Vom Verrat an das Patriarchat und dem Abfischen von Heteraprivilegien durch Sex mit Männern

Auf dem Blog Queerdenke_n schreibt die dortige Autorin in einem Artikel, dass sie zwar einfach auf Menschen steht, unabhängig von deren Geschlecht, aber das Label „Lesbe“ ihr als Identität wichtig ist. Dazu dann das Folgende:

Lesbe bedeutet für mich eine Menge, aber nicht: exklusiv auf Frauen stehend. Und weil es für mich eine Menge bedeutet, benutze ich es gerne. Schließlich fühlt es sich an wie ein wichtiger Teil meiner Identität, dass ich Frauen* liebe. Aber in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass sich seltsame Gedanken eingeschlichen haben: Die Angst, dass jemand entdeckt, dass ich auch auf Männer* stehe und mich deswegen eigentlich gar nicht lesbisch nennen darf. Eine Art schlechtes Gewissen. Als könnte mir die Queerness oder Gayness plötzlich abhanden kommen, wenn ich mit einem Typen zusammen wäre und ich mich irgendwie an den Mainstream und das Patriarchat verraten hätte. Ich würde aufwachen und feststellen, dass ich nun alle erdenklichen Hetera-Privilegien abfischen kann und von „echten“ gay Leuten nur noch eine Freundin und Verbündete sein kann. Damit würde allerdings ein wichtiger Teil von mir ausgeblendet werden, nämlich die Gesamtheit dessen, was es für mich bedeutet, nicht straight zu sein.

Es zeigt aus meiner Sicht ziemlich genau auf, was diese Ideologie so interessant macht. Es wird ein Feinbild geschaffen und über klassisches Outgrupping hier von Heterosexualität und Männern eine Ingroup geschaffen, der man sich unter Abgrenzung zur Outgroup und Anerkennung des Feindbilds  zugehörig zeigen kann.

Es zeigt zudem auch, wie wenig diejenigen tatsächlich bereit sind, eigene Privilegien zu hinterfragen, sondern sich lieber in eine falsche Rolle flüchten.

Was eben auch daran liegt, dass das Abstreiten von Privilegien letztendlich in dieser Ideologie die vorteilhafteste Position ist. Wer keine Privilegien hat, der muss sich nicht rechtfertigen. Er kann Teil der Gruppe sein. Er muss sich nicht mit dem Ally-Status abfinden, sondern ist tatsächlich dabei.

Keine Privilegien haben kann damit ein Privileg sein.

49 Gedanken zu “Vom Verrat an das Patriarchat und dem Abfischen von Heteraprivilegien durch Sex mit Männern

  1. Sie verbietet es sich selbst, sich in einen Mann zu verlieben, weil sie dann a) glücklich ist und b) ein paar Privilegien mehr hätte?

    Das nenne ich mal Masochismus in seiner reinsten Form.

    Die Angst, dass jemand entdeckt, dass ich auch auf Männer* stehe

    Freundschaften, Freundeskreise und Verbündete von deren sexuellen Orientierung abhängig machen … sorry, ich finde diese Denke immer erschütternder.

    • Die „Denke“ zeigt doch schon die Beschreibung
      von Menschen als Männer* oder Frauen*.
      Wie lächerlich und dummdreist ist denn
      dieses Sternchen?
      Aber zum Glück waren noch keine Frauen
      auf dem Mond!

    • Sie verbietet es sich selbst, sich in einen Mann zu verlieben, weil sie dann a) glücklich ist und b) ein paar Privilegien mehr hätte?

      sie verbietet es sich, weil sie moralisch überlegen sein will.

        • @ Christian

          Schon klar, hatte ich auch so verstanden.
          Aber, dürfen sich Maskulisten, als Minderheit
          jetzt auch moralisch überlegen fühlen?

          • @DDBZ

            Einige machen es ja wohl recht offensichtlich. Ebenfalls, weil sie den Kampf der gerechten Sache führen. Dort wird ebenfalls viel über ein Feindbild Gruppensolidarität aufgebaut.

