„Intersektionalität“ vs. „in-Group / Out-Group“

In einer Diskussion mit Leszek bei Erzählmirnix  kam ich auf das Thema Intersektionalismus und der Frage, warum man dabei Männer nicht berücksichtigen kann.

Kurz zu den Intersektionalismustheorien. 

Intersektionalität beschreibt die Überschneidung (engl. intersection = Schnittpunkt, Schnittmenge) von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und die Situation – eine Person aufgrund verschiedener zusammenwirkender Persönlichkeitsmerkmale Opfer von Diskriminierung wird.“[1] Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Handicapism oder Klassismus addieren sich nicht nur in einer Person, sondern führen zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen. So wird ein gehbehinderter Obdachloser gegebenenfalls nicht nur als Obdachloser und als Gehbehinderter diskriminiert, sondern er kann auch die Erfahrung machen, als gehbehinderter Obdachloser diskriminiert zu werden. Das neue Erkenntnisinteresse in der Intersektionalitätsforschung gilt den Verflechtungszusammenhängen, welche sich durch das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen ergeben

Der Grundgedanke ist also, dass eine Person aufgrund verschiedener Persönlichkeitsmerkmale mehrfach diskriminiert sein kann oder in einem Bereich diskriminiert, im anderen privilegiert sein kann.

Oberste Form der Privilegierung ist natürlich der weiße, heterosexuelle Mann, in der Steigerungsform des Nichtbehinderten. Nach unten hin gibt es immer neue Möglichkeiten der Diskriminierung, ich nenne hier als Gegenstück erst einmal die schwarze, homosexuelle Frau.

Eine dazu im Netz umherschwirrende Übersicht, die aber schon aufgrund der Aufnahme einer Privilegierung für den jüdischen Glauben nicht PC sein kann, ist diese hier:

Privilegien prüfen

Privilegien prüfen

Allerdings sieht die Intersektionalität fast immer ein Form der Über- und Unterordnung vor, ist quasi hierarchisch aufgebaut, in „Gut“ (diskriminiert) und Schlecht (privilegiert) unterteilt. Ein Schwarzer hat es in allen Bereichen schlechter als ein Weißer, eine Frau hat es immer schwerer als ein Mann. Geht es einer Frau besser als einem Mann, dann ist das, weil das System keine Durchlässigkeit kennt, nicht etwa eine Diskriminierung des Mannes in diesem Bereich, sondern eine Diskriminierung der Frau, weil diese dadurch noch mehr in ihre Geschlechterrollen gedrängt wird und damit der Mann seine Macht sichert, also insofern im Endeffekt privilegiert ist.  (ob es im Rassismus ein Gegenstück zum wohlwollenden Sexismus gibt würde mich interessieren: vielleicht, wenn man meint, dass ein Schwarzer besser im Basketball ist und ein Asiate sich besser wehren kann (ein Chinese kann ja bekanntlich immer eine Kampfsportart?).

Demnach kann eine Frau natürlich auch nicht privilegiert sein, etwa im Sorgerecht oder anderen Bereichen, bei dem Merkmal „Geschlecht“ ist „Gut“ ja schon den Frauen zugewiesen.

Dieser starke Sektionalismus, in dem alles in Gut oder Schlecht eingeteilt wird, und der absolut zuweist, hat Vorteile.

Zunächst wird damit ein systembedingter Nachteil vermieden:

Da Das Geschlecht, welches privilegiert ist, seine Privilegien hinterfragen muss und diese abstellen muss, hätten Männer plötzlich eine sehr starke Position. Ich hatte das hier schon einmal dargelegt:

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt.

Bei Erzählmirnix schrieb ich:

Wenn man Männern Opferstatus auch nur in Teilen zusprechen würde, dann bricht natürlich plötzlich alles zusammen. Frauen müssten ihre Privilegien hinterfragen und Männer hätten in dem Teil Definitionsmacht. plötzlich müsste man “waht about the menz” tatsächlich durchführen, wenn man kein Sexist ist.

Des weiteren hat man so ganz einfache Regeln, wer der Feind und wer der Freund ist, wer böse ist, und wer gut ist.

Aus meiner Sicht wäre eine viel einfacherer Betrachtung eher dazu geeignet, sich die Probleme bewusst zu machen, die bei Diskriminierung auftreten:

1. Menschen bilden In-Groups und Out-Groups und weisen diesen entweder aufgrund von Erfahrung oder Vorurteilen bestimmte Werte zu

2. Jedes Unterscheidungsmerkmal kann dazu genutzt werden eine Out-Group zu diskriminieren.

Damit können Weiße Schwarze diskriminieren, aber eben auch Schwarze andere Schwarze (etwa in einer anderen Volksgruppe) oder auch Schwarze Weiße. Es können Männer diskriminiert werden, weil ihnen die Eigenschaft abgesprochen wird, Kinder zu erziehen oder weil man Frauen in bestimmten Bereichen mehr Schutz zugesteht. All dies kann sich von Gruppe zu Gruppe unterscheiden, auch wenn man bestimmte Vorurteile für größere Gruppen feststellen kann. (Das bestimmte „Sektionen“ Nachteile haben ist aus meiner Sicht übrigens nicht zu vermeiden. Natürlich muss die Gesellschaft Behinderte unterstützen und auch Hässliche können ein schweres Schicksal haben. Aber der Privilegienansatz und seine Vermischung mit Schuld geht da meiner Meinung nach an der Sache vorbei und erzeugt nur unberechtige Forderungen und erlaubt eben bestimmte Outgroups)

Natürlich wird es dann sehr schnell schwammig und das klare Feindbild verschwindet. Dafür ist man näher an der Realität.

