Führungspositionen als Teilzeitjob

In Diskussionen mit Feministinnen oder anderweitig für Frauenanliegen eintretende Personen läuft ein Gespräch häufig so, dass diese erst anführen, dass es ungerecht ist und Frauen nicht die gleichen Chancen haben. Dann führt man diverse Belege an, dass Frauen gar nicht bereit sind im gleichen Maße und in der gleichen Anzahl wie Männer Vollzeit zu arbeiten, geschweige denn eine 60 oder mehr Stundenwoche im Beruf zu haben.

Häufig schwenkt dann die Argumentation dahingehend um, dass es ja auch ungerecht ist, dass man solche Führungspositionen lediglich in Vollzeit wahrnehmen können, man müsste Teilzeitstellen für Führungspositionen anbieten.

Das erscheint mir als vollkommen bizarre Forderung. ein DAX Unternehmen wird man nicht in Teilzeit führen können.

Man möchte jemanden, dessen oberste Priorität und das Unternehmen ist und der jede Zeit, die dafür erforderlich ist, auch aufwendet. Dafür bekommt er als Entschädigung ein sehr hohes Gehalt, weil seine Verantwortung umfassend ist und er  jederzeit bereit sein muss für das Unternehmen zu arbeiten. Er kann sich nicht darauf berufen, dass er jetzt Feierabend hat, wenn etwas wichtiges ansteht. Platz 1 in seinem Leben muss eben der Job sein.

Ich bezweifle auch, dass dies überhaupt sinnvoll und erfolgreich betrieben werden kann. Zwei Geschäftsführer erfordern erst einmal, dass diese sich über jede Sache absprechen müssen und dass diese sich widersprechen können. Es nimmt gerade den Vorteil, dass jemand Entscheidungen treffen kann, weg und verlagert dies auf zwei Personen, die sich bei einer Teilzeitstelle dann noch nicht einmal unbedingt sehen.

Bei einem wichtigen Deal wäre es dann so, dass man vormittags mit der einen Person und nachmittags mit der anderen Person reden müsste, wenn anspruchsvollere Vertragsverhandlungen anstehen.

Mir ist auch kein Unternehmen mit größerem Zuschnitt bekannt, dass eine Teilzeitstelle für die overe Führungsebene ausgeschrieben hat und damit erfolgreich war. SAP, so wurde mir in einer Diskussion entgegengehalten, hatte mal „Co-CEOs“, wobei die meines Wissens nach beide Vollzeit gearbeitet haben und man das Modell nach 4 Jahren abgeschafft hat.

Das Modell bietet viele Risiken: Beide müssen sich für gleich gut halten und gleich gut sein, sie müssen beide bereit sein im gleichen Umfang zu arbeiten und sie müssen sich gut verstehen, damit sie gut zusammenarbeiten können. Beides kann sich auch dann innerhalb des Jobs ständig ändern und bietet die Gefahr von Konflikten und Machtkämpfen. In „echter Teilzeit“ kommt noch dazu, dass niemand das Gefühl haben darf, dass der andere ihm die blöden Sachen übrig lässt aber Erfolge für sich verbucht.

Wer andere Beispiele kennt, der mag diese gerne nennen.

Bei einem kleinen Unternehmen mag dies noch gehen, ab einer gewissen Größenordnung und internationaler Geschäfte, die Probleme in jeder Zeitzone verursachen können erscheint dies aus meiner Sicht eher lebensfremd.

Es ist aber natürlich ein guter Wandel in der Argumentation aus deren Sicht. Wenn man zugeben muss, dass Frauen im geringeren Maße bereit sind solchen aufwendigen Jobs nachzugehen, dann bleibt eben nur noch die Flucht dahin, dass sich dann die Jobs ändern müssen, damit die Frauen diese entsprechend ausüben können.

Es wurde sogar schon einmal eine Quote für Teilzeitkräfte ins Gespräch gebracht. Das diene dann doch auch Männern. Das ist eine bizarre Vorstellung, die einer  einseitigen Perspektive geschuldet ist. Wie soll man bestimmen, welches Unternehmen nun Teilzeitkräfte im oberen Bereich wie vergeben muss? Jedes Unternehmen wird versuchen sich darum zu drücken und nach Möglichkeit seine Führungsposition mit jemanden besetzen zu können, der bereit ist seine vollste Kraft in das Unternehmen zu stecken. Er wird sich aber nicht zwei Teilzeitkräfte für den gleichen Job anstellen wollen, die sich die sich dann darauf berufen können, dass gerade der andere Dienst hat. Es wäre aus meiner Sicht ein großer Nachteil für jede Firma mit dieser Konstellation in den Wettbewerb gehen zu müssen

Schließlich wurde noch angeführt, dass ja nicht erwiesen ist, dass es nicht klappt, man es also einfach versuchen könne, vielleicht würde es zu einer besseren Gesellschaft führen, in der alle mehr vom Leben haben. Mein Einwand, dass Frauen ja gerne Firmen gründen oder übernehmen könnten und es dort ausprobieren können, aber wohl kaum verlangen können, dass man das in einem Großexperiment mit evtl fataler Wirkung ausprobiert wurde nicht positiv aufgenommen.

Bis zu welcher Position kann man aus eurer Sicht solche Jobs in Teilzeit machen und ist das ein gutes Mittel?

41 Gedanken zu “Führungspositionen als Teilzeitjob

  1. In meiner Vergangenheit habe ich das auf Gruppenleiterebene erlebt und da war es letztendlich so, dass jemand anderer immer zur Verfügung stand und die Gruppe ausserdem ein hohes Maß an Selbstorganisation hatte. Ich empfand das als unfair. Auch weil es offensichtlich nur darum ging eine Quote zu erfüllen.

  2. Teilzeit und Flexibilität sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Als Führungskraft in einem Kleinstbetrieb (knapp 10 Leute) kann ich tatsächlich mit einem Teilzeitpensum arbeiten, wenn ich das möchte. Aber es ist notwendig das man manchmal deutlich überdurchschnittlich viel arbeitet. Häufig wollen Leute die Teilzeit arbeiten aber auch nur fixe Zeiten und sichere Freiräume um andere dinge abdecken zu können. spätestens mit einer solchen Position ist das Übernehmen von Führungsverantwortung kaum mehr möglich.

  3. Es sind immer die gleichen Muster: Die Feministinnen jammern passiv aggressiv herum und erwarten, dass ihnen jemand (die Männer) die Welt gefälligst so macht, wie sie es haben möchten. Die Reinkarnation der höheren Töchter aus bürgerlichem Hause aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg halt. Dazu passt auch die weit verbreitete neoviktorianische Prüderie.

