Warum der intersektionale Feminismus niemals eine Diskriminierung von Männern anerkennen wird

Um zu verstehen, warum der intersektionale Feminismus so vehement daran festhält, in allen Punkten, in denen es um Kategorien der Unterdrückung geht, zwei streng binäre Gruppen zu bilden, von denen eine Privilegien aufgrund von struktureller Macht hat und die andere diese vorenthalten werden, sie also unterdrückt werden muss man sich bewusst machen, was innerhalb dieses totalitären Systems passieren würde, wenn sie von dieser binären Einteilung abweichen würden und eine differenzierte Betrachtung zulassen würden.

Ich hatte das schon einmal hier ausgeführt:

Eine Folge des Annehmens lediglich weiblicher Privilegien ist meiner Meinung nach dieser Beitrag von Franza Drechsel im Streit-Wert Blog:

Die Männerrechtler stellen eine – sicherlich nicht untypische – Gegenbewegung zu feministischen Bewegungen dar, die meines Erachtens zu beobachten, aber nicht zu ernst zu nehmen ist. (…)

Gerade dieser Punkt macht deutlich, dass (grünen) Männern oft erst noch stärker bewusst werden muss, dass sie privilegiert sind. Wie so oft in Bezug auf Diskriminierungen und Privilegierungen ist es auch hier so, dass die Diskriminierten eher als die Privilegierten die Strukturen erkennen und bekämpfen. Eine „Normalität“ zu erkennen ist schwerer, als zu erkennen, keinen Zutritt dazu zu haben.

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt. Feminist ist aber eben kein neutraler Begriff und Frauenbenachteiligung die Norm von der nicht abgewichen werden darf.

In der intersektionalen Theorie folgt daraus, dass der eine Privilegien hat und der andere unterdrückt wird einiges an Macht für den Unterdrückten:

  • Die Unterdrückung des Unterdrückten ist nur von diesem zu bestimmen, dieser ist der Einzige, der sie wirklich erfassen kann, dessen Perspektive absolut anzuerkennen ist und der eine Form der Definitonsmacht hat, was ihn genau betrifft
  • Der Privilegierte muss seine Privilegien von sich aus bekämpfen und hinterfragen. Er ist der der Böse, der dafür sorgen muss, dass seine unberechtigten Privilegien abgebaut werden.
  • Der Benachteiligte muss sich nicht erklären, er muss nicht freundlich sein, er hat das Recht ärgerlich zu sein, er muss keine Kekse dafür verteilen, dass der andere seine Privilegien abbaut, er kann das erwarten
  • Der Benachteiligte hat wenn es um Positionen geht, die seine Unterdrückung/Benachteiligung betreffen nicht die Pflicht, den anderen zu belehren, er hat aber das Recht dazu und man muss seiner Stimme Gehör verschaffen, ihm Raum geben und seinen eigenen Raum als Privilegierter nicht zu groß werden lassen.

Jetzt übertrage man das mal auf einen konkreten Fall:

Nehmen wir mal an, dass der Feminismus anerkennen würde, dass Männer in Bezug auf Umgang, Kontakt und Zeit mit Kindern benachteiligt und Frauen privilegiert wären:
Jetzt könnte bei jeder feministischen Diskussion ein „intersektionaler Feminist“ einwenden, dass hier leider die Privilegierung der Frauen in diesem Bereich nicht hinreichend berücksichtigt wird, etwa weil die Zeiten, zu denen die Diskussion stattfindet, nicht hinreichend mit den Umgangszeiten abgestimmt werden oder Protestieren, dass man Leute (=Frauen) im Raum duldet, die ihre privilegierte Stellung ausgenutzt haben und dem Vater kein Wechselmodell ermöglicht haben. Dass der Vater das in dem Fall vielleicht gar nicht wollte würde nicht ausreichen, denn das wollte er eben nur nicht, weil die Gesellschaft ihn so erzogen hat und das hat sie ausgenutzt. Man müsste diesem Mann dann zuhören, er dürfte Forderungen stellen, er dürfte die Anwesenden auffordern, auch in ihrem Leben keine „Mikroaggressionen“ gegen Väter zu starten (etwa weil eine der Frauen berichtet, dass gerade ihre Mutter die Kinder betreut) oder weil sie ihre nichtfeministischen Verwandten nicht hinreichend darüber aufgeklärt haben, dass auch sie nicht genug machen, damit Männer gleiche Zeit mit den Kindern haben. Während dieser Zeit müssten die Feministinnen verständnisvoll nicken und Besserung geloben. Allenfalls könnten sie andere intersektionale Aspekte dagegen halten, wenn ihnen das möglich ist.
Plötzlich könnten also Männer (oder Weiße, Cis-Personen, Heterosexuelle oder wer auch immer bei einer differenzierten Betrachtung „Privilegien“ hätte) ihre eigenen Regeln gegen sie verwenden und sie müssten das dulden oder sich vorhalten lassen, ihre Privilegien nicht zu reflektieren.