Lustigerweise lassen sich Intersektionalismustheorien der obigen absoluten Art ebenfalls sehr gut in dieses Schema einordnen. Es werden Outgroups gebildet (der weiße heterosexuelle Mann) und diese dann zur Abwertung freigegeben. Mit ihre rigorosen Einteilung in „Gut“ und „Schlecht“ bedient diese Theorie die diesbezüglichen Bedürfnisse hervorragend. Soweit eine Einordnung in eine „schlechte Gruppe“ erfolgt, kann man sich dann als Anhänger dieser Theorien dennoch wieder gut machen, indem man eifrig bereut und Privilegien hinterfragt. So bildet man eine Gruppe innerhalb der eigentlich unteilbaren Gruppe, die dann doch wieder gut sind.

Dieses Durchbrechen der klaren Einteilung ist es auch, was das Leben als männlicher Feminist so schwierig macht: Man möchte eigentlich in die In-Group, aber sich zu sehr von Schuld freizusprechen bedeutet ja, dass man das Schema verläßt und das in dem wichtigsten Merkmal. Insofern ist es verständlich, dass man versucht, die Männer in die Ally-Position abzudrängen und sie immer wieder ermahnt, dass sie ja nicht meinen sollten, dass sie „gut“ wären.

„Male Tears“ kann man da natürlich nicht gebrauchen. Sie sind auch nur ein Versuch das starre Schema zu durchbrechen. Kein Wunder, dass dies entsprechend abgewertet und abgewehrt wird.

76 Gedanken zu “„Intersektionalität“ vs. „in-Group / Out-Group“

  1. „…Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt…“

    Früher nannte man sowas Ergotherapie, heute läuft das unter Sozial“wissenschaften“ nehme ich an!?

    Die Sprache erinnert mich an eine Mischung aus Alice in wonderland und Verlautbarungen des Zentrakomitees der KPdSU.

    Die Tendenz zu immerwährender Abstrahierung und Theoretisierung, eigentlich banaler Selbstverständlichkeiten,die die Lebensrealität nur noch als Matritze für den Blick ins Unendliche, sorry: Innere, nutzt, ist eigentlich typisch für einen Asperger.

    • Da Feminist.I.nnen Herrschaft, Macht und Diskriminierung selbstbezeichnend ablehnen müssen sich diese „herrschaftsfreien Machthaber“ verschleiert Macht über eine aberwitzige und zu unnötiger Komplexität und Intransparenz ausformulierten Hierarchie der Diskriminierung zuschreiben.

      Macht über Stellvertreter.

      Das weibliche Prinzip.

      Das schwere, unangenehme und sozial geächtete wird auf einen StellvertretEr oder eine abstrakte Sache übertragen, auf den weißen-privilegierten StrohMann umgelenkt, die Vorteile auf einem selbst.

      Parasitismus der hohen intellektuellen Aufwand zu seiner Verschleierung treibt.

      • @ Borat

        *Macht über Stellvertreter.

        Das weibliche Prinzip.*

        Nicht einfach ein weibliches Prinzip, sondern das Prinzip der Impotenten, der Unfähigen, der Faulen, der Dummen, der Trägen, der Antriebsarmen, der MISFITS, die doch auch mal ausbeuten wollen, nämlich die Potenten, die Fähigen, die Fleißigen, die Antriebsstarken, die Fitten.

        Ohne Gegenleistung, versteht sich.

        Denn die zu erbringen, würde u.U. Abstriche an der eigenen SELBSTVERWIRKLICHUNG erzwingen.

        Da ist es einfacher per Proxy andere zur Preisgabe ihrer Selbstverwirklichung zu zwingen.

        Faschismus für Feiglinge ist das.

        Ein Wahnsiystem, das den Egoismus der Misfits als GERECHTIGKEIT tarnt.

    • Die Tendenz zu immerwährender Abstrahierung und Theoretisierung, eigentlich banaler Selbstverständlichkeiten,die die Lebensrealität nur noch als Matritze für den Blick ins Unendliche, sorry: Innere, nutzt, ist eigentlich typisch für einen Asperger.

      Das denke ich mir auch immer 🙂

      Schon den Begriff „Intersektionalitätstheorien“ (Plural?) finde ich äußerst irritierend. Die banale Tatsache, dass Menschen nicht ausschließlich privilegiert oder ausschließlich diskriminiert werden, erscheint wohl nach der Sozialisation als Feministin als ein hochkomplexes Netzwerk aus progressiven TheorieN, die man erstmal weiter untersuchen müsste.

      • Das ist nichts anderes als Marketing.

        Neue Begriffe, neue Worte um sich wichtig zu tun und den gleichen alten nutzlosen Scheiß zu verkaufen.

        Die Entwicklung ist zweigeteilt. Zum einen die tatsächliche aber sehr mäßige Entwicklung des Produkts und zum anderen die Buzzwordinflation.

        Feminist buzzwords.

      • @ david

        „Schon den Begriff “Intersektionalitätstheorien” (Plural?) finde ich äußerst irritierend.“

        Bezieht sich darauf, dass es in diesem Feld verschiedene konkurrierende Ansätze gibt, das ist eben so.

        „Die banale Tatsache, dass Menschen nicht ausschließlich privilegiert oder ausschließlich diskriminiert werden..“

        Solche Diskursstrategien lassen sich natürlich allerdings auch leicht auf das Feld der Psychologie anwenden:

        „Die banale Tatsache, dass Menschen sich manchmal unwohl fühlen und sich problematisch verhalten erscheint wohl nach der Sozialisation als klinischer Psychologe als ein hochkomplexes Netzwerk aus Theorien…“ 🙂

        oder

        „Psychologen reden über das, was jeder weiß, in einer Sprache, die keiner versteht.“

        Intersektionalitätstheorien haben den Anspruch ein analytisches Werkzeug bereitzustellen, dass für die wissenschaftliche Analyse eines Teilaspektes der sozialen Wirklichkeit geeignet sei, nämlich soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu erforschen und zu analysieren (und dabei auch die Möglichkeit des Ineinandergreifens mehrerer Formen von Diskriminierung zu berücksichtigen).

