Bravo und Vergewaltigungen

Momentan herrscht auf vielen feministischen Blogs eine große Empörung über eine Lovestory in der Bravo.

„Vergewaltigungskultur“ und „Verharmlosung von Vergewaltigung“ und „Schuldzuweisung an das Opfer“ sind dabei die Stichwörter.

Hier ein Paar Beitrage:

Die grundsätzliche Geschichte ist ja sehr einfach:

Bei einem Paar will der Junge Fußball schauen, das Mädchen interessiert sich aber nicht dafür. Erst versucht sie mitzumachen, aber es ist nicht ihre Sache. Sie ist irgendwann enttäuscht von ihrem Freund, dass er immer nur an Fußball denkt und sauer auf ihn. Also betrinkt sie sich, gerät an einem Typen und landet mit diesem im Bett. Die Überleitung dorthin ist recht kurz, bei den zwei Bildern, bei denen wir sie im Bett sehen, ist er hellauf begeistert, sie hingegen wohl betrunken und nicht ganz bei der Sache. Sie fragt sich, was sie genau macht und meint ohnmächtig zu werden. Verhütet haben sie auch nicht richtig, er hat bei ihr eine Pillenpackung liegen sehen und ist einfach davon ausgegangen, dass es dann wohl passt. Sie plagt das schlechte Gewissen und sie will nicht mit ihrem Freund schlafen, weil sie ungeschützt Sex mit dem anderen Mann hatte und meint vielleicht Aids haben zu können. Also verweigert sie erst, dann gesteht sie. Er hält zu ihr, macht ihr anscheinend noch nicht mal Vorwürfe, sieht es als Vergewaltigung. Schließlich treffen die beiden den Typen noch mal am Strand und der Freund hat ihm nach einiger Provokation einen auf die Fresse. Er hat dann Blut auf der Hand und macht sich auch deswegen Sorgen wegen Aids.

Meine kurze Analyse des Textes wäre die Folgende:

Die Bravo will Aids ins Gedächtnis der Jugendlichen bringen und davor warnen, dass ein Seitensprung ohne passende Verhütung nicht nur einen selbst, sondern auch den Partner gefährdet. Jetzt sollen sich aber Mädchen mit der Geschichte identifizieren können, also muss der Seitensprung entschuldigt sein. Das Mädchen wird also in eine typische Situation gebracht, in der Mädchen sauer auf ihren Partner sind, was bei zuviel Fußball wohl durchaus gut getroffen ist, weil in der Tat die meisten Mädchen damit nichts anfangen können. Dann kommt noch Alkohol und ein fieser Typ dazu und man läßt etwas im unklaren, wie betrunken sie war und inwieweit sie noch Herr ihrer Sinne war um es zwar für ein schlechtes Gewissen ausreichen zu lassen, aber zu Zwecken der Schuldverlagerung was ihren Freund betrifft gleichzeitig ihre Verantwortung reduziert, weil sie betrunken ist und es nicht genießt.

Sie kann also so richtig nichts dafür und tut dann auch noch das richtige, indem sie nicht einfach so mit ihrem Freund schläft, der ihr zudem auch das Ganze nicht wirklich übel nimmt, damit man sieht, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Aids genau das richtige ist.

Bei Nadine ist es natürlich schon sexistisch, dass man überhaupt geschlechtertypische Bilder wählt, das Frauen kein Fußball mögen ist bereits zuviel Bestätigung der Rollenbilder. Die hätte man aufbrechen können, es ist ja egal, wenn es so wesentlich einfacher für den Leser und insbesondere die Leserin ist sich in die Charaktere einzudenken. Es ist dabei nicht nur falsch Stereotype zu verwenden, sondern gleich sexistisch. Die Abbildung typischer Geschlechterverhalten ist sexistisch.

Und dann der Sex: Sie ist betrunken, also hat sie keine Verantwortung. Er hätte richtigerweise sagen sollen „Ich bin zwar ein schmieriger Typ, aber so schmierig, dass ich mit einem betrunkenen Mädchen schlafe bin ich auch nicht“ und da er das nicht getan hat ist es kein Konsens und damit eine Vergewaltigung. Das sie anscheinend durchaus noch über die Situation reflektieren kann und man nicht weiß, wie sehr sie mit ihm geflirtet hat, ist dabei erst einmal egal. Jegliches Verhalten, dass nicht eindeutigen Konsens bedeutet: Vergewaltigung! Eine solche Vergewaltigung nicht immer und stets als solche bezeichnen: Verharmlosung der Vergewaltigung und damit Unterstützung der Vergewaltigungskultur!

Das sie dabei gegenüber ihrem Freund ein schlechtes Gewissen hat, weil sie es soweit hat kommen lassen, ist dabei auch Vergewaltigungskultur. Egal was sie vorher gemacht hat, als sie noch nicht so betrunken war und wie besoffen sie eigentlich wirklich war und wie klar sie noch denken kann.

Ich finde das mal wieder übertrieben. Aber da ich ja auch Bestandteil und Unterstützer der Vergewaltigungskultur bin, ist das ja auch nicht anders zu erwarten.

