Testosteronspiegel bei Jägern und Sammlern

Der Spiegel berichtet über einen Jäger- und Sammler Stamm, bei dem die Männer im Schnitt einen sehr niedrigen Testosteronspiegel haben.

Hamburg – Manchmal ist weniger mehr. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher am Volk der Tsimane in Bolivien. Die Männer dieses Regenwaldstammes von Jägern und Sammlern arbeiten körperlich hart, dazu müssen sie Krankheiten überstehen und werden von Parasiten geplagt. Doch in ihrem Blut fanden Forscher überraschend kleine Mengen des Männlichkeitshormons Testosteron. Sie haben davon nur ein Drittel so viel im Blut wie Männer in den Industrieländern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Auf den ersten Blick scheint der niedrigere Testosterongehalt ein Nachteil für die Tsimane-Männer zu sein, sorgt er doch für weniger Muskelmasse und damit Stärke. Doch: „Mehr Muskelmasse zu produzieren, kostet Energie – und hohe Testosteronwerte verringern zudem die Leistung des Immunsystems“, schreiben Benjamin Trumble von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen. Wer in einer Umwelt mit vielen Parasiten und Krankheiten lebe, für den sei es biologisch sinnvoller, den Testosteronwert niedrig zu halten.

Das Testosteron sich auf das Immunsystem auswirkt ist bereits seit längerem bekannt. Ich hatte das schon einmal in „Testosteron und Immunsystem“ dargestellt.

Die Schlußfolgerung:

Die hohen Testosteronwerte der Männer in den Industrieländern seien evolutionär gesehen eine neue Erfindung, meinen die Forscher. Möglich wurden sie erst durch den Nahrungsüberfluss und die gute medizinische Versorgung.

„Unser Lebensstil ist eine Anomalie, eine Abweichung von der Jahrtausende alten Lebensweise unserer Art als Jäger und Sammler“, sagt Michael Gurven, einer der Leiter der Studie von der University of California in Santa Barbara. Das Streben nach möglichst hohen Testosteronwerten, beispielsweise durch Hormonpflaster oder sonstige Präparate, hat demnach mit ursprünglicher Männlichkeit oder gar altem Jägererbe wenig zu tun.

Der Schluß überzeugt mich nicht. Bei Zugrundlegung der Out-Of-Africa-Theorie steigt der Testosteronspiegel der Männer üblicherweise, um so mehr wir uns dem „geographischen Ursprung der Menschheit“ nähren. Was eher annehmen lässt, dass der Testosteronspiegel in Rahmen der Auswanderung gesunken ist und nicht nachträglich gestiegen ist.

Eher scheint mir ein umgekehrter Schluß wahrscheinlicher:

Wenn die meisten Völker auf dieser Erde einen höheren Testosteronspiegel haben als der geschilderte Stamm, dann spricht das eher dafür, dass bei diesem Stamm eine Selektion auf einen niedrigeren Testosteronspiegel stattgefunden hat.

Hierfür bieten sich relativ isolierte Stämme auch an: Der Verwandtschaftsgrad steigt aufgrund der kleinen Gruppe, was intrasexuelle Kämpfe unter Männern genetisch unrentabler macht und Hierarchien verflachen hilft.

Bei Betrachtungen von heutigen Jäger und Sammler Gesellschaften sollte man auch bedenken, dass gerade die, die weniger auf Status und intrasexuelle Konkurrenz aus sind auch eher Jäger und Sammler bleiben, einfach weil der Aufbau von Status und der Ausbau von Macht Entwicklung fördern kann (vgl. dazu Jared Diamond „Guns, Germs and Steel„.)

Hier kann auch das bessere Immunsystem ein weiterer Vorteil gewesen sein, der aber nur genutzt werden kann, wenn die Vorteile einer hohen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund engerer Verwandschaftsverhältnisse oder anderer Umstände, die auf Friedfertigkeit selektieren, nicht mehr in dem Maße anfallen.Das Volk in vielleicht in der Steinzeit geblieben, vielleicht gerade weil es wenig Testosteron hat und damit weniger Anlass für Statusdisplay und Hierarchien.

Bestimmte Stämme werden ja auch in Debatten gerne als Beispiel dafür angeführt, was eine andere Kultur alles erreichen kann und wie konstruiert und kulturbestimmt die Geschlechterrollen sind. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: In einer gegenseitigen Beeinflussung von Kultur und Biologie entwickelt sich der Mensch, genug Abgrenzung und einen hinreichend langen Zeitraum vorausgesetzt, nach den jeweiligen Gegebenheiten. Die Biologie folgt der Kultur, die Kultur folgt der Biologie.

Interessant dazu auch der Hinweis auf die Testosteronspitzen im Wettbewerb:

„Trotz ihrer krankmachenden Umgebung ist es auch für die Tsimane wichtig, Testosteron für kurzzeitige Wettkämpfe und große Kraftanstrengungen freizusetzen“, sagt Gurven. Ähnliche Hormonausschüttungen gebe es auch bei Männern in den Industrieländern in Wettbewerbssituationen. Das zeige, dass diese Hormonspitzen ein fundamentaler Aspekt der menschlichen Biologie seien. Sie blieben selbst dann erhalten, wenn dies bedeute, kurzzeitig das Immunsystem zu schwächen und eine Infektion zu riskieren.

Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Testosteron ist natürlich auch im Geschlechterverhältnis interessant. Männer haben bereits mehr Testosteron und schütten im Rahmen von Fight oder Flight Strategien auch mehr davon aus. Es spricht damit vieles dafür, dass Männer auch eher auf Wettbewerb ausgelegt sind als Frauen und sich daher  – im Schnitt – in diesem wohler fühlen.

Die Entwicklung des Menschen: Ein paar Wegpunkte

Hier mal ein paar Überlegungen zu ein paar Entwicklungsschritten, die dazu beigetragen haben, uns zu dem zu machen, was wir sind. Ich habe die Liste mal angefangen, natürlich gibt es wahnsinnig viele Zwischenschritte über unsere Evolution.

  • Als Fruchtesser entwickelte der Mensch die Fähigkeit zum Farbensehen zum erkennen des Reifegrads der Früchte (die meisten Raubtiere haben kein Farbensehen)
  • Als Baumbewohner die Fähigkeit zum Greifen und räumlichen Denken um sich von Baum zu Baum zu schwingen
  • Als Savannenbewohner den Aufrechten Gang zum Überblicken des hohen Grases
  • als Aufrechtgehender Mensch entwickelte er aus den Baumgreifhänden die zu Feinmanipulationen nutzbare Hand und damit die Werkzeugnutzung. Hierbei kam ihm dann das in den Bäumen entwickelte räumliche Denken zugute, mit dem er sich Konstruktionen aus mehreren Objekten besser vorstellen kann
  • Als Wesen mit der Möglichkeit zur Herstellung von feinen Gerätschaften entwickelte er die Fähigkeit sich zu spezialisieren.
  • Als Gruppentier entwickelte er reziproke Zusammenarbeit.
  • Aus dem zusammenarbeitenden Gruppentier entwickelten sich Hierarchien, Statusdenken und die Attraktivität für Status
  • Aus der Zusammenarbeit entwickelte er echten Tausch, also die Fähigkeit zum abstrakten Handel, dem Austausch von Dienstleistungen und Waren, die in keinem Zusammenhang stehen
  • Als Säugetier mit langer Unselbständigkeit des Kindes und gleichzeitig der Fähigkeit zum abstrakten Tausch entwckelte er die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.
  • Aus der Möglichkeit zu Tausch und Handel enstanden größere Märkte, die weitere Spezialisierungen ermöglichten (es lohnt sich eher spezielle Werkzeuge und Techniken für zB Pfeilspitzen zu entwickeln, wenn man 50 Stück pro Woche macht als wenn man 5 pro Monat macht)
  • Aus den Märkten entwickelte sich noch mehr Arbeitsteilung, noch mehr Spezialisierung und noch mehr Wissen, sie erlaubten zudem größere Ansammlungen als die Jäger und Sammlertradition. Dies vergrößerte die Märkte noch mehr, was weitere Spezialisierungen zuließ.
  • Weil er ein Wesen war, dass Status mochte, konnte er Statusobjekte entwickeln und darüber eine Vorstellung von Wert und einen Ansporn zur Anhäufung von Ressourcen über das tägliche Sammler und Jäger Leben hinaus.

Die Biologie der Sprache: Pidgin und Kreolsprachen

Das etwas hochkomplexes und kulturabhängiges wie die Sprache auf biologischen Grundlagen beruhen kann, zeigt sich an Pigdinsprachen und Kreolsprachen

Pidginsprachen sind Sprachen, die entstehen, wenn Leute keine gemeinsame Sprache sprechen und sich irgendwie verständigen müssen. Sie sind ein Mischmasch dieser Sprachen ohne eine vernünftige Grammatik oder Struktur. Diese kann man aber sehr einfach in eine solche Sprache einbringen: Man braucht nur ein paar Kinder, die diese als Muttersprache erlernen. Die Kinder entwickeln automatisch aus dem Pigdin eine „Muttersprache“, eben ein Kreol.

Steven Pinker führt dies in „The Language Instinct“ wie folgt aus:

When speakers of different languages have to communicate to carry out practical tasks but do not have the opportunity to learn one another’s languages, they develop a makeshift jargon called a pidgin. Pidgins are choppy strings of words borrowed from the language of the colonizers or plantation owners, highly variable in order and with little in the way of grammar. Sometimes a pidgin can become a lingua franca and gradually increase in complexity over decades, as in the „Pidgin English“ of the modern South Pacific. (Prince Philip was delighted to learn on a visit to New Guinea that he is referred to in that language as fella belong Mrs. Queen.) But the linguist Derek Bickerton has presented evidence that in many cases a pidgin can be transmuted into a full complex language in one fell swoop: all it takes is for a group of children to be exposed to the pidgin at the age when they acquire their mother tongue. That happened, Bickerton has argued, when children were isolated from their parents and were tended collectively by a worker who spoke to them in the pidgin. Not content to reproduce the fragmentary word strings, the children injected grammatical complexity where none existed before, resulting in a brand-new, richly expressive language. The language that results when children make a pidgin their native tongue is called a creole.

Das ist eine bemerkenswerte Fähigkeit des Gehirns, die nach der dort vertretenen Ansicht eben auf eine Universalgrammatik schließen läßt, die kulturell nur mit den entsprechenden Wörtern und bestimmten Ausgestaltungen der Regeln versehen wird.