Es wäre damit der Zusammenbruch aller feministischen Theorien und Praktiken, die ganze Machtstruktur innerhalb dieser Gruppen (= Männer sind die Schuldigen und müssen sich auch so verhalten) wären dahin. Das klare „Freund-Feind-Schema“ wäre nicht mehr anwendbar und damit würden sich ihre totalitären Absicherungsmittel gegen sie selbst richten.

Das kann man dort niemals zulassen. Das System kann immer nur so funktionieren, dass man ganz klar auf eine Gruppe in einer Kategorie herabblicken kann und dort der „Bessere“ ist. Wenn dieser zurückschlagen kann und einem innerhalb der gleichen Kategorie selbst vorhalte machen kann, dann gerät ein System, dass auch kleinste Verfehlungen für ursächlich und vorhaltbar hält aus den Fugen.

Der intersektionale Feminismus kann und darf daher männliche Diskriminierung nie anerkennen. Sie werden daher niemals „strukturelle Nachteile“ für Männer aufgrund von Macht von Frauen zugestehen. Allenfalls wird man anführen, dass eben alle negativen Folgen von Männern eine Folge der männlichen Strukturen ist („Das Patriarchat schadet auch Männern„), eine Nebenfolge der Unterdrückung anderer Gruppen, an der die Männer selbst schuld sind und die nie selbst, sondern nur über Bekämpfung des Hauptwiderspruchs, also die Aufgabe der männlichen Privilegien beseitigt werden kann.

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25 Gedanken zu “Warum der intersektionale Feminismus niemals eine Diskriminierung von Männern anerkennen wird

  1. Feministen behaupten sowas wie, um so mehr man privilegiert ist, um so schwerer ist es die eigene Privilegierung zu erkennen.

    Und sie behaupten das Frauen keine Privilegien besitzen…

    • Diese “Privilegientheorie“ ist mMn wieder ein schönes Beispiel dafür, dass im Feminismus doch sehr viel Projektion ist: Alles Schlechte kann nur beim bösen anderen (also den Männern) sein. “Die“ wollen ihre Privilegien nicht erkennen, “wir“ haben ja keine.

      • “alles was ich denk und tu, das trau ich allen andern zu (und mach ich nicht wirklich)“ 😉
        Gibts eigentlich schon ne Sammlung dafür irgendwo?

      • Das Problem sehe ich darin, das diese Idee alles schlechte kommt vom Mann, vorzugsweise von alten weisen Männern, und alles gute von Frauen inzwischen faktisch gesellschaftlicher Konsens* ist, und mit als Grundlage für Entscheidungsfindungen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme gesehen wird.
        Probleme werden damit aber nur verschlimmert.

        Einstein bewertete es als ein Zeichen von Wahnsinn trotz Scheitern immer wieder die selben Methoden anzuwenden und dabei neue Ergebnisse zu erwarten. Insofern ist unsere Gesellschaft wahnsinnig.

        * könnte man auch mit N statt mit K schreiben.