Pränatales Testosteron und geschlechtertypisches Verhalten

Hier noch einmal eine Studie zum Thema pränatales Testosteron und den Auswirkungen:

Testosterone plays an important role in mammalian brain development. In neural regions with appropriate receptors testosterone, or its metabolites, influences patterns of cell death and survival, neural connectivity and neurochemical characterization. Consequently, testosterone exposure during critical periods of early development produces permanent behavioural changes. In humans, affected behaviours include childhood play behaviour, sexual orientation, core gender identity and other characteristics that show sex differences (i.e. differ on average between males and females). These influences have been demonstrated primarily in individuals who experienced marked prenatal hormone abnormalities and associated ambiguities of genital development (e.g. congenital adrenal hyperplasia). However, there is also evidence that testosterone works within the normal range to make some individuals within each sex more sex-typical than others. The size of testosterone-related influences, and perhaps even their existence, varies from one sex-typed characteristic to another. For instance: prenatal exposure to high levels of testosterone has a substantial influence on sex-typical play behaviour, including sex-typed toy preferences, whereas influences on core gender identify and sexual orientation are less dramatic. In addition: there appears to be little or no influence of prenatal testosterone on mental rotations ability, although mental rotations ability shows a marked sex difference. These findings have implications for basic understanding of the role of testosterone in normative gender development, as well as for the clinical management of individuals with disorders of sex development (formerly called intersex syndromes).

Quelle: Prenatal testosterone and gender-related behaviour

Ich denke der weniger dramatische Effekt ist so zu verstehen, dass hier ein größerer Spielraum vorhanden ist. Das sieht man eben zB an den CAH-Frauen, die zwar ein männlicheres Verhalten zeigen, aber eben nicht alle lesbisch sind (wenn auch ein deutlich höherer Anteil als bei sonstigen Frauen). Die sexuelle Identität verläuft hier eben weniger graduell. Zumal auch bei CAH-Frauen die Effekte des postnatalen Testosteron je nach Behandlung nicht so leicht herauszufiltern sind.

Eine weibliche kritische Stellungnahme zum Feminismus

Dieser Artikel einer Frau gegen den Feminismus machte in einigen Blogs die Runde (via):

So here is my rationale for why I oppose ALL and EVERY FEMINIST THEORY. If you are a feminist but do not subscribe to any of these assumptions/beliefs, then let me know. But I expect there is not one feminist who doesn’t broadly speaking accept these tenets: 1) Feminism is based on an assumption that overall, men as a group hold power in society and this power, damages women as a group.

Das ist zumindest für den poststrukturellen Feminismus richtig. Mir fällt allerdings auch kein Feminismus ein, der nicht in Gruppeninteressen denkt. Pinker hatte dies ja auch schon für den Genderfeminismusdargestellt

2) The above assumption, no matter what feminists say, relies on a belief in and a reinforcement of the essentialist binary view of gender (i.e. that male v female men v women masculine v feminine are real and important distinctions. That is how feminists justify their belief that ‘men’ hold power over ‘women’)

In der Tat ist der Verdacht aufgrund des Phänotyps im Feminismus schnell vorhanden. Meiner Meinung nach ist das Geschlecht natürlich eine wichtige Unterscheidung, allerdings keine starre und keine am Phänotyp ausgerichtete. Männer und Frauen sind auch nach biologischen Theorien nicht alle gleich, vielmehr bilden ihre Fähigkeiten und Eigenschaften sich überschneidende Normalverteilungen mit verschiedenen Mittelwerten. Es gibt demnach „Männliche Frauen“ und „weibliche Männer“. Aber wie entkommt ein Mann im Feminismus seinem Phänotyp und seinem Gehirngeschlecht? Erst einmal gar nicht, denn er ist bereits aufgrund seines Phänotyps privilegiert.

3) This means that in order to present these assumptions as ‘fact’, men are demonised by feminism as a whole. Feminism is, by its very nature, misandrist. e.g. concepts such as ‘rape culture’ and ‘patriarchy’ and ‘violence against women and girls’ and ‘the male gaze’ and ‘objectification’ rely on making out men are not decent people, in general, as a group. To be accepted as decent human beings, the onus is placed by feminists onto men to prove their worth, and to prove why they differ from the (socialised or innate) ‘norm’ of dominant masculinity.

Das sieht man auch schön an diesen Beiträgen „Ein männlicher Feminist und sein Kampf mit dem männlichen Privileg„, in dem ein Mann genau das versucht oder dem Beitrag „Liebe Frauen, alles unser Fehler, wir werden uns bessern„, indem sich Männer für alles Leid, das Männer Frauen angetan haben entschuldigen, oder diesem Beitrag „Welche Mitspracherechte haben Männer im Feminismus?„, in dem eine Feministin den Männern direkt sagt, dass sie nicht erwarten können, dass die Frauen ihnen vertrauen, weil die Gruppe Männer der Gruppe Frauen eben so viel angetan hat.

4) The focus on men’s power over women in ‘patriarchal’ society ignores other divisions between people and is essentially, ‘heteronormative’. It makes out the division between heterosexual (cis) men and (cis) women is the one that is dominant in society, and the one that is most important for feminist analysis/critique. So feminist theorists such as bell hooks and Julia Serano and Beverly Skeggs, even when they are referring to other divisions such as ethnicity, class and transgender identities, are still relying on the reification of the man v woman binary to support all their arguments about gender.

Männer und Frauen gibt es zwar nicht, aber sie bilden immer noch die Machtgruppen in der Gesellschaft. Das ist durchaus eine passende Beschreibung. Andere Kriterien werden in der Tat häufig ausgeblendet, allerdings dürfte die Ansicht, dass alles nur eine Frage der Machtverteilung und Erhaltung zwischen zwei ansonsten gleichen Gruppen ist die größte Ausblendung sein, denn es werden dabei die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau ignoriert (vgl. zu den Argumenten auch Steven Pinkers Ausführungen in „The Blank Slate“)

5) Feminism does not allow for these above challenges to be made to it without it having a hissy fit or banning its critics from websites/fora or saying ‘but you don’t understand’ or ‘feminism is not monolithic’. Feminism cannot stand up to critique.

