Feministische Männer als (patriachale?) Beschützer vor dem Patriarchat

Ich las neulich irgendwo im Netz etwas in dieser Richtung:

Dass in der feministischen Theorie die Männer üblicherweise dazu aufgefordert werden, etwas gegen die anderen, die bösen Männer oder die böse toxische Männlichkeit zu machen ist letztlich auch nur ein Rückfall in die Wahrung der klassischen Geschlechterrollen: Der Mann hat die Frau vor den bösen Männern zu beschützen. Er hat die Welt für sie besser zu machen. 

Man könnte sagen:

  • Männer sind die handelnden Subjekte.
  • Frauen sind die schutzbedürftigen Objekte.
  • Veränderung kommt von den Mächtigen, den Männern, nicht von den Betroffenen.

Der Mann ist Akteur. Die Frau ist Leidtragende, die gerettet werden muss.

„Ich, der gute feministische Mann, beschütze dich vor den bösen Männern.“

Wird in der Rhetorik etwas abgefangen dadurch, dass man den guten feministischen Mann eben in möglichst befehlsartiger Form auffordert es zu tun, er muss sich entscheiden, Verdammung oder Erlösung.

Aus Sicht der Feministen würde man da vielleicht anführen:

  • Männer haben die schlechte Situation geschaffen, also müssen sie sie auch beseitigen. Das hat nichts damit zu tun, dass sie beschützen, sie stellen nur das Recht wieder her.
  • Die Männer sollen ja gerade keine „paternalistic allyship“ betreiben, also von oben herab sagen wie es richtig ist, sondern den Anweisungen der Feministinnen/Opfer folgen und alles schön so machen wie es richtig ist. Sie sollen sich dabei natürlich nicht stark fühlen, sondern schuldig und mit dem Wissen handeln, dass sie damit überhaupt erst wieder auf Null ankommen (oder wie man früher im Feminismus sagte „für das richtige Verhalten gibt es keine Kekse

Was Robin Detje hier leistet ist symptomatisch für Typenfeminismus: Nichts können aber in die erste Reihe stellen für Kekse. Sich von anderen Typen distanzieren um das eigene Typ-Sein zu relativieren. Groß rauströten, was man für ein toll emanzipatorischer Dude ist, und dann mit einer Sparversion von Feminismus auflaufen, die den Namen nicht verdient hat. Und sich gerade deswegen für den sogenannten Mainstream so gut anfühlt: Man muss nur sagen, dass man dafür ist. Ansonsten muss man gar nichts ändern.

Die Kontrolle der „richtig handelnden Männer“ stellt insofern das Gegengewicht dar aus dem heraus diese klein gehalten werden.

Bitte um Stellungnahme zu den beiden Ansichten

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„Die Bereitschaft, vor Gewalt zu schützen, lenkt die Partnerwahl – unabhängig von körperlicher Stärke.“

Eine interessante Studie untersucht die „den Partner beschützen“ sich auf dessen Einstellung zu einem auswirkt:

Ancestrally, physical violence from conspecifics was a recurrent adaptive problem. Did selection favor preferences for partners who are both strong (highly able) and willing to protect us from violence? Strength and willingness are interrelated, so dissociating their effects is necessary. Here we assessed both inferences and preferences. In 7 experiments (N = 4,508 U.S. adults recruited via MTurk), we systematically varied the willingness of a date or friend to physically protect you from an attack, compared to scenarios where you do not have this information. We also varied that person’s strength. Discovering that a person is willing to protect greatly increased their attractiveness as a romantic partner or friend, regardless of their strength. This held for both women and men raters, and when evaluating both opposite- and same-sex dates and friends. In fact, partners who were willing to protect were attractive even if they tried to do so but failed, and even if you were harmed because of their failure. Discovering that a partner is unwilling to protect decreased their attractiveness, and was a deal-breaker for women evaluating a male date. Unwillingness decreased attractiveness more when the rater was a woman, when the target was a man, and when the target was being evaluated as a date versus friend. Women placed some importance on a male date’s strength, but this was mostly due to inferences about his willingness to protect them. Surprisingly, we found only weak evidence that differences in strength, independent of willingness, increased the attractiveness of a partner.

Und noch einmal der Abstract übersetzt:

Aus evolutionsgeschichtlicher Perspektive war körperliche Gewalt durch Artgenossen ein wiederkehrendes adaptives Problem. Hat die Selektion daher Vorlieben für Partner begünstigt, die sowohl stark (also sehr fähig) als auch bereit sind, uns vor Gewalt zu schützen? Stärke und Bereitschaft stehen miteinander in Beziehung, weshalb es notwendig ist, ihre Effekte voneinander zu trennen. In dieser Arbeit untersuchten wir sowohl entsprechende Schlussfolgerungen als auch Präferenzen.

In sieben Experimenten (N = 4.508 US-Erwachsene, rekrutiert über MTurk) variierten wir systematisch die Bereitschaft eines potenziellen Dates oder Freundes, dich im Falle eines Angriffs körperlich zu schützen – und verglichen dies mit Szenarien, in denen man diese Information nicht hat. Außerdem variierten wir die physische Stärke dieser Person.

Es zeigte sich: Die Entdeckung, dass eine Person bereit ist, zu schützen, erhöhte ihre Attraktivität als romantischer Partner oder als Freund deutlich – unabhängig von ihrer Stärke. Dies galt sowohl für weibliche als auch männliche Beurteilende sowie für die Bewertung sowohl anders- als auch gleichgeschlechtlicher Dates und Freunde. Partner, die bereit waren zu schützen, wurden sogar dann attraktiv, wenn sie zwar versuchten zu helfen, aber scheiterten – und selbst dann, wenn man aufgrund ihres Scheiterns verletzt wurde.

Die Entdeckung, dass ein Partner nicht bereit ist, zu schützen, verringerte seine Attraktivität. Für Frauen war dies bei der Bewertung eines männlichen Dates sogar ein Ausschlusskriterium. Unwilligkeit reduzierte die Attraktivität stärker, wenn die bewertende Person eine Frau war, wenn die Zielperson ein Mann war, und wenn die Bewertung als Date statt als Freund erfolgte.

Frauen maßen der Stärke eines männlichen Dates eine gewisse Bedeutung bei, doch dies beruhte größtenteils auf den Rückschlüssen auf seine Bereitschaft, sie zu schützen. Überraschenderweise fanden wir nur schwache Hinweise darauf, dass Unterschiede in Stärke – unabhängig von der Bereitschaft – die Attraktivität eines Partners erhöhten.

Das Beschützereigenschaften attraktiv sein können wird ja häufig gerade in Bezug darauf diskutiert, dass Frauen es bei Männern attraktiv finden. Es findet sich zB im Pickup in den „Attraction Switches“:

  • Pre-selected by women („Von anderen Frauen für gut befunden)
  • Leader of men. (Anführer anderer Menschen)
  • Protector of loved ones (Beschützer von ihm Nahestehenden)
  • Willing to emote (In der Lage gesunde Gefühlsbindungen einzugehen)

Da aber nicht nur auf die jeweilige Frau bezogen, sondern die Eigenschaft als Beschützer einem Nahestehender Personen (was für die Frau ja dann bedeuten würde, dass sie auch beschützt wird, wenn sie ihm nahesteht.)

Hier eine Grafik aus der Studie, die das Ergebnis darstellt:

Beschützer attraktiv

Beschützer attraktiv

Die linke Seite zeigt wie die Frauen die Männer bewerten, die Rechte dann wie die Männer die Frauen bewerten.

Interessant ist, dass beide Partner attraktiver finden, die bereit sind sie zu verteidigen oder dieses zumindest zu versuchen. Das ist ja auch verständlich: Man möchte eine Verbundenheit aus der heraus der andere versucht einem zu helfen, wo er kann.
Man sieht aber auch, dass der Unterschied zur Kontrollgruppe bei der Bewertung der Männer durch die Frauen (links) deutlich größer ist als bei der Bewertung der Frauen durch die Männer.

