„Wir sehen Männer nur negativ“. Das stört Markus Theunert. Deswegen spricht er ihnen gleich mal das Menschsein ab.

Arne weist auf einen interessanten Artikel von Markus Theunert in der Psychologie heute hin.

Es geht um das alte Problem, warum Männer ihr Privilegien abgeben sollten bzw sich im Feminismus engagieren sollten.

Gleichstellung ist nicht bloß Frau­ensache, sondern geht alle an. Das ist unbestritten. Aber was heißt das für Männer? Sie sind ja Vertreter des privilegierten Geschlechts, nicht? Also muss Gleichstellung für sie vor allem darin bestehen, Privilegien abzugeben und ansonsten einfach mal die Klappe zu halten?

In der etwas unterkomplexen Sicht des gegenwärtigen Feminismus sind Männer die Privilegierten. In einer komplexeren Sicht sind Männer und Frauen im Schnitt verschieden und leben daher auch ihr Leben im Schnitt anders. Ungleichheiten bedeuten nicht zwangsläufig, dass eine Ungerechtigkeit vorliegt, weswegen Gleichstellung ein eher günstiger Begriff ist, weil er eher auf eine Ergebnisgleichheit abzustellen scheint.

Diese Erwartung ist weit verbreitet – gerade auch in den progressiv-feministischen Milieus. Und die Haltung ist durchaus berechtigt.

Mit „diese Erwartung ist verbreitet und berechtigt“ meint er Privilegien abgeben und Klappe halten. Klappe halten ist aber eigentlich nie berechtigt. Schon gar nicht bezogen auf ein gesamtes Geschlecht.

Denn wer eine geschlechterpolitische Zeitdiagnose vornimmt, muss bei der Feststellung landen: Männer sind bis heute die Profiteure des kapitalistisch-patriarchalen Systems. Sie verdienen um die 20 Prozent mehr und übernehmen nur in einem Viertel aller Familien ihre Hälfte der Verantwortung für die Haus- und Familienarbeit.

Dafür verdienen sie üblicherweise 70% des Familieneinkommens. Und sie verdienen eben auch nicht mehr im gleichen Jobs, sie verdienen mehr in ganz anderen Jobs, die Frauen eben nicht machen und häufig auch nicht machen wollen.

Wie erreichen wir Gleichstellung?

Das Problem ist aber: Weshalb sollen Privilegierte freiwillig auf ihre Privilegien verzichten? Klar, Anstand, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn wären noble Gründe. Dass sie in der Praxis nicht ausreichen, um Gleichstellung zu erreichen, ist aber leider offenkundig. Bleibt also nur der Zwang?

Was für ein herablassender Artikel, selbst wenn er nicht so gemeint sein sollte.

Mal mit etwas Polemik:

Wenn Männer Anstand, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn, dann würden sie ihre Arbeit in einem Stahlwerk im Schichtbetrieb mit hohen steuerfreien Nacht- und Wochenendzulagen an Frauen abgeben, damit sie ihre Privilegien los sind und statt dessen auch mal den Frauen die harte Arbeit der Kinderbetreuung abnehmen. Aber sie haben ja keinen Anstand, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn! Diese Schweine! Dabei würde jede Frau da sofort ja sagen um endlich der Unterdrückung zu entkommen!

Nein, eben gerade nicht! Damit wir Gleichstellung verwirklichen, müssen wir unseren „Mindset“ so ändern, dass wir herauskommen aus dem Teufelskreis von Fairnessappell, Widerstand, Enttäuschung und Wut.

Aus dem Teufelskreis kommt man eigentlich recht einfach. Denn es ist bereits nicht unfair für die Frauen.

Dafür gibt es zwei Wege:

Die erste Möglichkeit ist, den Nutzen aufzuzeigen, den Gleichstellung auch für Männer hat. Erklären, wie sie selbst unter Geschlechtsrollenkorsetten leiden. Aufzeigen, wie zerstörerisch der Wunsch wirkt, ein „echter Kerl“ zu sein. Deutlich machen, wie viel Leid und Kosten durch „typisch männliches“ Risikoverhalten entstehen. Dafür braucht es die Bereitschaft, Männer nicht nur als Profiteure und Täter zu sehen – und Frauen nicht nur als Benachteiligte und Opfer. Das ist für viele schon zu viel verlangt.

Das ist immer eine Verknüpfung, die überhaupt keinen Sinn macht. Erstens ist gar nicht dargelegt, welche Verbindung zwischen den Privilegien und dem toxischen Verhalten besteht.

Hat ein Mann  den Führungsjob (oder dem Job im Stahlwerk) nur weil ich toxische Männlichkeit lebe? Man kann natürlich in einem Stahlwerk arbeiten und über Gefühle reden. Und wie soll ich meinen durch toxische Männlichkeit erworbenen Job dann überhaupt an eine Frau weitergeben, wenn sie die dafür notwendige toxische Männlichkeit nicht mitbringt?

Und warum kann ich die zerstörerische Wirkung des Wunsches ein „echter Kerl“ zu sein nicht ablegen

  • ohne meine Privilegien vollumfassend zu behalten
  • ohne Feminismus und die damit verbundene Abwertung?

Das erscheint mir sogar relativ einfach. Denn vieles an einem „echten Kerl“ ist ja durchaus eine gute Sache und passt zu vielen Männern, sie müssen quasi nur

Männer als Gefangene sehen
Die zweite Möglichkeit ist eleganter und noch mutiger. Denn sie unterstellt Männern eine Sehnsucht nach Gleichstellung, einen tiefverwurzelten Wunsch nach einem Leben jenseits des „Mann-sein-Müssens“, einen Hunger nach Beziehungen ohne Hierarchie und Gewalt – auch sich selbst gegenüber. Wenn wir daran glauben, dass diese Sehnsucht besteht, weil auch Männer Menschen waren, bevor sie sich zu Männern machen ließen, verändert sich die Dynamik.

Männer sind also keine Menschen. Sie waren, wurden dann aber zu Männern gemacht. Was für ein Mist.

Ich habe kein Problem mich als Mann zu sehen und gleichzeitig als Mensch. Wie wohl die meisten Menschen Männer als Menschen sehen.

Denn nun stehen wir nicht mehr konfrontativ einem bockigen Profiteur gegenüber und versuchen, ihn auf unsere Seite zu ziehen. Sondern wir stehen auf seiner Seite und versuchen mit ihm zusammen, Schritte ins Offene zu gehen – wir verbünden uns mit seiner Sehnsucht und kämpfen gemeinsam mit ihr gegen jenen fatalen Reflex, den die Männer so verinnerlicht haben, dass sie es meist selbst gar nicht mehr merken: den Reflex, in ihrem Innern alles auszublenden und abzuspalten, was bedürftig ist.

Wer mich nicht als Mensch sieht oder meint das damit Mann sein nicht vereinbar ist, der kämpft nicht mit mir und ist kein Verbündeter. Und wer meint, dass man als Mann immer alles im Inneren ausblenden und abspalten muss, der hat eine sehr merkwürdige Vorstellung von Männlichkeit, die ich so nicht teile.

Männer heute sind Gefängniswärter und Gefangene in Personalunion. Solange wir sie als Gefängniswärter ansprechen, verhärten sie weiter. Begegnen wir ihnen aber (auch) als Gefangene, ist der erste Schritt zur Flucht aus dem Gefängnis bereits gemacht.

Was für ein Blödsinn. Wir brauchen keinen Herrn Theunert um unser Menschsein zu entdecken und die allermeisten Männer sind, genauso wie die allermeisten Frauen vollkommen in der Lage Gefühle zu zeigen, sich nicht nur von einem Männlichkeitsbild wie im Feminismus angenommen leiten zu lassen und eine darüber hinausgehende Individualität zu haben. Sie sind Mann, aber das ist nicht alles was sie ausmacht, schon gar nicht nach dem Zerrbild von Männlichkeit, welches Herr Theunert hier entwirft.

 

Toxische Männlichkeit Definition

Ich sammele mal ein paar Definitionen:

Englische Wikipedia zu Toxische Männlichkeit

The concept of toxic masculinity is used in academic and media discussions of masculinity to refer to certain cultural norms that are associated with harm to society and men themselves. Traditional stereotypes of men as socially dominant, along with related traits such as misogyny and homophobia, can be considered „toxic“ due in part to their promotion of violence, including sexual assault and domestic violence. The socialization of boys in patriarchal societies often normalizes violence, such as in the saying „boys will be boys“ about bullying and aggression.

Self-reliance and emotional repression are correlated with increased psychological problems in men such as depression, increased stress, and substance use disorders. Toxic masculine traits are characteristic of the unspoken code of behavior among men in prisons, where they exist in part as a response to the harsh conditions of prison life.

Other traditionally masculine traits such as devotion to work, pride in excelling at sports, and providing for one’s family, are not considered to be „toxic“. The concept was originally used by authors associated with the mythopoetic men’s movement such as Shepherd Bliss to contrast stereotypical notions of masculinity with a „real“ or „deep“ masculinity that they say men have lost touch within modern society. Critics of the term argue that its meaning incorrectly implies that gender-related issues are caused by inherent male traits.[1]

The concept of toxic masculinity, or certain formulations of it, has been criticized by some conservatives as an undue condemnation of traditional masculinity, and by some feminists as an essentialist concept that ignores the role of choice and context in causing harmful behaviors and attitudes related to masculinity.

Deutsche Wikipedia zu toxische Männlichkeit:

Toxische Männlichkeit (auch „giftige Männlichkeit“) ist eine Bezeichnung für ein Verhalten von Männern, das als schädlich für die Gesellschaft oder Männer selbst gesehen wird. Der Begriff wurde in der mythopoetischen Männerbewegung der 1980er- und 1990er-Jahre geprägt und fand von dort ihren Weg in die akademische und politische Literatur. Er wurde anfangs überwiegend für Männer am Rande der Gesellschaft gebraucht, etwa in Gefängnissen, um deren aggressives und kriminelles Verhalten zu beschreiben. Als wesentlich für die Ausbildung eines solchen Verhaltens wurde eine fehlende oder gestörte Vater-Sohn-Beziehung gesehen.[1]

Feministen benutzten den Begriff seit den 2000er-Jahren – insbesondere seit 2016 im Kontext von Donald Trump und #MeToo – in Literatur und Medien. Die Begriffsverwendung, insbesondere in feministischen Kontexten, ist umstritten. Oftmals fehlt eine klare Definition des Begriffs oder der Bezug zu anderen theoretischen Konzepten über Männlichkeit. Generell wird Gewalt, Dominanz, Aggressivität, Misogynie und Homophobie mit dem Begriff assoziiert. Der Begriff wird in feministischer Literatur auch als Antwort auf die Wiederkehr rechtsgerichteter maskulinistischer Politik verwendet.[1]

Missy Magazin zu toxischer Männlichkeit:

Toxic masculinity ist Englisch und bedeutet toxische, also schädliche Männlichkeit. Das Konzept beschreibt eine in unserer Gesellschaft vorherrschende Vorstellung von Männlichkeit und umfasst das Verhalten, das Selbstbild und Beziehungskonzepte von Männern sowie kollektive männliche Strukturen. Männer sollen keine Schwäche zeigen, höchstens Wut, sie sollen hart sein, aggressiv und nicht zärtlich oder liebevoll, schon gar nicht miteinander. Männlichkeit muss immer wieder bewiesen werden, z. B. durch die Einordnung in eine Hierarchie, die mit Mutproben und erniedrigenden Ritualen gefestigt wird – auf dem Schulhof genauso wie in der Bundeswehr.

So findet toxische Männlichkeit in der Kindheit ihren Anfang und setzt sich nicht zuletzt in Männerbünden als Organisationsform auf allen Ebenen der Gesellschaft fort. Sie findet aber nicht nur „unter Männern“ statt, sondern richtet sich auch nach außen: In Form von Gewalt gegen andere, vor allem Frauen und Queers, und sexualisierter Gewalt gegen Menschen aller Geschlechter. Es geht immer auch um Sexualität: Nach den Vorannahmen von toxischer Männlichkeit muss ein Mann immer (heterosexuellen) Sex haben wollen und können. Dies ist ein wichtiger Baustein der Vergewaltigungskultur (Rape Culture) und verstärkt zudem das gefährliche Vorurteil, dass Männer nicht Opfer von sexualisierter Gewalt werden können.

100mensch.de

TOXISCHE MÄNNLICHKEIT

Der Begriff bezeichnet ein Verhalten bzw. Selbstbild, das auf einem traditionellen, stereotypen und patriarchalen Männerbild basiert. Die Bezeichnung „toxische Männlichkeit“ (toxisch = giftig, vergiftend) meint nicht, dass alle Männer generell toxisch sind. Sie bezieht sich auf übersteigerte und für die ganze Gesellschaft schädliche Verhaltensweisen und Einstellungen, wie z. B.:

Gefühle (außer Wut und Aggression) werden unterdrückt bzw. nicht gezeigt Gewalt als Mittel der Problemlösung / Recht des Stärkeren Aggressives und dominantes Auftreten (z. B. auch in Gesprächen)
„Recht“ auf sexuelle Aggression, Übergriffigkeit, Grenzüberschreitungen
Übersteigertes Konkurrenzdenken
Selbstanspruch, alles unter Kontrolle haben müssen
Selbstanspruch, alles alleine schaffen zu müssen
Abwehr von vermeidlich „weiblichen“ Eigenschaften als Schwäche
Dieses Verhalten hat negative Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft, da toxische Vorstellungen von Männlichkeit zur Diskriminierung aller anderer Geschlechter, z.B. in Form von Misogynie (Frauenfeindlichkeit) sowie Homo- und Trans*feindlichkeit, führen.