        Dass die Grundidee, dass Menschen nicht ausschließlich privilegiert oder ausschließlich diskriminiert werden, banal ist, (so banal wie die Grundidee, dass Menschen sich manchmal unwohl fühlen oder problematisch verhalten), ändert ja nichts daran, dass wir es mit einer komplexexen sozialen Wirklichkeit zu tun haben, in der Phänomene sozialer Ungerechtigkeit und Diskriminierung real vorhanden sind bzw. sein können und es daher legitime Aufgabe der Sozialwissenschaften ist, diese zu erforschen.

        Die Frage lautet hier also: Taugen die feministischen Intersektionalitätstheorien für dieses Anliegen?
        Und diesbezüglich kamen Christian und ich in unserer Diskussion (in der es insbesondere um die Relevanz von Intersektionalitätstheorien für die Einbeziehung männlicher Diskriminierungen ging) zu dem Ergebnis: In ihrer gegenwärtigen Form taugen Intersektionalitätstheorien, wie sie aktuell im vorherrschenden Feminismus verwendet werden, sicher nicht für ernsthafte wissenschaftliche Diskriminierungsforschung. In abgewandelter Form allerdings vielleicht schon.

        • @Leszek

          “ In abgewandelter Form allerdings vielleicht schon.“

          Wie siehst du denn die Bereitschaft zu einer „abgewandelten Form“ (die ja letztendlich nur darin besteht, dass man die Absolutheit innerhalb einer Kategorie aufgibt)?
          Teilst du meine Ansicht, dass das dem Feminismus erhebliche Probleme bringen würde, weil sie plötzlich Männeranliegen wesentlich ernster nehmen müssten? (und auch im übrigen: SChwarze könnten plötzlich in einigen Bereichen privilegiert sein etc)

        • Eine ernst zu nehmende Intersektionalitätstheorie wäre hochkomplex, da Privilegien und Diskriminierungen ja immer an einem Maßstab gemessen werden müssen.

          „Heterosexuelle Männer sind gegenüber schwulen Männern privilegiert“. Eine solche These ist m. E. nicht zielführend, weil sie verschweigt, von welchem Bereich von Privilegien man redet.

        • @ Christian

          „Wie siehst du denn die Bereitschaft zu einer abgewandelten “abgewandelte Form” (die ja letztendlich nur darin besteht, dass man die Absolutheit innerhalb einer Kategorie aufgibt)?“

          Bereitschaft zur Veränderung im (vulgär)-poststrukturalistischen Gender/Queer-Feminismus? Sehe ich leider nicht.

          „Teilst du meine Ansicht, dass das dem Feminismus erhebliche Probleme bringen würde, weil sie plötzlich Männeranliegen wesentlich ernster nehmen müssten? (und auch im übrigen: SChwarze könnten plötzlich in einigen Bereichen privilegiert sein etc)“

          Es würde zum theoretischen Zusammenbruch des ideologischen PC-Paradigmas führen, auf dem der gegenwärtige Gender-Feminismus beruht.

          • @Leszek

            „Es würde zum theoretischen Zusammenbruch des ideologischen PC-Paradigmas führen, auf dem der gegenwärtige Gender-Feminismus beruht.“

            Dann bleibt die Frage, ob man etwas, was so fundamental auf das PC-Paradigma ausgerichtet ist, überhaupt großartig abwandeln muss bzw. ob nach einer Abwandlung noch viel davon übrig bleibt.

            Welche Elemente siehst du denn als gut geeignet für eine Modifizierung an?

        • @ leszek

          „Intersektionalitätstheorien haben den Anspruch ein analytisches Werkzeug bereitzustellen, dass für die wissenschaftliche Analyse eines Teilaspektes der sozialen Wirklichkeit geeignet sei, nämlich soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu erforschen und zu analysieren (und dabei auch die Möglichkeit des Ineinandergreifens mehrerer Formen von Diskriminierung zu berücksichtigen).“

          Sag mal, bekommst Du bei diesem Sprachstil nicht selber mitunter ein komisches Gefühl? Man könnte doch wenigstens das Aufgeblasene der Aussage etwas liebevoller verpacken?

          „Diskriminierung“ ist für einen typischen deutschen Sozialwissenschaftler, wie ein schon etwas käsiger Nylonstrumpf für den Fußfetischisten: der lustvolle Kern des Daseins, um den sich alles dreht.

        • „Wie siehst du denn die Bereitschaft zu einer “abgewandelten Form” (die ja letztendlich nur darin besteht, dass man die Absolutheit innerhalb einer Kategorie aufgibt)?“

          Natürlich firmiert unter dem Label der Intersektionalität keine faktische Diskriminierungsforschung.

          Es ist eine weitere Form feministischer Theoriebildungen, die unter dem Vorwand der Diskriminierung der Gruppe Frau in toto für diese weitere Privilegien zu generieren versucht.

          Es verhält sich ähnlich wie mit dem Genderismus, dessen Anwendung in dem Moment limitiert wurde, in welchem klassische Frauenförderung hätte zur Disposition gestellt werden müssen.

        • @ Christian

          „Dann bleibt die Frage, ob man etwas, was so fundamental auf das PC-Paradigma ausgerichtet ist, überhaupt großartig abwandeln muss bzw. ob nach einer Abwandlung noch viel davon übrig bleibt.“

          Um bei meinem obigen etwas flapsigen Vergleich mit der Klinischen Psychologie zu bleiben: die Analyse von Mehrfachdiskriminierung im Kontext einer sozialwissenschaftlichen Anti-Diskriminierungsforschung ist ja quasi sowas wie ein Äquivalent zur Erforschung von Komorbiditäten innerhalb der Klinischen Psychologie:

          http://de.wikipedia.org/wiki/Komorbidit%C3%A4t

          Das Vorhandensein von Mehrfachdiskrimierung ist ja nun mal möglich und daher muss dieses Phänomen auch irgendwie im Kontext einer sozialwissenschaftlichen Anti-Diskriminierungsforschung erforscht und konzeptualisiert werden. Es wird in dieser Hinsicht also wahrscheinlich immer irgendwelche theoretische Konzepte/Modelle geben, mit denen dies versucht wird. Das scheint mir relativ unvermeidbar.