            Es ist aus meiner Sicht in beiden Fällen falsch.

        • @Christian: Es ist ja grundsätzlich nichts falsches Gruppensolidarität aufzubauen, wenn man für irgendeine Sache ist. Das Problem ist doch vielmehr der Fanatismus. Ich muss gestehen, ich habe Grundsätzlich einige Sympathien mit dem Queer kram, aber die Opferolympiade, sowie das Outgrouping ist doch der Fehler bei der Sache.

      • *sie verbietet es sich, weil sie moralisch überlegen sein will.*

        Nennt man auch Selbsthass.
        Kreuzt unser aller Leben in verschiedensten Varianten.

    • @julia

      Es zeigt aus meiner Sicht gut, dass hier selbst „Normativitäten“ erzeugt werden. Und diese dann auch über eine entsprechende Kultur gefestigt werden. Also letztendlich die Ideologie genau zu dem führt, was sie eigentlich bekämpfen will.

      Das ist bei der dort aufgebauten Dualität über die Feindbilder Heterosexualität und Männlichkeit auch nicht verwunderlich

  2. „Keine Privilegien haben kann damit ein Privileg sein.“

    Natürlich, es beinhaltet das Privileg, andern ihre Privilegien vorwerfen zu dürfen, mittels moralischer Rechtfertigung.

    • @El Mocho
      „andern ihre Privilegien vorwerfen zu dürfen, mittels moralischer Rechtfertigung.“

      Ich glaube, dass es nicht nur um eine moralische Überlegenheit geht. Die Idee ist, wenn ich es richtig verstehe, auch die, dass die „straighte“ Welt eben eine durch Herrschaftsstrukturen korrupte, „falsche“ welt ist – und dass queer zu sein bedeutet, sich eben nicht in den Strukturen dieser heterosexistischen Welt zu verorten, sondern quer dazu zu leben. Eigentlich im wörtlichen Sinne ein utopisches, also ortloses Leben.

      Und von dort aus sei dann eben auch ein klarer, unkorrumpierter, echter Blick auf die Welt und die gesellschaftlichen Verhältnisse möglich (das, was der Philosoph Thomas Nagel mal als „view from nowhere“ bezeichnet hat – der aber nun einmal, so Nagel, gar nicht möglich sei). Die gesellschaftliche De-Privilegierung sei sozusagen die Strafe für diesen privilegierten Blick auf die Gesellschaft.

      Es ist verständlich, dass eine Frau, die mit der heterosexistischen Ordnung kollaboriert (bzw. eben kopuliert), aus dieser Reinheit ausgeschlossen wird und bestenfalls noch als solidarische Unterstützerin von außen agieren kann.

      So jedenfalls erkläre ich mir die seltsame Mischung aus Selbsterniedrigung und Exklusivitätsdenken, durch die der „Queerdenke_n“-Text geprägt ist.

    • Welche „Privilegien“ meinst Du?
      Und welche „seiner Privilegien bewusst zu werden “ sind das?
      Wo sind dann ihre „Privilegien“?
      Worüber redest Du?

        • @ Christian
          „Wenn du dich damit nicht auskennst: “

          Du denkst ernsthaft, ich würde mich hier
          auf Deinem Blog äussern, ohne mich mit
          den „Theorien“- eigentlich hirnlosen Ergüssen,
          beschäftigt zu haben?
          Komme ich wirklich soo armselig rüber?

        • „Dann schreib doch einfach, was du sagen willst, kritisiere die Theorien sachlich, führe deine Argumente an.“

          Argumente wo gegen?

          Als Beispiel.
          Seit wann leben die angeblich Unterdrückten
          länger als die Unterdrücker?
          (Frauen leben länger)

          Ist das ein zugelassenes Argument?

          Wollen wir jetzt ernsthaft alle Argumente
          wieder und wieder durchkauen?

          • @DdBz

            Wenn du einfach nur pöbeln willst, dann mach es doch bitte woanders. Sonst schreib einen sinnvollen Beitrag. Wenn du meinst, dass schon alles gesagt ist, und du dich nicht wiederholen willst, dann schreib halt gar nichts.

