Raewyn Connell und Hegemoniale Männlichkeit

Raewyn Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit war schon Thema hier

Ich möchte es noch einmal näher beleuchten:

Connell begreift das soziale Geschlecht als eine Weise, in der soziale Praxis geordnet ist. Da soziale Praxis immer von sozio-kulturellen Umständen abhängt, entstehen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Milieus auch unterschiedliche Konfigurationen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Der Antrieb dieser Veränderung ist der Machtkampf innerhalb der Geschlechterbeziehung und vor allem der von Connell immanentisierte Erhaltungsdrang des Patriarchats. In ihrem Buch „Der gemachte Mann“ befasst sich Connell u.a. mit den Relationen zwischen verschiedenen Männlichkeiten und stellt vier Konzepte solcher Verhältnisse vor.[2]

Also eigentlich ein klassischer Gruppenansatz, bei dem die Geschlechter jedenfalls in der Gruppe Mann noch einmal in Untergruppen unterteilt sind, die jeweils miteinander im Kampf um die Macht stehen.

„Das Patriarchat“ (definiert es Connell eigentlich irgendwo näher?) will sich erhalten und so seine Macht bewahren

Hegemoniale Männlichkeit. Hegemonial ist diejenige Männlichkeit, die sich durch einen privilegierten Zugang zur Macht des Patriarchats auszeichnet. Sie ist für eine bestimmte gesellschaftliche Situation die durchsetzungsfähigste, wenn auch nicht einzige Antwort auf das Legitimitätsproblem des Patriarchats. Macht und Erfolg der hegemonialen Männlichkeit beziehen sich dabei in erster Linie auf ein Kollektiv, d.h. ein einzelner ausgeprägtester Vertreter dieser Konfiguration verfügt in der Gesellschaft nicht unbedingt über die größte Autorität und nicht jeder mächtige Mann realisiert die hegemoniale Männlichkeit. Deutliche Beziehungen zwischen hegemonialer Männlichkeit, Heteronormativität sowie gesellschaftlicher und ökonomischer Macht.

Eigentlich ja ein sich selbst immunisierendes System: Wer auch immer gerade als Männergruppe oben ist, ist eben hegemoniale Männlichkeit und damit das Patriarchat. Die Macht liegt bei einem Kollektiv, dass nicht näher definiert wird und das auch gegen jede Eingrenzung, die dazu führen könnte, dass man sie wiederlegt, abgesichert wird (siehe auch den Artikel zur Verschwörungstheorie und Feminismus). Selbst wenn einer der mächtigen nicht hegemonial ist, dann macht das der Theorie nichts, weil eben im verborgenen doch wieder die hegemoniale Männlichkeit die Fäden zieht.

Komplizenschaft. Es gibt nur wenige Männer, die alle Elemente hegemonialer Männlichkeit auf sich vereinigen und damit der gerade aktuellen Norm entsprechen. Dennoch profitiert die Mehrheit der Männer von der Vormachtstellung des Patriarchats. Connell nennt dieses Phänomen die „patriarchale Dividende“.[3] Über die Komplizenschaft überträgt sich aber auch die Dominanz im Geschlechterverhältnis nur partiell. Im Spannungsfeld des Alltages bedeutet dies, dass Kompromisse mit Frauen oft nicht zu umgehen sind und so widersprüchliche Konfigurationen entstehen.

Auch hier erscheint mir einiges an Nebel in den Raum geblasen zu werden. Die Mehrheit der Männer profitiert? Was genau ist da der Nachweis von Connell und wie genau sieht die patriarchale Dividende jeweils aus?

Auch schön: Die Komplizen bringen das Patriaracht leider nicht bis ganz nach unten durch, deswegen muss man teilweise mit den Frauen Kompromisse machen. Auch eine hübsche Absicherung gegen eine Widerlegung: Wenn man irgendwo zeigt, dass Frauen die Regeln mitbestimmen, dann liegt das eben daran, dass hier ein Spannungsfeld besteht, bei dem die Komplizen einen Kompromiss machen mussten.

Marginalisierung. Einige Männer, die in bestimmten Bereichen der Gesellschaft Erfolge zeitigen, profitieren nur in eingeschränkter Weise von der Macht und dem Ansehen des Patriarchats. Ein Grund dafür kann die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlich benachteiligten Gruppe sein. Connell führt als Beispiel an, dass trotz der zahlreichen Triumphe schwarzer Sportler schwarze Männer von ethnischer Diskriminierung betroffen sind. So stellt die marginalisierte Männlichkeit das gegenteilige Verhältnis zur Komplizenschaft dar.

