gerade in der Steinzeit)

Wie bereits in dem Artikel „kooperatives Verhalten und Gruppenbildung“ dargelegt, ist die Zugehörikeit zu einer Gruppe enorm wichtig. Nur durch sie können die Vorteile eines kooperativen Verhaltens genutzt werden und es ist zudem zu bedenken, dass Größe eines gewissen Schutz bedeutet. Kleine Gruppen mußten befürchten, dass andere Gruppen sie dominieren, ihre Ressourcen wegnahmen oder sie in uninteressante Jagd- und Sammelgebiete abdrängten. Zudem konnte nur die Gruppe mangels übergeordneter Kranken- oder Rentensyteme eine Versorgung bei Krankheit oder Alter sicherstellen.

Aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden konnte schlicht bedeuten zu sterben.

Und nicht nur die Gruppe ist wichtig: Auch deren Gemeinsamkeit war wichtig. Denn eine Gruppe empfindet sich um so mehr als Einheit, ist um so mehr bereit etwas für einander zu tun, wenn sie einheitlich sind, wenn sie also glauben, dass sie gleich denken und handeln und eine verantwortung füreinander sehen. Um so weniger eine Gruppe miteinander gemein hat um so höher die Gefahr, dass sie auseinanderbricht und damit anfälliger für Gefahren von Aussen wird und zudem die Vorteile der Gruppe verloren gehen. Einheitlichkeit in der Gruppe zu erzeugen, indem starke Meinungen übernommen werden, stabilisiert daher die Gruppe und macht sie damit wirksamer und beständiger.

2. Gruppenmeinungen sind häufig richtig (gerade unter steinzeitlichen Bedingungen)

Gruppenmeinungen haben den Vorteil von verschiedenen Personen durchdacht worden zu sein, die möglicherweise noch andere Faktoren berücksichtigt haben und damit in der Gesamtschau ein genaueres Bild bieten mögen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn man bedenkt, dass Entscheidungen in der Steinzeit weit weniger theoretisch gewesen sein dürften (es dürfte eher um Fragen des täglichen Lebens als um Fragen vollkommen abstrakter Natur gegangen sein) und zudem eine geringere Einflussnahmemöglichkeit über Medien bestand.

Heute kann jede Frau „Das andere Geschlecht“ von Beauvoir oder ein Buch von Butler lesen und sich deren Meinung zu eigen machen. In der Steinzeit wurden aber Meinungen mangels Schrift von Person zu Person ausgetauscht. In einem persönlichen Gespräch können hingegen Gegenargumente wesentlich besser vorgebracht werden und es entsteht weniger der Eindruck, dass das Buch bereits eine Gruppenmeinung vorbringt.

Wer sich vor eine Gruppe stellen konnte um seine Meinung darzulegen, der musste eine gewisse Position in der Gruppe haben und sich zudem bewußt sein, dass eine gewisse Verantwortung damit entstand.

3. Eine geringere Gruppengröße macht es schwieriger unbedeutende Untergruppen zu bilden

Wenn heute sagen wir mal 5% aller Personen an Theorien des theoretischen Feminismus glauben (es scheint mir als Zahl fast etwas hoch, der theoretische Feminismus ist ja eher in der Öffentlichkeit unverbreitet, auch wenn feministische Theorien wie „Männer und Frauen sind gleich“ in abgeschwächter Form durchaus weit verbreitet sind) dann wären das auf eine Steinzeitgruppe von 150 Leuten etwa 7-8 Leute.Für eine Gruppe von 7-8 Leuten dürfte es günstiger gewesen sein, in der großen Gruppe aufzugehen und die Gruppenvorteile zu nutzen als sich mit ihrer Auffassung gegen diese Gruppe zu stellen.

In heutiger Zeit sind die Gruppen sehr groß. 5% von zB 80 Millionen sind 4 Millionen Personen. Gerade wenn diese beständig untereinander kommunizieren kann der Eindruck entstehen, dass die Meinung eine allgemeine Meinung ist bzw. diese Meinung stellt bezogen auf das (allein entscheidene) persönliche Umfeld eine überwiegende Gruppenmeinung dar, selbst wenn der Rest, also 76 Millionen, dieser Idee nicht folgen.