Es spricht deutlich gegen einen „Blank Slate„, sondern für eine Vorformatierung des Gehirns. Wir werden nicht einfach durch Sprache gestaltet, sondern finden einiges bereits in unserem Gehirn vor, was dann durch Kultur ausgestaltet wird. Anzeichen dafür, dass wir eine gewisse Vorformatierung haben, ergeben sich meiner Meinung nach aus vielen Studien, gerade auch im Geschlechterbereich (zu Unterschieden in den Sprachfähigkeiten vgl. „Sprache und Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau„).

Werden Leute attraktiver oder weniger attraktiv nachdem man das erste mal Sex mit ihnen hatte?

Eine interessante Studie zum Thema „Attraktivität nach dem Sex“:

This article develops the Affective Ship Hypothesis, which suggests that women experience positive affective shifts following first-time intercourse as a means to facilitate a longer-term, more committed relationship. The hypothesis predicts a negative affective shift in men who pursue a short-term mating strategy; this shift is hypothesized to function to curtail commitment by motivating the man to terminate the relationship. Study 1 (N= 177) documented sex differences predicted by the affective shift hypothesis. Study 2 (N= 203), using a somewhat different methodology involving reports of presex and postsex feelings, found that men with high numbers of sex partners, but not men with low numbers of partners, experienced a decrease in their partner’s physical and sexual attractiveness following first-time sexual intercourse. In contrast, women, more than men, experienced increases in feelings of love and commitment following first-time sex.

Quelle: The affective shift hypothesis: The functions of emotional changes following sexual intercourse (PDF, Volltext)

Das erscheint mir ein Mechanismus, der durchaus durch Evolution entstehen kann. Wenn ein Mann noch nicht viele Partnerin hatte, dann kann jeder Sexkontakt wertvoll sein und die Zukunft ungewiss zu planen. Ist er gleich von Anfang an schnell gelangweilt, dann verpasst er vielleicht die Chance, die er hatte. Hat er aber eh viel Sex mit verschiedenen Frauen, dann kann es sich mehr lohnen diese Möglichkeiten zu nutzen. Mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen gibt mehr genetische Kombinationen und damit mehr Absicherung.

Bei Frauen lohnt sich dies weniger. Wenn sie schon Sex mit einem Mann hatten, dann kann darauf ein Kind und damit Zusatzversorgungsbedarf entstehen, der bei einer Bindung besser abgesichert werden kann. Es kann sich daher lohnen, den Mann dann auch eher zu lieben und letzte Zweifel auszublenden.

Es kann natürlich auch sein, dass der umgekehrte Fall vorliegt: Nicht die Anzahl der Frauen bestimmt das nachlassende Interesse, sondern das nachlassende Interesse bestimmt die Anzahl der Frauen. Dagegen spricht allerdings, dass dieser Effekt dann eigentlich auch bei den Frauen eintreten müsste, was aber nicht der Fall zu sein scheint.

„Die Evolution hat kein Ziel, folglich gibt es auch keinen evolutionären Druck“

Lucia merkt folgendes an (um Beleidigungen gekürzt):

„Die Evolution hat kein Ziel und folglich gibt es auch keinen evolutionären Druck. Der kann nur durch die Lebensbedingungen entstehen, an die sich die Lebewesen anpassen oder aussterben.“

Richtig daran ist natürlich erst einmal, dass die Evolution kein Ziel hat. Da sie auf Mutation und Selektion beruht ist sie ein endloser Prozess, der kein Endstadium erreichen kann. Es gibt kein „perfektes Lebewesen“ und auch kein „unfertiges Lebewesen“. Deutlich wird dies auch an der Red Queen Theory, die die Konkrurrenz der Lebewesen untereinander betrachtet. Da Lebewesen miteinander agieren und miteinander konkurrieren müssen sie sich zumindest untereinander anpassen und ein „perfektes Lebewesen“ wäre nur bis zur nächsten positiven Mutation seines Feindes oder Konkurrenten perfekt.

Das bedeutet aber nicht, dass Evolution nicht ein bestimmter Prozess in eine Richtung sein kann, der sich (kurzzeitig) anhand bestimmter Sachzwänge entwickelt. Den neben der zufälligen Mutation besteht Evolution eben auch aus Selektion. Und es lassen sich gewisse Kriterien für eine Selektion aufstellen, wenn sich auch daraus die tatsächliche, konkrete Evolution nicht vorhersagen läßt.

Ein Beispiel wäre das Erreichen eines flugfähigen Vogels auf einer Insel ohne natürliche Feinde. Durch das Wegfallen der Fressfeinde sind bestimmte Selektionsfaktoren, die bisher auf den Vogel einwirkten, weggefallen. Es spricht damit vieles dafür, dass sich bei diesem Vogel Systeme, die gerade unter diesen Selektionsfaktoren entstanden sind, wegfallen werden und andere Faktoren, die bisher durch diese Selektion unterdrückt werden, nunmehr aufleben. Das Fliegen erlaubt einem Vogel beispielsweise die schnelle Flucht vor einem Fressfeind. Im Gegenzug verbietet ihm das Fliegen die Bildung vieler Nahrungsmittelreserven, die Bildung stabiler, aber schwerer Knochen etc. Zudem bedeutet Fliegen, dass man sich kostenintensive Flugmuskeln zulegen muss und diese unterhalten muss, was selbst bei Nichtnutzung zum Fliegen erhebliche Verursacht. Der allgemeine Druck, einen möglichst kostensparenden Körper zu haben, kann sich daher ohne natürliche Feinde wesentlich besser entwickeln. Natürlich kann auch die Nahrungssuche ein Fliegen erfordern, etwa bei steilen Küsten und Fischfang bei ansonsten bestehender Nahrungsknappheit.Natürlich kann die Flugfähigkeit auch im Rahmen der sexuellen Selektion eine richtige Rolle spielen und deswegen erhalten bleiben. Dennoch kann man beobachten, dass Vögel unter diesen Umständen sehr häufig ihre Flugfähigkeit einbüssen werden, dicker und stabiler werden, ihre Fluchtinstinkte verlieren.

