„Die Evolution hat kein Ziel, folglich gibt es auch keinen evolutionären Druck“

Lucia merkt folgendes an (um Beleidigungen gekürzt):

„Die Evolution hat kein Ziel und folglich gibt es auch keinen evolutionären Druck. Der kann nur durch die Lebensbedingungen entstehen, an die sich die Lebewesen anpassen oder aussterben.“

Richtig daran ist natürlich erst einmal, dass die Evolution kein Ziel hat. Da sie auf Mutation und Selektion beruht ist sie ein endloser Prozess, der kein Endstadium erreichen kann. Es gibt kein „perfektes Lebewesen“ und auch kein „unfertiges Lebewesen“. Deutlich wird dies auch an der Red Queen Theory, die die Konkrurrenz der Lebewesen untereinander betrachtet. Da Lebewesen miteinander agieren und miteinander konkurrieren müssen sie sich zumindest untereinander anpassen und ein „perfektes Lebewesen“ wäre nur bis zur nächsten positiven Mutation seines Feindes oder Konkurrenten perfekt.

Das bedeutet aber nicht, dass Evolution nicht ein bestimmter Prozess in eine Richtung sein kann, der sich (kurzzeitig) anhand bestimmter Sachzwänge entwickelt. Den neben der zufälligen Mutation besteht Evolution eben auch aus Selektion. Und es lassen sich gewisse Kriterien für eine Selektion aufstellen, wenn sich auch daraus die tatsächliche, konkrete Evolution nicht vorhersagen läßt.

Ein Beispiel wäre das Erreichen eines flugfähigen Vogels auf einer Insel ohne natürliche Feinde. Durch das Wegfallen der Fressfeinde sind bestimmte Selektionsfaktoren, die bisher auf den Vogel einwirkten, weggefallen. Es spricht damit vieles dafür, dass sich bei diesem Vogel Systeme, die gerade unter diesen Selektionsfaktoren entstanden sind, wegfallen werden und andere Faktoren, die bisher durch diese Selektion unterdrückt werden, nunmehr aufleben. Das Fliegen erlaubt einem Vogel beispielsweise die schnelle Flucht vor einem Fressfeind. Im Gegenzug verbietet ihm das Fliegen die Bildung vieler Nahrungsmittelreserven, die Bildung stabiler, aber schwerer Knochen etc. Zudem bedeutet Fliegen, dass man sich kostenintensive Flugmuskeln zulegen muss und diese unterhalten muss, was selbst bei Nichtnutzung zum Fliegen erhebliche Verursacht. Der allgemeine Druck, einen möglichst kostensparenden Körper zu haben, kann sich daher ohne natürliche Feinde wesentlich besser entwickeln. Natürlich kann auch die Nahrungssuche ein Fliegen erfordern, etwa bei steilen Küsten und Fischfang bei ansonsten bestehender Nahrungsknappheit.Natürlich kann die Flugfähigkeit auch im Rahmen der sexuellen Selektion eine richtige Rolle spielen und deswegen erhalten bleiben. Dennoch kann man beobachten, dass Vögel unter diesen Umständen sehr häufig ihre Flugfähigkeit einbüssen werden, dicker und stabiler werden, ihre Fluchtinstinkte verlieren.

Das bekannteste Beispiel ist der Dodo. Wie an der allseits bekannten Geschichte des Dodos deutlich wird ist dieser Verlust der Flugfähigkeit natürlich kein Ziel im Sinne eines Plans der Evolution gewesen. Aber weil Evolution eben planlos verläuft und daher überlegungen wie „Irgendwann wird einmal ein Raubtier auf die Insel kommen, es wäre besser für die Gattung, wenn auch nicht unbedingt für das jetzt lebende Einzelwesen, sich die Flugfähigkeit und die Fluchtinstinkte zu erhalten“ innerhalb des Prozesses natürlich nicht stattfinden können, ist es nicht fehlerhaft davon zu sprechen, dass ein selektiver, evolutionärer Druck weggefallen ist. Ebenso kann man natürlich auch den Menschen betrachten. Über den weitaus größten Teil der Menschheitsgeschichte (also zumindest etwa 4,5 Millionen Jahre) bestand ein höherer Selektionsdruck für Menschenfrauen als für Menschenmänner sich einen Partner zu suchen, der bereit war, Teile der Kosten einer Schwangerschaft zu übernehmen.

