Frauenquote und Costly Signaling Theorie

Die Frauenquote ist nach wie vor im Gespräch. Es sind allerdings nicht alle Frauen dafür, wie man gerade einem Artikel in der Süddeutschen entnehmen kann

Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler hält dagegen nichts von der Frauenquote. Starke Frauen würden es auch so nach oben schaffen, glaubt sie. Auch Microsoft-Managerin Gifford ist stolz darauf, es ohne Quote geschafft zu haben. Man brauche eben viel Ehrgeiz, Durchsetzungskraft und Managementtalent – egal, ob Frau oder Mann.

Bedenkt man, dass eine Managerposition auch immer mit Status verbunden ist (was ja letztendlich der Grund dafür ist, dass Frauenquoten in diesem Bereich, aber nicht in der Müllabfuhr gefordert werden) wird deutlich, warum Frauen, die bereits oben sind oder meinen ohnehin nach oben zu kommen, Vorbehalte gegen die Quote haben.

Damit eine Position Status verleihen kann muss sie etwas besonderes sein, was nicht jeder bekommen kann und was demnach einen „hohen Preis“ abfordert. Dieser Preis wird bei einer Karriere mit harter Arbeit, einer guten Ausbildung, letztendlich also mit dem Vorweisen klassischer Fitnessindikatoren gezahlt. Aus evolutionärer Sicht könnte auf dem Abschlusszeugnis  einer Elite-Uni auch nur stehen „Hiermit bescheinige ich dir gute Gene und generelle Fitness“. Karriere ist insoweit ein Fitness Indicator der gemäß der Costly Signalling Theorie um so besser ist, um so schwerer er zu fälschen ist.

Auch im Karrierebereich sind natürlich viele „Fälschungsmöglichkeiten“ vorhanden. Reiche Eltern mit Beziehungen werden beispielsweise die Karriere stark vereinfachen (sind aber indirekt selbst wieder Fitness Indikatoren).

Ebenfalls eine Verminderung der Kosten der Karriere (zumindest in der Wahrnehmung) bewirkt die Frauenquote. Sie erlaubt den Einwand, dass man nicht aufgrund seiner Leistungen, sondern lediglich aufgrund der Quote befördert wurde. Damit können Leistungen negiert und das erreichte Ziel entwertet werden.

Beides ist aus Sicht einer Frau, die meint, dass sie keine Unterstützung durch die Quote braucht ein Problem, da der Wert ihrer Leistung sinkt.

Von feministischer Seite mag nun der Einwand kommen, dass auch Männer die Kosten der Karriere senken, schließlich sind sie privilegiert. Das einmal unterstellt (tatsächlich dürften andere Faktoren wesentlich mehr zum Gehaltsunterschied beitragen) wäre zunächst die Frage, ob dieses Privileg als innewohnende Eigenschaft der Männer nicht selbst eher als Costly Signal (entweder du bist Mann oder du bist es nicht) Fitness ausdrückt und der Privilegienbegriff  genau das Gegenteil von dem bewirkt, was er bewirken soll, nämlich eine Marke schaffen, die für höhere Qualität steht.

Die zweite Betrachtung wäre dann das der einzelne Mann nicht an die Spitze kommt, weil er ein Mann ist, sondern weil er sich gegen die anderen privilegierten Männer durchgesetzt hat. Da Privileg keine Maßnahme von außen ist, die den Auswahlprozess steuert, sondern eine ihm innewohnende Eigenschaft, würde ein wie auch immer gearteter Privilegienvorteil weit weniger wahrgenommen werden. Eine Frau mit Frauenquote hätte sich allerdings zwar gegen die anderen Frauen durchgesetzt, weil sie besser ist, nicht aber gegen die anderen Männer, sonst bräuchte es das künstliche Mittel der Frauenquote nicht. Die Frauenquote wird direkter als Mittel der Steuerung wahrgenommen, weil wesentlich offensichtlicher und nachweisbarer ist.

3 Gedanken zu “Frauenquote und Costly Signaling Theorie

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