Bücherempfehlungen zur Biologie der Geschlechter

Hier einmal ein paar Bücher, die gut in das Thema einführen

1. Das egoistische Gen

Das egoistische Gen von Richard Dawkins ist ein bereits recht altes Buch (1977), aber es stellt aus meiner Sicht die Theorie des egoistischen Gens und die „Genmathematik“, den Wert evolutionär stabiler Strategien etc nach wie vor aktuell dar. Es legt damit wichtige Grundlagen für das Verständnis der späteren Theorien, auch wenn es selbst nicht sehr intensiv auf das Thema „Biologie der Geschlechter“ eingeht, sondern auch in diesem Bereich nur Grundlagen darlegt.

2. The Red Queen

Das Thema dieses Buches ist, warum es überhaupt die Geschlechter gibt und welche Vorteile, aber auch welche Kosten dadurch entstehen. Es stellt zudem Konzepte wie costly signals, das Handicapprinzip etc dar und bespricht auch bereits einige grundlegende Geschlechterunterschiede. Es legt auch die Vorteile eines Genpools noch einmal dar, die ja gerade in der Red Queen Theorie sehr relevant sind. Gerade der Einstieg dazu, warum es zwei Geschlechter gibt und was damit an Kosten verbunden ist, ist hier aber sehr wichtig.

3. The Mating Mind

The Mating Mind behandelt Sexuelle Selektion. Wer diese im Bezug auf den Menschen verstehen will ist bei Geoffrey Miller richtig aufgehoben und wird hier ebenfalls noch einmal über verschiedenste Wirkungsweisen evolutionärer Selektion wie costly signaling und das Handicapprinzip aufgeklärt.

4. Brain Sex

Die Autoren Moir und Jessel stellen hier die „praktische Seite“ der Geschlechterunterschiede dar: Es wird die Wirkung der pränatalen und postnatalen Hormone intensiv behandelt und die diesbezügliche Forschung aufgezeigt. Das Buch ist ebenfalls bereits etwas äler, meiner Meinung nach aber nach wie vor auf dem Stand der Forschung und die beste mir bekannte Darstellung des Themas.

5. Male, Female

David Gearys Buch „Male, Female“ habe ich bereits intensiv besprochen. Seine Stärken sind der Vergleich mit anderen Tieren und die dabei deutlich werdende Schematik, in die dann der Mensch eingeordnet wird und die ausführliche Erklärung der intrasexuellen Konkurenz und ihrer Auswirkungen auf den Menschen.

6. The Origins of virtue

Matt Ridley behandelt hier die Entstehung des Soziallebens des Menschen, was insbesondere den Zusammenhang mit den egoistischen Genen und der Spieletheorie und damit evolutionär stabilen Systemen aufzeigt und zum anderen auch darlegt, dass vieles, was uns als Kultur vorkommt, sich stark an diese Systeme anlehnt. Dabei wird auch viel auf Geschlechterunterschiede eingegangen, da sich unser Gruppenleben eben auch gerade unter Berücksichtigung dieser ergeben hat. Es wird noch einmal deutlich, warum Status so wichtig für soziale Gruppentiere ist und warum sich gerade darum ein Erfordernis für ein Gedächtnis, Intelligenz etc ergibt. Es zeigt die Gruppendynamiken, die ein solches Leben erfordert auf.

7. Der Affe in uns

Der Autor verspricht mit dem Titel nicht zuviel: Er zeigt den Affen in uns auf. De waal ist dann stark, wenn er das Leben der Affen und deren soziales Gefüge beschreibt, wenn er Parallelen zu menschlichen Verhalten zieht und deutlich macht, dass Affen davon nicht weit weg sind, dass sie viele Verhaltensweisen ebenso in sich angelegt haben, wie heute der Mensch. Er hat nicht die Struktur von David Geary und evolutionäre Einordnungen, wie sie Ridley gelingen, liegen ihm erkennbar nicht, aber seine Schilderung der Affen geben dennoch ein weitaus besseres Bild der Parallelen, die in den anderen Büchern weniger lebendig beschrieben sind, wieder. Gerade im verbund mit Gearys und Ridleys Buch kann man diese Schilderungen meiner Meinung nach wirklich gut nachvollziehen und einordnen.4

8. The Blank Slate

Steven Pinkers Buch gibt in vielen Bereichen noch einmal ein breites Bild und gleicht diese insbesondere auch mit anderen, eher aus dem sozialen Bereich kommenden Theorien ab. Er zeigt auch noch einmal, wie notwendig eine Vorformatierung des Gehirns für den Menschen ist und welche Argumente dafür sprechen. Er streift dabei eine Vielzahl von Bereichen aus Kultur, Geschichte etc. die er in den Kontext des „vorformatierten Gehirns“ einordnet.

9 Zusammenfassung

Die oben genannten Bücher haben aus meiner sicht den Vorteil, dass sie bestimmte Teilbereiche sehr gut erklären, eben den Bereich der Gene und deren Zusammenspiel (1), den Grund für Geschlechter und Herleitungen daraus (2) sexuelle Selektion (3) Hormone und Gehirn (4) intrasexuelle Selektion und Einordnung in eine biologische Systematik (5) die evolutionäre Entstehung unseres sozialen Gerüsts (6) und die Nähe zu unseren evolutionären Verwandten und die Anlagen menschlichen Handelns in diesen (7). Pinker liefert dann noch weitergehende Strukturüberlegungen und Abgleichungen nach (8)

Wer neu in dem Thema ist, dem würde ich empfehlen in der oben angebenen Reihenfolge zu lesen, die ich für ein Verständnis am geeignesten halte.

Ich wollte mich eigentlich auf 5 Bücher beschränken, fand aber schließlich die Auflistung in dieser Form am besten.

Mich interessiert natürlich welche 5-10 Bücher ihr einem Neuling zum Thema „Geschlechter“ empfehlen würdet (feministist, maskulistisch, biologisch oder sozial oder bunt gemischt) und warum, welche Teile dieser Bücher bzw. welche in diesen vertretenen Theorien für diese Bücher sprechen. Eigene Listen mit Begründungen dazu gerne in den Kommentaren!

Kerstin Palm zu biologischen Geschlechtertheorien und Evolutionärer Psychologie

Kommentator Chomsky verwies in dem Beitrag „Kritik an evolutionärer Psychologie“ in einem Kommentar auf einen Vortrag von Kerstin Palm (PDF), (Homepage) der feministische Kritik an evolutionsbiologischen Betrachtungen enthält. Mal sehen, was sie zu bieten hat:

„Das ästhetische Beurteilungsvermögen ist aus evolutionsbiologischer Sicht also eine angeborene Befähigung zur zeichengestützten Bewertung potentieller Sexualpartnerinnen und -partner, ein funktionales Instrumentarium zur Sicherung der maximalen Selbstfortsetzung.“

Das finde ich gar nicht so schlecht und passend formuliert. Ich hätte es allerdings eher auf die Weitergabe der Gene bezogen, was präziser wäre.

„Einige Studien berichten davon, dass Männer große Augen, eine kleine Nase und ein kleines Kinn und/ oder volle Lippen bei Frauen besonders attraktiv fanden, andere sahen bestätigt, dass kindlich aussehende Frauen von Männern bevorzugt wurden. Dem standen aber Studien, auch von Grammer selbst, entgegen, die eher erwachsen und reif aussehende Frauen mit leicht hervorstehenden Backenknochen und leicht eingefallenen Wangen als besonders attraktiv bewertet fanden“

Es ist eben mal wieder so, dass die Biologie in diesem Bereich flexibler ist als sie dargestellt wird. Bei all diesen Merkmalen handelt es sich um Attraktivitätsmerkmale, die im Schnitt sehr häufig als attraktiv empfunden werden, aber verschiedene Funktionen erfüllen.

Die kleine Nase und die großen Augen sind  Anzeichen für Jugendlichkeit, die gerade Männer bei Frauen attraktiv finden. Die Backenknochen und die leicht eingefallenen Wangen entstehen jedoch in der Pubertät und sind ein Zeichen für Östrogene, und damit Fruchtbarkeit.

Natürlich kann der eine Mann dies und der andere Mann das bevorzugen.

Ebenso ist es bei Männern, die sie nachfolgend beschreibt. Hier kommt es insbesondere sehr auf die Frage an, weil es einmal um sexy und zum anderen um langfristige Beziehung gehen kann. Die Antwort von Frauen auf die Frage „mit wem willst du einen One Night Stand“ oder „mit wem würdest du dir eine Beziehung vorstellen können“ unterscheidet sich üblicherweise und teilweise sogar mit dem Zyklus.

Und wenn das Durchschnittsgesicht bewertet wird, dann geht es um Symmetrie ein klassisches Zeichen guter Gene. Wenn ein deutliches Kinn bewertet wird, dann geht es um Testosteron, ein klassisches Zeichen für verschiedene andere Sachen.

Natürlich kann es auch hier Unterschiede zwischen den Frauen geben.

Ich sehe da erst einmal keine Widerspruchlichkeit.

Auch bei dem Hüft-Taile-Verhältnis von 0,7 zeigen sich in der Tat verteilt über die Welt unterschiede. Aber das spricht nicht dagegen, dass dieses Verhältnis nicht biologisch festgelegt ist. Schließlich haben wir auch verschiedene Hautfarben und diese sind ebenfalls biologisch festgelegt. Die Abweichungen zeigen sich aber üblicherweise auch mit einiger Entfernung voneinander (Zuwanderung ausser acht gelassen), was mit evolutonären Vorgaben durchaus zu vereinen ist.

„Zum zweiten fällt auf, dass die von Grammer dargestellte Attraktivitätstheorie der Geschlechterdifferenz auf zwei divergierenden Begründungen fußt, die es ermöglichen, einen scheinbar widersprüchlichen Befund als plausibel darzustellen. Attraktivität bei Frauen weist auf Gesundheit hin, die der Fortpflanzung zuträglich ist, bei Männern hingegen auf Gesundheitsgefährdung, die aber zugleich durch widerständige innere Stärke nicht bedrohlich, sondern sogar ebenfalls zuträglich für die Fortpflanzung ist“

Hier zeigt sich sehr schön, dass sie sich mit den Theorien nicht auseinandergesetzt hat.

Es ist auch für sie schwer zu verstehen, denn sie kommt ja aus einem Dogma der Gleichheit.

Männer und Frauen sind aber nicht gleich. Männer und Frauen tragen insbesondere vollkommen andere Kosten der Fortpflanzung und stehen damit unter gänzlich anderen Evolutionsdrücken.