Das bekannteste Beispiel ist der Dodo. Wie an der allseits bekannten Geschichte des Dodos deutlich wird ist dieser Verlust der Flugfähigkeit natürlich kein Ziel im Sinne eines Plans der Evolution gewesen. Aber weil Evolution eben planlos verläuft und daher überlegungen wie „Irgendwann wird einmal ein Raubtier auf die Insel kommen, es wäre besser für die Gattung, wenn auch nicht unbedingt für das jetzt lebende Einzelwesen, sich die Flugfähigkeit und die Fluchtinstinkte zu erhalten“ innerhalb des Prozesses natürlich nicht stattfinden können, ist es nicht fehlerhaft davon zu sprechen, dass ein selektiver, evolutionärer Druck weggefallen ist. Ebenso kann man natürlich auch den Menschen betrachten. Über den weitaus größten Teil der Menschheitsgeschichte (also zumindest etwa 4,5 Millionen Jahre) bestand ein höherer Selektionsdruck für Menschenfrauen als für Menschenmänner sich einen Partner zu suchen, der bereit war, Teile der Kosten einer Schwangerschaft zu übernehmen.

Dieser Selektionsdruck macht sich auch beim Menschen bemerkbar, die deswegen seltener als der Mann reinen Sex ohne gefühlsmäßige Bindung will und formt im Gegenzug aufgrund der Ausgestaltung bei der Frau im Wege der sexuellen Selektion auch wieder die Partnerwahl des Mannes. Das Ergebnis dieses Prozesses und des damit einhergehenden Red Queen Races betrachtet insbesondere die Sexual Strategies Theory. Inzwischen ist der diesbezügliche Selektionsdruck weggefallen. Veränderungen ergeben sich insbesondere daraus, dass Verhütung eine Abkoppelung von Sex und Fortpflanzung ermöglicht hat und zudem das hochentwickelte Sozialsystem, Unterhaltsgesetze, die verbesserte Möglichkeit einer Drittbetreuung etc in modernene Staaten Frauen ermöglichen, die Kosten einer Schwangerschaft an den Mann auch gegen dessen Willen oder an die Gemeinschaft weiterzureichen. Das Wegfallen des Selektionsdruckes in diese Richtung bedeutet aber nicht, dass die durch diesen Selektionsdruck entstandenen biologischen Grundlagen wegfallen.

Dabei sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:

a) Zeit

Der Wegfall des Selektionsdruck ist noch nicht lange her. Effektive Verhütung ist erst mit der industriellen Herstellung von Verhütungsmitteln möglich, Kondome etwa seit ca. 1930, die Pille etwas später. Erst ca. etwa den 70ern, also seit nunmehr gerade einmal 3 Generationen, ist effektive Verhütung möglich

b) Sexuelle Selektion

Sexuelle Selektion funktioniert über biologisch verankerte Partnerwahlkriterien. Diese stabilisieren das System, da sie zu einem Selbstöläuferprozess führen können. Wenn Männer Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern aufgrund dieser Kriterien als weniger attraktiv für eine Langzeitbindung ansehen, dann bleibt es auch bei Wegfallen des Selektionsdrucks hierfür vorteilhaft, entsprechende Frauen nicht zu wählen bzw. Männer, die sich mit entsprechenden Frauen für eine Langzeitbindung einlassen nicht zu wählen, weil aufgrund der abgespeicherten Partnerwahlkriterien Töchter bzw. Söhne, die nach diesen Kriterien entstehen, schlechtere Chancen auf dem Partnermarkt haben. Die Söhne würden von den Frauen abgewertet werden, weil sie sich mit entsprechenden Frauen auf Langzeitbindungen einlassen, die Töchter für Langzeitbindungen uninteressanter werden. Diese Nachteile stellen also ebenfalls einen Selektionsdruck dar, der das System stabilisieren kann.

