Sprache und Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau

Im Schnitt fällt es Frauen leichter eine Fremdsprache zu erlernen. Ist diese Fähigkeit  kulturell bedingt oder biologisch?

Es sind jedenfalls Unterschiede im Sprachzentrum des Gehirns vorhanden:

Another previous study by the same group led by Dr. Godfrey Pearlson (9) has shown that two areas in the frontal and temporal lobes related to language (the areas of Broca and Wernicke, named after their discoverers) were significantly larger in women, thus providing a biological reason for women’s notorious superiority in language-associated thoughts. Using magnetic resonance imaging, the scientists measured gray matter volumes in several cortical regions in 17 women and 43 men. Women had 23% (in Broca’s area, in the dorsolateral prefrontal cortex) and 13% (in Wernicke’s area, in the superior temporal cortex) more volume than men.

These results were later corroborated by another research group from the School of Communication Disorders, University of Sydney, Australia, which was able to prove these anatomical differences in the areas of Wernicke and of Broca (3). The volume of the Wernicke’s area was 18% larger in females compared with males, and the cortical volume the Broca’s area in females was 20% larger than in males.

Oder in diesem Beitrag:

Cecile Naylor, a neuropsychologist at The Bowman Gray School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, stumbled upon dramatic sex differences almost accidentally as she was studying people with learning disabilities. As part of her study she recruited a control group of 30 men and 30 women „unhindered“ by neurological problems. She gave them an oral spelling test that required them to identify whether a word was exactly four letters long. To take the test, each person lay flat on a table, wearing what Naylor describes as „basically a revised motorcycle helmet.“ The helmet contained devices that measured blood flow through the cortex.

She found no essential difference in how well the men and women scored on the spelling test. An analysis of blood flow, however, showed sex differences in brain activity during the test. In men the patterns of blood flow showed that the most intense brain activity seemed to occur „in a tight linkage“ between two areas known to be involved in language and verbal communication: Wernicke’s area in the left temporal lobe and Broca’s area in the left frontal lobe adjacent to the motor cortex region controlling muscles of the face, jaw, tongue, and throat. The two areas are connected by a thick band of fibers. The standard model for language holds that language making and comprehension arise in Wernicke’s area and then travel via the pathway to Broca’s, where they call up the program that causes the phrases to be spoken.

In women, though, she found no such intense coupling between the two areas. Instead Wernicke’s was actively engaged with two other areas, one behind it in the left temporal lobe. Wernicke’s was also linked to its „mirror“ area in the right temporal lobe. Without further research, Naylor is loath to say what these startling differences mean, but she will speculate a little. „The area behind Wernicke’s lies between the primary visual and auditory regions,“ she says, „so one might argue that women have an additional imaging function“ during the language process. The area opposite Wernicke’s in the right hemisphere is involved in the emotional comprehension and expression aspect of language. If this region is engaged in women, then it is not farfetched to think that during language processes a typical woman brings a richer, more expanded emotional component into play than most men do.

In men, as language impulses move toward speech, only Broca’s area is engaged. In women, Naylor found, „almost every area of the cortex, left and right hemisphere, has some unique relationship with Broca’s during the task, as if there were many independent things going on between Broca’s and lots of different regions.“ Is it almost as if a woman’s brain is „ablaze“ during language processing? „Well,“ Naylor responds carefully, „it suggests some thing more global – that women are recruiting areas of the brain that enable them to use more strategies than men.“

The male arrangement follows the classical model of language function „as a unit independent from the rest of the brain,“ she says, adding that most language-area studies have been made with men. The classical model may be classic for only about 50 percent of the human population. Naylor’s work may also explain why, according to some studies, women recover faster than men from certain types of strokes attacking the core language regions.

Da üblicherweise beide Geschlechter in der Schule gleichermaßen mit Fremdsprachen in Kontakt kommen und diese Lernen müssen erscheint mir eine kulturelle Prägung die großen Unterschiede nicht erklären zu können. Bei einem kulturabhängigen Lernprozess müsste das Gehirn, da der die spätere Menge des Inputs ungewiss ist, den gleichen Weg wählen und diesen dann später lediglich stärker ausbauen. Das ein anderer Weg bestritten wird ist bei einer kulturellen Prägung nicht zu erwarten, weil die Intensität der Beeinflussung ja nicht im voraus abzusehen ist.

