Warum der intersektionale Feminismus nur zerstören will, aber keine Pläne hat wie die „Neue Welt“ funktioniert

Diesen Dialog fand ich ganz interessant:

Yeyo:

Grievance studies and critical theory talk a lot about deconstruction but very little about construction. They want to tear down society but have no clue about what is going to replace it.

The Rino

heir understanding of racism is deeply flawed. This leads to an “abolish” mentality. If they had the correct understanding they would know that racism will still exist when after they tear society down. They would know that you can’t eliminate it, but can only contain it.

Yeyo:

It’s what Thomas Sowell referred to as the unconstrained vision of human nature. Human nature is flawless, all bad things appear only because of the corrupting influence from oppressive institutions. So the solution is to tear those institutions down.

Wir hatten hier schon einmal die These, dass alle die, die in einer Kategorie „Opfer“ innerhalb des intersektionalen Feminismus sind im Prinzip Abwandlungen des „edlen Wilden“ sind, die erst durch die böse Gesellschaft korrumpiert worden sind.

  • Die PoCs durch die Unterdrückung durch den weißen Mann, die Schwarzen durch Kolonialismus und den Sklavenhandel
  • die Dicken durch westliche Schönheitsideale
  • der Islam durch die Abwertung durch den Westen und den Kolonialismus
  • die Frauen durch Geschlechterrollen
  • Die Transexuellen durch binäre Geschlechterrollen
  • Und selbst die Männer könnten gut sein, sind aber  durch andere Männer korrumpiert

Dieser Einfluss muss nur beseitigt werden, dann bricht irgendwie das Paradies aus. Und irgendwie ist das plötzlich kein Rassismus, keine Vergewaltigung, keine unterschiedlichen Löhne, nichts schlechtes mehr. Aber es wird eben auch nicht konkret, ein wirkliches „Endspiel“ gibt es nicht, es bleibt vage. Das bisherige muss nur weg. Dann wird magisch alles besser.

Feminismus ist in der Hinsicht eben eine Religion.

Und in Religionen fragt man auch nicht, wo die Leute im Paradies das Essen herbekommen, ob sie noch Sex haben können oder wie zwischenmenschliche Beziehungen aussehen, wenn plötzlich alle alles haben. Es sind ja nur die Guten dort oben, also verstehen sich alle super und allen geht es gut.

So ist es auch im Feminismus: Plötzlich verstehen sich alle, alle sind gleich, alle schätzen sich, Konflikte sind bereits nicht mehr denkbar und danach fragen ist blöd. Wenn es Konflikte noch geben würde, dann müsste eben noch Patriarchat oder Weiße Unterdrückung vorhanden sein. Woher sollte es sonst komme?

 

70 Gedanken zu “Warum der intersektionale Feminismus nur zerstören will, aber keine Pläne hat wie die „Neue Welt“ funktioniert

  1. Was ist die Message hinter jedem Holocaust Mahnmal, das heute noch aufgestellt wird?

    a) Vor 80 Jahren wären auch WIR Nazis gewesen und wir könnten es wieder sein, wenn der Wind sich dreht.

    oder

    b) Was für Leute tun so was? ICH BIN SO NICHT. Ich brauche eine Beschwörungsformel, die das klar macht.

    • Du, ja Du, Du bist auch ein Nazi!
      Auf die Knie!
      Zahl mehr Steuern!
      Halt die Schnauze wenn Du nicht deiner Regierung zujubelst.
      Zieh die Maske gerade.

  2. Der edle Wilde ist ein romantisches Luftschloss. Der Mensch ist nicht von Natur aus gut. Wenn dann ist der Mensch von Natur aus Tier. Essen, Trinken, Fortpflanzung, Brutpflege, Sicherheit. Pures Überleben und Vermehren, im Anschluss der Schnickschnack.

    Die Grievance Study Propagandisten haben die ehrliche Suche nach der Wahrheit aufgegeben. Sie haben ja ihre Wahrheit gefunden. Diese gefällt ihnen, diese nutzt ihnen, deswegen verbreiten sie sie. Egal, wieviel logische Löcher in ihr sind. Die Suche nach echter Wahrheit würde wissenschaftliches Arbeiten voraussetzen, und die Bereitschaft, das Ergebnis zu akzeptieren, egal, wie es aussieht. Auch, wenn es hässlich ist.

    Aber nein, der Mensch ist von Natur aus gut. Und wenn ich fordere Männer umzubringen, bin ich trotzdem gut. Aber nicht der Zweck heiligt die Mittel. Sondern die Mittel zeigen, ob man gut oder böse ist.

    Die Gesellschaft einreisen, weil sie böse ist? Was würde entstehen? Wahrscheinlich primitives Recht des Stärkeren. Oder Reicheren. Oder besser Bewaffneten.

    • „Die Gesellschaft einreisen, weil sie böse ist? Was würde entstehen? Wahrscheinlich primitives Recht des Stärkeren. Oder Reicheren. Oder besser Bewaffneten.“

      Wenn man die Schlechtheit einer Gesellschaft daran misst, wie sehr die Feministinnen jammern, wäre eine solche ursprüngliche Gesellschaft natürlich die beste vorstellbare. Die als Füllmaterial in Aufschüttungen verwendeten Feministinnen jammern nämlich 0.

  3. »Feminismus ist in der Hinsicht eben eine Religion.«

    Im englischsprachigen Raum kommt mittlerweile schon Kritik auf, dass zumindest radikale Teilströmungen des Feminismus sogar eine Sekte konstituieren (via Arne).

    • „kommt mittlerweile schon Kritik auf“

      Ich will dir ja nicht deinen Optimismus versalzen, aber diese Kritik besteht aus einem Artikel auf medium. Das wird genau so ignoriert wie jeder andere einzelne Artikel, jede einzelne Studie die den Gender Pay Gap aufdröselt oder die Gleichverteilung bei häuslicher Gewalt nachweist. Es wird auch keinen Hashtag unserer Wald-und-Wiesen-Feministinnen geben, die doch alle gar nichts gegen Männer haben, keine Protestmärsche oder ähnliche Zusammenschlüsse, um deutlich zu machen das dieser radikale Feminismus kein Feminismus ist und „gute“ Feministinnen ihn ablehnen.

      Glaubst du das eine Ester, eine Vala oder eine Semi von sich aus, also ohne das man sie mit der Nase drauf stößt, diese radab Feministinnen, die ja anscheinend Frauen schaden, kritisieren würde?

      • @Matze:

        »… aber diese Kritik besteht aus einem Artikel auf medium. Das wird genau so ignoriert wie jeder andere einzelne Artikel«

        Da hast Du wahrscheinlich recht. Ich habe versäumt, zu ergänzen, dass der Artikel von einer daran beteiligten Feministin stammt, das heißt, er taugt als Beleg dafür, dass Radikalfeminismus inzwischen Sektenaussteiger im geläufigen Sinne produziert, die über Insiderwissen verfügen. Die Reichweite des Artikels ist für mich insofern zweitrangig, als der Artikel als Primärquelle dienen kann.

