Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus

Einer der Punkte, die ich bei vielen Feministen männerfeindlich finde ist die Weigerung weibliche Privilegien anzuerkennen.

„Privileg“ und „Privilegien“ sind eines der Hauptthemen in der Genderdebatte und der Queer Theorie. Männer haben „Male Privileges“, das Thema wird dann erweitert auf „white privileges“ oder „hetrosexual privileges“ (bzw. Heteronormativität).

Ein weißer Mann ist also doppelt privilegiert, eine weiße Frau nur einfach, ein schwarzer Mann auch einfach, und eine schwarze Frau doppelt benachteiligt.

Bezogen auf die Geschlechterdebatte wurden dann beispielsweise Listen aufgestellt, die die Privilegierung des Mannes darlegen sollen.

Natürlich lies die Antwort nicht lange auf sich warten und es wurde auch eine Liste der weiblichen Privilegien veröffentlicht.

Warren Farrells Buch „Mythos Männermacht“ handelt im wesentlichen von der Darstellung der negativen Seiten der männlichen Macht und den Vorteilen der Frauenrolle.

Was hätte also näher gelegen als zu sagen, dass beide Rollen Vorteile und Nachteile bieten und beide Geschlechter  schuld daran sind sie aufrechtzuerhalten? Man hätte in dieser Theorie einfach nur ebenso wie man oben verschiedene Privilegierungsstufen innerhalb einer Person festgstellt hat auch nach Lebensbereichen unterscheiden können und dann entsprechende Aufschlüsselungen vornehmen können. Dies ist im wesentlichen auch der Ansatz von Warren Farrell, dessen Lieblingssatz in dem oben verlinkten Buch ist, dass man eben immer mal die Perspektive wechseln sollte und ein paar Meilen in den Schuhen des anderen laufen sollte.

Diese naheliegende Erklärung hätte aber ein Umdenken erfordert. Frauen müssten sich nunmehr selbst vorhalten lassen, dass sie in Bereichen privilegiert sind und daher die Position des Benachteiligten ernst zu nehmen ist. Das klare Opferbild wäre unterlaufen worden. Natürlich wurde daher in Teilen des Feminismus eine andere Lösung gefunden:

Es gibt keine weiblichen Privilegien, sondern nur „benevolent sexism“ („wohlwollender Sexismus“) gegen Frauen. („benevolent“ laut dicct: gütig, huldvoll, gutwillig, wohltätig, mildtätig, wohlwollend). Wenn also eine Frau nicht zum Wehrdienst eingezogen wird, dann ist das ein wohlwollender Sexismus, weil ihr das Recht zu kämpfen abgesprochen wird unter dem Vorwand sie zu beschützen. Es wird ein Vorteil versprochen („Schutz“), damit sie den Rest („Patriarchat“) schluckt.

Although benevolent sexism may sound oxymoronic, this term recognizes that some forms of sexism are, for the perpetrator, subjectively benevolent, characterizing women as pure creatures who ought to be protected, supported, and adored and whose love is necessary to make a man complete. This idealization of women simultaneously implies that they are weak and best suited for conventional gender roles; being put on a pedestal is confining, yet the man who places a woman there is likely to interpret this as cherishing, rather than restricting, her (and many women may agree). Despite the greater social acceptability of benevolent sexism, our research suggests that it serves as a crucial complement to hostile sexism that helps to pacify women’s resistance to societal gender inequality.

Natürlich könnte man das auch für Männer sagen: Ihnen wird eben auch der gefährliche Job damit versüßt, dass sie Status erhalten, der eigentlich nur wieder dazu da ist, dass Frauen dies attraktiv finden.

Jedes Privileg hat eben auch seine Nachteile. Wer Karriere macht verdient viel Geld, arbeitet vielleicht aber auch eine 80-Stunden Woche und sieht seine Kinder kaum etc.

Eine Folge des Annehmens lediglich weiblicher Privilegien ist meiner Meinung nach dieser Beitrag von Franza Drechsel im Streit-Wert Blog:

Die Männerrechtler stellen eine – sicherlich nicht untypische – Gegenbewegung zu feministischen Bewegungen dar, die meines Erachtens zu beobachten, aber nicht zu ernst zu nehmen ist. (…)

Gerade dieser Punkt macht deutlich, dass (grünen) Männern oft erst noch stärker bewusst werden muss, dass sie privilegiert sind. Wie so oft in Bezug auf Diskriminierungen und Privilegierungen ist es auch hier so, dass die Diskriminierten eher als die Privilegierten die Strukturen erkennen und bekämpfen. Eine „Normalität“ zu erkennen ist schwerer, als zu erkennen, keinen Zutritt dazu zu haben.

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt. Feminist ist aber eben kein neutraler Begriff und Frauenbenachteiligung die Norm von der nicht abgewichen werden darf.

Meiner Meinung nach kann eine Geschlechterdebatte nur fair geführt werden, wenn beide Seiten anerkennen, dass beide Seiten Privilegien haben, die teilweise die Kehrseite von einander darstellen

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