Nochmal: Schlank als Schönheitsideal

 Für die Frage, wie sich Schönheitsideale entwickeln, ist es interessant, wie dick Männer und Frauen in der Steinzeit geworden sind. Denn es könnten daraus bestimmte Selektionskriterien hergeleitet werden. Ich hatte in dem Beitrag „Schönheit: Kultur oder Biologie“ schon etwas zum Thema sportlich-schlank als Schönheitsideal geschrieben. Ich halte Schönheitsideale nicht nur für kulturelle Mythen, weil sie häufig zumindest dem Grunde nach etwas über die Attraktivität des anderen als potentieller Partner aussagen.

Dass Menschen bereits in der Steinzeit dick geworden sind, könnte man daraus schließen, dass Fettablagerungen in der Menschheit nicht so unterschiedlich sind. Männer werden eher am Bauch dick, Frauen eher an den Beinen und am Po, aber weniger am Bauch.

Die Anlagerung von Fett unterliegt natürlich einer Selektion, sowohl einer natürlichen als auch einer sexuellen.

Fett sollte nach Möglichkeit so angelagert werden, dass es die weiteren Funktionen so wenig wie Möglich beeinträchtigt. Bei zu starker Fettablagerung an den Beinen können diese beispielsweise beim Laufen aneinanderreiben und die Beweglichkeit einschränken. Der Genitalbereich muss ebenfalls einigermaßen frei gehalten werden. Gene, die eine Fettanlagerung dort ermöglichen und darüber den erfolgreichen Geschlechtsverkehr verhindern, selektieren sich sehr schnell aus dem Genpool.

Daran, dass eine Selektion in diesem Bereich stattfinden konnte, kann man zumindest ersehen, dass es dicke Leute gegeben haben muss.

Andere Faktoren sprechen allerdings gegen zu viele dicke Leute. In der Steinzeit waren die Leute Jäger und Sammler. Dies erfordert zum einen eine gewisse Beweglichkeit und bringt zum anderen eine gewisse Unstetigkeit in der Versorgung mit sich.

Wildtiere allgemein haben selten eine starke Fettschicht, sofern sie nicht in besonders kalten Gegenden leben, um die als Isolierung benötigen.

Es spricht aus meiner Sicht daher vieles dafür, dass es eher kurze Perioden gab, in denen das Essen so reichlich war, dass die Leute dick wurden und andere Perioden, in denen von diesen Vorräten gezerrt werden musste.

Zudem ist zu bedenken, wie man dick werden konnte: Ich gehe davon aus, dass über eine vegetarische Ernährung, gerade im Winter, nur selten ein wirklich großer Leibesumfang erzielt werden konnte. Zu bedenken ist dabei, dass es heute zwar dicke Vegetarier gibt, diese aber auch viele Fette und andere Kalorienträger nutzen können, die durch Weiterverarbeitung konzentriert wurden. Zuckerhaltige Nahrung wie Süssigkeiten mit aus Zuckerrüben etc gewonnen Zucker oder aber Milchprodukte wie stark fetthaltiger Käse waren in der Steinzeit weit weniger vorhanden. Auch hatten die anderen Früchte nicht die durch die Zucht im Ackerbau erreichte Nahrhaftigkeit.

Proteine und Fette werden Steinzeitmenschen insbesondere durch Fleisch zu sich genommen haben.

Gerade die Großwildjagd mag es dabei ermöglicht haben, erhebliche Kalorien zu sich zu nehmen und dabei Fette abzulagern.

Auch Spezialisierungen und Handel könnten dazu beigetragen haben, dass einige Leute sich den Luxus geringerer Bewegung und beständiger guter Nahrung leisten konnten.

Bezüglich des Fleisches wird die These vertreten, dass hier der Jagderfolg auf die Sippe umgelegt wurde. So kann sich beispielsweise die reziproke Großzügigkeit entwickelt haben, ein eingeschränkter Altruismus auf der Grundlage gegenseitiger Unterstützung in Notzeiten. Gerade bei Fleisch, dass schnell verdirbt, lohnt sich eine Vorratshaltung von vorneherein nicht. Ein erlegtes Mammut wird der Jäger nicht alleine essen können, eine gewisse Großzügigkeit lohnt sich, gerade wenn man davon ausgehen kann, dass der nächste der einen Mammut erlegt, ihn wiederum mit einem selbst teilt. Selbst wenn Frauen kein Mammut jagen konnten und sich insoweit nicht revanchieren konnten, lohnt es sich unter dem Gedanken, dass eh keine Vorratshaltung möglich war, umfassend großzüggig zu sein und so seine eigene Stärke darzustellen. Wer Fleisch verschenken kann, der muss ein guter Jäger sein, der muss eher als andere seine Kinder im Notfall versorgen können, dessen Kinder werden eher überleben, es lohnt sich also der andere Teil dieser Gene zu sein, die in diesen Kindern stecken.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen, die dick waren, daher bereits einen Mann hatten, und zwar einen, der gut im jagen und damit wahrscheinlich auch im kämpfen war, müßte damit recht hoch gewesen sein. Sofern sie nicht bereits einen Partner hatten, der sie versorgt, werden sie zumindest einen höhergestellten Vater, Bruder oder sonstigen männlichen Ersatzversorger etc gehabt haben. Es kann auch sein, dass der Stamm, in dem sie lebte, gerade zufällig Großwild erlegt hatte, es reicht aber nicht sehr weit zurück. Der Umstand, dass eine Frau dick war, musste daher nicht unbedingt etwas über ihre Fähigkeit dauerhaft Essen herbeizubringen, sondern evtl. nur etwas über die Fähigkeit bestimmter Männer, Essen herbeizubringen aussagen. Eine solche Frau zu umwerben musste damit nicht unbedingt vorteilhaft für die eigenen Gene sein.

Hingegen reicht die Vermutung, dass sie eine gute Kandidatin für gesunden Nachwuchs ist, bei einer sportlichen Frau weiter zurück. Denn der Aufbau von Muskeln erfordert ein eigenes Tun der Frau über einen längeren Zeitraum und nicht die Handlungen anderer. Es zeigt, dass sie über einen längeren Zeitraum die passende Energie hatte um die Muskeln aufzubauen.

An den Hinternmuskeln kann man beispielsweise sehen, dass sie entweder viel gelaufen ist oder aber sich mit Gewichten häufig gebückt hat.

Allerdings deuten zu viele Kraftmuskeln eher auf zuviel Testosteron hin, weswegen wir eher Ausdauermuskeln bei Frauen interessant finden.

Eine Bewertung solcher Muskeln ist natürlich bei einer schlanken Frau wesentlich einfacher als bei einer sehr dicken Frau.

Es erscheint mir daher durchaus logisch, wenn Männer im Schnitt schlanke, sportliche Frauen interessanter finden als dicke Frauen.