Interessant ist auch der Unterschied bei „unwilling“, also nicht bereit sie zu beschützen. Bei Frauen ein sehr starker Abfall, bei Männern ein sehr kleiner Abfall: Männer erwarten weniger, dass die Frau sie beschützt. Der Unterschied, zwischen einem erfolgreich beschützenden Mann und einem unwilligen Mann ist immerhin ein Fall von einer 8 auf ca. eine 2 auf der Attraktivitätsskala. Ein gewaltiger Unterschied.

Interessant ist auch, dass sich der Erfolg nur schwach auswirkt. Bei Geschlechter belohnen den Versuch.

Nachteil natürlich wie bei vielen Studien, dass das ganze auf einer Befragung aufbaut und nicht auf tatsächlichen (aber hier auch schwer durchzuführenden) Experimenten. Ich könnte mir vorstellen, dass das gerade auch beim Versuch einiges verändert. Hier wird er von dem Betrunkenen, der die Gefahr verkörpert, zur Seite gestoßen. Weitere Anzeichen für Unfähigkeit, Inkompetenz oder im Gegenteil besonderen Einsatz sind allerdings nicht vorhanden. Da klingt es nobel den Versuch zu belohnen, im tatsächlichen Leben könnten aber noch viele andere Faktoren hinzukommen („warum bist du nicht wieder aufgestanden und hast mir geholfen??“)

Dennoch ist die Tendenz in der Bewertung sehr interssant.

Es passt zu einem anderen Artikel, in dem es um „Vanilla Boys“ ging:

Und doch hatten wir, wie die meisten Paare, unsere Schwierigkeiten. Beispielsweise wurde einmal im Urlaub mein Auto direkt vor unseren Augen abgeschleppt, weil wir falsch geparkt hatten. Nick rief dem Abschleppwagen zweimal hinterher und resignierte gefühlt im selben Augenblick, notierte sich jedoch, deutsch wie er war, akribisch die Abschleppfirma, Uhrzeit, Kennzeichen und Fahrerbeschreibung.
Ich hingegen, als wirklich schnelle Läuferin, rannte dem Abschleppwagen hinterher. Mensch gegen Maschine. Für einen Moment schaffte ich es sogar, den Abschleppwagen einzuholen und brüllte mit der Luft, die mir noch übrig blieb, so laut ich konnte ins Beifahrerfenster, dass sie doch anhalten sollten. Doch ich hatte keine Chance. Keuchend, aber vor allem wütend, gab ich auf und machte mir letztlich Balkan-Style-mäßig Luft, indem ich meinen Turnschuh nach dem Wagen warf. Weitwurf war zudem bei den Bundesjugendspielen schon meine Königsdisziplin. Zum glorreichen Abschluss der Misere blieb mein Sneaker auf dem Laster hängen und ich humpelte auf Socken zu meinem „ach Mensch, menno“ murmelnden Mann zurück.
Die Stimmung war im Keller. Nicht nur, weil wir unser Auto falsch geparkt hatten, sondern auch wegen Nick, der die Situation einfach so tatenlos hinnahm. Alles, was von ihm kam, war: „Super, Volltreffer!“ Innerlich platzte ich vor Wut, aber ich wusste, er hatte recht. Es war in der Tat ein astreiner Wurf!

Abgesehen von meiner sportlichen Glanzleistung, hätte ich mir gewünscht, dass ER hinterherrennt. Dass ER seinen Turnschuh wirft. Dass ER vor Wut tobt. Dass ER dem Fahrer den Mittelfinger zeigt. Aber davon träumte ich bei diesem Kerl vergebens. Er war eben kein Alpha, kein „Ich-regel-das-für-dich!“-Typ.
Der ganze Spaß kostete uns 350 Euro plus ein paar neue Jordans. Ätzend! Nichts regelte Nick für uns. Weder das Zurückholen des abgeschleppten Fahrzeugs noch gemeinsame Termine. Ich vereinbarte Treffen und machte auch sonst gefühlt einfach alles. Ich sagte ihm, wann er den Müll herunterbringen soll, welche Kleidung ihm steht, und wie und wann wir mit Familie und Freunden verfahren. Nur seinen Job erledigte er eigenständig und das sogar ziemlich erfolgreich. Es gab unzählige Erlebnisse mit Nick, bei denen er sich mit seinem Vanilla-Verhalten schlichtweg als Spaßbremse für unseren gemeinsamen Alltag entpuppte.

Da ist keine wirklich Gefahr vorhanden, aber sie dehnt es auf alle möglichen anderen Bereiche aus und seine „Vanilla-Art“ lässt ihn eben unattraktiver erscheinen.

Und „Beschützen“ könnte daher ein weites Feld sein, in das so ziemlich alles fällt, wo er Verantwortung übernimmt und sie vor Folgen bewahrt.

Man darf auch einen gewissen Zusammenhang mit dieser Studie zur Attraktivität von Aggression annehmen:

Nach Kontrolle der körperlichen Attraktivität, des allgemeinen Gesundheitszustands und anderer Faktoren fanden die Forscher heraus, dass gewalttätiges Verhalten bei Männern, nicht aber bei Frauen, signifikant und positiv mit der Anzahl der Sexualpartner verbunden war. „Die Ergebnisse für Männer zeigten, dass es für eine Einheit an Anstieg der Gewalttätigkeit zwischen den Wellen einen 8%igen Anstieg in der Anzahl der Sexualpartner gab, die von den vorherigen Wellen berichtet wurden“, schrieben die Forscher.

Steigende Bildungsniveaus waren im Längsschnitt auch mit einem Anstieg der Anzahl der Sexualpartner von Männern verbunden. Dies galt jedoch nicht für verbale Intelligenz und gute Noten in der High School.

Die „Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen körperlich aggressives Verhalten immer noch sexuell anziehend finden und dass der Sexappeal von Intelligenz von der körperlichen Aggressivität von Männern abzuhängen scheint“, sagte Seffrin.

„Trotz der Statusbelohnungen, die mit hoher Intelligenz in einer modernen Industriegesellschaft einhergehen, werden aggressive Männer also weiterhin mit größerem Paarungserfolg belohnt, verglichen mit ihren weniger aggressiven männlichen Kollegen, die ein vergleichbares Niveau an Intelligenz und körperlicher Schönheit haben.“

Und dazu noch dieser Abschnitt von Jordan Peterson aus dem gleichen Artikel:

you know there’s an aggressiveness about hip-hop it’s really attractive to young Caucasian males and there’s something absurd about about that.  They’re the spectacle of the young Caucasian males taking on the persona of inner-city black gang members you know it but but I’m sympathetic to it because there’s an  aggressiveness to that to that art form that the necessary corrective to the insistence that the highest moral virtue for a modern man is harmlessness.  Which  is absurd. Women don’t even like harmless men they hate them they like to blow them apart you know.  What women want are dangerous men who are civilized and they want to help civilize them that’s beauty and the beast so you know

Das (in Hinblick auf sie) gezähmte Biest kann eben Verteidigen und steht gut in der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern dar, tut aber ihr nichts, weil er sie liebt.

Verteidigt es aber nicht, dann ist es entweder kein wirkliches Biest oder nicht hinreichend auf sie ausgerichtet.

 

Wo kommen die Themen im täglichen Leben bei euch an?

Mal etwas zum tatsächlichen Impakt:

Abgesehen von diesem Blog, diskutiert ihr oder nehmt ihr Diskussionen war über diverse Geschlechterrollen oder Themen? Spielt toxische Männlichkeit eine Rolle? Habt ihr intersektionale Feministinnen in eurem Umfeld?

Ich habe eine eigentlich ganz nette Freundin die über Instagram ab und zu mal ein paar feministische Beiträge repostet, sonst geht es eigentlich. Mental load könnt auch schon mal als Begriff.

