„Jungs sind nicht böse und müssen auch nicht korrigiert werden“

Eine schöne Stellungnahme zu dem Konzept der „toxischen Männlichkeit“:

Boys are not bad. Boys do not need to be fixed. Boys do not need to be more like girls. And no matter how many lazy pieces of faux-journalism appear that shame our sons as inherently toxic and expendable, we will fight to ensure that they know that the culture is lying to them.

My life would not be what it is without the men who have and continue to bless it.

The loving heart of my father, still willing to drop everything if his girls need him, whose kindness and sense of humor makes the world a little better every day.

The department heads and colleagues who encouraged and supported me as an educator. My mentors through my twenties, thirties and still into my forties.

My friends.

My students.

My husband.

My sons.

Da würde eine Feministin vielleicht anführen, dass „toxische Männlichkeit“ da falsch verstanden wird und ja nur toxisches Verhalten beschreibt. Andererseits ist ja in deren Vorstellung auch keine „gesunde Männlichkeit“ vorhanden und sie werden wohl auch keinem Mann bescheinigen, dass er frei von toxischer Männlichkeit ist.

I never thought we would reach a point where it was commonplace to hear social commentators, journalists and presidential candidates awfulize boys and men — our fathers, brothers, husbands and sons — simply because they are male. There were always those fringe women’s studies professors and radical feminists who made their living by hating on men but I couldn’t have imagined that such ugliness would infect the public discourse and be lauded as brave, let alone enlightened.

It is not enlightened. In fact, it is woefully uninformed. And it is cruel.

Das ist in der Tat das eigentlich erschreckende. Das diese Konzepte als anerkannt dargestellt werden und unproblematisch verwendet werden können. Man kann damit als Weltverbesserer durchkommen, als jemand, der sich ja nur gegen das toxische wendet, die Welt für alle besser machen will.

Artikel, die den toxischen Anteil dieses Konzepts selbst thematisieren sind hingegen eher rar.

We hear the word “toxic” constantly, often followed by the word “masculinity.” Sometimes these men-haters throw in “problematic,” “misogyny” and “mansplaining” too. But having lived almost half a century, it is clear to me that toxicity has little to do with gender and everything to do with character and behavior.

Some men talk about and treat women terribly. So talk about those men. Some women are toxic from sun up to sun down. So include them in the conversation about toxicity.

But leave our sons alone and far away from the ugly stereotypes that feminists and media commentators immediately decry when they are applied to women.

Das ist natürlich innerhalb einer Identitätspolitik ein kaum zu vermittelnder Gedanke: etwas soll individuell zu betrachten sein und nicht einfach der Gruppe angelastet werden können?

Das gar andere Faktoren abseits des Geschlechts bereits negative Vorkommnisse erklären könnten ist da unvorstellbar. Aus meiner Sicht wäre ja schon der Anteil an Psychopathen in der Bevölkerung, die bei Männern eher auch zu Gewalt neigen, geeignet bestimmte Taten zu erklären.
Aber es muss eben etwas sein, was man der ganzen Gruppe als homogener Einheit anhängen kann. Alle Differenzierungen schaden da nur.

9 Gedanken zu “„Jungs sind nicht böse und müssen auch nicht korrigiert werden“

  1. „Aber es muss eben etwas sein, was man der ganzen Gruppe als homogener Einheit anhängen kann. Alle Differenzierungen schaden da nur.“

    Wenn die Kindermördergruppe nur konsequent in dieser Überzeugung wäre, dann könnte man ja wenigstens „Alle Gruppen sind irgendwie scheiße“ als Gesprächsgrundlage nehmen.

    Aber es ist ja gar nicht ernst gemeint. Es gibt ja nicht mal definierte Gruppen. Es gibt nur Buchstabenarrangements, die wahllos austauschbar für „Die Anderen, Schlechten“ stehen.

  2. Oben im Haupt-Artikel heißt es:

    „Da würde eine Feministin vielleicht anführen, dass „toxische Männlichkeit“ da falsch verstanden wird und ja nur toxisches Verhalten beschreibt.“

    Das wäre dann wieder die übliche „Motte and bailey“ (MAB)-Taktik: „Someone will argue the easy-to-defend position (motte) temporarily, to ward off critics, while the less-defensible position (bailey) remains the desired belief, yet is never actually defended [although it is implied tacitly].“

    https://rationalwiki.org/wiki/Motte_and_bailey

    Ausdrücke wie „toxic masculinity“ kann man ja einerseits verwenden wie z. B. „kleine Stadt“ oder „blaues Auto“ – oder aber wie „runder Ball“ und „weißer Schimmel“. Siehe

    https://allesevolution.wordpress.com/2019/11/26/warum-eigentlich-toxische-maennlichkeit-und-nicht-toxisches-verhalten-oder-toxische-stereotype/#comment-433723

    Ich vermute, die Feindseligkeit gegenüber Männern kann allein von Frauen beendet werden:
    – Mütter, die ihre Söhne verteidigen und beschützen
    – Ehefrauen, die ihre Männer – oder besser: deren Karriere und sozialen Status – verteidigen
    – Frauen, die Feministen nicht leiden können.

    • Ich glaube, auch Männer können gegen dieses im Kern faschistoide Männerbashing etwas tun. Faschistoid, weil es Menschen mit bestimmten Attributen (hier Geschlecht) als böse darstellt, die nichts dafür noch etwas daran ändern können.