c) Fehlende Selektion in eine abweichende Richtung

Die Kriterien, die sich nach dem bisherigen Selektionsdruck aufgebaut haben, verschwinden nur dann, wenn der wegfallende Selektionsdruck zu Veränderungen im Genpool führt. Bei dem Dodo beispielsweise konnte ein Vogel, der schwächere Flugmuskeln hat, genauso gut überleben. Wenn Dodos aufgrund eines reichhaltigen Nahrungsangebots und weniger Fluchtnotwendigkeit insgesamt fetter wurden, flogen vielleicht auch die Dodos mit besseren Muskeln weit aus weniger. Insgesamt wirkten sich daher solche Nachteile nicht aus, hingegen mussten die Vögel mit guter Flugmuskulatur diese nach wie vor unterhalten und starben daher vielleicht in Dürrezeiten eher. Die Gene für schwache Flugmuskeln könnten sich daher gut im Genpool anreichern. Die Frauen, die dank Verhütung folgenlosen Sex mit vielen Partnern haben konnten, bekommen aber nicht mehr Kinder als die Frauen, die das nicht wollten. Denn das verhindert die Verhütung ja gerade. Sie bekommen vielleicht sogar deswegen später Kinder als Frauen, die früh eine feste Partnerschaft eingehen und konzentrieren sich eher auf Karriere etc. Eine gentische Veränderung stellt sich nicht ein, weil ein bestimmtes Verhalten praktiziert wird. Das wäre Lamarckismus. Sie würde sich hier einstellen, wenn Frauen, die mehr Sexualpartner haben als der Schnitt mehr Kinder haben würden als Frauen, die weniger Sexualpartner haben als der Schnitt.

Die verschiedenen evolutionären Interessen von Männern und Frauen und der sich daraus ergebende Konflikt

Ein interessanter Artikel zu den verschiedenen Interessen der Geschlechter und die daraus beruhenden Wettstreite:

Coevolutionary arms races between males and females have equipped both sexes with mutually manipulative and defensive adaptations. These adaptations function to benefit individual reproductive interests at the cost of the reproductive interests of oppositesex mates, and arise from evolutionary dynamics such as parental investment (unequal reproductive costs between the sexes) and sexual selection (unequal access to opposite-sex mates). Individuals use these adaptations to hijack others’ reproductive systems, psychological states, and behaviors—essentially using other individuals as extended phenotypes of themselves. Such extended phenotypic manipulation of sexual rivals and opposite-sex mates is enacted by humans with the aid of hormones, pheromones, neurotransmitters, emotions, language, mind-altering substances, social institutions, technologies, and ideologies. Furthermore, sexual conflict may be experienced at an individual level when maternal genes and paternal genes are in conflict within an organism. Sexual conflict may be physically and emotionally destructive, but may also be exciting and constructive for relationships. By extending the biological concept of sexual conflict into social and cultural domains, scholars may successfully bridge many of the interdisciplinary gaps that separate the sciences from the humanities.

Quelle: Human Sexual Conflict from Molecules to Culture (Volltext, PDF)

Fand ich ganz interessant, weil viele der bekannten Konflikte und biologische Lösungsansätze der Geschlechter noch einmal zusammengefasst werden. Auch interessant ist der Gedanke, dass Männer und Frauen einander quasi als erweiterter Phänotyp nutzen, um die eigenen Gene weiterzugeben.

Der Artikel enthält relativ nahe liegende Punkte wie:

Although physical attractiveness is usually correlated with genetic and bodily health, sometimes simply possessing “sexiness” may be enough to attract a mate (Cornwell and Perrett, 2008), even if one’s overall success at survival or parasite resistance is sub-par. Scholars should consider this possibility when accounting for the presence of seemingly useless and even harmful human traits. To stress the point again, the crucible of evolution is reproduction, not survival. Likewise, and in line with parental investment theory, members of the lesser-investing sex (usually males) who may not possess high-quality genes may nonetheless attract sexual partners if they are willing and able to invest in childrearing. Therefore, possessing and displaying material resources and empathetic qualities that communicate nurturance, may be the product of an evolved, long-term mating strategy, notably for males (Khallad, 2005; Kruger, 2008).

Oder diesem:

Sexual conflict takes on psychological dimensions when it is manifested in the expression of certain thoughts, emotions, and behaviors. Thus, sexual differences at the molecular and anatomical levels are reflected at the level of mental functions. Men’s psychology was shaped by selection to be interested in novel sexual partners and to assume that a woman may be interested in sex, whether she is or is not (Haselton and Buss, 2000). For ancestral males, this would have been a profitable reproductive strategy as it was likely to increase a man’s genetic representation in the next generation. Women, on the other hand, were selected to be wary of casual sexual encounters and to assume that a man is uninterested in a long-term relationship, whether he is or is not (Haselton and Buss, 2000). For ancestral females, this reproductive strategy would have been beneficial to their genetic interests as they were thereby less likely to invest in genetically inferior offspring or grant sexual access to males that were unwilling to provide for them or their children.

Aber auch exotischeren wie diesem:

reproductive choice (e.g., Gallup, Burch, and Platek, 2002; Goetz et al., 2005). Research suggests that the per-copulation risk of pregnancy is higher for rape than for consensual sex (Gottschall and Gottschall, 2003). There may be other explanations and criticisms of such findings, but if true, we must further examine the possibility that some men may have evolved predatory adaptations that are activated during coercive sexual encounters with women (Gottschall and Gottschall, 2003). The evidence for this comes from findings demonstrating the presence of follicle-stimulating-hormone (FSH) and luteinizing hormone (LH) in semen. These hormones normally function to stimulate the maturation of an egg and its subsequent release. That semen contains these hormones is indicative of their manipulative function in stimulating female ovulation. Rapists may possess higher concentrations of these hormones than non-rapists, or men’s concentrations of FSH and LH may increase when in coercive sexual encounters with women.