Das ist ja seit langem meine Rede. Kritik wird im Feminimus nicht als Anlass zum Diskutieren gesehen, sondern als Angriff, der nicht hinzunehmen ist. Bereits die andere Meinung ist (trotz der internen Zersplittertheit des Feminimus eine Dogmaverletzung und der Beweis für Frauenfeindlichkeit.  Es erfolgt eine Konzentration auf die eigene Meinung, der Rest wird ausgeblendet. Objektivität scheint eher als störend angesehen zu werden. Wer Theorien vertritt, die in der übrigen Wissenschaft durchaus führend sind, wie etwas die biologischen Theorien zur Entwicklung der Geschlechter durch pränatale und postnatale Hormone (vgl. Heinz Jürgen Voss in seinem Buch „Making Gender Revisited“, der dort bestätigt, dass diese Theorien den wissenschaftlichen Diskurs bestimmen), der wird in vielen feministischen Blogs gesperrt werden und schlicht mit „Biologismus“ abgetan werden. Die interne Kritikfähigkeit des Feminismus scheint mir auch sehr gering zu sein. Kritik wird Moral entgegengehalten.

6) Feminism is based on self-interest. The adoption of a feminist analysis of women in society is presented by feminists as in women’s interests. This is why feminists are able to look with contempt and/or pity on non-feminist women. As if they are somehow not valuing themselves as women and as people. But making a whole political ideology out of self-interest of a particular group in society, is, in my opinion, conservative and selfish. When feminists mock people who ask about men’s discrimination with their ‘whatabouttehmenz’ taunt, they are mocking women who think and care about others, and men who think about and care about each other and themselves. So feminism expects women to be selfish and men to be self-less. And people who do not or will not fit into the binary, to not exist at all.

Feminismus ist eben eine Interessenvertretung bestimmter Frauen für sich selbst. Männer und ihre Anliegen spielen dort nur eine geringe Rolle. Frauen werden als durch das Patriarchat manipuliert dargestellt, sie können noch nicht einmal mehr entscheiden, welche Zeitschrift sie lesen wollen. Sie sind Gefangen in der Rolle, können ihre eigenen Interessen nicht mehr artikulieren und unterstützen nur deswegen die heutige Gesellschaft.  Ein positives Frauenbild von denen, die nicht den eigenen Lebensvorstellungen entsprechen, haben viele feministische Richtungen nicht.

Rape Culture

Hier mal ein paar Ansätze zur Rape Culture:

Aus der Wikipedia:

According to the rape culture theory, acts of sexism are commonly employed to validate and rationalize normative misogynistic practices. For instance, sexist jokes may be told to foster disrespect for women and an accompanying disregard for their well-being. An example would be a female rape victim being blamed for her being raped because of how she dressed or acted. In rape culture, sexualized violence towards women is regarded as a continuum in a society that regards women’s bodies as sexually available by default

Auf Shakesville:

A rape culture is a complex of beliefs that encourages male sexual aggression and supports violence against women. It is a society where violence is seen as sexy and sexuality as violent. In a rape culture, women perceive a continuum of threatened violence that ranges from sexual remarks to sexual touching to rape itself. A rape culture condones physical and emotional terrorism against women as the norm.

In a rape culture both men and women assume that sexual violence is a fact of life, inevitable as death or taxes. This violence, however, is neither biologically nor divinely ordained. Much of what we accept as inevitable is in fact the expression of values and attitudes that can change.

Oder bei „Hollaback Berlin“

“A rape culture is a culture of intimidation. It keeps women afraid of being attacked and so it keeps women confined in the range of their behavior. That fear makes a women censor her behavior – her speech, her way of dressing, her actions. It undermines her confidence in her ability to be independent. The necessity to be mindful of one’s behavior at all times is far more than annoying. Women’s lives are unnecessarily constricted.

As a society, this one issue hampers the best efforts of half our population. It costs us heavily in lost initiative and in emotional energy stolen from other, more creative thoughts.

Oder STFU Rape Culture:

All men benefit from some men’s violence against women because that violence – and the threat of it – is a key tool in men’s continued subordination of women, from which all men benefit.

Why are rape and battering constantly framed as a “women’s issues” when they would practically cease to exist were it not for the actions of men? Men are committing 99% of these violent crimes, and the gender dynamics that underlie rape and domestic abuse are woven densely into the fabric of our culture. Designating rape and battering as “Women’s Issues” only reinforces a culture that normalizes violence against women.

Ich verstehe Rape Culture so, dass sie innerhalb der feministischen Theorie nicht nur dafür sorgt, dass Männer besser Frauen belästigen können und das ungestraft bleibt, sondern dies (wie es ja auch einige der oben genannten Texte darlegen) gleichzeitig dazu dient, Frauen einzuschüchtern und dadurch in das System zu zwingen.

Es gibt also einen übergeordneten Aspekt der Rape Culture, der über das bloße Belästigen hinaus geht.

Das wiederum passt ja auch gut zum Poststrukturalismus, wo man die Rape Culture als Machtmittel der Gruppe Mann gegen die Gruppe Frau anführen kann.