Interessant ist auch, dass Sprachen, die früh gelernt werden in der Broca-Area gemeinsam abgelegt werden, später erlernte Fremdsprachen aber einen getrennten Bereich in der Broca-Area erhalten. Dies zeigt, dass beim Erlernen der Sprache bestimmte Zeitfenster vorhanden sind, die den Erwerb der Sprache begünstigen.

Meine Begründung für die besseren Sprachfähigkeiten wäre, dass Gentests zeigen, dass normalerweise die Frau zum Mann gezogen ist, wenn das Paar aus getrennten Stämmen stammte.

Steinzeitliche Partnersuche: Wie Mann und Frau in der Jungsteinzeit zusammen kamen, konnte jetzt die Analyse eines Steinzeitgrabes klären: Die Frauen verließen die Gegenden, in denen sie aufgewachsen waren, und zogen in den Haushalt des Mannes. Er und die Söhne blieben in der Region ihrer Kindheit sesshaft.

Das Frauen, die schneller eine fremde Sprache lernen konnten, eine bessere Position in der neuen Gruppe erreichen konnten (besser am Alltagsleben teilnehmen konnten, besser wichtige Informationen erhalten und weitergeben konnten) und damit auch die Überlebenschancen ihrer Kinder verbesserten leuchtet ein. Sie hatten damit mehr Nachkommen, die sich selbst Fortpflanzen konnten, so dass eine Evolution bei den Frauen stattfinden konnte, die deren Sprachlernfähigkeiten verbesserte. Da Männer blieben wo sie waren, mussten sie seltener eine neue Sprache lernen und diese Fähigkeit brachte ihnen daher weniger Vorteile.

19 Gedanken zu “Sprache und Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau

  1. Deine Erklärung klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Männer bleiben bei Ihrem Stamm, vor allem um den sich erarbeiteten Status innerhalb der Gruppe zu erhalten. Der Status der Frauen innerhalb einer Gruppe leitet sich von dem ihres Mannes ab.

    Würde der Mann in die Gruppe, aus der seine Frau stammt, umziehen, müsste er sich seinen Status neu erarbeiten.

    Mir stellt sich aber die Frage, ob mit dieser Erklärung eine Evolution der Broca-Region nur bei Frauen begründbar ist. Weshalb sollte diese Evolution nur an den weiblichen Nachwuchs weitergegeben werden? Es wäre nach dieser Begründung auf für den männlichen Nachwuchs sinnvoll, diese verbesserten Fähigkeiten zu besitzen. Beispielsweise um leichter mit anderen Stämmen kommunizieren zu können, um Allianzen zu gründen, Aggressionen friedlicher zu lösen.

    Auch fehlt zur überzeugenden Begründung dieser Theorie meiner Meinung nach der Nachweis, dass die für die Entwicklung der Broca-Region entscheidenden Erbinformationen primär auf dem X-Chromosom liegen. Oder dass die Entwicklung der Brocaregion besonders stark von dem Vorhandensein von Thestosteron im Fötus/ Kind abhängig ist. Wobei ein hoher Thestosteronwert eine eingeschränkte Entwicklung der Brocaregion zur Folge hätte.

    In letzterem Fall müsste man dann aber folgern, dass gerade keine Evolution primär bei Frauen stattfand, sondern das vielmehr es für Menschen mit hohem Thestosteroneinfluss nützlich war, zugunsten von anderen Fähigkeiten, die auf unterschiedlichen hirnanatomischen Entwicklungen fussen, für die besondere Entwicklung der Brocaregion Ressourcen aufzuwenden.

    Um dies zu verifizieren, fehlt den beiden zitierten Studien aber der Aspekt, welchen Einfluss ein besonders hoher Testosteronwert – der auch bei Frauen durchaus vorkommen kann- hat. Hierzu wäre vielleicht ein innergeschlechtlicher Vergleich sinnvoll: Können Frauen, die im Mutterleib besonders hohen Testosteronkonzentrationen ausgesetzt waren, ebenso gut neue Sprachen lernen wie Frauen, deren Mütter „normale“ Testosteronwerte aufwiesen. Zeigt ihre Hirnstuktur Abweichungen von denen ihrer „normalen“ Geschlechtsgenossinnen?