Hier kann Connell und Intersektionalität zusammenspielen vermute ich mal. Wozu man diese Marginalisierung braucht, was man mit ihr erreiche, wie sie errichtet wird und warum viele Staaten in Afrika reichlich patriarchal sind, da würden mich die Ansichten von Connell interessieren. Gibt es vielleicht mehrere Patriarchate, die jeweils andere marginalisierte Männlichkeiten haben?

Unterordnung. Wenn Kampf um den Machterhalt des Patriarchats eine Konstante innerhalb der Geschlechterbeziehungen ist, dann haben die Anteilseigner des Patriarchats ein Interesse daran, jede Männlichkeit zu unterdrücken, die die hegemoniale Männlichkeit untergraben könnte. In der Logik der Hegemonie rücken diese Männlichkeiten in gefährliche Nähe zur Weiblichkeit, was sich auch durch symbolische Verweiblichung in der Betitelung mit Schmähwörtern ausdrückt. Als auffälligstes Beispiel unterdrückter Männlichkeit der Gegenwart nennt Connell schwule Männlichkeit. Noch weniger als bei der hegemonialen Männlichkeit entspricht die untergeordnete Männlichkeit einer definiten Gruppe. Das Bannfeld patriarchatsschwächender Elemente betrifft auch einzelne Praktiken, sodass Männer, die tendenziell nicht zu einer diskriminierten Gruppe gehören, ebenfalls dem Vorwurf der Weiblichkeit ausgesetzt werden können.

Der Kampf um die Machterhaltung wird anscheinend erst einmal vorausgesetzt. Die „Anteilseigner des Patriarchats“ ist wieder ein nebulöser Begriff, der gut zu einer Verschwörungstheorie passt. Auch schön, wie hier ein Dualismus aufgebaut wird, indem Weiblichkeit den guten Pol bildet und bei dem weiblichere Männer abgewertet werden. Das Bannfeld patriarchatsschwächender Elemente ist auch sehr schön.

Das Weiblichkeit auch in vielen Fällen als richtig und gut angesehen wird, das sie keineswegs einer umfassenden Abwertung unterliegt, das kann bei Connell keine Rolle spielen.

32 Gedanken zu “Raewyn Connell und Hegemoniale Männlichkeit

  1. Den Ansatz von Connell würde ich dann ernst nehmen, wenn er neben einer „patriarchalen Dividende“ auch folgende Dividenden einbeziehen würde, wo die Frauen, je nach Kontext, eine Dividende einstreichen:

    – ethnische Dividende
    – Klassen-/Schicht-/soziale Milieus-Dividende (hier wären vor allem ökonomisches, kulturelles, politisches, institutionelles, soziales Kapital gemeint)
    – Konfessions-Dividende
    – Alterskohorten-Dividende
    – Sprachen-Dividende
    – Regionen-Dividende
    – Nationalitäten-Dividende
    – Zentrum-Peripherie-Dividende (also Struktureigentümlichkeiten im Weltsystem)
    – Heterosexuelle Dividende
    – Krankheits-Gesundheits-Dividende (behindert, nichtbehindert)

    Soll heissen: Eine deutsche, christliche, weisse Frau, 30jährig, nichtbehindert, heterosexuell, mit viel kulturellem, ökonomischem, politischem, institutionellem, sozialen Kapital hat vollständig andere Lebensumstände und Lebenschancen als ein 58 jähriger Türke in Deutschland wohnhaft, behindert, arbeitslos, schwul, Muslim, verschuldet, kaum kulturelles Kapital, überhaupt kein politisches und institutlionelles Kapital etc.,

    Das Modell von Connell ist eben ein Witz, weil es vollständig unterkomplex und quasi nur zwei Dimensionen kennt: Mann versus Frau und marginalisierter Mann versus privilegierter Mann. Soll heissen: seine Sozialstrukturanalyse ist extrem unterkomplex.

    Zudem: Nicht einbezogen sind solche gesellschaftliche Sektoren, wo man von einer weiblichen Hegemonie sprechen kann, m.E. ganz klar der Reproduktionsbereich und wo man dann eben auch von einer weiblichen Hegemonie-Dividende sprechen könnte.