Dschingis Khan: Warum es sich (genetisch) lohnt ein Alphamann zu sein

Es gibt eine Theorie, nach der etwa 0,5% der Weltbevölkerung Gene tragen, die sich zu Dschingis Khan zurückverfolgen lassen:

We have identified a Y-chromosomal lineage with several unusual features. It was found in 16 populations throughout a large region of Asia, stretching from the Pacific to the Caspian Sea, and was present at high frequency: ∼8% of the men in this region carry it, and it thus makes up ∼0.5% of the world total. The pattern of variation within the lineage suggested that it originated in Mongolia ∼1,000 years ago. Such a rapid spread cannot have occurred by chance; it must have been a result of selection. The lineage is carried by likely male-line descendants of Genghis Khan, and we therefore propose that it has spread by a novel form of social selection resulting from their behavior

Quelle: The Genetic Legacy of the Mongols

Etwa 16 Millionen Nachkommen in der männlichen Linie. Das ist insoweit schon einmal sehr beachtlich.

Frans de Waal in „Der Affe in uns“ dazu (S. 158)

Anthropologen haben uns zahlreiche Beweise vorgelegt, dass mächtige Männer über mehr Frauen verfügen und mehr Nachkommen zeugen.Ein verblüffendes Beispiel lieferte eine kürzlich durchgeführte genetische Untersuchung in Ländern Zentralasiens. Gegenstand war das Y-Chromosom, das nur Männer haben. Nicht weniger als 8% der asiatischen Männer weisen so gut wie identische Y-Chromosomen aus, was darauf schließen läßt, dass sie alle einen einzigen Vorfahren haben. Dieser Mann hatte so viele Nachkommen, dass er heute schätzungsweise 16 Millionen männliche Nachkommen hat. Nachdem sie herausgefunden hatten, dass dieser große Befruchter vor rund tausend Jahren lebte, haben sich die Wissenschaftler auf Dschingis Khan als den wahrscheinlichsten Kandidaten geeinigt. Khan, seine Söhne und seine Enkel herrschten über das größte Reicht der Weltgeschichte. Ihre Armen schlachteten ganze Bevölkerungen ab. Schöne junge Frauen jedoch durften die Truppen nicht anrühren: man brachte sie dem mongolischen Herrscher höchstpersönlich.

Also keine sehr freiwillige Mutterschaft für diese Frauen, aber immerhin eine genetisch erfolgreiche.

 

Nochmal: Schönheit, Attraktivität und Evolution

Schönheit und Attraktivität scheint immer noch ein umstrittenes Thema zu sein. Ich hatte zu den biologischen Grundlagen schon mal etwas in „Queer Theorie, Evolution und Attraktivität“ und an anderer Stelle geschrieben.  Hier möchte ich nochmal ein paar Grundlagen, so wie ich sie verstehe, zusammenfassen.

1. Die Schwierigkeiten sexueller Fortpflanzung

  • Eingeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt durch Teilung etc. Da nur das eigene Genmaterial weitergegeben wird (+evtl. Mutationen) ist keine Auswahl erforderlich
  • Zweigeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt über den Austausch von Genmaterial zwischen zwei Lebewesen, wobei eines die eigentliche Wachstumsbasis + Genmaterial bereitstellt (zB Ei) und das andere nur die Gene ( zB Spermien).
  • Aufgrund dieser Aufteilung ist es erforderlich, dass man sicherstellt, dass beide Arten zusammenkommen. Erfolgt die Paarung mittels direkter Übertragung („Sex“) dann setzt dies voraus, dass eine gewisse Erkennung vorhanden ist, welches Geschlecht vorliegt um so eine effektive Übergabe sicherzustellen.
  • Dies kann über optische Unterschiede, Pheronmone, sonstige Geruchsstoffe oder über kompliziertere Wege erfolgen.
  • da viele Tiere keine elterliche Betreuung haben, müssen diese Hinweise biologisch abgespeichert sein. Auch bei elterlicher Betreuung bietet es sich an, diese Merkmale bereits direkt abzuspeichern, da ein Erlernen fehleranfällig ist und eine Lernsoftware voraussetzt, die komplizierter sein kann als die einfache Einprogrammierung.
  • die Merkmale, die eine Zuordnung ermöglichen sollten zugleich bei einem Treffen den Wunsch nach Sex erzeugen, also mit Erregung gekoppelt sein.

2. von bloßer Geschlechtserkennung zur Qualitätserkennung

  • um so aufwändiger die Kosten der Fortpflanzung sind (von der Abgabe kleiner Eier im Meer bis zum Austragen des Kindes und nachfolgender Ernährung bei Säugetieren) um so eher kommt es darauf an, nicht nur das reine Geschlecht des anderen zu erkennen, sondern auch eine Abschätzung vorzunehmen, welche Qualität der sexuelle Partner in Hinsicht auf Fortpflanzungserfolg hat.
  • Demnach würden sich Anzeichen für Fruchtbarkeit, genetische Fitness (=insbesondere Symmetrie) gute Ernährung oder Zeichen der Überlegenheit über andere Vertreter des gleichen Geschlechts anbieten
  • Die Tierwelt verrät uns, dass so etwas passiert. eine Vielzahl von Tieren wählt Partner aktiv aus und richtet sich dabei nach gespeicherten Attraktivitätsmerkmalen, die vererbt werden.
  • Klassische Attraktivitätmerkmale sind: Symmetrie (Mutationen führen oft zu einer Asymmetrie, Symmetrie spricht daher für eine Mutationsfreiheit), Zeichen einer langfristigen guten Ernährung (spricht dafür, dass auch die Kinder sich langfristig und gut ernähren können werden, zB Haare und Muskeln), Costly Signals, die zeigen, dass er eine besondere Qualität hat, Parasitenfreiheit (zB glänzendes Fell, allgemeine Gesundheit), Zeichen eines Durchsetzens in intrasexueller Konkurrenz: Größe, Kraft, Nähe zum Weibchen bei speziellen Treffen zur Partnerfindung.

