Männer und Frauen lehnen die Theorien um „toxische Männlichkeit“ in Mehrheit ab und finden sie beleidigend

Eine interessante Studie untersucht die Akzeptanz von Begriffen wie „Toxische Männlichkeit“ (via Arne)

Masculinity is frequently talked about in contemporary Western media as being in crisis, needing reform or even being ‘toxic’. However, no research to date has assessed the impact that this pervasive narrative might be having on people, particularly men themselves. This cross-sectional online pilot survey asked 203 men and 52 women (mean + SD age 46 + 13) their opinions about the terms toxic masculinity, traditional masculinity, and positive masculinity, and how they would feel if their gender was seen as the cause of their relationship or job problems. Most participants thought the term toxic masculinity insulting, probably harmful to boys, and unlikely to help men’s behaviour. Having feminist views, especially being anti-patriarchy, were correlated with more tolerance of the term toxic masculinity. Most participants said they would be unhappy if their masculinity or femininity were blamed for their work or relationship problems. Further analysis using multiple linear regression found that men’s self-esteem was significantly predicted by older age, more education, and a greater acceptance of traditional masculinity. Men’s mental positivity – which is known to be negatively correlated with suicidality – was significantly predicted by older age, a greater acceptance of traditional masculinity, and more education. Implications for the mental health of men and boys are discussed in relation to the narrative around masculinity in the media, social sciences, and in clinical psychology.

Quelle: Reactions to contemporary narratives about masculinity: A pilot study

Es wurde hier schon häufiger diskutiert, dass die Akzeptanz der Theorien sich auf bestimmte Kreise beschränkt und gerade in der „normalen Bevölkerung“ zwar eine gewisse Kenntnis besteht, soweit diese jünger sind, aber eigentlich keine Rolle in deren Leben spielt. Der typische Arbeiter hat keinen großen Bezug zu Privilegien etc.

Entsprechend scheint die Studie zu bestätigen, dass viele Personen diese Theorien ablehnen.

„Klar“ würde vielleicht jemand aus den Gender Studies sagen „die Männer wollen ja auch ihre Privilegien nicht ablegen und merken gar nicht wie toxisch sind. Und die Frauen und Männer haben keine Vorstellung davon, wie gut die Welt ohne toxische Männlichkeit wäre. Wir müssen es ihnen beibringen und dazu brauchen wir mehr Gender Professuren, mehr Medienaufmerksamkeit und mehr Geld“

Es ist in der Hinsicht ganz interessant auf anderen „neutralen“ Seiten, etwa auf Spass ausgerichtete Seiten wie 9gag die Kommentare zu lesen, wenn Social Justice Theorien Thema sind. Dort sieht man, dass die meisten Leser dort die Theorien eher übertrieben finden.

Andererseits sind viele Seiten und Medien voll von Themen und Artikeln aus der Sicht der Gender Studies.
Insofern begrüße ich, dass jemand sich des Themas annimmt und dort einmal untersucht, wie die Leute eigentlich zu den Begriffen stehen.

Noch aus der Studie:

Die Tabelle muss man so lesen, dass in die leere Stelle vor „Masculinity“ entweder „Traditional“, „Toxic“ oder Positive“ einzusetzen ist und dann kann in der Tabelle abgelesen werden, welche der Aussagen zugestimmt wird.

Da wird deutlich, dass die Idee von toxischer Männlichkeit von den wengisten (10,1%) als etwas gesehen wird, was sie sich besser verhalten lässt (eben indem sie sich davon abgrenzen), hingegen traditionelle Männlichkeit weitaus besser abschneidet.

88,4% meinen, dass die Idee von toxischer Männlichkeit sich negativ auf Jungen auswirkt. Und nur 10% finden die Theorie hilfreich. 87,9% der Männer und 84,6% der Frauen (bei sehr kleiner Teilnehmerzahl) finden die Theorie der toxischen Männlichkeit als beleidigend.

Es ist eine interessante Studie, die sich Politiker einmal genau anschauen sollten. In ihrem Umfeld mögen viele Personen sein, die die Theorie überzeugend finden, weil Frauen, die in die Politik gehen wollen häufig diese Ansätze verfolgen, der Anteil in der Bevölkerung, die, die die Politiker wählen, ist aber deutlich geringer.

 

19 Gedanken zu “Männer und Frauen lehnen die Theorien um „toxische Männlichkeit“ in Mehrheit ab und finden sie beleidigend

  1. Sola dosis facit venenum.

    Viel befremdlicher finde ich, dass laut Tabelle über 30% zustimmen, dass „positive masculinity“ beleidigend sei, bzw. fast ebenso viele meinen, dass dieses Konzept schädliche Auswirkungen auf Jungen hätte.

  2. Es geht bei einer Therorie, insbesondere, wenn man „Studies“ betreibt, nicht darum, wie sehr sie in der breiten Öffentlichkeit „akzeptiert“ wird, sondern darum, ob’s stimmt. Außer natürlich in Orwell’s 1984.

  3. Wenn nun aber Politik mit einem Konzept gemacht werden kann, obwohl eine Mehrheit dieses Konzept ablehnt, was sagt das eigentlich über unsere Demokratie aus?