Viele dieser Vorstellungen sind noch immer in der Erziehung von Kindern in Aussagen wie „Jungen weinen nicht“, oder „Gewalterfahrungen gehören zum Mann-werden dazu“ verankert. Das toxische Männlichkeitsbild und die Gewalterfahrungen der Väter werden so auf deren Söhne übertragen (Traumavererbung).

Toxische Männlichkeit geht mit der Angst einher, Privilegien zu verlieren oder nicht als „richtiger Mann“ bzw. als „weiblich“ angesehen zu werden. Sie schränkt die eigene Individualität ein, kann aber auch ein Gefühl von Sicherheit geben. Dabei hat toxische Männlichkeit ausgeprägte negative Auswirkungen auf Männer: z.B. selbstschädigendes Verhalten wie das Vermeiden von Arztbesuchen und das Verschweigen von Depressionen, was sich in Krankheits- und Selbstmordstatistiken niederschlägt. Männer sterben außerdem früher und werden häufiger Opfer von Gewalttaten.

Frauenseiten Bremen zu toxischer Männlichkeit:

Was ist eigentlich … toxische Männlichkeit?

Ab und zu tauchen im feministischen Diskurs Begriffe auf, die vielen von uns neu sind. Eine Zeit lang bin ich immer wieder über den Ausdruck toxische Männlichkeit, beziehungsweise Maskulinität, gestolpert und habe mich gefragt…was genau ist das eigentlich?

Maskulinität und Femininität
Fangen wir erst einmal einfacher an. Was verstehen wir unter Maskulinität? Maskulinität beschreibt eine Reihe von Verhaltensweisen, Gepflogenheiten und Einstellungen, die in unserer Kultur typischerweise mit Männern und Mann-Sein in Verbindung gebracht werden. Das Gegenteil, Femininität, bezeichnet demnach Eigenschaften, die meist Frauen zugeschrieben werden. Jeder Mensch verfügt aber in gewissem Maße über maskuline und feminine Merkmale.

Anerzogene Verhaltensmuster
An sich ist Maskulinität nicht problematisch. Wenn bestimmte ‚maskuline‘ Verhaltensweisen aber Menschen Schaden zufügen, werden sie als toxisch bezeichnet. Dominanz, Aggressivität, Einschüchterung, Kontrolle, emotionale Distanziertheit – das sind einige Beispiele. Auch die Sexualisierung von Frauen, sowie jegliche Formen von Gewalt zählen dazu. Oftmals wird toxisch-maskulines Verhalten mit Männlichkeit gleichgesetzt und somit als natürlich wahrgenommen. Es ist wichtig zu verstehen, dass es hier aber um anerzogene Verhaltensmuster geht, mit denen Jungs nicht geboren werden.

Menschen, die toxische Maskulinität praktizieren, definieren diese immer als der Femininität überlegen. Eigenschaften wie Mitgefühl, Fürsorge oder Emotionalität werden als schwach dargestellt, während gegensätzliches Verhalten als stark empfunden wird. Daraus folgt, dass Menschen, die sich eher durch feminine Eigenschaften auszeichnen, suggeriert wird, anderen unterlegen zu sein. Das kann Personen aller Geschlechter betreffen. Auch kann jede*r toxisch-maskulines Verhalten ausüben oder fördern, wie beispielweise eine Mutter, die ihrem Sohn beibringt: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“.

Die Angst vor ‚Entmannung‘

Toxische Maskulinität geht Hand in Hand mit Sexismus und Homophobie. In unserer patriarchalen Gesellschaft zählen Männer oftmals nicht als ‚wahre Männer‘, wenn sie in ihrer Beziehung nicht das Sagen haben. Die Anliegen der Partnerin zu respektieren gilt als Schwäche oder Unfähigkeit, sich durchzusetzen. Auch die Angst, Zuneigung für andere Männer zu zeigen, äußert sich in toxischer Maskulinität. Denn unsere Gesellschaft ist heteronormativ konzipiert. Dementsprechend wird die Liebe zu Männern allein von Frauen erwartet. Wenn aber Männer sich gegenseitig Zuneigung bekunden, wird dieses Verhalten als frauentypisch und somit schwach verstanden. Daraus resultiert häufig eine emotionale Verschlossenheit von Jungen und Männern. Sie schämen sich, Zuneigung zu zeigen, aus Angst sich zu entmannen. Wer kennt nicht das anscheinend obligatorische „no homo“, das jugendliche Jungs jedem Kompliment anhängen, das sie einander machen.

GenderIQ.de

Was ist eigentlich ‘Toxic Masculinity’?

‍“toxic masculinity,” a (heterosexual) masculinity that is threatened by anything associated with femininity (whether that is pink yogurt or emotions) – Sarah Banet-Weiser and Kate M. Miltner.

Der Begriff  toxic masculinity wird oft benutzt, wenn es darum geht aggressives Dominanzverhalten von heterosexuellen cis-Männern zu beschreiben. Toxic masculinity (zu Deutsch ‚schädliche /toxische Männlichkeit‘) ist ein Konzept, das gerne mal falsch verstanden wird. Ganz schnell endet man bei der Gleichung Männer = Toxisch. So einfach diese Gleichung auch erscheint, sie ist leider falsch, denn bei dem Konzept geht es nicht um ‚Männer‘ (sex), sondern um ‚Männlichkeit‘ (gender). Also darum, was wir als männliches Verhalten anerkennen und was nicht. Genauer gesagt, geht es darum zu erkennen, dass bestimmt Aspekte die traditionell zum Mann-werden dazu gehören, schädlich sind. Schädlich für sie selbst, aber auch alle anderen um sie herum.

Bei ‚Toxic Masculinity‘ geht es nicht darum, dass Männer schädlich oder schlecht sind

Grundidee dahinter ist, dass wir bei männlich gelesen Kindern bestimmte Verhaltensweisen fördern, die ihnen vielleicht momentan weiterhelfen (zum Beispiel, um auf dem Schulhof nicht gehänselt zu werden), die aber auf Dauer toxisch sind. Deshalb dürfen Jungs gerne mal wild sein und über die Stränge schlagen, auch wenn das für andere unangenehme Folgen hat (‘Boys will be boys’). Jungs sollen sich durchsetzen können und keine Schwäche zeigen, damit ja keiner auf die Idee kommt sie zu dominieren. Nach dem Motto ‚Indianer kennt keinen Schmerz‘ ermutigen wir Jungs nicht zu weinen und versuchen sicher zu gehen, dass sie nicht am Ende noch ‚verweichlichen‘.

‚Wer toxische Männlichkeit erlernt hat, lebt mit einem Mangel‘, schreibt Frederik Müller. ‚Diese Personen haben meist kein gutes Verhältnis zu ihrem Körper, können ihre eigenen Grenzen ebenso wenig respektieren wie die anderer und haben Schwierigkeiten damit, Gefühle zuzulassen, zu zeigen und zu verarbeiten. Konsequenzen hieraus sehen wir etwa im schlechten Umgang heterosexueller cis Männer mit dem eigenen Körper, ihrer Nachlässigkeit gegenüber der eigenen Gesundheit und ihrer Tendenz zu Depressionen, Sucht und Suizid.‘

Olympes Erben

Toxische Männlichkeit meint klischeehafte und einengende Verhaltensweisen oder Umgangsformen zur Demonstration von Männlichkeit, die ein eindimensionales Bild vom Mann-Sein entwerfen. Diese Vorstellungen von Männlichkeit werden zum Teil gesellschaftlich eingefordert und schränken Emotionen und Verhaltensweisen von Jungen und Männern ein.

Zu diesen Umgangsformen und Verhaltensweisen von toxischer Männlichkeit gehören zum Beispiel diese:

  • Männer sollen hart sein und keine Schwäche zeigen.
  • Männer sollen Gefühle verstecken oder unterdrücken (außer Wut und Aggression).
  • Männer lösen Konflikte mit Gewalt.
  • Männer packen Probleme an und bewältigen sie ohne fremde Hilfe.
  • Männer verhalten sich nicht „weibisch“ oder „verweichlicht“ (schüchtern, liebevoll, zärtlich).
  • Männer sind auf Wettbewerb und Dominanz, nicht auf Kooperation ausgelegt.
  • Männer wollen immer Sex und können auch immer.
  • Männer und Frauen verstehen sich nicht und können nicht befreundet sein.
  • Männer sind breitschultrig, muskulös, hochgewachsen und schmerzresistent.

Im Zusammenhang mit toxischer Männlichkeit fallen häufig auch Begriffe wie Macho oder Alpha-Mann.

Das Problem an toxischer Männlichkeit ist, dass sie oft von der Gesellschaft eingefordert wird – also viele Leute erwarten, dass sich Männer so verhalten wie oben beschrieben wird. Wenn Jungen oder Männer diesen Stereotypen nicht entsprechen, müssen sie auch heute noch mit negativen Folgen rechnen, zum Beispiel indem sie ausgelacht, beleidigt oder bloßgestellt werden. Ihnen wird abgesprochen, ein „wahrer Mann“ zu sein und oftmals wird es so dargestellt, als ob Frauen eben nur solche „wahren Männer“ attraktiv finden (auch von Frauen selbst).

Toxische Männlichkeit bedeutet auch, dass diese stereotypen Verhaltensweisen immer wieder bestätigt werden müssen, zum Beispiel durch die Abwertung von Frauen oder anderen Geschlechtsidentitäten, von Männern, die nicht „Alpha“ genug sind, aber auch durch „typisch männliche“ Verhaltensweisen wie Bier trinken oder Fleisch essen. Ein Mann, der lieber eine Saftschorle als ein Bier bestellt, eher einen Salat statt eines Steaks isst? – In diesem Konzept von Männlichkeit schwach, lächerlich, unmännlich. Und das ist schädlich.

Doch nicht nur auf den eigenen Lebensbereich einzelner Menschen kann sich toxic masculinity negativ auswirken. Auch gesellschaftlich-politisch gesehen kann toxische Männlichkeit ein Problem sein, weil sie ein Geschlechterbild aufrechthält, das rechtsgesinnten Menschen zusagt. Denn mit toxischer Männlichkeit gehen nicht nur traditionelle Bilder von Männlichkeit einher, sondern auch von Weiblichkeit. Toxische Männlichkeit äußert sich häufig (auch) in Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit.

WMN.de

Was ist toxische Männlichkeit?

Der Begriff ist in erster Linie auf destruktive und schädliche Denk- und Verhaltensweisen von Männern bezogen. Diese Handlungen richten sich vorwiegend gegen Frauen, Kinder, queere Menschen – und gegen sich selbst. Das eigentliche Problem liegt aber viel tiefer.

Toxischer Männlichkeit beruht auf Stereotypen über männliche Eigenschaften. Männer nehmen bestimmte Rollen ein, weil die in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Das begrenzt den Spielraum, sich frei auszuleben. Stattdessen werden Klischees bedient. Zum Beispiel: Männer sind stark und emotional extrem unempfindlich. Sie lassen sich nichts sagen und sind in ihrer unerschütterlichen Heterosexualität gefestigt.

So entsteht das veraltetes, konservative Bild eines Mannes, das unüberlegt übernommen wird. Toxisch ist es noch nicht. Die Toxizität entsteht später.

In Zeitungen wird toxische Männlichkeit wird nicht selten für Vergewaltigungen und Gewalt verantwortlich gemacht. Tatsächlich stehen maskuline Verhaltensweisen laut Studien in Zusammenhang mit Aggressionen, Misogynie, schlechter Gesundheit und Depressionen.

Das birgt zum einen eine Gefahr für sie selbst. Männer lassen sich ungern helfen, wollen keine Schwäche zeigen und gehen seltener zu Ärzt:innen oder Psycholog:innen.

Zum anderen zeigen Nachforschungen auch, dass Jungen und Männer mit sexistischen Verhaltensweisen häufiger genderbezogene Gewalttaten ausübenDas verinnerlichte Verhaltensmuster begünstigt also Gewalt und Missbrauch.

Feminismus vs. Männerrechtsbewegung

Auf die Dinge gibt es natürlich auch andere Sichtweisen. Vor allem Konservative sind häufiger der Meinung, der Begriff „toxische Männlichkeit“ sei eine Attacke auf die Männlichkeit selbst. Sie berufen sich dabei auf die hohen Raten an Suiziden und dem Drogenmissbrauch von Männern.

Die Debatte wird so nicht als Denkanstoß gesehen, eher als Angriff feministischer Bewegungen. Als Gegenstück bildeten sich Männerrechtsbewegungen. Dort werden traditionelle Männerbilder, teilweise aber auch antifeministische und frauenfeindliche Positionen vertreten. Stattdessen werden Verhaltensstereotypen aus der herausgekramt.

Die weiteren Argumente sind genauso wenig überzeugend. Sie verwechseln Opfer und Täter, indem sie sich selbst als Geschädigte darstellen. Belegbare politische Ungerechtigkeiten gibt es dagegen zu selten. Während sich feministische Bewegungen gegen belegbare Ungleichheiten wie den Gender Pay Gap stellen, sind beispielsweise männerfeindliche Haltungen im Gesundheitssystem aufgrund häufig fehlender geschlechterspezifischer Medizin mehr als fraglich.