3. Attraktivitätsmerkmale bei Tieren in kooperativen Gruppen

4. Kann das Gehirn so etwas speicher

  • Das Gehirn ist ein paralleler Rechner, der komplexe Berechnungen vornehmen und gigantische Datenmengen speichern kann. All unsere Erinnerungen und Erfahrungen müssen zwangsläufig in einer biologischen Form abgespeichert werden, weil eine andere Speicherungsart nicht vorgesehen ist. Wenn Lernerfahrungen abgespeichert und genutzt werden können, dann kann man ein Gehirn auch so bauen, dass es bereits bestimmte Erfahrungen abgespeichert hat (es müssen ja nur die Gene dafür sorgen, dass die gleichen Strukturen bestehen, die bei einer Erfahrung abgespeichert werden).
  • Alle Vorgänge, die als kulturelle Regeln erlernbar sind, müssen demnach erst recht auch als erbbare Informationen vorliegen können.

5. weitere Vorteile abgespeicherter Attraktivitätsmerkmale

  • sie verhindern ein Auseinanderdriften einer Spezies. Wenn alle das gleiche Attraktiv finden, weil es abgespeichert ist, dann entwickeln sich die Mitglieder dieser Spezies alle in eine Richtung. Bei einem kulturellen Hintergrund kann hingegen ein Teil der Spezies zB lange Hälse und der andere Teil der Spezies dicke Hintern schön finden. Das hätte eine Zucht genau dieser Eigenschaften zur Folge, so dass der eine Teil der Spezies lange Hälse und der andere Teil dickere Hintern bekommen würde. Um so freier die Vorlieben um so wahrscheinlicher ein Auseinanderdriften, dass zu späterer Inkompatibilität führt. Um so einheitlicher man die Menschheit sieht um so eher muss man abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale annehmen.
  • Vererbbare Attraktivitätsmerkmale sind der einzige Weg wie biologische sexuelle Selektion langfristig wirken kann. Sofern man annimmt, dass es eine sexuelle Selektion gegeben hat, müßte man auch von vererbbaren Merkmalen ausgehen. – abgespeicherte vererbbare Attraktivitätsmerkmale sind der sicherste Weg unbewußtes Wissen über Fruchtbarkeit etc abzuspeichern. Hüft-Taile-Verhältnisse beispielsweise wären kulturell schwer zu erlernen und das Ergebnis würde mit den Generationen eher verfälscht werden.

6. Nutzen unsere nächsten Verwandten solche Merkmale?

  • Affen haben geringere Möglichkeiten eine Kultur aufzubauen, da sie keine Sprache haben.
  • Dennoch zeigen Affen Vorlieben für Partner mit körperlichen und gruppenorientierten Attraktivitätsmerkmalen
  • gerade der Status in der Gruppe bestimmt den Fortpflanzungserfolg bei den übrigen Primaten.
  • Da alle unsere nächsten Verwandten auf abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale zurückgreifen, muss auch ein gemeinsamer Vorfahr solche abgespeicherten Attraktivitätsmerkmale genutzt haben.

7. Ist eine komplette Aufgabe einmal abgespeicherter Attraktivitätsmerkmale hin zu einer Beliebigkeit und reinen Kulturgeprägtheit im Wege der Evolution möglich?

  • Ein Abbau ohne eine Ersetzung durch andere, passendere abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale, würde erfordern, dass Personen ohne diese Merkmale mehr Nachkommen haben als Personen mit solchen abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen.
  • Das ist bei solchen Merkmalen, die eine schnelle Geschlechtszuordnung ermöglichen sehr unwahrscheinlich. Jemand, dem egal ist, ob er mit einem Mann oder mit einer Frau schläft, wird eher weniger Nachkommen haben. Hat er gar keine Anhaltspunkte, die eine Attraktivitätszuordnung ermöglichen, dann wird ein geringer Teil vielleicht Gegenstände, Tiere oder Medien sexuell interessant finden, was ebenfalls nicht zu einer Vermehrung führt.
  • Auch bei Merkmalen, die Ausschluß über die Qualität des Partners in Hinsicht auf Fortpflanzung geben wäre eher damit zu rechnen, dass er ohne Attraktivitätsmerkmale Partner wählt, die geringere Chancen auf Fortpflanzung bieten. Auch diese Gene werden sich daher nicht im Genpool anreichern. – eine Selektion auf eine Loslösung von Attraktivitätsmerkmalen ist auch nicht wahrscheinlich, wenn die Kultur die gleichen Vorgaben hat, die auch die Natur machen würde. Denn dann sind die Attraktivitätsmerkmale zu keinem Zeitpunkt negativ sondern bestärken die Kultur noch. Ich kann mir demnach keine Selektion vorstellen, die dazu führt, dass wir abgespeicherte Attrkativitätsmerkmale komplett aufgeben.