  4. Ich kann nur aus anderem Kontext, aus dem der Schule, etwas dazu beitragen, aber es lässt sich vielleicht auf Führungspositionen übertragen.

    In der Schule gibt es sehr gute Möglichkeiten, in Mutterschutz zu gehen und auch eine Weile dort zu bleiben. Das wird auch von allen mitgetragen. Kaum thematisiert wird allerdings, was das andere kostet. Wer im Schuljahr für eine Kollegin einspringt, die in den Mutterschutz geht, bekommt dabei zwar Überstunden angerechnet – aber die Stunden kommen dann eben zu einem eh schon vollen Plan noch dazu. Im letzten Schuljahr hatte ich dadurch z.B. statt einem Leistungskurs zwei im Abitur. das ist etwas anderes, als wenn ich die Stunden bei gleichmäßiger Belastung gegeben hätte.

    Durch das Ausfallen oder Zurückkommen von Kolleginnen (seltener Kollegen) mitten im Schuljahr werden zudem die eh schon komplexen Stundenpläne noch einmal komplizierter. Vor allem Mütter haben oft recht strikte Vorstellungen davon, dass sie zu bestimmten Stunden (etwa zu den ersten beiden) nicht unterrichten können, weil sie dann ihre Kinder zur Schule bringen müssten etc. Wenn das jeweils berücksichtigt wird, bedeutet das zwangsläufig ungünstigere Stundenpläne für andere.

    Vor allem muss klar sein (ist es aber seltsamerweise nicht): Wenn viele in Teilzeit arbeiten, und das sind auch an den Schulen deutlich mehr Frauen als Männer – dann müssen mehr Arbeitskräfte eingestellt werden. Der Lehrkräftemangel gerade an den extrem lehrerINNENlastigen Grundschulen ist auch dadurch bedingt, dass die Teilzeitquote von Frauen größer ist als die von Männern.

    Das ist keine Schuld der Frauen, sondern eine der bildungspolitischen Planung. Deren Versäumnisse haben aber m.E. einen Grund, der auch hier in diesem Text relevant ist. Es mag gut und richtig sein, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, und es wird m.E. auch von einer großen Mehrheit mitgetragen. Aber dadurch verschwinden nun einmal die pragmatischen Anforderungen der Arbeit nicht.

    Es hat auch keinen Sinn, wenn behauptet wird, dass Männer doch ihrerseits noch viel mehr von diesen familienfreundlichen Bedingungen profitieren sollten. Meine Beispiele oben sollten ja eben etwas zeigen, was sicherlich in andere Bereiche übertragbar ist: Der familienfreundliche Arbeitsplatz funktioniert nur so lange, so lange genügend andere Menschen einspringen können, die eben gerade NICHT auf diese Weise arbeiten.

    Das heißt: Die Diskussion krankt daran, zu wenig Rücksicht auf die pragmatischen Anforderungen der Arbeit zu nehmen – und die Menschen zu ignorieren, die einspringen müssen, um die Work-Life-Balance anderer zu sichern.

    Wenn ich das aus meinem Erfahrungsbereich übertrage, bedeutet das für Führungskräfte möglicherweise: Teilzeit bei Führungskräften ist so lange möglich, so lange genügend Führungskräfte verfügbar bleiben, die eben nicht in Teilzeit arbeiten. Das legt es allerdings auch nahe, dass eine Teilzeit-Führungsposition als Alibi-Stelle eingerichtet wird, auf die dann eben auch jederzeit verzichtet werden kann, wenn es sein muss.

    • “ Das legt es allerdings auch nahe, dass eine Teilzeit-Führungsposition als Alibi-Stelle eingerichtet wird, auf die dann eben auch jederzeit verzichtet werden kann, wenn es sein muss.“

      Und eine Stelle, auf die jederzeit verzichtet werden kann, wenn es sein muss, kann keine Führungsstelle sein.

    • „Der Lehrkräftemangel gerade an den extrem lehrerINNENlastigen Grundschulen ist auch dadurch bedingt, dass die Teilzeitquote von Frauen größer ist als die von Männern.“

      Nicht nur da.
      Mal kurz nach Baden-Würtemberg geschaut:
      „Wie man es auch rechnet: In Baden-Württemberg fehlen Lehrer, vor allem in den Naturwissenschaften. Derzeit sind 560 Lehrerstellen nicht besetzt, darunter 300 an Grundschulen und viele im ländlichen Raum.“

      Wollen wir kurz „Lehrer“ geschlechtergerecht übersetzen?
      Hingegen die Überschrift geschlechterkorrekt: „Lehrer sollen Überstunden machen“

      „Das ist keine Schuld der Frauen, sondern eine der bildungspolitischen Planung.“

      Die damit rechnen soll, dass man für eine Vollzeitstelle in der Planung zwei Frauen ausbilden muss? Womit sich also gesellschaftlich die Ausbildungskosten pro Planstelle faktisch verdoppeln?
      Wie lässt sich eigentlich Gleichheit der Entlohnung vor diesem Hintergrund rechtfertigen?

      Angenommen wir verstehen das kostenlose Studium in Deutschland als Kredit der Gesellschaft an den Einzelnen und ein Geschlecht gedenkt von vorne herein nur die Hälfte seiner Arbeitskraft einzusetzen, um diese Schuld zurück zu bezahlen – was ist das eigentlich für ein Verständnis von Gerechtigkeit?!

      „Deren Versäumnisse haben aber m.E. einen Grund, der auch hier in diesem Text relevant ist. Es mag gut und richtig sein, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, und es wird m.E. auch von einer großen Mehrheit mitgetragen. Aber dadurch verschwinden nun einmal die pragmatischen Anforderungen der Arbeit nicht.“

      Die Erfahrung meines Vaters bereits in der DDR waren, er hat sich jede angebotene Stelle vorher angeschaut und waren überwiegend junge Frauen beschäftigt, hat er sich umgedreht und dankend abgelehnt.
      Denn die zahlreichen Vergünstigungen in Sachen „Vereinbarkeit“ und „Familienfreundlichkeit“ in der DDR adressierten immer junge Mütter und ignorierten junge Väter.
      Überstunden, Nachtarbeit, Wochenendarbeit war Männern/jungen Vätern immer zumutbar – Frauen mutierten bei diesen Anforderungen schnellstens zu schutzbedürftigen Müttern.