Weil Frauen vorsichtiger mit Sex sein müssen als Männer, weil sie schneller auf den Kosten sitzen bleiben, liegt auf Männern ein stärkerer Wettbewerb um die Frauen, der sich einmal in einer intersexuellen Selektion, also einer Auswahl der Männer durch die Frauen niederschlägt, und zum anderen einer intrasexuellen Konkurrenz, die sich in einem Kampf/wettbewerb der Männer um die Frauen niederschlägt.

Hierbei ist Testosteron ein Costly Signal. Es macht stark, aber es belastet das Immunsystem. Wir finden solche Signale zuhauf im Tierreich, etwa bei allen Vögeln mit langen Schmuckfedern: Hier würde Palm vermutlich auch anmerken, dass mit ungleichen Maß gemessen wird, denn das weibchen unterliegt ganz anderen Regeln als das Männchen, bei dem Männchen soll plötzlich etwas, was das Weibchen aus gutem Grund nicht hat, schön sein. Das ist aber evolutionsbiologisches Einmaleins, wer sich auch nur etwas mit evolutionären Betrachtungen der Geschlechter beschäftigt, der kommt am Pfauenschwanz nicht vorbei.

Hier ein paar Artikel dazu:

Und ihre Probleme damit:

„Diese Logik ließe sich durchaus umkehren und beispielsweise postulieren, dass Frauen mit auffälligen Extremmerkmalen wie einem sehr breiten Kinn oder Bartwuchs ebenfalls im Sinne der Evolutionstheorie attraktiv sein müssten, da sie signalisieren, dass sie trotz ihres immunschwächenden Testosteronüberschusses in der Lage ist, gesund zu sein.“

Das könnte man. Aber bei Frauen schlägt Testosteron natürlich auch voll auf die Fruchtbarkeit durch und sie unterliegen nicht dem gleichen Selektiondruck wie Männer. Vielmehr zeigen entsprechende genetische Betrachtungen, dass sich Frauen in weitaus größerer Zahl fortgepflanzt haben als Männer. Ebenso wie die Pfauenhenne nicht auf den Pfauenschwanz angewiesen ist ist die menschliche Frau auf ein kräftigeres Kinn und Bartwuchs angewiesen. Das Argument ist um so schlechter, wenn man bedenkt, dass Selektion – leider für den Genderfeminismus – nicht darauf ausgerichtet ist Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden zu lassen. Vielmehr besteht eher ein gewisser Druck, die Geschlechter leichter erkennbar zu machen. Ein die Fruchtbarkeit vermindernder Testosteronschub als Merkmal für einen besonders guten weiblichen Partner hat daher bereits erhebliche Anfangshürden zu überwinden. Im Rahmen der – im Tierreich durchaus seltenen – doppelten Partnerwahl hat aber auch die Frau Kennzeichen entwickelt, die das für sie relevante Hormon anzeigen – Brüste. Eine wesentlich bessere Methode als die Verwendung von Testosteron.

Auch dies ist letztendlich evolutionsbiologisches Ein-mal-Eins und sollte jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, bewußt sein. Der „feministschen Biologiekritik“ ist es aber wohl nicht bekannt.

„Und ebenso müsste auch ein eher durchschnittliches, also wenig extrem geschnittenes Männergesicht als attraktiv gelten, da es in dieser Logik gute Gesundheit und damit hohe Reproduktionsfähigkeit anzeigte. „

Richtig. Symmetrische Gesichter sind auch interessant. Aber Anzeichen für Testosteron sind in vielen Fällen eben noch interessanter. Weil bei Männern, die in harter intrasexueler Konkurrenz stehen, die Durchsetzungsfähigkeit in dieser, die in einem Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel stehen kann, ein intressanteres Merkmal ist.

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Erklärung für eine postulierte Geschlechterdifferenz willkürlich gewählt ist und eigentlich keinen Erklärungscharakter hat, sondern eher alte seit dem 18. Jh. kursierende Geschlechterklischees von dem sich selbst behauptenden Individualsubjekt Mann und dem in der Masse versinkenden Gattungssubjekt Frau bedient“

Nur dann, Frau Palm, wenn man die Theorien nicht versteht. Ansonsten muss man sich schon damit auseinandersetzen, warum eine Frau biologisch andere Attraktivitätsmerkmale aufweist, die sie evtl eher in der Masse versinken lassen als den Mann. Im übrigen ist diese These auch nur bezüglich der Gesichter wahr. Schöne Frauen versinken eben gerade nicht in der Masse. Symmetrie ist eben auf der einen Seite Gleichheit, auf der anderen Seite Perfektion, die aus der Masse heraushebt. Frau Palm vergißt auch, dass die Frau neben dem Gesicht weitere Attraktivitätsmerkmale hat – Haar, Busen, Hintern, Beine, Bauch, die ebenfalls aus er Masse hervorheben. Und sie hat das Glück des stärkeren Geschlechtstriebs des Mannes (LINK!) der sein übriges tut.

„Abgesehen von der unbegründeten Aufteilung der Menschheit in zwei Geschlechter und ihrer heterosexuellen Orientierung,“

Natürlich kann sie auch das nicht in ihrer Ideologie unterbringen. Was eigentlich noch deutlicher zeigt, wie tief sie sich in das Thema eingearbeitet hat, nämlich gar nicht. Aber sie will dazu später noch was sagen, also schauen wir mal, was noch kommt.

„Mit anderen Worten: die Feststellung, dass es bestimmte geschlechtergruppenspezifische Kriterien für die Partnerwahl gibt, sagt noch nichts darüber aus, ob diese Kriterien im Rahmen kultureller und sozialer Aushandlungsprozesse bzw. Positionszuweisungen oder durch eine in der Evolution ausgebildete biologische Anlage entstanden sind, also warum diese vorhanden sind“

Das ist erst einmal richtig. Es ist stets ein Nachweis erforderlich, dass diese Merkmale auf biologischen Anlagen beruhen. Es gibt auch hierzu interessante Studien, sei es eben durch vergleich von Homosexuellen, Transsexuellen, CAH und CAIS etc und ihrer Partnerwahl oder auch dem Wandel von Partnerwahlkriterien mit dem Zyklus, mit Gerüchen, mit Pheromonen oder dem Vergleich mit anderen Völkern. Aus meiner Sicht zeigen gerade Homosexuelle und die Unveränderbarkeit ihrer Präferenzen, dass diese biologisch bedingt sind. Auch das diese bei CAIS-Frauen quasi nicht vorkommt, ist interessant und passt in das biologische Erklärungsmodell.

Nun aber zur Homosexualität:

„Wie erklärt sich nun die Evolutionspsychologie vor diesem Hintergrund das Phänomen der von der Heterosexualität abweichenden sexuellen Orientierungen und Begehrensmuster in Bezug auf Schönheitsempfinden?“

Ich verlinke einfach mal auf Artikel, die ich bereits habe:

Die Studien und Theorien dazu sind eigentlich mit wenig suchen zu finden.

“ Auffällig ist hier, dass Sexualitäten jenseits der Heterosexualität meistens gar nicht in den Möglichkeitshorizont der evolutionsbiologischen Attraktivitätsforschung rücken“

Natürlich rücken sie. Und zwar wie oben bereits beschrieben. Aber was genau kann bei homosexuellen Sex nicht passieren? Und worum genau geht es aus Sicht der Evolution beim Sex?“

Wer jetzt „Die Schaffung neuen Lebens“ und „Die Weitergabe von Genen“ geantwortet hat, der hat schon mehr von dem Thema verstanden als Kerstin Palm.

„Jedenfalls kann festgehalten werden, dass homosexuelle Menschen eine aus evolutionstheoretischer Sicht unerklärliche Existenz haben und daher auch für eine Forschung, die evolutionstheoretische Verhaltens- und Präferenzerklärungen anstrebt, nicht integrierbar erscheinen. „

Das schreibt sie erst einmal. Und führt dann später selbst Erklärungen an, nämlich Verwandtenselektion und Vorteile bei der Gruppenbildung, die sie dann ablehnt.

Es gibt aber natürlich noch weitere, ich habe sie in dem Artikel schon angeführt:

  • Schlichte Fehler in einem der hormonellen Vorgängen
  • Optimierung für ein Geschlecht: Ausgleich über andersgeschlechtliche Geschwister
  • Zusammenspiel von Genen ergibt eine ungünstige Kombination
  • Interessen der Mutter vs. Interessen der Kinder (Fraternal Birth Order)
Kerstin Palm sieht andere Gründe:

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Tendenz neodarwinistischer Biologie, alle Merkmale direkt an einen Fortpflanzungszweck gebunden zu sehen, eine bestimmte Forschungslogik vorgibt, die dann die weiteren Untersuchungen bestimmen und ganz andere außerhalb dieser Logik liegenden Deutungsmuster von vornherein unterbindet.“

Es ist schade, dass sie noch nicht einmal die Argumente nennt, aus denen heraus die Fortpflanzung als so wichtig angesehen wird. Das hat ja seinen guten Grund: Wenn keine Gene weitergegeben werden, dann kann die Mutation oder Selektion so gut sein, wie sie möchte, es hat keinerlei Auswirkungen. Ich hatte hier auch schon einmal mehrere Artikel dazu.

Und das wirkt sich auch gleich aus:

„Es könnte ja beispielsweise auch eine biologische Theorie entworfen werden, die besagt, dass Sexualität bei vielen Lebewesen gar nicht mehr primär auf Fortpflanzung ausgerichtet ist, sondern ein erfülltes Sexualleben einfach das Wohlbefinden und die sozialen Bindungen steigert. Diese Theorie würde sogar dem zentralen Paradigma der modernen Biologie, der Evolutionstheorie, nicht widersprechen, da sie im Sinne dieser Theorie postulieren würde, dass sich sexuell und sozial glückliche Lebewesen einfach einer erhöhten Lebensqualität erfreuen, die sich positiv auf ihre Gesamtkonstitution auswirken würde“

Was aber bringt eine erhöhte Lebensqualität und eine positive Gesamtkonstitution? Wie wirkt sie sich aus? Nehmen wir an, wir haben einen Homosexuellen, der sein Leben aufgrund des nicht auf Fortpflanzung ausgerichteten Sexes mit anderen Männern genießt und dem es deswegen bestens geht. Er hat aber keine Kinder. Wie also sollen sich seine Gene in der nächsten Generation auswirken?

Sie können es nicht, weswegen sich der Mensch auf diese Weise nicht entwickelt haben kann.