          Die feministischen Intersektionalitätstheorien sind offensichtlich wissenschaftlich in ihrer aktuellen Form nicht brauchbar, weil pc-verseucht und ideologisch (Ausblendung männlicher Diskriminierungen, PC-Feindbild: weißer, heterosexueller Mann usw.)

          Will man berechtigte männerrechtliche Anliegen in die Anti-Diskriminierungsforschung (bzw. allgemein in die akademischen Diskurse) hineinbringen, dann wird man vermutlich nicht drumherum kommen, sich Gedanken darüber zu machen, wie die aktuellen unzulänglichen Intersektionalitätstheorien so modifzifiert werden können, das sie für eine realtätsgerechte Erforschung und Analyse realer Diskriminierungen (die auch männliche Diskriminierungen berücksichtigt und keine neuen Feindbilder und Ausschlüsse produziert) tauglich werden.

          Eine Intersektionalitätstheorie jenseits des PC-Paradigmas wäre also vermutlich durchaus sinnvoll.

          „Welche Elemente siehst du denn als gut geeignet für eine Modifizierung an?“

          Ich habe noch kein kohärentes alternatives Modell entwickelt.
          Neben der bereits erwähnten Aufhebung der Absolutheit der einzelnen Kategorien wäre vermutlich auch noch eine weit größere Kontextspezifität nötig sowie eine stärkere Berücksichtigung sozialer Wandlungsprozesse in Bezug auf die zu erforschenden Phänomene.

        • @Leszek:

          Du hast mich falsch verstanden. Ich kritisiere doch nicht den Gebrauch von Fachsprache oder stelle die Brauchbarkeit soziologischer Modelle in Frage.

          Ich stoße mich vor allem an dem Begriff …theorien.

          Worin genau besteht denn hier die Theorie(n)? Welche falsifizierbaren Vorhersagen lassen sich aus ihr/ihnen ableiten? Inwiefern gibt es hier konkurrierende Ansätze, die sich differenzieren lassen?

          Der Vergleich mit der Komorbiditätsforschung ist ja ganz nett, auch da müssen Prävalenzen und Interaktionen deskriptiv erforscht werden. Aber ich habe noch nie von „Komorbiditätstheorien“ gehört (wobei, man könnte dies als Teilgebiet der Klassifikation und Differenzialdiagnostik betrachten). Die Zeiten des Schichtenmodells sind lange vorbei und einen wissenschaftlichen Diskurs darüber, OB psychische Erkrankungen komorbid vorliegen können, braucht heute kein Mensch mehr. Darüber könnte ich auch nur lächeln.

          Bei einzelnen Störungen ist es ja durchaus interessant, ob diese sich nosologisch ausschließen, hier wäre der Begriff vielleicht brauchbar.

          Im Falle von Intersektionalität ist für mich unstrittig, dass jegliche Form der Diskriminierung theoretisch auftreten kann, dazu brauche ich keine Theorie.

          Der Begriff Intersektionalitätsforschung ergibt für mich Sinn, z.B. nach obiger Definition:

          Das neue Erkenntnisinteresse in der Intersektionalitätsforschung gilt den Verflechtungszusammenhängen, welche sich durch das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen ergeben

        • @ david

          Der Begriff „Intersektionalitätstheorien“ – durchaus im Plural- taucht in der Fachliteratur zum Thema immer wieder auf:

          https://www.google.de/#q=intersektionalit%C3%A4tstheorien

          Dabei geht es nicht um die Frage, ob Mehrfachdiskriminierung überhaupt möglich ist, das bestreitet niemand, sondern welche Strukturkategorien (Gender, Race, Class etc.) wichtig sind und einbezogen werden sollten, wie viele und warum, welche wichtigen Zusammenhänge zwischen den ausgewählten Strukturkategorien und z.B. Teilsystemen der Gesellschaft, Sozialstrukturen, symbolischen Repräsentationen und Identitätskonstruktionen bestehen, welche sozialen Praxen und Diskurse diesen Zusammenhängen zugrundeliegen und welche Wechselwirkungen in Bezug auf die Strukturkategorien sich daraus ergeben.

          Wie man sich leicht vorstellen kann, kann es hier innerhalb des Feldes der Intersektionalitätsforschung zu Unterschieden kommen, je nachdem welche und wieviele Strukturkategorien (Gender, Race etc.) einbezogen werden, welche Aspekte der sozialen Wirklichkeit berücksichtigt werden (z.B. Sozialstrukturen, symbolische Repräsentationen etc.) und welche Wechselwirkungen sich daraus ergeben.

          Und dies wird manchmal mit dem Begriff „Intersektionalitätstheorien“ bezeichnet und darüber werden innerhalb dieses Feldes theoretische Debatten geführt.

        • @Leszek: Okay, jetzt wird es etwas klarer. Ich hätte natürlich auch mal den Wiki-Artikel lesen können bevor ich meckere;-)

          Trotzdem hab ich damit noch so meine Probleme (aber genau di hast du ja anscheinend selbst), weil es eben für mich politische Theorien/Überlegungen zu sein scheinen und nicht empirisch überprüfbare Theorien.

    • @ ratloser

      „Die Sprache erinnert mich an eine Mischung aus Alice in wonderland und Verlautbarungen des Zentrakomitees der KPdSU.“

      Sagt der, der hier ständig im Psychoanalytiker-Jargon daherschwätzt.

  2. Intersektionalität/Diversity/Heterogenität:

    Intersektionalität kann keinen Alleinvertretungsanspruch für sich deklarieren, wenn es um die Analyse von Wechselbeziehungen sozialer Kategorien geht.