      „Pragmatismus“ ist übersetzt eine sehr einseitige Anforderung an ein Geschlecht.
      Er bedeutet nichts anderes, als Zielerreichung fix zu setzen und einzukalkulieren, dass sich ein Geschlecht um die Erreichung dieses Ziels einen Scheißdreck kümmern wird.
      Eben: „Lehrer sollen Überstunden machen“

      • Wir fassen mal wieder kurz und knackich:
        Teilzeit in einem Ausbildungsberuf ist ein kleines Luxusleckerli, daß man sehr beliebten und guten Hochleistungsmitarbeitern mal kurzfristig gewähren kann, wenn es besondere Umstände arbeitnehmerseitig gibt und der Rest der Belegschaft bereit ist dafür mehr zu schuften.
        Ansonsten, oder gar als aggressiv vertetener Anspruch, deutet es auf betriebsschädigende Dissozialität hin, weshalb man solche Kandidaten konsequent des Hauses verweisen sollte.

        Und ja, ich habe auch schon Teilzeit gearbeitet, war dafür aus ökonomischen Gründen allerdings vollzeit außer Haus.

      • @ crumar „„Pragmatismus“ ist übersetzt eine sehr einseitige Anforderung an ein Geschlecht.“ Grundsätzlich sind es erst einmal Anforderungen, die sich aus der Sache ergeben und mit dem Geschlecht wenig zu tun haben. Sie sind weder eine patriarchale Gemeinheit, um Frauen aus dem Beruf draußen zu halten, noch sind sie prinzipiell spezifische Aufgaben für Männer.

        Ein Beispiel aus der Schule, weil ich diesen Kontext gut kenne: Würden alle Lehrer erklären, dass sie zu bestimmten Stunden aus privaten Gründen nicht arbeiten können – dann könnten Eltern ihr Kinder nur zu unregelmäßigen Zeiten zur Schule bringen, meist nach zehn Uhr, oft nach elf, manchmal vielleicht auch früher. Falls jemand ausfiele, würde sich der Stundenplan sofort ändern. Die stillschweigende Funktion, dass Kinder in der Schule zu verlässlichen Zeiten beaufsichtigt sind und die Eltern so einer Arbeit nachgehen können, wäre erledigt.

        Solange diese Funktion aber erwünscht ist, gibt es pragmatische Anforderungen an die Arbeitszeiten, die sich einfach aus der Sache ergeben. Einen geschlechtsspezifischen Drall bekommen sie dadurch, dass das Gerede über „Vereinbarkeit“ und „Work-Life-Balance“ erstens weitgehend auf Frauen fixiert ist und sich zweitens um die pragmatischen Anforderungen des Berufs nicht sonderlich kümmert. Erst dadurch entsteht der stillschweigende Appell an Männer, dass sie sich doch bitteschön allein darum zu kümmern hätten, wenn nötig mit Hilfe der kinderlosen Frauen.

        Nächster Punkt: Eine bildungspolitische Planung, die „damit rechnen soll, dass man für eine Vollzeitstelle in der Planung zwei Frauen ausbilden muss?“ Ich verstehe den Punkt, aber welche Möglichkeiten gäbe es denn, etwas daran zu ändern?

        Zulassungen von Frauen zu Ausbildung und Uni einzuschränken käme nicht in Frage – das würde nur den geschlechterpolitischen Blödsinn wiederholen, Einzelne wegen allgemeiner statistischer Daten zu benachteiligen. Es gibt immerhin auch Frauen auf Vollzeitplätzen – warum sollten die eingeschränkt werden, nur weil statistisch Frauen häufiger in Teilzeit gehen als Männer?

        Man könnte auch die Möglichkeit einer Ausbildung bzw. eines Studiums an die Verpflichtung für eine Vollzeittätigkeit über, z.B., zehn Jahre koppeln. Aber wie soll das funktionieren, wenn jemand nach abgeschlossenem Studium angibt, nicht mehr Vollzeit arbeiten zu können, aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Kinderbetreuung? Beträchtliche Entschädigungszahlungen – womöglich für eine junge Familie?

        Bleibt die dritte Möglichkeit, Teilzeitarbeit einzuschränken. Das wird an den Schulen tatsächlich auch schon gemacht – aber gerade familiäre Gründe zählen hier weiterhin sehr viel. Ich sehe kaum Möglichkeiten, das zu ändern.

        Natürlich kannst Du aber vertreten, dass das Problem noch deutlich tiefer geht als von mir beschreiben, und damit hast Du Recht. Nur wäre es wichtig, überhaupt erst einmal die OBERFLÄCHE des Problems wahrzunehmen – die Selbstverständlichkeit zu registrieren, dass mehr Teilzeitarbeit mehr Arbeitskräfte notwendig macht – und dass bei einem hohen beruflichen Frauenanteil aufgrund der statistisch deutlich höheren Teilzeitquote ein Arbeitskräftemangel zu erwarten ist, wenn man die Sache einfach laufen lässt.

        Eine der möglichen Reaktionen könnte z.B. darin bestehen, sich gezielt darum zu bemühen, Männer auszubilden und einzustellen. Gerade in der Medizin z.B., mit einem deutlichen Frauenüberhang im Studium ( https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200758/umfrage/entwicklung-der-anzahl-der-medizinstudenten/ ), wäre das wichtig – nicht nur, weil das Medizinstudium sehr teuer und das Missverhältnis zwischen Bildungsinvestition und Ertrag hier besonders groß ist.

        Hier hängt der große Frauenanteil im Studium offensichtlich auch mit den Aufnahmeregelungen zusammen: Wenn die Abiturnote eine entscheidende Bedeutung hat, haben aufgrund der schulischen Nachteile von Jungen junge Frauen gegenüber jungen Männern einen deutlichen Vorteil. Hier steuert das System also offenen Auges in einen deutlichen Frauenüberhang – und daran ließe sich auf sehr einfach Weise etwas ändern. Nicht nur zum Nutzen des Berufsfeldes, sondern auch, weil es auch schlicht fairer wäre.

        Wir brauchen uns also gar nicht mit Tiefenproblemen zu befassen, für die es zur Zeit kaum eine Lösung gäbe, solange wir realistische Maßnahmen, die sich an der Oberfläche anbieten, außer acht lassen.

        • Ergo: Quoten mit Verstand setzen.
          Max. x Jahre pro Frau und ( akut bedürftigem ) Kind und max. y % der Mitarbeiterschaft eines Betriebs.
          Selbstverständlich freiwillig, also ohne Zwang auf den Arbeitgeber, der auch gern ausschließlich Vollzeit fahren kann.
          Geht’s dem Betrieb gut, kann er Luxusleckerlis verschenken, geht’s nicht, wird nach Vollbedarf malocht.