        • Naja, der Artikel stellt für mich eher eine Reflektion innerfeministischer Konflikte bzw. Widersprüche bez. des Themas Sexarbeit dar. In den USA verschiebt das sich das Meinungsbild aber zusehendes Richtung Entkriminalisierung, und nach meinem Eindruck wird das von progressiven Aktivisten mitgetragen bzw. forciert.

          Warum die das wiederum machen kann man imho mit diversen anderen Positionen im neulinken Spektrum zusammen sehen, wie z.B. offene Grenzen oder „Abschaffung der Polizei“.

  4. Es ist kein neuer Befund, dass da, wo die staatlichen Hoheitsfunktionen schwach entwickelt sind oder sich nicht durchsetzen können, eine Mafia entsteht. Im Unterschied zur »reinen« organisierten Kriminalität ist eine Mafia dadurch gekennzeichnet, dass sie auf lokaler Ebene staatliche Funktionen übernimmt: Konfliktregelung, öfentliche Ordnung, Rechtssicherheit (im Sinne des Ehrenkodex), mithin alles, was sich aus dem usurpierten Gewaltmonopol des Staates ableiten lässt.

    In der alten Sowjetunion gab es bekanntlich eine hohe Korruption. In der Jelzin-Zeit haben die Leute dann deutlich weniger Bestechungsgelder gezahlt. Statt dessen Schutzgelder. Seit Beginn der Putin-Ära geht der Trend wieder zur Bestechung. 🙂

  5. Ich finde eigentlich schon, dass man Gender-Kritik nicht auf Gender-Studies-Niveau betreiben sollte. Daher hier ein paar Differenzierungen:

    Jacques Derrida, der Begründer der Dekonstruktion, hat die Idee des „edlen Wilden“ nicht vertreten, sondern kritisiert und zwar in seinem frühen Hauptwerk „Grammatologie“ in einem Kapitel, in dem er sich mit dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau und dem Ethnologen Claude Levi-Strauss auseinandersetzt.

    Dekonstruktion bedeutet bei Derrida außerdem nicht Zerstörung, sondern steht für eine spezifische Praxis der Lektüre, Analyse und Interpretation literarischer und philosophischer Texte, die gleichzeitig kritisch und würdigend ist.

    Vertreter der Kritischen Theorie befassen sich des Weiteren in der Regel nicht mit Dekonstruktion. Dekonstruktion und Kritische Theorie sind verschiedene geisteswissenschaftliche Strömungen.

    Aber erst Recht befassen sich Vertreter der Kritischen Theorie nicht damit wahllos Institutionen zu zerstören. Der Kritik-Begriff ist bei den Hauptvertretern der Kritischen Theorie sehr differenziert und ihre Werke sind stets intelligent, begründet-argumentierend und lesenswert.

    Weder Jacques Derrida, noch die Hauptvertreter der Kritischen Theorie befass(t)en sich außerdem mit intersektionalem Feminismus.

    „Grievance Studies“, also die akademischen Strömungen der politisch korrekten postmodernen Linken, zu denen der intersektionale Feminismus zählt, haben im Gegensatz zu bedeutenden Geisteswissenschaftlern/Sozialwissenschaftlern wie Jacques Derrida oder den Hauptvertretern der Kritischen Theorie zwar ein äußerst niedriges wissenschaftliches und theoretisches Niveau, auch bei diesen geht es aber nicht darum wahllos Institutionen zu zerstören. Im Vordergrund steht vielmehr eine einseitige und falsch angelegte (Anti-)Diskriminierungstheorie. Es geht ihnen in diesem Sinne wesentlich darum von ihnen als diskriminiert angesehene Gruppen stärker in bestehende Institutionen einzubringen.

    Ich befasse mich schon etwas länger mit einer Analyse und Kritik der politisch korrekten postmodernen Linken und besitze Lehr- und Einführungsbücher zu verschiedenen ihrer Unterströmungen (z.B. Gender Studies, Queer-Feminismus, Critical Whiteness, Critical Race Theory etc.). Diese Schriften sind m.E. schlecht – und z.T. wird ihnen auch der Begriff Dekonstruktion in einer falschen Weise verwendet – inhaltlich geht es in solchen Schriften aber um einseitige, undifferenzierte (Anti-)Diskriminierungstheorien, denen zufolge bestimmte Menschengruppen allgemein diskriminiert sind und andere allgemein privilegiert, wobei nun die als diskriminiert angesehenen Gruppen stärker in die Gesellschaft und ihre Institutionen integriert werden sollten. (Und nein, Critical Whiteness und Critical Race Theory haben trotz ihrer Eigenbezeichnungen mit der Kritischen Theorie nichts zu tun.)

    • Noch einmal für das Forum:
      Kritische Theorie ist ein im deutschen Sprachraum feststehender Begriff, der mit der Frankfurter Schule verbunden ist. Zurückführen lässt er sich auf Horkheimer, der 1937 den Beitrag „Traditionelle und kritische Theorie“ verfasst hatte.

      Speziell im angelsächsischen Sprachraum werden unter Critical Theory hingegen auch Strömungen der „Postmodern critical theory“ verstanden, die mit der ursprünglichen Kritischen Theorie nichts zu tun haben.
      Das führt selbstredend zur Konfusion.

      @Leszek
      „Diese Schriften sind m.E. schlecht“ – dann ist meine Frage an dich, wie konnte sich dieser Quatsch durchsetzen?
      Wie konnte z.B. „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“ so ein Hit werden, ungeachtet der Tatsache, dass es sich um einen 7 (sieben) seitigen Text mit bestenfalls anekdotischer Evidenz handelt?
      Es wird bspw. seitens der APA behandelt, als handle es sich um eine bewiesene Theorie.
      Das spricht in meinen Augen für eine beispiellose Absenkung von (akademischen) Standards.

      • „wie konnte sich dieser Quatsch durchsetzen?“
        Wieso waren Modern Talking so erfolgreich, warum Big Brother? Weil sie dem Publikum das gaben was das Publikum wollte. Und der „Rucksack“ gab den westlichen Intellektuellen die Chance, sich in Selbstekel zu suhlen und den „Edlen Wilden“ anzubeten.
        Ich halte den ganzen Woke-Wahnsinn mitlerweile für eine neue Welle (pseudo)religiöser Erweckungsbewegung.

        • Über die säkularisierte Ersatz-Religion sind wir uns vermutlich alle einig.
          Da ist so viel „Science“, wie in Scientology enthalten ist und ich habe schon vor Jahren geschrieben, die Ablehnung der Evolutionsbiologie in genderistischen Texten und deren Idee, alle biologischen Unterschiede seien nur eine eine „soziale Konstruktion“ macht sie in meinen Augen zu Kreationisten von „links“.

          Auffällig ist aber etwas, was sich jenseits der Entwicklung eines reinen Geschmacks vollzieht; die Texte sind so intellektuell dürftig und so offensichtlich schlecht geschrieben und begründet, dass das – wenn nicht dem allgemeinen Publikum – so doch wenigstens dem akademischen Milieu auffallen müsste.

