Die Figur des „edlen Wilden“ und intersektionale Theorien

Gestern tauchte in der Diskussion zu kulturellen Aneignung auch die Figur des „edlen Wilden“ auf.

Adrian schrieb:

Ach, Pjotr, „Cultural Appropriation“ ist nichts weiter, als der x-te Aufguss einer dekadenten, traumatisierten Linken, die westliche Welt, deren Kultur und „deren Protagonisten“ (weiße heterosexuelle Männer) schlecht zu machen. Das ist ja der Grund, warum es immer nur heißt, „Weiße dürfen nicht“.

Schwarze dürfen natürlich selbstverständlich Jeans tragen und Medikamente benutzen (obwohl dies von weißen, westlichen Männern erfunden wurde), ebenso, wie Muslime in westliche Kulturen einwandern und diese übernehmen dürfen.

 

Und Crumar kommentierte dazu:

Nein, Adrian, es gibt keinen „x-ten Aufguss“, sondern das Motiv des „edlen Wilden“ mit seiner unverfälschten Natur/Kultur ist wesentlich älter als die Linke im traditionellen Sinne: „Der Edle Wilde ist ein Idealbild des von der Zivilisation unverdorbenen „Naturmenschen“. Das Konzept drückt die Vorstellung aus, dass der Mensch ohne Bande der Zivilisation von Natur aus gut sei. Er ist bis heute ein beliebter Topos kulturkritischer Autoren. In der modernen Ethnologie gilt der Begriff des Edlen Wilden als längst überholte These.“ (Wiki)

Und so geht es weiter: „Schon Louis-Armand de Lom d’Arce, genannt Baron de Lahontan, ein Forschungsreisender in Neufrankreich, verknüpfte 1705 mit der Figur des „edlen Wilden“, seinem Gesprächspartner aus dem Volk der Huronen, eine radikal sozialkritische und politische Sicht auf die Verhältnisse im alten Europa.“
1705, Adrian.

Damals wurde die Schablone bereits verwendet, um die Zustände im Heimatland zu kritisieren, wo sich die weißen Menschen tummelten; eine Kritik über die Bande also.
Gleiches Spiel mit der feministischen Kritik am Mann – Projektion gesellschaftlicher Zustände auf das männliche Wesen und „Mann“ wird stellvertretend für „Gesellschaft“ gehalten und kritisiert.
Gähn.

Das Konzept des „edlen Wilden“ scheint mir ganz gut zu vielen sozialkonstruktivistischen Theorien zu passen. Wer meint, dass alles konstruiert ist, gerade durch Macht konstruiert ist, der landet schnell bei dem „edlen Wilden“ der frei von diesen Konstruktionen ist, ansonsten bleibt ja nur das reine unbeschriebene Blatt, bei dem niemand gut ist. Der „edle Wilde“ oder Varianten davon wäre insofern ideal für Leute, die eine gewisse Identitätspolitik betreiben wollen, weil sie dann einen „guten Idealzustand“ und jede Abweichung davon verdammen können.

Ich hatte einmal unter Verweis auf Pinker das Modell des „edlen Wilden“ als eines der Erklärungsmodelle für menschliches Handeln dargstellt (neben dem unbeschrieben :

Der edle Wilde: Die Theorie des edlen Wilden geht davon aus, dass das Verhalten des Menschen gut wäre, wenn er nicht durch die Gesellschaft korrumpiert werden würde. Der edle Wilde hat sich diesen Urzustand bewahrt und an ihm kann man ihn teilweise erkennen. Er stellt das Idealbild eines Menschen dar, der seine ursprüngliche Natur hat und durch die Zivilisation noch nicht korrumpiert wurde. Ein Vertreter war beispielsweise Jean-Jacques Rousseau. Die Denkart ist typisch für die Romantik.

Und in der Tat sieht man diese Idealisierung ja in vielen Bereichen der intersektionalen Theorien:

Das Patriarchat oder die weiße westliche Welt haben alles korrumpiert und ohne diese wäre die Welt schön und alle Menschen gut.

Der radikale Islamist wird hier zu jemanden, der eigentlich nur durch den Westen geworden ist, was er ist, an sich aber einer friedlichen und reinen Religion oder Kultur entstammt.

Bei  afrikanisch stämmigen PoCs ist alles der Kolonialismus. Beispielsweise hatte ich neulich in einer Diskussion darauf hingewiesen, dass in Afrika auf Homosexualität in vielen Ländern die Todesstrafe steht und das es eigentlich keine liberaleren Länder gibt als die westlichen. Die Antwort war, dass dies eben auch erst durch den Kolonialismus der Fall ist also der Westen daran schuld wäre und das dieser auch im übrigen das Patriarchat mitgebracht hätte, in Afrika wären viele Stämme durchaus Matriarchate gewesen.

Bei Frauen ist es ähnlich: Das Patriarchat hat ihnen den Kopf gewaschen, ihnen einen internalisierten Frauenhass beschwert ohne den ist frei und glücklich und erfolgreich wären.

Selbst die Männer sind in gewisser Weise „edle Wilde“, das Patriarchat schadet ihnen auch, sie leiden an der Unterdrückung durch sich selbst oder die hegemoniale Männlichkeit oder eben die toxische Männlichkeit, in dem sie Chimärenwesen sind, gleichzeitig Unterdrücker und Unterdrückte, Opfer und Täter und in der sie zurückfinden müssen zur „edlen Art“. Sie müssen eben nur ihre Männlichkeit dafür aufgeben, ihre edle Art liegt insofern außerhalb ihrer Identität und nicht innerhalb.