        • @Lucas

          Kurz Zahlen (OECD 2017, angeordnet und herv. von mir):
          „Wie in allen anderen Ländern der OECD arbeiten vor allem Frauen im Lehrerberuf. Vor allem in den ersten Klassenstufen gibt es sehr viele weibliche Lehrkräfte. So sind rund

          – 87 Prozent aller Grundschullehrer Frauen, an Gesamtschulen und Gymnasien sind es
          – 66 Prozent und an der gymnasialen Oberstufe 53 Prozent. Im Tertiärbereich, also etwa an Hochschulen und Universitäten, beträgt der Anteil 38 Prozent.

          Der Anteil weiblicher Lehrkräfte hat sich zudem in den vergangenen Jahren noch mal erhöht. An Gesamtschulen und Gymnasien sind
          73 Prozent aller Lehrkräfte unter 30 Jahren weiblich, gegenüber 49 Prozent der Lehrkräfte ab 50 Jahren.

          Auch an Deutschlands Hochschulen sind Frauen in pädagogischen Fächern überrepräsentiert: 80 Prozent der Studienanfänger sind in diesem Bereich weiblich.“

          Dies sind erst einmal die Fakten und womit in absehbarer Zukunft gerechnet werden muss.
          Dass „bei einem hohen beruflichen Frauenanteil aufgrund der statistisch deutlich höheren Teilzeitquote ein Arbeitskräftemangel zu erwarten ist, wenn man die Sache einfach laufen lässt“, ist so etwas von absehbar, ich frage mich, ob die Planer realitätsblind sind.

          „Eine der möglichen Reaktionen könnte z.B. darin bestehen, sich gezielt darum zu bemühen, Männer auszubilden und einzustellen.“ – das wäre in der Tat die einzige pragmatische Lösung, wenn man sonst gezielt nichts ändern oder auch nur ansprechen will.

          Ich betone es gerne, ich habe nichts gegen pragmatische Lösungen. Aber ausgehend von der Quantität ist meine Einschätzung, es wird eine qualitative Änderung geben müssen. Denn solange „Vereinbarkeit“ und „Work-Life-Balance“ weitgehend auf Frauen fixiert ist, wird die Erfüllung der pragmatischen Erfordernisse des Berufs zwangsläufig bei Männern (und kinderlosen Frauen) auflaufen.

          Ist es übrigens nicht lustig, dass die mediale Darstellung des Problems wie von selbst ins generische Maskulinum zurückfällt? Wo sind eigentlich die Gendersternchen, wenn man sie am dringendsten braucht???

          • „Auch an Deutschlands Hochschulen sind Frauen in pädagogischen Fächern überrepräsentiert: 80 Prozent der Studienanfänger sind in diesem Bereich weiblich.“

            Da ich in den letzten Jahren ein paar mal Bemerkungen junger Damen gehört habe, wie z.B. „Ich habe sogar/erstmal auf Lehramt studiert“, frage ich mich, ob das entweder eine Modeerscheinung, oder wohlmögl. ein „Einstiegs- o. Brückenstudium“ ist. Alles Mädels, die dann NICHT Lehrer geworden sind.

          • @Fiete
            87 Prozent aller Grundschullehrer sind bereits jetzt Frauen, an Gesamtschulen und Gymnasien sind bereits jetzt 73 Prozent aller Lehrkräfte unter 30 Jahren weiblich.

            Das kann man also nicht als vorübergehende „Modeerscheinung“ ansehen.
            Einerseits wird damit der komplette schulische Sektor verweiblicht und andererseits kann man auch sehen, das Frauenboot ist voll.

          • @ Crumar: Schon klar, mir ging es darum, warum das Lehramtstudium immer noch so begehrt ist. Es muß denen doch mal klar werden, daß sie unmöglich alle Lehrer werden können und in der Tat hatte ich bei den paar aus meinem letzten Kommentar stark den Eindruck, daß die das auch gar nicht wollten.
            Wo ist da der Trick/Haken/die Hintertür, oder was sonst bringt die dazu vollkommen unsinnig einen ganzen ( insofern Spezial-)Studienbereich, noch dazu einen, wo grundsätzlich mehr gute und dafür talentierte Leute dringend gebraucht werden, nutzlos bis unverantwortlich zu blockieren?
            Einfach „weil sie es können“ finde ich da arg dünn.

          • „Einfach „weil sie es können“ finde ich da arg dünn.“

            Tja.
            Was erwartest du von mir?
            Weil sie es können ist die richtige Antwort.

          • Ergänzung zu „Weil sie es können“:

            Frauen machen am liebsten, was alle anderen auch machen.
            Krabbenkorb, ick hör dir trapsen.
            Und da sie keiner abhält und es auch keine absehbaren negativen Konsequenzen für sie hat, machen sie es halt.

          • @Crumar:
            „„Einfach „weil sie es können“ finde ich da arg dünn.“

            Tja.
            Was erwartest du von mir?
            Weil sie es können ist die richtige Antwort.“

            Nunja, von Dir nix, aber kann das wirklich alles sein? Ich mein ( @Chrissy fängt schon wieder an schwer zu atmen, aber was soll ich sonst sagen? ), können Menschen, die scheinbar irgendwie außerhalb beschützender Werkstätten überleben, dermaßen saudämlich sein? Ohne, daß mal ein Struppy-Auto kommt und sie mit Ärmel nach hinten in die Klapse transportiert?
            Diese Femizombies ja nun schon ein heftig destruktiver Faktor auf diesem Planeten!
            Das ist doch ( sehr höflich gesagt ) Bandenmäßige Fremd- u. Eigengefährdung!

        • @Lucas

          Zulassungen von Frauen zu Ausbildung und Uni einzuschränken käme nicht in Frage – das würde nur den geschlechterpolitischen Blödsinn wiederholen, Einzelne wegen allgemeiner statistischer Daten zu benachteiligen. Es gibt immerhin auch Frauen auf Vollzeitplätzen – warum sollten die eingeschränkt werden, nur weil statistisch Frauen häufiger in Teilzeit gehen als Männer?