„Liebe Männer, wie müsste ein Buch über toxische Männlichkeit und ihre Konsequenzen geschrieben und verpackt sein, damit ihr es lesen würdet?

Ich gebe mal wieder eine Frage auf Twitter weiter:

Warum der intersektionale Feminismus nur zerstören will, aber keine Pläne hat wie die „Neue Welt“ funktioniert

Diesen Dialog fand ich ganz interessant:

Yeyo:

Grievance studies and critical theory talk a lot about deconstruction but very little about construction. They want to tear down society but have no clue about what is going to replace it.

The Rino

heir understanding of racism is deeply flawed. This leads to an “abolish” mentality. If they had the correct understanding they would know that racism will still exist when after they tear society down. They would know that you can’t eliminate it, but can only contain it.

Yeyo:

It’s what Thomas Sowell referred to as the unconstrained vision of human nature. Human nature is flawless, all bad things appear only because of the corrupting influence from oppressive institutions. So the solution is to tear those institutions down.

Wir hatten hier schon einmal die These, dass alle die, die in einer Kategorie „Opfer“ innerhalb des intersektionalen Feminismus sind im Prinzip Abwandlungen des „edlen Wilden“ sind, die erst durch die böse Gesellschaft korrumpiert worden sind.

  • Die PoCs durch die Unterdrückung durch den weißen Mann, die Schwarzen durch Kolonialismus und den Sklavenhandel
  • die Dicken durch westliche Schönheitsideale
  • der Islam durch die Abwertung durch den Westen und den Kolonialismus
  • die Frauen durch Geschlechterrollen
  • Die Transexuellen durch binäre Geschlechterrollen
  • Und selbst die Männer könnten gut sein, sind aber  durch andere Männer korrumpiert

Dieser Einfluss muss nur beseitigt werden, dann bricht irgendwie das Paradies aus. Und irgendwie ist das plötzlich kein Rassismus, keine Vergewaltigung, keine unterschiedlichen Löhne, nichts schlechtes mehr. Aber es wird eben auch nicht konkret, ein wirkliches „Endspiel“ gibt es nicht, es bleibt vage. Das bisherige muss nur weg. Dann wird magisch alles besser.

Feminismus ist in der Hinsicht eben eine Religion.

Und in Religionen fragt man auch nicht, wo die Leute im Paradies das Essen herbekommen, ob sie noch Sex haben können oder wie zwischenmenschliche Beziehungen aussehen, wenn plötzlich alle alles haben. Es sind ja nur die Guten dort oben, also verstehen sich alle super und allen geht es gut.

So ist es auch im Feminismus: Plötzlich verstehen sich alle, alle sind gleich, alle schätzen sich, Konflikte sind bereits nicht mehr denkbar und danach fragen ist blöd. Wenn es Konflikte noch geben würde, dann müsste eben noch Patriarchat oder Weiße Unterdrückung vorhanden sein. Woher sollte es sonst komme?

 

Männer und Frauen lehnen die Theorien um „toxische Männlichkeit“ in Mehrheit ab und finden sie beleidigend

Eine interessante Studie untersucht die Akzeptanz von Begriffen wie „Toxische Männlichkeit“ (via Arne)

Masculinity is frequently talked about in contemporary Western media as being in crisis, needing reform or even being ‘toxic’. However, no research to date has assessed the impact that this pervasive narrative might be having on people, particularly men themselves. This cross-sectional online pilot survey asked 203 men and 52 women (mean + SD age 46 + 13) their opinions about the terms toxic masculinity, traditional masculinity, and positive masculinity, and how they would feel if their gender was seen as the cause of their relationship or job problems. Most participants thought the term toxic masculinity insulting, probably harmful to boys, and unlikely to help men’s behaviour. Having feminist views, especially being anti-patriarchy, were correlated with more tolerance of the term toxic masculinity. Most participants said they would be unhappy if their masculinity or femininity were blamed for their work or relationship problems. Further analysis using multiple linear regression found that men’s self-esteem was significantly predicted by older age, more education, and a greater acceptance of traditional masculinity. Men’s mental positivity – which is known to be negatively correlated with suicidality – was significantly predicted by older age, a greater acceptance of traditional masculinity, and more education. Implications for the mental health of men and boys are discussed in relation to the narrative around masculinity in the media, social sciences, and in clinical psychology.

Quelle: Reactions to contemporary narratives about masculinity: A pilot study

Es wurde hier schon häufiger diskutiert, dass die Akzeptanz der Theorien sich auf bestimmte Kreise beschränkt und gerade in der „normalen Bevölkerung“ zwar eine gewisse Kenntnis besteht, soweit diese jünger sind, aber eigentlich keine Rolle in deren Leben spielt. Der typische Arbeiter hat keinen großen Bezug zu Privilegien etc.

Entsprechend scheint die Studie zu bestätigen, dass viele Personen diese Theorien ablehnen.

„Klar“ würde vielleicht jemand aus den Gender Studies sagen „die Männer wollen ja auch ihre Privilegien nicht ablegen und merken gar nicht wie toxisch sind. Und die Frauen und Männer haben keine Vorstellung davon, wie gut die Welt ohne toxische Männlichkeit wäre. Wir müssen es ihnen beibringen und dazu brauchen wir mehr Gender Professuren, mehr Medienaufmerksamkeit und mehr Geld“

Es ist in der Hinsicht ganz interessant auf anderen „neutralen“ Seiten, etwa auf Spass ausgerichtete Seiten wie 9gag die Kommentare zu lesen, wenn Social Justice Theorien Thema sind. Dort sieht man, dass die meisten Leser dort die Theorien eher übertrieben finden.

Andererseits sind viele Seiten und Medien voll von Themen und Artikeln aus der Sicht der Gender Studies.
Insofern begrüße ich, dass jemand sich des Themas annimmt und dort einmal untersucht, wie die Leute eigentlich zu den Begriffen stehen.

Noch aus der Studie:

Die Tabelle muss man so lesen, dass in die leere Stelle vor „Masculinity“ entweder „Traditional“, „Toxic“ oder Positive“ einzusetzen ist und dann kann in der Tabelle abgelesen werden, welche der Aussagen zugestimmt wird.

Da wird deutlich, dass die Idee von toxischer Männlichkeit von den wengisten (10,1%) als etwas gesehen wird, was sie sich besser verhalten lässt (eben indem sie sich davon abgrenzen), hingegen traditionelle Männlichkeit weitaus besser abschneidet.

88,4% meinen, dass die Idee von toxischer Männlichkeit sich negativ auf Jungen auswirkt. Und nur 10% finden die Theorie hilfreich. 87,9% der Männer und 84,6% der Frauen (bei sehr kleiner Teilnehmerzahl) finden die Theorie der toxischen Männlichkeit als beleidigend.

Es ist eine interessante Studie, die sich Politiker einmal genau anschauen sollten. In ihrem Umfeld mögen viele Personen sein, die die Theorie überzeugend finden, weil Frauen, die in die Politik gehen wollen häufig diese Ansätze verfolgen, der Anteil in der Bevölkerung, die, die die Politiker wählen, ist aber deutlich geringer.

 

An Corona gestorbene Ärzte in Italien: 60 Männer, drei Frauen

Arne hatte auch berichtet, hier noch etwas aktualisierte Zahlen:

Immer mehr Ärzte, die in Italien alles in ihrer Macht stehende tun, um Corona-Patienten vor dem Tod zu bewahren, bezahlen ihren Einsatz mit dem Leben. Auf ihrer Webseite zählt die italienische Ärztekammer (FNOMCeO) jeden einzelnen Mediziner und jede einzelne Medizinerin auf, die an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sind. Stand heute stehen 63 Namen auf der Liste, 60 Männer und 3 Frauen.

Das ist angesichts des Umstandes, dass Medizin ein sehr weibliches Studium ist, eine durchaus erstaunliche Zahl.

Gestorben sind Ärzte im Alter zwischen 49 und 90 Jahren, sie stammen aus ganz Italien von Como bis Caltanissetta. Die meisten Fälle gibt es in Bergamo und Umgebung. Aus der am schwersten betroffenen Region Italiens sendeten Klinikärzte vor einer Woche schockierende Bilder aus einer Notaufnahme. In Bergamo verlor auch der 90-jährige Flavio Roncoli sein Leben. Wie viele der verstorbenen Mediziner kehrte der pensionierte Arzt in seinen Beruf zurück, um Kollegen und Patienten in der Krise zur Seite zu stehen. Ebenfalls in Bergamo arbeitete eine der drei Ärztinnen, die nach einer Corona-Infektion verstarben. Vincenza Amato war als Ärztliche Direktorin zuständig für Hygiene und Gesundheitsprävention. Im kommenden Jahr wollte die 65-Jährige in Pension gehen.

Das gerade Ältere sterben könnte natürlich zu der Geschlechterquote beitragen. Einfach weil heute 60jährige eben zu einer Zeit studiert haben als vermutlich das Geschlechterverhältnis in der Medizin noch männlicher war.

Es wäre natürlich aber auch interessant, ob sich mehr pensionierte Männer zurückmelden, um die gefährliche Arbeit zu machen. Dazu fehlt es hier leider an Zahlen.

Auch eine Erklärung könnte die Fachrichtung der jeweiligen Ärzte sein. Frauen sind beispielsweise überproportional in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. Wie die Verteilung bei Lungenfachärzten ist habe ich leider nicht gefunden.

Die Mehrzahl der in den letzten Wochen verstorbenen Mediziner waren Hausärzte. Dass besonders sie häufig angesteckt wurden, hat einen Grund: Sie waren schon vor der offiziellen Ausbreitung der Epidemie in Kontakt mit zahllosen Patienten, die vermutlich bereits an Covid-19 erkrankt waren und in ihre Praxen kamen. An Schutzkleidung hatte zu dem Zeitpunkt noch niemand gedacht.

Auch Hausarzt dürfte eine eher von Männern ausgeübte Tätigkeit sein, schon weil sie üblicherweise Selbständigkeit erfordert und damit schwerer mit Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen ist.

Einer dieser Ärzte war Marcello Natali. Der 57-Jährige schlug schon kurz nach dem Ausbruch der Epidemie in Italien Alarm, dass das Land auf eine medizinische Katastrophe zusteuere. Wie recht er hatte, musste der Allgemeinmediziner jeden Tag in seiner Praxis in Codogno hautnah miterleben. Codogno liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand und war eine der ersten Städte, die in Italien zur „Roten Zone“ erklärt und abgeriegelt wurden. Im örtlichen Krankenhaus soll sich der sogenannte „Patient eins“, der inzwischen genesen ist, mit dem Coronavirus angesteckt haben.
Als die Fallzahlen stiegen und viele seiner Kollegen in Quarantäne gehen mussten oder krank wurden, öffnete Natali seine Praxis auch für deren Patienten, um sie in einer so schwierigen Situation nicht alleine zu lassen. Das berichtete eine Kollegin der Zeitung „Il Resto del Carlino“. „Er hat sich nie geschont, obwohl wir keinen angemessenen Schutz hatten.“ In einem der letzten Interviews, die er vor seinem Tod gab, erzählte Natali dem Sender „Euronews“, dass er bei der Behandlung von Corona-Patienten keine Handschuhe tragen konnte. Es gab einfach nicht genug für alle.

Eigentlich ein guter Text, wenn man mal etwas der „toxischen Männlichkeit“ entgegen halten möchte. Denn das Aufopfernde, das Durchhalten trotz großer Gefahren, das stoische Hinnehmen der Risiken, dass kann eben auch alles Männlichkeit sein und beides, dieses Verhalten und das Verhalten, welches gern als toxische Männlichkeit dargestellt wird, bei dem man eben keine Schwäche und keine auf sich bezogenen Emotionen zeigt, kann sehr dicht beieinander liegen. „Er hat sich nie geschont“ und „er hat keine Handschuhe tragen können, weil keine mehr da waren“ kann man durchaus unter „toxische Männlichkeit“ fassen – er würde wahrscheinlich noch leben, wenn er nicht seine eigene Gesundheit hinten an gestellt hätte. Aber das wird dem, was er dort getan hat, wohl kaum gerecht.

„Jungs sind nicht böse und müssen auch nicht korrigiert werden“

Eine schöne Stellungnahme zu dem Konzept der „toxischen Männlichkeit“:

Boys are not bad. Boys do not need to be fixed. Boys do not need to be more like girls. And no matter how many lazy pieces of faux-journalism appear that shame our sons as inherently toxic and expendable, we will fight to ensure that they know that the culture is lying to them.

My life would not be what it is without the men who have and continue to bless it.

The loving heart of my father, still willing to drop everything if his girls need him, whose kindness and sense of humor makes the world a little better every day.

The department heads and colleagues who encouraged and supported me as an educator. My mentors through my twenties, thirties and still into my forties.

My friends.

My students.

My husband.

My sons.

Da würde eine Feministin vielleicht anführen, dass „toxische Männlichkeit“ da falsch verstanden wird und ja nur toxisches Verhalten beschreibt. Andererseits ist ja in deren Vorstellung auch keine „gesunde Männlichkeit“ vorhanden und sie werden wohl auch keinem Mann bescheinigen, dass er frei von toxischer Männlichkeit ist.