In den Fettstudies ist dann derjenige (eigentlich nur: Diejenige), der sich keinen Schönheitsideal unterwirft frei von den Einflüssen des korrupierenden Bösen und damit natürlich edel und schön.

Transsexuelle sind da schon etwas schwieriger einzuordnen: sie sind insofern edele Wilde, weil sie zum einen die ihnen „zugewiesenen“ Geschlechterrollen ablehnen, die Korrupiertheit der Einordnung in die festen Rollen nicht akzeptieren, sondern eine nicht zum Körper passende Rolle übernehmen und zum anderen weil sie eben Symbolfiguren gegen eine feste Zuordnung zu sein scheinen, auch wenn sie eigentlich innerhalb der binären Geschlechterzuordnung bleiben. Aber weil sie andere zwingen sie dennoch dem „nicht passenden Geschlecht“ zuzuordnen stiften sie „Gender Trouble“ um es mit Butler zu sagen und das ist es ja was den edlen Wilden in diesen Theorien ausmacht

51 Gedanken zu “Die Figur des „edlen Wilden“ und intersektionale Theorien

  1. Wenn ich mich richtig an meinen Lateinunterricht erinnere, dann gab es den edlen Wilden schon bei Tacitus. Seine Beschreibung der germanischen Stämme war ein wenig romantisch geprägt.
    Dieses Bild ist dann lange in unserer Kultur hängen geblieben. Wurde ja im Nationalismus ordentlich gepflegt.

    • „Dieses Bild ist dann lange in unserer Kultur hängen geblieben. Wurde ja im Nationalismus ordentlich gepflegt.“

      Das Bild vom edlen Wilden? Woran machst du das fest?

      • Aus Tacitus edlem, wilden Germanen wurde dann das Ideal des Deutschen: ungezähmt durch die dekadenten Römer, ehrenhaft, heldenhaft, usw.
        Man schaue sich mal die Hermann-Statue bei Detmold an. Dort sieht man den edlen Wilden wie ihn sich das preußische Königshaus vorstellte.

        • Mhhhm, na ja, ein Teil des deutschen Gründungsmythos, ob man ihn wirklich im engeren Sinne als „edlen Wilden“ bezeichnen kann, ich weiß nicht. Meines Erachtens symbolisiert er eher Unabhängigkeit und Kampfgeist, denn was die Wildheit angeht hat man ihm ja nicht nachgeeifert, am allerwenigsten die Preussen selbst, die ja für ihre pedantische Ordnung und ihren Drill bekannt wurden. Auch die Nazis waren alles andere als urtümlich wild. Allerdings standen beide für nationale Unabhängigkeit und Kampfgeist.

    • Dieses Bild ist dann lange in unserer Kultur hängen geblieben. Wurde ja im Nationalismus ordentlich gepflegt.

      Hitler beklagte die „Domestizierung“ der „arischen Jugend“. Insofern wünschte er sich das „Wilde“, das „Edle“ wohl eher weniger.

      • „Hitler beklagte die „Domestizierung“ der „arischen Jugend“. Insofern wünschte er sich das „Wilde“, das „Edle“ wohl eher weniger.“

        Die Klage bezieht sich vermutlich auf den fehlenden Kampfgeist. Die Deutschen sind ja eigentlich ein sehr friedliebendes Volk, das passte ihm halt nicht so in den Kram. Anders als ihr, würde ich das nicht als „Wildheit“ bezeichnen, denn gerade das Heer ist ja alles andere als „wild“ (im Sinne von triebhaft/instinktgetrieben), sondern von oben bis unten strikt durchreglementiert, auch wenn man Kampfgeist als einen „wilden“ Charakterzug ansehen könnte, kann man also drüber streiten.

        „das „Edle“ wohl eher weniger“

        Das „Edle“ spielte im dritten Reich vermutlich sogar eine herausgehobene Rolle. Man sah sich ja eben als Kultur- und Wissenschaftsnation (damals nicht ganz zu Unrecht) und das „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ war sicherlich durchaus ernst gemeint. „Edel“ ist halt sehr verschieden auslegbar, als großherzig ebenso, wie als hochstehend oder weit entwickelt.

        Hitler las auch gern Karl May:
        „Sein Leben lang griff Hitler immer wieder gerne zu Karl May, dessen Abenteuer, wie er selbst sagte, ihm in angespannten Situationen Trost spendeten.“
        https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Adolf_Hitler

        Wer die Bücher gelesen hat (nicht nur die Filme gesehen) kennt die Neigung von Karl May zu moralischen Ausschweifungen, sein unbedingter Glauben an die glückbringende Barmherzigkeit des christlichen Glaubens usw. (weshalb man die Bücher in der DDR schlecht bekam), kombiniert mit einer pragmatischen Härte, wenn es zum Kampf kam. Ich denke Hitler sah sich durchaus auch in so einer Rolle (Old Shatterhand ist ja eine überlegene Führerfigur, die zur Identifikation einlädt), allerdings rutschte er in der Praxis halt immer tiefer in den alle Moral verschlingenden Krieg.