          Es gibt hier einen kleinen Unterschied zum geschlechterpolitischen Blödsinn. Die Frauenquote hat im bestenfall keine Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, in vielen Fällen wird sich die Arbeitsleistung verschlechtern, insbesondere wenn eine weniger gut geeignete Bewerberin die Stelle erhält und talentierte Männer aussortiert werden. In jedem Fall ist die Frauenquote ungerecht, wenn ein Bewerber nur deshalb die Stelle nicht bekommt, weil er das falsche Geschlecht hat. Bei einer Männerquote oder vergleichbare Maßnahme sieht es möglicherweise etwas anders aus. Es ist natürlich genauso ungerecht, weil es nun Frauen benachteiligt, weshalb eine solche Maßnahme nur dann gerechtfertigt wäre, wenn sie deutliche Vorteile für die Allgemeinheit bewirkt. Das könnte z.B. der Fall bei der Ärzteausbildung sein. Weil Frauen häufiger und länger pausieren bzw. in Teilzeit arbeiten und auch seltener bereit sind als Ärztin auf dem Land zu praktizieren etc. verschlechtert sich die medizinische Versorgung durch den hohen Frauenanteil. Eine Männerquote könnte demzufolge die medizinische Versorgung für die Allgemeinheit verbessern. Hier müsste man sorgfälltig abwägen. Ähnliches lässt sich auch zur Schulbildung sagen.

          Aber wir sind uns einig, realistisch ist eine Männerquote eh nicht, so dass dies nur ein theoretisches Gedankenspiel ist. Erfolgversprechender ist dann schon dein nächster Vorschlag:

          Man könnte auch die Möglichkeit einer Ausbildung bzw. eines Studiums an die Verpflichtung für eine Vollzeittätigkeit über, z.B., zehn Jahre koppeln. Aber wie soll das funktionieren, wenn jemand nach abgeschlossenem Studium angibt, nicht mehr Vollzeit arbeiten zu können, aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Kinderbetreuung? Beträchtliche Entschädigungszahlungen – womöglich für eine junge Familie?

          Das ist erst einmal nichts ungewöhnliches; wer sich z.B. für die Ärzteausbildung bei der Bundeswehr entscheidet, muss sich für 17 Jahre im Sanitätsdienst verpflichten. Ich gehe davon aus, dass es hier auch Ausnahme- bzw. Härtefallregelungen gibt, eventuell auch aus gesundheitlichen Gründen. Kinderbetreuung zählt für mich im Allgemeinen nicht dazu. Denkbar wäre aber z.B. die Geburt von behinderten Kindern die zusätzliche Betreuung erfordern usw.

          Ich denke eine Verpflichtung ist tatsächlich die beste Variante, um hier eine Verbesserung herbeizuführen. Zum einen wird niemand aufgrund des Geschlechtes diskriminiert, andererseits wird auch klar, dass die Ausbildung der Allgemeinheit etwas kostet.

      • Das macht sich auch zunehmend unangenehm in anderen Berufen bemerkbar: Veterinärwesen und Humanmedizin z.B.. Das studieren sehr viele Frauen, aber nur die wenigstens wollen z.B. eine Großtierpraxis auf dem Land haben oder im Krankenhaus endlose Schichten (gerne Nachts und am Wochenende) schieben.

        • Ja, das sind u.a. die gesellschaftlichen Auswirkungen, vor denen mir ziemlich graut.

          Arne hat unlängst über den Fall berichtet, dass ein ganzes Gericht eigentlich den Laden zumachen konnte, wie eine Alterskohorte Juristinnen geschlossen schwanger wurde und in die Elternzeit ging.

          Auch weil die KKs Landärzte generell beschissen entgelten und keiner den Job machen will, ist die „intelligente“ Idee, polnische Ärzte zu importieren.
          Ich habe nichts gegen polnische Ärzte, aber die Idee, nicht die Bedingungen zu ändern oder das großzügig ausgebildete Personal zu verpflichten, sondern lieber das Personal auszutauschen und alles zu lassen wie es ist, ist so bizarr wie typisch.

          • Hatte ich doch letztens ( im Eindhoventhread ) gerade beschrieben, wie sehr die Folgen dieses Irrsinns heute schon in akute Lebensgefahr für Mensch und Tier ausarten.
            Was @Claudia als „schönes und mächtiges Zeichen für die Gleichstellung“ interpretierte, geht es doch bloß um den Verlust von ein paar Disposibles und den Tod „zukünftiger“ Menschen und Tiere, die ihr sowieso am Arsch vorbeigehen.
            Soviel zum Thema „feministische Empathiefähigkeit“. Da ist nix außer eiskalter Rachsucht und krankhafter Mißgunst.

          • @Fiete

            Ich glaube, dass das von Lucas aufgemachte Thema der „pragmatischen Anforderungen, die sich aus dem Beruf ergeben“ einfach nicht feminin-istisches Thema waren und sind.

            Wenn man sein Thema vom Individuum her denkt, dann setzt Lucas das Handeln „in gesellschaftlicher Verantwortung“ immer schon voraus.
            Das Individuum sieht seine Rolle in der Sicherung der Funktion des Gesamtsystems – das transformiert sich in individuelle (und individuell so empfundene) pragmatische Handlungszwänge.
            Insofern eine individuelle Einsicht in die Notwendigkeit der individuellen Beteiligung an der Sicherung der Funktion des Gesamtsystems vorliegt.
            Da sehe ich das Problem.

            Wenn Claudia ein „schönes und mächtiges Zeichen für die Gleichstellung“ der Sicherung der Funktion des Gesamtsystems vorzieht, dann ist sie nicht einmal bösartig, sondern sie denkt einfach anders als wir.
            Wäre meine These.
            Ich wiederhole also: Das männliche Individuum sieht seine Rolle in der Sicherung der Funktion des Gesamtsystems – das transformiert sich in individuelle (und individuell so empfundene) Handlungszwänge.

            Claudia bedenkt nicht mögliche negative gesellschaftliche Konsequenzen ihrer Forderung, weil für sie der positive (moralische) Gehalt der Forderung identisch ist mit den positiven Folgen der Umsetzung der Forderung. Was wir betreiben, nämlich grob gesellschaftliche „Handlungsfolgenabschätzung“ und vor allem „Risikoabschätzung“ stellt diese Bezüge her, berücksichtigt nicht intendierte Folgen und Fernwirkungen, die für Frauen (und Vertreterinnen des bürgerlichen Feminismus) einfach nicht zu existieren scheinen.