I never thought we would reach a point where it was commonplace to hear social commentators, journalists and presidential candidates awfulize boys and men — our fathers, brothers, husbands and sons — simply because they are male. There were always those fringe women’s studies professors and radical feminists who made their living by hating on men but I couldn’t have imagined that such ugliness would infect the public discourse and be lauded as brave, let alone enlightened.

It is not enlightened. In fact, it is woefully uninformed. And it is cruel.

Das ist in der Tat das eigentlich erschreckende. Das diese Konzepte als anerkannt dargestellt werden und unproblematisch verwendet werden können. Man kann damit als Weltverbesserer durchkommen, als jemand, der sich ja nur gegen das toxische wendet, die Welt für alle besser machen will.

Artikel, die den toxischen Anteil dieses Konzepts selbst thematisieren sind hingegen eher rar.

We hear the word “toxic” constantly, often followed by the word “masculinity.” Sometimes these men-haters throw in “problematic,” “misogyny” and “mansplaining” too. But having lived almost half a century, it is clear to me that toxicity has little to do with gender and everything to do with character and behavior.

Some men talk about and treat women terribly. So talk about those men. Some women are toxic from sun up to sun down. So include them in the conversation about toxicity.

But leave our sons alone and far away from the ugly stereotypes that feminists and media commentators immediately decry when they are applied to women.

Das ist natürlich innerhalb einer Identitätspolitik ein kaum zu vermittelnder Gedanke: etwas soll individuell zu betrachten sein und nicht einfach der Gruppe angelastet werden können?

Das gar andere Faktoren abseits des Geschlechts bereits negative Vorkommnisse erklären könnten ist da unvorstellbar. Aus meiner Sicht wäre ja schon der Anteil an Psychopathen in der Bevölkerung, die bei Männern eher auch zu Gewalt neigen, geeignet bestimmte Taten zu erklären.
Aber es muss eben etwas sein, was man der ganzen Gruppe als homogener Einheit anhängen kann. Alle Differenzierungen schaden da nur.

„Frauenmorde 2018: Von ihren Männern getötet“ die Zeit-Liste

Die Zeit hat eine Liste der Tötungen von Frauen durch ihre Partner veröffentlicht

Da die Taten unter „Femizid“ und „toxischer Männlichkeit“ behandelt wurden ist es durchaus interessant die mal durchzuschauen. Ich habe damit angefangen und es scheinen mir viele Fälle dabei zu sein, die zeigen, dass da Verzweifelung, geistige Krankheiten, erweiterte Suizide etc im Spiel sind. Ich habe versucht mal noch etwas mehr zu finden, merke aber, das ich da auch nicht wirklich voran komme und stelle es daher hier ein in der Hoffnung, dass es als Gruppenarbeit etwas eher ausgewertet werden kann.

Sie dazu auch:

1. Backnang (Baden-Württemberg) Er bringt sie, während die Kinder schlafen, „durch stumpfe Gewalt gegen den Hals“ um, wie es in der Anklage heißt. Er versteckt die tote Frau zunächst in einer Mülltonne, steckt die Leiche am nächsten Tag in Brand. Er habe seine Freundin immer wieder geschlagen und bedroht, auch gewürgt, sagen deren Familienmitglieder aus. Sie wurde 22 Jahre alt und hinterlässt einen sechsjährigen Sohn und ein elf Monate altes Baby.

Der Täter scheint schlicht sehr bestimmtes Persönlichkeitsprofil zu haben:

Narzisstisch, manipulativ, skrupellos, impulsiv-aggressiv – die Beschreibung des angeklagten Daniel E. durch den psychiatrischen Gutachter Peter Winckler wartete mit vielen gewichtigen Adjektiven auf. Eine Persönlichkeitsstörung – und damit verbunden eine eventuelle Schuldunfähigkeit – könne er bei Daniel E. aber nicht diagnostizieren. Das sei schon deshalb nicht möglich, weil der Beschuldigte dem Psychiater gegenüber keine Angaben gemacht habe, die über seine derzeitige Haftsituation hinausgehen. Was Winckler aber sagen konnte, war, dass die „Dissozialität“ des Angeklagten auffalle: seine „hohe Bereitschaft, Gesetze zu brechen und andere übers Ohr zu hauen“. Prognostisch bedenklich fand der Gutachter vor allem die Empathielosigkeit, die Daniel E. zeigte. „Er lässt bedenkenlos andere über die Klinge springen.“

 

2. Bad Peterstal-Griesbach Sie gibt zu, dass sie fremdgeht, und sagt, sie könne nicht verstehen, warum sie ihn je geheiratet habe. Er würgt sie, fügt ihr 32 Messerstiche zu. Das Gericht wertet die Tat nicht als Mord, sondern als Totschlag. Die Trennung habe dem Täter den Boden unter den Füßen weggezogen, so die Begründung. Sie wurde 46 Jahre alt.

Partnerschaftgewalt in Deutschland und Europa

Anzahl der Menschen, die in Deutschland von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet wurden

Quelle für alle Grafiken in diesem Artikel: BKA, eurostat© ZEIT-Grafik

3.Bad Sebastiansweiler Sie bewohnen gemeinsam ein Zimmer in einem Pflegeheim. Er erschießt zunächst sie, dann sich selbst mit einem Revolver. Sie wurde 84 Jahre alt.

Könnte eine Tötung auf Verlangen sein. Wäre dann kein Fall von Partnerschaftsgewalt in dem kritisierten Sinne.

 

4. Freiburg Während eines Streits an seinem Geburtstag schlägt er mehrmals kraftvoll mit einer leeren Bierflasche und einem Glaskrug auf seine Ehefrau ein. Sie stirbt am Tatort, der gemeinsamen Wohnung.

5. Heilbronn Er erwürgt laut Ermittlungen seine Lebensgefährtin und bringt sich anschließend selbst um. Sie wurde 47 Jahre alt.

Evtl Tötung auf Verlangen?

 

6. Laichingen Während er eine Haftstrafe verbüßt, reicht sie die Scheidung ein. Nach seiner Freilassung gelangt er durch ein Kellerfenster in die Wohnung, wo sie mit den drei Töchtern lebt. Er bricht im Schloss den Schlüssel ab, sodass sie nicht fliehen kann. Mit mehreren Messerstichen tötet er sie. Sie wurde 30 Jahre alt.

Aus einem Bericht:

Er habe der Frau, die sich von ihm trennen wollte, „das Weiterleben außerhalb der Beziehung nicht vergönnt“. Der verurteilte Russe habe die 30-jährige, ebenfalls aus Russland stammende Frau mit elf Stichen getötet, davon sieben in den Rücken, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Mord wurde im November 2018 in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) in der Wohnung der Frau begangen.

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses im Juni ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Allerdings machte er mit Hilfe seines Verteidigers geltend, er sei nicht in der Absicht in die Wohnung gegangen, seine Frau umzubringen. Zu der Tötung sei es im Affekt gekommen. Staatsanwältin Claudia Nemetz hatte erklärt, der alkoholkranke Ehemann sei gezielt und planmäßig vorgegangen.

 

7. Marburg Keine Daten verfügbar.

8. Mühlacker In der Wohnung, in der sie mit ihren Kindern und ihrem neuen Partner lebt, tötet er sie, 41 Jahre alt, mit neun Messerstichen. Er nimmt nach der Tat ein Video auf: „Gerade bin ich zu meiner Frau gegangen, um mit ihr zu sprechen und alle Probleme zu klären, um unsere Beziehung wieder zu bessern. Aber sie hat mich rausgeschmissen, woraufhin ich sie mit dem Messer erstochen habe. (…) Das ist eine Nachricht an alle Frauen, die das mit ihren Männern machen.“

9. Nagold Er tötet zunächst seine Frau, dann sich selbst. Die Ermittler vermuten, dass die Frau sterben wollte. Das konnte jedoch nicht geklärt werden. Möglicherweise hatte die Frau ihren Mann angewiesen, ihr das Leben zu nehmen. Sie starb im Januar 2018, ihre Leiche wurde erst im April gefunden. Sie wurde 55 Jahre alt.

Auch evtl Tötung auf Verlangen und damit eher ein schlechter Nachweis für die Schlechtigkeit der Männer.

 

10. Pfullendorf Sie schläft. 30 Mal sticht er mit großer Wucht auf sie ein. Sie, 34 Jahre alt, hatte sich von ihm trennen wollen wegen seines starken Alkoholkonsums.

Evtl erhebliche Störungen

Ein 34-jähriger Mann soll seine Frau am 6. Dezember 2018 in Pfullendorf mit 30 Messerstichen getötet haben. Die Staatsanwaltschaft stuft die Tat als Totschlag ein, geht jedoch aufgrund eines Gutachtens davon aus, dass der 34-Jährige die Tat im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit begangen hat. Daher läuft jetzt ein Sicherungsverfahren vor dem Landgericht. Hier wird geklärt, ob der Mann in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wird, statt eine Haftstrafe im Gefängnis zu verbüßen.

 

 

11. Rastatt Er schlägt, so gesteht er, mit einem Baseballschläger gegen 3 Uhr morgens auf seine schlafende Ehefrau, 45, ein und erwürgt sie dann mit bloßen Händen.

12. Rems-Murr-Kreis Er steht laut Ermittlungen bei der Nachbarin vor der Tür, wirkt verwirrt, wie oft seit einer Hirnoperation, der er sich hat unterziehen müssen. Er mache sich Sorgen um seine Frau, sagt er. Die Nachbarin bringt ihn zur Polizei. In der Wohnung des Paars wird die Leiche der 69-Jährigen gefunden.

Auch ein schlechter Nachweis, da er anscheinend geistig verwirrt ist

 

13. Sandhausen Er erwürgt sie in der gemeinsamen Wohnung, da ist er schon schwer krank. Wenige Monate später stirbt er. Sie wurde 86 Jahre alt.

 

 

14. Schwäbisch Gmünd In dem Mehrfamilienhaus wird sie tot aufgefunden, am gesamten Körper weist sie „Anzeichen stumpfer Gewalt“ auf. Der Ehemann flieht nach Litauen, wo er sich der Polizei stellt. Sie wurde 69 Jahre alt.

15. Sindelfingen Er, ein Physiklehrer, lauert ihr auf einem Parkplatz auf, zieht sich eine Faschingsperücke über und sticht, mitten am Tag, vor den Augen zahlreicher Passanten, mit einem 20 Zentimeter langen Messer minutenlang auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau ein. Lässt erst von ihr ab, als ein herbeigerufener Polizist mit einer Maschinenpistole im Anschlag ruft: Messer weg. Er sah nicht ein, ihr den Unterhalt zahlen zu müssen, den ein Gericht ihr zugesprochen hatte. Die Tat war geboten, sagt er vor Gericht. Das natürliche Recht ist auf meiner Seite. Sie wurde 57 Jahre alt und hinterlässt zwei Söhne.

 

Klingt sehr verrückt

der 60-Jährige fordert seinen Freispruch. Er habe in Notwehr getötet. Nicht sein Leben wollte er schützen, sondern sein Vermögen. Mit Immobiliengeschäften hatte er das Erbe seiner Eltern bis zur Höhe von 3,8 Millionen australischer Dollar gemehrt, umgerechnet 2,4 Millionen Euro. Seine Frau wollte die Scheidung. Danach hätte ihr etwa die Hälfte des Geldes zugestanden. „Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, sagt der 60-Jährige, „die Tat war geboten“. Nicht für sich, für die gemeinsamen drei Kinder habe er das Geld vor dem Vater seiner Ehefrau retten wollen. „Natürlich hätte ich ihr Leben erhalten sollen, aber ich sollte auch das Erbe erhalten“, sagt der 60-Jährige, „das war eine Pflichtenkollision

(…)

Noch kurz vor der Tat hatte er seine Ehefrau gebeten, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Dies per Handynachricht in zwar eindringlichen, aber ebenso wohl gewählten wie höflichen Sätzen. Vor Gericht spricht er von seiner Ehefrau anders: „Sie war eine Nutte“, sagt der 60-Jährige. Seine 34 Jahre währende Ehe beschreibt er als Martyrium. „Das war die allerschlimmste Männermisshandlung, mich zu unterdrücken, war ihr ein sportliches Vergnügen.“ Wegen der Scheidungsgesetze habe er sich nicht wehren können. Nach seiner Rechnung hätte nicht er seiner Frau Geld überweisen müssen, sondern sie ihm. Auf umgerechnet 2,5 Millionen Euro rechnet der Angeklagte die Summe hoch, die seine Frau ihn im Verlauf der Ehe gekostet habe.

16. Stuttgart Laut Ermittlungen hatte sie sich einige Monate zuvor von ihm getrennt. Ihre Mutter findet sie erstochen in ihrer Wohnung. Die Gewerkschaftsmitarbeiterin wurde 39 Jahre alt und war wegen ihres großen Engagements im Bezirk sehr beliebt.

17. Stuttgart Bekannte des Ehepaares alarmieren in den Morgenstunden die Polizei. Er, 87 Jahre alt, ist schwer verletzt, sie, 91, ist tot. Er wollte sich nach der Tat das Leben nehmen.

 

Erweiterter Suizid

 

18. Stockach Sie äußerte seit einer Weile Suizidgedanken. An ihrem 39. Geburtstag gerät das Ehepaar in Streit. Er drückt sie zu Boden, sagt, dass er ihren Wunsch zu sterben erfüllen wird und erwürgt sie. Danach ruft er die Polizei und gesteht seine Tat.