Natürlich kann Sex Spannungen abbauen und entsprechende Lebensformen existieren ja auch, zB bei den Bonobos. Aber das hat Konsequenzen: Bonobos sind nämlich leider auch nich in einer der feministischen Biologiekritik entsprechenden Welt: Sie konnten eine entsprechden Sexualität nur entwickeln, indem sie auf Spermienkonkurrenz setzten. Bonobomännchen haben deswegen, weil es für sie bei Sex eben biologisch immer um Fortpflanzung geht und nicht nur um Spass, riesige (enorme! gewaltige!) Hoden. Und die Weibchen eine biologische Möglichkeit die Spermien gegeneinander antreten zu lassen. Bei Bonobos findet die intrasexuelle Konkurrenz beim Sex statt, bei uns aber wesentlich deutlicher auch davor.

„die biologische Forschung liest erneut bzw. immer noch die alten Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit, daran geknüpftem heterosexuellem Begehren und biologisch fundierten dichotomen Geschlechterrollen in ihre Prämissen und Theoriebildungen ein und reproduziert damit unreflektiert weiterhin die heterosexuelle Matrix in einer ausgeprägt unveränderten Weise.“

Man darf raten, ob sich Frau Palm jemals mit den Gründen dafür, dass es zwei Geschlechter gibt beschäftigt hat. Die Red Queen Theorie, inszwischen mit einem guten Forschungsunterbau versehen, könnte es ihr erklären, aber das wird sie gar nicht wollen.

Es darf angemerkt werden, dass der Vortrag als feministische Forschung in einem Buch gelandet ist, Herausgeberin unter anderem Frau Sigurd Schmitz, die Frau, bei der auch Heinz Voss promoviert hat. Was eigentlich schon vieles sagt.

Kritik an evolutionärer Psychologie

Kommentar Chomsky hat etwas zu Kritik an Evolutionärer Psychologie geschrieben:

Kritik an evolutionärer Psychologie:

– Die EP vertritt einen zu starken Nativismus;

Das ist erst einmal kein Argument. Es müsste weiter ausgebaut werden. Was, wenn die Welt nativistisch ist? Was ist wenn die Betrachtungen in anderen Bereichen noch nicht nativistisch genug sind und diese umdenken müssen? Die Forschung bestätigt denke ich eher eine nativistische Betrachtungsweise. Aber in dieser Generalität kann man das Argument auch nicht besprechen. Man müsste es am einem konkreten Fall machen.

Hinzu kommt, dass die Gegner hier häufig Evolutionsbiologie, Biologie, Medizin und Evolutionäre Psychologe durcheinander werfen. Der starke Nativismus wird ebenso vertreten in der Biologie, der Medizin und der Evolutionspyschologie. Letztere bezieht die Ergebnisse, die dort vorgefunden werden mit ein und ordnet sie häufig nur in ein System ein. Ich behaupte, dass man in vielen Punkten die Evolutionspsychologie nicht heranziehen müsste, aber dennoch zu gleichen Ergebnissen kommen würde.

– Die EP vertritt einen Panadaptionismus;

Auch erst einmal wenig aussagekräftig als Argument. Es müsste wohl weiter ausgeführt werden. Ich zitiere im Gegenzug mal den folgenden Text

Stephen Jay Gould (2000), among others, have understood evolutionary psychologists to hold that all parts of all organisms under any descriptions are adaptations. In contrast, evolutionary psychology, like evolutionary biology, takes natural selection to be the only known source of organized functional complexity, but does not take all features of organisms to be functional features. Any functional aspect of the phenotype must necessarily have concomitant byproducts, features that are incidental consequences that were not selected by virtue of a functional role. The colors of internal organs are examples. The fact that the liver is brown is a byproduct of the physiology, but its color does not contribute to its function per se. It is worth noting that identifying byproducts requires the same type of rigor as identifying adaptations: a hypothesis that a trait is a byproduct generally requires an account of the adaptation or adaptations of which the trait in question is a byproduct.

-.Die EP ist nicht falsifizierbar (m.E. ein extrem heikler Kritikpunkt);

– Die EP steht auf einer schwachen empirischen Basis;

Ich werfe diese beiden Komplexe mal in einem Topf und behaupte im Gegenzug: Evolutionäre Psychologie ist im Geschlechterbereich die am besten abgesicherte Theorie, die vertreten wird. Den meisten Leuten ist die Fülle von Belegen nur nicht bekannt, die hinter diesem Bereich steckt und sie schätzen die Basis daher geringer ein als sie tatsächlich ist. Um darzustellen, dass ein Verhalten auf evolutionärem Vorgängen und damit Biologie beruht kann man sich der kompletten Biologie, Medizin, Anthropologie, Genetik, Zoologie, Achäologie  etc bedienen. Nur wenn zunächst festgestellt ist, dass ein Verhalten wirklich einen biologisch-medizinischen Hintergrund hat kann man auch die entsprechenden evolutionären Herleitungen machen. Natürlich kann man, wie in jedem wissenschaftlichen Bereich eine These aufstellen, aber das ist ja dann auch nur eine These und als solche zu behandeln. Jeder Wisssenschaftsbereich baut auf bestimmten Erkenntnissen auf, bei der Evolution sind dies eben auch bestimmte Prinzipien, die in der allgemeinen Evolutionsbiologie entwickelt worden sind. Prinzipien wie sexuelle und intrasexuelle Selektion haben bestimmte Folgen und Prinzipien, die sich beim Menschen eben auch erkennen lassen.

Und natürlich kann man evolutionspsychologische Theorien zumindest teilweise falsifiziern: Eben indem man feststellt, dass der Vorgang nicht biologisch geprägt ist, sondern sozial bedingt. Oder indem man über Test herausfindet, dass die Vorhersagen der These nicht eintreten. Oder indem man eine Nichtübereinstimmung mit anderen Prinzipien feststellt.

Eine These wie „Die größere Körperkraft von Männern ist durch intrasexuelle Konkurrenz entstanden“ ist zB wiederlegt, wenn man feststellt, dass sie nicht eine Folge der anabolen Wirkung von Testosteron ist, sondern rein sozial bedingt. Sie ist auch widerlegt, wenn genetische Forschung nachweist, dass sich 80% der Männer, aber nur 40% der Frauen fortgepflanzt haben, da dann die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen wesentlich höher gewesen wäre.

Das kann man dann auch bei geistigen Eigenschaften machen, etwa wenn man Statusdenken und Wettbewerb auf intrasexuelle Konkurrenz zurückführt. Man kann Studien dazu machen, auf welchen biologischen Mechanismen diese beruhen, wie die Hormone dabei wirken, es mit anderen Tierarten vergleichen, wie Gorillas, Schimpansen und Bonobos und vergleichende völkerkundliche Studien, vielleicht verbunden mit Überprüfungen, wie in diesen Völkern die Testosteronwerte liegen (pränatales Testosteron, postnatales Testostern, Rezpetoren), durchführen. Man kann eben auch hier auf die Genetik zurückgreifen, wie in dem obigen Beispiel etc.

Thesen können auch widerlegt sein, wenn man Spieletheoretich nachweist, dass die damit zu verbindenen Verhaltensweisen keine evolutionär stabile Strategie bilden und daher sich nicht allgemein hätten durchsetzen können.  Ebenso kann sie falsifiziert sein, wenn wir sie nicht in unserer Ahnenreihe unterbringen können.

– Die EP kann kulturelle, soziale und gesellschaftliche Fragen nicht beantworten.

Das wage ich zu bezweifeln. Sie kann die meisten Fragen sogar wesentlich besser beantworten als jede andere Forschungsrichtung. Ich würde sogar sagen, dass man die meisten kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Fragen wesentlich besser versteht, wenn man sie in einem biologischen-medizinischen und dann evolutionspsychologischen Erklärungsmodell betrachtet. Erst wenn man die Bedeutung von intrasexueller und intersexueller Konkurrenz erfast hat, kann man das Statusstreben in der Gesellschaft verstehen. Erst wenn man sich anhand der spieletheoretischen Betrachtung deutlich gemacht hat, warum Altruismus ein Out- und eine Ingrouping erfordert, wird man Rassismus und Gruppenbildung sowie Ideologisierung wirklich nachvollziehen können. Und erst wenn man versteht, dass Evolution nicht gut ist und kein Gewissen hat kann man vieles verstehen, was der Mensch so treibt. „Nichts in der Biologie macht Sinn, außer im Lichte der Evolution“. Und der Mensch ist Biologie, ist ein Tier, wenn auch mit etwas mehr Großhirnrinde.

Auch aus der Richtung der Kritischen Psychologie kommt Kritik:

Wolfgang Maiers: Der Etikettenschwindel der Evolutionären Psychologie / The bogus claim of Evolutionary Psychology

Die Evolutionäre Psychologie (EP) zielt wissenschaftlich darauf ab, das für grundlegend fehlerhaft erachtete sozialwissenschaftliche Bild vom menschlichen Verhalten und Bewußtsein durch evolutionsbiologische Bestimmungen der conditio humana abzulösen. Im Zentrum des Beitrags steht eine kritische Überprüfung der methodologischen Prinzipien, theoretischen Voraussetzungen und empirischen Belege der EP. Deren Erkenntnisansatz erweist sich als zutiefst unhistorisch: Irregeführt durch einen genetisch-deterministischen Reduktionismus mündet er in ein eindimensionales und statisches Konzept menschlicher Natur ein.

Das ist ja schlicht falsch. Evolutionäre Modelle sind nur dann statisch und eindimensional, wenn man nicht versteht, was „im Schnitt“ bedeutet. Die biologischen Theorien und auch die evolutionspsychologischen Theorien (sie werden ja gerne in einen Topf geworfen) können natürlich jedes Verhalten bei einem Individuum erklären und abdecken. Ich hatte diesen klassischen Strohmannbiologismus schon ein paar mal besprochen

Hier auch  noch etwas dazu:

hile evolutionary psychology takes there to be a species-typical cognitive architecture – an evolved “human nature” – this does not entail the prediction that all humans will be everywhere the same. Variation has many sources, including genetic differences, contingent responses to the environment (such as language learning, in which a putative universal language acquisition system leads to differences in the specific language leaned depending on the environment), and so on. Evolutionary psychology is committed to the view that there is a human nature, much as there is a flamingo nature, mosquito nature, or oak tree nature. That is, there is a species-typical design with variation among individuals coming from many sources, both genetic and environmental. One important source of variation between individuals derives from the fact that humans learn from one another (Boyd & Richerson, 1985), and information accumulates over time. Because information in other people’s minds is one aspect of the environment for humans, people in different places and different times come to have beliefs because others in the local ecology have them. Sets of beliefs that differ from one group of individuals to another are, therefore, another part of the human phenotype to be explained. Evolutionary psychology takes what is usually termed “culture” to be the product of human minds, albeit a complex one. Far from placing no importance on the role of culture, evolutionary psychology sees culture as one of the most important aspects of human nature to try to explain (Tooby & Cosmides, 1992).