    • Feministen behaupten sowas wie, um so mehr man privilegiert ist, um so schwerer ist es die eigene Privilegierung zu erkennen.

      Und sie behaupten das Frauen keine Privilegien besitzen…

      Vergiss es. Die merken gar nichts mehr.

  2. Einfach ab jetzt stur darauf beharren dass das Patriarchat auch intersektional ist und jetzt Kyriarchat heisst. Jede Feministin die das Wort „Patriarchat“ in den Mund nimmt aber sofort belehren dass sie nicht auf dem neuesten Stand der Dinge ist und sich erstmal richtig informieren soll bevor sie mitreden will.

    Von Feministinnen lernen heisst siegen lernen! muaha

  3. Sehe ich auch so, bis auf die zu unpräzise Verwendung des Begriffs Hauptwiderspruch.

    „und die nie selbst, sondern nur über Bekämpfung des Hauptwiderspruchs, also die Aufgabe der männlichen Privilegien beseitigt werden kann.“

    Intersektionalitätstheorien und Haupt/Nebenwiderspruchstheorien gehören zu unterschiedlichen Theorietypen und schließen sich gegenseitig aus.

    Haupt/Nebenwiderspruchstheorien behaupten, dass es eine erste und ursprüngliche Diskriminierungs/Unterdrückungsform gebe, von der sich alle anderen Diskriminierungs/Unterdrückungsformen irgendwie ableiten und dass mit der Beseitigung der als Hauptwiderspruch angesehenen Diskriminierungs/Unterdrückungsform auch alle anderen in der Gesellschaft vorhandenen Diskriminierungs/Unterdrückungsformen sich mehr oder weniger automatisch mitauflösen würden.

    Eine feministische Haupt/Nebenwiderspruchstheorie, nach der als patriarchalisch angesehene Geschlechterbeziehungen der Hauptwiderspruch seien, gab es im klassischen Radikalfeminismus der 70er und 80er Jahre.

    Intersektionalitätstheorien entstanden als Resultat einer Kritik von Haupt/Nebenwiderspruchstheorien.
    Auf dieses Thema war ich vor kurzem zufällig schonmal in einem Kommentar eingegangen, (Graublau hatte dann einen Artikel daraus gemacht):

    https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/19/gastartikel-leszek-ueber-intersektionalitaet/

    Nach einer feministischen Haupt/Nebenwiderspruchstheorie würde die Aufgabe männlicher Privilegien bzw. das Verschwinden des Patriarchats also z.B. Rassismus und Homophobie automatisch mit zum Verschwinden bringen.

    Das wird in Intersektionalitätstheorien aber gerade nicht so gesehen, dort gilt jede als solche anerkannte Diskriminierungs/Unterdrückungsform als nicht auf andere reduzierbar, als zwar mit den anderen verwoben, aber dennoch relativ autonom.

    Das Problem mit den zeitgenössischen Intersektionalitätstheorien ist das Prinzip der dogmatischen Schließung, also dass eine Seite stets einseitig als diskriminiert und die andere Seite einseitig als privilegiert konstruiert wird. Dadurch wird eine ergebnisoffene Diskriminierungsforschung auf allen Seiten behindert und viele reale Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen geraten aus dem Blickfeld.

    Haupt/Nebenwiderspruchstheorien sind heute allerdings out. Diese werden im heutigen Feminismus in der Regel nicht mehr vertreten, im intersektionalen Feminismus ohnehin nicht.