Dazu hatte ich ja auch schon einmal etwas in dem Artikel „Rechtsstaat und Vergewaltigung: Warum Udo Vetter und Nadine Lantzsch evtl an einander vorbeireden“ geschrieben.

Wenn ich das so richtig verstehe, dann bleiben allerdings weitere Fragen offen:

  • Die Rape Culture soll dazu dienen, Frauenfeindlichkeit zu erleichtern, indem Frauen als Objekte dargestellt werden, die man benutzen kann. Gleichzeitig soll die Frauenfeindlichkeit die Rape Culture errichten. Was genau ist Mittel und was Ziel der Rape Culture? Geht es eigentlich um das Vergewaltigen oder eigentlich um die Frauenfeindlichkeit? Oder beides?
  •  Wenn Vergewaltigungen ein Machtmittel des Patriarchats sind, müßte dann nicht dieses dafür sorgen, dass die reale Gefahr einer Vergewaltigung betont und übertrieben wird? Warum wird in einem Patriarchat die Zahl der Vergewaltigungen heruntergespielt, wenn gerade auf der Abschreckung ein Teil ihrer Wirkung als Disziplinierungsmittel für Frauen beruht?
  • Müßte dann nicht gerade der Feminismus daran arbeiten, die Zahl der Vergewaltigungen als niedriger als vom Patriarchat vorgegeben anzunehmen? Schließlich wird dann die Vergewaltigung als weniger bedrohlich empfunden und das Patriarchat würde einen Teil seiner Macht verlieren.
  • Wenn alles durch die Gesellschaft bzw. Sprache konstruiert ist, müsste dann nicht auch seelischer Schmerz durch die Gesellschaft konstruiert sein und die immer wiederholte Behauptung, dass eine Vergewaltigung immer traumatisch für das Opfer ist, gerade diese Traumatisierung bewirken und damit die Vergewaltigung zu dem Machtmittel machen, dass es für das Patriarchat ist? Müßte dann nicht die Darstellung als etwas, was die Frau zwar niemals hinnehmen, aber leicht überwinden kann, die Traumatisierung verhindern und das Konstrukt der Rape Culture beseitigen, indem es an Bedrohung verliert?
    Dazu ein Zitat aus „Spiel mir das Lied vom Tod“

    Jill: If you want to, you can lay me over the table and amuse yourself. And even call in your men. Well. No woman ever died from that. When you’re finished, all I’ll need will be a tub of boiling water, and I’ll be exactly what I was before – with just another filthy memory.
    Cheyenne: [sighs] You make good coffee, at least?

  • Wenn die Vergewaltigungskultur schon immer ein Bestandteil des Patriarchats war, müssten dann nicht zu Zeiten, als Abtreibung und Verhütung wesentlich schwieriger waren als heute, erhebliche Mengen an Schwangerschaften aus Vergewaltigungen resultiert haben?
Ich bitte von Kommentaren wie „Die Feministen sind halt doof“ Abstand zu nehmen und mir nach Möglichkeit zu erklären, wie genau der Rape Culture Begriff im Feminismus verwendet wird.

Das egoistische Gen

Das Bild des egoistischen Gens wird häufig falsch verstanden. Natürlich können Gene nicht egoistisch sein oder Strategien verfolgen. Es ist nur ein Bild, dass es sprachlich leichter macht bestimmte Prozesse nachzuvollziehen. Dahinter stecken folgende wesentliche Betrachtungen:

1. Was geben wir an die nächsten Generationen weiter?

Wenn ein neuer Mensch entsteht, dann aus den Genen der Mutter und des Vaters. Diese Gene sind (abgesehen von sehr geringen Mutationsraten) unveränderlich in deren Körper gespeichert. Bei der Mutter werden die Eizellen bereits im Fötus gebildet und enthalten den Gencode, den die Mutter (zuzüglich evt. Mutationen) von ihren Eltern erhalten hat. Beim Mann werden die Spermien ebenfalls mit genau diesen Geninformationen gefüttert, die auch bereits bei seiner Geburt vorhanden sind.

Ein Mann, der schwächlich geboren viel Sport macht, gibt nicht plötzlich Sportlergene an seinen Sohn weiter, sondern gegebenenfalls die Gene, die Anfangs seine schwächliche Kondition begründet haben mögen. Ein Mann, der sein Leben lang als Schmied gearbeitet hat, gibt nicht „Schmied-Gene“ an seinen Sohn weiter, sondern die Gene, die er bereits von Anfang an hatte. Es mag sein, dass dabei eine besondere körperliche Robustheit vorhanden ist, die ihm dabei geholfen hat, Schmied zu werden, aber es kann auch sein, dass sich – wenn der Beruf innerhalb der Familie weitergegeben wird – diese Robustheit und Stärke von jedem neuen Schmied erarbeitet werden muss. Es werden von den Genen keine Fähigkeiten, die während des Lebens erarbeitet wurden, weitergeben, sondern schlicht der Startpunkt.

Gene sind insoweit nicht anpassungsfähig. Sie können zwar besondere Programme für besondere Lagen vorsehen (beispielsweise: „Wenn Unterernährung vohanden ist, dann Programm X, wenn sehr gute Ernährung vorhanden ist, dann Programm Y“), aber vererbt werden kann lediglich das reine Genmaterial, nicht die weitergehende Erfahrung.