            Es ist nicht unsere Denkweise, weil wir in mitgedachten gesellschaftlichen Bezügen und möglichen Konsequenzen von Handlungen denken. Dadurch wirkt die Denkweise von Claudia auf uns bizarr selbstbezüglich, naiv und narzisstisch.
            Wenn du ihr deine Einwände gegen „schönes und mächtiges Zeichen für die Gleichstellung“ präsentierst fürchte ich, sie begreift deine Einwände einfach nicht im von dir gemeinten Sinn.
            Ihre Verkürzung deines Arguments auf „Er ist gegen Gleichberechtigung!“ ist m.E. ihr Gedankenhorizont.
            Was du als bösartig empfindest, sind u.U. einfach nur ihre Grenzen.

            Vielleicht, nur ganz vielleicht sollten wir annehmen: Sie kann, sie können einfach nicht anders.
            Das ist der Horizont des bürgerlichen Feminismus und Feminin-ismus.

          • „Das ist der Horizont des bürgerlichen Feminismus und Feminin-ismus.“

            Gar nicht auszudenken, wenn Du recht hättest. 😦

          • @carnofis

            Ich habe das als These einfach mal in den Raum geworfen.
            Bei all meinen Exen ist mir aufgefallen, es fiel ihnen sehr schwer von sich selbst zu abstrahieren und das waren keine Doofen, sondern u.a. solche mit Promotion.
            Bei jeder Begegnung mit (bürgerlichen) Feministinnen das gleiche Spiel.
            Es ist völlig egal, um welches Thema es sich handelt, sie sind unfähig, sich in ein (Gesamt-) Verhältnis zu setzen.

            Wir hatten das schon beim Thema Sexualität – was hinreichend intim ist – sie sind nicht in der Lage, sich als eine statistische Kennziffer zu sehen und sich in das Antwortverhalten der Mehrheit einzuordnen und sich demgegenüber zu verhalten.
            Das schreit nach der Befähigung einer konzeptiven Ideologin, die eigene Erfahrungswelt absolut zu setzen – es ist für sie (und nur für sie) tatsächlich deckungsgleich zur Erfahrung der Mehrheit.
            Für sie ist die Erfahrung der Mehrheit nur als Verlängerung ihrer eigenen vorstellbar.
            Es ist völlig egal, um welche es sich handelt.

            Wenn ich von dem ideologischen Mehrwert abstrahiere, bleibt nur eine gigantische Unfähigkeit.
            Sie können es nicht, selbst wenn sie es wollten.

          • „Sie können es nicht, selbst wenn sie es wollten.“

            Um es zu wollen, müssten sie verstehen, dass sie es nicht können.

            Das von dir als These in den Raum gestellte, ist bisher das einzige Modell, das feministisches Denken und Argumentieren auch nur im Ansatz erklären kann.

            Ich nehms daher als Arbeitshypothese.

          • @Crumar:
            Phooohaaa! Und das schreibst Du mal eben so knochentrocken herunter ….

            In der Tat, komme ich langsam zu dem Schluss, daß sämtliche alternativen Denkansätze hier mehr als ausreichend versucht und x-fach falsifiziert wurden.
            V.dh. ist es für mich mich langsam keine These mehr, sondern – freundlich gesagt – eine Feststellung, unfreundlicher: Das hat Differententialdiagnosequalität!

            „Ich glaube, dass das von Lucas aufgemachte Thema der „pragmatischen Anforderungen, die sich aus dem Beruf ergeben“ einfach nicht feminin-istisches Thema waren und sind.“

            Ganz offensichtlich, ich vermute da zwar ein religiotisches Tabu, aber anyway, der dazugehörige Denkprozess findet eindeutig überhaupt nicht statt.

            „Wenn Claudia ein „schönes und mächtiges Zeichen für die Gleichstellung“ der Sicherung der Funktion des Gesamtsystems vorzieht, dann ist sie nicht einmal bösartig, sondern sie denkt einfach anders als wir.“

            Hust! Okay, gesetzt es ist einfach eine irgendwie geartete Behinderung. Wie soll man, wie soll eine Gesellschaft damit umgehen?
            Zumal die Sache offenbar hochinfektiös ist, man denke nur an die Gretahüpfer ( „für Umwelt und Klima“, ha ha! ), die bei ihren Ritualen Berge von Müll, meist aus Plastik und Alu, hinterlassen und den alten weißen Knackern auch noch die Schuld dafür andichten. Das muß doch, schon aus Umwelt- u. Klimagründen, mal beendet werden, so geht es einfach nicht weiter, außer als überproportionales race-to-the-bottom! Siehe auch Luise Neubauer, die es als absolute Notwendigkeit ansieht, selbst aus reiner Dollerei andauernd in Jets durch die Gegend zu düsen, und ( um ) es allen anderen zu verbieten.

            „Ich habe das als These einfach mal in den Raum geworfen.“
            Wie gesagt, mittlerweile denke ich, wir müssen das – @only deutet es auch schon an – als Arbeitshypothese ( bzw. von derselben ) zur Grundannahme machen, QED!

            @Uepsieeee!!! @Mitm!!! Hier gibt es was wichtiges zu konservieren!

          • @only:
            „Um es zu wollen, müssten sie verstehen, dass sie es nicht können.“
            Knackich auf den Punkt! Da das aber ( ganz aktuell ) erwiesenermaßen umöglich ist, muß es – wenigstens da wo es Folgen hat – so langsam mal unterbunden werden. Oder möglichst schnell aussterben. Zweiteres ist allerdings eine recht unsichere Option.

          • @Fiete

            Wichtig ist mit, das hier nicht zu einer Allaussage werden zu lassen; weder trifft meine These für alle Frauen zu, noch für alle Feministinnen. Ich denke, eine solche These wäre durch die Existenz einer Anne und einer Sarah Wagenknecht schnellstens widerlegt.

          • @Crumar:
            Is schon klar, #notall…
            Wobei ich bei Femis unterscheide, alle echten schon. Ich denke, nicht zutreffen kann das eigentlich nur bei unbedarften und ignoranten Mitläufern und Trittbrettfahrern ( da ist die kritische „Inkubationskonzentration“ noch nicht erreicht ), wer aber erst einmal ernsthaft infiziert ist, bekommt diese „Störung“ unweigerlich, anders kann dieses bizarre Weltbild nicht aufrechterhalten werden.