Schönheit und Attraktivität sind damit wichtige Werkzeuge, die eine Partnerwahl ermöglichen sollen. Sie werden biologische Hintergründe haben, selbst wenn die Ausgestaltung, Ausformung und Gewichtung teilweise Kultur sein kann. Es spricht vieles dafür, dass auch der moderne Mensch abgespeicherte, vererbbare Attraktivitätsmerkmale hat, die durch Kultur nicht zu ändern sind.

Ich bitte um Kritik und insbesondere wenn man abweichender Meinung ist um Angabe, welche Punkte man noch mitträgt und welche nicht mehr und aus welchem Grund.

Testosteron und Immunsystem

Hormone sind für viele Unterscheidungen innerhalb der Geschlechter verantwortlich. Dabei bewirkt ein mehr an Testosteron bei Säugetieren üblicherweise eine Veränderung in Richtung „Männlich“ und ein mehr an Östrogen eine Veränderung in Richtung „weiblich“.

Testosteron kommt allerdings mit einem Preis:

Es bewirkt eine Verschlechterung des Immunsystems

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum gerade Testosteron als „Signalstoff“ für eine Entwicklung zum männlichen hin entstanden ist.

Den Anfang mag der Vorteil von Testosteron beim Muskelaufbau gemacht haben, der bei Spezien mit einem intrasexuellen Wettbewerb unter Männern hilfreich ist. Dann aber könnte die Red Queen Theorie und das Handicapprinzip zugeschlagen haben.

Die Red Queen Theorie besagt, dass wir uns in einem stetigen Wettrennen mit diversen Feinden befinden, die sich ebenfalls weiterentwickeln. Weil sich der eine entwickelt, muss sich auch der andere entwickeln. Beide bleiben auf der gleichen Stelle im Verhältnis zueinander, aber würde einer aus dem Rennen aussteigen, würde der andere die Oberhand gewinnen.

Dabei liefern wir uns dieses Rennen insbesondere mit Parasiten und Bakterien, die den Vorteil haben, sich schneller entwickeln zu können, da sie schnellere Generationsfolgen haben. Diesem Kampf halten wir insbesondere den Genpool entgegen, der es Parasiten schwerer macht, sich auf uns einzustellen, weil wir alle etwas anders sind, aber natürlich auch unser internes Gefahrenabwehrsystem, unser Immunsystem.

Auch die besten körperlichen Anlagen können dabei unbeachtlich sein, wenn dieses Immunsystem nicht funktioniert und die Bakterien und Viren nicht abgehalten werden können.

Es ist daher verständlich, dass Anzeichen körperlicher Gesundheit bei der Attraktivität sehr weit oben stehen. Ein klassisches Beispiel sind verlängerte Schwanzfedern bei Vögeln, die zwar das Fliegen erschweren, aber wenn sie sauber sind, zeigen, dass kein Parasitenbefall vorliegt.

Ein Stoff, der das Immunsystem beeinträchtigt, kann genau ein solches Anzeichen sein. Denn jemand, der gesund ist, sauber ist, kräftig ist wird üblicherweise Parasitenfrei sein. Fallen diese Anzeichen mit Anzeichen von Testosteron zusammen, dann bedeutet dies, dass sein Immunsystem trotz der zusätzlichen Last des Testosterons in der Lage ist, alle Angriffe abzuwehren. Aus den beiden Anzeichen zusammen ergibt sich damit die Wertung, dass sein Immunsystem sehr gut sein muss (zumindest für die lokalen Parasiten). Das Testosteron bzw. seine Ausprägung ist damit ein „Costly Signal

Die Gene für dieses Immunsystem gibt er dann evtl. an seine Kinder weiter, wobei die Mädchen noch nicht einmal die Nachteile des hohen Testosteronspiegels erben, die Jungs aber den Vorteil innerhalb der sexuellen Selektion haben, selbst Anzeichen eines guten Immunsystems zu tragen, wenn sie beide Eigenschaften erben.

Eine sexuelle Selektion der Weibchen auf Anzeichen von Testosteron und Gesundheit (beides zusammen) würde damit genetisch sinnvoll sein.

Gleichzeitig macht dies auch eine Selektion des Mannes auf ein gesundes Immunsystem noch interessanter als es aufgrund des Red Queen Rennen ohnehin schon ist. Denn ein Mann mit viel Testosteron läuft natürlich auch Gefahr, dass ein Sohn seinen Testosteronspiegel, aber ihr Immunsystem erbt. Da aber gleichzeitig Anzeichen von Testosteron bei ihr Anzeichen einer verminderten Fruchtbarkeit sind, zahlt es sich noch mehr aus, auf ihren Körper zu achten.

Das Costly Signal schlägt sich auch in realen Kosten nieder. Männliche Babies sind anfälliger, Krankheiten können schlechter abgewehrt werden. Aber aus Sicht der Gene ist Fortpflanzung eben das allerwichtigste. Solange der Vorteil insgesamt überwiegt lohnen sich daher solche Signale

 

Richard Dawkins: Evolution des Auges

Richard Dawkins erklärt die Evolution des Auges, also eines komplexen Systems von dem Kreationisten häufig denken, dass es nicht durch Evolution entstehen kann:

 

Kling logisch für mich.