  4. Selbst in ihrer ureigensten Sphäre, der Männlichkeit, haben Männer inzwischen die Deutungshoheit verloren.

    Toxische Männlichkeit wird ausschließlich in dem Sinne gebraucht, wie sich männliches Verhalten auf andere auswirkt. Dabei liegt ein Begriffsverständnis viel näher, dass sich Männlichkeit in einer männerfeindlichen Umgebung toxisch auf den jeweiligen Mann auswirkt.

    Denn in unserer Welt werden mittlerweile überwiegend männliche Verhaltensmuster als negativ und schädlich angesehen. Ob das nun die aktive Kontaktaufnahme mit sexuellen Motiven oder die Priorisierung der Erwerbsarbeit ist. Diese Rolle haben Männer seit Jahrtausenden inne, durchaus im Interesse der meisten Frauen.

    Trotzdem wird solches Verhalten neuerdings als giftig, als schädlich angesehen und hat in diesem Sinne Einzug in den Mainstream gehalten. Das sehen auch sehr viele Männer so. Anstreben von Spitzenpositionen, Mansplaining, Manspreading, Würdigung von äußerlichen Attributen von Frauen; all dies erfährt gesamtgesellschaftliche Ächtung.

    Dabei erscheint Toxische Männlichkeit eher als eine Art Autoimmunerkrankung: Durch Wegfall der eigenen Rolle, durch negative Interpretation der geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster werden Männer ausgegrenzt, Männlichkeit zu etwas Negativem stilisiert. Sie verlieren ihre Kinder durch Familiengerichte, ihre Arbeit und Aufstiegschancen durch Quoten, ihre wirtschaftliche Souveränität durch Unterhaltszahlungen.

    Sie sterben früh, nehmen sich das Leben, saufen sich zu Tode, sie verabschieden sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs, von der Bühne des Lebens.

    Deswegen ist Männlichkeit toxisch.

    • Eigentlich ist es schon immer so, dass Männlichkeit von Frauen definiert wird: männlich ist das, was Männer für Frauen interessant macht. Umgekehrt wird Weiblichkeit von Männern definiert.

      Problem mit toxischer Männlichkeit ist erstens, dass kein Mensch toxisch ist, und zweitens, dass es irgendwie keine Eigenschaften gibt, die zugleich männlich und positiv sein sollen. Wäre das nämlich so, hieße das im Umkehrschluss, dass Frauen irgendeine positive Eigenschaft typischerweise nicht hätten, und das wäre ja sexistisch.

      • Es werden ja nicht Männer als toxisch bezeichnet, sondern ihre Männlichkeit, ihre Masculinity. Denn die Feministen glauben, gegen diese Form des Bösen könne ja jeder Mann ankämpfen – was beim Mannsein per so kaum möglich ist.

        Ich finde auch nicht, dass Männer Weiblichkeit definieren. Vielleicht heimlich unter sich oder hier, aber nicht im öffentlichen Diskurs. Vielmehr wird dort immer ein patriarchales und archaisches Frauenbild an die Wand gemalt, was allerdings niemandem wirklich zugeordnet werden kann. Wie eine Frau zu sein hat, definieren eindeutig Feministen und einige Frauen. Das macht das Thema auch für viele der anderen Frauen sehr schwer. Denn sie sollen gefälligst Vortstandvorsitzende werden und sich gegen die Männerherrschaft auflehnen, finden aber ihr Leben mit Familie, Halbtags-Hobbies und männlichen Komplimenten und Geschenken viel schöner und angenehmer.

        • „Es werden ja nicht Männer als toxisch bezeichnet, sondern ihre Männlichkeit, ihre Masculinity. Denn die Feministen glauben, gegen diese Form des Bösen könne ja jeder Mann ankämpfen – was beim Mannsein per so kaum möglich ist.“

          Der running gag dabei ist ja: Was die einen Frauen toxisch finden, finden andere Frauen attraktiv. Und je nach Zyklusstand und/oder äußere Umstände kann das dann noch wechseln.

          Also kurzum: Das ganze Konzept eignet sich lediglich als Shit-Test wie frau so drauf ist (Eine Frau, die das thematisiert outet sich damit selber als psychisch vergiftet)

          Und die Beschäftigung damit (und mit den Puppen) kann ein vergnügliches Hobby sein. Aber halt nicht mehr als das. Ungefähr so wie Kakteen züchten. Da muss man auch etwas aufpassen, sonst piekst es 😉

      • „Eigentlich ist es schon immer so, dass Männlichkeit von Frauen definiert wird: männlich ist das, was Männer für Frauen interessant macht. Umgekehrt wird Weiblichkeit von Männern definiert.“

        Ich denke das kommt darauf an, wie man den Begriff auffasst. Ich würde sagen, dass Männlichkeit/Weiblichkeit durch die Natur definiert werden. Das ganze Konzept Mann/Frau ist ausgerichtet auf Sexualität. Das ist genetisch in uns verankert. Und daher gibt es auch unveränderliche körperliche Merkmale, die die Geschlechter anziehen und die manche Menschen männlicher/weiblicher machen als andere, je nachdem wie stark sie ausgeprägt sind. Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist lediglich ein ideologisches Konstrukt ohne jeden Bezug zur Realität.