    Ausserdem wäre zu berücksichtigen, dass die Partizipationsmöglichkeiten im politischen Bereich vollständig gegeben sind, die Frauen sich jedoch quasi selbst entmachten. Frauen nehmen, zumindest in der Schweiz, signifikant weniger häufig an Wahlen und Abstimmungen teil (pro Alterskohorte kann dies bis 15% Differenz zwischen Frauen und Männern ausmachen), sie wählen zudem viel weniger als es möglich wäre selbst Frauen und Frauen stellen sich vielfach auch nicht zur Wahl. All das wird eben im Modell von Connell quasi ausgeblendet und somit liefert es eben ein verzerrtes Bild.
    Abgesehen davon, dass der Begriff des Patriarchats für die gegenwärtigen Gesellschaften, sagen wir mal innerhalb der OECD-Staaten, einfach nicht mehr viel hergibt, weil er auch ein mehrheitlich verzerrtes Bild liefert.

    • Da haben wir einen Mann, der sich sein Genital abschneiden lässt und sich stattdessen ein Loch zwischen die Beine bohren lässt und fortan glaubt, er sei eine Frau. Diese Absurdität motiviert zu Spott, aber eigentlich ist Mitleid angebracht. Der Mann hat offensichtlich jeden Bezug zur Realität verloren und hat Anrecht auf professionelle Hilfe.

      Leider lebt er aber in einer Zeit, in der solch eine Selbstverstümmelung, denn nichts anderes ist es, aus politischen Motiven als progressiv verklärt wird. Das ist der wirkliche Skandal: ein psychisch leidender Mann mit massiven Identitätskonflikten wird verstümmelt (lässt sich verstümmeln) und gilt als Kronzeug(in) der Anklage gegen die Männer und Männlichkeit (was immer das heissen mag) insgesamt. Was für eine armselige Ideologie, die solche Fürsprecher benötigt!

  2. Das Kennzeichen des Männlichen ist die Freiheit. Nicht eingeschränkt durch vom Körper vorgegebene Reproduktionsaufgaben, kann sich der Mann quasi frei entfalten, kann seine Rolle frei wählen, jedenfalls dem Potential nach. Die Frau kann das nicht, denn ein menschlicher bauchbrütender Eizellspender trägt ein Lastenheft mit sich herum:

    – breites Becken (wegen Kind mit großem Kopf)
    – weiches Bindegewebe (damit sich das Becken verschieben kann)
    – wenig Muskelmasse (zum Energiesparen, damit die Energie für Schwangerschaft und Stillen reicht)
    – viel langsam aktivierbares Fettgewebe (Energiereserven für Mutter und Säugling)

    Dazu kommt eine eingeschränkte Vermehrungskapazität, jedenfalls im Vergleich zum Mann.

    Es gibt wenig ökologische Nischen bei welchen Frauen mit Männern mithalten können, Langstreckenschwimmen gehört dazu.

    Nun ein Mann kann ein weibliches Leben führen, d.h. eine weibliche Rolle annehmen. Will aber eine Frau ein männliches Leben führen und muss sie dabei mit Männern konkurrieren, so wird sie rasch an ihre Grenzen stoßen, auf jeden Fall bleibt ihre Vermehrungskraft hinter den Frauen zurück, die sich für eine weibliche Rolle entscheiden. Gäbe es eine Konkurrenz der Geschlechter über alle Ebenen, sähe es für die Frauen schlecht aus. Auch bei Graugänsen ist es so, dass die männlichen Paare (ja das gibt es da auch) die besseren Positionen besetzen, als die gemischten.

    Also haben die Frauen großes Interesse daran, dass die Männer männliche Rollen spielen, und da Frauen die Gesellschaft sind, hat die Gesellschaft großes Interesse daran, dass Männer männlich leben. In der Vergangenheit wurden stets die Schwulen verfolgt, nicht jedoch die Lesben.

    Es sind Frauen, welche Männer in männliche Rollen drängen. Was hier als Patriarchat verkauft wird, ist ein Konstrukt, das Frauen erlaubt in gesichterten Räumen von den Leistungen der Männer zu profitieren.