    Im Gegensatz zu Begriffen wie Diversity oder Heterogenität ist Intersektionalität allerdings weniger deutungsoffen angelegt, denn das Paradigma bezieht sich ausschließlich auf die Analyse von sozialen Ungleichheiten bzw. Machtverhältnissen.

    Damit sind Differenzkategorien wie z.B. Leistungsheterogenität oder Fachkompetenz als Diversity-Merkmal kein Gegenstand von intersektionalen Analysen.
    Das Forschungsfeld bzw. der gemeinsame Gegenstand von Intersektionalität sind vielmehr Macht-, Herrschafts- und Normierungsverhältnisse, die soziale Strukturen, Praktiken und Identitäten reproduzieren.

  3. Die Grafik ist ein Hammer:
    sehe ich das richtig, dass ein asiatischer Geschäftsmann es mehr als doppelt so schwer wie ein Obdachloser hat, whow.
    Der Asiatische Geschäftsmann wird 60 mal mehr benachteiligt als ein 500 kg Mensch.
    Der schwarze, schwule, blinde, transsexuelle, obdachlose Asiate der Royal Flush der Jammerolympiade ist (-100-150-750-500-250-600=-2350).

    Ich bin 25+25+20+20+25+0+0+25+10+10+5=+165 Mist

  4. „Des weiteren hat man so ganz einfache Regeln, wer der Feind und wer der Freund ist, wer böse ist, und wer gut ist.“

    Genau, und diese Regeln verstehen sich dermaßen von selbst, dass man grundsätzlich nicht mehr darüber diskutieren muss.

    Dabei sind sie völlig willkürlioch, offenbar nach dem persönlichen Geschmack der Autoren ausgewählt. Warum sollten Holländer privilegierter sein als Deutsche? Afrikaner weniger als Menschen aus dem mittleren Osten? Hässliche mehr als Dicke? Juden weniger als alle anderen? Blanke Willkür!

    Man muss das direkt angehen und kritisieren. Wann ist eine Ungleichbehandlung von Menschen als Diskriminierung zu betrachten? Ist es moralisch geboten, ungleiches gleich zu behandeln? Wenn ja, warum?
    Das wird fast nie thematisiert, und zwar mit Absicht.

    Das ständige implizite Behaupten der eigenen Position als die moralische höhere, nach der sich alle zu richten haben, muss durchbrochen werden.

    • „Dabei sind sie völlig willkürlioch, offenbar nach dem persönlichen Geschmack der Autoren ausgewählt.“

      Es sind soziologische Spielereien, über die man sich habilitieren kann, sprich Karriere machen kann.

      Absurd wird das Ganze, wenn man das Ausmaß der Diskriminierung /Privilegierung durch (addierbare) Zahlenwerte quantifizieren möchte

  5. Nicht zu vergessen der Ölscheich aus Saudiarabien (Mittlerer Osten, Muslime, mehr als 1 Mrd. Dollar). Der ist mit -600 eine ganz schön ärme Wurst.

    • Stimmt da ist ja der weiße25, männliche25 hetero20, cis20, nicht behinerdet25 christliche5 norwegeischer 25 aushilfskelner0 zwar arm -25 und klein-10 und übergewichtig -10 aber deutlich priviligerter 100

  6. Es gibt eine viel einfachere Metrik des Privilegs: Wieviel Geld ist jemand zu zahlen bereit um nichts mit der anderen Gruppe zu tun haben zu wollen.

  7. OT.

    KACHELMANN II

    Jetzt trifft es KARL DALL

    Vorwurf der Vergewaltigung!

    Bei diesen Vorwürfen dürfte Karl Dall das Lachen vergangen sein. Eine Schweizer Journalistin behauptet, der Komiker habe sie vergewaltigt. Vorübergehend saß der Entertainer sogar in Untersuchungshaft.

    Auf seiner Tour lässt sich Karl Dall (72) nichts anmerken. Doch bei den schweren Vorwürfen, denen sich der Komiker jetzt stellen muss, könnte der Spaß schon bald vorbei sein. Wie die Staatsanwaltschaft Zürich jetzt gegenüber der „Bild“-Zeitung bestätigte, wird seit drei Wochen gegen den Entertainer ermittelt. Der schwere Vorwurf: Vergewaltigung

    Anfang September soll sich der 72-Jährige nach einem Auftritt in Zürich mit einer schweizer Journalistin getroffen haben. Nach der Aufzeichnung der TV-Talkshow „Aeschbacher“ soll er die 43-Jährige in einem Hotelzimmer vergewaltigt haben, sagt das mutmaßliche Opfer. Dall bestreitet die Vorwürfe entschieden, doch die Staatsanwaltschaft nimmt die Behauptungen der Frau offenbar Ernst.

    Nach einem Auftritt Anfang November im schweizerischen St. Gallen wird Dall verhaftet. Im Untersuchungsgefängnis Zürich wird der Komiker laut „Bild“-Angaben erkennungsdienstlich behandelt. Beim Verhör am folgenden Morgen bestreitet er die Vorwürfe, die das mutmaßliche Opfer erst zwei Monate nach dem angeblichen Übergriff erstattet hat. Vier Tage später wird Dall aus der Untersuchungshaft entlassen.