          Wenn ein Text rein anekdotische Evidenz auffährt und ansonsten Betroffenheitslyrik bietet, sollte dieser unter der unter der Rubrik „anekdotische Evidenz“ abgespeichert werden und nicht unter „Das ist der Beweis, die Erde ist eine Scheibe!“.
          Wenn so etwas geschieht, dann handelt es sich m.E. um einen Hinweis darauf, die Rezipienten können nicht einmal zwischen „Anekdote“ und „These“ und „Theorie“ unterscheiden.
          Das ist für mich der Knackpunkt.

    • „Aber erst Recht befassen sich Vertreter der Kritischen Theorie nicht damit wahllos Institutionen zu zerstöre“

      Crumar hat dazu ja schon was geschrieben, aber kann man ja noch mal aufgreifen: Wie würdest du denn „Critical Theory“ übersetzen oder welchen Begriff würdest du dann dafür nehmen?

    • Du bist Teil des Problems, Leszek. Du beschäftigst Dich nämlich immer nur mit dem theoretischen Idealzustand, aber nie mit den gesellschaftlichen und realen Folgen der Theorie.
      Man könnte Dich für unfähig halten, von Theorien auf die Praxis zu schließen.

      • Ich habe den Eindruck, dass leszek deine Unterscheidung nicht verstehen kann.
        Echt und real ist, was geschrieben steht. Alles andere, was Menschen tun oder sind, ist nicht wirklich.

        • Aber Marx hatte doch geschrieben, dass die Diktatur des Proletariats errichtet werden muss. Wieso kommt dann zum Schluss eine Diktatur raus?
          Das verstehe ich nicht…

          • @Adrian
            Ich verstehe das so, dass in einer Diktatur des Proletariat nur die das Sagen haben, die auch was leisten. Eine Art Meretokratie. Die welche nichts leisten, z.b. Dummschwätzer oder Feministen müssen sich dem Diktat der Leistungsträger beugen.
            Wenn ich das richtig verstehe, dann ist das vermutlich auch der Grund warum Feministen versuchen uns jeden Furz als Arbeit zu verkaufen, Care-Arbeit usw., denn in einer Diktatur des Proletariats hätten sie sonst nix zu melden.
            Im Prinzip sind das doch deine Forderungen, ist irre ich mich. Doch ein verkappter Kommi, was? 😅

          • „Wieso kommt dann zum Schluss eine Diktatur raus?“

            Kleiner Hinweis aus der Staatsbürgerkunde: „Am Schluss“ steht für den Marxismus die sogen. klassenlose Gesellschaft. Die Diktatur des Proletariats dient allein der Überwindung des Kapitalismus‘ und der Errichtung der klassenlosen Gesellschaft. Dies geschieht durch eine Überwindung des Widerspruchs zwischen dem Stand der Produktionsverhältnisse (vor allem Besitz der Produktionsmittel) einerseits und andererseits dem Charakter der Produktivkräfte (vor allem der Arbeiterklasse).

          • @Jochen Schmidt: Und um dahin zu kommen, dass dieser Widerspruch überwunden wird, ist eine Funktionärsschicht notwendig, die das noch zu entwickelnde „richtige“ Bewusstsein permanent in allen Bevölkerungsteilen wecken und fördern bzw. (weil’s einfacher ist) das falsche Bewusstsein unterdrücken. Das ist auch der Grund, warum alle diese Theorie praktisch immer in dieselbe Richtung läuft. Der Klassenfeind (es ist ja die Übergangsphase) lauert überall und will das Erreichte zunichte machen.

            Warum kann der Sozialismus den gesellschaftlichen Wettstreit mit dem Kapitalismus eigentlich nicht ohne diese fiesen Tricks gewinnen? Der Kapitalismus hat doch den Feudalismus auch besiegt, obwohl es an dessen Beginn eine deutliche Übermacht an Feudalstrukturen gegeben hat?

          • @ Werlauer

            „… ist eine Funktionärsschicht notwendig …“

            Vorsicht: Soweit ich mich erinnere, gibt es diese Schicht im klassischen Marxismus nicht. Natürlich war Marx und Engels klar, dass man irgendwie ein paar Spezialisten braucht für den organisierten Klassenkampf. Aber ich meine, es gibt nicht diese Konzeption der „Partei als Vortrupp der Arbeiterklasse.“

            Diese Konzeption taucht erst bei Lenin auf. (Vielleicht hat es auch ein wenig bekannter Marxist vorher gesagt, und Lenin hat es dann einfach übernommen.) Erst bei Lenin vollzieht sich diese Abspaltung, um nicht zu sagen: Entfremdung der Funktionärsschicht, die erst mal für den Umsturz zuständig ist, und dann für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft, und der die Arbeiterklasse folgen muss, um nicht zu sagen: blind gehorchen.

            Warum Lenin das gemacht hat, ist klar: Einerseits hielt er die Arbeiterklasse für nicht tauglich für derartige Aufgaben, andererseits wollte er für Leute wie ihn eine herausragende Stellung in diesem ganzen Umwälzungs- und Neuaufbau-Prozess reservieren (Macht, Privilegien).

            Hiervon würde ich Deinen Eindruck unterscheiden, dass „alle diese Theorie praktisch immer in dieselbe Richtung läuft. Der Klassenfeind (es ist ja die Übergangsphase) lauert überall und will das Erreichte zunichte machen.“

            Soweit ich mich erinnere, findet sich auch diese Vorstellung so nicht im klassischen Marxismus. Es gibt lediglich die Annahme, dass die Kapitalisten und ihr Staatsapparat einer Veränderung der Besitzverhältnisse (Eigentum an Produktionsmitteln) Widerstand leisten werden. Dies ist eine empirische Annahme, die durch die gescheiterten Revolutionen im 19. Jahrhundert (die Marx natürlich analysiert hat) bestätigt wird.

            Für diese Idee vom Klassenfeind, der überall lauert und alles Erreichte zunichte machen will, gibt es drei mögliche Motivationen:
            – Paranoia, wie sie bei sehr engagierten Menschen häufig ist (z. B. auch bei Feministinnen)
            – eine (bewusste) Falschbehauptung (Ausrede), mit der unbegründete und drastische Maßnahmen durchgesetzt werden sollen, z. B. während und nach der Oktoberrevolution, als die Bolschewiken ihre Macht in ganz Russland durchsetzen wollten.
            – und natürlich kann dies auch eine realistische Annahme sein, z. B. in einer Diktatur in Südamerika oder im fernen Osten.