Es ist ein klassisches Fehlverständnis, dass das Feindbild evolutionäre Psychologie betrachtet ohne sich wirklich damit beschäftigt zu haben

Die kritisch-psychologische Anwendung der Evolutionstheorie auf die Psychophylogenese zeigt die Möglichkeit eines alternativen Verständnisses der Anthropogenese – als eines qualitativen Umwandlungsprozesses von der evolutionär-stammesgeschichtlichen zur gesellschaftlich-geschichtlichen Entwicklung – auf. Die einzelwissenschaftliche Auflösung des scheinbaren Paradoxons einer “gesellschaftlichen Natur” des Menschen ist unhintergehbar, wenn die EP als eine pseudowissenschaftliche, ideologisch begründete Ausdehnung des Geltungsbereichs biologischer Erklärungen auf die qualitativ verschiedene Ebene gesamtgesellschaftlich vermittelter menschlicher Existenz wirksam widerlegt werden soll.

Da ist kein Argument vorhanden, es ist reine Stimmungsmache. Der Verfasser hat sich meiner Vermutung nach noch nie ernsthaft mit Evolutionärer Psychologie, aber wohl auch nicht mit der medzinisch /biologischen Forschung in diesem Bereich beschäftigt.

Was man auch dringend beachten sollte ist: Nur weil eine Erklärung keine absolute Gewissheit bildet, bedeutet das nicht, dass sie falsch ist. Sie kann dennoch die wahrscheinlichste Erklärung sein und sogar höchstwahrscheinlich richtig. Zudem verschweigen die anderen Erklärungen gerne, dass sie eben auch erhebliche Unsicherheiten ausweisen. Gerade soziologische Erklärungen werden gern unter vollkommener Ignoranz biologischer Hintergründe entwickelt. Es hat beispielsweise nichts mit Evolutionspsychologie zu tun, wenn man anführt, dass Testosteron einer der Faktoren eines starken Sexualtriebs sind und Männer davon deutlich mehr haben als Frauen. Aber inwiefern taucht dies in soziologischen Betrachtungen auf?

Ich füge noch ein paar Links an:

Ich finde Kritik wichtig und gut. Daher bitte ich um weitere Kritik in den Kommentaren.

  • Mich würde auch interessieren, welche Theorien ihr als besser abgesichert betrachtet und welche Argumente euch dabei mehr überzeugen.
  • Mich würde interessieren, welche evolutionspsychologischen Theorien euch nicht überzeugen und warum
  • Mich würde interessieren, wie es eine Erklärung für den Menschen geben soll, ohne das man seine Entwicklung mit einbezieht oder gar ausblendet.

Natürlich unterliegt auch der (moderne) Mensch der Evolution

Der Spiegel titelt „Die Evolution gilt auch für den modernen Menschen“ und schreibt sodann:

Der Starke frisst den Schwachen, der langlebige Gesunde kann seine Gene besser verbreiten als der kurzlebige Kranke: Diese Regeln, so glauben Menschen gern, gelten in der Tierwelt – nicht aber für die Menschheit, zumindest nicht jenen Teil, der in den Genuss moderner Medizin kommt. Die Evolution des Homo sapiens wäre in diesem Fall gewissermaßen zum Stillstand gekommen.

Doch das ist ein Trugschluss, wie ein internationales Forscherteam um Alexandre Courtiol vom Wissenschaftskolleg zu Berlin glaubt. „Menschen entwickeln sich auch in der Neuzeit weiter, genauso wie andere Lebewesen“, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Es sei ein Fehler zu denken, dass man die menschliche Evolution nur verstehen könnte, wenn man Steinzeitmenschen analysiere.

Im Folgenden geht es dann im wesentlichen um zwei Studien:

Die erste:

Sexual selection, or competition among members of one sex for reproductive access to the other, is one of the strongest and fastest evolutionary processes. Comparative studies support the prediction that sexual selection is stronger in polygamous than in monogamous species. We report the first study of the effect on sexual selection of a change in mating system, from polygyny to monogamy, within a historical human population. Here we show that over the reproductive lifetimes of Utahns born between 1830 and 1894, socially induced reductions in the rate and degree of polygamy correspond to a 58% reduction in the strength of sexual selection. Polygyny conferred a strong advantage to male fitness as well as a weak disadvantage to female fitness. In contrast, mating with multiple males provided little benefit to females in this population. Polygamy benefitted males by increasing reproductive rates and by lengthening reproductive tenure. Each advantage contributed to roughly half of the increased total lifetime reproductive success. This study illustrates both the potency of sexual selection in polygynous human populations and the dramatic influence that short-term societal changes can have on evolutionary processes.

Quelle: Mating system change reduces the strength of sexual selection in an American frontier population of the 19th century

Polygyny müßte, da es eine Verknappung der Frauen bedeutet, dazu führen, dass die intrasexuelle Konkurrenz um diese Frauen ansteigt. Das wird in einer Population insbesondere dazu führen, dass die Gene derer, die der intrasexuellen Konkurrenz nicht gewachsen sind, am schnellsten aus dem Genpool verschwinden und die, die dieser Konkurrenz besonders gut gewachsen sind, sich besonders schnell anreichern. Es müssen also nicht unbedingt Mutationen auftreten, vielmehr reicht eine Betonung bisheriger Komponenten im Genpool.

Und die zweite:

Whether and how human populations exposed to the agricultural revolution are still affected by Darwinian selection remains controversial among social scientists, biologists, and the general public. Although methods of studying selection in natural populations are well established, our understanding of selection in humans has been limited by the availability of suitable datasets. Here, we present a study comparing the maximum strengths of natural and sexual selection in humans that includes the effects of sex and wealth on different episodes of selection. Our dataset was compiled from church records of preindustrial Finnish populations characterized by socially imposed monogamy, and it contains a complete distribution of survival, mating, and reproductive success for 5,923 individuals born 1760–1849. Individual differences in early survival and fertility (natural selection) were responsible for most variation in fitness, even among wealthier individuals. Variance in mating success explained most of the higher variance in reproductive success in males compared with females, but mating success also influenced reproductive success in females, allowing for sexual selection to operate in both sexes. The detected opportunity for selection is in line with measurements for other species but higher than most previous reports for human samples. This disparity results from biological, demographic, economic, and social differences across populations as well as from failures by most previous studies to account for variation in fitness introduced by nonreproductive individuals. Our results emphasize that the demographic, cultural, and technological changes of the last 10,000 y did not preclude the potential for natural and sexual selection in our species.

Quelle: Natural and sexual selection in a monogamous historical human population

Der Spiegel zitiert die Forscher der letzten Studie wie folgt:

Vier Faktoren sind für Erfolg bei der Selektion entscheidend: Die Überlebensfähigkeit bis zum 15. Lebensjahr, der Zugang zu potentiellen Partnern, die Zahl der Partner und die Zahl der Kinder. Geld spielte dabei offenbar keine Rolle. „Wir haben die Versuchsgruppe in reichere Landeigentümer und ärmere Pächter aufgeteilt. Der soziale Status wirkte sich auf die Ergebnisse kaum aus“, schreiben die Forscher. „Das war überraschend.“ Sie vermuten, dass Menschen ein sehr großes Vermögen aufbauen müssten, um die natürliche Auslese wirklich beeinflussen zu können – und auch das würde nur in einer strengen Klassengesellschaft funktionieren.

Der Vergleich zwischen Männern und Frauen brachte eindeutigere Ergebnisse: „Eigenschaften, die Menschen zu mehr Partnern verhelfen, entwickeln sich bei Männern vermutlich schneller weiter als bei Frauen“, berichtet Courtiol. Der Grund: Sie zeugten mehr Kinder als Frauen. „Verwitwete Männer heirateten häufig noch einmal eine jüngere Frau und bekamen noch mehr Kinder.“ Verwitwete Frauen hätten wegen des Einsetzens der Menopause seltener Kinder von ihrem zweiten Ehemann bekommen. Wer mehr Kinder zeugte, hatte auch längerfristig mehr Nachkommen. „Genau das verstehen wir unter Selektion“, erklärt Studienleiter Courtiol.

Dass der soziale Status, wenn man ihn auf Geld reduziert, eine geringere Rolle spielt, verwundert bei dieser Betrachtung weniger. Denn in einer Monogamie war eben auch nur eine Frau erlaubt und die Kinder aus Seitensprüngen können durch die Kirchenbücher gerade nicht erfasst werden. Gerade wenn die Frauen von reicheren Männern länger lebten (wegen besserer Betreuung und Ernährung) und daher eher in die Menopause kamen, hätten die Reichen offiziell weniger Kinder bekommen als Ärmere (mit Game) die sich eine neue Frau nahmen, nachdem die erste starb.

Aber es ist interessant, dass sich hier eine Bestätigung für sexuelle Selektion findet. Man bedenke den kurzen Zeitraum, der hier nachverfolgt wurde. Dann muss man sich vorstellen, wie alt der Mensch, auch in seiner noch nicht menschlichen Form ist, und wie lange die Lage schon besteht, dass die Frau die höheren Kosten der Aufzucht extrem unselbständiger Kinder trägt. Wie wird sich eine solche sexuelle Selektion wohl über eine so lange Zeit auswirken?

Kritik am Kommunismus

Kommunismus

Der Kommunismus ist in der Wikipedia wie folgt definiert:

Kommunismus (vom lateinisch communis ‚gemeinsam‘) bezeichnet politische Lehren und Bewegungen, die zuerst die Gütergemeinschaft zum Ziel haben, im weiteren Sinne die klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und die Produktion des gesellschaftlichen Lebens rational und gemeinschaftlich geplant und durchgeführt wird.

Meiner Meinung nach stehen diesem Gesellschaftssystem einige Bedenken entgegen:

– unbedingter Altruismus ist keine evolutionär stabile Strategie, Alturismus beim Menschen ist im Rahmen der Durchsetzung eigener Interessen, der Interessen von Verwandten und der Interessen einer In-Group im Rahmen einer (vermutete, indirekten) Reziprozität entstanden.

Wettbewerb erzeugt Wohlstand, was aus dem oben genannten folgt.