    (editiert: Bitte höflich und sachlich bleiben)

    Carl Jung

    • @Carl Jung

      Was du hier machst ist simpel ein naturalistischer Fehlschluss. Natürlich kann eine Frau abseits ihrer Einbindung in eine Schwangerschaft viele Freiheiten haben, sie kann sich ja allein schon beispielsweise entschließen, einfach nicht schwanger zu werden. Oder sie wird schwanger und gibt die Lasten über Fremdbetreuung oder aber auch ihren Mann, wenn sie einen passenden findet (oder ihre lesbische Lebensgefährtin, ihre Großeltern, ihre Geschwister etc) an andere weiter.

      „und da Frauen die Gesellschaft sind“

      Männer und Frauen sind die Gesellschaft.

      „Es sind Frauen, welche Männer in männliche Rollen drängen.“

      Teilweise, aber nicht ausschließlich. Es drängen auch genug Männer Männer in männliche Rollen und Frauen Frauen in weibliche Rollen. Ein Vater mag beispielsweise finden, dass sein Sohn zu weich ist und ihn abhärten oder eine Frau ihre Tochter mit dem Wunsch nach Enkelkindern nerven.

      • Naturalistischer Fehlschluss?

        Betrachte den evolututionären Prozess als eine Chromatographie. Eine Chromatographie beruht z.B. darauf, dass bei zwei gelösten Substanzen, die mit dem Lösungsmittel langsam zwischen Kieselgur hindurchwandern, eine stärker mit dem Kieselgur interagiert, d.h. sich häufiger daran anlagert, als die andere Substanz.
        Am Ende haben sich die beiden Substanzen getrennt.
        So ist es mit dem Phänotyp männlich bzw. weiblich.
        Das Leben führt zur Trennung und die Hormone und Gene erzeugen und sichern sie.
        Wenn ich in meinem Porsche das Handbuch für einen Traktor finde (also die Rolle) werde ich weniger Erfolgserlebnisse haben, als jemand, der tatsächlich einen Traktor besitzt. Die Rolle muss zur Hardware passen.
        Natürlich passt sich in biologischen Systemen auch die Hardware an die Rolle an, wenn es möglich ist.
        Wenn es um Kraft, Schnelligkeit, intellektuelle Exzellenz, Mut und Risikobereitschaft geht, sieht es für die weibliche Hardware schlecht aus, weil sie auf Grund ihrer geringeren Vermehrungskapazität die Opfer, die sich hinter den Begriffen Mut und Risiko verbergen, nicht mit der Zahl der Nachkommen ausgleichen kann.

        Natürlich festigen auch Väter Geschlechterrollen. Die Frage ist, wer diese Rolle geschaffen hat?

        Erstens einmal ist die alte Rollenzuweisung erfolgreich, denn immerhin gibt es eine Menge Menschen, die diese Rollenzuweisung praktiziert haben und sie haben bis heute überlebt, was man von Alternativen nicht behaupten kann.

        Wo ist die Gesellschaft, in welcher Männer zart, häuslich und kinderorientiert, die Frauen aber groß, hart, mutig und in die Welt hinaus orientiert sind? Wo nur?

        Ja, es läuft da gerade ein Großexperiment! – Und, wo sind die Erfolge? – Wo ist die Expansion? – Oder wird hier nicht gerade ein Erbe verfrühstückt?

        Carl Jung

        • @Carl Jung

          Natürlich gibt es Geschlechterunterschiede. Mir musst du darüber nichts erzählen.

          Aber sie sind nicht essentialistisch zu sehen, sondern es gibt fließende Übergänge.

          Ein herrschendes Geschlecht auszumachen ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Beide Geschlechter haben ihre jeweiligen Interessen und setzen sie teilweise um.

          Dazu müssen Männer nicht plötzlich im Schnitt zärter, häuslicher oder kinderorientierter als Frauen sein – sie sind es nicht. Aber ein gewisser Anteil von ihnen ist es. Und es müßen auch nicht gleich viele Frauen Führungspostionen mit 70+ Stundenwochen mögen, damit sie Freiheiten haben, es reicht wenn sie gute Richterinnen, Verwaltungsbeamte, Friseurinnen oder Lehrerinnen oder eben auch zu einem geringeren Teil Ingenieurinnen, Mathematikerinnen oder Raketenwissenschaftler sind.

          Deine essentialistische Trennung und deine Zuordnung von Freiheiten bleibt ein naturalistischer Fehlschluss, weil du nicht aus den Eigenschaftshäufungen und bezogen auf das Einzelwesen argumentierst, sondern mit (abgenommenen) essentialistischen natürlichen Bestimmungen.