Dieser Selektionsdruck macht sich auch beim Menschen bemerkbar, die deswegen seltener als der Mann reinen Sex ohne gefühlsmäßige Bindung will und formt im Gegenzug aufgrund der Ausgestaltung bei der Frau im Wege der sexuellen Selektion auch wieder die Partnerwahl des Mannes. Das Ergebnis dieses Prozesses und des damit einhergehenden Red Queen Races betrachtet insbesondere die Sexual Strategies Theory. Inzwischen ist der diesbezügliche Selektionsdruck weggefallen. Veränderungen ergeben sich insbesondere daraus, dass Verhütung eine Abkoppelung von Sex und Fortpflanzung ermöglicht hat und zudem das hochentwickelte Sozialsystem, Unterhaltsgesetze, die verbesserte Möglichkeit einer Drittbetreuung etc in modernene Staaten Frauen ermöglichen, die Kosten einer Schwangerschaft an den Mann auch gegen dessen Willen oder an die Gemeinschaft weiterzureichen. Das Wegfallen des Selektionsdruckes in diese Richtung bedeutet aber nicht, dass die durch diesen Selektionsdruck entstandenen biologischen Grundlagen wegfallen.

Dabei sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:

a) Zeit

Der Wegfall des Selektionsdruck ist noch nicht lange her. Effektive Verhütung ist erst mit der industriellen Herstellung von Verhütungsmitteln möglich, Kondome etwa seit ca. 1930, die Pille etwas später. Erst ca. etwa den 70ern, also seit nunmehr gerade einmal 3 Generationen, ist effektive Verhütung möglich

b) Sexuelle Selektion

Sexuelle Selektion funktioniert über biologisch verankerte Partnerwahlkriterien. Diese stabilisieren das System, da sie zu einem Selbstöläuferprozess führen können. Wenn Männer Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern aufgrund dieser Kriterien als weniger attraktiv für eine Langzeitbindung ansehen, dann bleibt es auch bei Wegfallen des Selektionsdrucks hierfür vorteilhaft, entsprechende Frauen nicht zu wählen bzw. Männer, die sich mit entsprechenden Frauen für eine Langzeitbindung einlassen nicht zu wählen, weil aufgrund der abgespeicherten Partnerwahlkriterien Töchter bzw. Söhne, die nach diesen Kriterien entstehen, schlechtere Chancen auf dem Partnermarkt haben. Die Söhne würden von den Frauen abgewertet werden, weil sie sich mit entsprechenden Frauen auf Langzeitbindungen einlassen, die Töchter für Langzeitbindungen uninteressanter werden. Diese Nachteile stellen also ebenfalls einen Selektionsdruck dar, der das System stabilisieren kann.