        Hitler mag größenwahnsinnig gewesen sein und hat jedenfalls unglaubliches Elend dadurch heraufbeschworen, den Unsinn vom „personifizierten Bösen“ halte ich aber mittlerweile für reine Besatzerpropaganda (gestern wieder zwei Dokus im TV „Gehilfen des Bösen“ und „Aufstieg des Bösen“ oder so ähnlich, simplifiziertes Verblödungsfernsehen). Hitler war auch nur ein Mensch, mit allen Schwächen und Fehlern. Welche der, den Deutschen angehängten, Verbrechen tatsächlich (auch größenordnungsmäßig) stimmen und welche nicht, warte ich mal noch ab. Ich gehe davon aus, dass da in den nächsten Jahren noch einige Relativierungen an die Öffentlichkeit gelangen. Dass die Angelsachsen chronische Lügner sind, hat man ja die letzten Jahre ausreichend beobachten können und weiß jeder, der sich mit geopolitischen Hintergründen auseinandersetzt. Und Stalin war definitiv auch nicht der gute ehrliche Onkel.

  2. Ein paar Anmerkungen dazu mit Hilfe von Sandra Kostner – Identitätslinke Läuterungsagenda (S. 31-32, alle Herv. von mir):

    „In der extremsten Form hat das Läuterungsbedürfnis so weit geführt, dass Identitätslinke ein neues Überlegenheitsgefühl entwickelt haben. Das alte Überlegenheitsgefühl beruhte auf Rassismus und richtete sich dementsprechend gegen andere Ethnien.
    Das neue Überlegenheitsgefühl bezieht seine Kraft aus dem moralischen Läuterungsgrad, den Mitgliedern der „Dominanzgesellschaft“ aufweisen können. Die Unterteilung der „Dominanzgesellschaft“ in moralisch geläuterte und somit überlegene Personen und die Anderen trifft bei den Anderen naturgemäß auf wenig Gegenliebe und verstärkt Fragmentierungslinien.“

    Denn nur die moralisch Auserwählten können sehen: „Das Patriarchat oder die weiße westliche Welt haben alles korrumpiert und ohne diese wäre die Welt schön und alle Menschen gut.“
    Hatte ich die erstaunliche Ähnlichkeit mit religiösen Überzeugungen und Sichtweisen bereits erwähnt?!
    Nun preiset den HErrn! 🙂

    „Wahrlich frappierend ist in diesem Kontext, dass viele Identitätsinke offenbar gar nicht merken, wie sehr ihre gut gemeinten, dem Kampf gegen Rassismus gewidmeten Strategien einer neuen Form von Rassismus, den man Läuterungsrassismus bezeichnen könnte, Vorschub leisten.
    Indem sie die „Dominanzgesellschaft“ alleine oder so gut wie ausschließlich für die gesellschaftliche Positionierung aller Nichtprivilegierten verantwortlich machen, sprechen Identitätslinke denjenigen, als deren Anwälte sie auftreten, ihre Handlungsfähigkeit ab.“

    Und das ist m.E. der springende Punkt.
    Die passiv in der Rolle des Opfers verbleiben sind die für Linksidentitäre attraktivste Gruppe – nur so lässt sich für den als Anwalt auftretenden Moralunternehmer etwas herausholen. Als Gefühl moralischer Überlegenheit gegenüber den nicht geläuterten und institutionell verankerte Kümmerin gegenüber den Opfern.

    Kostner schließt: „Ausgerechnet diejenigen, die ihre antirassistische Haltung als ethisch-moralisches Leuchtsignal vor sich her tragen, entlarven sich der Gestalt selbst als Rassisten. Am Ende des Tages wird man den Eindruck nicht los, dass die einzige Gerechtigkeit, für die sich diejenigen wirklich interessieren, die in ihrem Eintreten für die Opfer der „Dominanzgesellschaft“ einen Gradmesser für Ihre moralisch ethische Rechtschaffenheit sehen, die Selbstgerechtigkeit ist.“

    Ich würde meinen, ein Staatsfeminismus hat ein solide finanzielles Eigeninteresse, für das Selbstgerechtigkeit quasi nur die emotionale Anschubfinanzierung ist.

    • Ich erinnere an das verbissene Beharren vieler Frauen im Rahmen von #metoo, dass es doch vollkommen klar sei, wo genau die Grenze zwischen Belästigung und Flirt ist und wie könne man nur das Recht zu belästigen verteidigen etcpp.

      Die Aussage: „Es lässt sich abstrakt eine Grenze ziehen, die auf alle individuellen Fälle objektiv anwendbar ist“ ist dermaßen offensichtlicher Unsinn, dass die Beteuerung eine andere Bedeutung haben muss.
      Meine Vermutung, was die Frauen eigentlich sagen: „Ich kann mir nicht vorstellen, eine Erzählung über eine Interaktion zwischen Mann und Frau zu hören, bei der ich nicht sofort zu einem wahrlichen Urteil komme, ob das Belästigung oder Flirt war.“
      Hinzu kommt natürlich die Basis, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass andere Frauen vernünftigerweise zu einem anderen Urteil kommenkönnten als sie selbst.

      Verwandt sind die beiden Grundüberzeugungen von Feministinnen, dass a) Frauen Männern überlegen sind und dass b) Frauen es in der gesamten Menschheitsgeschichte nie effektiv geschafft haben, sich gegen die Übermacht der Männer/des Patriarchats zu wehren.
      Diese beiden passen auch nicht unter einen Hut.

      Die Schlussfolgerung ist m.E.: Diese widersprechenden Überzeugungen sind nie gemeinsam unter einem Hut. Sie werden inhaltlich vollkommen unabhängig voneinander nacheinander gedacht und stören sich dadurch nicht im mindesten.