    In einer Erklärung schildert Dall seine Sicht der Dinge: „Liebe Freunde und Nachbarn, mein Name taucht zurzeit mit einem schlimmen Vergewaltigungvorwurf in den Medien auf. Dazu habe ich Folgendes zu vermelden: Eine freie schweizer Journalistin versuchte, einen beruflichen Kontakt mit mir zu benutzen, sich in mein Leben einzuschleichen und finanzielle Vorteile daraus zu erlangen.“

    Weiter erklärt er, „zu diesem Zweck traf sie sich mit mir am 5. September in Zürich. Als ihr Vorhaben scheiterte, erhob sie den Vorwurf einer Vergewaltigung. Sie begann, mich und meine Familie zu belästigen und finanzielle Forderungen zu stellen. Nach einigen Wochen erstattete sie bei der Polizei Anzeige. Ihre Aussagen sind in widersprüchlicher Manier gestrickt.“
    Den Grund für die Vorwürfe glaubt der 72-Jährige zu kennen: „Das angebliche Opfer steckt offenkundig in erheblichen persönlichen, psychischen wie finanziellen Schwierigkeiten. Die Person hat nach eigenen Angaben Schulden in Höhe von 30.000 Franken, hat sich wegen ihrer Spielsucht bei den Schweizer Casinos sperren lassen und hat jahrelang einen anderen Prominenten ´terrormäßig´ gestalkt. Dieser Prominente bezeichnet die Attacke dieser Frau als die schlimmste seines Lebens.“

    Von den Anschuldigungen zeigt er sich schwer getroffen: „Ich bin zutiefst traurig über diese Ereignisse und fühle mich in meinem Zutrauen missbraucht. Möge dieser Albtraum möglichst bald vorüber sein.“

  8. Also drübern bei erzählmirnix hab ich mich noch gefragt, Intersektionalitätstheorien – was ist das denn, und warum macht Leszek da so ein riesen Faß auf? Und hier stellt sich jetzt raus, das ist ja völlig triviales Geplapper. Reine Zeitverschwendung, dem tiefer nachgehen zu wollen. Um sich so einen Mist auszudenken, braucht es 40 Jahre dritte Welle?

  9. „Da Das Geschlecht, welches privilegiert ist, seine Privilegien hinterfragen muss und diese abstellen muss, hätten Männer plötzlich eine sehr starke Position.“

    Was ich mich schon länger frage, ist: Wie muss man eigentlich psychisch gestrickt sein, um auf diesen Zug aufzuspringen?
    Oder, etwas genauer: unkritisch aufzuspringen?

    Nehmen wir mal ein Beispiel: In der Grafik wird ja auch die Profession bei den Privilegien quantifiziert.
    Wenn sich jemand auf einem Gebiet einen Expertenstatus erarbeitet hat, bekommt er dadurch gewisse Privilegien. Er wird öfter befragt, fällt u.U. abschließende Entscheidungen etc.

    Warum sollte so jemand überhaupt auf die Idee kommen, er müsste/sollte seine Privilegien abstellen? Er würde damit ja gegen seine eigenen Interessen handeln.

    Was soll ihn dazu motivieren? Damit bestimmte Leute ihn dann toll finden? (Tun sie ja noch nicht mal, er soll dann auf seinem Büßertrip ja zur nächsten Baustelle wandern und weiter nach anderen Privilegien suchen, um auch die abzustellen ad infinitum.)

    Anders gefragt: Setzt diese eindimensionale, rein negative Sicht auf Privilegien, die anscheinend keine Differenz zwischen positiven und unfairen Privilegien kennt, nicht extrem labile Subjekte voraus, die alles tun, ja selbst gegen ihre eigenen Interessen handeln, nur um die Anerkennung als „moralisch guter Mensch“ durch eine bestimmte Gruppe zu kriegen?

    Ein „normaler“ Mensch würde in meinem Beispiel sagen „ja, dieses Privileg habe ich mir erarbeitet, und statt zu jammern, könntest du dich auf den Hosenboden setzen und dir auch etwas erarbeiten.“
    Und so eine Antwort schließt auch nicht aus, sich für Chancengleichheit einzusetzen, wenn die nötigen Bildungsvoraussetzungen beim Gegenüber fehlen.

    • @seitenblick

      Ein “normaler” Mensch würde in meinem Beispiel sagen “ja, dieses Privileg habe ich mir erarbeitet, und statt zu jammern, könntest du dich auf den Hosenboden setzen und dir auch etwas erarbeiten.”

      Die Kategorien, anhand derer Privilegien beurteilt werden, sind die 70ger Jahre Wertungen der Alternativszene.

      Nehmen wir die berufliche Qualifikation. Es gab „gute“ sich auf der Höhe der Zeit befindende Studiengänge, eher „links“ verortet, wie z. B. Soziologie, Psychologie, Politologie, Philosophie, also eher aus dem Bereich der Geistes-und Sozialwissenschaften, andererseits Medizin, Jura, Wirtschaft, abgeschwächt auch Technikwissenschaften, die eher als „rechts“, zumindestens nicht als „progressiv“ im Sinne von gesellschaftsverändernd gesehen wurden.

      Genau dieses sind heute die Beurteilungsgrundlagen für die Zuschreibung von Privilegien (als Beispiel)

      Bezogen auf dein Beispiel ist es somit natürlich die theoretische Untermauerung eines Kategoriensystems der Leistungsnivellierung, der Leistungsdemotivierung, die ja eigenlich der gesamten linken Gesellschaftstheorie als „Gleichmacherei“ (cum grano salis) zugrunde liegt.

    • “ja, dieses Privileg habe ich mir erarbeitet, und statt zu jammern, könntest du dich auf den Hosenboden setzen und dir auch etwas erarbeiten.”

      Also das kanst Du jetzt wirklich nicht verlangen, dass jemand hinsitzt, lernt und arbeitet.
      Es ist doch voll diskriminierend, das jemand, der sein Recht auf freie Gestaltung seiner Persönlichkeit wahrnimmt so fies ausgeschlossen wird.

      Am Ende bist Du auch noch der Meinung, dass nicht Alle gleich sind, und gar unterschiedliche Fähigkeiten haben.

  10. „Wenn Sie diesen Fragebogen am Freitag- oder Samstagabend bearbeiten, addieren Sie -15 Punkte.
    Addieren Sie alle Ihre Punkte. Können Sie nicht addieren, dann addieren Sie -30.“

    Ich lach mich tot!

    Christian, das ist geil, wo hast Du das her? Darf man das kopieren?