c) Fehlende Selektion in eine abweichende Richtung

Die Kriterien, die sich nach dem bisherigen Selektionsdruck aufgebaut haben, verschwinden nur dann, wenn der wegfallende Selektionsdruck zu Veränderungen im Genpool führt. Bei dem Dodo beispielsweise konnte ein Vogel, der schwächere Flugmuskeln hat, genauso gut überleben. Wenn Dodos aufgrund eines reichhaltigen Nahrungsangebots und weniger Fluchtnotwendigkeit insgesamt fetter wurden, flogen vielleicht auch die Dodos mit besseren Muskeln weit aus weniger. Insgesamt wirkten sich daher solche Nachteile nicht aus, hingegen mussten die Vögel mit guter Flugmuskulatur diese nach wie vor unterhalten und starben daher vielleicht in Dürrezeiten eher. Die Gene für schwache Flugmuskeln könnten sich daher gut im Genpool anreichern. Die Frauen, die dank Verhütung folgenlosen Sex mit vielen Partnern haben konnten, bekommen aber nicht mehr Kinder als die Frauen, die das nicht wollten. Denn das verhindert die Verhütung ja gerade. Sie bekommen vielleicht sogar deswegen später Kinder als Frauen, die früh eine feste Partnerschaft eingehen und konzentrieren sich eher auf Karriere etc. Eine gentische Veränderung stellt sich nicht ein, weil ein bestimmtes Verhalten praktiziert wird. Das wäre Lamarckismus. Sie würde sich hier einstellen, wenn Frauen, die mehr Sexualpartner haben als der Schnitt mehr Kinder haben würden als Frauen, die weniger Sexualpartner haben als der Schnitt.

28 Gedanken zu “„Die Evolution hat kein Ziel, folglich gibt es auch keinen evolutionären Druck“

  1. Heute Trollfütterung de luxe, was? Ich hab’s ja immer gesagt: Was sich neckt, das liebt sich. Lucia kommt von dir/uns nicht los und du nicht von ihr. Studien besagen, dass ein hübsches Äußeres über charakterliche Defizite hinwegsehen lässt. So erkläre ich mir deine Beharrlichkeit.

  2. —-Wenn Dodos aufgrund eines reichhaltigen Nahrungsangebots und weniger Fluchtnotwendigkeit insgesamt fetter wurden, flogen vielleicht auch die Dodos mit besseren Muskeln weit aus weniger. ……….Die Gene für schwache Flugmuskeln könnten sich daher gut im Genpool anreichern.—-

    erinnert an unsere westliche Zivilisation. lange Friedenszeiten, Überschuß durch Konsumterror, Eingriffe in die natürliche Selektion durch moderne Schulmedizin.

    —-Die Söhne würden von den Frauen abgewertet werden, weil sie sich mit entsprechenden Frauen auf Langzeitbindungen einlassen,—-

    dieser Punkt sollte doch genauer erklärt werden

    —-….ist es nicht fehlerhaft davon zu sprechen, dass ein selektiver, evolutionärer Druck weggefallen ist.—-

    Das sehe ich nicht so. Da wir Menschen ständig in unsere Umweltprozesse eingreifen werden wir uns auch anpassen müssen. Diese Eingriffe nehmen
    ständig zu und die Auswirkungen werden wahrscheinlich mehr als linear zunehmen.
    Hier wird sich dann zeigen wie anpassungfähig unsere Spezies ist.

    Irgendwie vermisse ich noch die soziale Selektion.
    Durch Geld, Macht und Status könnten genau die Gene aus dem Pool verschwinden, die der Mensch zum künftigen Überleben benötigt.
    Das wäre dann wieder voll ein Eigentor unseres Gesellschaftssystems.

  3. Die Evolution hat kein Ziel, aber eine Zieleingrenzung, eine Pfadverengung und Irreversibilität. Den Pfad, der einmal eingeschlagen wurde, können die Nachkommen nie verlassen, also auf einen anderen Pfad wechseln. Nicht nur bei dem Problem wird uns m.E. in den nächsten Jahrzehnten die Gentechnologie weiterhelfen können. Warum soll sich der Mensch nicht von der Naturbestimmtheit durch Evolution lösen und sein Schicksal industriell selbst in die Hand nehmen wie er es mit so vielen Dingen getan hat? Nach dem Zeitalter der Agrikultur, der mechanischen Kultur und der Symbolkultur (Zeichenmanipulation in algorithmischen Maschinen) kommt vielleicht die Genkultur: Selbstdesign des Menschen, Überwindung des Menschen durch den Menschen.