Durch die kleineren Gruppen konnten sich damit kleinere Ideen weniger stark ausbilden und auch keine Untergruppen bilden, die eine entsprechende Macht gewinnen konnten. Ideen, die sich durchsetzten waren damit weitaus weniger gefährlich, was in Abwägung mit den oben genannten Vorteilen eines Groupthinks dann wieder eine Selektion hin zu einer solchen Übernahme der Groupthink ermöglicht.

Vorteile des Wettbewerbs

Zum Wettbewerb findet sich in der Wikipedia das Folgende:

Wettbewerb bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft das Streben von mindestens zwei Akteuren (Wirtschaftssubjekten) nach einem Ziel, wobei der höhere Zielerreichungsgrad eines Akteurs einen niedrigeren Zielerreichungsgrad des anderen bedingt. Inhaltsverzeichnis

In der Ökonomie unterscheidet man verschiedene statische und dynamische Funktionen des Wettbewerbs:

  • Steuerung: Bereitstellung von bedarfsgerechten Angeboten (Konsumentenpräferenzen) an Gütern (Waren oder Dienstleistungen) zu möglichst niedrigen Preisen
  • Ressourcenallokation: Bestmögliche Aufteilung der Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital) auf alternative Verwendungsmöglichkeiten und eine effiziente Faktorenkombination
  • Innovation: Produkt- und Verfahrensneuerungen sollen generiert und der technische Fortschritt verbreitet werden.
  • Verteilung: Primäre Einkommensverteilung (Markteinkommen) nach dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit
  • Anpassung: Schnelle Reaktion auf sich ständig ändernde Datenlage

Als soziale (gesellschaftspolitische) Funktionen von marktwirtschaftlichem Wettbewerb gelten:

  • Handlungsfreiheit: Die Marktteilnehmer sollen auf dem Markt ohne Wettbewerbsbeschränkungen handeln können. Die Handlungsfreiheit ist verschränkt mit der
  • Wahlfreiheit: Die Verbraucher haben die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten und Arbeitnehmer die Chance zum Wechsel ihres Arbeitsplatzes. Freiheit, durch den Wettbewerb gefördert, ist neben Wohlstand ein Finalziel der Wirtschaftspolitik.
  • Kontrollfunktion: Funktionierender Wettbewerb mit einer Vielzahl von Konkurrenten beugt gleichzeitig starken gesellschaftlichen und politischen Machtstellungen vor.

Gerade Innovation ist dabei meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor. Wettbewerb bringt Fortschritt und das seit Jahrmillionnen. In der Evolutionstheorie geht man davon aus, dass viele Lebewesen nur aufgrund von Wettbewerb das geworden sind, was sie heute sind. Ein dazu passender Begriff ist der des „Red Queen Race„. Dabei geht es darum, dass man ebenso wie die ewig rennende Herzkönigin in „Alice im Wunderland“ beständig laufen muss, nur um seinen Platz in der Welt zu halten. Für die Tiere der Frühzeit mag ein kleines Gehirn ausreichend gewesen sein, weil die Jäger keine subtilen Jagdtechniken hatten und brauchten und die Gejegten demnach keine subtilen Erkennungsmechanismen und Auswertungsmechanismen benötigten. Natürlich wären sie schon damals hilfreich gewesen, aber es reichte eben der damalige Stand um zu überleben. Allerdings befanden sich Jäger und Gejagter in einem Rüstungswettlauf und dieser Wettbewerb machte immer höhere Leistungen des Körpers und des Gehirns erforderlich. Ein gleicher Mechanismus läßt sich auch innerhalb der Spezies aufbauen.

Auch in der technischen Entwicklung belebt Konkurrenz das Geschäft. Wer keinen Konkurrenten hat, der kann sich wesentlich mehr zeit mit neuen Produkten lassen, er wird die alten Produkte trotzdem verkaufen, weil die Leute nichts anderes kaufen können. Eine Gesellschaft, die nur für den Bedarf produziert, wird demnach nicht das gleiche Interesse an technischem Fortschritt haben, wie eine Gesellschaft, in der die Produzenten gegeneinander um die Kunden kämpfen müssen und die Qualität oder der Preis ihrer Produkte den Marktregeln unterliegt.