– Menschen wollen einen hohen Wohlstand. Ein System, dass ihnen dies nicht bietet, erscheint damit zunächst weniger begehrenswert

– Der Gegensatz von Privateigentum=Ausbeutung, Arbeiter=Ausgbeuteter ist heute nicht mehr haltbar. Die Abgrenzung wird theoretisch und beliebig, Armutsverhältnisse verlaufen nicht anhand dieser. Durch die Möglichkeit für gute Ideen Finanzierungen zu erhalten verwischen die Grenzen immer mehr. Ein Angestellter kann sehr reich werden, innerhalb eines Unternehmens aufsteigen, sich dort ein gutes Einkommen verdienen. Der Staatsdienst, obwohl weniger ausbeuterisch, zahlt häufig schlechter und bietet andere Vorteile wie sichere Arbeitsplätze etc.

– Eine Verteilung von Gütern ohne Markt scheint nicht zu klappen. Märkte können nicht geplant werden, sondern entstehen. Eine Planwirtschaft wird daher immer eine Mangelwirtschaft sein.

– Persönliches Interesse am Erfolg ist ein hoher Motivationsfaktor, der ohne Privateigentum schnell verschwindet.

– Viele Leute wollen sich selbst ausbeuten

– Ebensoviele Leute wollen gerne Luxusgegenstände, die ihnen der Kapitalismus bietet. Luxusgegenstände sind neben ihrer Nutzungsfunktion auch Costly Signals, die etwas über uns aussagen und werden deshalb begehrt. Im Kommunismus sind Luxusgüter üblicherweise nicht die Güter, die selbst hergestellt werden, sondern die kapitalistischen Güter

– Die Menschen sind nicht gleich. Einige haben Fähigkeiten, die andere nicht haben. Für Personen mit besonderen Fähigkeiten ist der Kommunismus kein attraktives System. Sie geben mehr auf als die anderen, ohne dadurch etwas zu gewinnen. Dies führt zu Demotivation oder einer Schattenwirtschaft bzw. Korruption

– Wir sind Hierarchietiere. Der Mensch neigt dazu Hierarchien zu bilden, was der Kommunismus nicht hinreichend anerkennt. Die Menschen, die im Kommunismus am oberen Ende der Hierarchie stehen wollen werden daher um höherwertige Postionen ebenso kämpfen wie in jedem anderen System. Wenn ihnen Regeln dies nicht in einem offenen Wettbewerb ermöglichen, dann wird ein inoffizieller Wettbewerb geführt.

– Der Kommunismus ist nicht gegen Ausbeutung und Parasitentum abzudecken.

– Der Kommunismus muss all diese Unzulänglichkeiten überdecken, wenn das System funktionieren soll. Dazu muss entweder ein besonderes Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden, dass zugleich Ausgrenzung anderer voraussetzt und starke Regeln zum wohle der Gemeinschaft oder durch Zwang ein Einsturz des Systems verhindert werden. Die starken Regeln führen wiederum dazu, dass der Kommunismus schnell intolerant wird oder einen Lebensstil erzwingt.

Interessant auch die Rubrik in der Wikipedia zur „Kritik am Realsozialismus“

– fehlende Basisdemokratie: Das von Lenin verhängte Partei- und Fraktionsverbot lähme die notwendige gesellschaftliche Partizipation und Eigeninitiative der Arbeiter und gefährde so den Aufbau des Sozialismus (Rosa Luxemburg).

– Bürokratie: Durch die Isolierung Sowjetrusslands konnte eine neue Bürokratenschicht die „Macht an sich reißen“, was zu einer „Entartung“ des Arbeiterstaates führte (Leo Trotzki).

– Zentralismus: Die von oben nach unten aufgebaute sowjetische Kaderpartei sei strukturell unfähig, die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen (Wolfgang Leonhard).

-Ideologische Manipulation: Stalins und Maos „Marxismus-Leninismus“ sei ein Bruch mit den ursprünglichen Ideen von Marx, Engels und Lenin und pervertiere sie (George Orwell, Oskar Negt, Iring Fetscher).

– Totalitarismus: Die Herrschaftsform der Sowjetunion lasse strukturell keine Demokratisierung zu und schalte die freie Entfaltung der Menschen ähnlich total aus wie der Faschismus (Hannah Arendt).

– die Gesellschaftsformation der Sowjetunion und Chinas sei kein Sozialismus/Kommunismus, sondern eine bürokratisch erstarrte Form des asiatischen Despotismus (August Wittvogel, Rudolf Bahro, Rudi Dutschke),

– Imperialismus: Die innerstaatliche Diktatur und ökonomische Schwäche der Sowjetunion führe zu äußerem Expansionsdrang und Hegemonialansprüchen, die den Weltfrieden gefährden (Konsens von Reformkommunisten, Antikommunisten und manchen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt)

Meiner Meinung nach passen diese Schwierigkeiten des „Realsozialismus“ genau zu der angesprochenen Kritik. Es sind keine Umsetzungsschwierigkeiten, sondern Folgen des Fehlers im System. Sie ergeben sich wie daraus, dass Basisdemokratie dazu führen würde, dass Leute ihre Interessen und nicht mehr die Gemeinschaftsinteressen durchsetzen wollten und interne Spannungen darüber, was nun eigentlich richtig ist und wie man als Gesellschaft leben will täglich ausgetragen werden müßten.

Basisdemokratie müßte ja, wenn man das System beibehalten würde , den Vorbehalt haben, dass nicht über den Kommunismus an sich entschieden wird. Das keine Öffnung hin zum Kapitalismus eintritt etc. Sieht man sie nur auf einer unteren Ebene, dann verzögern sie eben dort den Entscheidungsprozess, sind langsamer als Hierarchien und erfordern schlichte „Wahlwerbung und Beeinflussung“, weil sich immer Lager bilden werden, die die Interessen ihrer Seite durchbringen wollen.

Zentralismus ist ebenfalls ein Problem, welches genau daraus folgt, dass man im Kommunismus soviel steuern muss, was sonst der Markt erledigt. Es ist kaum zu umgehen, dass dies in einer planenden Stelle zusammenlaufen muss und sich daher ein Machtapparat ausbildet.

Ideologische Manipulation folgt schlicht daraus, dass man eh einen Apparat schaffen muss, der ein starkes „Wir-Gefühl“erzeugt. Uneigennützigkeit ist in unserer Spezies an einem In-Group Out-Group-Modell entwickelt worden (uneingeschränkte Uneigennützigkeit ist keine evolutionär stabile Strategie, da sie zu leicht ausgenutzt werden kann). Nicht umsonst hat der Osten gegenwärtig starke rechtsradikale Tendenzen, weil die praktische Umsetzung der Einigkeit und Wohltätigkeit genau diese Manipulation erfordert. Auch aus China und Russland habe ich durchaus vergleichbares gehört. Der heutige weltweite Kapitalismus kann in übrigen wesentlich einfacher darauf abstellen, dass zwar jeder Konkurrent, aber auch jeder Handelspartner, Zulieferer und Kunde ist. Es muss sein In-Gouping wesentlich weniger vor Ausbeutung schützen, weil jeder jeden ausbeutet aber auch jeder mit jedem zusammenarbeitet und kann daher leichter eine tolerante Gesellschaft aufbauen (toleranter in dem Sinne, dass es nicht darauf abstellen muss, dass andere schlechter sind, es lohnt sich so gesehen nicht rassistisch zu sein (es kann sich natürlich trotzdem lohnen Leute auszubeuten, aber das ist erst einmal unabhängig von ihrer Rasse oder Herkunft). Wenn man also eh eine Propagandaabteilung unterhalten muss, damit alle auf die eigene In-Group eingeschworen werden, dann liegt ein Machtmittel offen dar, welches man auch für Ideologisierung und Führerkult nutzen kann. Weil man den Leuten verklickern muss, dass sie Teil etwas besonderes sind, für das sich die Zurückstellung eigener Interessen lohnt, muss man ihnen auch erzählen, dass die Führung, der sie vertrauen sollen, ebenfalls die eigenen Interessen zurückstellt, weil sonst der Glaube an eine große Gruppe kaum möglich ist. Deswegen ist jedes Vorgehen gegen die Führung auch ein Vorgehen gegen die In-Group-Effekte und damit eine Schwächung der kommunistischen Idee. Es bietet sich an gegenwärtige Führer zu ideologisieren und abgesetzte Personen als Verräter, als Ausnahmen, darzustellen. Eine starke Förderung der In-Group ist mit offener Kritik an dieser in einem Konflikt. Abweichler auszusortieren und mittels der Propaganda zu Verrätern zu erklären ist damit ein guter Weg, das System zu sichern. Auch sicherlich ein Grund, warum der „Urkommunismus“ eher atheistisch war: Religionen bieten Platz für gesonderte Normen, unterschiedliche Religionen betonen Verschiedenheit.

Totalitarismus setzt ebenfalls an diesem Problem an. Wer Einheitlichkeit vorgibt muss Freiheit beschneiden. Wer dabei ist Freiheit zu beschneiden, der kann sie auch noch etwas mehr beschneiden, um sich selbst etwas dadurch zu sichern. Wenn zudem die Führung zwangsläufig als gut und gerecht dargestellt werden muss, dann ist Kritik an ihr eine Schwächung der In-Group, also der Gemeinschaft und natürlich auch eine Gefährdung der Führung an sich, denn der Vorwurf, sich nicht schlicht am Gemeinschaftsinteresse ausgerichtet zu haben, ist der sicherste Weg die Macht zu verlieren. Das muss aber nicht zu einer strikten, freiheitlichen Umsetzung der Gruppeninteressen führen, da diese eh nicht perfekt sein kann. Man kann das Gruppenwohl immer noch selbstloser, noch besser, noch unverschnörkelter fördern, so dass man fast zwangsläufig bei Immunisierungstendenzen ankommt. Das kann man durch Wahlen ändern. Allerdings hat ein „demokratischer Kommunismus“ eben das Problem, dass er erst einmal erklären muss, warum immer wieder neu gewählt wird. Wenn die Führung wegen ihrer Tendenz, statt der Gruppeninteressen ihre Eigeninteressen zu fördern, immer wieder neu gewählt werden muss, dann setzt das bereits am Grundgedanken des Kommunismus an. Ein echtes Mehrparteien- bzw. Mehrkandidatensystem hat gleiche Schwierigkeiten: Abgrenzung der Parteien oder Kandidaten untereinander erfordert die Aussage, dass man etwas anders machen würde, es also nicht nur die Linie der Gruppenförderung gibt, die sachlich und nach besten Gewissen umgesetzt wird. Eine Kandidatenfeststellung, die nur darin besteht, dass man sagt „Ich werde genau wie meine Kollegen das beste für die Gruppe machen, da wir alle den Gemeimwohl verpflichtet sind, wie unser gesamter Staat ist es eigentlich egal, wen ihr von uns wählt“ ist nicht wirklich spannend und wird daher in der Regel durch ein zumindest faktisches Einparteiensystem ersetzt, indem es kein echte Wahl gibt, sondern nur eine Bestätigung der Führung. Eine Abwahl in einem kommunistischen System würde insoweit das Zugeständnis erfordern, dass das System fehlerhaft war. Ersetzt man die Wahl durch ein Berufungssystem, dann verlagert man die Schwierigkeiten lediglich auf die Berufungskommision, die dann wieder Macht erlangt. Zudem ist ein Führerkult ein effektives Mittel der In-Group-Förderung. Es erlaubt zudem den Aufbau von Vertrauen, was ein wesentliches Mittel von Führung ist. Eine anonyme Führung ist nicht verantwortlich und wird selten akzeptiert, eine nicht anonyme Führung muss aber als gut angesehen und aufgebaut werden. Da dies durch Konkurrenz nicht geschehen kann, liegt es nahe, diesdurch Verklärung zu leisten. Anoymität an der Spitze erschwert hier wieder die Arbeit.Warum sollte man aber einen verklärten Führer ablösen und die neue Führung dann genauso aufbauen? Und warum sollte der erst einmal verklärte Führer gehen, wenn ihn alle lieben und er – wie alle wissen – perfekt für den Job ist?