Hier ein Bericht

 

19. Reutlingen Der Pflegedienst entdeckt Montagmorgen um 7 Uhr ihre Leiche neben der ihres Mannes, der nach der Tat Suizid beging. Sie wurde 86 Jahre alt.

Auch ein gemeinsamer Suizid

 

20. Winterlingen Im Wohnzimmer, wo die Tat passierte, finden die Ermittler sechs Patronenhülsen und sechs Projektile. Fünf Schüsse hat der Mann auf seine Ehefrau abgegeben, drei davon aufgesetzt, in den Bauch und in die Brust. Ein sechster Schuss hat sich wahrscheinlich im Gerangel mit der 17-jährigen Tochter gelöst. Sie kam verletzt ins Krankenhaus, ihre Mutter starb am Tatort. Sie wollte ihren Mann verlassen, er wollte es nicht hinnehmen. Sie wurde 41 Jahre alt.

Hier ein Bericht:

 Der Mann, der am 1. April dieses Jahres seine Frau in Winterlingen vor den gemeinsamen vier Kindern erschoss, wurde vom Hechinger Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Ehefrau wollte ihn zusammen mit den vier Kindern verlassen. Diesen Autoritätsverlust habe der Mann nicht verkraftet. „Ihr Denken und Handeln war geprägt von Ihrer kosovarischen Herkunft“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

Wie viele männliche Tatverdächtige (TV) in Fällen von Partnerschaftsgewalt aus dem Jahr 2018 vorher bereits aufgefallen sind

© ZEIT-Grafik

21. Amberg (Bayern) Sie erlitt zwei Hirninfarkte und wurde zum Pflegefall. Er kümmert sich um sie und den Haushalt. Man habe die Frau manchmal am Stock beim Spaziergang gesehen, sagen die Nachbarn. Und: Die Wohnung sei immer picobello gewesen. Doch er trinkt jeden Abend ein Sixpack Bier. Eines Nachts setzt er sich rittlings auf seine Frau, während sie schläft, und erwürgt sie. Er habe entschieden, dass „für meine Frau (…) jeder Sinn des Lebens verloren gegangen“ sei, erklärt er vor Gericht.

Ein Bericht

Eine neue Wohnung zu finden, sei dem Mann nicht gelungen, obwohl er sich ehrlich darum bemühte. In dieser Lage habe der Angeklagte den Tötungsplan gefasst und ihn am 21. Februar 2018 gegen 21.30 Uhr umgesetzt. „Sie lag schlafend im Bett und konnte sich nicht wehren“. Der 59-Jährige sei unter „erheblichem Alkoholeinfluss“ ins Schlafzimmer gegangen und habe das Opfer erwürgt.

Auch was danach geschah, ließ die Richterin nicht unerwähnt. „Er hat versucht, sich mit 60 Tabletten das Leben zu nehmen und schrieb zwei Abschiedsbriefe an den Sohn“. Auch daraus habe sich die verzweifelte Lage des Mannes entnehmen lassen. „Ein Mensch, der überfordert war, obgleich er sich anstrengte, Herr der Lage zu werden.“ Zur Tatzeit sei seine Steuerungsfähigkeit sicher eingeschränkt gewesen. Gleichwohl aber hieß es in der Urteilsbegründung: „Keiner hat das Recht, darüber zu entscheiden, ob ein Leben noch lebenswert ist“. Auch nicht in einer solchen Situation der Verzweiflung.

 

22. Bad Staffelstein Beide werden tot von Einsatzkräften des Rettungsdienstes im Einfamilienhaus aufgefunden. Das Ermittlungsverfahren ergibt, dass er sie getötet hat. Unklar bleibt, ob sie sterben wollte, es also eine Tötung auf Verlangen war. Sie wurde 57 Jahre alt.

Tötung auf Verlangen

 

23. Birkhausen Sie wird tot in der Güllegrube des gemeinsamen Hofs gefunden. Er behauptet, es sei ein Unfall gewesen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 55-Jährigen vor, er habe seine Frau bewusstlos geschlagen und mit Gülle übergossen, bis sie starb. Er habe sich über sie geärgert, weil sie sich habe scheiden lassen wollen. Nachdem sie sich zuletzt kaum noch um die Schweine und die Felder gekümmert habe, habe er ihr kein Haushaltsgeld mehr zugebilligt.

Ein Bericht

 

24. Coburg 18 Mal war die Polizei im Einsatz, weil er seine Frau immer wieder schlug. Panische Angst habe sie vor ihrem Mann gehabt, sagen mehrere Zeugen im Gerichtsverfahren aus. Sie wagt die Trennung, doch er verfolgt und beobachtet sie. 15 der 20 Messerstiche, die er ihr beibringt, sind tödlich. Sie wurde 35 Jahre alt.

Ein Bericht

 

25. Gunzenhausen Am Tag vor ihrem Tod sagt sie bei der Polizei aus, um ein Kontaktverbot zu erwirken, nachdem sie sich getrennt hat. Er bedrohe sie, habe ihr ein Messer gezeigt und gesagt: „Willst du sterben, dann mache ich das fertig.“ Nachts schleicht er sich in die Wohnung. Er ersticht seine dreijährige Tochter, seine sieben und neun Jahre alten Söhne, seine Frau. Deren Bruder, der zum Schutz der Familie auch in der Wohnung übernachtet, kann nichts ausrichten

Ein Bericht

 

 

26. Haar Sie, 41 Jahre alt, vertraute sich einer Ärztin an: Sie habe Angst vor ihrem Mann. Einer Freundin sagte sie, sie wünsche sich, ihr Mann würde sich Arbeit suchen und mit den drei kleinen Kindern etwas unternehmen statt den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen. 19 Mal tritt er ihr gegen Kopf und Gesicht und schneidet ihr dann mit einem Messer die Kehle durch.

 

 

27. Ingolstadt Sie leben in der städtischen Obdachlosenunterkunft. Er schlägt sie, „wegen Nichtigkeiten“, so geben es vor Gericht ihre Freunde an, bricht ihr die Nase. Er ist 49 Jahre alt, hochintelligent, IQ 130, alkoholkrank. Sie sei ein fröhlicher Mensch gewesen, aufgeschlossen und freundlich. In ihrer Beziehung habe sie fürchterliche Gewalt erleben müssen. Er erschlägt sie mit bloßen Händen: mindestens ein wuchtiger Schlag mit der Faust ins Gesicht ist tödlich. Sie wurde 34 Jahre alt.

Ein Bericht

Sie war nach außen hin ein Sonnenschein, in der Regel immer fröhlich, aufgeschlossen und freundlich. So beschrieben Freunde und Bekannte die Frau, die schon vor dem 5. September 2017 in ihrer Beziehung „ein Martyrium durchlitten“ hat, wie der Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl am Freitag zusammenfasste. „Fürchterliche Gewalt“ musste die 34-Jährige durchstehen, weil sie von ihrem Lebensgefährten über Monate grün und blau geschlagen wurde; er ihr sogar die Nase brach. Und meist „wegen Nichtigkeiten“, wie Bösl sagte. „Man kann sich nicht vorstellen, dass sie diese Beziehung aufrechterhalten hat.“ Doch so sehr die Frau litt, gehört zur Wahrheit der „ambivalenten Beziehung“ (Bösl), dass die 34-Jährige sich nicht von ihrem Peiniger trennen wollte, ihn immer wieder zur Rückkehr aufforderte und ihn – obwohl ihr Umfeld sie dazu drängte – nicht für seine Gräueltaten anzeigen wollte. Letztlich bezahlte sie in der Septembernacht dafür mit ihrem Leben.

Wie Bösl als deren Vorsitzender und der Rest der Schwurkammer des hiesigen Landgerichts überzeugt sind, hat der 15 Jahre ältere Lebensgefährte die 34-Jährige in deren Wohnung in der städtischen Obdachlosenunterkunft am Franziskanerwasser totgeschlagen. Mindestens einen nachweisbaren und äußerst wuchtigen Schlag muss der schwere Alkoholiker seiner geliebten Saufkumpanin nach einem gemeinsam durchzechten Abend (fast zwei Flaschen Obstler, sechs Bier und fünf bis sieben Joints) gegen den Kopf versetzt haben. Daraus entstand eine schwere Gehirnblutung. Die Frau lag am nächsten Morgen leblos im Bett. Der 49-Jährige setzte selbst einen Notruf ab. Jede Hilfe kam aber zu spät.
(…)
Weit prägender für den Ausgang des Verfahrens war die Suchterkrankung des Alkoholikers, der zur angenommenen Tatzeit im Bereich von um die drei Promille intus gehabt haben müsste – allerdings dadurch keinerlei Einschränkungen bei der Steuerungsfähigkeit hatte. Da die vom Gericht bestellte psychiatrische Sachverständige die rechtlichen Voraussetzungen für einen stationären Alkoholentzug als erfüllt ansah, verhängte die Schwurkammer den sogenannten Maßregelvollzug in einer geschlossenen Einrichtung. Die Therapie dauert maximal zwei Jahre, nach denen der Verurteilte – wie vom Gesetzgeber vorgesehen – nach der Hälfte der Gesamtstrafe auf Bewährung freikommen kann. Für den 49-Jährigen, der seit 14 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, heißt das: In etwa einem halben Jahr kann er – weil die U-Haft angerechnet wird – schon aus der Strafhaft in die geschlossene Entziehungsanstalt zur Therapie wechseln. Und er wäre bei erfolgreicher Behandlung (Bösl: „Reißen Sie sich zusammen“) womöglich nach insgesamt drei Jahren und neun Monaten in Haft oder Behandlung (unter Auflagen) frei.

Das ist eine Zeitspanne für jemanden, der ein Menschenleben gewaltsam ausgelöscht hat, die am Freitag nicht nur im Zuhörerraum mit Erstaunen aufgenommen wurde, sondern auch vom Verurteilten selbst. Der 49-Jährige hatte „in einem beeindruckenden letzten Wort“, wie Richter Bösl selbst sagte, voller Reue für sich tatsächlich die Höchststrafe gefordert. „

 

28. München Die beiden Architekten waren sechs Jahre zuvor für kurze Zeit ein Paar gewesen. Sie trennt sich, seither stalkt er sie. Sie geht gegen ihn juristisch vor, wechselt mehrmals den Wohnort. Zuletzt geht sie nur noch in Begleitung einer Nachbarin aus dem Haus. In ihrem Hauseingang sticht er 18 Mal mit einem Buchbindermesser auf sie ein. Sie wurde 45 Jahre alt.

Ein Bericht ?

Tat von 2017?

29. München Fünf Männer – einer von ihnen ist ihr Lebensgefährte – sind an dem Mord beteiligt: Einer schlägt ihr ins Gesicht, sodass sie mehrere Zähne verliert. Ihr Lebensgefährte würgt sie. Ein anderer schlägt ihr mit einem Hammer auf den Kopf. Mithilfe zweier weiterer Männer werfen die Täter die Frau, die obdachlos war, in einen Bauschacht.

 

 

30. München Unter dem Vorwand, dass der gemeinsame siebenjährige Sohn ins Krankenhaus müsse, lockt er sie in die Stadt – sie, 30 Jahre alt, lebt seit der Trennung in Brandenburg. Er holt sie morgens am Busbahnhof ab, zusammen durchqueren sie ein nahe gelegenes Waldstück. Mehrmals sticht er auf sie ein, sie verliert ihre Schuhe, versucht barfuß zu fliehen. Er ist schneller. Eine halbe Stunde später ist sie tot.

31. München Sie waren seit zwölf Jahren ein Paar. Sie arbeitet in einem Elektronikunternehmen, er spielt zu Hause Computer und geht mit dem Hund spazieren. Er ist eifersüchtig und kontrolliert ihr Telefon. Dort findet er Nachrichten von einem Arbeitskollegen, mit dem sie eine Affäre begonnen hat. Als er sie konfrontiert, sagt sie ihm, dass sie sich trennen will. Mit seinem Gewicht von 103 Kilo setzt er sich auf den Oberkörper seiner Freundin, einer zierlichen Frau, drückt mehrere Minuten lang mit den Daumen gegen ihren Kehlkopf. Noch Tage später würden ihm, so gibt er an, Daumen und Unterarme schmerzen. Er versteckt ihre Leiche in einer Kellerruine, die er vom Spielen aus Kindertagen kennt. Dann schickt er sich selbst von ihrem Telefon eine Nachricht: „Ich weiß, dass ich dich tief drin immer noch liebe, mach’s gut“. Die Leiche der 31-Jährigen wird erst nach wochenlanger Suche gefunden.

Europäischer Vergleich

Tötung pro 1 Mio. Einwohner im Jahr 2017 (*Datenerhebung nach Beginn der polizeilichen Ermittlungen; **Datenerhebung nach erfolgter erster Anzeige)

© ZEIT-Grafik

32. Neuendettelsau Seit vier Wochen sind sie verlobt, er ist 36 Jahre alt, sie 21. Sie geraten in einen Streit über eine unbezahlte Rechnung, da würgt er sie zu Tode.

33. Neumarkt in der Oberpfalz Sie sitzt im Arbeitszimmer am Computer, als er ihr laut Geständnis mit einer zwei Kilo schweren Hantelstange gegen den Kopf schlägt. Sie stürzt sofort zu Boden, er schlägt noch einige Male mit der Stange zu, dann würgt er sie, bis sie stirbt. Er meinte, sie habe eine Affäre, außerdem habe sie begonnen, in ihrer Freizeit Romane zu schreiben, und sich immer weniger um die sieben Katzen, den Hund und den Haushalt gekümmert. Sie wurde 55 Jahre alt.