  3. „Connell begreift das soziale Geschlecht als eine Weise, in der soziale Praxis geordnet ist. Da soziale Praxis immer von sozio-kulturellen Umständen abhängt, entstehen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Milieus auch unterschiedliche Konfigurationen von Männlichkeit und Weiblichkeit. “
    Die Grundannahme ist doch die Existenz einer solzialen Dichotomie des Männlichen und des Weiblichen.
    Wir könnten auch sagen, Grün und Orange- huch, da ist plötzlich der ganze Schmackes raus.
    Und man muß erkennen, daß die biologische Konotation des sozial Männlichen und sozial Weiblichen eigentlich erst den Reiz der ganzen Geschichte ausmacht. Der Subtext macht es erst interessant.

    Wen würde denn eigentlich die 9999. Theorie der sozialen Differenzierung interessieren,w enn es nicht um Mann und Frau ginge?

    Absatz für Denksekunde.

    Eben.

  4. Entschuldigung, ich bin vom Anfang an vom Thema abgewichen.

    Begriffe wie „hegemoniale Männlichkeit“ sind hohle Phrasen. Erinnert mich an den Dummsprech der Kommunisten.

    Zitat aus Wikipedia: Ein historisch früher Typus, den Connell als hegemoniale Männlichkeit ausmachte, war der Conquistador, der an der Grenze, an der „frontier“, seine Männlichkeit zum Ausdruck brachte. Sie wurde abgelöst durch die „gentry masculinity“ (zum Beispiel George Washington). Zitat Ende

    Der Conquistador hat nicht seine Männlichkeit zum Ausdruck gebracht, sondern Beute gemacht. Ein Mann gilt in der Gesellschaft, vor allem also in den Augen von Frauen, als erfolgreich, wenn er Beute macht.

    Wie ist es denn bei den Termiten, besonders den Wächter(innen), also die mit den großen Zangen. Bringen die mit ihren Riesenzangen auch ihre hegemoniale Männlichkeit zum Ausdruck?

    Und warum heißt die Muttertermite, dieses unförmige Ding im Zentrum des Baus, um dessen Wohlergehen sich alles im Volke dreht, warum heißt diese unförmige Termite Königin.

    Was machen Soldaten und Krieger mit ihrer Beute?

    Welche Rolle spielen Frauen?

    Vergleiche die Rolle von Termitenarbeiter(innen) und -soldaten mit der der Königin und ziehe Vergleiche zur menschlichen Gesellschaft.

    Carl Jung

    • @ Carl Jung

      Weitgehend Zustimmung, C.G., wie so oft.

      *Begriffe wie “hegemoniale Männlichkeit” sind hohle Phrasen. Erinnert mich an den Dummsprech der Kommunisten.*

      Da kommt’s ja auch her, wie so vieles bei den Geschlechtersozialisten (Gramscis Konzept der kultuellen Hegemonie auf’s Geschlechterverhältnis übertragen).

      • Anmerkung zu Termiten

        Bei Termiten gibt es eine Königin und einen König.

        Alle Klassen (Königspaar, Arbeiter, Soldaten) bestehen aus Angehörigen beider Geschlechter (sind ja keine Ameisen).

        Soldaten müssen keine Beute machen, weil Termiten von Zellulose leben, sie könnten also höchstens Dächer einreißen und dann die Balken in’s Nest schleppen.

    • @Carl Jung

      „Ein Mann gilt in der Gesellschaft, vor allem also in den Augen von Frauen, als erfolgreich, wenn er Beute macht.“

      Die Gesellschaft sind ebenso Männer. Du blendest die dortige intrasexuelle Konkurrenz aus.
      Im übrigen ist „beute machen“ bei Menschen nicht das einzige Kriterium. Es gibt viele weitere.

      Teeniemädchen haben keine Bilder von Bill Gates an der Wand, sondern von Männern die Gefühle ansprechen und gut aussehen.

      Zum Ausnutzen noch das Folgende:

      https://allesevolution.wordpress.com/2012/02/16/versorgereigenschaften-als-attraktivitatsmerkmale-und-grunde-fur-die-paarbindung/

      Wir sind keine Termiten. Wir bringen auch nicht schlicht Beute zu einer Königin.

      • Wir reden hier nicht von einem Versorger. Wir reden von einem Conquistador, einem Eroberer. Einem Mann, der Macht ausübt, der Macht über Männer ausübt. Ein Mann mit dem Geruch nach Erfolg, nach Gewalt, nach Gefahr.