          • @Jochen Schmidt:

            »Erst bei Lenin vollzieht sich diese Abspaltung, um nicht zu sagen: Entfremdung der Funktionärsschicht, die erst mal für den Umsturz zuständig ist, und dann für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft, und der die Arbeiterklasse folgen muss, um nicht zu sagen: blind gehorchen.«

            Genau. Weil Lenin aufgefallen war, dass die Arbeiter von sich aus »nur« im Kapitalismus bessere Lebensbedingungen erkämpfen wollen (der »Trade-Unionismus«), schreibt er in Was tun?:

            »Aber die spontane Entwicklung der Arbeiterbewegung führt eben zu ihrer Unterordnung unter die bürgerliche Ideologie, … denn spontane Arbeiterbewegung ist Trade-Unionismus, ist Nur-Gewerkschaftlerei. Trade-Unionismus aber bedeutet eben ideologische Versklavung der Arbeiter durch die Bourgeoisie. Darum besteht unsere Aufgabe, die Aufgabe der revolutionären Sozialdemokratie, im Kampf gegen die Spontaneität, die besteht darin, die Arbeiterbewegung von dem spontanen Streben des Trade-Unionismus, sich unter die Fittiche der Bourgeoisie zu begeben, abzubringen und sie unter die Fittiche der revolutionären Sozialdemokratie zu bringen.«

            Darum unterscheidet Lenin zwischen der Organisation der Arbeiter und der Organisation der Revolutionäre, und aus letzterer, dem Kader der Berufsrevolutionäre, geht eine Funktionärsschicht hervor, die eine politische Kontrolle der »unzuverlässigen« Arbeiter anstrebt und dazu auch vor der Bürgerkriegslogik der Feindbekämpfung nicht zurückschreckt.

          • @Jochen Schmidt: Und dass die Idee von Funktionären, die über die reine Lehre wachen, bei Marx nicht auftaucht, kann nicht zufällig daran liegen, dass Marx im Wesentlichen ein Salonlöwe war und Lenin ein Macher, der einfach praktische Notwendigkeiten erkannt hat? Die Zitate, die @djadmoros aufführt, deuten zumindest in diese Richtung.

          • @Werlauer:

            Marx könnte man im Vergleich zu Lenin wohl als »Salonlöwe« bezeichnen, aber entscheidend waren m. E. die Besonderheiten der russischen Situation: dort war das Bürgertum paradoxerweise schwächer als in Mittel- und Westeuropa, sodass die Chancen auf einen »legalistischen« Weg wie z. B. bei der deutschen Sozialdemokratie nicht gegeben waren (auch die Deutschen hatten in Gestalt von Bebel und Liebknecht ihre »Macher«).

            Reformbestrebungen waren in Russland direkt mit der zaristischen Autokratie konfrontiert, die sich schlicht zu langsam bewegte, um den gesellschaftlichen Reformdruck auf konstruktive Weise aufzunehmen. Die radikalen russischen Sozialisten konnten nur in der Illegalität operieren, woraus sich ideologisch wie politisch eine viel schärfere Polarisierung (und Gewaltbereitschaft) ergab. Insofern war Lenin ein konsequentes Produkt der russischen Verhältnisse.

          • @ Werlauer

            Grundsätzlich: ich bin kein Fürsprecher von Marx – ich habe lediglich meine Erinnerungen aus dem Staatsbürgerkunde-Unterricht wiedergegeben.

            Ganz sicher hatte Marx einen andere Perspektive und einen anderen Fokus als Lenin: Für Lenin war eine Revolution in Reichweite (es hatte ja in Russland bereits 1905 eine gegeben) – für Marx war eine Revolution keine reale Option: er hatte ja beobachtet, wie z. B. die Revolutionen in Frankreich blutig niedergeschlagen worden waren. Insofern war Marx natürlich weniger praktisch, weniger handgreiflich ausgerichtet als Lenin.

            Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Marx – im Gegensatz zu Lenin – hatte auch ein akademisches Interesse. Ihm lag sehr daran, dass die führenden Nationalökonomen seiner Zeit seine Analysen im „Kapital“ usw. Ernst nehmen, wenigstens teilweise akzeptieren, übernehmen und weiterführen. Ein solches Interesse fehlt bei Lenin völlig.

            Ob Marx ein „Salonlöwe“ war, weiß ich nicht. Ich denke, er war ein schlechter Mensch. Die moralischen Qualitäten eines Menschen sagen aber nichts über die Wahrheit oder Falschheit oder auch nur Relevanz der Theorien dieses Menschen aus. Zudem: ziemlich viele Menschen sind schlecht, vor allem Künstler und Denker / Theoretiker. Damit müssen wir irgendwie zurechtkommen.

            Allgemein kann man ja vieles hinterfragen, in Zweifel ziehen, kritisieren usw. Aber man sollte schon prüfen, ob diese Kritik wirklich angemessen ist. Z. B. war die Feministin Catharine A. MacKinnon früher Marxistin (vielleicht ist sie es heute noch – keine Ahnung). Aber wenn man Marx oder den Marxismus kritisiert wegen all der Verfehlungen von MacKinnon, dann wäre eine solche Kritik verfehlt – wenn man so will: ungerecht. Marx ist auch nicht verantwortlich, wenn Fridays for Future fordern, den Kapitalismus abzuschaffen wegen Klima und so.

          • @Jochen Schmidt und @djadmoros: Danke für die Erläuterungen.

            Zum Schlusssatz von @Jochen Schmidt: Mit der Begründung

            Aber wenn man Marx oder den Marxismus kritisiert wegen all der Verfehlungen von XY, dann wäre eine solche Kritik verfehlt – wenn man so will: ungerecht.

            kann man jeden Mafiaboss reinwaschen: Was kann der Don dafür, dass der dusslige Handlanger bei „Denen müsste mal einer richtig Druck machen.“ versteht, er solle die Familie der Betreffenen auf die Hälfte dezimieren.

            Wenn ich mich an meinen Staatsbürgerkundeunterricht richtig erinnere, dann haben wir da ständig über Diktatur des Proletariats, revolutionäre Elemente, Umsturz und Entmachtung von Reaktionären gesprochen. Kann sein, dass diese Aspekte alle von Lenin kamen und ein Karl Marx das eigentlich ganz anders und ohne Stasi und Parteifunktionäre gemeint hatte.

    • Hm, stammt nicht von Derrida die Behauptung, dass es „nichts außerhalb des Textes“ gäbe? Das würde dann doch wohl auf einen weiteren Anspruch seiner Dekonstruktion deuten, der sich über die Interpretation von literarischen und philosophischen Texten hinaus erstreckt.

      ich denke schon, dass man all diesen Theorien den Vorwurf machen kann, dass sie im Bereich der Kritik wesentlich stärker sind als bei der Aufweisung von Alternativen, und dass sie deshalb i.d.R. destruktiv wirken. Das gilt sowohl für die französischen Philosophendarsteller wie für die Frankfurter Schule wie auch für Marx, der ja nie besonders konkret wird, wenn es darum geht, was nach der Revolution an die Stelle des Kapitalismus treten soll.

      • Marx hat es auch nicht als seine Aufgabe verstanden, einen (Ideal-) Zustand zu beschreiben, der erst von einer kommenden Generation verwirklicht werden wird.