      Die Schwulen haben das gut vorgemacht

      • (Mist falscher Knopf, hier geht es weiter) Schwul war früher bei mir auf dem Schulhof die Beschimpfung Nummer 1. Das war echt böse. Dann kam irgendwann die GEW mit „Cool, mein Lehrer ist schwul“-Luftballons, dann kamen diverse Outings – und plötzlich war schwul auch wirklich cool. Ich Hete(rosexueller) war langweilig, konservativ, rückwärtsgewand. Die Schwulenbewegung hat sich nach dem Schimpfwort meines Schulhofes benannt.

        Jetzt kommt die toxische Männlichkeit. Ja, die ist vielleicht wirklich toxisch, weil sie dazu führt, dass Männer viel früher sterben müssen. Die Gründe dafür sind nicht, dass sie zuviel Schokolade essen, sondern dass fast alle gefährlichen und körperlich belastenden Tätigkeiten von ihnen verrichtet werden. Sie sterben beim Retten anderer, bei Arbeitsunfällen, im Krieg, bei agilen nach außen gerichteten Taten. Sie gehen mit dem Schiff unter, wenn Frauen und Kinder in den Rettungsbooten sitzen.

        Sie haben keine Anlaufstellen für psychische Probleme oder familiäre Konflikte. Sie haben von ihren Müttern auch nie gelernt, solche Hilfen zu suchen oder anzunehmen. Sie nehmen sich daher das Leben, ertränken sich in Alkohol, schießen sich mit Drogen das Bewusstsein weg.

        Das ist toxische Männlichkeit. Dabei ist viel, was die Mütter mitzuverantworten haben. Natürlich ist es böse, dass Männer in unserer Welt so verheizt werden, aber richtig ekelhaft ist doch, dass sie dafür jetzt auch noch offen als böse und minderwertig dargestellt werden.

        Und diese Deutung haben wir mit in der Hand. Die meisten Männer setzen ihre Toxizität ein für ihre Kinder und Frauen, das ist ihre Aufgabe, die sie überwiegend gut erfüllen. Sie haben einen nach außen gerichteten Geschlechtstrieb und entsprechendes Balzgehabe. Ohne dieses würde es nur noch Tinder und Parship zum Geschlechterkontakt und zur möglichen Fortpflanzung geben.

        Aber wenn Jungen auf dem Schulhof raufen, dann ist das gewalttätig und böse, wenn sie auf Bäume klettern, ist das fahrlässg und gefährlich, wenn Männer Komplimente machen, ist das sexistisch und übergriffig. Wenn sie auch mal plaudern, ist das Mansplaining. Wenn ihnen die Naht der Hose die Eier quetscht, dann betreiben das Manspreading. Undsoweiter.

        Da mach ich nicht mehr mit, ich bin stolz auf meine toxische Männlichkeit. Denn ohne die und die der anderen Männern, würde die Welt schnell den Bach runtergehen. Und dazu müssen wir stehen.

        Wir müssen die Anfeindungen aushalten, wenn wir endlich wieder im Stehen pinkeln.

        • „Ich glaube, auch Männer können gegen dieses im Kern faschistoide Männerbashing etwas tun. “

          Ja, in dem Maße, in dem Männer ihre Scham, vor allem Frauen gegenüber, verlieren. Stehpinkeln ist ein guter Anfang. Warmduschen der nächste Schritt.

          • Genau, Scham ist ein guter Hinweis. In Zeiten, in denen Frauen ihre Menstruationsmuster auf T-Shirts drucken lassen (kein Witz!) und ihre Klitoris angeblich bis in die Kehle reicht (etwas übertrieben), müssen wir uns aben auch in der U-Bahn selbstverständlich am Sack kratzen, wenn es juckt.

        • Die Welt geht trotzdem den Bach runter, wenn Du oder die Männer nicht bald auf den Tisch hauen und den impertinenten endlosen Forderungskatalog der Frauen nach immer mehr Luxus weiter bedienen. Denn ehrlich den meisten Umweltverbrauch generieren Männer ja nicht für sich, sondern um Frauenwünsche im weitesten Sinne zu erfüllen, sei es nun direkt oder indirekt und Status und ansehen zu erlangen. Eine GESUNDE MGTWO – Haltung könnte da viel zu besseren wenden.

  3. Toller Beitrag, da finden sich einige spannende Punkte! Echt abgefahren, dass ein solches Konzept, das auf so unreflektierte und übermäßig vereinfachende Art mal eben die halbe Menschheit degradiert (denn jeder Mann wäre ja potenziell toxisch) genau von denjenigen vorgetragen wird, die sich selbst immer als so gebildet und reflektiert vorstellen – und natürlich immer auf der richtigen moralischen Seite stehen.
    Merkt ihr es eigentlich nicht?
    Wenn es toxische Männlichkeit gibt, gibt es auch toxische Weiblichkeit. Aber dann erübrigen sich die Begriffe. Und man könnte sich natürlich nicht mehr so schön besser fühlen. Das ginge ja gar nicht.
    „Toxisch“ verstanden als gefährlich oder gewaltvoll hängt nicht vom Geschlecht ab. Gewalt ist eine allgemein menschliche Handlungsmöglichkeit. Dazu gab es vor einer Weile mal einen Beitrag von mir: https://tabudiskurs.home.blog/2019/09/01/vom-massakrieren-foltern-und-verstummeln/

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