    • Dollo’s law of irreversibility

      Das Gesetz ist“eigentlich nur eine Aussage über
      die statistische Unwahrscheinlichkeit, daß eine
      evolutionäre Entwicklungsrichtung genau gleich in
      beiden Richtungen durchlaufen wird“.

      Wasser ———————–>Land ———–>Wasser
      Quastenflosser und –>Landwirbeltiere —> Wale,Robben,
      Lungenfischen ……………………………………. Seekühe und Seeotter

      Die GENAU GLEICHE Entwicklung ins Wasser zurück hat natürlich nicht stattgefunden.
      Statistisch ist das natürlich sehr unwahrscheinlich bei den Möglichen Mutationen.

      Wo siehst du denn die Pfadverengung und die Irreversibilität ???
      Vor allem die „Zieleingrenzung“ ??????
      (Welches Ziel bitte ?????)

  4. „..Es gibt kein „perfektes Lebewesen“ ..“

    Es sei denn, mich!

    „Das bekannteste Beispiel ist der Dodo. ..“

    Ich fühle mich nicht angesprochen.

    „Der Wegfall des Selektionsdruck ist noch nicht lange her. Effektive Verhütung ist erst mit der industriellen Herstellung von Verhütungsmitteln möglich, Kondome etwa seit ca. 1930, die Pille etwas später. Erst ca. etwa den 70ern, also seit nunmehr gerade einmal 3 Generationen, ist effektive Verhütung möglich.“

    Und davor haben sie blind herumgebumst und apathisch endlos Kinder gekriegt?

    „Die Kriterien, die sich nach dem bisherigen Selektionsdruck aufgebaut haben, verschwinden nur dann, wenn der wegfallende Selektionsdruck zu Veränderungen im Genpool führt.“

    Wow!

    Bei diesem Wort muss ich an Winter-Sonnen-Wende denken – während Andere ans Weihnachten rücken. Das mit dem Weih-Nachten kann Euch bestimmt der Alexander näher erörtern. Ich sage nur zum Abschied (Ich verabschiede mich herzlich von Allen, mit denen ich hier gerne Zeit verbracht habe) etwas zum Winter-Sonnen-Wende: Neben den 4 Mond-Festen gibt es 4 Sonnen-Feste in der matriarchalen Vorstellung, die den gesamten Ablauf eines Jahres symbolisch fassbar machen: Frühling-Tag-und-Nacht-Gleiche (Ostern), Sommer-Sonnen-Wende (Erntedankfest), Herbs-Tag-und-Nacht-Gleiche (Allerheiligen) und Winter-Sonnen-Wende (Weih-Nachten). Ja, die Kirche hat die alten Feste überlappet.

    Ich habe am 21.12.11 Winter-Sonnen-Wende gefeiert und neues Licht ist für mich geboren worden. Alexander muss bis morgen warten (hihihi). So verabschiede ich mich hier im aufgehenden Licht, während Alexander vor der Geburt des Herrn steht (http://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht).

    Macht´s gut.

    • @ Staro

      Dir alles Gute, Staroszczyk, Gott segne Dich.

      Und da Du Dich heute verabschiedest, muss ich Dir natürlich heute schon eines meiner Lieblingeweihnachstslieder hinterherschicken, etwas verfrüht. Habe ich in Kindertagen selbst geträllert in der Christmette als Chorknabe unserer Pfarrei, leider bei weitem nicht so perfekt wie diese Herren:

      • Ja, der Artikel „Natural History of Ashkenazi Intelligence“ von Chochran, Hardy und Harpending hat die aktuelle Diskussion zum Thema ausgelöst.

        Die wichtigste Kritik an ihrer Hypothese ist dieser Text hier:

        R. Brian Ferguson – How Jews Became Smart. Anti-„Natural-History of Ashkenazi Intelligence“

        Ich empfehle jedem, der sich mit der Thematik näher beschäftigen möchte, BEIDE Texte gelesen zu haben.