  5. Also spätestens, wenn es um die Lecker-Lecker-Posten geht, in denen Frauen noch am deutlichsten unterrepräsentiert sind, wird man um Vollzeit+ nicht drum herumkommen. Teilzeit ist vermutlich machbar, auf Teamleiter Niveau oder vielleicht noch ab Abteilungsleiter, oder Filialleiter, wenn man Jobsharing machen kann, sprich einer Vormittags, einer Nachmittags die Schicht übernimmt. Aber in der Regel funktioniert das nur, wenn sich ein Mann dazu bereit erklärt, denn Nachmittags wird auch keine Mutter mit Kleinkind übernehmen können, es sei denn die hat das so mit dem Vater geregelt. In jedem Fall ein Jobsharing immer etwas problematischer, je nachdem wie komplex und unternehmenskritisch die Aufgaben sind, um die sich der Sharer kümmern müssen.

  6. Was meiner Meinung nach bei Führungskräften oft übersehen wird, dass man nicht automatisch zu einer Führungsperson wird, nur weil man die Position erhält (z.B. über Quoten). Eine Führungsperson ist man vielmehr dann, wenn man sich diese Position und den Respekt der Mannschaft erarbeitet.

    Ich habe zwar nicht viel in der Zwangsdienstzeit bei der Bundeswehr damals gelernt, aber in Bezug auf Menschenführung und soziales Verhalten war manches ganz interessant zu beobachten.

    Nur, weil irgendein Berufssoldat quasi zwangsläufig einen höheren Dienstgrad hatte und somit in der Hierarchie über den Wehrpflichtigen stand, machte das ihn noch lange nicht zu einer respektierten Führungsperson. Er wurde es aber dann, wenn er tatsächlich die Führung übernahm, er also z.B.
    – aufgrund überlegenen Wissens von den Untergebenen respektiert und „bewundert“ werden konnte
    – er in Drucksituationen die (richtigen) Entscheidungen traf
    – er vor den nächst höheren Hierachien die Verantwortung für gesamte Mannschaft übernahm bzw. seinen Kopf hinhielt.

    War der Vorgesetzte hingegen jemand, der seine Autorität alleine aus seinem höheren Dienstgrad abzuleiten versuchte, er also eigentlich gar kein Teil der Mannschaft war, sondern sich für etwas Besseres hielt, der aber tatsächlich weder etwas besser konnte, noch seinen Kopf für die Mannschaft hinhielt, sondern stattdessen seine höhere Stellung nur dazu nutzte, die Verantwortung und unangenehmen Aufgaben nach unten hin abzuwälzen, dann war seine Position faktisch vollkommen überflüssig, weil die Führungsaufgaben dann ja in Wahrheit von allen anderen wahrgenommen wurden. Im Ernstfall würde auch keiner solchen Leuten folgen.

    Solche Leute sind für ein Team ziemlich überflüssiger Luxus und teamzersetzend, weil letztlich (wie Lucas Schoppe auh schon geschrieben hat) die Führungsaufgaben von anderen erledigt bzw. aufgefangen werden müssen, die aber kaum einsehen werden, weshalb die für ihre „Mehrleistungen“ nicht auch den „Mehrrespekt“ des höheren Dienstgrades in der Mannschaft erhalten.

    Teilzeitführungskräfte wären daher nur dann kein Problem, solange die anderen trotzdem noch zu ihnen aufschauen können, z.B. weil auch die Teilzeitführungskräfte überlegene Kenntnisse haben, auf die die gesamte Manschaft angewiesen ist, weil auch die Teilzeitführungskräfte jederzeit ansprechbar sind bzw. die Nachteile einer höheren Verantwortung für gesamt Truppe tragen, insbesondere in Drucksituationen ihren Kopf für die gesamte Mannschaft hinhalten. Es funktioniert dann, wenn die Mannschaft das Gefühl hat, dass der „Richtige“ über ihnen steht und von ihm Aufgaben übernommen werden, die die anderen nicht können oder nicht übernehmen wollen.

    Teilzeitführungskräfte sind hingegen genauso wie Vollzeitführungskräfte dann vollkommen überflüssiger Luxus auf Kosten der Gemeinschaft, wenn andere deren Aufgaben auffangen müssen und die Untergebenen nicht erkennen können, wieso sie zur „Führung“ überhaupt noch aufschauen sollten, weil diese sich die „Führung“ nicht erabeiten bzw. verdienen (höheres Wissen, Verantwortungsübernahme für das ganze Team, …).

    Und zum Schluss wie immer die Frage: Wer hindert die, die so gerne Teilzeitführungskräfte wären, eigentlich daran, selber Firmen zu gründen und seine Positionen genau nach seinen Wünschen auszugestalten? Wieso sollten andere die Nachteile davon tragen?

    • Gut zusammengefasst.
      Mein erster Vorgesetzter hat auch nicht geführt. Er hat zwar 50-60h gearbeitet, aber eben an Projekten als „Edelsachbearbeiter“. Seine Aufgaben wie z. B. Budgetplanung haben wir übernommen. Und wenn mal die Hütte gebrannt hat, dann mussten wir selber löschen.
      Vorgesetzte, die nicht für ihre Leute da sind bzw. in angemessener Zeit auf Anfragen reagieren, kannste knicken. Dann ist es auch egal, warum sie nicht da sind (eigene Projekte oder Teilzeit).

  7. „SAP, so wurde mir in einer Diskussion entgegengehalten, hatte mal „Co-CEOs“, wobei die meines Wissens nach beide Vollzeit gearbeitet haben und man das Modell nach 4 Jahren abgeschafft hat.“

    Sowas schreibst Du, ohne auch nur mal kurz zu googlen?

    „Im vergangenen Jahr sind wir dann dazu übergegangen, einzelne Positionen direkt als Co-Leadership-Positionen auszuschreiben. Das bedeutet, dass sich zwei geeignete Kandidaten zusammen auf diese Stelle bewerben und sich die Arbeit teilen. Ab sofort schreiben wir ausnahmslos jede Führungsrolle in Deutschland so aus, dass sie prinzipiell von zwei Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen besetzt werden kann. …

    Unser Tool funktioniert wie eine Partnerbörse. Passen die Präferenzen zusammen und versteht sich das potenzielle Co-Leadership-Tandem, bekommt es für die Bewerbung auf die Position die gleichen Chancen wie ein einzelner Bewerber. Seit Oktober haben wir unser Kollaborationstool SAP Jam für das Matching der Tandems im Einsatz. Hier lassen sich die Angaben allerdings nicht anonymisieren. Das wird sich ab dem zweiten Quartal mit einem neuen Tool ändern. …

    Schließlich arbeiten schon mehr als 80 Mitarbeiter in Deutschland – vorwiegend Frauen – als Teilzeitführungskräfte bei SAP.“

    https://news.sap.com/germany/2018/01/co-leadership-personal-management/

    • „Sowas schreibst Du, ohne auch nur mal kurz zu googlen?“

      Diesmal gibt’s ein ehrliches „Touché!“ 😀

      Irre, wem irre gebührt.