    • „Das wird in Intersektionalitätstheorien aber gerade nicht so gesehen, dort gilt jede als solche anerkannte Diskriminierungs/Unterdrückungsform als nicht auf andere reduzierbar, als zwar mit den anderen verwoben, aber dennoch relativ autonom. “

      Das Kyriarchat ist der Hauptwiderspruch, beseitigt man sie fallen auch Nebenwidersprüche wie „das Patriarchat verletzt auch Männer“ oder „Heteronormativität schadet auch Heteros“ etc weg
      https://allesevolution.wordpress.com/2016/12/18/kyriarchat-als-das-neue-patriarchat-und-intersektionalitaet/

      Auf diesen einfachen Weg kann man eine Vielzahl von Widersprüchen ausblenden – eben als Nebenfolge einer Unterdrückung. Ob das Modell noch so genannt wird ist aus meiner sicht eher zweitrangig, es ist das gleiche Modell, nachdem alle Nachteile, die nicht ins Konzept passt nur Folge der im Konzept angenommenen Unterdrückung sind

      • @ Christian

        „Das Kyriarchat ist der Hauptwiderspruch,“

        Nein, das ist ja nur ein neuer Oberbegriff, der das Verwobensein verschiedener Diskriminierungsformen bezeichnen soll, die aber selbst alle in letzter Instanz relativ autonom sind, also nicht auf einen bestimmten Hauptwiderspruch reduzierbar sind.

        Haupt/Nebenwiderspruchstheorien sind quasi so strukturiert, dass es einen Hauptknoten im Diskriminierungsnetz gibt und mehrere Nebenknoten und wenn man den Hauptknoten auflöst, lösen sich alle anderen Knoten auch auf, löst sich also das gesamte Netz auf.

        Intersektionalitätstheorien sind hingegen so strukturiert, dass die verschiedenen Knoten im Diskriminierungsnetz letztendlich einzeln gelöst werden müssen, auch wenn sie in bestimmter Hinsicht miteinander interagieren.

        Der Begriff Kyriarchat meint ja keinen Hauptknoten im Diskriminierungsnetz, sondern das Netz selbst.

        „beseitigt man sie fallen auch Nebenwidersprüche wie „das Patriarchat verletzt auch Männer“ oder „Heteronormativität schadet auch Heteros“ etc weg“

        Das sind nach dieser Theorie noch nicht mal Nebenwidersprüche, könnte man sagen. Das sind im Rahmen dieser Theorie einfach Kollateralschäden, sie werden von vornherein nicht als eigenständige Diskriminierungsformen anerkannt.

        „Ob das Modell noch so genannt wird ist aus meiner sicht eher zweitrangig, es ist das gleiche Modell,“

        Nein, es ist tatsächlich ein anderes Modell. Theoriegeschichtlich ist das auch nicht zweitrangig, Haupt/Nebenwiderspruchstheorien und Intersektionalitätstheorien sind ganz spezifische Theorietypen, die sich gegenseitig voneinander abgrenzen und ausschließen. Man kann die ideengeschichtliche Dimension hierbei nicht wirklich verstehen, wenn diese Unterscheidungen verwischt werden. Eine Haupt/Nebenwiderspruchstheorie zu vertreten gilt z.B. bei Anhängern von Intersektionalitätstheorien als Vorwurf.

        • @Leszek: Ich bin immer wieder überrascht über dein Fachwissen und deine einleuchtenden Erklärungen. Warum hast du eigentlich keinen Blog? Und warum sitzen nicht Leute wie du in Talkshows zusammen mit Genderfeministinnen? Das wäre lustig!

          Andererseits drängt sich mir die Frage auf: So what? Was bringt es, das Kyriarchat ideengeschichtlich von der Haupt/Nebenwiderspruchstheorie abzugrenzen? Was bringt die Feststellung, dass die beiden nicht miteinander kompatibel sind und dass „Eine Haupt/Nebenwiderspruchstheorie zu vertreten gilt z.B. bei Anhängern von Intersektionalitätstheorien als Vorwurf.“? Mir scheint, das ist doch in letzter Instanz nur Wortgedrechsel. Hilft es irgendwie weiter, wenn man diese dieses ganze Zeug richtig einordnen kann?
          Oder anders gefragt, welche konkreten Probleme ergeben sich daraus, wenn man es (ideengeschichtlich „korrekt“ zuzuordnen) nicht kann/tut? Zumal man das ganze Spiel ja beliebig ins Detail treiben kann (s. unten). Was bringt das?