Es spricht vieles dafür, dass der Umgang mit Wettbewerb im Beruf um den Beruf Männern im Schnitt mehr liegt als Frauen

Aber der Schluss daraus, dass Frauen dann lieber in einer Gesellschaft leben wollen, in der es keinen Wettbewerb gibt, ist meiner Meinung nach trotzdem falsch. Frauen mögen im Schnitt weniger Interesse daran haben, sich in einem Wettbewerb zu beweisen als Männer (auch wenn einzelne Frauen da Männern in nichts nachstehen müssen), sie haben aber durchaus ein hohes Interesse an den Folgen des Wettbewerbs, nämlich dem sich daraus ergebenden Wohlstand und dem technischen Fortschritt.
Es zeigt sich meiner Meinung nach sogar, dass Frauen eher in Gegenden ziehen, die fotschrittlich und modern sind und den sich daraus ergebenden Luxus seltener ablegen wollen. Das sieht man im Osten, wo die Flucht aus armen Gebieten unter Frauen am höchsten ist, und das sieht man teilweise bereits bei der Bereitschaft einen Campingurlaub etc zu machen oder anderweitig den Luxus warmer Duschen oder einer Waschmaschine aufzugeben. Der Hang von Frauen zu Luxus ist sicherlich nicht kleiner als der von Männern, wie auch bereits diverse Luxushandtaschen und Luxusschuhmarken demonstrieren. Auch Frauen mögen Luxusgegenstände als Costly Signal ihrer Fähigkeiten.
Dies berücksichtigen meiner Meinung nach die meisten „Matriarchatstheorien“ nicht: Frauen haben nichts gegen eine Gesellschaft mit hohem Wettbewerb, wenn sie die direkte Auseinandersetzung mit diesem an die Männer abgeben können.

„Egoistische Gene“ bedeuten nicht, dass man egoistisch sein muss

Ein Einwand gegen egoistische Gene ist, dass Menschen nicht egoistisch sein müßen, sondern häufig altruistisch sind.

Dabei liegt aber ein erheblicher Denkfehler vor:

Mit dem Bild der „egoistischen Gene“ ist lediglich gemeint, dass die Körper durch die Gene so gebaut werden, dass diese die Gene möglichst gut weitergeben können. Oder etwas genauer gesagt: Die Gene, die Körper produzieren, die die Gene möglichst effektiv und dauerhaft über lange Zeiträume weitergeben, reichern sich im Genpool an, während Gene, die Körper bauen, die ein „gutes Leben“ haben, die Gene aber nicht in andere Körper kopieren, aus dem Genpool verschwinden.

Davon abzugrenzen sind aber die besten Strategien, die dazu führen, dass Gene effektiv und dauerhaft weitergegeben werden. Diese Strategien können natürlich auf einen Körper ausgerichtet sein, der kooperativ ist und altruistisch handelt.

Dazu muss ein Körper, der altruistisch handelt, dafür sorgen, dass mehr Kopien der Gene, nach denen er entstanden ist, im Umlauf bleiben als wenn er nicht altruistisch handeln würde.

Dies stellt meist für tatsächlich altruistisches Handeln ein Problem dar, sofern nicht wie etwa bei bestimmten staatsbildenden Insekten die Gene auch in höher Zahl in anderen Körpern der Gruppe vorhanden sind und es daher effektiver ist, die Genkopien in anderen Körpern als dem eigenen zu fördern.

Unproblematisch ist ein Altruismus dann, wenn die Interessen der Gruppe den Eigeninteressen entsprechen. Meist wird aber irgendein Körper die Kosten für das Gruppenverhalten tragen müssen, während die gesamte Gruppe den Erfolg einheimst.

Geht es beispielsweise um die Jagd auf ein Mammut, dann ist derjenige Jäger, der an den Mammut herantritt um eine Lanze in ihn zu stechen, in extremer Gefahr, der Jäger, der abwartet und erst bei dem geschwächten Mammut die Lanze einsetzt hingegen besser dran, da er ein geringeres Risiko trägt.

Aber all dies kann sich ändern, wenn andere Belohnungen außer dem unmittelbaren Jagderfolg hinzukommen. Erhält der Jäger, der sich etwas für die Gruppe traut, ein hohes Prestige und überträgt sich dies in bessere Chancen beim anderen Geschlecht, etwa in dem das andere Geschlecht Status und Wagemut sexy findet, dann kann sich das Verhalten trotzdem lohnen, da dann eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Weitergabe der Gene besteht. Für die Frau kann es sich widerrum lohnen ein solches Verhalten sexy zu finden (also: Gene, die ein solches Attraktivitätsmerkmal verankern reichern sich im Genpool an) wenn andere Frauen dies ebenfalls attraktiv finden. Denn das Merkmal bestätigt sich dann selbst: Weil andere Frauen es attraktiv finden, hat ein Junge, der diese Gene trägt bessere Fortpflanzungschancen. Es ist demnach günstig Sex mit jemanden zu haben, der dieses Gen an einen potentiellen Sohn weitergeben kann (gegenenfalls Hormonsensitiv, damit Töchter nicht betroffen sind).