34. Postbauer Heng Keine Daten verfügbar.

35. Unterföhringen Sie sind beide beruflich erfolgreich, sportlich, haben ein reges Sozialleben. Er verliebt sich in eine andere Frau, die glaubt, er sei Single. Eines Abends sagt er seiner Affäre, sie solle ihn im Reihenhaus besuchen kommen. Dort hat er gerade seine Freundin über Minuten zu Tode gewürgt, ihre Leiche in den Keller gebracht. Die Nacht verbringt er mit seiner ahnungslosen Geliebten. Diese gibt bei der Gerichtsverhandlung an, sie wisse nicht, wie sie nach diesem Erlebnis wieder Vertrauen zu Fremden fassen solle.

 

 

36. Wunsiedel Seine Versicherung überweist ihm kein Krankengeld, er begleicht seinen Anteil an der Miete und Verpflegung nicht mehr. Er gerät mit seiner Frau in Streit darüber und erschlägt sie mit 22 Beilhieben. Es habe „irgendwie Klick gemacht“, sagt er vor Gericht. Sie wurde 73 Jahre alt.

37. Berlin Er schlägt sie immer wieder, die Nachbarn im Haus sagen aus, sie hätten Angst vor dem muskulösen Mann gehabt. Als sie sich von ihm trennen will, eskaliert der Streit. Er sticht mit dem Küchenmesser 14 Mal zu, stellt sich dann der Polizei. Sie wurde 36 Jahre alt und hinterlässt ihre drei Kinder.

38. Berlin Sie lebten seit zehn Jahren getrennt, aber hatten seither auch kurze Phasen des Verliebtseins. Dann lernt sie einen anderen Mann kennen. Ihr Ex-Partner sucht sie in ihrer Wohnung auf, erwürgt sie mit der Strumpfhose eines der vier gemeinsamen Kinder. Er hätte, ermahnt ihn der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung, „wissen müssen, dass eine Frau hierzulande frei entscheiden kann, was sie tun und wie sie leben will“. Sie wurde 44 Jahre alt.

39. Berlin Er injiziert ihr, 67 Jahre alt, Demenzpatientin, im Zimmer ihres Pflegeheims eine Dosis Pento-Darbital.

 

40. Berlin Sie hatte schon oft die Polizei gerufen, weil er gewalttätig war. Nach elf Jahren Ehe will sie sich scheiden lassen. Laut Anklage sehen die vier Kinder mit an, wie er sie ersticht. Sie wurde 32 Jahre alt.

41. Berlin Sie will sich von ihm trennen, hat einen neuen Freund. Er würgt sie zu Tode. Sie wurde 44 Jahre alt und hinterlässt fünf Kinder.

42. Berlin Sie arbeitete als Altenpflegerin, die Familie lebte von ihrem Gehalt. Immer wieder alarmierte sie die Polizei, weil er gewalttätig war. Schließlich erwirkte sie einen Beschluss, wonach er die gemeinsame Wohnung nicht mehr betreten durfte. Darüber wird er so wütend, dass er sie bewusstlos schlägt. Er fesselt sie und vergewaltigt sie, bevor er ihr mit dem Küchenmesser in den Oberkörper sticht.

43. Berlin Sie ist 40, er 21. Sie sind noch nicht lange ein Paar, da erschlägt er sie in ihrer Wohnung mit einem gläsernen Windlicht.

44. Berlin Sie ist eine erfolgreiche Hotelmanagerin, sie lernen sich beim Spazierengehen mit den Hunden im Park kennen. Als sie sich trennt, stellt er ihr nach, hämmert gegen ihre Tür. Sie kommt bei ihrer Schwester unter, erwirkt ein Kontaktverbot. Er kauft ein Steakmesser und googelt, in welchem Gefängnis die Pritschen am bequemsten sind. Als sie morgens zur Arbeit will, sticht er sie auf offener Straße nieder. Sie wurde 32 Jahre alt.

45. Bad Saarow (Brandenburg) Sie, 44 Jahre alt, hatte die Scheidung eingereicht und Strafanzeige gestellt, nachdem er sie krankenhausreif geschlagen hatte. Zwei Wochen später erschlägt er sie, so die Ermittlungen, und wirft sich dann vor einen Zug. Der neunjährige gemeinsame Sohn wird in Obhut des Jugendamts gegeben.

46. Bremen Ein 27-Jähriger ersticht seine gleichaltrige Frau in der Silvesternacht. Beide standen unter Einfluss von Drogen. Die Frau habe sich trennen wollen, es aus Angst aber nicht getan, bezeugt eine Arbeitskollegin vor Gericht. Er habe sie immer wieder geschlagen, gewürgt, bespuckt, ihr einmal beim Baden des gemeinsamen Sohns den Kopf unter Wasser gedrückt.

47. Bremerhaven Seine Geliebte will nicht bei ihm einziehen, solange seine Ehefrau noch bei ihm wohnt. Er antwortet auf WhatsApp: „Das spornt mich an, dass sie weg muss, die entsorge ich.“ Er erstickt seine Frau, 41 Jahre alt, im Schlaf und vergräbt die Leiche im Gemüsebeet. Der gemeinsame zehnjährige Sohn lebt seither bei Angehörigen.

114.393Weibliche Opfervon Partnerschaftsgewalt gab es in Deutschland 2018

48. Hamburg Er stellte ihr nach, bedrohte sie. Sie erwirkte ein Kontaktverbot. Am S-Bahnhof Jungfernstieg treffen sich beide zufällig, sie hat die gemeinsame Tochter dabei, 21 Monate alt. Er sticht auf sie und das Kind ein. Die Hamburger AfD-Fraktion trägt das falsche Gerücht weiter, der Mann habe seine beiden Opfer enthauptet.

49. Hamburg Sie geraten in Streit, weil sie ihn nicht heiraten will. Er schlägt ihr mit der Bratpfanne auf den Kopf, würgt sie, sticht dann mehrmals auf sie ein. Sie wird 26 Jahre alt.

50. Hamburg Sie teilen sich eine Wohnung im neunten Stock eines Studentenwohnheims. Er fügt ihr laut Ermittlungen tödliche Stich- und Schnittverletzungen zu, stürzt sich dann aus dem Fenster und stirbt. Sie wurde 23 Jahre alt.

51. Hamburg Sie hatte Schutz im Frauenhaus gesucht, eine Kontaktsperre für ihren Ex-Mann erwirkt, der ihr immer wieder Gewalt angetan hatte, sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit einem Elektroschocker gequält hatte. Die Kontaktsperre läuft aus. Er sucht sie in ihrer Wohnung auf, es kommt zum Streit. 50 Schnitte und Stiche notiert die Gerichtsmedizin später. Die zwei jüngeren Söhne finden die Leiche ihrer Mutter, als sie von der Schule kommen. Sie und die beiden Brüder leben seit der Tat bei Verwandten.

52. Hamburg Als die Nachbarn aus der Wohnung einen Schuss hören, dann noch einen und dann gar nichts mehr, rufen sie die Polizei. Das SEK rückt an. Er liegt, die Pistole noch in der Hand, im Flur der Wohnung, sie, 68 Jahre alt, in der Küche. Das Paar sei immer freundlich gewesen, man habe nie etwas von Streit oder Gewalt mitbekommen, sagen die Nachbarn.

53. Bad Homburg (Hessen) Keine Daten verfügbar.

54. Hanau In der Innenstadt sticht er mit einem beidseitig geschliffenen Dolch insgesamt 40 Mal auf sie ein. Sie wollte ihn verlassen. Sie wurde 52 Jahre alt.

55. Heringen Sie leben weitgehend von ihrem Geld. Er kontrolliert sie und ist eifersüchtig. Sie will ihn verlassen, als sie sich in einen anderen Mann verliebt, hat aber Angst vor der Reaktion ihres Freundes, wie ihre Mutter der Polizei sagt. Bei einem Waldspaziergang will sie Klarheit schaffen. Er würgt sie minutenlang, laut Spuren habe sie sich verzweifelt gewehrt, so bezeugt es die Gerichtsmedizin. Sie liegt acht Monate lang im Koma, bevor sie stirbt. Sie wurde 24 Jahre alt.

56. Heusenstamm Sie sind seit 24 Jahren verheiratet. Dann verlässt sie ihn für einen alten Schulfreund. Sie wird ihre Strafe noch bekommen, sagt er der Tochter und dem Schwiegersohn, wie dieser von Gericht bezeugt. Sechs Mal schlägt er seiner Frau mit einem Hammer auf den Kopf, drückt ihr dann mit Händen und Unterarmen die Kehle zu. Sie wurde 52 Jahre alt.

57. Kelsterbach Das Paar, er 72, sie 63, arbeiten beide nicht mehr, streiten sich seit Jahren. Er ist eifersüchtig und wirft ihr vor, sie wolle ihn vergiften. An diesem Nachmittag geht es um eine Steuernachzahlung. Im Keller ihres Hauses verletzt er sie mit einer abgebrochenen Glasflasche tödlich am Hals.

58. Langen Sie hatte noch mal studiert, tritt mit 39 Jahren ihre Stelle als Grundschullehrerin an. Er wird arbeitslos. Er drückt ihr, während sie schläft, ein Kissen auf das Gesicht, würgt sie dann zu Tode. Die gemeinsamen Kinder, 13 und 16 Jahre alt, schlafen nebenan. Sie wurden nach der Tat Familienangehörigen in Obhut gegeben.

59. Lich Keine Daten verfügbar.

60. Oberursel Er kontrollierte sie, sie durfte nicht ausgehen, musste ihre Einkünfte abgeben. Sie flirte auf Instagram mit einem anderen, hält ihr Ehemann ihr vor, während sie gerade staubsaugt. 25 Mal sticht er ihr mit dem Messer in den Oberkörper. Im Nebenzimmer sitzen seine neun und zwölf Jahre alten Töchter sowie deren 15-jähriger Cousin. Er droht ihnen, er werde sie auch umbringen, wenn sie jemandem etwas erzählen. Vor Gericht bestätigt die Jugendgerichtshilfe, die Töchter hätten „panische Angst, in Gegenwart ihres Vaters auszusagen“.

61. Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) Nach einem Streit fesselt er, bekennender Reichsbürger, sie nackt ans Bett und misshandelt sie mit einer Peitsche. Dort ließ er sie liegen, sie litt Hunger und Durst, ihre Leiche wurde zwei Monate später von der Polizei bei einem Einsatz wegen Ruhestörung gefunden. Die Frau wurde 32 Jahre alt.

62. Rostock Sie waren 13 Jahre lang zusammen, trennten sich dann. Über Monate nähert er sich ihr über ein Fake-Profil in einem sozialen Netzwerk. Mit einem Schlüssel verschafft er sich Zutritt zu ihrer Wohnung und tötet sie, die in der Badewanne liegt, mit mehreren Messerstichen. Gegen das Urteil auf Mord wurde Revision eingelegt.

63. Landkreis Rostock Keine Daten verfügbar.

64. Stralsund Sie ist 85, er 80. Er erstickt sie mit einem Kissen, während sie schläft. Sie hatte die Scheidung gewollt.

65. Vorpommern-RügenKeine Daten verfügbar.

66. Bramsche (Niedersachsen) Sie, 23 Jahre alt, teilt ihm mit, sie wolle ihn verlassen. Er gibt bei gute-frage.de ein: Wie lange kommt man bei Mord ins Gefängnis? Er erschlägt sie mit der Axt, zündet dann die gemeinsame Wohnung an.

67. Bockenem Er fuhr mehrmals am Tag zu dem Bistro, in dem sie arbeitete, um sie zu kontrollieren. Er hatte Zugriff auf ihr Facebook-Konto. Sie beginnt ein Verhältnis mit ihrem Chef, er erfährt davon. Ihre nackte Leiche wird im Gebüsch an der A7 gefunden. Sie wurde 32 Jahre alt und hinterlässt zwei Kinder.

68. Delmenhorst Beide sind obdachlos, leben auf einem brachliegenden Bahngelände, er ist 30, sie 51. Aus Eifersucht schlägt er mit einem Hammer auf sie ein, 80 Mal. Er entblößt sein Opfer, lässt es liegen. Sein Verteidiger gibt vor Gericht an, sein Mandant habe nicht ahnen können, dass die Frau sterben würde. Ihm wird nicht geglaubt. Das Urteil lautet 13 Jahre wegen Totschlags.

69. Hannover Sie hat sich von ihm getrennt, er lauert ihr auf, als sie morgens um 5.30 Uhr zum Dienst als Krankenpflegerin das Haus verlässt. Elf Mal sticht er zu. Sein Opfer klagte ihn einen Monat vor der Tat an; er soll sie in der Beziehung vergewaltigt haben, ihr aufgelauert haben, verkleidet mit Perücke und geschminktem Gesicht, ihr mit dem Tod gedroht haben. „Ich habe sie so geliebt“, sagt er unter Tränen vor Gericht. Sie wurde 35 Jahre alt.

70. Hardegsen Wenige Tage zuvor hat sie sich getrennt. Er lauert ihr auf, sticht mit einem Klappmesser elf Mal auf sie ein. Sie schleppt sich noch 80 Meter weit, bricht dann zusammen. Er tritt vor Gericht mit drei Verteidigern auf, von denen einer regelmäßig in Sat.1-Doku-Soaps auftritt. Sie wurde 23 Jahre alt.