        Der Conquistador erhält keinen Lohn, er macht Beute.

        Ja, Teeniemädchen träumen von Prinz Charming. Aber Prinz Charming ist schwul.

        Reife Frauen träumen von Mr. Big!

        Und wie wir wieder gelernt haben geht doch nichts über einen General. Auch kleine Männer haben eine Chance, wenn sie Präsident sind.

        Carl Jung

        • @Carl Jung

          „Der Conquistador erhält keinen Lohn, er macht Beute.“

          Ressourcen sind Ressourcen.
          Aber auch da: Dies ist eben nicht nur durch Frauen veranlasst. Ruhm und Status zu erlangen, über viele Ressourcen zu verfügen, dass alles ist ebenso Bestandteil des evolutionären Erbes des Mannes.

          „Reife Frauen träumen von Mr. Big!“

          Das mag sein. Aber sie träumen auch von dem süssen Kollegen oder dem Nachbarn oder dem coolen Typen in der Disko.

          „Und wie wir wieder gelernt haben geht doch nichts über einen General. Auch kleine Männer haben eine Chance, wenn sie Präsident sind.“

          Natürlich ist Status attraktiv. Aber was leitest du daraus her?

          Es ist ja nicht so, dass alle Frauen in Beziehungen mit Generalen oder Präsidenten sind.

        • @ Christian

          *Es ist ja nicht so, dass alle Frauen in Beziehungen mit Generalen oder Präsidenten sind.*

          Natürlich nicht.

          So viele Kennedys gibt’s ja nun nicht.

          Generale und Präsidenten sind selten.

          Auch nicht alle Männer haben eine Beziehung mit einem Fotomodel.

          Frauen und Männer sind realistisch, kennen die Bedeutung des Wörtchens „Kompromiss“, lieben den Spatz in der Hand mehr als die unerreichbare Taube auf dem Dach.

          Wie sehr, das würden sie erfahren, wenn doch plötzlich eine Taube in Reichweite rückte.

          Gott sei Dank erfahren genau das die meisten nie.

          Weil sie es nie erleben (müssen).

          • @Roslin

            Es ist ja nicht so, dass wir Menschen wahllos wechseln würden. Es werden ja genug Bindungshormone ausgeschüttet, die uns einen langjährigen Partner anders sehen lassen. Wir sind zu Liebe fähig. Was nicht bedeutet, dass man uns nicht in Versuchung führen kann. Aber es ist eben kein verächtliches Zufriedengeben, sondern eine Bindung, gerade wenn wir dem anderen einen ungefähr gleichen Partnerwert zubilligen.

            Genug Frauen wollen auch niemals die Geliebte des Generals sein oder mit einem zu statushohen Mann eine Beziehung führen, weil dann keine Gleichwertigkeit bestehen würde. Natürlich: Etwas höher sicherlich und man darf auch nicht vergessen, dass ein höherer beruflicher Status des Mannes anderweitig durch die Frau ausgeglichen werden kann, zB über Schönheit oder Jugendlichkeit etc.

            Evolutionäre Theorien sprechen dafür, dass die Frau, sofern es nicht nur um Sex geht, auf Bindungsfähigkeit achten muss. Bindungsfähigkeit des Mannes setzt aber voraus, dass er nicht in Kürze etwas besseres findet.

      • @ Christian

        Noch etwas ausführlicher zur erschreckenden Realität:

        Was ist denn hegemoniale Männlichkeit?

        Doch die Form von Männlichkeit, die einem Mann unter den jeweiligen Rahmenbedingungen ein Maximum an Status und Ressourcen verschafft.

        Das ist für viele Männer die attraktivste Form von Männlichkeit, der sie darum nachzueifern bestrebt sind, so sie von ihren Voraussetzungen her und mit ihren Mitteln dies tun können.

        Warum ist sie die attraktivste Form von Männlichkeiten?

        Weil genau solche Männer für viele Frauen die begehrtesten sind, sie darum solche Männer mit Sex belohnen.

        Mit genau denen wollen sie sich fortpflanzen.

        Etwas, was Raewyn Connell und Feminist.I.nnen hartnäckig übersehen.

        Denn Frauen sind ja durchwegs geopferte Unschuldslämmer, an deren grundgutem Wesen die Welt genesen würde, wenn, ja, wenn böse, mächtige Männer sie denn nur ließen.