Sonst geht es eigentlich. Bei euch?

Fragen, ob man sie küssen darf

Auch mal wieder eine typische Geschichte auf Reddit:

Ich bin ehrlich gesagt total verwirrt, was ich da falsch gemacht habe, und könnte wirklich etwas Perspektive gebrauchen.Ich habe mich mit jemandem getroffen, mit der ich online schon länger geschrieben habe.
Das erste Treffen tagsüber lief super, deshalb hat sie vorgeschlagen, dass wir uns am selben Abend nochmal sehen. Wir haben was in einer kleinen Bar in meiner Nähe getrunken. Alles fühlte sich total natürlich an. Gute Gespräche, viel gelacht, eindeutig Chemie.
Als ich sie danach zu ihrem Auto gebracht habe, habe ich gefragt, ob ich sie küssen darf. Sie hat „nein“ gesagt. Ich habe das natürlich respektiert, war aber ziemlich geknickt. Habe später noch aus Höflichkeit eine nette „hatte eine schöne Zeit“-Nachricht geschickt, dachte ehrlich gesagt, das war’s jetzt.
Dann schreibt sie mir zurück, sie sei innerlich hin- und hergerissen gewesen und hätte sich eigentlich gewünscht, ich hätte es einfach gemacht, statt zu fragen. Dass ich den Moment „kaputtgemacht“ hätte, indem ich um Erlaubnis gebeten habe.
Ich bin 34, sie ist jünger, und ich dachte, ich mache das einzig Respektvolle. Ich war immer der Meinung, man fragt – gerade beim ersten Date. Aber jetzt wird mir gesagt, genau das Fragen war der Fehler.

Wir haben uns seitdem nochmal gesehen und es läuft gut, aber das geht mir nicht aus dem Kopf. Wie soll man das bitte navigieren? Ich will auf keinen Fall Consent voraussetzen, aber anscheinend kann man durch Nachfragen auch alles verderben.Gibt’s da irgendeinen Mittelweg, den ich nicht sehe? Wollen Leute tatsächlich viele Leute, dass man einfach die Situation liest und es macht? Ich kriege total widersprüchliche Signale, was noch okay ist, und will das in Zukunft mit jemand anderem nicht wieder versauen.

Was ist denn jetzt der richtige Weg?

Das „Zustimmungskonzept“ hat halt auch (gerade?) auf weiblicher Seite Gegner. Aus meiner Sicht ist sein Problem, dass eine Frage die Logik anspricht und weniger die Gefühle.  Und die Logik eines Kusses ist schwieriger als das Gefühl. Insbesondere weil die Logik nicht erlaubt Verantwortung an den anderen abzugeben und es „einfach geschehen zu lassen“.
Deswegen ist es viel einfacher statt zu fragen einfach erst einmal einen anderen unverfänglicheren körperlichen Kontakt herzustellen, etwa ihre Hand zu nehmen, sie dann etwas an sich heranzuziehen, ihr tief in die Augen zu schauen und sich dann langsam zum Kuss zu nähren. Man wird an ihrer Reaktion sehen ob sie geküsst werden will und muss nicht fragen.
Dazu auch:

Selbermach Mittwoch

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant.

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

„Entweder Mann ist laut gegen Frauenhass. Oder Mann ist leise dafür“

Mal wieder Männerhass beim Spiegel. Diesmal sind wir anscheinend für das Verhalten von Trump verantwortlich:

»Sie sind eine schreckliche Reporterin.«
»Sie sind eine schreckliche Person.«
»Sie sind das Schlimmste.«
Das sind nur ein paar der Beleidigungen, die sich weibliche Journalistinnen von US-Präsident Donald Trump anhören müssen, weil sie einfach nur ihren Job machen: mächtigen Männern kritische Fragen stellen. Und auch wenn man denkt, es kann nicht schlimmer kommen, übertrifft (oder unterbietet) Trump sich aktuell wieder mal selbst: Als vor wenigen Tagen eine gestandene Frau, die erfolgreiche Bloomberg-Korrespondentin des Weißen Hauses, Catherine Lucey, vor versammelter Journalistenmannschaft in der »Air Force One« Trump eine Nachfrage zu den Epstein-Akten stellt (ihr Job halt), hebt er seinen Zeigefinger, richtet ihn auf sie und herrscht sie mit den Worten »Still! Still, Schweinchen!« an.
Tatsächlich sagte er „Quit Piggy“ (einige meinen auch er sagte „Quiet Peggy“ (Peggy ist der Rufname einer anderen Journalistin die wohl dazwischen geredet haben soll) nachdem sie ihn immer wieder zu seiner Verbindung zu Epstein befragt hatte.
Hier das Video:
Vergessen wir für einen Moment den verurteilten Sexualstraftäter Donald Trump, der trotzdem das mächtigste Land der Welt regiert. Wenden wir uns denjenigen zu, die sein Verhalten überhaupt erst möglich machen: Dutzende Reporter, die während einer Fragerunde im Präsidentenflugzeug so laut schwiegen, dass es nicht zum Aushalten war.
Es ist nicht schwer, das Video in seiner vollen Länge zu finden, um zu erfahren wie es nach Trumps Mundstuhl weiterging: Niiieeemand hat etwas gesagt. Es gab noch nicht mal den kleinsten Hauch einer Schockstarre. Nein, es ging einfach weiter, als wäre Trumps Umgang mit dieser Frau eine Sekunde zuvor das normalste auf der Welt. Und damit wurde es das auch:
Was genau sollen sie auch sagen? Irgendwie scheint sie zu meinen, sie müssten für die Journalistin sofort die weißen Ritter spielen.
Gerade bei Trump, der ja immer wieder mit relativ pöbeligen Aussagen auffällt und Reporter auch vorher schon beleidigt hat.
Das Video geht in den USA seit Tagen viral und das Netz tobt mit Tweets und Kommentaren wie diesem: »Diese Stille zeigt dem ganzen Land: Frauen zu erniedrigen ist nun offiziell erlaubt.« Diese unüberhörbare Stille zeigt einmal mehr, dass es eben doch »All Men« heißen muss – dass alle Männer eine Mitschuld tragen, wenn Frauen erniedrigt, belästigt, beleidigt, geschlagen oder missbraucht werden. Warum? Weil es vielleicht nur einzelne Täter sind (»Not All Men« also), aber gleichzeitig all die anderen Männer (meist weiß, hetero, cis) um sie herum, die schweigen, still mitgrinsen, peinlich berührt wegschauen, ablenken, das Thema wechseln, aber eben auch nichts sagen und so Frauenhass legitimieren.
Na klar ist das der einzige Grund.

Hier ein paar Aussagen von Trump zu männlichen Reportern:

1. Jim Acosta (CNN)
Einer seiner häufigsten Gegner.

„You are a rude, terrible person.”
„Fake news, you are the enemy of the people.”
„Put down the mic.“
„CNN should be ashamed to have you working for them.“
Versuchte, seinen Presseausweis entziehen zu lassen.
Typ der Attacken: Respektlosigkeit, politischer Angriff, Delegitimierung.

2. Jonathan Karl (ABC News)
„You’re a third-rate reporter.“
„What you just said is a disgrace.“
„You will never make it.“
„Lightweight reporter.“
„Part of the fake news conspiracy.“
Typ der Attacken: Kompetenzherabsetzung.

3. Peter Alexander (NBC)
„I’m not a big fan of yours, either.“
„That’s a nasty question.“
„You always ask stupid questions.“
Typ der Attacken: Aggressive Zurückweisung.

4. Serge F. Kovaleski (New York Times)
Trump griff ihn besonders hart an:

Imitierte seine körperliche Behinderung in einer Rede (Schwingen der Arme).
„I don’t know the guy … or his level of intelligence.“
„He’s using his disability to grandstand.“
Typ der Attacken: Persönliche & körperbezogene Herabwürdigung.

