Nocheinmal: Landeslistenwahl der Grünen im Saarland, Frauenquoten und das Streben nach Macht

Die Grünen in Saarland und das (derzeitige) Scheitern des Frauenstatuts war bereits Thema hier.

Ich möchte aber noch einmal darauf zurückkommen, weil mir zwei Sachen besprechenswert erscheinenen:

1.Das Ereignis macht die Schwächen einer Frauenquote sehr deutlich und die „Personaldecke“ der weiblichen Grünen scheint eher schwach zu sein

Nach der Wahl tauchte dieses, auch schon hier in den Kommentaren besprochene Video, der inzwischen wohl bei den Grünen ausgetretenen Kandidatin für Platz 2 auf:

Eine Frau, die anscheinend keinerlei Ahnung von den Themen hat und sich anscheinend mit vielen Fragen inhaltlich nicht beschäftigt hat. Das kann man in gewisser Weise sympathisch und ehrlich finden, aber immerhin will sie in den Bundestag und ihre einzige Qualifikation scheint ihr Geschlecht zu sein, so wie sie sich hier präsentiert. Sie hat eigentlich für den dritten Listenplatz kandidieren wollen, da aber ja die Plätze bei den Grünen abwechselnd vergeben werden sollen ist sie quasi auf den zweiten Platz vorgerückt. Bisher haben die Grünen aus dem Saarland wohl nie mehr als einen Platz bekommen, so dass  eigentlich nur der erste Platz relevant war, bei sehr guten Ergebnissen dann jetzt eben vielleicht auch noch der zweite, aber der dritte war wahrscheinlich vollkommen chancenlos. Ínsofern konnte man da wahrscheinlich jede Frau hinsetzen. Aber dennoch erstaunlich, dass sie keine bessere hatten. Die Frage, wie man Umweltschutz und Soziales vereinbart ist ja nun auch nicht gerade neu, sie wurde seit einiger Zeit in den Medien diskutiert. Und zumindest ein „Ich würde immer den Umweltschutz priorisieren, denn wir haben nur einen Planeten“ oder „Arme müssen natürlich unterstützt werden, aber umweltschädliches Verhalten muss gleichzeitig spürbar belastet werden“ ist ja nun auch nicht so schwer als Position zu vertreten.
Es wäre interessant, ob die Personaldecke der grünen Frauen tatsächlich darauf ausgerichtet ist bei Wahlen größere Erfolge zu haben oder ob da plötzlich eine Menge Frauen in die Politik gespült werden, die sich nie wirklich dafür interessiert haben, aber die man eben braucht um die Listen paritätisch zu besetzen. Es hätte eine gewisse Ironie, wenn die Grünen, die sich die Quote auf die Fahnen geschrieben haben, gleichzeitig indirekt den Beweis erbringen, dass diese unqualifizierte Personen nach oben bringen.

2. Es zeigt, dass Systeme, die man auf den ersten Blick für sicher hält, immer anfällig für Personen sind, die Macht wollen und denen die gutgemeinten Regeln des Systems dabei im Weg sind

Die Grünen Frauen im Saarland haben sich anscheinend für vollkommen sicher gehalten, und das obwohl es schon Gerüchte darüber gab, dass Hubert Ulrich „zurück an die Macht“ wollte.

Das jemand einfach eine Mehrheit gegen die Frauen schaffen konnte und die einfach nicht wählen würde, das die Frauen sich die Landesplätze insofern nicht einfach untereinander aufteilen konnten und jede interne Konkurrenz unter Frauen vermeiden konnten, so dass nur eine Frau für diese Position in der Liste kandidiert hat, damit hat dort anscheinend keiner gerechnet. „Das Frauenstatut sichert uns doch hinreichend ab“ werden sie gedacht haben.

Aber Herr Ulrich scheint ja ein sehr einfaches System zu haben: Der Grünenverband Saarlouis aus dem er kommt ist der Mitglieder stärkste, mich würde es nicht wundern, wenn da eine Menge Karteileichen vorhanden sind, die einfach nur das Ziel haben, dass sie Ulrich eine gewisse Macht verleihen, ohne das sie groß an Politik interessiert sind. Das gibt viele Delegierte, damit die Möglichkeit Leute abzuwählen und Politik zu gestalten. Tatsächlich waren dafür in dem kleinen Saarland wohl nur 750 Leute erforderlich, wenn ich es richtig gelesen habe. Das ist ja durchaus eine überschaubare Zahl, wenn man passende Versprechungen machen kann, wenn man damit nach oben kommt.

Natürlich hätten die Frauen übrigens das Gleiche machen können: Massenhaft weibliche Mitglieder anwerben und dann nicht nur jede ungerade Position mit Frauen besetzen, sondern jede Position, was bei den Grünen unproblematisch möglich ist, weil nur die Frauenplätze geschützt sind und Männerplätze nicht. Aber das wäre ja Arbeit gewesen, da hat man sich lieber auf der Quote ausgeruht, für die man nicht kämpfen muss in der Annahme, dass kein Grüner von diesem guten Pfad abweichen kann.

Aber mit einem hinreichenden Willen zur Macht interessiert einen dieser „Gute Pfad“ eben nicht und es gibt irgendwann immer jemanden, der die Macht will.

Das ist natürlich in Systemen, in denen es etwas  nur eine Partei gibt, und nicht andere, in die man wechseln kann, noch ausgeprägter. Es ist ein Fehler auch all derer, die meinen, dass ein „richtiger Kommunismus“ noch nicht existiert hat, weil dort ja alle an einem Strang ziehen würden für das Gute des Proletariats, und die nicht erkennen, dass da immer ein Stalin lauert, der die Macht an sich reizen will und den es nicht interessiert, dass man doch für „das Gute“ arbeitet. (Sichheitshalber: Nein, Ulrich ist kein Stalin, ganz und gar nicht)

Es wäre interessant, warum die Grünen die Regeln auf diese Weise gestaltet haben, die ja bei der Abwahl einer Frau auf einer Position in der Tat das Risiko eröffnet, dass dann ein Mann gewählt wird. Vielleicht wollten sie es nicht übertreiben, damit nicht ein Gericht die Regelung evtl kassiert. Vielleicht wollten sie nicht zuviel Mißtrauen gegen Männer ausstrahlen, vielleicht dachten sie, dass es ja klar ist, dass man Frauen dann wenigstens noch fragt, vielleicht dachten sie sich schon, dass es schwierig sein könnte immer genug Frauen zu finden.