2. Wie Gene weitergeben werden

Ich hatte bereits in einem anderen Artikel dargestellt, dass Gene sich nur in Einzelwesen, nicht innerhalb der Gruppe, verändern. Wenn in einem Körper eine Mutation sagen wir für die bessere Verdauung von Milchzucker auftritt, dann „springt“ dieses Gen nicht auf andere Menschen über. Es kann sich nur dann durchsetzen, wenn der Nachfahre eines Menschen mit diesem Gen, der dieses Gen hat, mehr Nachkommen hat, als die anderen Menschen ohne dieses Gen. Damit Gene sich im Genpool verbreiten, müssen sich die Körper, in denen sie stecken, fortpflanzen.

3. Körper als Genvehikel

Wenn Gene das Einzige sind, was wir betreffend des Aufbaus des Körpers an unsere Nachkommen weitergeben, dann ergibt sich hieraus, dass die Gene, die Körper so bauen, dass diese die Gene effektiv weitergeben, zahlreicher werden.

Der Körper selbst hingegen ist bei dieser Betrachtung unwichtig. Wenn ein Körper zwar hervorragend innerhalb der Gruppe funktioniert und er großartige berufliche und private Erfolge hat (ob der Beruf dabei „Mammutjäger“ oder „Salesmanager“ ist, ist dabei unbeachtlich), er aber steril ist, dann sterben die Gene, die diesen Körper produziert haben aus.

Aus dieser Sicht ist der Körper nichts anderes als ein Überlebens- und Fortpflanzungsvehikel für die Gene. Und das dürfte auch der wesentliche grund gewesen sein, aus dem heraus sich Körper entwickelt haben. Die ersten Replikatoren haben vielleicht nur stablile Hüllen benötigt, um bestimmte chemische Prozesse ablaufen lassen zu können. Aber wenn Rohstoffe, aus denen sich diese Replikatoren gebildet haben, knapp wurden, dann konnte es sich lohnen, sich die Hüllen anderer Replikatoren zu eigen zu machen um selbst bessere Hüllen aufzubauen. Damit lohnen sich dickere Zellmembranen, die dies verhindern und Gene, die solche Hüllen bauen setzten sich durch. Damit lohnten sich vielleicht Aufbrechwerkzeuge für solche Hüllen und Gene, die so etwas bauten, setzen sich durch etc.

Dawkins schreibt dazu in „Das egoistische Gen“:

Once upon a time, natural selection consisted of the differential survival of replicators floating free in the primeval soup. Now, natural selection favours replicators that are good at building survival machines, genes that are skilled in the art of controlling embryonic development. In this, the replicators are no more conscious or purposeful than they ever were. The same old processes of automatic selection between rival molecules by reason of their longevity, fecundity, and copying-fidelity, still go on as blindly and as inevitably as they did in the far-off days. Genes have no foresight. They do not plan ahead. Genes just are, some genes more so than others, and that is all there is to it. But the qualities that determine a gene’s longevity and fecundity are not so simple as they were. Not by a long way. (S. 24)

Die Selektion führt hier zu einer gewissen „Scheinlogik“. Die Gene, die dafür sorgen, dass am meisten Kopien von sich vorhanden sind, gestalten die meisten Körper. Die Körper, die am besten an bestimmte Situationen angepasst sind, geben die meisten Kopien weiter. Gene, die Körper produzieren, die nicht auf „langfristige Weitergabe der Gene“ ausgelegt sind, haben einen Selektionsnachteil.

Das Problem dabei ist, dass „langfristige Weitergabe der Gene“ eigentlich eine Betrachtung der Zukunft erfordert, die Gene eigentlich nicht leisten können.

Dawkins beschreibt dies so:

When an embryo survival machine is being built, the dangers and problems of its life lie in the future. Who can say what carnivores crouch waiting for it behind what bushes, or what fleet-footed prey will dart and zig-zag across its path? No human prophet, nor any gene. But some general predictions can be made. Polar bear genes can safely predict that the future of their unborn survival machine is going to be a cold one. They do not think of it as a prophecy, they do not think at all: they just build in a thick coat of hair, because that is what they have always done before in previous bodies, and that is why they still exist in the gene pool. They also predict that the ground is going to be snowy, and their prediction takes the form of making the coat of hair white and therefore camouflaged. If the climate of the Arctic changed so rapidly that the baby bear found itself born into a tropical desert, the predictions of the genes would be wrong, and they would pay the penalty. The young bear would die, and they inside it. (S. 55)

Hieran sieht man auch, dass Gene eben gerade keine Strategien haben können, es uns aber so vorkommen kann. Die Gene, die zufälligerweise an eine Änderung angepasst waren, konnten weitere Genträger produzieren und sind demnach heute noch vorhanden. Sie hatten nicht die bessere Strategie, weil sie keine Strategie haben können.

Ein weiteres Beispiel sind zB die Dinosaurier. Es war keine schlechte „Genstrategie“ einen Dinosaurierkörper zu bauen, um als Gen bestehen zu bleiben. Vielmehr hatten Gene, die solche Körper bauten, einfach aufgrund der damaligen Welt bestimmte Vorteile innerhalb der Selektion, die dazu führte, dass sie weit verbreitet waren. Diese Vorteile verschwanden in einer Welt, die von einem Meteor getroffen wurde und bei der es vorteilhaft war, wenn man als Gen in einem Körper steckte, der auf ein Leben unter der Erde ausgelegt war, die mehr Schutz vor den Auswirkungen einer solch drastischen Veränderung bot.