        Ich mache den existierenden intersektionalen Theorien zum Vorwurf, dass ihre Kritik nichts mit der empirischen Realität zu tun hat, weil auch ihre Theorie nichts mit dieser zu tun hat.
        Sie leiten aus ihrer Theorie Annahmen ab, die sich in der Realität als falsch erweisen (so dürfte die Mehrheit der Armen in den USA nicht weiß sein, gäbe es die „weißen Privilegien“), was aber nicht dazu führt, dass sie die Annahme verwerfen, sondern sie versuchen die Kritiker mundtot zu machen.

        Was erwartest du für „konstruktive Alternativen“ von einer Theorie, die auf einer Verschwörungstheorie basiert? Die werden zu 50% auf Reformvorschläge hinauslaufen, die es auch vorher schon gegeben hat und 50% werden utopistischer Nonsens sein und wenn man Glück hat, kann man beides auseinander halten und mit noch mehr Glück ist das Verhältnis 50:50.

        • Immerhin hat Marx zum gewaltsamen Umsturz der Verhältnisse aufgerufen, da kann man wohl schon ein paar Ideen verlangen darüber, was denn danach geschehen soll.

          Ansonsten bezog ich mich auf Leszeks Beitrag. Weder Adorno und Horkheimer noch Derrida oder Foucault machen sich irgendwelche Gedanken darüber, welche praktischen Konsequenzen man aus ihren Theorien ziehen könnte. Das ist durchaus ein Kritikpunkt.

    • @Leszek: Wow, ich bin beeindruckt. – Aber alle diese „Schulen“ haben gemeinsam, dass sie eine untaugliche Methode der Erkenntnisgewinnung haben und keinen Ansatz zur Falsifikation. Ich habe mich da ökonomisch rausgerettet, indem ich irgendwann nur noch genau danach gefragt habe: Wie kommt ihr zu Erkenntnis/Theorie/Behauptung XYZ?
      Und wenn der Ansatz falsch war, habe ich es für sinnlos erklärt, darüber lange zu lamentieren und gerne die Zeugen Jehovas als Vergleich gewählt. Hat auch keinen Zweck, mit denen zu reden.

      Genauso bei den Feministen. Stechen sich zwei Frauen gegenseitig die Augen aus, Gartennachbarinnen, Kolleginnen, Konkurrentinnen um einen Kerl, was auch immer, kommen die ja auch immer damit her, dass das ein Erbe des Patriarchats wär. Aus der Nummer kommste bei denen auch nicht raus 😉

      • „Und wenn der Ansatz falsch war, habe ich es für sinnlos erklärt, darüber lange zu lamentieren und gerne die Zeugen Jehovas als Vergleich gewählt. Hat auch keinen Zweck, mit denen zu reden.“

        Das stimmt (*seufz*)

        Als ich weiland noch studierte, klingelte es an der Tür und zwei recht junge Frauen, eine etwas dümmlich dreinblickend, die andere dafür ausnehmend schnuckelig, wollten mit mir über den Tod reden. Kurzer Check meines Mittagessens – war nicht kritisch – hab ich sie reingebeten, in der niederträchtigen Absicht, die Schnuckelige zur Konvertitin zu machen 😉
        Bei einem Tee haben die beiden – also genau genommen die Schnuckelige, die Dümmliche saß nur schweigend daneben – versucht, mich zwei Stunden lang zu bekehren. Dumm nur, dass ich die Bibel – was mich selbst am meisten erstaunte – besser kannte, als sie selbst.
        Am Ende jedenfalls hatte ich ihnen vorgeschlagen, doch wieder zu kommen, was sie auch hochheilig versprachen – und auf never come back verschwanden.

        Und da hatte ich so darauf vertraut, dass man die Zeugen nie wieder los wird, wenn man sie einmal ins Haus gelassen hat. 😦
        Naja, die waren wohl noch nicht fest genug in ihrem Glauben 😀

        • Die beiden kenn ich. Ich lag bekifft auf dem Rasen des Schlossparks, wollte abruhen, auf einmal standen sie vor mir, und wollten über Gott reden. Die Schnuckelige war sehr hartnäckig, die andere schweigsam. Nach einer Stunde haben sie aufgegeben. Und ich brauchte erst mal einen Kaffee.

  6. Naturlich gibt es in dieser Logik kein Endspiel. Dann würde sich die Luftnummer ja ganz schnell als das herausstellen, was sie ist, eine Wunschvorstellung von Ahnungslosen, die sich nie Gedanken gemacht haben, warum sich sowas wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, und Sexismus evolutionär entwickelt hat. Nein, das waren nicht irgendwelche Bösen alten weißen Männer, die sich die Sklaverei ausgedacht haben, Sklaverei gab es lange bevor die weisen irgendeinen Anteil an sowas wie einer Hochkultur hatten.
    Ebenso Fremdenfeindlichkeit und Rollenmuster.

    • „Dann würde sich die Luftnummer ja ganz schnell als das herausstellen, was sie ist, eine Wunschvorstellung von Ahnungslosen, die sich nie Gedanken gemacht haben, warum sich sowas wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, und Sexismus evolutionär entwickelt hat.“

      Fremdenfeindlichkeit ja, Sexismus mag sein, aber Rassismus NEIN.
      Rassismus akzeptiere ich allenfalls als eine Spielart der Fremdenfeindlichkeit, die sich erst im späten 18. bis frühen 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Also parallel zu einer nationalen Identität in Europa. Aus der Zeit davor sind mir ad hoc keine sicheren Daten bekannt, wonach Menschen mit einer anderen Hautfarbe wegen dieser als minderwertig angesehen wurden.

        • „Alles, was heute als Rassismus angeklagt wird, gabs wohl damals schon“

          Zweifellos.
          Aber es war eben kein Rassismus in unserem heutigen Verständnis.
          Und Othello ist als Beleg nun wahrlich ungeeignet.
          In dem Drama ist Othello leitender Feldherr Veneziens, das auch damals schon keine schwarzafrikanische Provinz war.
          Also weder inhaltlich, noch geschichtlich lässt sich der Vorwurf halten.
          Englische Arroganz gegenüber allen anderen Nationen ist kein Rassismus.

          • „In dem Drama ist Othello leitender Feldherr Veneziens“

            Na, wenn die Diskussion damit beendet ist, dass ein Schwarzer eine hohe, gar leitende Position in einem Staat innehat, dann ist ja alles gut. Dann hat USA gar kein Rassismusproblem, QED.

            Eine Frage hätte ich aber noch…

            William Shakespeare ist nicht rassistisch, sondern stellt Rassismus und Antisemitismus an den Pranger

            Wie kann man etwas an den Pranger stellen, was es gar nicht gibt?

          • „Wie kann man etwas an den Pranger stellen, was es gar nicht gibt?“

            Wie ich schrieb: „Nicht alles, was Arndt schreibt, teile ich uneingeschränkt, …“
            Und die Passage teile ich nicht.