Bürokratie ist ebenfalls eine Folge davon, dass alle Macht beim Staate sitzt und dieser damit der beste und sicherste Arbeitgeber ist. In einem Kommunismus müssen die besten Positionen beim Staat sein, weil alle Positionen staatlich sind. Aufgrund der Vorteile der Abschottung gegen Kritik und der Propaganda ist es zudem ein leichtes Staatspositonen attraktiv zu besetzen. Kritik an der Besetzung lässt sich so leicht unterdrücken, weil sie dem In-Group-Gedanken widerspricht und damit staatsfeindlich ist. Da zudem keine anderen Entfaltungs und Förderungsmaßnahmen möglich sind und eigentlich jede Förderung über die, die allen zukommen soll, ein verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Allgemeinwohl ist, muss man eh gegen gesellschaftliche Regeln verstoßen, wenn man eine Förderung vornehmen möchte. Warum sollte das Kind des #Führungsposition eine bessere Förderung erhalten, wenn der Staat alles für eine bestmögliche Förderung macht und wir alle gleich und der In-Group verpflichtet sind? Der kommunistische Gedanke macht eine Sonderförderung direkt zu einem Verstoß gegen die Gruppeninteressen. Da aber jeder fördern will und der Staatsdienst dazu der beste Weg ist, ist das System besonders anfällig für Vetternwirtschaft und Korruption.

Der Imperialismus ist ebenfalls interessant. Kommunismus hat einen klaren Wettbewerbsnachteil. Der wirkt sich auf die Technik und den Fortschritt aus. Ein kommunistisches System muss in den Bereichen Technik und Entwicklung und auch im Bereich Luxusgüter und Lebensstil zwangsläufig hinter einem kapitalistischen System zurückbleiben. Aus Sicht des Kommunismus mag das mit der Ausbeutung der Arbeiter zusammenhängen oder unmoralisch sein, aber das ändert nichts daran, dass ein Wohlstandsgefälle besteht, das immer mehr wächst und damit auch immer deutlicher wird. Es fällt aber schwer an eine Überlegenheit des eigenen Systems zu glauben, wenn die anderen schlicht besser leben. Die meisten kommunistischen Systeme wählen die offensichtlichen Gegenmaßnahmen: Abschottung, damit das Wohlstandsgefälle nicht mehr wahrgenommen wird (über Verbot von „Westfernsehen“ und Reisen wie in der DDR oder über Internetsperren wie China) und über „Out-Grouping“ und weitere Stärkung der In-Group. Der Kapitalist muss daher böse sein, muss seinen Wohlstand nur durch Ausbeutung erlangt haben, während der Kommunist zwar etwas ärmer ist, aber dafür sozialer, menschlicher, gerechter. Das Bild wird natürlich schwerer umsetzbar, wenn man gleichzeitig Unterdrückungsmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einleiten muss, damit sie nicht in den Kapitalismus abwandern oder sich zu gut über die dortigen Zustände informieren. Wer erfährt, dass der ausgebeutete VW-Arbeiter besser lebt als mancher Bonze im kommunistischen System, der fragt sich eben, ob er nicht besser im Kapitalismus lebt, selbst wenn dieser zB andere Länder ausbeutet. Das fragt er sich um so mehr um so stärker die Unterdrückung ist, die er selbst erhält, weil ihn diese gleichzeitig daran zweifeln läßt, dass das System zu seinem eigenen besten arbeiet. Es dürfte den meisten Menschen lieber sein, durch ihre Arbeit einen Kapitalisten zu mehr Geld zu verhelfen, der ihnen im Gegenzug einen guten Lohn zahlt als in einem korrupten System die Bonzen durchzufüttern und dabei noch schlechter zu leben als bei einer Ausbeutung durch den Kapitalisten. Ein Gegenmittel ist dabei dann der Imperialismus. Wenn man den anderen überzeugen kann, dass der Kapitalist es nur noch kurzzeitig besser hat, weil das eigene System noch nicht läuft, durch den Kapitalismus ausgebremst wird, es aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der böse Kapitalist von dieser Welt verschwunden ist, der macht ein „überlaufen“ zum Kapitalismus unlogischer und zu einem weiteren Verstoß gegen die Gruppeninteressen, denn es ist dann keine Wahl nebeneinander stehender Systeme, bei dem eben das eine Kommunistisch und das andere kapitalistisch ist, sondern ein Überlaufen zum Feind und damit eine Schädigung der In-Goup. Der Kapitalismus als Feindbild ermöglicht daher eine Ideologisierung und Verlagerung aller Fehler auf eine Outgroup. Sie präsentiert ein Ziel auf welches man zuarbeiten kann. Kommunistischer Imperialismus ermöglicht die Präsentation einer besseren Zukunft und über den Kampf ein schließen der Reihen: Wenn wir geschlossen stehen, dann werden wir eine bessere Welt schaffen. Wir sind besser, weil wir eine Gruppe bilden, während der Kapitalismus nur Eigeninteressen kennt. Wenn die Ausbeutung ein Ende hat, dann werden wir alle gleich sein und im Luxus leben. Wir müssen die anderen Arbeiter, Bestandteil unserer In-Group, nur befreien, woran sie tatkräftig mitarbeiten werden. Es hat damit die klassische Funktion, die ein Out-Grouping schon immer hatte.

Und zudem noch ein paar Argumente für den Kapitalismus /gegen die Kritik am Kapitalismus

– Der Ausbeutungsgedanke kann nicht universell gesehen werden, sondern nur im Verhältnis von Lohn und Arbeit. Wer für einen Job gut bezahlt wird, wird nicht ausgebeutet.

– Es wird sogar nicht wenigen Arbeitern lieber sein, lediglich ihre Arbeitskraft verkaufen zu können und kein Risiko für das eingesetzte Kapital zu tragen. Der Arbeitnehmer kann jeden Monat seinen Lohn verlangen, ob es dem Betrieb gut oder schlecht geht. Wenn der Betrieb den passenden Gewinn nicht erzielt oder aus anderen Gründen nicht konkurenzfähig ist, kann er schlicht den Arbeitgeber wechseln. Diese Freiheit hat ein Kapitalist häufig nicht.

– Ein Staat ist nicht in der Lage im gleichen Wege wirtschaftlich zu handeln, wie ein privater. Noch nie in der Geschichte hat ein staatlich geführtes Unternehmen mehr Gewinn und mehr Fortschritt gebracht als ein privates Unternehmen. Dies ist darin begründet, dass private Unternehmen ein interesse am Gewinn haben, den staatliche Unternehmen nicht haben.

– Der Staat kann sich selbst keine Konkurrenz machen, in einer vollständig verstaatlichten Gesellschaft existiert daher ein Monopol für eine Ware. Monopole beeinträchtigen den Wettbewerb

– Menschen mögen Freiheit und Luxus. Sie sind bereit dazu anderen Menschen mehr zuzugestehen, wenn sie selbst ebenfalls dadurch einen höheren Lebensstandard erreichen. Der Bandarbeiter in einem VW-Werk hätte sicherlich nicht mit dem Bandarbeiter in einem Wartburgwerk tauschen wollen. Weil ihm das Gemeinschaftseigentum keine bei ihm ankommenden Vorteile gebracht hätte, im Gegenteil, er hätte aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung für vergleichbare Arbeiten weitaus weniger erhalten und in einem Staat gelebt, der ihn wesentlich mehr einschränkt als jeder Kapitalist. Das fängt bei einfachen Sachen wie einer Banana an und geht über die Ausreisefreiheit bis hin zu dem Recht, Kritik an der eigenen Führung zu üben. In einem (modernen) kapitalistischen System kann man kommunistische Gedanken äußern. In einem kommunistischen System aber keine kapitalistischen (jedenfalls nicht offiziell).

Geld, Attraktivität und Partnerwahl

Hier ein Paar Studien zu Geld und Attraktivität

Resources are a cardinal component of male mate value in the sexual exchange between men and women. Inspired by theories and research suggesting a link between mating and resource constructs as well as studies linking money and valuations of others, the current study tests the hypothesis that cues to resource availability may lead to higher mating standards for men, but not women. Participants were exposed to either stacks of paper, a small sum of money (104 Singapore dollars ∼USD$84), or a large sum of money (2600 Singapore dollars ∼USD$2100). Consistent with the hypothesis, after male – but not female – participants handled a large sum of money, they raised their minimum requirements for a date. We discuss how the results are consistent with an evolutionary perspective on mating and how future research can further investigate environmentally contingent self-assessments and strategies.

Highlights

► Handling a large amount of resources (USD2, 100) raised men’s mating standards.

► Physical attractiveness requirements drove this effect most significantly.

► Differential exposure to resources did not alter women’s mating standards.

► Having resources lead to increased mating opportunity for men more than women.

► Therefore, exposure to resources adaptively alters mating standards of men.

Quelle:Cash in hand, want better looking mate: Significant resource cues raise men’smatingstandards

Das entspricht in der Tat dem, was man nach den gängigen Evolutionären Betrachtungen erwarten würde. Männer mit mehr Ressourcen konnten vermutlich wählerischer sein, während dies bei Frauen, bei denen es weniger auf Ressourcen ankommt keine Rolle spielte.