      Wenn Katzen mit benachbarten Revieren durch Kampf keine Rangordnung etablieren können, bilden sich Timeslots, in denen je die eine, dann die andere den umstrittenen Bereich durchstreift. Von 8:00 bis 12:00 ist Muschi die größte und wichtigste Katze der Welt und von 13:00 bis 17:00 ist Tiddles die größte und wichtigste Katze der Welt und beide sehen keinen Widerspruch.

      So auch die Überzeugungen von Feministinnen.

      Dass der Neger wie ein Kind ist, für das sie sich einsetzen muss, widerspricht der Überzeugung, dass der edle Schwarze uns allen weit überlegen ist, kein bißchen, wenn man es nur nacheinander denkt.

      • „Hinzu kommt natürlich die Basis, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass andere Frauen vernünftigerweise zu einem anderen Urteil kommenkönnten als sie selbst.“

        Welche Existenzberechtigung hätten die Semis dieser Welt über ihre reine Mutterfunktion hinaus, gäbe es nicht die Mirias dieser Welt, die sie missionieren und auf den rechten Pfad bringen müssen?

        „Dass der Neger wie ein Kind ist, für das sie sich einsetzen muss, widerspricht der Überzeugung, dass der edle Schwarze uns allen weit überlegen ist, kein bißchen, wenn man es nur nacheinander denkt.“

        Eine Einstellung, an der sich seit 200 Jahren nichts geändert hat.
        Ich erinnere mich an diese Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orient-Express“ (1974), wo das ehemalige Kindermädchen und spätere Missionarin Greta( 😉 ) Ohlsson der Meinung war, dass die vielen Negerkinderchen ihres seelischen Beistands bedurft hätten.

        • Dass Feministinnen mangels eigener Kinder ihren Urtrieb irgendwie kompensieren, indem sie sich etwas anderes (Mensch oder Gruppe) suchen, dem sie sich moralisch überlegen fühlen, so dass sie es mit Fug und Recht und gegen jede Gegenwehr bemuttern können, bestätigt sich als These ja immer wieder.

      • Dass der Neger wie ein Kind ist, für das sie sich einsetzen muss, widerspricht der Überzeugung, dass der edle Schwarze uns allen weit überlegen ist, kein bißchen, wenn man es nur nacheinander denkt.

        Den wenigsten Individuen, auch männlichen, ist bewusst, was ihre Instinkte sie machen lassen. Entscheidend hierbei ist zu verstehen, dass dieses „sich für andere einsetzen“ eine typische weibliche Form von Dominanzverhalten ist. So etablieren und pflegen Frauen Dominanzhierarchien. Und weil diese Dinge über ein 400 Millionen Jahre altes hormonelles System auch tatsächlich wirken, ist das dann leider durchaus zum Nachteil derer, für die Frau „sich einsetzt“. Es ist nichts anderes als Selbsterhöhung auf Kosten derer, die sich nicht wehren können.

        • schwierig…

          Die Bedeutung des Muttertriebs ist sicherlich nicht, dass das Kind dominiert werden soll.
          Da glaube ich eher, dass die prosoziale Dominanz sich die Mutterschaltkreise zunutze macht, was in evolutionärer Entwicklung ja Standard ist, dass bestehendes zweckentfremdet wird.

          Ist also die Frage, was hier mit den Minderheiten der Fall ist.
          – Kompensation ungelebter Muttergefühle?
          – Dominanzgebahren?
          – Beauty and the Beast, also die Hoffnung, dass sie einen der aufregenden Wilden durch ihre fürsorgliche Weiblichkeit für sich zähmen kann?

          Müsste ich mich festlegen, würde ich 50-30-20 schätzen.

          • „Da glaube ich eher, dass die prosoziale Dominanz sich die Mutterschaltkreise zunutze macht, was in evolutionärer Entwicklung ja Standard ist, dass bestehendes zweckentfremdet wird.“

            Den Satz versteh ich nicht, aber er hat mich auf einen anderen Gedanken gebracht.
            Mutterinstinkte – und Schutzinstinkte des Vaters – werden mit Sicherheit durch das typische Kindchenschema des Nachwuchses getriggert. Frauen machen sich dies für sich selbst zunutze, dass sie sich selbst dem Kindchenschema über die Jahrtausende anpassten. So triggern sie den männlichen Schutzinstinkt wie Kinder.
            Das Kindchenschema wirkt aber auch – und vielleicht vorrangig – auf Frauen. Sind diese gegenüber anderen Frauen vielleicht auch deshalb so nachsichtig, weil die weiblich/kindliche Erscheinung sie selbst triggert?
            Dann allerdings hätten wir Männer ziemlich schlechte Karten, gesellschaftliche Strukturen nachhaltig zu verändern.

          • Es ist Paul Elams These in diesem Video, dass heutige Frauen eine ganze Batterie von Super-Stimuli entwickelt haben, die es normalen Männern sehr schwer machen, nicht mit Super-Responses zu reagieren.

            Dass weibliches Kindchenschema auch auf Frauen wirkt, ist ein interessanter Gedanke. Zumindest, dass das „Frauen sind harmlos“ Gefühl nicht nur von „Ich bin gut und harmlos, also sind alle Frauen gut und harmlos“, sondern auch daher rührt, scheint erst mal plausibel.