            Natürlich kann man die Privilegientheorien angreifen. In dem Artikel geht es ja um einen Teil dieser Kritik, nämlich, dass sie zu einer Opferhaltung führen, weil diese selbst zu einem Privileg wird, dass zu Kritik berechtigt und zur Aufwertung der eigenen Person.

        • @ Christian

          Nein, ich will hier nicht rumpöbeln.
          Du hast aber nach Argumenten verlangt?
          Hast Du mein Argument schon entkfäftet?
          (Lebenserwartung)

  3. Obige Frau ist wohl bi, oder eine fanatische Genderistin. Das nämlich muss man ihnen lassen: Wenn es stimmen sollte, das die sexuelle Orientierung nur gesellschaftlich geformt und durch ein bisschen Aufgeschlossenheit und einem kleinen Willensakt zu ändern ist, dann kann es konsequenterweise auch keine starren Orientierungen wie schwul oder lesbisch geben. Die lesbische Genderistin muss zum Beweis ihrer Theorie auch Heterosex betreiben und das auch noch toll finden und genießen. Die Arme.

      • Nein. Denn der Unterschied zwischen beiden Anschauungen liegt in der moralischen Bewertung der Homosexualität.

        Selbst also, wenn man die sexuelle Orientierung für formbar hält und alle Menschen zu Bisexuellen erklärt, macht es einen Unterschied ob man sagt, Sexualität ist nicht schlechtes oder ob man eine sexueelle Praktik verhindern will.

        Im Übrigen hattest Du mich gefragt, ob ich heterophob bin. Als Ergänzung zu meiner bereits gegebenen Antwort, möchte ich Dir obige Frau präsentieren: Diese ist heterophob.

      • Nee, das ist ein kleiner Unterschied. Der Genderist sagt, es gibt überhaupt keine starre, biologisch bedingte sexuelle Orientierung, während der Priester sagt, dass es nur eine richtige gibt.

        • Der Genderist sagt, die Sexuallatät ist frei
          wählbar, das würde bedeuten Homosexualität
          ist „heilbar“?
          Demnach haben die Priester doch recht?

        • Ja. Und das ist auch vom Priester gewollt, der Unterschied zum Genderisten besteht darin, dass der Hetero auch auf homo switchen könne, was aus der genderistischen Perspektive gewollt ist (im Gegensatz zum Priester), zwecks Überwindung der heteronormativen Matrix oder so.

        • Dann hat aber letzlich der Priester
          aus sicht des Genderisten recht?
          Homosexuallität ist also
          „heilbar“?
          Das wird dann aber eine schöne neue Femiwelt!

        • Ja, rein theoretisch hat der Priester unter Bezugnahme der genderistischen Theorie recht. Auch wenn die Genderisten das sorum natürlich nicht meinen.

          Aber beide liegen falsch, weder kann eine Lesbe auf katholische Einflüsterungen hin Hetera werden, noch kann ein Hetero (generisches Maskulinum) aus genderistischer Überzeugung heraus lesbisch/schwul werden.

          Wer das versucht, erfährt nur eines: Unglück, in schweren Fällen eine psychotische Störung (wegen Abspaltung einer elementaren, persönlichkeitsbildenden Eigenschaft).

          Ich habe mal von einem Feministen gelesen, der Penetration als Gewaltakt empfunden hat, und versuchte schwul zu werden. Hat nicht funktioniert, obwohl er mit besten Willen an die Sache herangegangen ist.

  4. Apropos Patriarchat:

    Der Pabst wird zuruecktreten.

    Was sagt roslin dazu? Laut Bibel und Apookalypse muesste jetzt der Antichrist bald kommen oder?

  5. Heteraprivilegien abfischen? Was es nicht alles gibt. Übrigens, kann mir mal jemand sagen, wo ich meine Weißer-Hetero-Mann-Privilegien einlösen kann? Kann ich mir die bar auszahlen lassen oder gibt es zumindest irgendwo Vergünstigungen? Sry, hab schon gegoogelt, aber nichts gefunden? 😦

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