5. Chuck Todd (NBC / Meet the Press)
„Sleepy-Eyed Chuck Todd.“
„One of the dumbest men on television.“
„Totally dishonest.“
„He shouldn’t be allowed to moderate.“
Typ der Attacken: Verspottung, Kompetenzangriff.

6. Jeff Mason (Reuters)
„Don’t be rude!“
„You don’t know what you’re talking about.“
„That’s fake.“
Weigerte sich, seine Fragen zu beantworten.
Typ der Attacken: Abwertung, Blockieren der Pressearbeit.

7. George Stephanopoulos (ABC)
„He’s a little guy, he’s so biased.“
„Not a real journalist.“
„Pathetic.“
Typ der Attacken: Kleinreden, politische Diskreditierung.

8. Glenn Thrush (New York Times)
„Glenn Thrush is a real loser.“
„Third-rate, dishonest political hack.“
Typ der Attacken: Schwere persönliche Beleidigungen.

9. Don Lemon (CNN)
„Don Lemon is the dumbest man on television.“
„A total lightweight.“
„An overrated opinion giver.“
Typ der Attacken: wiederholte Intelligenz-Beleidigungen.

10. Chris Cuomo (CNN)
„Fredo.“ (Anspielung auf den „dummen“ Bruder im Godfather)
„He’s nuts.“
„Total disrespectful lightweight.“
Typ der Attacken: Spitznamen, Herabsetzung.

11. Carl Bernstein (Watergate-Legende / CNN-Kommentator)
„Carl Bernstein is a degenerate fool.“
„He makes up stories.“
Typ der Attacken: persönliche Diffamierung.

12. Dan Rather (CBS)
„A sick person.“
„Should have been fired long ago.“
Typ der Attacken: Abwertung seiner Integrität.

13. Jake Tapper (CNN)
„Jake Tapper is a fake.“
„I don’t want anything to do with him.“
„One of the most biased people in the business.“
Typ der Attacken: Delegitimierung.

14. Chris Wallace (FOX News)
Trotz Fox-News-Moderation von Trump mehrfach angegriffen:

„Chris Wallace is not smart.“
„He’s worse than CNN.“
„He always protects Democrats.“
Typ der Attacken: politische Unterstellungen.

15. Phil Rucker (Washington Post)
„Phil Rucker is a nasty lightweight.“
„He writes lies.“
Typ der Attacken: Herabsetzung, Fake-News-Vorwürfe.

16. Jim Sciutto (CNN)
„Dangerous and dishonest.“
„Fake news guy.“

17. David Gregory (CNN / NBC)
„He was a disaster as a journalist.“
„Should have been fired sooner.“

18. Ron Brownstein (CNN / Atlantic)
„A hack.“
„Another fake-news guy.“

Kurz mal bei ChatGPT anzufragen, was er so bei Männern sagt hätte hier sicherlich geholfen.

Wobei: Eine Frau zu beleidigen ist in der Welt wahrscheinlich einfach eine Todsünde, einen Mann zu beleidigen… naja

Tatsächlich hat es deswegen ja sogar einen gewissen Aufschrei gegeben. Aber der Grund, dass man es nicht weiter verfolgt, ist das es eben Trump ist und er so redet. Und zwar jedem gegenüber.  Und vielleicht auch, dass sie ihn provoziert hat.

Aber ganz davon ab: Was sollen die Männer in aller Welt da jetzt machen? Und warum gerade bei diesem Vorfall? Es gibt ja genug Gründe mit Trump nicht einverstanden zu sein, die Beleidigung eines Reporters, auch wenn er diesmal weiblich ist, scheint mir da wenig ausschlaggebend zu sein.

So wie sich jeder Mann, der in diesem Flugzeug geschwiegen hat, mitschuldig gemacht hat,

Warum eigentlich nur jeder Mann?

macht sich auch jeder andere Mann mitschuldig, der nervös lächelt, wenn in seinem Büro ein sexistischer Witz fällt; der peinlich berührt wegsieht, wenn sein Kumpel die eigene Freundin beleidigt; wenn der Bruder auf dem Oktoberfest eine sturzbetrunkene Frau »klarmacht«; wenn der Gamingkumpel digital eine Mitspielerin belästigt und so weiter und so fort.

Es ist schon interessant,  dass man eine alle Männer abwertende Gruppenschuld für Männer erstellt und damit in einer großen Zeitschrift veröffentlicht wird, die immer wieder Männerhass veröffentlicht und dann mit den Fingern auf Männer zeigt.

Gut, dass noch nie eine Frau einen sexistischen Witz erzählt hat, noch nie eine Frau ihren Freund beleidigt oder kleingemacht hat, wenn eine andere Frau daneben stand, noch nie eine Frau Falschbeschuldigungen verbreitet hat oder oder oder.

Diese schweigende, sich selbst nur zu gern als »gute« Männer bezeichnende Mehrheit ist also sehr wohl mitgemeint, wenn Frauen »All Men« rufen.

Das ist auch immer wieder ein faszinierendes Format: Einen Vorfall aufgreifen, der nicht so gravierend ist aber bei dem eine Frau betroffen ist und dann daraus eine Gesamtschuld von Männern für alles aufbauen.

Denn will Mann wirklich nicht zu »All Men« gehören, reicht es eben nicht aus, nur selbst nicht zu beleidigen, zu grabschen oder zuzuschlagen. Es geht darum, sich seinem Kumpel aktiv in den Weg zu stellen, seinem Kollegen, Verwandten oder Vorgesetzten – selbst wenn er Donald Trump heißt. Und das nicht nur einmal heute am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, sondern immer und immer wieder.

Warum reicht es nicht aus?

Man stelle sich einmal vor, dass man das gleiche Argument im Ausländerbereich bringen würde.
„Neulich hat ein Afghane eine Frau angegriffen, wo war da der Aufschrei aller anderen Afghanen? Warum lassen sie das zu? Diese unüberhörbare Stille zeigt einmal mehr, dass es eben doch »All Afghans« heißen muss – dass alle Afghanen, Männer oder Frauen,  eine Mitschuld tragen, wenn Nichtafghanen erniedrigt, belästigt, beleidigt, geschlagen oder missbraucht werden.  Das fängt bei Kleinigkeiten an Afghanen, die Frauen nicht die Hand geben wollen und die anderen Sagen nichts, die Frauen unrein finden, die sie vergewaltigen und Töten.  Neulich kam es zu einer Massenvergewaltigung. Es reicht nicht nur selbst nicht zu beleidigen, zu grabschen oder zuzuschlagen oder nicht zusammen mit anderen eine Frau zu vergewaltigen. Es geht darum,  sich seinem afghanischen Kumpel oder der afghanischen Frau, die will,  dass ihre Tochter verhüllende Kleidung trägt in den Weg zu stellen. Und das nicht nur Heute, sondern immer und immer wieder“

Da würden sie es sicherlich sofort erkennen. Merkwürdigerweise bei Männern nicht.

Na klar, ist das unangenehm! Aber sicher nicht so unangenehm wie für die Frau, die diese widerliche Scheiße erleben muss, richtig? Richtig.

Wir haben nicht mehr Macht gegenüber Trump als Du liebe  Alexandra Zykunov.

Wie wäre es also, wenn man gerade als weißer, hetero cis-Mann, der sonst wenig bis gar keine Diskriminierungserfahrung macht, diesen Artikel hier screenshottet und ihn in seinen WhatsApp Status hochlädt? Oder ihn akribisch in kleine Häppchen zerlegt und als Post bei Facebook oder Instagram postet? (Zeitaufwendige Aufklärungsarbeit übrigens, die meist Frauen auf Social Media leisten und sich damit wieder neuer, digitaler Gewalt aussetzen.) Warum nicht bei der nächsten Pokerrunde sagen: »Bruder, hast du den neuen Trumpausfall gesehen? Wie kann der die Frau so beleidigen und überhaupt als Sexualstraftäter ein Land regieren?« Oder dem einen Freund klar ins Gesicht sagen, dass sein ständiges Frauengepfeife sexistisch und frauenfeindlich ist?