Und umgekehrt zu den Vorteilen von Attraktivität in Bezug auf Geld

It turns out having a male agent is bad for the selling price of a house. Both male listing agents (those acting on behalf of the seller) and male selling agents (those acting on behalf of the buyer) are associated with lower house prices than their female counterparts. The gender of the agent, however, has no effect on how long a house is on the market.

Being attractive, for both listing and selling agents, is associated with higher final sale price for a house, with the effect on house prices of having an attractive listing agent is about twice as large as that of an attractive selling agent.

Where homeowners lose out on having an attractive listing agent, however, is in having their house on the market for longer. The attractiveness of the selling agent has no effect on length of time on the market (which makes sense since, presumably, the characteristics of the buyer’s agent only matter when the house is finally sold).

Interessant wäre es eine Aufstellung nach Geschlecht des Käufers vorzunehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass Männer hier zur Kaufpreissteigerung beitragen.

Evolutionär stabile Strategien

Aus Dawkins, Das egoistische Gen, S. 69

The essential concept Maynard Smith introduces is that of the evolutionarily stable strategy, an idea that he traces back to W. D. Hamilton and R. H. MacArthur. A ’strategy‘ is a pre-programmed behavioural policy. An example of a strategy is: ‚Attack opponent; if he flees pursue him; if he retaliates run away.‘ It is important to realize that we are not thinking of the strategy as being consciously worked out by the individual. Remember that we are picturing the animal as a robot survival machine with a pre-programmed computer controlling the muscles. To write the strategy out as a set of simple instructions in English is just a convenient way for us to think about it. By some unspecified mechanism, the animal behaves as if he were following these instructions.

An evolutionarily stable strategy or ESS is defined as a strategy which, if most members of a population adopt it, cannot be bettered by an alternative strategy.* It is a subtle and important idea. Another way of putting it is to say that the best strategy for an individual depends on what the majority of the population are doing. Since the rest of the population consists of individuals, each one trying to maximize his own success, the only strategy that persists will be one which, once evolved, cannot be bettered by any deviant individual. Following a major environmental change there may be a brief period of evolutionary instability, perhaps even oscillation in the population. But once an ESS is achieved it will stay: selection will penalize deviation from it.

Ich denke, dass Überlegungen zu einer stabilen Strategie viel dazu beitragen können, evolutionäre Lösungen zu entwickeln und andere auszuschließen. Es zeigt auch noch einmal, dass Gruppenselektion häufig genau hieran scheitert: Es ist keine stabile Strategie, weil diejenige, die für die Gemeinschaft arbeiten leicht ausgenutzt werden können.

Sexuelle Selektion, insbesondere intrasexuelle Selektion beim Menschen

Evolution wirkt über Mutation und Selektion. Mittel der Selektion sind dabei insbesondere die natürliche Selektion (vereinfacht: Mensch A kann aufgrund einer Mutation schneller laufen als Mensch B, der Säbelzahntiger frisst daher B, A gibt die Gene weiter) und sexuelle Selektion (kurz gesagt: Aufgrund bestimmter Mutationen kommt es bei Mensch A zu besseren oder häufigeren Fortpflanzungen als bei B).
Dabei wird sexuelle Selektion noch einmal in zwei Unterarten aufgespalten:
– intersexuelle Konkurrenz
– intrasexuelle Konkurrenz
Bei intersexueller Konkurrenz geht es darum, dass die Geschlechter sich auf eine bestimmte Weise entwickeln, weil das andere Geschlecht bestimmte Auswahlen trifft (kurz gesagt: Wenn Männer Frauen mit gleichmäßigen großen Brüsten bevorzugen, dann findet eine Zucht auf solche Frauen statt und eine weibliche Brust entwickelt sich)
Bei intrasexueller Konkurrenz geht es darum, sich selbst gegenüber anderen besser darzustellen oder anderen Fortpflanzungsmöglichkeiten zu Gunsten eigener Fortpflanzung einzuschränken. Ein klassisches Beispiel ist der Gorilla. Hier sammelt sich eine Gruppe von Frauen in einem bestimmten Gebiet mit guter Nahrung, etwa einem Fruchtbaum, und ein Männchen schirmt diese Frauengruppe dann gegen andere Männchen ab und monopolisiert sie. Intrasexuelle Konkurrenz hat überschneidungen mit intersexueller Konkurrenz, aber zeichnet sich insbesondere dann ab, wenn die Handlung des einen Geschlechts unabhängig von den Handlungen des anderen Geschlechts ist. Dieser Zustand wird in Reinform selten auftreten. Auch bei Gorillas kann es sein, dass die Weibchen einen Konkurrenten gegen den gegenwärtigen Silberrücken unterstützen, wenn ihnen dieser mehr zusagt. Aber dennoch ist das Modell für verschiedene Betrachtungen interessant.
Häufig werden beide Faktoren zusammenkommen: Weibchen bevorzugen ein statushohes Männchen, dies führt zu hoher intrasexueller Konkurrenz um einen hohen Platz in der Hierarchie, den die Männchen gewinnen, die sich aufgrund bestimmter Eigenschaften am besten an die Konkurrenzsituation angepasst haben, etwa durch höhere Körperkraft und Körpergröße oder durch eine schützende Mähne um den Hals. Gleichzeitig kann dann ein Merkmal wie Körpergröße wieder innerhalb der intersexuellen Selektion interessant sein und evtl. eine Bedeutung über die damit verbundene Kampfkraftsteigerung hinaus erfahren.
Ein Merkmal für die Entwicklung eines Merkmals aufgrund intrasexueller Konkurrenz ist, dass Männchen diesen Merkmal eine hohe Bedeutung beimessen, Weibchen aber nicht.
Beispielsweise spricht vieles dafür, dass das Interesse von Männern an sportlichen Wettbewerben darauf zurückzuführen ist, dass es ein Stellvertreter für intrasexuelle Wettkämpfe ist. In solchen Wettkämpfen ist es wichtig, welcher Gruppe man angehört, welche Gruppe besser ist und wie deutlich man mit dieser Gruppe verbunden ist. Denn eine starke Gruppenzusammengehörigkeit signalisiert automatisch eine gewisse Stärke, ein Konkurrent muss nicht nur die Kraft des anderen, sondern die Kraft der Gruppe bei einer Konfrontation einrechnen. Selbst wenn er sehr stark ist, wird er gegen eine eingeschworene Gruppe von drei Freunden in einem Kampf verlieren oder zumindest starke Verletzungen riskieren. Auch ansonsten kann ein Mißfallen einer großen Gruppe erheblich mehr Schwierigkeiten auslösen, etwa über den Verlust von Handelsprivilegien oder Handelsmöglichkeiten, über Hilfeleistungen, die einem Abgeschnitten werden oder über den Zugang zu deren sonstigen Ressourcen.
Dabei ist aber nicht nur das „Gorilla-Modell“ der Frauenabsicherung interessant, sondern eine solche Abschirmung kann auch zivilisierter und in einer gemischten Gruppe erfolgen.
Man stelle sich einen Königshof vor. Der König interessiert sich für eine Hofdame Y, die er als seine Mätresse gewinnen will. Bisher wurde sie von dem Höfling X umworben, was ihr auch durchaus recht wahr. Höfling X hört nun über die entsprechenden Kanäle von dem Interesse des Königs. Weil er seinen Kopf auf den Schultern behalten möchte und nicht vom Hof verbannt werden möchte, bricht er jeden Kontakt zu der Hofdame ab, wendet sich sogleich einer neuen Hofdame Y zu, die ihn nicht interessiert, der er aber nachgiebig den Hof macht, um deutlich zu machen, dass er keinerlei Interesse mehr an der Hofdame X hat. Hofdame Y, die bisher Zeichen der Zuneigung von verschiedenen Höflingen erfahren hat, macht allgemein die Feststellung, dass diese komplett aufhören und man überaus höflich, aber wesentlich distanzierter und formeller zu ihr ist. Sie ist flirttechnisch gesehen eine Aussätzige. Ihre Verwandten hingegen suchen ihre Nähe, weisen auf die Vorzüge des Königs hin und sind überaus nett zu ihr.
Aufgrund intrasexueller Konkurrenz bleibt ihr entweder die Option des Königs Mätresse zu werden oder sich vom Hof zu entfernen bzw. das Risiko einzugehen den König zu verärgern, indem sie ihn abweist bzw. darauf zu hoffen, dass sich sein Interesse auf eine andere verlagert.
Das gleiche Beispiel ist auch in weniger extremer Form in der Steinzeit möglich. A gehört einer Gruppe der besten Jäger/Kämpfer/Händler des Stammes an. Die Gruppe sitzt an den Machtstellen der Sippe und gibt im wesentlichen deren Entscheidungen vor, verteilt die meisten Ressourcen, es ist ihr Erfolg, der die Gruppe durch den Winter bringt und andere Gruppen von Angriffen abhält. Sie haben gute Kontakte zu allen Nachbargruppen, deren Anführer meist mit Töchtern von Personen dieser Gruppe verbunden sind. Jäger B „ehelicht“ nun eine neue Frau, die teile ihrer Familie mitbringt. In dieser auch die Frau X in einem für A passenden Alter. A flirtet mit ihr. Wer immer ebenfalls mit ihr flirtet wird darauf hingewiesen, dass er, wenn er sich gegen A stellt, sich ebenfalls gegen die Gruppe stellt,d er A angehört und davon ausgehen kann, dass diese die Unterstützung für den Flirtenden (und evtl seine Familie) stark zurückfahren können, weil sie es als Angriff gegen eines ihrer Mitglieder ansehen. Wenn es demjenigen gelingen könnte das Herz der X zu erobern, dann müßte er im Gegenzug den Hass des A und damit auch den Hass der Gruppe in Kauf nehmen. Vielleicht müßte er sogar die Gruppe verlassen. Das erhöht den Preis einer Brautwerbung, dazu noch eine mit ungewissen Ausgang, erheblich. Auch X braucht etwas bis sie versteht, warum keiner der Männer ausser A um sie werben (im alten Stamm hatte sie reichlich Verehrer). Ihr bleibt letztendlich auch keine wirkliche Option außer A.
Das Problem ist natürlich heute, mit größeren Bevölkerungsgruppen und wesentlich höherer Freiheit und Anonymität nicht mehr in diesem Maße vorhanden. Aber das ein eigentlich interessierter Mann sich stark zurückhält, weil ein andere Mann, mit dem er es sich nicht verderben will, auf eine bestimmte Frau steht (der Chef etwa oder der Sohn des Chefs oder der beste Freund oder ein anderer aus der Gruppe, der „ranghöher“ ist) dürfte immer noch häufig genug vorkommen.
Unter intrasexueller Konkurrenz könnte man auch Väter fassen, die ihre Töchter nur an ihnen genehme Männer herausgeben und damit ebenfalls mit entsprechender Macht oder Kraft unliebsame Bewerber verschrecken. Auch dies dürfte in der Geschichte häufig genug vorgekommen sein.
Dieses Verhalten mag zunächst kulturell erscheinen. Es führt aber ebenfalls zu einer Zucht in eine bestimmte Richtung. Denn es pflanzen sich jeweils die am wenigsten fort, die am schlechtesten an die Konkurrenzsituation angepasst sind und daher in dieser am häufigsten verlieren. Dies führt dazu, dass eine Selektion auf genau diese Eigenschaften, die innerhalb der Konkurrenz wichtig sind, eintritt. Männchen werden daher innerhalb einer intrasexuellen Konkurrenz meist größer und stärker als Frauen und haben eher das Bedürfnis Machtkämpfe auszufechten um in einer Hierarchie weiter oben zu stehen. Vieles spricht dafür, dass genau dies auch beim Menschen der Fall war. Wäre es nicht der Fall gewesen, dann wären Männer und Frauen eher gleich groß und kräftig. zudem spricht auch die Vorliebe für große Männer und ebenso die für Männer mit Status bei Frauen hierfür. Weitere Indizien sind, dass Männer in allen Bereichen mit erheblicher Konkurrenz um Status weitaus zahlreicher vertreten sind als Frauen. Auch körperliche Reaktionen, etwa die Fight or Flight Reaktion bei Männern im Gegensatz zu tend and befriend bei Frauen ist eher auf ein Konkurrenzmodell zugeschnitten. Spieletheoretische Überlegungen bzw. Überlegungen der Sexual Strategies Theory sagen zudem voraus, dass Frauen ihre Sexualpartner kritisch aussuchen als Männer (im Schnitt) und daher unter Männern eine höhere Konkurrenz um die Frauen und ein höherer Druck zur Profilierung herrschen sollte. Dies wird zudem auch durch Genanalysen bestätigt, die zeigen, dass sich zwar ein Großteil der Frauen, aber nur ein deutlich geringerer Teil der Männer erfolgreich fortgepflanzt hat.