            Evolution erfindet selten etwas ganz neu. In den meisten Fällen wird ein bestehendes System angepasst oder erweitert, um eine neue oder zusätzliche Aufgabe zu erfüllen.

            Dummerweise fällt mir grad kein Beispiel ein (es ist Montag FFS 😉 ), meine das aber bei Steve Stuart Williams gelesen zu haben.

          • „Evolution erfindet selten etwas ganz neu.“

            Genau das war auch Hintergrund meiner These:
            – Das Kindchenschema wirkt auf Frauen und Männer gleichermaßen.
            – Frauen entwickeln sich in eine Richtung, die es ihnen ermöglicht, unter den Schutzmantel des Kindchenschemas zu kriechen.
            – Wenn das Kindchenschema auf Männer und Frauen gleichermaßen wirkt, dann sollte eine besonders „weibliche“ Frau demzufolge auch gleichermaßen an die Schutzinstinkte beider Geschlechter appellieren können.

            „In den meisten Fällen wird ein bestehendes System angepasst oder erweitert, um eine neue oder zusätzliche Aufgabe zu erfüllen.
            Dummerweise fällt mir grad kein Beispiel ein“

            Die Hand. Bei fast allen Wirbeltieren gibt es die 5-Fingrigkeit. Egal, ob Fisch, Vogel, oder Mensch.

  3. Die passiv in der Rolle des Opfers verbleiben sind die für Linksidentitäre attraktivste Gruppe – nur so lässt sich für den als Anwalt auftretenden Moralunternehmer etwas herausholen.

    Das ist doch genau so in der Geschlechterthematik. Verantwortlich sind die Männer – aka. „patriarchale Strukturen“, sogar für autonome Entscheidungen von Frauen. Wenn Frauen irgendwo unterrepräsentiert sind – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 50% – dann wird von der Identitätslinken gar nicht in Betracht gezogen, dass dies zumindest teilweise Ausdruck der Entscheidungsfreiheit von Frauen ist. Für das Moralunternehmertum ist es natürlich gut, wenn die Ziele so hoch gesteckt werden, so dass sie nie erreicht werden. Damit bleiben sie im Geschäft.

    Bezüglich der Entwicklungsländer, insbesondere den afrikanischen, sind die Identitätslinken ausgesprochen paternalistisch unterwegs, paternalistisch im Sinn von bevormundend, d.h. der Vormund ist letztendlich verantwortlich für sein Mündel. The White Man’s Burden …

  4. Hatte ich gestern schon gepostet, aber das passt hier einfach perfekt:

    • Da Schwarze ja noch zusätzlich den Grund haben gegen Weiße instrumentalisiert worden zu sein ist da doch eindeutig (mehrfach) intelektuelle Fäule zu bewundern.

  5. In dem Zusammenhang verweise ich gern auf das so ziemlich populärste Kinderbuch aus meiner Zeit:
    „Der Roman beschreibt anhand der fiktiven Gestalt „Blauvogel“ das Leben der weißen Grenzer und der Indianer in der Mitte des 18. Jahrhunderts. „Blauvogel“ ist ein weißer Junge, der von Indianern geraubt wird und unter ihnen aufwächst. Er erkennt die Wahrheit über die weißen Siedler und die Indianer. Nach seiner erzwungenen Rückkehr zu seiner weißen Familie ist er aber nicht mehr dazu in der Lage, wieder in ihre Welt zurückzukehren. Er erkennt sie als falsch und geht freiwillig zurück zu den Indianern, weil er unter den Weißen nicht mehr klarkommt.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blauvogel_(Buch)
    Das habe ich mit ca. 8 Jahren gelesen und bin von diesem Trip sehr lange nicht runtergekommen. An allem Übel der Welt ist der „Weiße Mann“ schuld, denn er hat den paradiesischen Naturzustand zerstört.
    Ich vermute, das ist (mal ganz schlicht, ohne viel Theorie) die Denkungsart (oder vielmehr das emotionale Grundrauschen) der Intersektionalisten.

    • Das soll häufiger vorgekommen sein.

      Wundert auch kaum.
      Zivilisation ist anstrengender, hat die klemmendere und kratzendere Kleidung als das Indianerleben.
      Besonders wenn der Vergleich Zivilisation in der Kolonialisierungsphase beinhalted.

      Schielender Fuchs 😉

    • “ An allem Übel der Welt ist der „Weiße Mann“ schuld, denn er hat den paradiesischen Naturzustand zerstört.“

      Die Natur bietet neben der Bedrohung durch Hunger, Kälte, oder wilde Viecher nicht sehr viel Paradiesisches. Diese romantisch verklärte Sicht kann schnell geheilt werden, wenn man mal ein paar Wochen ohne die Vorzüge der Zivilisation – die dieser weiße, alte Mann geschaffen hat – auskommen muss.
      Aber unter dem Mantel eben jener Zivilisation träumt es sich gut vom Leben mit den edlen Wilden.

      • Rüüüüüchtüüüüück.
        Das Buch an sich ist aber trotzdem schön geschrieben und lesenswert.
        Sollte ich nach einigen Jahrzehnten vielleicht mal wieder lesen. 😉

    • Wir haben das Buch mal dem Bub vorgelesen, anfangs fand ich es ziemlich realistisch, die Indianer werden da noch nicht so extrem romantisiert wie in neueren Werken (immerhin entführen sie Kinder usw.). Allerdings ist das Ende, als er zu seiner Familie zurückkehrt, schon irgendwie übel und m.E. ein bisschen weltfremd, na ja, vielleicht mit einer Art Stockholm-Syndrom zu erklären. Die Weißen werden da irgendwie als emotionslose Arbeitsmaschinen dargestellt.