    • Allerdings frage ich mich, wie die höheren Transaktionskosten, die durch den Tandem-Betrieb entstehen, aufgefangen werden. Es ist systemimmanent, dass solche Konstruktionen einen zusätzlichen Abstimmaufwand zwischen den beiden Personen benötigt. Darüber hinaus können Entscheidungen auch länger brauchen, wenn sich die beiden uneinig sind. (SAP hat eine sehr hohe Nettorendite (~30%!), in renditeschwachen Branchen (Einzelhandel) könnten die höheren Kosten zu einem Problem werden.)

      Dagegen steht der Vorteil, sich beraten zu können, wenn die eigene Unsicherheit einer schnellen Entscheidung im Weg steht. Es können also auch eher entscheidungsschwache Personen in Führungspositionen aufrücken. Ob das langfristig ein Vorteil ist, lasse ich offen.

      Ist ein Tandem in Summe teurer als eine Einzelperson? Wie viel Arbeitszeit wird dadurch gespart? Ich schätze statt einer 60h-Woche hat man 2 40h-Wochen.

  8. Machen Führungskräfte irgendwas von Bedeutung? Mit dem eigentlichen Produkten haben sie i. a. nichts zu tun und könnten diese auch nicht herstellen.

    Mir ist natürlich klar, dass es im Verträge und Entscheidungen geht, aber es stellt sich schon die Frage, warum dies in Vollzeit und nicht mit aufgeteilten Aufgaben geschieht. Vorstand ist auch nicht eine Person, sondern ein Gremium, so dass nicht klar ist, warum keine weitere Unterteilung möglich ist und ggf. zuverlässiger funktioniert, weil man weniger von einer Person abhängt. Natürlich entspricht dies nicht dem heutigen Vorgehen, aber Dinge wie wechselnde Verhandlungspartner innerhalb weniger Stunden kann man lösen, wenn Teilzeit nicht Unflexibilität heißt.

    Denkt mal out-of-the-box und nicht fest in den heutigen Strukturen, die hier bald eh am Ende sind.

  9. „Machen Führungskräfte irgendwas von Bedeutung?“

    Führungskräfte heißen Führungskräfte, weil sie führen sollen.
    Und sie heißen Manager, weil sie managen sollen.

    In dieser schnellebigen Zeit muss man ggf. sehr schnell reagieren.
    Ein Mitarbeiter hat einen Unfall, er muss aus dem Team heraus sofort ersetzt werden. Wer soll es tun?
    Eine Reklamation kommt herein, der Kunde droht mit Konventionalstrafe, wenn er das Ersatzteil nicht in einer Stunde in seinem Prozess einbauen kann. Das Ersatzteil kann aber nur geliefert werden, wenn es aus einer anderen Anlage, die zur Auslieferung bereitsteht, ausgebaut wird.
    Aus der Produktion werden merkwürdige Phänomene gemeldet, sie muss ggf. angehalten werden.
    Wer entscheidet das? Einer muss seinen Kopf dafür hinhalten.

    Auf solche Fragen schnell reagieren zu können, entscheidet manchmal über Sein oder Nichtsein.
    In Sachen Produktion hatte meine Chefin – nachdem sie mich als einzigem Prozessexperten rausgemobbt hatte – eine falsche Entscheidung getroffen – und ihren Job verloren.

  10. Ach Leute, und wie glaubt ihr, dass zigtausende von Betrieben funktionieren, die rund um die Uhr laufen oder mehr als 8 Stunden offen haben? Krankenhaeuser, Polizei, Bundeswehr, Warenhaeuser, Versandhandel, etc. Und irren die Mitarbeiter ziellos umher, wenn der Chef mal 1,2,3 Wochen Urlaub hat?

    Dysfunktionale Teams merken kaum einen Unterschied, ob der Chef da ist oder nicht. Gut funktionierende Teams brauchen ihren Chef so gut wie nie. Es ist ja nicht so, dass Stromberg der taeglichen Realitaet entspricht, sondern eine Persiflage der kummulierten Inkompetenz war. Wenn man einen Tag in 8 Stunden Schichten zerhacken kann, geht das auch mit 4 Stunden Schichten.

    Viele der sogenannten Fuehrungspositionen, die den meisten bekannt sind, sind Positionen in denen i.W. Organisationsschemata abgearbeitet werden. D.h. eine uebergeordnete Art der Sachbearbeitung, mit festen Rahmenbedingungen. Ein Organisationsleiter ersetzt einen ausfallenden Mitarbeiter, hilft inkompetenten Sachbearbeitern, etc. Das sind zwar formell Fuehrungspositionen, aber praktisch sind sie es nicht. Fuehrung bedeutet langfristige Strategien zu entwickeln und flexibel umzusetzen, auch Visionen fuer die man nicht zum Arzt muss 😉 Das ist ein 24/7 Job. weil man staendig den Ueberblick ueber Markt, Kunden, Mitbewerb, politische, finanzielle Grosswetterlage etc. behalten muss.

    In dem Sinne haben die Feministinnen recht, da man den Grossteil der sog. Fuehrungspositionen (d.h. Organisationsleitung) auch in 4 Stunden Schichten zerhacken kann. Kostet natuerlich etwas Mehraufwand fuer den Betrieb, was sich i.A. in etwas niedrigeren Gehaeltern ausschlagen sollte. Wirkliche Fuehrungspositionen (die mit den hohen Gehaeltern) sind weder in 4h noch in 8h zu erledigen.

    • Ohne Frage. Im Regelbetrieb können Führungsaufgaben (Personal- und Budgetplanung usw.) durchaus gesplittet werden.
      Wenn es um Schichtbetriebe geht, sieht das schon anders aus. Frauen, die nicht in die Politik können, weil die immer um 19 Uhr tagen (vgl. entsprechende Artikel), können auch nicht Schichtleiter in der Spätschicht sein; egal, ob die 4 oder 8h dauert.
      Und wie sieht es bei unvorhersehbaren Situationen aus? Wurde hier nicht mal ein Artikel über Waldbrände in Schweden verlinkt? Die hatten dort das Problem, dass die Führungskräftinnen rechtzeitig Feierabend machen wollten/mussten.
      Ein weiterer Punkt sind Reisen. Zum Kunden, zu Kongressen, zu anderen Standorten…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.