          I was walking across a bridge one day, and I saw a man standing on the edge, about to jump off. So I ran over and said, „Stop! Don’t do it!“
          „Why shouldn’t I?“ he said.
          I said, „Well, there’s so much to live for!“
          He said, „Like what?“
          I said, „Well, are you religious or atheist?“
          He said, „Religious.“
          I said, „Me too! Are your Christian or Buddhist?“
          He said, „Christian.“
          I said, „Me too! Are you Catholic or Protestant?“
          He said, „Protestant.“
          I said, Me too! Are your Episcopalian or Baptist?
          He said, „Baptist!“
          I said, „Wow! Me too! Are your Baptist Church of God or Baptist Church of the Lord?
          He said, Baptist Church of God!“
          I said, „Me too! Are your Original Baptist Church of God or are you Reformed Baptist Church of God?“
          He said, „Reformed Baptist Church of God!“
          I said, „Me too! Are you Reformed Baptist Church of God, Reformation of 1879, or Reformed Baptist Church of God, Reformation of 1915?“
          He said, „Reformed Baptist Church of God, Reformation of 1915!“ I said, „Die, heretic scum!“ and pushed him off.

        • @leszek

          „Der Begriff Kyriarchat meint ja keinen Hauptknoten im Diskriminierungsnetz, sondern das Netz selbst.“

          Das kann man so oder so sehen.
          Ich verstehe, dass du alles, was irgendwie grob unter „kommunistischer Theorie“ einzuordnen ist strikt von feministischer Theorie abgrenzen willst.

          Aus meiner Sicht ist das – unabhängig von der auch von mir für falsch gehaltenen Idee des Kulturmarxismus – ist das in der Hinsicht recht sinnlos, denn es wurden eben Ideen übernommen, selbst wenn sie abgewandelt worden sind.

          Sicherlich kann man Schimpanse und Mensch problemlos abgrenzen, aber beides sind eben Primaten.

          Sicherlich kann man das als „Diskriminierungsnetz“ sehen, aber letztendlich ist das Schema ja, auch wenn so getan wird als sei es hoch komplex, sehr simpel:

          -Es gibt immer eine binäre Einteilung in jeder Kategorie, die privilegierten und die Unterdrücker.
          – alle Nachteile, die den Privilegierten entstehen sind immer nur Folge dessen, dass sie selbst ein schlechtes System geschaffen haben

          Meinetwegen gibt es dann eben nur einen „Hauptwiderspruch“ in jeder Kategorie und über das gesamte „Netz“ ist es schwieriger.
          Aber auch dort ist ja der Gegenspieler auch oft sehr deutlich benannt: Der WHM ist der eigentliche Player, auch wenn die weiße Frau und der heterosexuelle Schwarze auch ihren Anteil haben.
          Was im Kommunismus der Kapitalist ist, ist in der intersektionalen Bewegung der WHM, und wie der Kapitalist auch seine „Vorarbeiter“ als Verbündete hat oder andere Leute, die von seiner Macht profitieren hat eben auch der WHM seine Mitläufer, die nicht ganz so böse sind.

          Du wirst jedenfalls zustimmen, dass das Argument „wenn wir die Unterdrückung der Nichtprivilegierten beenden, dann fallen auch die angeführten Nachteile für die Privilegierten weg“ verwendet wird und einem Schema folgt, welches auch „Hauptwiderspruch/Nebenwiderspruch“ zeigt

        • @Leszek

          An dieser Stelle möchte ich herausstellen, dass die Simplifizierung, die sich in der Setzung, es gäbe „Haupt- und Nebenwidersprüche“ ausdrückt, interessanterweise von Mao stammt (selbstverständlich nicht von Marx).

          Ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie sich dieser „Theoriebaukasten“ zusammensetzt und wo er sich schamlos bedient hat.
          Siehe Dahrendorf und seine „katholische Arbeitertochter vom Land“.

          Das „Alles nur geklaut!“ trifft auf den intersektionalen Feminismus wie die Faust aufs Auge zu.