    Grüßle, Radfahrer

  11. „ob es im Rassismus ein Gegenstück zum wohlwollenden Sexismus gibt würde mich interessieren: “

    Gibt es. Historisch der „schöne Wilde“ (Indianer…), aktuell die „in Harmonie mit der Natur lebenden Naturvölker“, die vielfach als „bessere Menschen“ imaginiert werden.

  12. @seitenblick

    Ein “normaler” Mensch würde in meinem Beispiel sagen “ja, dieses Privileg habe ich mir erarbeitet, und statt zu jammern, könntest du dich auf den Hosenboden setzen und dir auch etwas erarbeiten.”

    Die Kategorien, anhand derer Privilegien beurteilt werden, sind die 70ger Jahre Wertungen der Alternativszene.

    Nehmen wir die berufliche Qualifikation. Es gab „gute“ sich auf der Höhe der Zeit befindende Studiengänge, eher „links“ verortet, wie z. B. Soziologie, Psychologie, Politologie, Philosophie, also eher aus dem Bereich der Geistes-und Sozialwissenschaften, andererseits Medizin, Jura, Wirtschaft, abgeschwächt auch Technikwissenschaften, die eher als „rechts“, zumindestens nicht als „progressiv“ im Sinne von gesellschaftsverändernd gesehen wurden.

    Genau dieses sind heute die Beurteilungsgrundlagen für die Zuschreibung von Privilegien (als Beispiel)

    Bezogen auf dein Beispiel ist es somit natürlich die theoretische Untermauerung eines Kategoriensystems der Leistungsnivellierung, der Leistungsdemotivierung, die ja eigenlich der gesamten linken Gesellschaftstheorie als „Gleichmacherei“ (cum grano salis) zugrunde liegt.

  13. Das ist kompletter Schwachsinn. Wieso wird das gelehrt? Wieso lernt das jemand? Wieso spricht man darüber?

    Hier meine Herausforderung an alle „Gläubigen.I.nen“. Ich behauptet, dass die Aussage:

    *Oberste Form der Privilegierung ist natürlich der weiße, heterosexuelle Mann, in der Steigerungsform des Nichtbehinderten.*

    Schwachsinn ist und fordere jeden Gläubigen auf mich zu widerlegen. Als Preis lobe ich einen Kotau aus. Falls andere Preise gewünscht sind, darf ich jetzt schon meine Verhandlungsbereitschaft signalisieren. Wer traut sich?

      • „Der übliche Beweis ist ja, dass diese Gruppe nahezu alle Machtpositionen inne hat und die Leute stellt, die am meisten verdient etc“

        Diese bedeutet ja, dass ein weisser heterosexueller Obdachloser oder ein weisser heterosexueller Häftling im Vergleich zu OBAMA oder MERKEL sich seiner Privelegien bewusst werden sollte .

        Welche Privilegien? zu erfrieren oder im Knast zusammengeschlagen zu werden/erniedrigt zu werden

        ABSURD !!!!!!

    • Berücksichtigt man allen klassischen soziologischen Parameter (Warenkorb, Gesundheit, Lebenserwartung, Bildung, Kriminalität) ist die weiße heterosexuelle Frau die privilegierteste Menschengruppe.

      • „ist die weiße heterosexuelle Frau die privilegierteste Menschengruppe.“

        Aber auch nur im Schnitt mit sehr starken individuellen Abweichungen nach unten !!
        Zeigt natürlich die Schwäche einer gruppenbezogenen Betrachtung

  14. @christian, bist Du nun ein Ally? Nimmst Du die Herausforderung an?

    Wie ich schon sagte, dass erscheint mir derart idiotisch zu sein, dass ich mich darüber nicht unterhalten möchte. Wenn sich mir die Gelegenheit böte, eine Gläubige(r) argumentativ zu zerlegen, hätte es zumindest einen gewissen Unterhaltungswert und ich hätte etwas für mein Karma getan.

  15. Der ganze Intersektionalismus wird mit den vielen Überschneidungen rasch ein wenig unübersichtlich, wenn ich GERECHT sein will. Bei all den vielen zusammenwirkenden Benachteiligungen.

    Wer dieses komplexe Netz der mannigfaltigen Benachteiligungen, der realen und der eingebildeten, die nur bestehen, weil man die eigene Unfähigkeit, Faulheit, Dummheit, Antriebslosigkeit als Fremdverschulden „verarbeitet“, zerreißen und UMFASSEND gleichstellen will, landet zwangsläufig in einem totalitär-autoritären Staat, der die Freiheit zugunsten der Gleichheit aller abschaffen muss.

    Deshalb muss ich ein gerüttelt Maß an Ungleichheit zulassen, um ein gerüttelt Maß an Freiheit zu bewahren und hoffen, dass Brüderlichkeit dafür sorgt, dass die Benachteiligten nicht in’s Bodenlose fallen gelassen werden.

    Eine Hoffnung, die umso berechtigter ist, je mehr Überfluss eine Gesellschaft erwirtschaftet.

    Beim Erwirtschaften von Überfluss helfen wiederum Ungleichheit und Freiheit.

    Sie motivieren und erleichtern so das Sich-Leisten von Brüderlichkeit.

    Ist eigentlich altbekannt.

    Schon vor 400 Jahren hat das Blaise Pascal formuliert, natürlich, ein weißer, heterosexueller, privilegierter weißer Mann, muss man als gar nicht hinhören (außerdem noch katholisch und ein Gottsucher von Rang, also ein Doppelvolldepp und intersekitonal tripleminusungut):

    „L’homme n’est ni ange ni bête, et le malheur veut que qui veut faire l’ange fait la bête.“

    Intersektionalismus unterfüttert nur den Herrschafts-, Ausbeutungs-, Versorgungsanspruch, den Egoismus der Unfähigen, der „Misfits“, die von den Fähigen und Fitten anstrengungsloser nehmen wollen, ohne Gegenleistung, mit „GERECHTIGKEIT“.