Ich tue meinen Teil für eine bessere Welt ja schon, indem ich Sexismus wie von dir anspreche. Bringt übrigens alles nichts. Ihr könnt so viele „Aufklärungsarbeit“ leisten wie ihr wollt, es wird Trump nicht ändern.

Zu unangenehm? Da lachen die Jungs ja einen aus? Genau da liegt das Problem: Männer fürchten nichts so sehr, wie selbst von anderen Männern bloßgestellt und ausgestoßen zu werden, erklärt die Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach in ihrem Buch »Revolution der Verbundenheit«. Heißt: Gerade Hetero-Männer sagen in solchen Situationen oft nichts, weil sie selbst Angst vor männlicher Gewalt haben, davor als unmännlich, als »Weiber« oder »Pussys« beleidigt zu werden.

Es ist vollkommen okay Angst vor Gewalt zu haben. Wir müssen nicht hart sein, wir können Angst haben.

Wir schulden auch anderen Frauen nichts, sofern wir sie nicht kennen oder mit ihnen befreundet sind und wir sind nicht für das Handeln aller Männer verantwortlich.

Und natürlich: Die meisten Männer haben es auch schon erlebt, dass sie in einer Situation was sagen und die Frau sie ankeift, dass sie schon auf sich selbst aufpassen kann und man sich verpissen soll.

(Dass damit »Frau« universell als Beleidigung verstanden wird, davon mal ganz abgesehen.) Doch anstatt sich genau gegen diese patriarchalen Mechanismen gerade unter Männern zu stellen, überlassen sie »das feministische Gemecker« lieber den Frauen, die dafür wieder neuen Hass ernten.

Das feministische Gemecker trägt weitaus eher wesentlich dazu bei, dass Männer es lieber sein lassen. Sie sind ja eh immer die bösen. Nichts ist gut genug.

Die Autorin Farida D . unterscheidet zwischen »lauten« Frauenhassern und Männern, die sie unter sich dulden, den »leisen« Frauenhassern. Sie saßen in der »Air Force One«. Sie sitzen in unseren Büros, in der U-Bahn, im Fitnessstudio oder direkt an unserem Küchentisch. Auch wenn sie eigentlich die besten Absichten haben, so lange sie nicht aktiv laut werden (auch auf die Gefahr hin, dafür Sprüche zu kassieren), sind es auch alle »guten Männer«, die mit dem Vorwurf »All Men« klarkommen müssen.
Denn es ist eigentlich ziemlich simpel: Entweder Mann ist laut gegen Frauenhass. Oder Mann ist leise dafür. Es gibt kein Dazwischen.

Was für ein Weltbild!

„Haben die Steinzeitmenschen die Monogamie erfunden?“

Ein interessanter Beitrag zu der Frage, ob unsere Steinzeitvorfahren monogam waren:

Einer der Fundplätze, die bereits am besten mit der neuen Technik untersucht wurden, ist Gurgy »les Noisats« im heutigen Frankreich, etwa 150 Kilometer südöstlich von Paris. 2004 begannen Archäologen dort einen Friedhof aus dem Neolithikum auszugraben, 128 Bestattungen wurden entdeckt.
Normalerweise sind von solchen Nekropolen allenfalls einzelne Gräber übrig. Der Rest ist entweder zerstört, oder die Archäologen kommen nicht an die Funde heran, etwa weil inzwischen ein Haus auf ihnen steht, das man nicht einfach so abreißen kann. Häufig fehlt auch schlicht das Geld für umfassende Ausgrabungen. Nicht so in Gurgy.
»In Gurgy konnten wir das gesamte Gräberfeld ausgraben, das macht den Fundplatz so besonders«, sagt Wolfgang Haak, der ebenfalls am Max-Planck-Institut arbeitet. Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam hat Haak die DNA aus den Knochen von Gurgy analysiert, 2023 veröffentlichten sie die Ergebnisse im renommierten Fachblatt »Nature« .

Hier einmal der Abstrakt der Studie:

Social anthropology and ethnographic studies have described kinship systems and networks of contact and exchange in extant populations1,2,3,4. However, for prehistoric societies, these systems can be studied only indirectly from biological and cultural remains. Stable isotope data, sex and age at death can provide insights into the demographic structure of a burial community and identify local versus non-local childhood signatures, archaeogenetic data can reconstruct the biological relationships between individuals, which enables the reconstruction of pedigrees, and combined evidence informs on kinship practices and residence patterns in prehistoric societies. Here we report ancient DNA, strontium isotope and contextual data from more than 100 individuals from the site Gurgy ‘les Noisats’ (France), dated to the western European Neolithic around 4850–4500 bc. We find that this burial community was genetically connected by two main pedigrees, spanning seven generations, that were patrilocal and patrilineal, with evidence for female exogamy and exchange with genetically close neighbouring groups. The microdemographic structure of individuals linked and unlinked to the pedigrees reveals additional information about the social structure, living conditions and site occupation. The absence of half-siblings and the high number of adult full siblings suggest that there were stable health conditions and a supportive social network, facilitating high fertility and low mortality5. Age-structure differences and strontium isotope results by generation indicate that the site was used for just a few decades, providing new insights into shifting sedentary farming practices during the European Neolithic.

Quelle: Extensive pedigrees reveal the social organization of a Neolithic community

Wochenlange Knobelei
»Die Arbeit war kniffelig«, erzählt Haak. Das Forschungsteam konnte anhand des Erbguts zwar erkennen, wie eng die einzelnen Menschen miteinander verwandt waren, aber auf welchen Platz sie im Stammbaum genau gehören, darüber sagten die Analysen nichts.
»Immer wieder haben wir verschiedene Anordnungen ausprobiert und dabei das Alter berücksichtigt, das Geschlecht sowie die mütterliche und väterliche Vererbungslinie. Bis schließlich alles zusammenpasste – ähnlich wie bei einem Sudoku«, so Haak. Wochenlang habe die Knobelei gedauert.
Von ihm sind nur einige Knochen der Arme und Beine übrig, die, zu einem Bündel verschnürt, im Grab einer Frau lagen. Wahrscheinlich hatten seine Hinterbliebenen den Mann exhumiert, um sie in das Grab der Frau zu legen. »Vielleicht«, vermutet Haak, »haben seine Nachfahren die Knochen mitgenommen, als sie umzogen und einen neuen Friedhof gründeten.«

 