      Aber ja, es ist der Prototyp solcher Literatur. Man findet die Romantisierung übrigens besonders stark in Kinderliteratur und -filmen. Bei Yakari ist das bis zum Exzess getrieben, der Indianerjunge, der mit den Tieren sprechen kann, politisch korrekt natürlich nie eines tötet sondern immer nur welche rettet, obwohl alle in Lederklamotten rumlaufen. Der wandelnde Widerspruch.

      Historisch gesehen, glaube ich aber, dass Winnetou den größeren Einfluß hatte. Karl May stellte Indianer zwar durchaus durchwachsen dar, aber Winnetou als eine Art Heiligen. Der ganze vierte Band dreht sich nur noch darum. Winnetou soll ein Denkmal errichtet werden usw. Old Shatterhand ist dagegen, weil das der überirdischen Lichtgestalt Winnetous (der im dritten Band erschossen wurde) nicht gerecht wird etc. er wird zum Gründervater einer zum Guten gewandelten und geeinten roten Rasse stilisiert.

      Davon abgesehen ist die Besiedlung Nordamerikas, die ja durchaus ein brutaler und übergriffiger Akt war, noch gewürzt durch die Ausbeutung schwarzer Sklaven, dadurch vielen Menschen fest ins Bewusstsein gerückt und hat eine Art rassisches Schuldbewusstsein und Scham bei uns ausgelöst,

  6. In Strasbourg haben die edlen Wilden offenbar schöne Jahreswechselfeuerchen gemacht:

    „Zurück zur Natur“ mag das Motto gewesen sein.

    Aber warum in die Ferne schweifen (obwohl: Strasbourg liegt für mich viel näher als Berlin):
    https://www.berlin.de/aktuelles/berlin/kriminalitaet/6026974-4362932-zahlreiche-autos-in-berlin-an-silvester-.html
    Ich warte noch auf die endgültigen Zahlen, die entwickelten sich in der Vergangenheit ja analog zur Berliner Verschuldung.

    Vielleicht war es diesmal anders? Wie sagte die Nachrichtensprecherin aus den Lumpenmedien am Neujahrsmorgen sinngemäß?: „der Jahreswechsel verlief weitgehend friedlich“, wir konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen, fehlt nur noch die Phrase „es gab nur vereinzelte Schußwechsel“ 🙂

      • Pfff, warum sollte ich? Wir werden nie erfahren wer es war. Oder glaubst du ernsthaft die Polizei wäre noch in der Lage das aufzuklären? In Frankreich sind es vermutlich meistens diejenigen, die Sarkozy wegkärchern wollte, die hier:
        http://www.pi-news.net/2016/10/banlieue-paris-mob-will-polizisten-verbrennen/
        In Berlin sind es vermutlich überwiegend durchgeknallte Linksradikale, Ökos und was da halt so an Irren rumläuft, also die Anhänger von Anarchie und edlen Wilden…

        Hier in der Gegend hat man jedenfalls kürzlich einen edlen Wilden aufgegriffen:
        https://www.pz-news.de/pforzheim_artikel,-Zwei-Wochen-nach-der-Festnahme-Mutmasslicher-Brandstifter-sitzt-jetzt-in-der-Psychiatrie-statt-in-U-_arid,1385131.html
        einen Syrer, der mindestens 15 Autos abfackelte. Hätte der auch an Silvester agiert, hätte man ihn vermutlich nicht erwischt, weil da einfach zuviel auf einmal passiert. Obwohl die Polizei hier noch nicht so unterwandert ist, wie die in Berlin.

        Jedenfalls waren solche Exzesse in meiner Kindheit und Jugend noch nicht üblich, aber wer weiß, vielleicht wurde auch damals einfach nicht darüber berichtet. Die Medien lügen ja nicht erst seit neulich.

        Aber du hast schon Recht, könnten theoretisch auch Tante Erna und Onkel Heinrich gewesen sein. Oder Rechtsradikale, angeblich ja die größte aktuelle Bedrohung für unser Land (neben Trump und Putin).

        • Noch mehr wilde Folklore:
          https://www.journalistenwatch.com/2020/01/04/wenn-brandstifter-yallah/

          „Mit dem türkisch-arabischen Schlachtruf „Yallah“ („Los geht’s“) feuern die „jungen Männer“ sich gegenseitig an und filmen sich stolz in ihrer Zerstörungswut. Das Video stellen sie ins Netz.“

          Ich finde die doppelte Dummheit bemerkenswert, seine Taten zu filmen und dann auch noch ins Netz zu stellen. Soll ja bei diversen unfreiwilligen GangBangs auch passiert sein. Das spricht schon für eine gewisse Wildheit, da ihnen offenbar nicht bewusst ist, dass sie Unrecht tun und sie auch nicht damit rechnen, dass die Polizei schlau genug sein könnte, im Internet zu suchen. Immerhin lügen die Lumpenmedien wieder jeden Hinweis auf die Täter weg (alles „Männer“ halt, das geht beim Staatsfeminismus ja immer).