            In den letzten 30 Jahren wird alles, was Europa (dazu zähle ich jetzt mal auch die USA) im Verhältnis zu den anderen Kontinenten getan hat, unter dem Banner „Rassismus“ verbucht.
            Ich habe mal im Schnelldurchgang „Othello“ überflogen – und danach ist es nichts anderes, als eine Variation von „Romeo und Julia“. Keiner der Protagonisten lässt sich von rassistischen Absichten leiten, sondern nur von Eifersucht. Es geht – wie immer – um eine Frau, Desdemona.
            Das ist eine heutige Sicht auf frühere Ereignisse und Denkweisen, die unzulässig ist.
            Wir erfahren da auch, dass Richard Wagner ein Nazi war, obwohl es den Nationalsozialismus nicht einmal ansatzweise gab. Wagner war mit Sicherheit ein Antisemit, aber die Einstellung teilte er mit Millionen Europäern, nicht nur Deutschen.

            Vielleicht war der britische Chauvinismus die Basis des späteren Rassismus, aber Shakespeares Zeit nach heutigen Maßstäben zu messen, ist unsinnig, weil nicht zielführend.

          • Und die alten Ägypter haben auch nicht auf die aus ihrer Perspektive unterentwickelten Nachbarn herabgeblickt und sie versklavt? Nur weil sie zu einem Stamm nicht Rasse gesagt haben, müssen sie nicht Gleichwertigkeit angenommen haben.

          • „Nur weil sie zu einem Stamm nicht Rasse gesagt haben, müssen sie nicht Gleichwertigkeit angenommen haben.“

            Noch einmal: National-Chauvinismus ist kein Rassismus!
            Ich kann von mir glauben, dass ich der intelligenteste Mensch auf diesem Planeten bin und bin deshalb dennoch kein Rassist.
            Fast alle Völker haben Sklaven gehalten. Und die Sklaven waren mehr oder weniger rechtlos, Dinge, über die der Eigentümer nach Belieben verfügen konnte. Rassismus wäre es gewesen, wenn nur Menschen einer bestimmten Hautfarbe, Haarfarbe, oder was weiß ich -eigenschaft, die sie als minderwertige Menschen sichtbar macht, versklavt worden wären.
            Aber keines der typischen Rassemerkmale war Gegenstand der Sklaverei.
            Bei den alten Germanen konnte man sich sogar freiwillig versklaven, um z.B. Schulden zu tilgen.
            Blonde Frauen waren übrigens im Süden besonders wertvolle Sklavinnen und wurden daher von den Wikingern bereitwillig eingefangen und verkauft.

          • Formal ist das richtig. Ich glaube nur nicht, dass sich Fremdenfeindlichkeit und Rassenfeindlichkeit scharf trennen lassen.

      • @Carnofis „Rassismus akzeptiere ich allenfalls als eine Spielart der Fremdenfeindlichkeit, die sich erst im späten 18. bis frühen 19. Jahrhundert herausgebildet hat. … Aus der Zeit davor sind mir ad hoc keine sicheren Daten bekannt, wonach Menschen mit einer anderen Hautfarbe wegen dieser als minderwertig angesehen wurden.“

        Du gehst also davon aus, dass z.B. Schwarzafrikaner bis Mitte des 18. Jahrhunderts von z.B. Europäern und Arabern als gleichwertig angesehen wurden? Steile These…

        • „Du gehst also davon aus, dass z.B. Schwarzafrikaner bis Mitte des 18. Jahrhunderts von z.B. Europäern und Arabern als gleichwertig angesehen wurden?“

          Nein. Nationalen Chauvinismus gab es schon früher. Aber er orientierte sich nicht an äußeren Merkmalen, wie der Hautfarbe.
          Rassismus erfordert überhaupt erstmal eine Definition von Rasse im heutigen Sinne. Eine standesgemäße Abgrenzung hat es schon im Mittelalter gegeben, vielleicht sogar noch früher.
          Eine wissenschaftliche Grundlage einer allgemeinen Rasselehre gab es aber erst seit dem 17. Jahrhundert. Auch sie bedingte noch keinen Rassismus. Der kam vermutlich überhaupt erst im Zeitalter des Kolonialismus auf, vielleicht zur moralischen Rechtfertigung von Sklaverei und Schlechterbehandlung der kolonisierten Völker.

          Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Rasse

          • Also Rassismus setzt für dich eine wissenschaftliche Rassenlehre voraus? Dann haben wir vermutlich andere Vorstellungen davon, was „Rassismus“ ist.

            Im Übrigen wäre ich vorsichtig damit, bei politisch heiklen Themen auf Wikipedia zu verweisen…

          • „Hast du dafür einen Beleg?“

            Schau auf die Website des Ku-Klux-Klans, einer Gruppe anerkannter und international renommierter Sozialwissenschaftler 😉

            Für El_Mocho: Säuglinge haben noch gar kein Ich-Bewusstsein, „wissen“ also noch nicht einmal ihre eigene Hautfarbe.

          • @ El_Mocho

            Hast Du den Artikel auch durchgelesen, oder schon nach der Überschrift gestoppt?

            Säuglinge bevorzugen NICHT die EIGENE Hautfarbe, sondern sie sind normalerweise eine bestimmte Hautfarbe – in der Regel die der eigenen Eltern – gewohnt. Das gilt aber für ALLE Objekte in ihrem Blickfeld. Säuglinge sind bei jeder Änderung ihres Umfelds irritiert, was aber nicht mit Bevorzugen oder Ablehnen gleichzusetzen ist.
            Ein schwarzes Baby, das z.B. nach der Geburt zu weißen Adoptiveltern kommt, würde auf dunkle Hautfarbe irritiert reagieren. Das hat absolut nichts mit der eigenen Hautfarbe zu tun.
            Da hat der SPIEGEL schlicht mit der Überschrift Clickbaiting betrieben und keine wissenschaftlich fundierte Aussage geliefert.

          • Ja und? Was ändert das daran, dass Rassismus auf angeborenen, evolvierten Verhaltensweisen beruht und keine Erfindung des 18. Jahrhunderts ist?

            Mit dem Inzesttabu ist es ja ähnlich, auch eine angeborene Verhaltensweise, die nur gegenüber Menschen auftritt, mit denen man in der frühen Kindheit zusammenlebt.

          • @El_Mocho:

            Das ist doch ein völlig schwammiger Begriff von »Rassismus«! Evolutionär entstanden ist eine Bevorzugung der Eigengruppe, weil der Mensch als hyperkooperatives Wesen primär nur zu den Mitgliedern der Eigengruppe Vertrauen hat. »Fremdheit« und damit Misstrauen entsteht aus beliebigen Fremdheitsindikatoren, in erster Linie unverständliche Sprache und seltsame Sitten und Gebräuche, Hautfarbe ist dazu nicht zwingend erforderlich.

            Und wenn Du umgekehrt im Römischen Reich Latein gesprochen hast und Deinen Cicero zitieren konntest, war es komplett wurscht, ob Du aus Britannien, Numidien oder Syrien gebürtig warst.

            Der Rassismus ist darum eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, weil damals der darwinsche Entwicklungsgedanke auf die Phänotypen des homo sapiens übertragen wurde und die führenden Rassisten (Gobineau, Chamberlain) eine hierarchische Wertung in diese »Rassen« eingeführt haben.