    Wenn diese Gerechtigkeitsfanatiker noch mehr Macht erlangen, Menschen zu selbstlosen Engeln gleichzustellen, wird die Zahl der Bestien wachsen.

    Und die Armut, die Ungleichheit, die Gewaltneigung.

    Die Pforten der Hölle werden sich öffnen.

    • @ roslin

      Mir fällt zum Thema der hier ein:

      „Les hommes sont si nécessairement fous, que ce serait être fou par un autre tour de folie de n’être pas fou.“

      • @ ratloser

        Mit anderen Worten: „Die Lage ist hoffnungslos, aber NOCH nicht ernst!“

        Bin mir aber sicher, dass sie wieder ernst werden wird.

        Habe gerade eine Sendung über neuveröffentlichte soziologische Bücher gehört (Deutschlandradio Kultur).

        In jedem 3. Satz (na, vielleicht in jedem 10. kam KAPITALISMUSKRITIK vor).

        Nichts gegen Kapitalismuskritik, aber mir fehtl ein ganz klein wenig das LOB des Kapitalismus, der es immerhin fertiggebracht hat, die wohlhabendsten Gesellschaften der Welt hervorzubringen, die mit dem wenigsten Elend, der höchsten Lebenserwartung usw.

        Mit fehlt ein ganz klein wenig die Ausgewogenheit, wenn ich mir hier anhören muss, wie hier ein gefühls – oder realsozialistische Mandarinkaste, bestens versorgt vom im Kapitalismus lebenden und wirtschaftenden Steueruntertanen Kapitalismuskritik übrig und ein ums andere Mal durchschimmert, dass man doch bitte, BITTE nach einer sozialistischen Alternative suchen müsse, damit endlich, ENDLICH alles gut würde.

        Absurder geht es kaum noch.

        Auf den größten Killing Fields der Weltgeschichte kann ich das Schild aufstellen: „WIR WURDEN ERMORDET FÜR DEN AUFBAU DES SOZILISMUS!“

        Und noch immer dient man uns diese ranzige, mörderische Ideologie als Problemlöser an, alternativlos in der geistigen Landschaft unserer Academia.

        Oder sollte es sie geben, die Lobredner des Kapiitalismus in der Soziologie und sie finden nur nicht den Weg an die Öffentlichkeit, weil die Chinesische Mauer der rot-grünen Sympathisanten in den Müllstrommedien (ja, auch das Deutschlandradio gehört längst dazu!) sie nicht an die Mikrofone lässt.

        Diese Art linker „Pluralismus“ widert mich nur noch an.

        Eine Kamarilla geistiger Vormünder maßt sich an, das Maß ihrer Beschränktheit zum Maßstab für den Rest der Gesellschaft zu machen, garniert die eigene Borniertheit auch noch mit der tiefen Überzeugung, dem besseren Menschsein zu dienen, dessen Teil man als Gutmensch selbstverständlich schon sei im Gegensatz zu den egoistisch Verblödeten, die immer noch nicht erkennen wollen, dass das Heil nur im SOZIALISMUS liegt, dem wahren selbstverständlich, dem, den es noch nie gegeben hat, den ich nirgendwo besichtigen kann, weil es ihn nirgendwo gibt.

        Ein Wahn.

        • Korrektur:

          Mit fehlt ein ganz klein wenig die Ausgewogenheit, wenn ich mir anhören muss, wie hier eine gefühls – oder realsozialistische Mandarinkaste, bestens versorgt vom im Kapitalismus lebenden und wirtschaftenden Steueruntertanen Kapitalismuskritik übt und ein ums andere Mal durchschimmern lässt, dass man doch bitte, BITTE nach einer sozialistischen Alternative suchen müsse, damit endlich, ENDLICH alles gut würde.

  16. Wo hast du diesen Priviliegienkatalog denn her? Es gibt hoffentlich nicht irgendwo irgendwelche „Wissenschaftler“, die anhand dieser willkürlichen Punkteverteilung die Priviliegien von Personen festlegen, wozu das auch immer nutzlich sein soll.

  17. Eigenartig auch dass immer nur die Mehrfachdiskriminierungen bzw. -privilegierungen in den Blick geraten. Den Fall, dass jemand privilegiert in Bezug auf A und diskriminiert in Bezug auf B ist, finde ich viel interessanter.

    Z.B. könnte ich mir vorstellen, dass so mache Gender-Professorin eine türkische oder polnische Putzfrau hat, die ihr die Hausarbeit vom Leibe hält.
    Man denke auch an den muslimischen Migranten, der vielleicht bei der Arbeits- oder Wohnungssuche gegenüber Deutschen diskriminiert wird, aber den frauenin seiner Familie gegenüber Priviliegien hat, die deutsche Männer normalerweise nicht genießen.

  18. Sicher, dass das ernst gemeint ist?

    Ich meine „add this up, if you can’t, add -30“ ist ja kaum eine echte Anweisung.

    Weiter kommt es mir komisch vor, dass laut dem Test Juden per se Priviligiert sind (+25), und die Bezeichnungen genutzt werden, die teils nicht mal mehr von Konservativen genutzt werden („Retarded“ z.B, das heist doch „special“).

    Und das „If you are doing this on a friday or saterdy night“, inklusive des Schreibfehlers wirkt auch nicht gerade ernst.

    Mich würde es nicht wundern, wenn das eine Parodie ist.

    • @Keppla
      „Mich würde es nicht wundern, wenn das eine Parodie ist.“

      Yep. Dieses „If yo are doing this on a Friday or a Saterday night, add -15“
      sowie das „Add it up if you can’t add -30“
      legen in der Tat nahe, dass wir es hier nicht mit der völlig ernst gemeinten Erst-Version zu tun haben.

      Sollte man bei der Detaildiskussion berücksichtigen 😉

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