„Egoistische Gene“ bedeuten nicht, dass man egoistisch sein muss

Ein Einwand gegen egoistische Gene ist, dass Menschen nicht egoistisch sein müßen, sondern häufig altruistisch sind.

Dabei liegt aber ein erheblicher Denkfehler vor:

Mit dem Bild der „egoistischen Gene“ ist lediglich gemeint, dass die Körper durch die Gene so gebaut werden, dass diese die Gene möglichst gut weitergeben können. Oder etwas genauer gesagt: Die Gene, die Körper produzieren, die die Gene möglichst effektiv und dauerhaft über lange Zeiträume weitergeben, reichern sich im Genpool an, während Gene, die Körper bauen, die ein „gutes Leben“ haben, die Gene aber nicht in andere Körper kopieren, aus dem Genpool verschwinden.

Davon abzugrenzen sind aber die besten Strategien, die dazu führen, dass Gene effektiv und dauerhaft weitergegeben werden. Diese Strategien können natürlich auf einen Körper ausgerichtet sein, der kooperativ ist und altruistisch handelt.

Dazu muss ein Körper, der altruistisch handelt, dafür sorgen, dass mehr Kopien der Gene, nach denen er entstanden ist, im Umlauf bleiben als wenn er nicht altruistisch handeln würde.

Dies stellt meist für tatsächlich altruistisches Handeln ein Problem dar, sofern nicht wie etwa bei bestimmten staatsbildenden Insekten die Gene auch in höher Zahl in anderen Körpern der Gruppe vorhanden sind und es daher effektiver ist, die Genkopien in anderen Körpern als dem eigenen zu fördern.

Unproblematisch ist ein Altruismus dann, wenn die Interessen der Gruppe den Eigeninteressen entsprechen. Meist wird aber irgendein Körper die Kosten für das Gruppenverhalten tragen müssen, während die gesamte Gruppe den Erfolg einheimst.

Geht es beispielsweise um die Jagd auf ein Mammut, dann ist derjenige Jäger, der an den Mammut herantritt um eine Lanze in ihn zu stechen, in extremer Gefahr, der Jäger, der abwartet und erst bei dem geschwächten Mammut die Lanze einsetzt hingegen besser dran, da er ein geringeres Risiko trägt.

Aber all dies kann sich ändern, wenn andere Belohnungen außer dem unmittelbaren Jagderfolg hinzukommen. Erhält der Jäger, der sich etwas für die Gruppe traut, ein hohes Prestige und überträgt sich dies in bessere Chancen beim anderen Geschlecht, etwa in dem das andere Geschlecht Status und Wagemut sexy findet, dann kann sich das Verhalten trotzdem lohnen, da dann eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Weitergabe der Gene besteht. Für die Frau kann es sich widerrum lohnen ein solches Verhalten sexy zu finden (also: Gene, die ein solches Attraktivitätsmerkmal verankern reichern sich im Genpool an) wenn andere Frauen dies ebenfalls attraktiv finden. Denn das Merkmal bestätigt sich dann selbst: Weil andere Frauen es attraktiv finden, hat ein Junge, der diese Gene trägt bessere Fortpflanzungschancen. Es ist demnach günstig Sex mit jemanden zu haben, der dieses Gen an einen potentiellen Sohn weitergeben kann (gegenenfalls Hormonsensitiv, damit Töchter nicht betroffen sind).

Warum sollten es Frauen anfangs attraktiv gefunden haben? Vielleicht haben Männer, die sich mehr getraut haben, mehr Beute nach Hause gebracht oder einen größeren Anteil der Beute verlangt. Über diesen kulturellen Beginn kann sich der Vorteil dann biologisch verfestigt haben.

Altruismus für die Gruppe kann insoweit in gewissen Grenzen auch mit egoistischen Genen entstehen.