71. Hannover Keine Daten verfügbar.

72. Grünenplan Sie hatte die Trennung schon ausgesprochen, da taucht er überraschend in der ehemals gemeinsam bewohnten Wohnung auf. Es kommt zum Streit. Er prügelt auf sie ein, tritt sie, greift sich einen Hammer und einen Haken. Der Vermieter, der dazwischengeht, kann ihn nicht abhalten. 20 Minuten lang dauert der Angriff. Die drei kleinen Töchter müssen es mit ansehen. Sie wurde 33 Jahre alt.

73. Salzgitter Immer wieder hat er sie geschlagen, deshalb trennt sie sich von ihm. Sie bekommt das Sorgerecht für die vier Kinder zugesprochen. Am Abend der Gerichtsverhandlung sitzt sie mit den Kindern und ihren Geschwistern im Garten. Da taucht ihr Ex-Freund auf, ruft: „Das wolltest du so“, und schießt ihr aus der Nähe in die Stirn. Sie wurde 30 Jahre alt.

74. Salzgitter In der ehemals gemeinsam bewohnten Wohnung sticht er sie nieder. Vier Tage später meldet er sich bei der Polizei und gesteht die Tat. Sie wurde 33 Jahre alt.

75. Winsen Sie sagt ihm, dass es bei der Trennung bleibe, sie sich vorstellen könne, mit jemand anderem zusammenzuleben. Am Abend gelangt er durch die unverschlossene Gartentür in ihr Haus. Er sticht mit dem Messer auf sie ein. Die beiden acht und zwölf Jahre alten Söhne sind auch im Haus. Der ältere der beiden klingelt laut Pressebericht beim 84-jährigen Nachbarn und bittet um Hilfe. Der betrunkene Täter steht im Vorgarten des Reihenhauses und ruft der einrückenden Polizei entgegen: „Erschießt mich, erschießt mich!“

76. Wolfsburg Sie will sich von ihm trennen, er sticht auf sie ein, so die Anklage. Die kleine Tochter versucht, die Mutter zu beschützen, und wird auch verletzt. Einer Polizistin kommen die Tränen, als sie vor Gericht von dem Einsatz berichtet. Er könne sich an nichts erinnern, sagt der Beschuldigte, da er zu betrunken gewesen sei. Ein Urteil steht aus.

77. Aachen (Nordrhein-Westfalen) Er warf ihr vor, mit dem Geld verschwenderisch zu sein, gab jedoch selbst viel für Drogen aus. Zwei Mal hatte sie ihn wegen Körperverletzung angezeigt, die Anzeigen aber zurückgenommen. Sie trennten sich, kamen wieder zusammen, bis sie sich endgültig trennten. Er klingelt an ihrer Wohnung, die Kinder begrüßen ihn freudig, weil sie den Vater lange nicht gesehen haben. Er schickt sie zu seinem Bruder, der nicht weit entfernt wohnt, und sticht 120 Mal auf seine Ex-Frau ein.

78. Arnsberg Er erwürgt sie, ruft die Polizei und fügt sich dann selbst schwere Verletzungen zu. Er ist 82 Jahre alt, sie wurde 81 Jahre.

79. Augustdorf Die Logistikfirma, bei der sie arbeitet, meldet sie als vermisst. Sie wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Er hat mehrmals auf sie eingestochen, so oft, dass ihr Tod durch Verbluten eingetreten wäre. Er legt ihr dann ein Drahtseil um den Hals, um sie zu erwürgen. Das Urteil lautet auf Totschlag im minderschweren Fall, da das Opfer provoziert habe.

80. Dortmund Mit 43 Messerstichen tötet er die Mutter seiner Söhne, sieben und drei Jahre alt. Das Foto der Leiche stellt er ins Internet, er bekommt 24 Likes dafür. „Ich weiß, wie sehr ihre Eltern darunter leiden“, sagt er vor Gericht, „ich leide aber auch. Ich habe mein Leben und das meiner Kinder ruiniert.“

81. Düsseldorf Er arbeitet in einem Kiosk in der Nähe ihrer Wohnung, verliebt sich in sie. Sie weist ihn zurück, blockiert seine Telefonnummer. Er stellt ihr nach. Ein Passant wird Augenzeuge der Tat: Der Täter verfolgt das Opfer zu Fuß, sie flieht, er sticht auf offener Straße mehrmals auf sie ein. Sie wurde 36 Jahre alt.

82. Essen Sie arbeitete als Klavierlehrerin, hatte sich von ihrem gewalttätigen Mann getrennt, einem studierten Informatiker. Er bricht nachts in ihre Wohnung ein, schlägt mit einem Hammer auf sie ein, sticht auch mit einem Messer zu. Als sie tot ist, greift er die Schwester des Opfers an, fesselt sie, entkleidet sie, um sie zu vergewaltigen. Sie liegt noch ein Jahr später im Koma.

83. Hagen Weil er einem Bekannten mit einem Schlagring ins Gesicht geschlagen hat, sitzt er in Untersuchungshaft. Er wird entlassen, weil sie beteuert, es bestehe keine Fluchtgefahr, er wohne bei ihr. Vor den Augen des gemeinsamen fünfjährigen Sohns schießt er ihr aus nächster Nähe in den Kopf. Ein Unfall, sagt er vor Gericht. Das Kind sagt aus, es sei Absicht gewesen. Das Urteil lautet auf Totschlag. Sie wurde 24 Jahre alt.

84. Heek Sie haben drei Kinder, 7 und 5 Jahre alt sowie 7 Monate. Sie streiten öfter, er wirft ihr vor, sie zeige dem ältesten Sohn und ihm zu wenig Respekt. Bei einem Spaziergang an einem Ententeich durchtrennt er ihre Halsschlagader, ihre Leiche wirft er in den Teich, beschwert sie mit Netzen und Steinen.

85. Köln Sie sind seit 60 Jahren verheiratet. Er, 89 Jahre, glaubt, sie wolle ihn für einen anderen Mann verlassen. Tatsächlich wollte sie laut Aussage einer Tochter der von Gewalt geprägten Ehe entkommen und ohne ihn in ein Pflegeheim ziehen. Dreimal schlägt er seiner Frau mit einem Schlosserhammer gegen den Kopf, greift dann zum Küchenmesser, sticht sechsmal zu. Immer wieder habe der pensionierte Oberstudienrat seine Frau geschlagen, sei krankhaft eifersüchtig gewesen, nur aus Angst sei sie bei ihm geblieben, erklärt die Tochter vor Gericht.

86. Köln Sie haben sich getrennt. Er sucht sie in dem Restaurant auf, in dem sie als Kellnerin arbeitet. Als sie in den Keller geht, um Getränke zu holen, erschießt er sie mit einer Faustfeuerwaffe, dann nimmt er sich das Leben. Die Gaststätte ist Freitagabend voll besetzt. Sie wurde 50 Jahre alt.

87. Pulheim Sie leben getrennt, er will, dass sie zurückkommt. Sie lehnt ab. Er schießt das Schloss ihrer Wohnung auf, mit ihrer Mutter, die gerade zu Besuch ist, flieht sie. Vier Kugeln treffen sie. Vor Gericht weint er, sagt, er wolle so lange inhaftiert bleiben, bis er sterbe. Sie wurde 24 Jahre alt.

88. Viersen Sie ist 15, er 17. Sie sind seit zwei Jahren ein Paar, dann trennt sie sich. In einem Park in der Innenstadt von Viersen ersticht er sie am helllichten Tag. Die Polizei macht nach falschen Zeugenaussagen betrunkener Obdachloser im Park die Fahndung öffentlich, wonach ein „Nordafrikaner“ gesucht würde. Die AfD ruft zu einer Kundgebung auf.

89. Wesel Sie heirateten schnell, zogen in eine gemeinsame Wohnung. Er begann, sie mit seiner besitzergreifenden Art zu nerven. Sie wollte ausziehen. Er erwürgt sie. Sie wurde 57 Jahre alt.

90. Birken-Honigsessen (Rheinland-Pfalz) Sie lebt in einem Pflegeheim, ist schwer krank. Er bringt sie um, tötet dann sich selbst.

91. Kandel Sie hatte sich getrennt, ihn angezeigt wegen Bedrohung, Nötigung, Verletzung persönlicher Rechte. In einem Drogeriemarkt verletzt er sie mit einem Brotmesser tödlich. Sie wurde 15 Jahre alt.

92. Koblenz Sie sind seit zwei Jahren geschieden, haben fünf gemeinsame Kinder. Er ist betrunken, als er zehn Mal zusticht und sie verblutet. Sie wurde 38 Jahre alt.

93. Neustadt an der Weinstraße Sie haben ein wenige Monate altes Baby zusammen, aber sind nicht mehr zusammen. Sie zeigt ihn an, weil er sie geschlagen und gewürgt hat. Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, lautet das Urteil. Außerdem darf er sich ihr nicht nähern. Am späten Abend steigt er über den Balkon in ihre Wohnung ein. Er verfolgt sie über mehrere Wohnungen, sticht insgesamt zehn Mal zu, verletzt auch einen Nachbarn, der ihr helfen will. Sie wurde 19 Jahre alt.

94. Merzig (Saarland) Sie wollte sich nach zehn Jahren Ehe trennen. Er, ein Polizist, geht mit dem Hund spazieren, kehrt in das gemeinsame Einfamilienhaus zurück, greift seine Dienstwaffe und schießt ihr, die gerade ein Bad nimmt, dreimal in den Brustkorb. Dann bringt er sich selbst um. Sie wurde 45 Jahre alt.

95. Neunkirchen Sie schreibt ihm eine WhatsApp: Ja, es sei wahr, sie habe sich in einen anderen Mann verliebt. Er fordert sie auf, zur Aussprache zu ihm zu kommen. Er schlägt ihr mit der Faust ins Gesicht, würgt sie minutenlang, bis sie stirbt. Er ruft die Polizei und sagt den eintreffenden Einsatzkräften, er habe seiner Freundin gleich von Anfang an gesagt, wenn sie ihn belüge, betrüge und fremdgehe, würde er sie umbringen. Sie wurde 21 Jahre alt.

96. Saarbrücken Sie kennen sich schon aus Jugendtagen. Er ist bei der Bundeswehr, sie noch eine Schülerin. Sie bekommen fünf Kinder zusammen. Als die Kinder größer werden, macht sie den Führerschein. Er verdächtigt sie, ein Verhältnis mit dem Fahrlehrer zu haben. Mit einem einzigen Axthieb enthauptet er sie, während sie schläft. Dem Fahrlehrer schickt er eine Nachricht vom Telefon seiner Frau: „Schachmatt. Arschloch.“ Sie wurde 34 Jahre alt.

97. Saarbrücken Sie wollte die Trennung. Er greift zum Messer, 18 Zentimeter lange Klinge, sticht zehnmal zu. Sie versucht zu fliehen. Der achtjährige Sohn hielt sich während der Tat in der Wohnung auf. Sie wurde 28 Jahre alt.

98. Borna (Sachsen) Sie leben als Familie in einer Flüchtlingsunterkunft. Er ist eifersüchtig. Vor den Augen der beiden Söhne ersticht er sie. Sie wurde 24 Jahre alt.

99. Chemnitz Sie haben beide Geschichte studiert. Er hat noch den Schlüssel zu ihrer Wohnung, die in einem Gründerzeithaus von 1905 liegt, einem Kulturdenkmal. Sie hat sich erst ein paar Stunden zuvor getrennt, und er weiß, dass sie mit Ohrstöpseln schläft. 18 Stich- und Schnittverletzungen fügt er ihr zu. „Ich liebe sie bis auf den heutigen Tag und werde sie immer lieben“, sagt er vor Gericht. Sie wurde 31 Jahre alt und hinterlässt eine neunjährige Tochter.

100. Chemnitz Er ersticht sie in der gemeinsamen Wohnung und begeht dann Suizid.

101. Dresden Er erschlägt sie, 77 Jahre alt, im Schlaf mit einem Hammer, einem sogenannten Fäustel, der etwa ein Kilo wiegt. Vor Gericht gibt er an, er sei angesichts der finanziellen Probleme verzweifelt gewesen. Er leide unter Spielsucht, habe seit Monaten keine Miete mehr bezahlt und fürchte, seinen Job zu verlieren, weil er sich aus der Firmenkasse bedient habe. Er habe seine Frau vor dem ganzen Ausmaß dieser Schwierigkeiten bewahren wollen.

102. Geringswalde Sie ist 30, sie waren fünf Jahre lang ein Paar, lebten in ihrer Eigentumswohnung. Weil er ihre Urlaubskasse plündert, geht sie auf Distanz, hat vor, sich zu trennen. Er will nochmal reden. 18 Mal sticht er mit dem Küchenmesser zu. Am Flughafen wird er festgenommen. „Es tut mir alles so leid“, sagt er unter Tränen vor Gericht. Er muss den Erben 1000 Euro zahlen, die er ihr noch schuldete.

103. Leipzig Schon vor der Tat greift er sie tätlich an, beschimpft und bedroht sie. Sie ist im achten Monat schwanger, zieht in der Flüchtlingsunterkunft mit den beiden Söhnen in eine andere Wohnung. Er unterstellt ihr eine außereheliche Affäre und ersticht sie. Auch das ungeborene Kind stirbt. Sie wurde 34 Jahre alt.