        • Aber das würde doch heißen, unser Verhalten ist komplett dominiert durch die Biologie, da sich Männlich- und Weiblichkeit im Kontext mit Toxizität maßgeblich auf das Verhalten beziehen.

          Ich bin weder der Meinung, männliche Verhaltensweisen seien ausschließlich sozialisiert, noch dass sie komplett durch Genetik und Biologie bestimmt würden. Wie auch bei den Frauen, liegt die Wahrheit, wahrscheinlich individuell, irgendwo dazwischen.

          Über Schlagwörter wie „toxische Männlichkeit“ sollen männliche Verhaltensmuster abgewertet, Männer gebasht werden. Das funktioniert erschreckend gut und in großem Stil. Ich durchschaue nicht die gesellschaftlichen Mechanismen, die derartig undifferenzierte ideologische Äußerungen so erfolgreich machen.

          • „Aber das würde doch heißen, unser Verhalten ist komplett dominiert durch die Biologie, da sich Männlich- und Weiblichkeit im Kontext mit Toxizität maßgeblich auf das Verhalten beziehen.“

            Mir ging es erst mal nur um den Begriff, so wie ich ihn verstehe. Das Verhalten ändert sich sicherlich im gesellschaftlichen Kontext, aber ich denke die rein sexuelle Erregung funktioniert heute noch genauso wie vor 10.000 Jahren.

  5. Die feministische Lösung für den Fall das feministische Theorien nicht angenommen werden ist i.d.R. noch mehr Feminismus und noch mehr Propaganda.

    Sei es im Matheunterricht oder Deutschsprachkursen für Einwanderer. Vielleicht gibt es ja mal eine Sonderedition „Fruchtzwerge gegen toxische Männlichkeit“.

  6. Es ist mehr oder weniger egal ob Otto und Ottilie solche Begriffe ablehnen. Es sind Propagandabegriffe die ausschließlich der Unterfütterung einer Ideologie dienen.
    Diese Ideologie wiederum dient der Rechtfertigung der Machtausübung einer sehr kleinen Gruppe von Profiteuren des Systems.
    Und die Frauen sagen nichts dagegen, da sie nicht betroffen sind, oder ggf. sogar Vorteile davon haben.

  7. Wann habt ihr das erste Mal den Begriff „Toxische Männlichkeit“ in der Presse bewusst wahrgenommen?
    Ich etwa vor 2 Jahren.

    • Ich glaube auch etwa vor 2-3 Jahren zu erinnern. jedenfalls zeitlich vor Einführung von „Femizid“.
      Mein Eindruck da werden, ganz wie von Orwell vorausgeahnt, in irgendwelchen Denkfabriken Begriffe erfunden und dann in Umlauf gebracht.
      Erleichtert wird das durch die Neigung der Medien und auch vieler Menschen einfach immer alles nachzuplappern. Man sieht ja wie schnell idiotische Wörter und Wendungen Verbreitung finden.
      Für den Alltag der Mehrheit wird es kaum Bedeutung haben.
      Das tückische ist aber das die Begriffe, einmal im Umlauf, das Denken beeinflussen, nur dadurch , das man sie ständig hört oder liest. Selbst der, der sie ablehnt ist gezwungen sich mit ihnen auseinanderzusetzen, einfach durch ihre bloße Existenz. Insofern ist es ein gutes Mittel Diskurshoheit zu gewinnen, in dem man bestimmt mit oder über welche Begriffe diskutiert wird.

  8. Solange kein politischer Preis bezahlt wird, spielt es keine Rolle wie groß die Ablehnung in der Bevölkerung ist.
    Die Unterstellung, das Politiker hier ein Informationsdefizit haben, finde ich auch reichlich naiv.
    Diese Idee, dass nur jeder den Zugang zu richtigen Fakten brauch, steckte ja schon implizit in dem Beitrag der den angeblichen harschen Ton bei Männerrechtlern bzw. Trolle beklagte.

    Ich will jetzt nicht sagen, das höfliche Appelle an Vernunft und Logik nix bringen, aber das ist wohl reichlich kurz gedacht.

  9. Gestern einen Artikel gelesen, eine grüne Landtagsabgeordnete aus NRW (schwarze Hautfarbe), Aminata Toure, fordert Weisse im Prinzip dazu auf, sich bei ihr zu entschuldigen. Eine Volksvertreterin. Inhaberin von allen möglichen Privilegien. Steuerfinanziert.

    (kann den Artikel aus technischen Gründen nicht verlinken)

    • Früher war die Lage ernst aber nicht hoffnungslos, heute ist hoffnungslos aber nicht ernst.
      Satire jagt der Realität nur noch hinterher, ohne sie einholen zu können.
      —- anderer Gedanke
      Ist mein Eindruck falsch, aber gefühlt ist wohl jeder 3-4. Abgeordnete bei Grünen, SPD und Linken der sich zu Wort meldet eine Frau mit exotischem Namen. Einfach nur eine Feststellung ohne jede Wertung.

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