        • @Roslin

          „Weil genau solche Männer für viele Frauen die begehrtesten sind, sie darum solche Männer mit Sex belohnen. Mit genau denen wollen sie sich fortpflanzen. Etwas, was Raewyn Connell und Feminist.I.nnen hartnäckig übersehen.“

          Anzeichen für gute Gene und viele Ressourcen ist evolutionär in der Tat ein Kriterium.
          Ebenso stimme ich zu, dass Feministin dies zu Unrecht ausblenden.

          Es ist aber nicht das Einzige:

          https://allesevolution.wordpress.com/2011/01/12/sexual-strategies-theory-sst/

          Although women cannot benefit as much or as directly in reproduction from short-term mating, women can potentially reap a host of adaptive benefits: (a) immediate resources for themselves and children; (b) mate insurance should her regular mate become injured, die, or defect from the relationship; and (c) genetic benefits through mating with superior men. Because it is clear that women engage in short-term mating, and likely have done so throughout human evolutionary history, it is unlikely that they would have done so in the absence of benefits. The hypothesized benefits constitute some main advantages to women of a short-term mating strategy.

          (…)

          Women pursuing a long-term sexual strategy would benefit from solving the following problems: (a) identifying men who have the ability to acquire resources, (b) identifying men who display a willingness to invest those resources in them and their children, (c) identifying men willing to commit to a long-term relationship, (d) identifying men willing to protect them and their children from aggressive members of the same species, and (e) identifying men with good parenting skills. Women, in this analysis, are predicted to place a greater premium than men on a potential mate’s external resources, as well as the cues to such resources such as status, older age, ambition, and industriousness. Furthermore, women are predicted to shun men who emit cues that signal that they are pursuing a short-term, rather than long-term, mating strategy.

          und auch bei „(a)“ kommt natürlich noch gutes Aussehen, Eingebundenheit in ein soziales Netz etc dazu.

          Bindungsfähigkeit setzt erst einmal voraus, dass eine gewisse Gleichwertigkeit besteht. Das bedeutet, dass man glauben muss, dass der General oder der Eroberer einen tatsächlich wollen und nicht nur auf der Suche nach schnellen Sex sind.
          Die Langzeitstrategie, da wirst du mir zustimmen, spielt gerade bei Frauen evolutionär eine große Rolle.

          Hinzu kommt, dass ja auch eine Wechselwirkung vorhanden ist. Die Frau muss auch gerade dem Mann anzeigen, dass sie ihn nicht ausnutzen will, sondern tatsächlich an einer langfristigen Bindung interessiert ist, weil er sonst nicht viel auf die Vatersicherheit geben kann.

        • @ Christian

          @ Christian

          Es ging hier nicht um die Frage des durchschnittlichen Paarungsverhaltens durchschnittlicher Menschen, sondern darum, WARUM hegemoniale Männlichkeit hegemonial ist, wer und was dafür alles verantwortlich ist.

          *(c) identifying men willing to commit to a long-term relationship, (d)*

          c ist heute durch den Sozialstaat abgedeckt, weshalb das:

          *women are predicted to shun men who emit cues that signal that they are pursuing a short-term, rather than long-term, mating strategy.*

          weniger häufig zutrifft.

          Der „Alpha-Mann“ Sozialstaat hat den hypergamen Instinkt vieler Frauen befreit und den polygynen Instinkt vieler Bad Boys.

          Die Jagd nach Alpha-Männern muss nicht mehr erfolgreich sein, denn auch wenn sie erfolglos bleibt und man dadurch kein gutes „Heiratsmaterial“ mehr ist für Durchschnittsmänner, kann frau es wagen, weil der Versorger Staat als Notanker bereitsteht, so ihr Risiko minimiert, das der Beta-Versorger, betrogen zu werden, aber erhöht.

          Aus dem gleichen Grund kommen auch mehr Bad Boys zum Zuge, von denen von vorneherein klar ist, dass sie entweder nicht in der Lage oder nicht willens sind, ein Kind zu bevatern und zu finanzieren.

          • @Roslin

            „c ist heute durch den Sozialstaat abgedeckt“

            Ein gerades, enges Becken ist heute durch den Kaiserschnitt abgedeckt, trotzdem finden wir Frauen mit weiblicherem Becken interessanter.