    „Gefühlt“ wurde ich diese Frage bejahen: Zu meiner Schulzeit waren Mädchen, die in Naturwissenschaften besonders gut waren, und später eher typische Männerberufe anstrebten, in den Fremdsprachen unter dem weiblichen Durchschnitt. Natürlich ist das aber kein wissenschaftliches Argument.

  2. Ja, der Mann würde mehr aufgeben, wenn er umzieht, da er Statusabhängiger ist.

    Die Informationen müßten nicht unbedingt auf dem X-Chromosom liegen, da Ausführungsanweisungen wie „Normalerweise Bausweise 1, wenn viel Testosteron vorhanden, dann Bauweise 2“ auch bei anderen Unterschieden vorhanden sind (was zB eine Erklärung für Homosexualität ist, die „Körperbauweise“ ist nach Bauweise 2 ausgeführt (hier natürlich unter Berücksichtigung des Y-Chromosoms), das „Wen finde ich attraktiv Modul“ aber nach Bauweise 1.

    Deine weiterführenden Fragen sind interessant und zeigen meiner Meinung nach, dass man evolutionäre Überlegungen durchaus wissenschaftlich absichern kann und es nicht nur „Just so“-Geschichten sind.
    Ich werde mal etwas suchen.
    Vorab habe ich nur eine Studie zu Familien mit einer Genetischen Veranlagung für congenital adrenal hyperplasia gefunden, eine Krankheit, bei der die Nebennierenrinde zuviel Testosteron produziert und daher Sprachprobleme auftreten „Die Befunde zeigen, daß es in Familien mit dem Gen für CAH eine erhöhte familiare Rate für sprachliche Lernprobleme und verändertc Hirnasymmetrien gibt.“
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-8749.1996.tb15100.x/abstract

    Den Grad des Testosterons im Mutterleib könnte man an der digit-Ratio zumindest grob überprüfen. Man müsste sich also ein paar Leistungskurse Französisch und Englisch und im Gegenzug LK Physik vornehmen und da die Zensuren und die Digit-Ratio gegenüberstellen.

    interessant wäre auch das Broca-Areal von sehr weiblichen schwulen und eher männlichen Lesben.

    Mal sehen was man so findet.

  3. @Seppo

    Weshalb sollte diese Evolution nur an den weiblichen Nachwuchs weitergegeben werden? Es wäre nach dieser Begründung auf für den männlichen Nachwuchs sinnvoll, diese verbesserten Fähigkeiten zu besitzen. Beispielsweise um leichter mit anderen Stämmen kommunizieren zu können, um Allianzen zu gründen, Aggressionen friedlicher zu lösen.

    Dafür kann es viele Gründe geben. Der Ausbau eines Sprachzentrums ist zunächst einmal ein Energieeinsatz, der sich lohnen muss. Evolution ist nicht immer die Entwicklung eines Teils zum Optimum hin, die Bilanz muss insgesamt gut sein. Vielleicht hat sich der Ausbau des Sprachzentrums in der Weise, wie Frauen es haben, nicht gelohnt, sondern eine geringere Sprachlernfähigkeit reichte aus. Zumal man damals ja auch keine Sprachschulen hatte, sondern Sprache nur durch Kontakt mit anderen Personen gelernt werden konnte, so dass man sich weniger auf solche Verhandlungen vorbereiten konnte. Vielleicht war verständigung über Zeichensprache und Zeigen etc für die damalige in vielen Punkten einfachere Welt ausreichend. Oder man hat einfach eine Frau zum dolmetschen genommen.
    Vielleicht ist der Prozess auch einfach nur an das Östrogen gekoppelt gewesen und demnach eine Übertragung auf Männer aufgrund dieses Mechanismus genetisch sehr unwahrscheinlich.

  4. @Heinz

    Da steht nur leider nichts dazu, ob Unterschiede an Broca und Wernicke Bereich vorliegen.
    Es steht nur dort, dass Schmitz die Messmethoden noch für zu ungenau hält, was insbesondere den Corpus Callosum betrifft.

    Auch nach diesem Artikel können die Unterschiede bestehen oder etwa nicht?
    Interessant finde ich an Sigrid Schmitz, deiner Doktormutter, dass sie anscheinend kaum noch in medizinischen oder biologischen Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern eher in Zeitschriften wie „Schlangenbrut – Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen“.
    Wirft ein kleines Licht auf ihre wissenschaftliche Reputation oder?