          • „Der Rassismus ist darum eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, weil damals der darwinsche Entwicklungsgedanke auf die Phänotypen des homo sapiens übertragen wurde und die führenden Rassisten (Gobineau, Chamberlain) eine hierarchische Wertung in diese »Rassen« eingeführt haben.“

            Das Angehörige bestimmter Völker oder ethnischer Gruppen weniger Wert waren dürfte schon weit vor dem 19. Jahrhundert als Gedanke existiert haben. Da wird es für viele auch „echte Römer“ gegeben haben und es gab in der Geschichte genug „Wilde“ und „Barbaren“ bei denen es nichts machte, wenn man sie tötet etc. Genauso gab es den Gedanken des „auserwählten Volkes“ und der anderen deswegen niedrigeren Völker,

          • @Christian:

            »Das Angehörige bestimmter Völker oder ethnischer Gruppen weniger Wert waren dürfte schon weit vor dem 19. Jahrhundert als Gedanke existiert haben.«

            Ja, aber anhand welcher Kriterien? Für die Griechen waren »Barbaren« alle, die nicht Griechisch gesprochen haben. Die Römer haben dieses Muster für die lateinische Sprache adaptiert, aber sie zugleich auch zum Zugangskriterium erhoben. Die alten Ägypter waren ziemlich xenophob und haben die »Fremdvölker« typischerweise mit Bärten abgebildet, um sie kenntlich zu machen. Das »auserwählte Volk« war das Volk des Gottesbundes, also religiös definiert.

            Mit »Rasse« hat das alles nichts zu tun. Mit Deiner allgemeinen Formulierung ziehst Du genau die Differenzierungen ein, auf die es ankommt.

          • Es ist ja ein alter linker Mythos, dass der Rassismus eine Erfindung der Aufklärung wäre, wie überhaupt alles Schlechte in der heutigen Welt irgendwie von der Aufklärung herkommt, besonders zurückzuführen auf die „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer von 1944, ein ganz übles Machwerk.

            Das können sie natürlich nicht substantiieren, das Gegenteil ist richtig.

            Dein Hinwies auf Gobineau und Chamberlain ist korrekt, beides Literaten ohne besondere wissenschaftliche Bildung.

          • @El_Mocho:

            »Es ist ja ein alter linker Mythos, dass der Rassismus eine Erfindung der Aufklärung wäre, wie überhaupt alles Schlechte in der heutigen Welt irgendwie von der Aufklärung herkommt«

            Wo bitte hast Du her, dass die Aufklärung den Rassismus erfunden habe? Die Aufklärung geht zurück bin ins 17. Jahrhundert, »Rassismus« gibt es erst seit Darwin (seit, nicht wegen)!

            » … besonders zurückzuführen auf die „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer von 1944, ein ganz übles Machwerk.«

            Ahauaha!! 😀 Leszek lässt sich ja gelegentlich triggern von solcher Trollerei, aber den Gefallen tu ich Dir nicht! 🙂

  7. Natürlich müssen die Ziele im vagen bleiben. Sonst würde man ja in Gefahr laufen, irgendwann die Ziele als erfüllt ansehen zu müssen und damit wäre die eigene Existenzberechtigung dahin.

    Sieht man doch heute schon. Entweder man weicht auf immer abstrusere Petitessen aus (Mikroaggressionen, manspreading etc.) oder beruft sich auf angebliche oder tatsächliche Nachteile, die schon vor Jahrzehnten beseitigt wurden.

  8. Wir hatten hier schon einmal die These, dass alle die, die in einer Kategorie „Opfer“ innerhalb des intersektionalen Feminismus sind im Prinzip Abwandlungen des „edlen Wilden“ sind, die erst durch die böse Gesellschaft korrumpiert worden sind.

    In diesen Theorien sind alle ihre Opfergruppen Opfer der gesellschaftlichen Umstände. Nun wird niemand behaupten, dass wir alle nicht bis zu einem gewissen Grad von unserer Sozialisation geprägt wurden, was aber nicht bedeuten kann, dass sich alle diese Opfergruppen nicht selbstkritisch fragen sollten, was denn ihr Anteil an der als unbefriedigend empfundenen Situation ist. Wenn nun für alles der weisse Mann verantwortlich gemacht wird, dann ist das im Grunde eine verquere Adaption der white supremacy-Ideologie. Nur urteilsunfähige Menschen werden per se von aller Schuld und Selbstverantwortung freigesprochen.

    • Durch den alten weißen Mann ist die Sünde in die Welt gekommen und und ist so auf alle Menschen übergegangen. Aus der Erbsünde folgt Pi mal Daumen auch die toxische Männlichkeit.
      Dass es sich teilweise um „eine verquere Adaption der white supremacy-Ideologie“ handelt sehe ich auch so, es weist gleichermaßen der „Weißness“ eine umfassende Handlungsmacht zu, wie den „Menschen von Farbe“ die -ohnmacht.
      Wenn letztere durch eigenes handeln ihre Lage nicht verbessern können, dann muss der Appell latürnich an den weißen Mann ergehen, das stellvertretend für sie zu tun – und so bleibt es bei der Bürde des weißen Mannes /sarcasm.

      Vor allem taugt die Erklärung als Ausrede korrupter Eliten in Afrika, die noch in den 1970ern Hoffnungsträger von Befreiungsbewegungen waren.
      Bspw. Isabel dos Santos, die älteste Tochter des von 1979 bis 2017 amtierenden Präsidenten von Angola, José Eduardo dos Santos, „gilt als die größte private Investorin Angolas und ist nach Forbes Magazine die erste Dollar-Milliardärin Afrikas. Ihr persönliches Vermögen wurde im März 2013 auf über drei Milliarden Dollar geschätzt. Man wirft ihr vor, dass ihr Vermögen auf Korruption gründet.“ (Wiki)
      Neeeeeiiiin?! Doch.

      Weiter: „Isabel dos Santos verwaltet das Familienvermögen (!!!), das ihr Vater während seiner autoritären Herrschaft in Angola angehäuft hat. Angola ist der zweitgrößte Ölproduzent Afrikas. Ihr Vater regierte mit Hilfe von Verwandten, Generälen und dem ehemaligen Chef des staatlichen Erdölkonzerns Sonangol (Sociedade Nacional de Combustíveis de Angola). Dieser Personenkreis wurde nach dem Präsidentenpalast „Futungo-Clique“ genannt. Diese Regierung und ihr – als kleptokratisch bezeichnetes – Patronagenetzwerk privatisierten große Teile der Öleinnahmen.“

      Das ist aus der ehemals marxistischen bzw. kommunistischen MPLA geworden. Ausverkauf.
      Über was würden solche Typen lieber reden?
      A. Kleptokratie, Korruption, autoritäre Herrschaft, Klientelismus, Nepotismus und politische Patronage,
      B. die schlimmen Folgen des Kolonialismus der Weißen?