Auffällig viele Brüder bestattet

Warum die Überreste des Mannes im Grab ausgerechnet dieser Frau landeten, ist unklar. »Leider konnten wir ausgerechnet ihre DNA nicht entschlüsseln«, sagt Haak. »Wir hoffen aber, dass es uns mit neuen Methoden doch noch gelingen wird.«
Die Analyse der beiden Stammbäume offenbart mehrere Besonderheiten: Die Generationen sind meist ausschließlich über die Männer verknüpft – zu erkennen ist das an jeweils identischen Linien im Y-Chromosom, die nur über den Vater vererbt werden.
Die Erblinien in den Mitochondrien wechselten dagegen von Generation zu Generation. Mitochondrien kommen in fast allen Zellen des Körpers vor, wie Kraftwerke versorgen sie diese mit Energie. Auch die Mitochondrien enthalten DNA, die allerdings im Gegensatz zum Erbgut im Zellkern nur über die Mutter weitergegeben wird.
Diese Kombination aus beständiger, männlicher DNA und neu hinzukommender weiblicher DNA spricht laut den Forschenden dafür, dass die Männer in Gurgy blieben, während die Frauen von außerhalb in die Gemeinschaft kamen. Das Phänomen wird Patrilokalität genannt.
Ich hatte hier schon einmal einen Artikel zu Matrilokal oder Patrilokal und patrilokal bietet einige Vorteile: Zum einen erlaubt es dem Mann, der ja üblicherweise nach Status und Fähigkeiten zur Versorgung ausgesucht war, sein bereits in der Familie bestehendes Bündnisnetzwerk zu erhalten, was bei Kampf etc günstiger ist
Dazu passt auch, dass auf dem Gräberfeld auffällig viele Brüder bestattet sind, Schwestern im gebärfähigen Alter sind hingegen deutlich unterrepräsentiert – vermutlich haben sie Gurgy verlassen, um anderswo eine Familie zu gründen. »Möglicherweise gab es einen Austausch mit umliegenden Dörfern«, sagt Haak. So sind einige Frauen, die neu nach Gurgy kamen, entfernt miteinander verwandt.
War eine Frau erst in Gurgy angekommen, blieb ihre Partnerschaft den Analysen nach erstaunlich stabil – häufig bekam sie fünf, sechs, sieben Kinder mit ein und demselben Mann. Hinweise auf Halbgeschwister fanden die Forschenden dagegen nicht – ein Indiz dafür, dass die Menschen in Gurgy schon während der Steinzeit in monogamen Partnerschaften zusammenlebten.
Leider nicht das Matriarchat, welches einige Feministinnen gerne in die Steinzeit projizieren.
Für eine zumindest eine gewisse Zeit feste Paarbindung spricht einfach, dass Liebe sonst wenig Sinn macht und die hohen Kosten der Aufzucht von Menschenkindern. Natürlich kann es auch einen gewissen Anteil an Männern mit mehreren Frauen gegeben haben, etwa der Häuptling eines Dorfes.

Ein Mann, vier Frauen

Manche Forschende halten es für plausibel, dass solche engen Zweierbündnisse eine weitere Neuerung des Neolithikums neben Ackerbau und Viehzucht waren. Schließlich häuften die ersten Bauern wohl deutlich mehr Besitz an als Jäger und Sammler. Sie verfügten über Äcker, Weiden, Vieh, Häuser. Womöglich sollten die engen Partnerschaften sicherstellen, dass die Erbberechtigten eindeutig festzustellen waren und alles in der Familie blieb.
Sicher nachweisen lässt sich das jedoch nicht. Gurgy ist einer der wenigen Fundplätze des Neolithikums, der so gut untersucht werden konnte. Ob die ersten Bauern anderswo in Europa ebenso feste Beziehungen eingingen, ist unklar.
DNA-Analysen von Knochenfunden am neolithischen Grabhügel Hazleton North in England ergaben etwa, dass ein Mann wohl mit vier Frauen Kinder gezeugt hat. Ob er zeitgleich mit ihnen eine polyamore Beziehung einging oder in einer seriellen Monogamie lebte – sich also erst mit einer neuen Partnerin einließ, wenn ihre Vorgängerin gestorben war –, zeigen die Daten nicht. Aber angesichts solcher Funde ist es fraglich, ob die Beziehungen in der Steinzeit tatsächlich immer exklusiv waren.
Das müssen sie auch nicht, sofern sie überwiegend monogam waren.
Ist die Monogamie also doch eine Erfindung der Neuzeit? »Ja und Nein«, sagt der Evolutionspsychologe Lars Penke von der Georg-August-Universität in Göttingen. Das Ideal, bis zum Lebensende mit ein und derselben Person exklusiv zusammenzuleben, gehe zu einem großen Teil auf gesellschaftliche Konventionen zurück. »Aber die Fähigkeit oder gar der Drang, feste Partnerschaften einzugehen, liegt in der Natur des Menschen«, so Penke.
„Serielle Monogamie“ ist da ein interessantes Stichwort. Paare können sich getrennt haben und neue, für sie günstige Partnerschaften eingegangen sein. Aber auch damals wird das einer gewissen Ächtung unterlegen haben, einfach weil es schnell zu Lasten der Kinder geht.
Er erklärt das evolutionsbiologisch: Die Vormenschen wechselten vor mehr als drei Millionen Jahren in den aufrechten Gang. Das brachte viele Vorteile. Die Hände konnten besser eingesetzt werden, geistige Fähigkeiten entwickelten sich, das Gehirn wuchs, doch auch ein Nachteil zeigte sich: Ein großer Kopf in Kombination mit dem aufrechten Gang passt nicht durch den Geburtskanal, denn durch das aufrechte Gehen ist das Becken von Frauen vergleichsweise schmal.
Im Laufe der Evolution löste sich das Problem, indem menschliche Babys besonders unfertig zur Welt kommen – zu einem Zeitpunkt, an dem ihr Kopf gerade so durch den Geburtskanal passt. Nach der Geburt benötigen menschliche Neugeborene deshalb besonders viel Fürsorge. Es vergehen Monate, bis die Babys beginnen zu krabbeln, geschweige denn zu laufen und feste Nahrung zu sich nehmen.

Wochen auf der Brut

Bringt eine Art so hilfsbedürftigen Nachwuchs hervor, hat sich in der Natur mehrfach und unabhängig voneinander eine Strategie durchgesetzt: die Paarbindung. »90 Prozent der Vögel leben zum Beispiel in Paaren zusammen, teilweise ihr ganzes Leben lang«, erklärt Penke. Auch ihre Nachkommen benötigen besonders viel Pflege.
Allgemein dürfte Paarbindung die Folge davon sein, dass einer alleine das Kind nicht gut durchbringen kann, sei es überhaupt oder in Hinblick auf die „Qualität“.  Um so eher die Frau (bei Säugetieren) das gut allein hinbekommt um so eher ist es für den Mann interessant sich nicht auf eine Paarbindung einzulassen und es findet eine Selektion gegen diese statt, also gegen die Fähigkeit sich zu verlieben.
Bevor sie überhaupt Eier legen können, müssen die meisten Vogeleltern aufwendig Zweige, Blätter, Moos heranschaffen, um ein Nest zu bauen. Dann müssen sie abwechselnd über Tage oder gar Wochen auf der Brut hocken und sie wärmen. Später müssen sie den anfangs nackten und blinden Küken konstant Futter in die Schnäbel stopfen, bis diese endlich flügge werden und davonfliegen. Im Jahr darauf beginnt alles von vorn. Eine solche aufwendige Aufzucht kann nur bewältigen, wer sich zusammentut, kein Elternteil kann das allein bewerkstelligen. Ähnlich ist es vermutlich bei Menschen.
»Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei nahezu allen Spezies mit Paarbindung die gleichen Gene hochreguliert werden«, sagt Penke. »Auch wenn sie in der Abstammungslinie weit voneinander entfernt liegen wie Menschen und Vögel.« Zudem spielen Hormone eine wichtige Rolle, etwa das als »Kuschelhormon« bekannte Oxytocin oder das »Treuehormon« Vasopressin, das laut Untersuchungen bei manchen Wühlmäusen mit dazu beiträgt, dass sich Männchen fest binden.
»Nur etwa drei Prozent der Säugetiere gehen wie Menschen feste Partnerschaften ein«, sagt Penke. »Selbst unter Primaten kommt das Phänomen fast nie vor.« Im Vergleich zu Menschen sind die Kinder von Affen jedoch bereits bei der Geburt weit entwickelt. Die Babys unserer nächsten Verwandten, den Schimpansen, halten sich schon direkt nach der Geburt recht eigenständig am Fell der Mutter fest und laufen deutlich früher.
»Für die Ewigkeit und zwingend exklusiv sind Paarbindungen bei Menschen von Natur aus allerdings nicht«, sagt Penke. Einige Menschen bräuchten den Kick, sich ständig neu zu verlieben. Andere schätzten es, ihren Partner exklusiv für sich zu haben und seien heilfroh, nicht ständig neu auf die Suche gehen zu müssen.
Bei uns dürfte auch das große Gehirn, dass gleichzeitig noch durch das Becken passen musste, dazu beigetragen haben, dass eine hohe Unselbständigkeit besteht. Menschenkinder werden sozusagen „zu früh“ geboren,  damit sie überhaupt noch geboren werden können.
Ergänzend noch zu der Überschrift beim Spiegel: Die Evolution hat Monogamie bereits erfunden bevor es Menschen gab. Auch Menschen vor der Steinzeit bzw die Vorfahren der Menschen dürften bereits Paarbindung gekannt haben.
vgl auch:

Sex initiieren

Der Stern hat einen interessanten Artikel:

. Die Wissenschaft hat zum Glück inzwischen die Frauen als Forschungsobjekt entdeckt – und findet fantastische Dinge heraus. Zum Beispiel, dass viele Frauen „responsive Erregungstypen“ sind. Noch nie davon gehört? Ich auch nicht. Bis ich das großartige Buch „Komm, wie du willst“ der Sexualwissenschaftlerin Emily Nagoski gelesen habe (unbedingte Leseempfehlung).
Meine Wandergesellin bekommt auch große Augen und Ohren. „Responsiver Erregungstyp“, sagt sie mit Fragezeichen in der Stimme. Ich nicke begeistert, denn das ist der Quick Fix für ihr Problem.
Die meisten Männer (und natürlich auch einige Frauen) sind spontane Erregungstypen. Sie gehen die Straße entlang, und plötzlich denken sie aus heiterem Himmel an Sex. Dazu müssen sie nicht mal ein Objekt ihrer Begierde sehen. Sie können in ein Schaufenster schauen, auf ihr Handy glotzen oder in die Luft gucken und out of the blue heiße Gedanken bekommen.
Bei responsiven Typen funktioniert die Erregung anders. Spoiler: Hier kommt nichts aus heiterem Himmel. Responsive Typen haben keine spontane Lust. Sie gehen die Straße entlang und denken an ihre Einkaufsliste. Selbst wenn ihnen ein heißer Typ über den Weg läuft, denken sie an ihre Einkaufsliste.
Was sie jedoch in Wallung bringt, sind sexuelle Handlungen, wie es die „Sexleben-Retterin“ Emily Nagoski schreibt. Wenn der responsive Typ kuschelt, knutscht oder massiert wird, entsteht die Lust. Der Appetit kommt quasi mit dem Essen.
Die Frau in ihren Wanderklamotten bleibt abrupt neben mir stehen. „Das heißt, ich bin völlig normal?“, fragt sie mich. Ich nicke. „Ich bin nicht kaputt?“ Ich nicke. „Und es ist auch nicht meine Schuld, ich bin nicht falsch oder abartig?“ Ich nicke und lache sie strahlend an. „Mit dir ist alles in Ordnung“, antworte ich. Sie sei lediglich ein „responsiver Erregungstyp“. „Deine Art, wie sich Verlangen einstellt, passiert einfach anders“, sage ich. „Du initiierst keinen Sex, aber verspürst, langsam aufsteigende Lust, Erregung und Verlangen, wenn du sexuelle Handlungen erlebst.“
Dein Mann soll ruhig weiterhin den Sex initiieren, und du darfst das genießen, und statt ein schlechtes Gewissen zu haben, weil es wieder nicht von dir ausgegangen ist, kannst du dich entspannen, es genießen und deiner langsam wachsenden Erregung frönen. Die Dame strahlt mich an, bedankt sich und eilt mit schnellem Schritt davon.
Ich freue mich, dass ich helfen konnte. „Manchmal fehlt einfach nur das neueste Wissen“, denke ich mir. „Mein Mann findet mich kompliziert“, sagt da plötzlich eine Stimme leise hinter mir. „Mal mag ich etwas und dann wieder nicht“, sagt die Frau nun lauter und schließt auf zu mir. „Was stimmt mit mir nicht?“ Ich grinse sie an. „Keine Sorge, mit dir ist alles normal, es ist nur der Kontext“, sage ich, und schon bin ich im nächsten Quick Fix.
Der responsive Typ ist ja auch grundsätzlich kein Problem, wenn sie sich meist in Stimmung bringen lässt.
Es wird zum Problem, wenn derjenige der initiiert sich immer wieder eine Absage holt und deswegen frustriert ist.
Dann wäre es eben interessant die Initiierung an den Partner, der eher nicht will abgeben zu können, der dann eben selten abgelehnt würde. Klappt aber eben nicht, wenn sie erst in Stimmung kommen muss.
Das Konzept an sich ist aber auch interessant. Frauen wollen ja auch in vielen Bereichen, dass der andere von sich aus handelt und nicht erst eine Initiierung erforderlich ist. Etwa beim Müllrausbringen oder beim Putzen oder allgemein bei der „mental load“. Ob man da auch als Mann anführen kann, dass man erst positiv in Stimmung gebracht werden muss und es sonst nicht geht?

Warum „jeden Tag ein Femizid in Deutschland“ nicht stimmt

Ein interessanter Artikel bei n-tv über Femizide:

360 Frauen wurden 2023 laut PKS Opfer eines Tötungsdelikts. Mit einem validen Bild über Femizide in Deutschland hat diese Zahl jedoch wenig zu tun, wie eine Studie nun belegt. Die Untersuchung der Motivlage liefert neue Daten – und entscheidende Erkenntnisse über Männer, die ihre Partnerinnen umbringen.

Immer wieder heißt es, in Deutschland werde beinahe jeden Tag ein Femizid begangen. Die Aussage stammt unter anderem vom Bundesinnenministerium, entsprechende Daten liefert die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Demnach wurden im Jahr 2023 insgesamt 360 Frauen und Mädchen getötet. Die Zahl spiegelt den Anteil weiblicher Opfer in Deutschland wider – sie zeige jedoch nicht, wie groß das Problem geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen hierzulande wirklich ist, kritisieren Experten. Eine neue Studie belegt diese Annahme: Demnach könnte die Zahl an Femiziden in Deutschland deutlich niedriger liegen als durch die Daten der PKS angenommen.

Das klingt nach einer interessanten Studie.

Das Institut für Kriminologie der Universität Tübingen und das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen werteten die Akten von 292 versuchten und vollendeten Tötungsdelikten an Frauen für das Jahr 2017 aus. Nach Abzug einer Auswahlfallquote sind das alle gemeldeten Fälle aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen sowie einigen Städten in Nordrhein-Westfalen. Sie bilden etwa ein Drittel aller im Jahr 2017 in ganz Deutschland in der PKS registrierten versuchten und vollendeten Frauentötungen ab.

Zunächst stellten die Forscher fest, dass „Tötungsdelikte in der PKS tendenziell übererfasst werden“. Denn: In 32 Prozent der 292 gemeldeten Fälle ergab die Untersuchung im Gegensatz zur PKS keine entsprechenden Tötungsdelikte. Als Grund nennen die Experten hier zum einen eine Fehlerfassung, etwa wenn das Opfer doch nicht weiblich war. Oft konnte in den nun ausgeschlossenen Fällen aber schlussendlich entweder die Tat selbst oder der Tötungsvorsatz nicht nachgewiesen werden. So liegt eine große Schwäche der PKS darin, dass Fälle mit Abschluss des Ermittlungsverfahrens registriert werden. Spätere Erkenntnisse, mögliche Einstellungen durch die Staatsanwaltschaft, werden nicht mehr berücksichtigt.

Die feministische Antwort ist vermutlich: „Nur weil man die Tat im Patriarchat nicht nachweisen kann bedeutet das nicht, dass sie nicht geschehen ist“ und ausnahmsweise glauben da dann linke dann eher der Polizei (eine relativ männliche Behörde) als der Staatsanwaltschaft (einer recht weiblichen Behörde)

Schwäche der PKS

Von den übrig gebliebenen 197 Tötungsdelikten an Frauen ordnen die Wissenschaftler 133 (67,5 Prozent) als Femizide, also geschlechtsbezogene Tötungsdelikte ein. Die Ergebnisse zeigen, so die Studie, „dass Femizide einen wesentlichen Anteil der Frauentötungen in Deutschland ausmachen“.