          Auch andere liebgewonnene Sitten scheinen die schwer ablegen zu können, auch darüber hört man in den Dreckslügenmedien wieder nichts:
          https://www.journalistenwatch.com/2020/01/03/uk-kindes-missbrauch/
          „Die lokalen Behörden haben laut Breitbart über 18.700 mutmaßliche Opfer sexueller Ausbeutung von Kindern durch meist muslimische Männer in den Jahren 2018-19 gemeldet. Vor fünf Jahren waren es noch 3.300 Opfer.“

          Vielleicht macht man es da wie in Berlin und verfolgt kleinere Diebstähle stattdessen nicht mehr, dann werden sie auch nicht mehr angezeigt und man kann immer noch sinkende Kriminalitätsraten vermelden.

  7. Ich fand ja crumars Hinweis, dass alle Robinson-Varianten Ausdruck der männlichen Sehnsucht, der Entfremdung, die jeder Zivilisierung innewohnt, zu entfliehend, am fruchtbarsten.

    • Ja, allerdings halte ich das nicht nur für eine männliche Sehnsucht. Wurde im Forum ja schon oft genug thematisiert, dass gerade Frauen in der Sehnsucht nach dem edlen Wilden dahinschmelzen und am heftigsten die jungen braunen Burschen aus Südland-ien, sowie eine grenzenlose Einwanderungspolitik verteidigen, wider jede Vernunft.

      Dahinter steht zweifelsohne auch eine Romantisierung, denn wenn sie wüssten, was sie sich damit wirklich einfangen, würden sie den Kopf nicht so weit raushalten.

      • Vielleicht ist ihnen auch nur der Verstand in die Hose gerutscht. Ach nee, das gibt es bei Frauen ja nicht und Testosteron kann es wegen toxischer Männlichkeit auch nicht sein.
        Andere Frage: Glaubst Du, dass die männliche Gottesanbeterin (Mantis religiosa) weiß, dass ein hohes Risiko besteht, während der Paarung (oder gleich danach) gefressen zu werden? Und wenn es das weiß, würde es von diesem Wissen abgehalten werden?

        • „Andere Frage: Glaubst Du, dass die männliche Gottesanbeterin (Mantis religiosa) weiß, dass ein hohes Risiko besteht, während der Paarung (oder gleich danach) gefressen zu werden? Und wenn es das weiß, würde es von diesem Wissen abgehalten werden?“

          Ich verstehe zwar den Zusammenhang nicht, aber von der Logik her gibt es nur folgende Kombinationen:

          a) sie weiß es, nimmt es aber in Kauf
          b) sie weiß es nicht

          Die Variante c ist hypothetisch:
          c) sie weiß es und nimmt es nicht in Kauf
          da das Verhalten ja offenbar existiert und sich somit evolutionär durchgesetzt hat, d.h. die „nimmt es nicht in Kauf“-Varianten sind ausgestorben.

          Ich gehe aber stark davon aus, dass derartiges Kleingetier rein instinktgesteuert ist und nicht oder allenfalls über sehr rudimentäres Bewusstsein verfügt und daher auch nicht in die Zukunft plant. Aus dem Vorfall irgendwie zu lernen, ist ja auch nicht möglich.

          • „Ich verstehe zwar den Zusammenhang nicht,…“

            Ok, der Versuch ging daneben.
            Kennst Du die Fabel vom Frosch und dem Skorpion?

          • Oder kurz: ich halte das nicht für vergleichbar. Da Menschen eben über Bewusstsein und Planungsvermögen verfügen, was aber eben nicht heißt, dass jeder auch tatsächlich bewusst plant oder auch nur die richtigen Fakten für eine sinnvolle Planung kennt (die Medien führen diesbezüglich ja bewusst in die Irre).

          • „Ich gehe aber stark davon aus, dass derartiges Kleingetier rein instinktgesteuert ist und nicht oder allenfalls über sehr rudimentäres Bewusstsein verfügt und daher auch nicht in die Zukunft plant.“

            Zumindest bei einigen Spinnenmännchen, die ja bekanntermaßen ebenfalls gern als After-Sex-Snack enden, ist eine solche Prophylaxe zu beobachten.
            Einige schneiden ein Fluchtloch ins Netz der weiblichen Begehrten, andere fixieren einen Rettungsfaden an entfernte Stelle und lassen sich nach dem Liebesspiel in Sicherheit fallen.
            Ich selbst habe mal einem Begattungsspiel eines Kreuzspinnenpärchens beigewohnt.
            Dabei betrommelt das Männchen das Weibchen und wartet, bis sie wohl durch den Trommelwirbel betäubt ist, bevor es schnell sein Samenpaket an die richtige Stelle bugsiert.
            Ist es zu ungeduldig, endet es als Futter, ohne Sex, ist es nach dem Ablegen des Samenpakets nicht schnell genug weg, auch.
            Augenscheinlich scheint dem Männchen sein Schicksal durchaus bewusst und checkt die Stimmung des Weibchens, bevor es zum Akt schreitet. Es hört auf zu trommeln und wenn das Weibchen seine Chelizeren (Giftdrüsen) ausklappt, trommelt es weiter. Hält das Weibchen dagegen still, versucht das Männchen sein Glück – und endet trotzdem in den meisten Fällen als Futterpaket im Netz.