4. Folgen

Wenn Gene von der Selektion bevorzugt werden, die Körper bauen, die auf eine Weitergabe der Gene ausgelegt sind („Wenn Gene sich Körper bauen wollen, die möglichst viele Kopien von sich selbst erzeugen können“), dann werden verschiedene Verhaltensweisen leicht verständlich.

Ein Gen, dass einen Körper baut, der eine Verbundenheit zu seinem Nachwuchs hat und diesen beim Start ins Leben hilft und versorgt, hat Vorteile innerhalb der Selektion gegenüber Genen, die dies nicht machen, zumindest, wenn der Körper hinreichend kompliziert ist, um Hilfe zu brauchen und eine Steuerung nicht genau so gut uber Instinkte etc erfolgen kann („Ein Gen, dass Kopien von sich selbst unterstützt, verbreitet sich mehr“). Damit läßt sich recht gut erklären, warum Elternliebe meist unkonditionell ist, also wenig vom Verhalten des Kindes abhängig, während Liebe innerhalb einer Paarbeziehung nicht unkonditionell ist, also von dem Verhalten abhängt: Eltern, die ein Kind nach einem wiederholten Fehlverhalten verstoßen, erscheinen uns hart und das Verhalten unmoralisch. Jemand, der einen romatischen Partner nach wiederholten Fehlverhalten nicht verstößt, erscheint uns hingegen als zu weich und ebenfalls in gewisser Weise unmoralisch.

Ein Körper, der auf unkonditionelle Bindung zu seinen „Genträgern“ gebaut ist, führt vielleicht ein schlechteres Leben, weil er sich für seine Kinder abrackert, aber er gibt Gene effektiver weiter. Was alles ist, was im Rahmen der Selektion der Gene entscheidend ist („Ein Gen, dass dafür sorgt, dass Eltern ihre Kinder lieben, ist erfolgreicher“).

Daraus lassen sich gewisse Gesetzmäßigkeiten herleiten. Ein Gen, das einen Körper so baut, dass es die theoretischen Genübereinstimmungen berücksichtigt, sollte innerhalb der Selektion gefördert werden. Es wäre demnach beispielsweise zu erwarten, dass ein Gen, dass eine stärkere Bindung des Körpers an seine Töchter und Söhne als an seine Nichten und Enkelkinder bewirkt, innerhalb der Selektion Vorteile hat, während ein Gen, dass ein stärkere Bindung an die Nichten und Enkelkinder als an die Söhne und Töchter bewirkt, innerhalb der Selektion starke Nachteile hat (es sei denn, dass es Lebensumstände gibt, die Nichten und Enkelkinder überaus stark von einer solchen Bindung profitieren lassen, während Söhne und Töchter diese nicht benötigen würden, aber es fällt mir keine Situation ein, in der dies zutreffen könnte).

Die „genzentrierte Sicht“ ist auch bei vielen anderen Betrachtungen hilfreich. Ein Gen, dass einen männlichen Körper baut, hat beispielsweise Selektionsvorteile, wenn es, da keine Schwangerschaftskosten bestehen, den Sextrieb des Körpers stärker gestaltet als ein Gen, dass einen weiblichen Körper baut. Im Gegenzug hat ein Gen, das einen weiblichen Körper baut, Selektionsvorteile, wenn es den Körper mit Wünschen nach einem Versorger und gutem Genträger und einem gegenüber dem männlichen Körper zurückhaltenderen Sextrieb baut. Deswegen hat wiederum ein Gen, das einen männlichen Körper baut, ein Interesse daran, das dieser Körper so gebaut ist, dass er ein Interesse daran hat, für weibliche Körper interessante Eigenschaften nachzuweisen. Ein Gen, das Männerkörper baut, die zwar ein gutes Leben führen, aber von weiblichen Genvehikel nicht als attraktiv angesehen werden, hat insoweit ebenfalls einen Selektionsnachteil (der aber evtl. auf anderen Wege, etwa beim Bau weiblicher Genvehikel, ausgeglichen werden kann, wo diese Bauweise dann einen Selektionvorteil bildet).

Die Idee, dass ein Gen „egoistisch“ ist, hat also seinen Ursprung darin, dass ein Gen, dass dazu führt, dass der Körper weitere Genkopien machen kann, die dann weitere Genkopien machen etc. innerhalb der Selektion vorteile hat. Aus unserer Sicht wirkt dies so als würde sich das Gen egoistisch verhalten. Aufgrund unserer Evoltuionsgeschichte sind uns Analogien zu menschlichen Verhalten leicht verständlich. Wir können uns eher vorstellen, dass sich bestimmte Atome „gerne“ an einander binden statt uns die dahinter stehenden Kräfte genau bewußt zu machen. Genauso können wir uns eher vorstellen, dass die Gene Ziele verfolgen, um sich zu verbreiten als auf die bloße ziellose Selektion abzustellen.

Orale Vergewaltigung und Beweisfragen

In dem Fall Strauss-Khan geht es ja unter anderem darum, dass er sie zu Oralsex gezwungen haben soll. Bei dem Mädchenblog beschwert man sich über Zweifel daran, dass dies möglich ist.

Meiner Meinung nach ist ein differenziertere Betrachtung erforderlich.

Eine orale Vergewaltigung hat den offensichtlichen Nachteil, dass das Opfer mittels seiner Zähne erhebliche Schäden an dem Penis des Mannes anrichten kann und dies noch nicht einmal viel Mühe erfordert. Der Vergewaltiger begibt sich insofern in eine recht gefährliche Lage.