      • @ Leszek

        Brian Ferguson führt die höhere Intelligenz der Ashkenazim auf ihre hohe Bildungskultur zurück.

        Was aber, wenn diese höhere Bildungskultur nicht Ursache, sondern Folge höherer Intelligenz ist?

        Weil Intelligente Menschen eben gern und leicht lernen, weil für sie Lust ist, was für weniger begabte Menschen eher Frust und Anstrengung ist.

        Cochran fiel auf, dass in Spezialkliniken für in der Normalbevölkerung sehr, sehr seltene Erbkrankeiten, die vor allem das Nervensystem betrafen (Tay-Sachs z.B.) überragend viele jüdische Patienten behandelt wurden.

        Und diese Patienten weit überdurchschnittlich häufig überdurchschnittlich intelligent waren, sehr, sehr häufig sehr erfolgreiche Ärzte, Rechtsanwälte, Banker (gut, das war vor der Finanzkrise).

        Warum korreliert diese hohe Intelligenz mit spezifischen Krankeheiten, die außerdem noch das kognitive System betreffen und sich in einer bestemmten Bevölkerungsgruppe konzentrieren.

        Mir kann Soziologie (Brian Ferguson ist Soziologe und obendrein Marxist) das nicht überzeugend erklären, diese Verschränkung biolgoischer, sozialer, ethnischer, kognitvier Besonderheiten.

        Die Annahme einer verbindenden biolgischen Basis dieser Verschränkungen erscheint mir plausibler.

        Wenn Bildungskultur zu intelligenteren Menschen führte, wären ja, ich wiederhole mich, die Erziehungsdiktaturen erfogreich gewesen, wäre der Mensch durch Erziehung umformbarer als er es erwiesenermaßen ist, wären die Bildungsförderprogramme für Farbige, die seit mehr als 4 Jahrzenten laufen, erfolgreich gewesen.

        Es wird aber nur der darüber gestritten, ob sie überhaupt keinen oder einen geringen Effekt hatten.

        Abgesehen von der Anfälligkeit für Betrug und Wunschdenken des pädagogischen Personals, das in solche School Assessment Tests einfließt.

        Wie wenig Bildungsförderung ändert, zeigt auch wieder mal ein Billdungstest, über den der Fokus berichtete: 30 Jahre Bildungsförderung für Mädchen haben augenscheinlich an der REALEN Situation (jenseits von Notenprivilegierung) nichts gebracht.

        http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/bdw/tid-24511/bildung-frauen-das-dumme-geschlecht_aid_695524.html

        Man wird ja ein wenig zynisch mit der Zeit, wenn man selbst einmal glaubte, der Mensch sei intelligent zu bilden, weshalb mich das nur noch zum Schmunzeln bringt, Zitat:

        *Die Psychologin Jutta Margraf-Stiksrud von der Universität Marburg und ihre Mitarbeiterinnen haben ihn ins Deutsche übersetzt und mit ihm geforscht. Bei einem Test, der gezielt das Allgemeinwissen misst, lassen sich Geschlechtsunterschiede nicht mehr ritterlich unterbuttern. Doch da war Margraf-Stiksrud nicht bange. Schließlich gab es in den 1970er-Jahren große Bildungsreformen, und Mädchen erzielen heute bessere Abiturnoten als Jungen. So war es für sie eine „durchaus nicht angenehme Überraschung“, als sie feststellte: „Der Geschlechtsunterschied ist im Allgemeinwissen noch genauso groß wie vor 30 Jahren.“*

      • @ Terminatus

        Ja, das ist die Studie, die einschlug wie eine Bombe, weil sie genau die wunden Punkte der heutigen Vorlieben traf(Gleichartigkeitshypothese, die mit religiöser Inbrunst verfochten wird) und das nach ganz persönlich bei einer in den USA sehr einflussreichen Gruppe: die aschkenazische Intelligentsia selbst, die mit Verve (ganz im Gegensatz zu Israel) jede Anspielung auf die Aschkenazim als eigene Ethnie wütend bekämpft, die selbst höchst interessiert daran ist, als Ethnie nicht aufzufallen.