Warum sollten es Frauen anfangs attraktiv gefunden haben? Vielleicht haben Männer, die sich mehr getraut haben, mehr Beute nach Hause gebracht oder einen größeren Anteil der Beute verlangt. Über diesen kulturellen Beginn kann sich der Vorteil dann biologisch verfestigt haben.

Altruismus für die Gruppe kann insoweit in gewissen Grenzen auch mit egoistischen Genen entstehen.

„Warum Frauenquoten dreifach paradox sind“

Die Personalberaterin von Boyen argumentiert im Spiegel gegen die Frauenquote und führt drei Gründe an, warum diese Paradox ist:

Die erste Paradoxie der Quote besteht also darin, dass sie Frauen abwertet, bevor sie anderen Frauen helfen kann.

Nämlich die Frauen, die es bereits nach oben geschafft haben und deren Erfolge dadurch entwertet werden, weil sie mit Quotenfrauen in einem Topf geworfen

Die zweite Paradoxie der Quote lautet daher: Sie bringt eine Segnung, die zwar alle gut finden, die aber für sich selbst kaum eine Frau haben will.

Es ist bemerkenswert, wie oft dieses Argument auftaucht und wie selten es im Feminismus und an anderer Stelle aufgegriffen wird. Frauen haben meist eine Lebensplanung, bei der immer höherer beruflicher Status, auch um den Preis einer Einschränkung der sonstigen Lebensqualität eine geringere Rolle spielt als bei Männern. Was nicht so verwunderlich, da für Männer der Wunsch nach einem hohen Status wesentlich wichtiger war, da er über den Fortpflanzungserfolg entscheiden konnte.

Das Ganze war hier schon häufiger Thema:

Ich halte das für einen sehr wesentlichen Grund, warum gerade an der Spitze, in den stressigsten und zeitaufwändigsten Positionen selten Frauen zu finden sind
Und als drittes Paradox:
Es gibt eine dritte Paradoxie, die für Ärger sorgt: Die Quote will Gleichberechtigung durch Diskriminierung erreichen. Auf der Strecke bleibt eine Menge benachteiligter Männer. Man mag nun einwenden: Was sind schon einige Ungerechtigkeiten gegen die Jahrtausende der Unterdrückung, die Frauen erdulden mussten? Leider wollen aber die wenigsten Männer ihre Karriereentwicklung makrohistorisch deuten. Was sie wollen, ist eine Gehaltserhöhung!
Wir sind eben gerade keine Lebewesen, die ihre eigenen Ziele ohne Not den Zielen der Gruppe unterordnen. Vielmehr sind wir von Genen konstruiert, die daraufhin selektiert worden sind, sich entweder in dem jeweiligen Körper oder aber dem Körper von Verwandten weitergeben zu lassen. Unselbstnütziger Altruismus nützt diesem Ziel meist nicht. Die Frauenquote erfordert bei einer kurzfristigen Umsetzung, dass Männer sehr geringe Chancen auf eine Beförderung haben. Da es keine Kollektivschuld der Männer zugunsten der Frauen gibt ist das für den einzelnen Mann ungerecht. Insbesondere wenn man hinzunimmt, dass ein wesentlich geringer Anteil der Frauen die Jobs überhaupt will. Zu dem Problem auch: „Frauenquote bedroht Männerkarrieren“
Drei Tipps hat die Autorin auch noch:
  • Frauen sollten auch unverdiente Privilegien annehmen und in dieser Hinsicht „männlich denken“
  • Karriereunwillige Frauen sollen es sich noch mal überlegen, Karriere könne Spass machen
  • Männer sollten sich, wenn sie sich diskriminiert fühlen an ihren Gleichstellungsbeauftragten (sic!) wenden und etwas dafür tun, dass sie sich an den Frauen vorbeikämpfen können