Daneben besteht natürlich die Möglichkeit, dass andere Umstände das Opfer abhalten, zuzubeissen. Ein solcher Grund kann etwa ein Drohung des Täters sein, ihr ansonsten Gewalt anzutun oder aber einfacher Schock. Es kann auch die rationale Betrachtung sein, dass es besser ist, ihn oral zu befriedigen als vaginal oder anal, wenn man meint, dass er bei einer Verweigerung der oralen Befriedigung diese anderen Wege wählt. Denn die meisten Frauen werden davon ausgehen, dass die Vergewaltigung einen sexuellen Aspekt hat und nach seinem Orgasmus abgebrochen wird (entgegen der Theorie, dass es bei Vergewaltigung nur um Macht, aber nicht um Sex geht

Wegen dieser Konflikte kann damit bei der oralen Vergewaltigung ein Stimmigkeitsaspekt in die Beweiswürdigung miteinbezogen werden.

Beispielsweise zwei Aussagen:

„Ich habe mich gewehrt, wie ich konnte, ihn geschlagen und getreten, aber er hat mir seinen Schwanz einfach in den Mund geschoben. Ich habe ihn weiter geschlagen, aber er hat einfach weitergemacht, bis er in meinem Mund gekommen ist, obwohl ich versucht habe freizukommen“

Hier wären Nachfragen, wie er es denn trotz erheblicher Gegenwehr geschafft hat, seinen Penis in ihren Mund zu bekommen und warum sie das naheliegende Mittel, ihn zu beissen, nicht genutzt hat, angebracht, da die Geschichte noch kein stimmiges Bild des Geschehens bietet. Verstrickt sie sich dabei in Widersprüche, dann kann das gegen ihre Glaubwürdigkeit und für eine erfundene Tat sprechen.

„Er hat mich erst begrabscht und ich habe versucht mich zu wehren. Aber er war einfach viel stärker als ich, er war so brutal, ich hatte wahnsinnig Angst und wußte nicht was ich machen sollte. Ich habe versucht ihn wegzustoßen, aber er hat mich einfach auf das Bett gedrückt und mich immer wieder mit der Hand ins Gesicht geschlagen, und gewürgt. Ich habe dann irgendwann einfach aufgegeben, weil ich merkte, dass er einfach viel stärker ist und er mich immer nur weiter schlagen und würgen würde. Ich war vollkommen in Panik, weil ich einfach nicht mehr wußte, was ich machen kann. Dann hat er seine Hose mit einer Hand aufgemacht und seinen Schwanz rausgeholt und ihn mir auf den Mund gedrückt. Ich war wie auf Autopilot und habe es dann einfach gemacht, ganz mechanisch, wie in Trance. Ich wollte nur, dass es vorbei ist, dass er mich danach in Ruhe lässt.

Das würde ich für eine nachvollziehbare Schilderung halten, bei der man versteht, wie es zu den Handlungen gekommen ist und warum sie sich nicht weiter gewehrt hat und er deswegen meinte, ihn ihr in den Mund stecken zu können.

Einer solchen Glaubwürdigkeitsprüfung ist meiner Meinung nach eine Zeugenaussage immer zu überprüfen. Ein klassisches Merkmal ausgedachter Geschichten ist nämlich, dass sie die Übergänge und das Randgeschehen nicht weiter durchdacht haben und sich daran Widersprüche zeigen. Eine ausgedachte Vergewaltigung will die Zeugin vielleicht möglichst brutal schildern und ihren Widerstand hervorheben, um so deutlich zu machen, dass es wirklich eine Vergewaltigung war. Darin geht dann evtl unter, dass dadurch bestimmte sexuelle Akte schwer in das Gesamtgeschehen einzuordnen sind.

Dies dürfte auch bei dem berühmten „enge Jeans“-Fall aus Italien der Fall gewesen sein. Die Richter haben nicht gesagt, dass man in einer engen Jeans nicht vergewaltigt werden kann. Sie haben gesagt, dass ihre Aussage, dass man ihr trotz erheblicher Gegenwehr mit Strampeln etc die Jeans einfach so heruntergerissen hat, nicht glaubwürdig ist, weil eine enge Jeans bei einem Zappeln der Frau nicht so einfach herunterzureissen ist. Dazu hätte man dann wohl ihre Bein festhalten müssen, um die Hose herunterzuziehen oder es hätte eben entsprechend länger gedauert, was dann aber nicht zu den Schilderungen der Frau passt.

Auf gleicher Weise kann wegen der Besonderheit einer oralen Vergewaltigung eben diese auch eher hinterfragt werden. Es dürfte erheblich einfach sein, sich zwischen ihre Beine zu drängen, sie mit dem Körpergewicht zu fixieren und – unter Zuhilfenahme von etwas Spucke als Gleitmittel – in sie einzudringen, weil sie hiergegen wesentlich geringere Verteidigungsmöglichkeiten hat.

Der Mund hingegen enthält üblicherweise für das Zerkleinern von Fleisch vorgesehene Werkzeuge, die schwer zu kontrollieren sind.