          Gruß crumar

        • @Leszek

          Nachtrag, weil mir gerade aufgefallen ist, dass ich gar nicht erklärt habe, warum ich der Meinung bin, es gibt durchaus Haupt- und Nebenwidersprüche im intersektionalen Feminismus.

          Eine Hierarchie von Privilegierungen und Opfererfahrungen, die faktisch auf das Selbe hinauslaufen.
          Hier von Sargon dargestellt:

          Gruß crumar

        • @ pingpong

          War über Weihnachten nicht zu Hause, daher erst jetzt eine Antwort.

          „Ich bin immer wieder überrascht über dein Fachwissen und deine einleuchtenden Erklärungen.“

          Danke.

          „Warum hast du eigentlich keinen Blog?“

          Zum Betreiben eines Blogs fehlt mir im Augenblick die Zeit und Motivation.

          „Andererseits drängt sich mir die Frage auf: So what? Was bringt es, das Kyriarchat ideengeschichtlich von der Haupt/Nebenwiderspruchstheorie abzugrenzen? Was bringt die Feststellung, dass die beiden nicht miteinander kompatibel sind und dass „Eine Haupt/Nebenwiderspruchstheorie zu vertreten gilt z.B. bei Anhängern von Intersektionalitätstheorien als Vorwurf.“? Mir scheint, das ist doch in letzter Instanz nur Wortgedrechsel. Hilft es irgendwie weiter, wenn man diese dieses ganze Zeug richtig einordnen kann?
          Oder anders gefragt, welche konkreten Probleme ergeben sich daraus, wenn man es (ideengeschichtlich „korrekt“ zuzuordnen) nicht kann/tut? Zumal man das ganze Spiel ja beliebig ins Detail treiben kann (s. unten). Was bringt das?“

          Ich würde hier folgende Gründe nennen:

          – Einmal ist „Alles Evolution“ ja ein Blog, auf dem in der Regel jeden Tag ein Artikel erscheint und auf dem in vielen Artikeln und in vielen Diskussionen zu verschiedenen Themen auch stärker ins Detail gegangen wird. Entsprechend ist es m.E. angemessen auch bei diesem Thema stärker ins Detail zu gehen, insbesondere, da es sich beim Thema „Feminismus und Feminismuskritik“ ja um eines der zentralen Themen dieses Blogs handelt.

          – Die Leser und Kommentatoren des Blogs sind vielfältig und haben unterschiedliche Interessenschwerpunkte. Auch Leser mit Interesse an solchen ideengeschichtlichen und theoretischen Aspekten sollten m.E. nicht zu kurz kommen.

          – Soll die Männerrechtsbewegung langfristig erfolgreich sein, dann ist es m.E. wichtig auch in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften Fuß zu fassen und dort integral-antisexistische und männerrechtsrelevante Themen und Anliegen einzubringen. Das wird nicht gelingen ohne fundierte ideengeschichtliche und theoretische Kenntnisse.

          – Die dargestellten Aspekte sind auch nicht unwichtig für Diskussionnen innerhalb der Linken, wenn es darum geht männerrechtliche und integral-antisexistische Themen und Anliegen innerhalb der Linken bekanntzumachen.

          In vielen linken Kontexten kann eine falsche Zuordnung von Begriffen wie Hauptwidersprüche und Nebenwidersprüche bei Kommunikationen und Diskussionen u.U. schnell zu Verständnisschwierigkeiten führen oder sogar den Eindruck erwecken, man wüsste zu wenig wovon man redet.
          Es hat bis in die 90er Jahre hinein in großen Teilen der Linken eine einflussreiche und bis heute weithin anerkannte Kritik an Haupt/Nebenwiderspruchstheorien gegeben, Haupt/Nebenwiderspruchstheorien gelten in großen Teilen der heutigen Linken als diskreditiert.
          Wenn nun ein Männerrechtler in einer Diskussionen innerhalb linker Kontexte z.B. die Formulierung verwenden würde, dass der Gender-Feminismus einen negativen Einfluss auf die heutige Linke habe, weil Gender-Feministinnen in Kategorien von Haupt- und Nebenwidersprüchen dächten, würde er mit einer solchen Formulierung oft nicht verstanden werden.