          • @carnofis

            „Einige schneiden ein Fluchtloch ins Netz der weiblichen Begehrten, andere fixieren einen Rettungsfaden an entfernte Stelle und lassen sich nach dem Liebesspiel in Sicherheit fallen.“

            Das ist sehr faszinierend. Bei solchem Verhalten frage ich mich immer, ob es nur durch Lernen (kann hier ausgeschlossen werden, weil die Männchen ja das erste Mal nicht überleben würden) und Gene (möglich, aber ist so ein spezielles detailliertes Verhalten tatsächlich vererbbar?) zustande kommt. Oder ob es nicht tatsächlich noch einen dritten Weg gibt, so eine Art „Hundredth monkey“-Effekt…

  8. „Bei afrikanisch stämmigen PoCs ist alles der Kolonialismus. Beispielsweise hatte ich neulich in einer Diskussion darauf hingewiesen, dass in Afrika auf Homosexualität in vielen Ländern die Todesstrafe steht und das es eigentlich keine liberaleren Länder gibt als die westlichen. Die Antwort war, dass dies eben auch erst durch den Kolonialismus der Fall ist also der Westen daran schuld“

    Die Antwort trifft im Wesentlichen zu. Die heutigen Strafgesetze afrikanischer Länder sind in vielen Fällen unverändert weiter geltendes britisches Strafrecht des frühen 20. Jahrhunderts. Die heute in vielen afrikanischen Ländern verbreitete Homophobie basiert auf christlichen und islamischen Tabus, die bekanntlich durch europäische bzw. arabische Kolonisatoren erst dorthin gebracht wurden. Wenn westliche Liberale heute Afrikanern sagen, sie mögen ihre Strafrecht liberalisieren, sagen sie zwischen den Zeilen „Werft die euch von unseren Urgroßeltern aufgezwungenen Standards fort und übernehmt unsere heutigen.“

    Um nicht falsch verstanden zu werden, natürlich ist Bestrafung von Homosexualität eine Menschenrechtsverletzung und auch aus vielen anderen Gründen falsch. Den historischen Kontext sollte man aber nicht übersehen. Und dieser bedeutet außerdem nicht, dass Afrika vor der Kolonisierung ein Paradies der Gleichberechtigung war. Aber trotzdem ist die heutige Situation von außen aufgedrückt worden.

    „wäre und das dieser auch im übrigen das Patriarchat mitgebracht hätte, in Afrika wären viele Stämme durchaus Matriarchate gewesen.“

    Das glaub ich eher weniger.

    • Nur weil es in heutiger Form in Abwandlungen von britischem Recht oder islamischem Recht vorliegt, heisst das ja nicht, dass Homosexualität in Afrika vorher akzeptiert gewesen wäre. Das ist reine „Edle-Wilde-Theorie“ und wahrscheinlich nicht generell der Fall.

      • Das wollte ich auch nicht sagen. Wie es vorher war weiß ich nicht, vermutlich je nach Kultur verschieden. Trotzdem ist es richtig dass die heute in Afrika vorhandene Homophobie praktisch ausschließlich aus den importierten Religionen und Rechtssystemen stammt.

  9. Um sich von der Idee des „edlen Wilden“ zu lösen, empfehle ich das Buch „Noble Savages“ von Napoleon A. Chagnon, Untertitel: My life among two dangerous tribes – the Yanomamö and the anthropologists“. Die gefährlichen Anthropologen sind die, die der Idee des edlen Wilden anhängen und daher Chagnon persönlich angreifen, weil er das Leben der Yanomamö (ein südamerikanischer Stamm) realistisch geschildert hat. Unter anderem gibt es dort Krieg zwischen Dörfern, Mord Neugeborener,
    die irgendwie nicht passen, und absolut grausame Bestrafung von Frauen, die der Untreue verdächtig sind und anderer Missetäter.

    Ich bin durch dieses Gespräch bei youtube zwischen Chagnon und Steven Pinker auf das Buch aufmerksam geworden.

    • „Ich bin durch dieses Gespräch bei youtube zwischen Chagnon und Steven Pinker auf das Buch aufmerksam geworden.“

      Ich muss mal gucken, ich hab auch ein Buch in dem Tenor.
      Danach werden verschiedene Naturvölker und deren Sitten analysiert, die sich als ruinös erwiesen hatten, aus denen die Völker aber ohne „Hilfe“ von außen nicht mehr herauskamen.
      Ich erinnere mich vage an Kopfjäger in Neuguinea (?), wo Stämme in einem Kreislauf aus gegenseitigem Umbringen gefangen waren, aus dem ihnen europäische Missionare halfen. Das taten diese natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern als Teil der Missionierung. Dennoch waren viele „Wilde“ dankbar, dass das Gemorde so ein Ende fand.

      In Nordamerika an der Pazifikküste war es Gewohnheit, sich zu besonderen Anlässen zu einem Potlatch zu treffen, einem Fest, bei dem untereinander immer üppigere Geschenke ausgeteilt werden. Es galt, mehr Geschenke zu geben, als der Beschenkte zurückgeben konnte. Und, um zu demonstrieren, dass man auf die Geschenke des Anderen nicht angewiesen war, wurden sie gern zerstört. Auf diese Weise wurden ganze Stämme auf einer einzigen Party ruiniert und in Hunger und Elend getrieben. Auch hier erwies sich das Verbot, wenn auch hier wieder aus missionarischen Motiven, als Rettung.

      Wie so oft, ist die Wahrheit irgendwo zwischen den Extremen. Der „Wilde“ ist nicht per se gut, so wie der „weiße Mann“ nicht per se schlecht ist.
      Aber für Fanatiker gibt es eh nur schwarz oder weiß, an oder aus, gut oder schlecht. Sie müssten sich perfekt im Arbeiten mit Binärcode auskennen 🙂

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