  5. Sag mal, wie hat der Mann eigentlich eine Frau aus einem anderen Stamm kennengelernt, wenn er seine Heimat nie verlassen hat? Dann wären die beiden einander doch nie begegnet, oder?

    Händler waren früher vorwiegend Männer, die weit umher reisten. Die sollten eigentlich in Fremdsprachen sehr versiert gewesen sein, denke ich. Sonst wären sie beruflich wohl wenig erfolgreich gewesen.

    Waren es ursprünglich nicht auch in erster Linie junge Männer, die in die Welt hinausgingen, aus Neugier und Abenteuerlust, um ferne Welten zu erkunden – oder zumindest mal das nächste Tal?

    Wie berücksichtigt die Studie eigentlich die Korrelation zwischen Latein und mathematischem Verständnis? Auch Latein ist ja eine Fremdsprache, die aber von Jungs oft bevorzugt wird. Und die auch selten Probleme mit dieser Sprache haben.

  6. @Lia

    Das die Männer eher beim Stamm geblieben sind ist ein Ergebnis der Archäologie.

    Ich würde es ebenso erklären wie Seppo. Ein Teil dessen was den Mann attaktiv gemacht hat, nämlich seine Position im Stamm hätte er ansonsten aufgeben müssen, die Frau aber macht insbesondere körperliches attraktiv, was sie zwangsläufig mitnimmt.

    Sie kann auf verschiedene Arten zum Stamm gekommen sein. Vielleicht haben sich die Stämme getroffen, ein paar Gegenstände getauscht, ein paar Abende miteinander verbracht, ein paar Männer haben sich in ein paar Frauen verliebt und andersrum und die Stämme haben sich mit leicht geänderter Besetzung wieder getrennt. Oder ein Fall von Frauenraub. Es fallen einem sicher noch viele Möglichkeiten ein.

    In der Steinzeit war denke ich der fahrende Händler noch nicht so verbreitet, jedenfalls nicht vor der Sesshaftigkeit
    Natürlich benötigen Männer auch Sprache. Ich habe auch schon mal Männer gesehen, die neben ihrer Muttersprache eine andere Sprache gesprochen haben 😉
    Aber wenn Frauen häufiger den Stamm gewechselt haben, dann war der Druck dort anscheinend größer und die Mutation konnte sich bei ihnen eher halten. Ein Leben in der Fremde erfordert vielleicht mehr Kommunikation als ein Tauschhandel Ware gegen Ware.

    Latein wird in Deutschland als tote Sprache nach der Grammatik-Übersetzungsmethode (GÜM) gelehrt. Diese legt wenig Wert auf das Sprechen oder die Aussprache, sondern konzentriert sich auf die Grammatik und das Auswendiglernen der Vokabeln. Vielleicht ist es dieser Umstand, der Jungen eher zu dieser nicht als Sprache gelehrten Sprache greifen lässt.
    Vielleicht ist diese Art von Lernen auch weniger eine Frage des Sprachzentrums (es ist ja eine recht unnatürliche Art für eine Sprache) sondern spricht eher ein logisch-mathematisches Denken an.

  7. Pingback: Big 5 Personality Traits: Unterschiede Mann Frau « Alles Evolution

  8. Pingback: Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau « Alles Evolution

  9. Pingback: Schröder vs. Ortgies: Biologie und Gleichheitsfeminismus « Alles Evolution

  10. Pingback: Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau und Diskriminierung aufgrund von Rollenbildern « Alles Evolution

  11. Pingback: Die Biologie der Sprache: Pidgin und Kreolsprachen « Alles Evolution

  12. Pingback: Sprache und Testosteron « Alles Evolution

  13. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

  14. Pingback: Frühes postnatales Testosteron ist ein Indikator für Sprachfertigkeiten | Alles Evolution

  15. Pingback: Metastudie zu Geschlechterunterschieden in der Gehirnstruktur | Alles Evolution

  16. Pingback: Geschlechterunterschiede im Gehirn sind bereits im Alter von einem Monat vorhanden | Alles Evolution

  17. Pingback: Vorhersage des Geschlechts anhand der Gehirnwellen | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.