        Das hat ganz praktische Gründe.

        Wenn Ashkenazim als eigene Ethnie „anerkannt“ würden, müsste nach Affirmative-Action-Logik massiv gegen sie diskriminiert werden an den Elitehochschulen der USA, weil sie bei vielleicht 2 % der Bevölkerung dort ca. 20 % der Studenten stellen.

        Wenn sie aber als Teil der Caucasian gelten, sind sie nicht überrepräsentiert, sondern gehören zu der ca. 60% weißen Mehrheitsbevölkerung.

        Wie bedeutsam Affirmaatve-Action-Quoten mittlerweile den Alltag bestimmen, erfuhr von einer mir bekannten Familie (Deutsch-hongkongchinesisches Paar, er Deutscher, sie Chinesin, beide US-Staatsbürger). Die blitzgescheite Tochter bewarb sich an mehreren Elitehochschulen als Caucasian, obwohl sie sich auch als Asian hätte eintragen können. Doch gegen Asians wird mittlerweile massiv diskriminiert, sie brauchen viel höhere SAT-Scores, um die gleiche Zulassungswahrscheinlichkeit zu bekommen wie Causasians (von Hispanics oder African-Americans ganz zu schweigen, die „positiv“ diskriminiert werden, da „unterrepräsentiert“).

        Da wurde mir bewusst, warum US-Ashkenazim so gar kein Interesse daran haben, als Ethnie „entdeckt“ zu werden :).

        Was zu einer gewissen Schizophrenie führt: Auf der einen Seite setzen sie sich mehrheitlich ganz massiv und dezidiert für einen ethnonationalistischen jüdischen Staat Israel ein, auf der anderen Seite wollen sie in den USA keine eigene Ethnie sein, bekämpffen ethnonationalistische Tendenzen unter konservativen, republikanischen weißen US-Amerikanern, die voraussehen, dass es in wenigen Jahrzehnten keine weiße Mehrheit mehr geben wird und die u.a. darum die große unkontrollierte Zuwanderung aus Mittelamerika/Mexiko einschränken wollen, während das demokraische Establishment für eine Legalisierung der Illegalen streitet, die Stimmen des hispanischen Wählerblocks, der, überproportional sozialstaatsabhängig ganz überwiegend demokratisch wählt, fest im Blick.

        Wohingegen die Weißen die Hauptfinanziers der Veranstaltugn sind, zu deren Lasten umverteilt wird.

      • @ Peter

        *es ist ein Ross entsprungen, aus einer Metzgerei*

        Du Rohling!

        Nicht nur Henker. sondern auch noch Pferdemetzger in der Familie?

        Nach Abschaffung der Todesstrafe war wohl berulfiche Umorientierng angesagt.

        Und Klein-Peter MUSSTE das singen.

        Ja hat sich Dir denn die zarte Schönheit dieses Liedes nicht erschlossen?

        Was frag‘ ich überhaupt.

        Ist ja kein Wunder bei diesem familiären Hintergrund.

      • Was aber, wenn diese höhere Bildungskultur nicht Ursache, sondern Folge höherer Intelligenz ist?

        Eine Hypothese ohne jede Evidenz.

        Ausserdem widerspricht diese These der Ursprungshypothese, die von einer intelligenzsteigernden „natürlichen Selektion“ (in Anbetracht der geschichtlichen Fakten scheint mir der Ausdruck „natürlich“ nicht ganz passend) bei den Ashkenazim ausgeht. Oder wird jetzt die intelligenzsteigernde Selektion in vorgeschichtliche Zeiten zurückdatiert?