          – Wenn Männerrechtler im Kontext ihrer Feminismuskritik von Haupt/Nebenwiderspruchstheorien sprechen, wenn es eigentlich um Intersektionalitätstheorien geht, obwohl dies verschiedene Theorietypen sind, dann gibt dies Gender-Feministinnen unter Umständen auch die Möglichkeit Männerrechtlern öffentlich Kenntnismangel vorzuwerfen und dadurch zu versuchen die männerrechtliche Feminismuskritik abzuwerten.

          – Ein weiterer Grund, warum es m.E. sinnvoll ist, auch solche Dinge auf diesem Blog zu erwähnen, sind Werte wie Wissenschaftlichkeit und Wahrheitorientierung bzw. die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, zu denen dieser Blog sich ja bekennt.

          Diese Werte werden ja nicht selten auf diesem Blog hervorgehoben, häufig auch von naturwissenschaftlich orientierten und interessierten Mitdiskutanten. Manchmal erlebe ich auf diesem Blog allerdings erstaunlicherweise, dass es mit Wissenschaftlichkeit und Wahrheitsorientierung bei manchen naturwissenschaftlich orientierten/interessierten Mitdiskutanten schnell vorbei sein kann, sobald es um geisteswissenschaftliche oder sozialwissenschaftliche Themen geht, die sie eher wenig interessieren. Dann agiert ein Teil unserer geschätzten naturwissenschaftlichen Mitstreiter manchmal nicht viel anders als jene wahrheitsrelativistischen Postmodernisten, die sie sonst gerne kritisieren – es wird nicht ernsthaft recherchiert, es wird sich alles zurechtgebogen, wie es ihnen gefällt und es besteht wenig Offenheit für Fehlerkorrektur. 🙂

          Als jemand, dessen Interessenschwerpunkte eher geisteswissenschaftlich und sozialwissenschaftlich ausgerichtet sind und der sich an den in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften gängigen wissenschaftlichen Standards – jenseits der wahrheitsrelativistischen postmodernistischen Fraktion – orientiert, finde ich es daher schon sinnvoll manchmal darauf hinzuweisen, dass die Einhaltung wissenschaftlicher Standards auch für geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Themen auf diesem Blog gelten sollte.

          Denn: Wahrheitsorientierung ist in wissenschaftlicher Perspektive doch ein Wert an sich, daher ist es m.E. gut auch bei Themen wie z.B. dem Unterschied zwischen Haupt/Nebenwiderspruchstheorien einerseits und Intersektionalitätstheorien andererseits zu versuchen um Objektivität bemüht zu sein und möglichst die Wahrheit zu sagen.

        • „dann gibt dies Gender-Feministinnen unter Umständen auch die Möglichkeit Männerrechtlern öffentlich Kenntnismangel vorzuwerfen und dadurch zu versuchen die männerrechtliche Feminismuskritik abzuwerten.“

          Da musste ich etwas schmunzeln bei der Vorstellung 🙂

          An dem Tag, wo mir eine Feministin vorwirft, dass ich in einem Text Intersektionalität und Hautp- und Nebenwiderspruch nicht richtig abgegrenzt habe und das argumentativ begründet mache ich einen Sekt auf.
          Bei Feministinnen gilt „spiel nicht mit dem Schmuddelkindern“ und die falsche Abgrenzung von Intersektionalität und H&N wäre da wahrlich das kleinste Problem

  4. @pingpong Leszek mit Blog und Medienpräsenz würde ich mir auch wünschen! Aber ich vermute, er schützt und schätzt seine Anonymität. Vermutlich ist er ein bekannter Politiker, Hochschulprofessor oder Publizist .-)

  5. Pingback: Fundstück: Radikalfeministinnen gegen intersektionale Feministinnen – Geschlechterallerlei

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