Testosteronspiegel bei Jägern und Sammlern

Der Spiegel berichtet über einen Jäger- und Sammler Stamm, bei dem die Männer im Schnitt einen sehr niedrigen Testosteronspiegel haben.

Hamburg – Manchmal ist weniger mehr. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher am Volk der Tsimane in Bolivien. Die Männer dieses Regenwaldstammes von Jägern und Sammlern arbeiten körperlich hart, dazu müssen sie Krankheiten überstehen und werden von Parasiten geplagt. Doch in ihrem Blut fanden Forscher überraschend kleine Mengen des Männlichkeitshormons Testosteron. Sie haben davon nur ein Drittel so viel im Blut wie Männer in den Industrieländern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Auf den ersten Blick scheint der niedrigere Testosterongehalt ein Nachteil für die Tsimane-Männer zu sein, sorgt er doch für weniger Muskelmasse und damit Stärke. Doch: „Mehr Muskelmasse zu produzieren, kostet Energie – und hohe Testosteronwerte verringern zudem die Leistung des Immunsystems“, schreiben Benjamin Trumble von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen. Wer in einer Umwelt mit vielen Parasiten und Krankheiten lebe, für den sei es biologisch sinnvoller, den Testosteronwert niedrig zu halten.

Das Testosteron sich auf das Immunsystem auswirkt ist bereits seit längerem bekannt. Ich hatte das schon einmal in „Testosteron und Immunsystem“ dargestellt.

Die Schlußfolgerung:

Die hohen Testosteronwerte der Männer in den Industrieländern seien evolutionär gesehen eine neue Erfindung, meinen die Forscher. Möglich wurden sie erst durch den Nahrungsüberfluss und die gute medizinische Versorgung.

„Unser Lebensstil ist eine Anomalie, eine Abweichung von der Jahrtausende alten Lebensweise unserer Art als Jäger und Sammler“, sagt Michael Gurven, einer der Leiter der Studie von der University of California in Santa Barbara. Das Streben nach möglichst hohen Testosteronwerten, beispielsweise durch Hormonpflaster oder sonstige Präparate, hat demnach mit ursprünglicher Männlichkeit oder gar altem Jägererbe wenig zu tun.

Der Schluß überzeugt mich nicht. Bei Zugrundlegung der Out-Of-Africa-Theorie steigt der Testosteronspiegel der Männer üblicherweise, um so mehr wir uns dem „geographischen Ursprung der Menschheit“ nähren. Was eher annehmen lässt, dass der Testosteronspiegel in Rahmen der Auswanderung gesunken ist und nicht nachträglich gestiegen ist.

Eher scheint mir ein umgekehrter Schluß wahrscheinlicher:

Wenn die meisten Völker auf dieser Erde einen höheren Testosteronspiegel haben als der geschilderte Stamm, dann spricht das eher dafür, dass bei diesem Stamm eine Selektion auf einen niedrigeren Testosteronspiegel stattgefunden hat.

Hierfür bieten sich relativ isolierte Stämme auch an: Der Verwandtschaftsgrad steigt aufgrund der kleinen Gruppe, was intrasexuelle Kämpfe unter Männern genetisch unrentabler macht und Hierarchien verflachen hilft.

Bei Betrachtungen von heutigen Jäger und Sammler Gesellschaften sollte man auch bedenken, dass gerade die, die weniger auf Status und intrasexuelle Konkurrenz aus sind auch eher Jäger und Sammler bleiben, einfach weil der Aufbau von Status und der Ausbau von Macht Entwicklung fördern kann (vgl. dazu Jared Diamond „Guns, Germs and Steel„.)

Hier kann auch das bessere Immunsystem ein weiterer Vorteil gewesen sein, der aber nur genutzt werden kann, wenn die Vorteile einer hohen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund engerer Verwandschaftsverhältnisse oder anderer Umstände, die auf Friedfertigkeit selektieren, nicht mehr in dem Maße anfallen.Das Volk in vielleicht in der Steinzeit geblieben, vielleicht gerade weil es wenig Testosteron hat und damit weniger Anlass für Statusdisplay und Hierarchien.

Bestimmte Stämme werden ja auch in Debatten gerne als Beispiel dafür angeführt, was eine andere Kultur alles erreichen kann und wie konstruiert und kulturbestimmt die Geschlechterrollen sind. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: In einer gegenseitigen Beeinflussung von Kultur und Biologie entwickelt sich der Mensch, genug Abgrenzung und einen hinreichend langen Zeitraum vorausgesetzt, nach den jeweiligen Gegebenheiten. Die Biologie folgt der Kultur, die Kultur folgt der Biologie.

Interessant dazu auch der Hinweis auf die Testosteronspitzen im Wettbewerb:

„Trotz ihrer krankmachenden Umgebung ist es auch für die Tsimane wichtig, Testosteron für kurzzeitige Wettkämpfe und große Kraftanstrengungen freizusetzen“, sagt Gurven. Ähnliche Hormonausschüttungen gebe es auch bei Männern in den Industrieländern in Wettbewerbssituationen. Das zeige, dass diese Hormonspitzen ein fundamentaler Aspekt der menschlichen Biologie seien. Sie blieben selbst dann erhalten, wenn dies bedeute, kurzzeitig das Immunsystem zu schwächen und eine Infektion zu riskieren.

Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Testosteron ist natürlich auch im Geschlechterverhältnis interessant. Männer haben bereits mehr Testosteron und schütten im Rahmen von Fight oder Flight Strategien auch mehr davon aus. Es spricht damit vieles dafür, dass Männer auch eher auf Wettbewerb ausgelegt sind als Frauen und sich daher  – im Schnitt – in diesem wohler fühlen.

Die Entwicklung des Menschen: Ein paar Wegpunkte

Hier mal ein paar Überlegungen zu ein paar Entwicklungsschritten, die dazu beigetragen haben, uns zu dem zu machen, was wir sind. Ich habe die Liste mal angefangen, natürlich gibt es wahnsinnig viele Zwischenschritte über unsere Evolution.

  • Als Fruchtesser entwickelte der Mensch die Fähigkeit zum Farbensehen zum erkennen des Reifegrads der Früchte (die meisten Raubtiere haben kein Farbensehen)
  • Als Baumbewohner die Fähigkeit zum Greifen und räumlichen Denken um sich von Baum zu Baum zu schwingen
  • Als Savannenbewohner den Aufrechten Gang zum Überblicken des hohen Grases
  • als Aufrechtgehender Mensch entwickelte er aus den Baumgreifhänden die zu Feinmanipulationen nutzbare Hand und damit die Werkzeugnutzung. Hierbei kam ihm dann das in den Bäumen entwickelte räumliche Denken zugute, mit dem er sich Konstruktionen aus mehreren Objekten besser vorstellen kann
  • Als Wesen mit der Möglichkeit zur Herstellung von feinen Gerätschaften entwickelte er die Fähigkeit sich zu spezialisieren.
  • Als Gruppentier entwickelte er reziproke Zusammenarbeit.
  • Aus dem zusammenarbeitenden Gruppentier entwickelten sich Hierarchien, Statusdenken und die Attraktivität für Status
  • Aus der Zusammenarbeit entwickelte er echten Tausch, also die Fähigkeit zum abstrakten Handel, dem Austausch von Dienstleistungen und Waren, die in keinem Zusammenhang stehen
  • Als Säugetier mit langer Unselbständigkeit des Kindes und gleichzeitig der Fähigkeit zum abstrakten Tausch entwckelte er die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.
  • Aus der Möglichkeit zu Tausch und Handel enstanden größere Märkte, die weitere Spezialisierungen ermöglichten (es lohnt sich eher spezielle Werkzeuge und Techniken für zB Pfeilspitzen zu entwickeln, wenn man 50 Stück pro Woche macht als wenn man 5 pro Monat macht)
  • Aus den Märkten entwickelte sich noch mehr Arbeitsteilung, noch mehr Spezialisierung und noch mehr Wissen, sie erlaubten zudem größere Ansammlungen als die Jäger und Sammlertradition. Dies vergrößerte die Märkte noch mehr, was weitere Spezialisierungen zuließ.
  • Weil er ein Wesen war, dass Status mochte, konnte er Statusobjekte entwickeln und darüber eine Vorstellung von Wert und einen Ansporn zur Anhäufung von Ressourcen über das tägliche Sammler und Jäger Leben hinaus.