        Wenn ich mich langweile, dann zieh ich eine Korrelationshypothese aus dem Ärmel. 😦

        Da sich die Diskussion im Kreise dreht, versuchen wir es doch mal mit einem anderen Ansatz: Jeder hier ist aufgerufen über Weihnachten ein paar hübsche Korrelationshypothesen auszubaldowern. Ist gar nicht schwierig.

        Doch gegen Asians wird mittlerweile massiv diskriminiert, sie brauchen viel höhere SAT-Scores, um die gleiche Zulassungswahrscheinlichkeit zu bekommen wie Causasians …

        Die Zulassungswahrscheinlichkeit ist, wie von Dir ja oft betont, für Asians wesentlich höher, da sie in den Universitäten der USA – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil – überrepräsentiert sind. Das wiederum benutzt Du als Indiz für eine ethnospezifische (wohlverstanden nicht individuelle) höhere Intelligenz. Tatsächlich ist damit aber vermutlich bloss eine durchschnittlich höhere Bildung nachgewiesen (wenn eine Normalverteilung angenommen wird).

        Es scheint mir so allmählich ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein, Konservativen die Komplexität und tiefgreifende Wirkung des Einflusses des sozialen Umfeldes begreiflich zu machen. Wo der Glaube fest und unerschütterlich herrscht …

        Es ist eine Krux mit den Konservativen. Ihr Glaube, dass die soziale Schichtung weitgehend genetische Dispositionen widerspiegelt ist einfach unerschütterlich. Es ist, so wie es ist. Darum werden sie ja „Konservative“ genannt.

      • @ Peter

        Wenn die höhere Intelligenz der Aschkenazim durch Selektion entstand, dann entstand sie durch einen biologischen Effekt im Zusammenspiel mit sozialen Umständen, nicht durch Soziokultur allein.

        Die Asians sind nur dann „überrepräsentiert“, wenn man annimmmt, dass sie es irgendwelchen Privilegien verdanken, wofür es keinerlei Evidenz gibt.

        Sie sind überrepräsentiert, weil ihr IQ über dem Durchschitt des IQ’s der Weißen liegt und erst recht über dem der Hispanics und African-Americans.

        Ihre Repräsentanz ist so hoch, weil sie schlicht leistungsgerecht ist, weil sie bei den SAT-Tests so gut abschneiden.

        Dafür werden sie bestraft.

        Wohin wir gehen, kannst Du dieser Dystopei entnehmen, Autor Kurt Vonnegut, verfasst vor 50 Jahren, heute realistischer denn je, lies die mal über Neujahr und denk üas Gerechtigkeitsverständnis der Linken nach, dass die Gleichartigkeitsprämisse braucht, um gerecht zu scheinen.

        Es sit die Gleichartigkeitsprämisse, für die jede Evidenz fehlt, denn sonst wären nach jahrzehntelangen Bemühungen deutlichere Effekte spürbar.

        Das sind sie aber nicht.

        Dir und allen anderen Lesern Frohe und Gesegnete Weihnachten, ganz ökumensich (solange wir die Ketzer und Ungläubigen nicht verbrennen, können, müssen wir eben ihre Hand schütteln) mit Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, die erste Kantate „Jauchzet, frohlocket!“

        https://allesevolution.wordpress.com/2011/12/23/die-evolution-hat-kein-ziel-folglich-gibt-es-auch-keinen-evolutionaren-druck/#comment-26880

      • @ Peter

        Bin offenbar im Weihnachtsstress, hier die (richtigen) Links:

        Vonneguts Dystopie „Harrison Bergeron“, die Arbeit des „Handicapper General“ betreffen, der für die absolute Gleichheit und Gerechitgkeit sorgt, wie hellsichtig, war doch damals noch nicht absehbar, was heute in vollster Blüte steht.

        http://en.wikipedia.org/wiki/Harrison_Bergeron

        Das Weihnachtsoratorium

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