      Damit will ich nicht die Folgen des neoliberalen „Washington Consensus“ für Afrika klein reden, sondern nur darauf hinweisen, dass das Bedürfnis nach dem „feministischen Ausredenkalender“ global ist.

  9. Der intersektionale Feminismus hat keine Pläne oder Vorstellungen, wie seine „Neue Welt“ funktionieren soll, weil er – wie ja hier im Forum schon häufig analysiert worden ist – eine funktionierende Welt (Technik und Infrastruktur, Produktion, Logistik / Distribution, Administration) selbstverständlich voraussetzt, diese aber ausblendet, weil er allein auf angebliche Diskriminierung und angebliche Unterdrückung fokussiert.

    Das hat doch irgendwer hier im Forum bei der Corona-Debatte um die systemrelevanten Berufe geschrieben: Wenn man beim Shut down einer ganzen Volkswirtschaft stillschweigend voraussetzt, dass Lebensmittelproduzenten, LKW-Fahrer, Techniker, Ärzte usw. weiter ihren Dienst tun – nicht im Homeoffice, sondern unter deutlich erschwerten Arbeitsbedingungen, wenn man dies selbstverständlich voraussetzt, aber gleichzeitig ausblendet, dann kommt man dahin, z. B. Kindergärtnerinnen, trotz geschlossener Kindergärten, als systemrelevant und natürlich von Corona besonders hart betroffen einzustufen.

  10. Zum Thema Zerstörung von Institutionen:
    Ich bin mal in irgendeinem Text drauf gestossen, dass es in den USA wohl schon ein Uni- Fach gibt, welches das komplette Rechtssystem, also geschriebenes Recht in Frage stellt. Ziel soll es sein, dass „gute Menschen“ völlig willkürlich „Recht“ sprechen dürfen. Der Name des Fachs ist mir leider entfallen, irgendwas mit „studies“, aber law studies war es nicht. Der Clou bei der Sache: man darf dieses Fach wohl nicht parallel zu Jura belegen, immerhin das haben Verantwortliche noch durchgesetzt.

  11. „Dieser Einfluss muss nur beseitigt werden, dann bricht irgendwie das Paradies aus. Und irgendwie ist das plötzlich kein Rassismus, keine Vergewaltigung, keine unterschiedlichen Löhne, nichts schlechtes mehr. “

    Das wird es schon noch geben, aber sie wollen das innerhalb ihrer eigenen Community lösen ohne polizei. So in etwa: https://imgur.com/a/a1p3Jrx
    ich glaube ja eher, die Städte, zumindest gewisse Viertel werden sich zu Mogadischu verwandeln. aber mal schauen.

  12. Ich finde es ja schön, wie detailliert auf die Frage eingegangen wird, aber ist das nicht viel einfacher? Lasst mich die Überschrift mal umformulieren:

    Warum machen Feministinnen nicht, sondern jammern?

    • „Warum machen Feministinnen nicht, sondern jammern?“

      Weil Feministinnen Human beings sind.
      Fürs Machen sind die Human doings zuständig.

      Solltest Du doch nun langsam mal wissen 😀

  13. Das betrifft ja leider nicht nur den intersektionalen Feminismus. Als Leute wie ich noch im heise-Forum mitdiskutieren durften, externe Verlinkungen zu nicht-PC-Seiten noch erlaubt waren, kurz: in der guten alten Zeit vor 2015, kam ich einige Male mit Leuten ins Gespräch, die sich selbst als Anarchisten, manchmal als Kommunisten verstanden.

    Die Diskussion zerfaserte ausnahmslos immer, wenn ich sie fragte, wie sie sich die angestrebte Gesellschaft vorstellen (ich bin ja prinzipiell immer lernbereit). Entweder sie wussten es nicht, beriefen sie hin- und wieder sogar explizit auf die kritische Theorie (alles kritisieren dürfen, aber um die Verbesserungsvorschläge sollen sich andere kümmern etc.) oder hatten eine unglaubliche Naivität hinsichtlich der menschlichen Natur und Bedürfnisse, meist eine noch viel größere hinsichtlich der unglaublich komplexen Herausforderungen einer Industriegesellschaft.

    Es sind solche Exemplare, die früher mit großem Enthusiasmus eine „Kommune“ gegründet hätten, um wenige Monate/Jahre später desillusioniert und aufgerieben, aber sehr viel reicher an Erfahrung, doch ihren eigenen Weg zu gehen und sich mit dem Aufbau eines Dritte-Welt-Ladens zu begnügen und damit, ihre Kinder in die Waldorfschule zu schicken.

    Ich kritisiere das nicht. Nichtwissen und mangelnde Erfahrung sind ein Privileg der Jugend, manchmal sogar nützlich, weil die sich in Projekte stürzen, von denen sie die Folgen nicht abschätzen können und manchmal sogar Erfolg damit haben.

    Was ich allerdings für gefährlich halte, ist, dass diese Art der Naivität sich in unserer Gesellschaft epedimiartig auszubreiten scheint, bewusst durch die Medien verstärkt wird, nicht mehr auf Jugendliche beschränkt ist, sondern teilweise sogar von alten Leute vorangetrieben wird.

    Wir müssen erkennen, dass es uns nicht gelingt, einem Großteil unseres Nachwuchses das Konzept logischer Schlußfolgerungen zu vermitteln. Ebensowenig gelingt es offenbar, die Schattenseiten des irdischen Seins weiterzugeben, etwa die chronischen Schwächen der menschlichen Psyche. Auch der wahre Charakter der Natur wird nicht mehr ansatzweise vermittelt. Es herrscht zunehmend Wunschdenken und hemmungslose Romantisierung vor („wir machen einfach mal, mal sehen was passiert“, „Menschen sind von Natur aus gut“, „Wölfe und Haie würden nie Menschen fressen“, „wenn Bauern spritzen, dann nur aus reiner Profitgier“ usw. es gibt tausende solche falschen Vereinfachungen und die Kleinen bekommen sie schon im Kindergarten und im Kinderfernsehen in hohen Dosen verabreicht).

    Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie man dieses Problem löst, die Verstädterung und die Entfernung vom Kampf ums Dasein, von der Natur, von echten Gefahren, ist offenbar gesellschaftszerstörendes Gift, etwas dem man nur (oder am besten) mit praktischen Erfahrungen gegensteuern kann? Ich weiß es nicht, ich sehe derzeit kein Lösung.

    • Apropos externe Verlinkungen: YouTube: War on Sensemaking II, Daniel Schmachtenberger (Teil I habe ich den Tab schon geschlossen, aber damit würde ich anfangen) liefert auch einfachen Antworten, aber da hier in der Diskussion mehrere Stimmen zu Wort kamen, die einem intelligenten Nachdenken zugeneigt scheinen, halte ich es für besser diesen, nicht speziell Männerthemen behandelnden Beitrag, hier zu empfehlen, als auf den Selbermachsamstag zu warten.
      Der Kanal ist Rebel Wisdom, mir bislang kein Begriff, aber wer all deren Videos schon kennt freut sich vielleicht, auf diese Stunden vor YouTube verzichten zu können.

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