Also statt 292 Fälle nun 133 Fälle (45%) und damit etwas über jeden dritten Tag(an 36,4% der Tage eines Jahres)

Damit hat Deutschland deutlichen Handlungsbedarf in Bezug auf geschlechtsspezifische Gewalt, wie die Forscher deutlich machen. Trotzdem scheint das durch die PKS vermittelte Lagebild zu Femiziden hierzulande zunächst entschärft – die Fallzahl deutlich niedriger. Woran liegt das?

Eine Antwort liefert unter anderem das Bundeskriminalamt selbst: Abgesehen von Tötungen im Zusammenhang mit Raubdelikten oder auf Verlangen gehen sämtliche Fälle, in denen Frauen getötet wurden, in die Statistik ein. Nun handelt es sich jedoch kaum in jedem Fall, in denen das Opfer weiblich ist, um eine geschlechtsspezifische Tötung. Um zu differenzieren und eine Tötung als Femizid einzuordnen, „ist gerade das Tötungsmotiv entscheidend“, wie Fredericke Leuschner, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kriminologischen Zentralstelle e.V., im Gespräch mit „Legal Tribune Online“ deutlich macht. „Eine Tötung wird erst dann zum Femizid, wenn die Frau aus geschlechtsbezogenen Motiven getötet wurde – etwa aus Macht- oder Besitzansprüchen.“ Genau diese „tatauslösenden Motive“ erfasst die PKS jedoch nicht.

Was ist ein Femizid – und was nicht?

Die Forscherinnen und Forscher aus Tübingen und Niedersachsen stellten bei ihrer Aktenanalyse somit den Hintergrund der Tat – die Stellung des Opfers sowie das Motiv des Täters – in den Fokus. Entscheidend war somit, ob es sich um ein Tötungsdelikt gegen Frauen richtet, das zudem einen Geschlechtsbezug hatte. Dieser ergab sich zum einen daraus, dass „Frauen aufgrund ihrer Stellung in der (deutschen) Gesellschaft für bestimmte Arten von Tötungsdelikten besonders vulnerabel sind (weiter soziostruktureller Femizidbegriff).“ Das bedeutet: Die Forscher werteten alle Arten von Tötungsdelikten, von denen Frauen überproportional betroffen sind, als Femizid.

Ein weiteres Indiz für einen Geschlechtsbezug lag vor, wenn die Frau in einer stark von ihrem Geschlecht geprägten sozialen Rolle getötet wurde. Daher wurden auch alle Tötungsdelikte im Kontext von Partnerschaft, (Groß-)Muttertötungen, Taten in losen sexuellen Beziehungen und Tötungen von Sexarbeiterinnen als Femizide im weiteren Sinne gewertet. In 64 Fällen der 197 Tötungen von Frauen entschieden sich die Forscher anhand ihrer Definition gegen einen Femizid. Darunter fielen etwa Kindstötungen durch ein Elternteil, Taten, bei denen ein psychisch kranker Täter agierte und Fälle, in denen dem Täter das Geschlecht seiner Opfer schlicht nicht bekannt war.
Rationale Forschung an einem Thema bei dem möglichst hohe Zahlen gewünscht sind. Das wird zum großen Teil ignoriert werden.
Interessant wäre eine gleiche Auswertung bei den Männern.

Zuletzt konnte sich der Geschlechtsbezug auch aus einem sexistischen Motiv des Täters ergeben (enger motivbezogener Femizidbegriff). Möglich ist etwa, dass der Täter aus einem allgemeinen Frauenhass oder zur eigenen sexuellen Erregung handelte. Oft ging es jedoch darum, das Opfer für einen Verstoß gegen eine bestimmte Rollenerwartung zu bestrafen. 38 Prozent aller Tötungsdelikte gegen Frauen und knapp die Hälfte aller Femizide waren laut der Studie sexistisch motiviert. Diese Einstellung vieler Täter dürfte einen besonders auffälligen Punkt erklären: Die meisten (81,2 Prozent) der vollendeten Femizide ereigneten sich in oder nach einer heterosexuellen Partnerschaft.

Echte Verzweiflung oder sexistische Rollenerwartung?

Damit sind Partnerinnenfemizide laut den Ergebnissen der Forscher die häufigste Form von Femiziden und auch von Frauentötungen in Deutschland. Und nicht nur das: Ein Großteil der Fälle ähnelt sich in seiner Vorgeschichte. In rund drei Vierteln der Fälle spielte eine tatsächliche oder befürchtete Trennung oder Eifersucht eine zentrale Rolle. Die Forscher nennen diese Fälle „De-Etablierungsfemizide“.

Wobei ja auch dort häufig eine krankhafte Eifersucht im Spiel ist.

Vor diesem Hintergrund sticht ein weiterer Punkt der Studie ins Auge: Von den 108 Partnerinnenfemiziden führten nur knapp die Hälfte zu einer Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts.

Wäre interessant warum nicht. Ein Grund könnte sein, dass sich der Täter danach selbst umgebracht hat. Der andere, dass er schuldunfähig war und in eine Psychiatrie kam.

Fast alle dieser Fälle, in denen der Täter verurteilt wurde, waren De-Etablierungsfemizide. Wie beschrieben, spielen in diesen Fällen Eifersucht oder Besitzansprüche eine zentrale Rolle: Faktoren, die potenziell als niedriger Beweggrund im Sinne eines Mordmerkmals gewertet werden könnten. Doch das war nur in der Hälfte der Verurteilungen der Fall.

„Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Landgerichte tendenziell zögern, De-Etablierungsfemizide als Morde aus niedrigen Beweggründen zu bewerten“, schreiben die Forscher.

Das hätte aber ja nichts mit der Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts zu tun: Der Totschlag erfordert keine niedrigen Beweggründe, nur der Mord.

Und das, obwohl die Gerichte in einem Großteil der Fälle sogar feststellten, dass der Täter das Opfer vor der Tötung misshandelt oder kontrolliert hatte. Häufig berufen sich die Richter auf die verzweifelte Lage der Täter, die gegen einen niederen Beweggrund spreche. Die Forscher empfehlen: Gerichte sollten sich mit dem Grund der vermeintlichen Verzweiflung auseinandersetzen müssen. Denn wenn diese darin liege, den Machtanspruch gegen die (Ex-)Partnerinnen nicht mehr durchsetzen zu können, könnte auch Verzweiflung als niedriger Beweggrund gewertet werden. In Bezug auf die Verfolgung der Täter käme auch eine entsprechende Konkretisierung des Mordparagrafen in Betracht.

Gewalt als Motor der Diskriminierung

Mit ihrer Studie liefern die Wissenschaftler aus Tübingen und Niedersachsen erstmals belastbare Zahlen zu geschlechtsspezifischen Tötungen in Deutschland. Vor allem aber zeigen sie auf, inwiefern Sexismus und patriarchale Strukturen ein ungleiches Geschlechterverhältnis mit tödlicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen befeuern. Vergleichbare Daten hat es zuvor nicht gegeben.

Das ist ein gewagter Schluss. Denn die Taten sind sehr sehr selten und die Täter einfach sehr eifersüchtig und gewaltbereit. Das hat mit Strukturen wahrscheinlich weniger zu tun als mit Persönlichkeitsmerkmalen und den Biografien der Täter.

Im Ergebnis pochen die Forscherinnen und Forscher daher vor allem auf eins: Die teils noch vorherrschende gewaltbegünstigende Sozialisation von Männern müsse „gezielt“ adressiert werden. Dabei geht es um Schutz vor Gewalt – aber auch um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung hin zur Gleichberechtigung. „Die sexistische Diskriminierung von Frauen ist nicht nur Ursache, sondern auch Folge geschlechtsbezogener Gewalt.“ Gewalt an Frauen, so die Forscher, sei damit „wesentliches Hindernis für die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland.

Ich werde noch mal nach der Studie schauen

Vgl auch: