Männer, die in Teilzeit arbeiten wollen finden schwerer einen Job

Ein interessanter Artikel zu Teilzeitarbeit:

Warum arbeiten fast alle Männer Vollzeit? Zwei Erklärungen kommen infrage: Weil sie es so wollen. Oder weil sie es müssen. Ein brisantes Ergebnis liefert eine Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich, deren Resultate nächste Woche publik werden: Wer Teilzeit arbeitet, muss auf dem Arbeitsmarkt Nachteile in Kauf nehmen. Vor allem ist diese Benachteiligung deutlich grösser für Männer als für Frauen. Somit haben sie wenig Anreize, ihr Pensum zu reduzieren.

Der Studienautor, KOF-Ökonom Daniel Kopp, hat für die Untersuchung einen neuartigen Ansatz gewählt: Er hat die effektiven Rekrutierungsentscheide der Firmen analysiert. «Gegenüber einer herkömmlichen Befragung ist das viel exakter», erklärt Kopp. «Wenn eine Firma behauptet, dass sie Teilzeitarbeit gleichwertig behandelt, so lässt sich das in der Praxis nur schwer nachprüfen.»

Für seine Studie erhielt Kopp während zehn Monaten Zugriff auf die vom Bund betriebene Stellenplattform job-room.ch. In dieser Zeit gingen 43 000 Personalleute auf die Seite und hatten dort Einsicht in die Profile von über 200 000 Stellensuchenden.

Auf diese Weise konnte Kopp 450 000 Rekrutierungsanfragen untersuchen. Wichtig ist: Die Auswertung enthält nur solche Anfragen, die keine Präferenz für Voll- oder Teilzeit-Angestellte deklarierten. Wer explizit eine Person zu 100% suchte, wurde nicht berücksichtigt.

Das Resultat: Das Arbeitspensum hat einen erheblichen Einfluss auf die Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Frauen, die Teilzeit arbeiten, erhalten 10% weniger Job-Angebote. Bei den Männern allerdings ist diese «Teilzeit-Strafe» gar doppelt so gross: Ihre Auswahl an Stellen sinkt um 22%.

Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Und wie unten dargestellt wird auch noch in gleichen Berufen.

«Es macht einen grossen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau in einem tieferen Pensum arbeiten will», sagt Ökonom Kopp. «Offenbar sind die traditionellen Geschlechterrollen auf dem Arbeitsmarkt noch immer tief verankert.»

Zwar beteuert die Wirtschaft regelmässig, Teilzeitler seien gleichgestellt. Man wolle zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Doch im Einzelfall stellen die Firmen eben doch lieber jemanden zu 100% ein. Was manche Patrons nur hinter vorgehaltener Hand äussern, bringt der selbständige Firmensanierer Urs Bürge auf den Punkt: «Teilzeitmodelle führen oftmals zu Problemen: Sie erfordern zusätzlichen Aufwand und erschweren die reibungslosen Abläufe.»

In der Tat ist eine Vollzeitstelle für den Arbeitgeber in vielen Fällen einfacher, und das gerade bei qualifizierteren Jobs. Einfach weil derjenige mehr Arbeitserfahrung sammelt, den ganzen Tag über für Rückfragen zu etwa einem bestimmten Projekt zur Verfügung steht, für Mitarbeiter und für den Kunden, weil man weniger Planen muss um eine Besetzung aller wichtiger Stellen hinzubekommen etc.

Bürge betreut Unternehmen in Krisensituationen. «Wenn es hart auf hart geht, habe ich eine klare Präferenz zugunsten der Vollzeit.» Allerdings, ergänzt er, gelte dies vor allem für kleinere Betriebe: «In einem KMU kommt es auf jeden Einzelnen an – Grosskonzerne dagegen sind flexibler.»

Großkonzerne haben eher mehr Personal und können einen Ausfall besser ausgleichen. Auch das Vorhalten passender Büros kann zu einem Problem werden. Wer 10 Mitarbeiter in Teilzeit hat, braucht evtl 10 Büros, wer hingegen 5 Mitarbeiter in Vollzeit hat nur 5.

Diese Vorliebe der Firmen für Vollzeitjobs hat allerdings einen Haken. Denn sie trifft primär die Männer. Bei den Frauen fällt die «Teilzeit-Strafe» deutlich geringer aus. Dazu hat die KOF-Studie bemerkenswerte Zahlen: Wenn eine Frau 90% statt 100% arbeiten will, so sinken ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt um lediglich 2%. Bei einem Mann jedoch hat die gleiche Reduktion des Pensums zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Stellenangebot um 17% abnimmt.

Auch hier wieder ein deutlicher Unterschied. Wobei eine 90% Stelle ja noch ein geringer Abzug ist.

Hier eine Grafik aus dem Artikel:

Teilzeit Unterschiede Männer Frauen

Bei Vollzeit hätte der Mann also eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, Bei unter 50% gleichen sich die Abzüge wieder an. Aber bei bis 50% ist die Frau etwa 16%, der Mann aber bei etwa 28%.

Daniel Kopp führt diese Divergenz darauf zurück, dass in den Firmen nach wie vor klare Stereotypen in Bezug auf die Geschlechter herrschen. «Wenn eine Frau Teilzeit arbeitet, wird dies auf ihre familiäre Belastung zurückgeführt. Bei einem Mann dagegen wird eher unterstellt, dass er beruflich weniger engagiert sei.»

Bei einer Frau wird es erwartet. Bei einem Mann wirft es Fragen auf. Vielleicht auch schlicht das Gefühl, dass ein Mann, der sich da seiner Frau „unterordnet“ schon mal nicht den richtigen Biss haben kann. Wobei es ja genug andere Gründe geben könnte. Etwa das er eben die Kinder nach Trennung erhalten hat etc.

Ein wesentliches Detail zur Studie: Die Abweichung zwischen den Geschlechtern bezieht sich stets auf die gleiche Berufskategorie. Dass Teilzeitarbeit in typischen Frauenberufen wie dem Verkauf stärker verbreitet ist, hat somit keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Ein wichtiger Hinweis, denn sonst wäre der Aussagegehalt sehr gering.

Die Studie zeige, dass die Gleichstellungsdebatte auch für Männer relevant sei, sagt Adrian Wüthrich, Präsident des Gewerkschaftsdachverbands Travail Suisse. Er höre regelmässig, dass von Männern höhere Pensen erwartet werden. «Ein typisches Beispiel ist der Job in einem Staatsbetrieb, ausgeschrieben für 80 bis 100%. Eine Frau und ein Mann sind in der Endrunde: Sie erhält die Stelle mit 80% – bei ihm jedoch wird ein 100%-Pensum erwartet.»

Natürlich ist sie auch für Männer interessant. Allerdings nicht in dem Sinne, dass das „Patriarchat auch Männern schadet“. Sondern in dem Sinne, dass sie eigene Ansprüche geltend machen können und müssen.

Wüthrich kritisiert, das fixe Rollenbild in der Wirtschaft benachteilige Väter, die bei der Kindererziehung gleichberechtigt mithelfen wollen. «Gleichzeitig hindert es die Frauen daran, im Beruf Karriere zu machen und einen ebenbürtigen Lohn zu erzielen.» Gemäss einer repräsentativen Erhebung von Pro Familia finden sechs von zehn Väter, sie seien zu wenig verfügbar in ihrer Familie. Zudem sagen vier von fünf Bankangestellten, dass sie konkret über Teilzeit nachdenken, wie eine Umfrage der Organisation männer.ch ergeben hat.

In der Praxis allerdings läuft es genau umgekehrt: Ledige Frauen und Männer haben im Durchschnitt praktisch das gleich hohe Arbeitspensum von rund 85%. Kommt aber ein Kind dazu, so erhöhen die Väter ihren Beschäftigungsgrad. Bei den Müttern hingegen sackt das Pensum ab, auf zunächst 40%.

Soziologen der Universität Freiburg haben untersucht, wie sich die Teilzeitarbeit auf die Zufriedenheit auswirkt. Dabei sind sie ebenfalls auf einen Geschlechtergraben gestossen: Frauen sind deutlich glücklicher mit ihrem reduzierten Pensum als Männer.

Woher kommt dieser Unterschied? Teilzeitmänner vergleichen ihre Situation nicht mit den entsprechenden Frauen, sondern mit den männlichen Kollegen, die dank Vollzeit besser im Beruf vorankommen und mehr verdienen. «Je stärker sich jemand von der dominanten Norm seines Geschlechts entfernt, desto schlechter wird die eigene Zufriedenheit eingeschätzt», lautet das Fazit der Studie.

Wer hätte es gedacht: Intersexuelle Konkurrenz um Status ist ein relevantes Element im Verhalten der Leute.

Er halte Teilzeit für ein zweischneidiges Schwert, sagt Simon Wey, Chefökonom beim Arbeitgeberverband. «Einerseits ist es besser, Teilzeit zu arbeiten, als gar nicht. Auf der anderen Seite aber wollen die Unternehmen die Arbeitskräfte natürlich mit möglichst hohen Pensen im Betrieb einbinden.»

Zwar sei eine Karriere mit reduzierten Pensum noch immer die Ausnahme, räumt Wey ein. «Doch je nach Branche hat die Digitalisierung klare Fortschritte ermöglicht.» Der Ökonom spricht aus eigener Erfahrung: Trotz 80%-Pensum hält er eine Kaderposition.

Es kommt eben sehr auf den Betrieb an, aber warum sollte man auch jemanden befördern, der in Teilzeit arbeitet? Die Vollzeitkraft bringt sich üblicherweise mehr ein und die meisten Beförderungsstellen sind eben auch in Teilzeit nicht zu schaffen.

Anpassungsfähigkeit brauche es von beiden Seiten, ergänzt Wey: «Dass man auch bei Abwesenheit zwischendurch eine Mail beantwortet, gehört dazu.» Der zunehmende Mangel an Fachkräften habe jedoch zur Folge, dass die Mitarbeitenden eine stärkere Verhandlungsposition erreichen. Laut KOF-Studie weisen Männer, die sich auf einen Teilzeitjob bewerben, durchaus ebenbürtige Qualifikationen vor – ihre Ausbildung ist im Schnitt sogar leicht besser.

Dennoch verdienen sie eher schlechter.

Studienautor Daniel Kopp betont, eine Beseitigung der «Teilzeit-Strafe» würde die Gleichstellung der Geschlechter fördern. «Wenn Männer voll auf den Beruf setzen, haben sie weniger Möglichkeiten, Aufgaben in der Familie zu übernehmen. Das verhindert eine gerechtere Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit.»

Die aber viele auch gar nicht „gerecht“ im Sinne von gleich verteilen wollen. Eben aufgrund verschiedener Zielsetzungen etc.

Noch immer investieren Frauen 50% mehr Zeit in die Hausarbeit als Männer, wie die jüngste Statistik des Bundes ergeben hat. Bei Eltern mit Kindern leisten Mütter pro Woche 17 Stunden an zusätzlicher unbezahlter Arbeit. Somit bleiben die Geschlechterrollen auch in der Familie klar getrennt. Viele Paare sind glücklich mit dieser klassischen Aufteilung. Jene aber, die mehr Gleichheit anstreben, haben nach wie vor hohe Hindernisse zu überwinden.

Und diese Hindernisse bestehen eben nicht nur für Frauen.

 

vgl auch:

32 Gedanken zu “Männer, die in Teilzeit arbeiten wollen finden schwerer einen Job

  1. Die Männer können sich ja an eine Kollegin wenden und die wendet sich dann an die Gleichstellungsbeauftragte.

    „Wenn Männer voll auf den Beruf setzen“

    Das scheint doch eher der Mangel an Optionen zu sein. Männer die Teilzeit arbeiten, haben es nicht nur auf dem Arbeitsmarkt schwerer, auch auf dem Partnermarkt sinken ihre Chancen und in Beziehungen mit Frauen erhöht sich das Scheidungsrisiko wenn sie auf Teilzeit umsteigen.

    https://brightside.me/inspiration-relationships/according-to-a-harvard-study-the-strength-of-a-marriage-depends-on-the-husbands-job-status-795418/

    • Das passiert aber nur bei Männern die sich als Provider verkauft haben. Bei solchen die sich über Selbstbewusstsein und Attraktivität verkauft haben spielt das überhaupt keine Rolle.

      • Ich denke das eine Großteil der Männer in einer Familie sich auch heute noch als Versorger sehen und danach bemessen. Für die psychische Gesundheit dieser Männer halt ich das für eher suboptimal, auch da Jobs nicht immer sicher sind. „Überhaupt keine Rolle“ … naja, ich denke das ist übertrieben.

        • Du hast recht, die meisten verheirateten Männer sehen sich so. Das sind aber auch die Männer, die im Hamsterrad performen müssen, während ihre Ehefrau ihren Partner gefühlsmäßig längst als Zahlesel ansieht.
          Wir wollen alle begehrt werden aber Begehen ist nichts was man sich kaufen kann und nichts was man verhandeln kann, es ist keine Wahl und ist ein Gefühl. Der Mann der von seiner Frau verlassen wird weil er nur 80% arbeitet, der sollte dankbar sein, denn seine Frau hat in Wahrheit nie etwas für ihn empfunden. Für sie war es ein Geschäft und nicht mehr.

          Meine eigene Strategie ist es daher auch immer Frauen nichts, wirklich gar nichts zu bezahlen. Sie sollen mich wegen meiner selbst mögen, nicht wegen meines Geldes.

      • Ich stimme dem Kommentar zu aber nur bis zu dem Zeitpunkt wo Kinder ins Spiel kommen.
        Dann wird eine Frau ihren Hausmann mit 80% Wahrscheinlichkeit ziemlich schnell verlassen, egal wie attraktiv dieser mal war. Es fehlt da nämlich in dieser Gleichung das für die Frau wichtigste nämlich der Status des Mannes. Und wie ein Mann Status ohne eigenes Einkommen erreichen soll, hat auch noch niemand abschliessend geklärt.

  2. Ich habe ja eher so einen langweiligen Bürojob ohne große Aufstiegschancen, wie die meisten bei uns (egal ob Männer oder Frauen). Ich bin vor Jahren, als bei uns angeboten wurde, Stunden reduzieren zu können, auf 38 Stunden runter. Angegriffen wurde ich nur von Kolleginnen, von wegen, da würden die Chefs merken, wir würden die Arbeit auch in weniger Zeit schaffen. Die verheirateten Kollegen fanden es gut und waren eher etwas neidisch. Könnten sich das aber nicht leisten.

    Mittlerweile machen das aber doch deutlich mehr und ich bin nach der Heirat wieder auf Vollzeit. Frauen muss man sich leisten können. Konnte ich scheinbar nicht, zum Glück ist das Luder weg.

  3. Bei mir im Job nehme ich jemanden, der Teilzeit arbeitet, gar nicht Ernst. Man wird nur besser durch Erfahrung, außerdem bin ich in einer wissensorientierten Dienstleistungsbranche, in der sich die Welt in 3-5 Jahren einmal komplett dreht. Wie will denn ein Teilzeit-Mensch da mithalten?

    In meiner Firma arbeitet man 40 Stunden fürs Gehalt, und danach für die Gehaltserhöhung und die Karriere.

    • Und mit 50 gibt’s dann wahlweise den Burnout oder den Herzinfarkt, oder? Gut, dass man da vorher soviel Geld verdient hat, um sich hinterher eine gute Behandlung leisten zu können.

      • Mei, kann sich jeder gestalten wie er will. Du kannst IT nur schwer halbtags machen. Alles verändert sich andauernd. Das Ausmaß an Lernen und Erfahrung, das nötig ist, ist konstant hoch. Und was muss die Dinge einsetzen können, also lernen, was auf den Markt kommt, bevor es auf den Markt kommt.
        Das ist der 40 Stunden Teil.

        Wenn man das auf 20 Stunden reduzieren möchte… Dann lügt man sich entweder in die Tasche und beschäftigt sich außerhalb der Arbeitszeit mit seiner Arbeit. Lernt, informiert sich, probiert Dinge aus und wird dafür nicht bezahlt. Oder man fällt zurück.

    • @Flin

      „Bei mir im Job nehme ich jemanden, der Teilzeit arbeitet, gar nicht Ernst. Man wird nur besser durch Erfahrung,“

      Ich nehme Leute, deren wichtigster Lebensinhalt ihre Arbeit ist, nicht ernst. OK vielleicht bei freischaffenden Künstlern, aber nicht in einem Angestelltenjob wo man nur Anweisungen ausführt.

      Die Arbeit ist dafür da die materielle Voraussetzung zu erwirtschaften, um damit dann das eigentliche Leben zu finanzieren. Aber wenn gar keine Zeit übrig bleibt um zu leben, wofür dann all das Geld verdienen?

      „In meiner Firma arbeitet man 40 Stunden fürs Gehalt, und danach für die Gehaltserhöhung und die Karriere.“

      Du armer Tropf. Und wann lebst du?

      • Die Arbeit ist nicht dafür da um Geld zu verdienen. Die Arbeit ist Dein Weg um der Welt Deinen Stempel aufzudrücken und ein glücklicher Mensch zu sein.

        Wenn man ein ernst zu nehmende Softwareentwickler sein will, muss man Software entwickeln. Wenn man ein ernst zu nehmender Autor sein will, muss man schreiben. Wenn man ein ernst zu nehmender Investor sein möchte, muss man investieren. Wenn man ein ernst zu nehmender Vater sein möchte, muss man sich mit seinen Kindern beschäftigen. Wer ein ernst zu nehmender Anwalt oder Steuerberater sein möchte, muss die sich verändernde Gesetzeslage lernen.

        Die Hingabe und der Wille, gut zu sein in dem, was man tut, lässt sich nur mit Zeitaufwand bewältigen. Und bei vielen Dingen lässt sich die Zeit nur schwer ersetzen.

        • „Die Arbeit ist nicht dafür da um Geld zu verdienen.“

          Doch. Wenn ich kein Geld zum Leben bräuchte, würde ich nicht arbeiten, sondern meinen Hobbys nachgehen.

          „Die Arbeit ist Dein Weg um der Welt Deinen Stempel aufzudrücken und ein glücklicher Mensch zu sein.“

          Welche Möglichkeiten, der Welt seinen Stempel aufzudrücken und ein glücklicher Mensch zu sein, haben Wareneinräumer bei Aldi?

          Diese Möglichkeit haben vielleicht 5% aller Erwerbstätigen. Angestellte haben sie per Definition nicht – auch nicht in „kreativen“ Berufen -, denn sie arbeiten für die Ziele und den Profit anderer, sie führen Anweisungen aus statt selbstständig zu entscheiden, und tun das in einem Umfeld und unter Bedingungen die sie nicht selbst bestimmen. OK vielleicht die Mitarbeiter bei Google, aber die meisten Büros sind nicht so.

          • Also Google wäre für mich der schlimmste Arbeitgeber, alles mit mist vollstopfen, dass ich nicht merken soll, dass ich gerade arbeite.

  4. Der Zusammenhang mit der Art der Tätigkeit geht völlig unter.
    Bei manchen Arbeiten muss man länger dran bleiben können, auch mal Überstunden machen, und sich mit (anwesenden) Kollegen abstimmen.
    Bei anderen Tätigkeiten muss man ein gewisses Pensum ableisten, das auch leicht auf mehrere Personen aufgeteilt werden kann. Letztere Tätigkeiten sind gut geeignet für Teilzeit, die ersteren weniger.
    Wenn ich jetzt die Hypothese aufstelle, dass typische „Frauenberufe“ tendenziell mehr Potential bieten für Teilzeitjobs, könnte das ein Zirkelschluss sein.
    In unsere Firma habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass sich z.B. kaufmännische Tätigkeiten wesentlich leichter in Teilzeit umsetzen lassen als solche im technischen Bereich.

    Vor einigen Jahren habe ich einen Eintrag über Teilzeit gebloggt. Der ist inzwischen nicht mehr so ganz aktuell, sollte aber noch einige wesentliche Punkte beinhalten.

    • Guter Punkt. Gerade wo es nicht um kleine in sich geschlossene Arbeitspakete geht sondern ein längerer Arbeitsfaden existiert (Softwareentwicklung dürfte da ein gutes Beispiel sein), wird „Teilzeit“ zu einer Worthülse.

      Bestenfalls im arbeitgeberfreundlichen Sinne eines Jahres- oder Lebensarbeitszeitkonto, bei dem der/die/das Arbeitnehmer eben mal drei Monate 90 Wochenstunden hat und dafür im Anschluss daran einen Monat frei und zwei Monate lang nur 15 Wochenstunden oder so…

      • die 90h Woche ist sowas von unrealitisch, grad bei einem Kreativjob, 2-3 Wochen hintereinander und man fährt auf dem Nachhauseweg gegen nen Baum

  5. Ich musste aus meinem Bewerbungsschreiben auch die Stelle entfernen „Für mich käme sowohl Voll- als auch Teilzeit in Frage“. Damit ist man sofort beim Personaler unten durch, die halten einen sofort für einen Faulpelz.

  6. Fast passend dazu: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/smalltalk/billie-eilish-reagiert-auf-shitstorm-17386379.html

    „„Im Kerker des Familienrechts“

    Alec Baldwin und Johnny Depp fühlen sich durch die amerikanische Scheidungsindustrie gebeutelt. „Ich wurde durch dem Leid und den Bloßstellungen eines Rechtssystems ausgesetzt, das ich mit einer kriminellen Organisation vergleiche, weil sie Schmerzen zufügt, um Geld zu erpressen“, erinnerte sich Baldwin an die Jahre nach der Trennung von Ehefrau Kim Basinger und den folgenden Sorgerechtsstreit um die gemeinsame Tochter Ireland vor 20 Jahren. Auch Depp, dessen Ehe mit der Schauspielerin Amber Heard 2016 nach einem Ehejahr in die Brüche ging, ist nach Unterhaltsverhandlungen und gegenseitigen Verleumdungsklagen noch nicht über die Scheidung hinweg. „Wenn Ihr in dem Kerker des Familienrechts gefangen gehalten werdet, sollte ,The Respondent‘ Euer ständiger Begleiter sein“, schrieb der Hollywoodstar jetzt im Vorwort des Buches „The Respondent: Exposing the Cartel of Family Law“ seines Schauspielkollegen Greg Ellis. Ellis, der mit Depp für „Fluch der Karibik“ vor der Kamera stand und sich vor einigen Jahren scheiden ließ, wirft dem amerikanischen Rechtssystem Voreingenommenheit gegen Männer und Väter vor. Auch Baldwin und Depp, die sich in Ellis‘ Buch an eigene Enttäuschungen erinnern, wetterten immer wieder öffentlich über den angeblich schonenden Umgang der Familiengerichte mit früheren Partnerinnen. (ceh.)“

    Das Unrecht an Männern ist vielfälltig, namentlich lässt es sich mit Feminismus nur unzulänglich ausdrücken, ist aber Teil des Symptoms.

    • Das ist echt schon etwas unverständlich. Männer werden in den USA schon seit Jahrzehnten bei Scheidungen abgezogen und es wird versuchten der Frau einen möglichst guten Deal auf Kosten des Mannes zu verpassen. Männer müssen sogar ins Gefängnis, wenn sie Frauen nicht das verschaffen, was ihnen nach Meinung der Richter zusteht. Wenn Männer dann solche schlimmen Scheidungen durchmachen und andere Männer das mitkriegen, müssen diese anderen Männer sich regelmäßig selbst belügen und einreden „kann man nix machen und mit meiner Frau wird das niemals passieren“. Erst wenn es ihnen dann passiert, dann wollen sie etwas ändern.

      Es ist echt bescheuert. Keine Solidarität unter Männern.

  7. Teilzeit-Horror:
    – Ach nein, ich bin jetzt nicht mehr Freitag nicht da sondern Donnerstags, außer an ungeraden Tagen dann bin ich Dienstags nicht da, es sei denn es ist Ferienzeit dann ist es wieder Freitags, einfach, oder?
    – OOO-Notice (wenn überhaupt) von Frau Müller verweist „für dringende Fälle“ auf Kollegin Schmidt. Die kennt sich aber nicht aus und verweist zurück an Frau Müller. Die ist jetzt aber schon im WE
    – OOO-Notice von Frau Müller verweist „für dringende Fälle“ auf Kollegin Meier. Dumm gelaufen, die gibt es seit 6 Monaten nicht mehr.

    • Kenne ich – aber weißt du was, die Rechnung geht für diese Damen (meistens Großkonzerngewächse) ja sogar doppelt auf, weil keiner mehr weiß wann sie genau da sind und dann auch noch in der Zeit in der sie da sind in Ruhe gelassen werden.
      Die Mami die nach der Schwangerschaft 10-15h/Woche zurückkehrt – das ist meisten bezahlte Resozialisierung, Kaffeklatsch auf Firmenkosten.
      Interessant wird es für die Firma erst ein paar Jahre später, wenn sie wieder 25-30h machen kann und man ihr unbemerkt über home-office eher den workload von 40h reindrückt.

  8. Erinnert mich an eine Unterhaltung in der Pause im damaligen Betrieb, ich hatte da ein sehr geringes Einkommen, das kaum als Single gereicht hat, habe dahdr bei den Eltern gewohnt. Meine damalige Freundin hatte das doppelte Einkommen. Es ging um Elternzeit und dass der Betrieb ja froh ist, einen Mann zu haben, da gäbe es das ja nicht. Ich meinte dann, dass alles außer Elternzeit für mich unwirtschaftlich wäre. Naja da war man echt sauer.

  9. Also ich habe sowohl mit Teil- als auch Vollzeit Erfahrung als Arbeitnahmer und Arbeitgeber. Mein Fazit Teilzeit muss man sich leisten können, auf der einen wie auf der anderen Seite.

    Doch Corona muss man bei all dem Schlechten zugute halten, dass viele Unternehmen so leichter den Personalbedarf einschätzen können. Alle Arbeiten die in Teilzeit durchführbar sind, sind nicht überlebenswichtig und werden bei Bedarf als Leistung dazu gekauft, das ist immer billiger als ein Teilzetmitarbeiter. Im Wesentlichen sind das die Verwaltung und Buchhaltung, teilweise aber auch der Kundenservice aber auch bestimmte Dienstleistungen von Experten. Und das beste daran ist, man ist nicht unbedingt auf Dienstleister aus D angewiesen (das gilt natürlich nicht für die Buchhaltung, zu kompliziert :-)), damit hat das Ganze auch einen handfesten ökonomischen Vorteil. Wobei dieser Trend schon vor Corona einsetzte, da gerade in der IT die Ausbildungsqualität sehr schlecht geworden ist. Also mir sind Leute untergekommen bei denen vor dem Bewerbungsgespräch noch nicht mal der Austausch von Höflichkeiten auf Deutsch möglich war. Wobei ich war ja schon vorgewarnt, da in dem Bewerbungsschreiben trotz Hilfe durch Mitarbeiter/Beauftragte der BA schon im Titel mehrere Fehler waren.

  10. „Ein wesentliches Detail zur Studie: Die Abweichung zwischen den Geschlechtern bezieht sich stets auf die gleiche Berufskategorie. Dass Teilzeitarbeit in typischen Frauenberufen wie dem Verkauf stärker verbreitet ist, hat somit keinen Einfluss auf das Ergebnis.“ – „Ein wichtiger Hinweis, denn sonst wäre der Aussagegehalt sehr gering.“

    Prima.

    Und hätte irgendjemand der sich Äußernden – auch Du, @Christian- etwas aus dem Missbrauch von Statistiken beim Gender Pay Gap gelernt, würden sie die Aussagekraft immer noch unter Vorbehalt stellen, weil auch im gleichen Beruf Männer und Frauen sich noch lange nicht auf dieselben Tätigkeiten bewerben. Zur Beurteilung der Sachlage bräuchte man echte „Geschlechterzwillinge“ (also in jeder relevanten Hinsicht gleiche Personen, die sich nur beim Geschlecht unterscheiden), nicht bloß entfernte Verwandte.

    Aber wenn man liest, was ins eigene Weltbild passt, stellt man das Denken eben gerne ein. (Ich will mich davon gar nicht ausnehmen, aber hier habe ich nochmal kurz weitergedacht.)

  11. „Wenn eine Frau 90% statt 100% arbeiten will, so sinken ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt um lediglich 2%. Bei einem Mann jedoch hat die gleiche Reduktion des Pensums zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Stellenangebot um 17% abnimmt.“

    Das ist doch trivial:

    Bei einem Mann bedeutet eine Reduktion von Vollzeit auf 90% eine Verringerung des Arbeitspensums um 25% (120%->90%) und einen Wegfall der Flexibilität, weil er nämlich nicht da bleibt, bis die Arbeit erledigt ist, sondern exakt bis 15:42.

    Bei einer Frau bedeutet eine Reduktion von Vollzeit auf 90% eine Verringerung des Arbeitspensums um 10% (100%->90%) und keinen Unterschied in der Flexibilität, weil sie nämlich exakt bis 15:42 da bleibt statt exakt bis 16:30. Kein wesentlicher Unterschied.

  12. „Auch das Vorhalten passender Büros kann zu einem Problem werden. Wer 10 Mitarbeiter in Teilzeit hat, braucht evtl 10 Büros, wer hingegen 5 Mitarbeiter in Vollzeit hat nur 5.“

    Dieses Problem versuchte einer meiner Dienstleister (frauenlastiger Job) zu lösen, indem sich zwei 50%-Mitarbeiterinnen einen Arbeitsplatz teilen. Gleicher Kundenstamm, gleicher Schreibtisch (modern mit Höhenverstellung und Presets), gleicher PC, getrennte Rollcontainer, einander ergänzende Schichten.

    Hat nicht funktioniert, denn die Damen möchten ja nicht 50% ir ergänzenden Schichten arbeiten, sondern nur vormittags. Das passt dann natürlich nicht zusammen, wenn zwei sich einen Schreibtisch teilen sollen.

    • Muhahaha. Kann ich mir gut vorstellen. Aber dann wird halt nicht eingestellt. So was kann man ja im Arbeitsvertrag festlegen. Dann gibt es schönes gezicke weil die Kinder ja betreut werden müssen. Ich frage mich wie das meine Eltern früher gemacht haben. Da mussten beide Vollzeit arbeiten. Ohhh das hat sogar geklappt…

  13. Ich arbeite zu 75% in Teilzeit, und wechsle praktisch jedes Jahr in neue Projekte und Arbeitsorten. Wie das geht?
    Als ich meinen Arbeitskollegen sagte, dass ich in Teilzeit arbeite, merkte ich sofort, dass ich als Weichei klassifiziert wurde. Einer bemerkte, dass ich, wie alle anderen auch, eine normale 5-Tagewoche fröhne.
    Als ich jedoch erwähnte, dass ich nach dem OWe-Prinzip arbeite (von Ostern bis Weihnacht rackern, danach drei Monate frei), schlug die Stimmung innert 10 ms in blanken Neid um!

  14. Pingback: Arbeiten um zu leben vs. Arbeit als Berufung und Erfüllung | Alles Evolution

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