104. Wilkau-Hasslau Laut Ermittlungen tötet er zunächst seinen Schäferhund, steckt dann das Haus in Brand, in dem seine Frau, seine 92-jährige Mutter und sein Sohn schlafen. Dann nimmt er sich das Leben. Seine Mutter und sein Sohn kommen schwer verletzt ins Krankenhaus, seine Frau stirbt. Sie wurde 50 Jahre alt.

105. Haldensleben (Sachsen-Anhalt) Er war wieder eifersüchtig, sie trennte sich per Nachricht und forderte ihren Wohnungsschlüssel zurück. Er werde sie umbringen, sagt er mehreren Freunden. Mit einer Sektflasche erschlägt er sie. Sie wurde 37 Jahre alt.

106. Halle Sie beendet nach 17 Jahren die Partnerschaft. Er sucht sie in dem Reisebüro auf, in dem sie arbeitet. Er sticht 29 Mal auf sie ein.

107. Magdeburg Sie waren seit 56 Jahren verheiratet. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich, ihr Mann kümmerte sich um sie. Er überrascht sie im Schlaf, schlägt ihr mit einer Axt mindestens sechsmal auf den Schädel, fügt ihr dann noch mit einem Messer tiefe Schnitte mit einem Messer am Hals zu. „Ich wollte uns vor weiterem Leid befreien“, sagt er vor Gericht. Tötung auf Verlangen, lautet das Urteil. Sie wurde 76 Jahre alt.

108. Magdeburg Er ruft den Notarzt, sagt, seine Frau sei gestürzt. Nach der Obduktion wird festgestellt, dass die Frau erstochen wurde. Tatverdächtig ist ihr Lebensgefährte. Weitere Daten konnten zu dem Fall nicht ermittelt werden.

109. Schönebeck Er schlägt sie derart heftig, dass sie an den Folgen stirbt. Er bestreitet im Ermittlungsverfahren die Tat. Weitere Daten konnten zu dem Fall nicht ermittelt werden.

110. Bad Schwartau (Schleswig-Holstein) Vor Gericht verliest er mit zittriger Stimme eine dreistündige Erklärung. Seine Frau, eine erfolgreiche Ärztin, habe ihn immer unter Druck gesetzt. Im gemeinsam bewohnten Reihenhaus schlägt er sie erst mit einem Kaffeebecher zu Boden, dann sticht er auf sie ein. Als die Klinge des Messers abbricht, greift er sich ein größeres Messer. Der siebenjährige Sohn steht daneben und sagt: „Tu Mama nicht weh!“

111. Flensburg Sie trennt sich nach zwei Jahren On-off-Beziehung. Er will sich mit ihr zu einem letzten Gespräch verabreden, passt sie am Bahnhof ab, sie gehen zu ihr. 14 Mal sticht er mit massiver Gewalt zu. Sie wurde 17 Jahre alt.

112. Segeberg Sie sind seit 50 Jahren verheiratet. Es ist sein Geburtstag. Laut Ermittlungsergebnis erschlägt der pensionierte Polizist sie mit dem drei Kilo schweren Stößel eines Gewürzmörsers, während sie schläft. Sie wurde 79 Jahre alt.

113. Schackendorf Er überwachte und verfolgte sie. Wenn sie Nachtschicht hatte, rief er bis zu zwölf Mal in dem Krankenhaus an, in dem sie als Krankenschwester arbeitete. Sie will die Scheidung. Auf einem Spaziergang mit dem Hund erschlägt er sie mit einem Zaunpfahl. Sie hinterlässt einen dreijährigen Sohn.

114. Erfurt (Thüringen) Sie streiten immer wieder, meist geht es um die Pflege der schwerstbehinderten achtjährigen Tochter. Es sei vorgekommen, dass seine Frau ihn geschlagen und getreten habe. Dieses Mal schlägt sie auch auf die Tochter ein. Er zieht sie von dem Kind weg, setzt sich auf sie und würgt sie, bis sie blau anläuft. Dann ruft er den Krankenwagen.

115. Erfurt Er ersticht laut Anklage mit dem Küchenmesser seine 34 Jahre ältere Geliebte.

116. Jena Er erschlägt laut Ermittlungsergebnis seine Ex-Freundin, 25, ersticht ihren neuen Freund, der bei ihr ist. Dann zündet er den Holzkohlegrill in der verschlossenen Wohnung an, um sich und das drei Wochen alte Baby zu vergiften, das er und seine Ex-Freundin haben.

117 bis 122. Keine Daten verfügbar

Nochmal zur „toxischen Männlichkeit“ und den „Jungsantworten“

Ich hatte hier etwas zu dem Text in der jetzt geschrieben, indem eine „Mädchenfrage“ sich damit beschäftigt, warum Jungs nichts von „toxischer Männlichkeit“ hören wollen. Die „Jungsantwort“ war dabei auch Thema in den Kommentaren

Billy Cohen führte aus:

Auweia! Die beiden „Jungsantworten“ sind ja darunter nur noch peinlich. Sie zeigen, dass man als Mann in derlei Postillen keine eigene Meinung mehr haben darf, die nicht zumindest in weiten Teilen von feministischem Propaganda-Bullshit durchzogen ist. Beide Antworten bemühen sich geradezu ritualisiert darum, darauf hinzuweisen, dass es den „Mädchen“ natürlich schon immer viel, viel schlimmer erging (wann soll das bitte schön gewesen sein?) und immer noch ergeht (wo soll das bitte schön der Fall sein?). Was sind das bloß für jämmerliche Pinsel???

Crumar ergänzt:

Hier versucht der ferngesteuert devote Autor das feministische Gewölle auf Abruf auszuspeien (Herv. von mir): „Denn „Toxic Masculinity“ heißt für uns, dass wir nicht der Mann sein können, der wir vielleicht sein wollen, weil eben das „giftige“ Bild von Männlichkeit in unseren Köpfen steckt: Wir müssen stark sein, unemotional und von allem einen Plan haben.“

Gesetzt werden muss, er wird im Pluralis Majestatis für „uns Männer“ sprechen, denn da der feministische Generalangriff auf die „vergiftet und vergiftende Männlichkeit“ alle Männer betrifft, wird der Autor sich kaum davon ausnehmen können.

Aber die intellektuelle Schlichtheit seiner Definition „vergiftet und vergiftende Männlichkeit“:
– stark sein,
– unemotional und
– von allem einen Plan haben, hat mehrere Haken.

Die Idee, dass gesellschaftliche Anforderungen an Männer dazu führen, sie könnten nicht ihre Emotionen zeigen, sondern wären angehalten diese zu unterdrücken ist bereits älter.
Diese Idee wurde in künstlerischer Form verarbeitet bspw. in dem populären Song der Gruppe The Cure, „Boys Don´t Cry“.
Das Lied stammt jedoch von 1980 und wurde „zum Hit einer Generation traurig blickender Jungs“ (Rolling Stone), die sich also von dem Lied so angesprochen fühlten, dass es einen Effekt auf ihr Verhalten hatte.

D.h. schon in diesem, fast 40 Jahren alten Pop-Song werden gesellschaftliche Anforderungen an Männer von Männern für Männer thematisiert und kritisiert. Noch populärer im deutschsprachigen Raum durch das Lied „Männer“ von Herbert Grönemeyer aus dem Jahr 1984, in Form einer radikalen Ansage von Ton Steine Scherben „Ich will nicht werden, was mein Alter Ist“ von 1971.

Die umfassende Leugnung dieser Vorgeschichte durch den Autoren ist jedoch notwendig:
– denn niemals zuvor (APA 2019) wurde entdeckt, dass unterdrückte Emotionen Männern schaden,
– diese Einsicht ist Männern selbst nicht zugänglich,
– sondern nur die allwissende Feministin mit ihrem female gaze kann diese gewinnen und
– als Anklage gegen vergiftete Männlichkeit richten, die ungebrochen und unreflektiert existiert, selbst beim Beweis des Gegenteils.

Es wird behauptet, diese Männlichkeit müsse sich ändern und gleichzeitig werden Veränderungen ignoriert, weil es in dieser Perspektive keine männliche Selbstbefreiung geben darf.

Erstens ist das hier ausgedrückte Maß an Selbstverleugnung des Autors, diese Männlichkeit sei in allen Männern – und demnach auch in ihm – vorhanden einfach Gold, denn dass er sich gegen die „traditionelle Männlichkeit“ abgrenzt ist offensichtlich.
Er muss also für sich behaupten, dass etwas unreflektiert in ihm existiert, was er reflektierend kritisiert.
Nimm das, mentaler Spagat! 😉

Die Impertinenz der feministischen Anklage der 30-jährigen Autorin – die peinlich genug für sich in Anspruch nimmt für „die Mädchen“ zu sprechen – gegenüber diesem „progressiven“ Würstchen ist also nur haltbar, wenn zweitens die Unterstellung der „toxischen Männlichkeit“ nicht die „soziale Konstruktion“ Mann, sondern den biologischen Mann meint.
Also schon wieder deterministischer Biologismus – langweilig.

Das Machtgefälle zwischen Fifi und Dominette ergibt sich daraus, dass dem alten Mädchen zugestanden wird, über das Verhalten der „progressiven“ Männer zu wachen und dies zu kontrollieren.
Die Unterstellung, es befänden sich noch biologische Residuen traditioneller Männlichkeit in diesen, die nur die Dominette sehen und hilfreiche Handhabung bei deren Ausmerzung leisten könne, weitet diese Überwachung und Kontrolle ad infinitum aus.

Die Aufforderung, sich dem female/feministischen gaze zu unterwerfen sind dermaßen plakativ und auffällig, dass ich mich nicht wundere, warum die Kolumne keine erwachsenen Männer adressiert.
Alle feministischen Beiträge dieses Kalibers sehen gar keine Wiederworte von Männern vor, sondern nur die in der Pubertät hängen gebliebene, in ihrer Männlichkeit verunsicherte Speichellecker, deren Funktion die permanente Bestätigung selbst der albernsten Thesen von selbsternannten „Mädchen“ ist.
Diese Mischung aus fragiler, feminisierender Weiblichkeit und narzisstischer grandiosity wird zusehends unappetitlicher…

Ich schließe daher mit: „Es kann die Befreiung der Männer nur das Werk von Männern sein!“ 🙂

Ich wette, dass irgendwann schon ein Steinzeitmann sich über die Auswirkungen der intrasexuellen Konkurrenz beschwert hat und ebenso eine Steinzeitfrau die Mühen der intrasexuellen Konkurrenz beschwerlich fand. In beiden Fällen wird auch schon mal jemand damals darüber geschimpft haben, dass daraus auch eine intersexuelle Selektion folgt.

Stark sein, eine gewisse stoische Ruhe ausstrahlen (um unemotional mal positiver zu formulieren) und von allem einen Plan haben, war bei Männern immer hoch im Kurs und ist keineswegs toxisch, es sind vielmehr klassische Merkmale eines Anführers. Und das diese für Männer interessant waren lag natürlich auch an sexueller Selektion auf statushohe Männer durch Frauen, also Anführer.

Stoische Ruhe wäre dann die positive Seite, abzugrenzen von überemotional, hysterisch, panisch, empfindlich im negativen. Was dann alles wieder Eigenschaften sind, die eher dem weiblichen zugeordnet werden. Dieses Gegensatzpaar wird aber nicht gebildet, sondern es wird das Bild des eigentlich emotionalen, gerade nicht stoischen Mannes gebildet, der die Emotionen nur nicht ausdruckt, nicht ausdrücken darf, sie also unterdrückt. Das wird unterstellt, anscheinend weil man sich im Feminismus keine stoische Ruhe vorstellen kann.

Die Unterstellung, dass da irgendwo bestimmte Emotionen unterdrückt sein müssen, die für alles schlechte verantwortlich sind und das der Feminismus mit seinen Abwertungen diese gerade nicht mehr unterdrückt hat dabei etwas absurdes. Gerade dann wenn gerade im Feminismus jedes Vorhalten von Benachteiligungen mit einem Mimimi abgetan wird. Männer sollen insofern nur schwach sein dürfen, wenn es gerade in die richtige Richtung geht. Aber eben nicht, wenn die Richtung nicht gefällt. Dann ist es vollkommen okay sie als Jammerlappen zu beschimpfen.

Meryl Streep zu „toxischer Männlichkeit“

Meryl Streep hat sich gegen den Begriff der toxischen Männlichkeit“ ausgesprochen:

The three-time Oscar winner explained that she dislikes the term because, in her opinion, all individuals can exhibit toxic behaviour, regardless of gender.

“Sometimes I think we’re hurt. We hurt our boys by calling something toxic masculinity. I do,” Streep said. “And I don’t find [that] putting those two words together … because women can be pretty f***ing toxic.

“It’s toxic people,” the Suffragettestar said. “We have our good angles and we have our bad ones.”

Streep added that she thinks labels can be “less helpful” than direct communication when calling out detrimental behaviour.

“We’re all on the boat together. We’ve got to make it work,” she said.

Immer gut zu sehen, wenn ein Prominenter den Zirkus nicht mitmacht. Im Endeffekt spricht sie damit gegen einseitige Abwertungen von Jungen bzw Männer aus und führt an, dass Weiblichkeit da nicht besser ist. Und spricht sich dann wieder für einen individuellen Ansatz aus und nicht für eine Lagerbildung. Finde ich sehr positiv

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