Berufswahl, pränatales Testosteron und Digit Ratio

Eine Studie beleuchtet den Zusammenhang zwischen Berufswahl und pränatalen Testosteron (gemessen über die Digit Ratio) (Dank an Roslin für den Hinweis):

Occupational interests constitute a psychological variable with pronounced sex differences. Whereas males are more interested in things, females primarily take an interest in people. As various studies with mammals and humans documented the role of androgen exposure on sex-typical behavior, we assumed that androgen levels are associated with occupational interests. In our study, we used 2D:4D digit ratio as an indicator of prenatal androgen levels and finger lengths as an indicator of post-pubertal androgen levels. Occupational interests were measured with a standard interest inventory. We hypothesized that finger lengths and ratios indicating high androgen levels are associated with stronger interests in things and weaker interests in people. All measures were gathered using an online interest inventory thereby leading to sufficient statistical power (N = 8646). Results partly confirmed our hypotheses. We found significant correlations between finger lengths and interests in things for males. Moreover, in the case of males we identified significant correlations between finger lengths (positive) as well as digit ratios (negative) with realistic interests and significant correlations between finger lengths (negative) and social interests, which are a marker variable of the people-things dimension.

Quelle: Are occupational interests hormonally influenced? The 2D:4D-interest nexus

Da die beiden Forscher an der Uni Konstanz arbeiten gibt es auch noch weiterführende Aussagen auf Deutsch hierzu:

Die Ergebnisse von Dr. Benedikt Hell und Katja Päßler bestätigen die Geschlechterstereotype von technisch ausgerichteten Männern und sozial engagierten Frauen. „Unsere Ergebnisse führen zu der Implikation, dass wir keine Gleichverteilung der Geschlechter in Studiengängen oder Berufen erwarten können oder gar fordern sollten“, schlussfolgert Benedikt Hell. Die Studie „Are occupational interests hormonally influenced?“ ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Personality and Individual Differences“ veröffentlicht.

Gemäß der Ergebnisse von Päßler und Hell ist ein hoher vorgeburtlicher Testoste-ronspiegel mit einem erhöhten Interesse an technischen Gegenständen und Fragestellungen verbunden. Umgekehrt zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen vorgeburtlichen Testosteronspiegel und einem erhöhten Interesse am Umgang mit anderen Menschen und sozialen Fragestellungen. „Die Korrelationen zwischen dem pränatalen Hormonspiegel und beruflichen Interessen sind zwar nur sehr geringfügig, lassen sich aber nichtsdestotrotz in signifikanter Höhe nachweisen“, präzisiert Benedikt Hell. Die Zusammenhänge müssen nach Hells Auskunft unbedingt differenziert betrachtet werden: „Die Korrelationen lassen keine Rückschlüsse auf den Einzelfall zu, sondern es handelt sich um Tendenzen in einer großen Stichprobe.“ (…)

Die Ausgangsfrage der Studie knüpfte an einer aktuellen Übersichtsarbeit an: „Wir haben uns gefragt, wie es zu den sehr stabilen, kulturübergreifenden Geschlechtsdifferenzen im sozialen Interesse und im technischen Interesse kommt“, skizziert Katja Päßler die Schlüsselfrage, die sich hinter dem Projekt verbirgt: „Ist dies alles nur Erziehung und Ergebnis der Sozialisation oder spielen vielleicht auch genetische und evolutionäre Mechanismen eine Rolle? Hat eine Spezialisierung der Interessen vielleicht zu unserer evolutionären Fitness beigetragen?“ Im nächsten Schritt ihrer Forschung möchten Päßler und Hell ihre Hypothese an Stichproben untersuchen, die aufgrund eines Gendefekts einen besonders hohen pränatalen Testosteronspiegel aufweisen.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Bezug auf einer Vorliebe für Sachen und Personen sind insgesamt denke ich auch sehr deutlich. Männer wollen bei Sachen eher herausfinden, wie sie funktionieren, wären Frauen eher wollen, dass sie funktionieren. Natürlich gilt dies für den Schnitt und es kann Männer geben, die eher weiblich sind und Frauen, die eher männlich sind.

Zusätzlich zu der Unterscheidung zwischen „Sachorientiert“ und „Personenorientiert“ kann auch die Risikobereitschaft die Berufswahl beeinflussen und diese wiederum ebenfalls biologisch bedingt sein:

Women are generally more risk averse than men. We investigated whether between- and within-gender variation in financial risk aversion was accounted for by variation in salivary concentrations of testosterone and in markers of prenatal testosterone exposure in a sample of >500 MBA students. Higher levels of circulating testosterone were associated with lower risk aversion among women, but not among men. At comparably low concentrations of salivary testosterone, however, the gender difference in risk aversion disappeared, suggesting that testosterone has nonlinear effects on risk aversion regardless of gender. A similar relationship between risk aversion and testosterone was also found using markers of prenatal testosterone exposure. Finally, both testosterone levels and risk aversion predicted career choices after graduation: Individuals high in testosterone and low in risk aversion were more likely to choose risky careers in finance. These results suggest that testosterone has both organizational and activational effects on risk-sensitive financial decisions and long-term career choices.

Quelle: Gender differences in financial risk aversion and career choices are affected by testosterone

Ein Teil der klassischen Berufswahlen der Geschlechter wird man mit diesem sehr groben Muster sicherlich gut erklären können. Die Leute überlegen sich eben nach ihren individuellen Vorlieben und Fähigkeiten, was sie gerne studieren / in welchem Bereich sie arbeiten wollen. Dabei werden, wie andere Studien zeigen, die Geschlechterrollen in freieren Gesellschaften eher deutlicher, statt zu verwischen. Selbst (oder vielmehr gerade) sehr emanzipierte Länder wie zB Schweden haben eine strikte Geschlechtertrennung in den Berufen.