Die Red Queen Hypothese

Eine wichtige Theorie in evolutionären Überlegungen ist die Red Queen Hypothese.

Sie geht davon aus, dass sich konkurrierende Systeme ein Wettrennen liefern, bei dem sie – gleich der Namensgeberin, der Roten Königin aus Alice im Wunderland – doch immer auf der Stelle bleiben, aber laufen müssen, um diesen Gleichstand zu halten.

Es ist ein Wettrüsten um gleich zu bleiben, ein Konkurrenzkampf um Gleichwertigkeit.

Die Wikipedia fasst die Red Queen Hypothese wie folgt:

The Red Queen’s Hypothesis, also referred to as Red Queen, Red Queen’s race or Red Queen Effect, is an evolutionary hypothesis. The term is taken from the Red Queen’s race in Lewis Carroll’s Through the Looking-Glass. The Red Queen said, „It takes all the running you can do, to keep in the same place.“ The Red Queen Principle can be stated thus:

In reference to an evolutionary system, continuing adaptation is needed in order for a species to maintain its relative fitness amongst the systems being co-evolved with.

The hypothesis is intended to explain two different phenomena: the advantage of sexual reproduction at the level of individuals, and the constant evolutionary arms race between competing species. In the first (microevolutionary) version, by making every individual an experiment when mixing mother’s and father’s genes, sexual reproduction may allow a species to evolve quickly just to hold onto the ecological niche that it already occupies in the ecosystem. In the second (macroevolutionary) version, the probability of extinction for groups (usually families) of organisms is hypothesized to be constant within the group and random among groups.

Matt Ridley hat ein ganz hervorragendes Buch darüber geschrieben, dass zeigt, wie dieses Wettrüsten die menschliche Entwicklung geprägt hat: „The Red Queen: Sex and the Evolution of Human Nature

Ein großer Teil dieses Buches legt dar, worin der Vorteil der geschlechtlichen Fortpflanzung liegt, obwohl diese aufgrund der Zusatzkosten eigentlich zunächst nachteilig erscheint (man braucht zwei Personen um eine neue Person herzustellen und nur eine davon kann dies machen, während dies bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung jedes Lebewesen kann). Dieser Abschnitt ist sehr interessant zu lesen und sollte Pflichtlektüre in den Gender Studies sein, denn er macht deutlich, dass es biologisch nur zwei Geschlechter gibt, weil jedes weitere die Kostenbilanz weiter verschlechtert und keinen Vorteil bietet.

Der Vorteil liegt danach insbesondere darin, dass man im Gegensatz zu der ungeschlechtlichen Fortpflanzung einen sehr unterschiedlichen Genpool schaffen kann, der Parasiten einen wesentlich schwierigeren Angriffspunkt bietet, weil sich diese nicht auf immer gleichen Umstände einstellen können.

In dem Wettrüsten mit den Parasiten, die sich aufgrund der kurzen Lebensdauer und der hohen Fortpflanzungsrate wesentlich schneller anpassen können, droht langlebigen Tieren mit einer niedrigen Fortpflanzungsrate ein erheblicher Nachteil in dem Wettrüsten, den sie auf andere Weise nicht aufholen können. Nur dadurch, dass sich die Parasiten nicht vollständig auf eine genau gleiche Menschenart einstellen können, bleibt der Mensch in dem Rennen auf der gleichen Stelle.

Aber auch abseits dieser Theorie stehen alle Lebewesen in einem solchen Wettlauf um die Beibehaltung des gleichen Status. Dies ist bei Raubtieren und ihrer Beute der Fall (wobei die Beute den „Vorteil“ hat, dass sie um ihr Leben läuft, das Raubtier aber nur um seine nächste Mahlzeit).

Ein solches Wettrennen findet auch schnell bei der sexuellen Selektion statt. Wenn Weibchen beispielsweise Geweihe vererblich attraktiv finden, dann beginnt ein Prozess unter den Männchen, immer ein kleines Stück mehr Geweih aufzubauen, bis die Kosten den Nutzen übersteigen.

Es spricht viel dafür, dass ein solches Wettrennen auch die Entwicklung unseres Gehirns vorangetrieben hat. Wenn Frauen intelligente Männer attraktiv fanden, dann führt dies dazu, dass Männer ein Wettrennen starten um mehr Intelligenz aufzubauen. Im Gegenzug müssen auch die Frauen untereinander ein Wettrennen starten, um die gestiegene Intelligenz besser bewerten zu können, was selbst Intelligenz (möglicherweise aber eine andere Form davon) erfordert. Gleichzeitig ermöglicht diese Intelligenz auch Leute um sich zu scharen, bessere Jagd- Kampf und sonstige Strategien zu entwickeln etc. so dass auch ansonsten ein Wettrüsten beginnt, da all dies den Status innerhalb der Gruppe verändert. Diese Theorie hatte Geoffrey Miller entwickelt, für sie spricht insbesondere, dass sich die Lebensumstände trotz der Vergrößerung des Gehirns lange Zeit nicht wesentlich veränderten, wie archäologische Funde zeigen, so dass diese Veränderungen unsere Gehirnentwicklung nicht vorangetrieben haben können

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36 Gedanken zu “Die Red Queen Hypothese

  1. die Geschichte des Wettbewerbs, die Ursachen der soziokulturellen Revolution des Menschen, die emotionale Verwertung, der Missbrauch der kognitionalen Fähigkeiten, Demokratie- und Gerechtigkeitsdefizite, Gescheiterte Konzepte der Entwicklungshilfe und generelle soziotechnologische Tools der menschlichen Entwicklung mit ihren Vorteilen und Schwächen. Dazu gehört ein historischer, vergleichender Abriss der Geschichte des Wettbewerbs, um ihn hinsichtlich seiner Regeln und seines verhängnisvollen Wirkens zu entschlüsseln.

  2. da war ich wohl missverständlich -> wettbewerb ist eine tolle sache! wir verdanken ihm die ganze komfortable und technisierte welt um uns herum. problematisch wird er vor allem dann, wenn er sich immer weiter in unseren sozialen beziehungen, gefühlen und inneren bildern ausbreitet. die folge sind eine zunahme psychischer störungen, soziale fragmentierung und sinnkrisen.

  3. umgangssprachlich könnte man es so formulieren. der wettbewerb hat nichts in unserem seelenleben verloren. er erzeugt dort unzufriedenheit und diese unzufriedenheit erzeugt wiederum konsum. ist also im unterbewussten „sinne“ des systems..

    im ergebnis stehen die leute vor einem bahnhof und wissen eigentlich gar nicht genau, ob sie dafür oder dagegen sein sollen. man hat die freie wahl. entscheidend ist nur, dass man seine „unzufriedenheit“ artikulieren kann. worüber auch immer..

    • @secuni

      Der Wettbewerb erzeugt den Konsum? Indem er immer neue spannende Waren bereithält, die man haben muss nehme ich an?

      Ist eine Möglichkeit. Nicht mehr neue Sachen taugen natürlich auch weniger als Statussymbole.
      Aber gleichzeitig lässt sich Konsumwettbewerb auch nur sehr schwer bremsen.

  4. wettbewerb zwingt uns in vergleiche und dieser wettbewerb findet vor allem in den medien statt, die uns perfekte innere bilder vorhalten, mit denen wir dann zwangsläufig unterbewusst die wirklichkeit abgleichen. das perfekte, stimmulierende mediale angebot zwingt viele menschen die sollbruchstelle zwischen wirklichkeit und dsds bspw. mit narzisstischen belohnungen, wie neuen schuhen oder dem neuesten i-pjone zu füllen. wir stillen damit einen seelischen hunger, der durch perfekte bilder in uns geweckt wurde.

  5. @Secuni

    Die Medien wird man aber auch nicht einschränken können. Ich glaube auch nicht, dass der Wettbewerb uns da so stark bestimmt. Einige brauchen zwar immer das neuste, aber dennoch wissen die allermeisten auch um ihren Finanzrahmen und verhalten sich entsprechend.
    Wenn es keine Statusobjekte zu kaufen gibt, dann wird ein anderes Verhalten an deren Stelle treten.
    beweisen werden sich die Leute immer wollen. Ich glaube nicht, dass man das großflächig rausbekommen kann.

  6. es muss sich nicht unbedingt etwas ändern. wir sollten aber zusammenhänge verstehen. die medien, wie das privatfernsehen bauen in unserem seelischen körper einen rohstoff ab, der industriell verwertet wird, um es mal ganz plastisch zu sagen. das stillen unseres seelischen hungers hat riesige industrien entstehen lassen, wie bspw. die filmindustrie. wo ganz sicher nicht alles schlecht ist.

    ich gebe zu, dass diese erklärungen sehr bruchstückhaft und unbefriedigend sind. das, was ich auf fast 400 seiten hochverdichtet geschrieben habe (auch und vor allem über das patriarchat) kann ich hier nicht zufriedenstellend wiedergeben. meie blogseite dient aber als vorbereitung der veröffentlichung meines buches. ich sammel im augenblick erste erfahrungen. es werden noch viel diskussionsbeiträge im zusammenhang mit den fragestellungfen aus meinem buch folgen.

    damit du eine ahnung von der maschine bekommst, die ganz professionell und selbstverständlich den seelischen körper des menschen misst, um ihn zu verwerten, kann ich dir den folgenden artikel des spiegels zum lesen empfehlen:

    http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,729193,00.html

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