            Dass ein Bedürfnis abgedeckt ist, bedeutet nicht, dass das damit verknüpfte Attraktivitätsmerkmal damit verschwindet.

            Sonst würde es sich für Frauen ja ebenso wenig lohnen auf Status und Ressourcen zu stehen.

            „weshalb das: *women are predicted to shun men who emit cues that signal that they are pursuing a short-term, rather than long-term, mating strategy.* weniger häufig zutrifft.“

            Teils teils. Frauen, die sagen, dass sie nicht die nächste Kerbe eines Aufreißers sein wollen gibt es durchaus viele. Und Frauen reagieren auf zu starke sexuelle Signale vor hinreichender Attraction auch durchaus negativ. Eine Frau, die man mit „du hast geile Titten“ anspricht, ist eben, wenn sie den Typen nicht eh gut findet und er für sie einen hohen Status hat, erst einmal abgeschreckt, eben gerade weil es nur als sexuelles Interesse gewertet wird. Aus den gleichen Gründen kommt neediness bei Frauen nicht gut an.

            Natürlich ist es heutzutage normal Sex zu wollen. Aber billig (=anfällig für Kurzzeitstrategien) wollen dennoch die wenigsten Frauen erscheinen.

            „Aus dem gleichen Grund kommen auch mehr Bad Boys zum Zuge, von denen von vorneherein klar ist, dass sie entweder nicht in der Lage oder nicht willens sind, ein Kind zu bevatern und zu finanzieren.“

            Eben, sie bedienen ganz andere Reize als Ressourcen. Was gegen die „Frauen wollen nur den Mann mit den meisten Ressourcen“ Theorie spricht.

        • Sonst würde es sich für Frauen ja ebenso wenig lohnen auf Status und Ressourcen zu stehen

          Wenn man den Statistiken glauben darf, dann sind es diejenigen mit wenig Status und geringen Ressourcen, die sich weit mehr fortpflanzen (regional wie global), nicht wahr? Einer hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Wie ist das in Einklang zu deiner Universalhypothese zu bringen? Gar nicht.

          • @Peter

            „Wenn man den Statistiken glauben darf, dann sind es diejenigen mit wenig Status und geringen Ressourcen, die sich weit mehr fortpflanzen (regional wie global)“

            Für evolutionäre Betrachtungen ist es maßgeblich, wer unter den für die Selektion maßgeblichen Bedingungen mehr Kinder bekommen hätte.

            Dabei spielt es eine Rolle, wer mehr Sex mit hochwertigeren Partnern hat, wer mehr Ressourcen in die Kinder investieren kann und wessen Kinder wiederum besser Möglichkeiten bei der Fortpflanzung haben

            Aktuelle Fortpflanzungszahlen sind schon aufgrund der Einführung der Verhütung relativ egal, sie betreffen nur eine zukünftige evolutionäre Entwicklung, die aber nicht die Partnerwahlkriterien betreffen muss (aber kann).

        • Dabei spielt es eine Rolle, wer mehr Sex mit hochwertigeren Partnern hat, wer mehr Ressourcen in die Kinder investieren kann und wessen Kinder wiederum besser Möglichkeiten bei der Fortpflanzung haben

          Eben, wer mehr Ressourcen in die Kinder investieren kann, der pflanzt sich weniger fort. Das gilt global wie auch in regionalem, nationalen Rahmen. Somit steht deine Universalhypothese im Widerspruch zur Realität. Ist schlicht und einfach eine Tatsache. Also brauchst du (mindestens) eine ad-hoc Behauptung, um deine Hypothese zu stützen. Als ad-hoc Behauptungen kommen aber nur soziale bedingte Umstände in Frage, was deine sich allein auf biologische Dispositionen stützende These nicht zu bekräftigen vermag.

  5. „Was genau ist da der Nachweis von Connell und wie genau sieht die patriarchale Dividende jeweils aus?“

    Eben – Beweise werden für behauptete Privilegien des Mannes so leicht nicht vorgelegt.

    Wie die patriarchale Dividende aussieht?

    Hier

    http://genderama.blogspot.de/2008/03/lesermail-zivildienst.html

    ist ein gutes Beispiel dafür, wie die patriarchale „Dividende“ aussehen kann. Der Zivi kommt halt direkt nach dem Hausschwein.

    Wird Zeit, dass es in der Öffentlichkeit mehr um die sexuelle Dividende der Frauen geht.

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