Warum eigentlich „toxische Männlichkeit“ und nicht „toxisches Verhalten“ oder „toxische Stereotype“?

15 Gedanken zu “Warum eigentlich „toxische Männlichkeit“ und nicht „toxisches Verhalten“ oder „toxische Stereotype“?

  1. Toxisch ist eine Flasche Whiskey auf ex. Giftig hingegen ist sehr weiblich besetzt.
    Wie könnte Männlichkeit also toxisch sein? Mehr als 90 Prozent der Menschen, die weltweit bei der Rettung anderer Menschen selbst ums Leben kommen, sind männlich. Vielleicht meinen die das mit toxisch? Wäre ja endlich mal ne Würdigung…

  2. Weil Feministinnen überhaupt nichts gegen Männer haben. Sie können nur nichts positives über sie sagen und benennen liebend gerne schlechte Dinge nach ihnen.

  3. „toxic cultural norms“
    Das würde evtl. würde die Unterschiedlichkeit der Ausprägung in Gesellschaften eher in die Diskussion bringen, und natürlich ist das nicht gewünscht, wenn man schon mit Dingen wie dem Patriarchatsbegriff undifferenziert hantiert.
    Ansonsten, ähnlich wie Matze schon schrieb, ist das Fehlen einer positiven Herausstellung männlicher Eigenschaften hier bezeichnend.

  4. Propaganda, psychologische Kriegsführung, toxic masculinity

    Mitm schreibt: „Zu den wichtigsten Mitteln der modernen Kriegsführung zählt die psychologische Kriegsführung, hier insb. die Demoralisierung des Gegners mit psychologischen Methoden (unter Benutzung üblicher Propagandatechniken). Die mediale Dauerbeschallung, der Mann (ersatzweise seine Männlichkeit) sei in der Krise, kann man inzwischen nur noch als Teil einer solchen psychologischen Kriegsführung interpretieren. Um dies zu erkennen, muß man zunächst eine begriffliche Doppeldeutigkeit bzw. Trickserei durchschauen.“
    http://maninthmiddle.blogspot.com/2017/06/psychokrieg-sueddeutsche-maenner.html#x

    Der Begriff der „toxic masculinity“ kann nur verstanden werden im Rahmen einer umfassenden Propaganda des bürgerlichen Feminismus, der in den Medien einen mächtigen Alliierten im Rahmen der allgemeinen „Meinungsmache“ (Albrecht Müller) im Dienste der Herrschenden gefunden hat.

    Meinungsmache: „Professionelle Meinungsmache durchdringt die öffentliche Meinungsbildung. Mit allen Tricks der täuschenden Argumentationen und subtilen Methoden des Agenda Setting, Framing, etc. sowie mit der Beeinflussung der Medien durch die Politik und Wirtschaft wird die öffentliche Meinung von den mächtigen Interessen fast nach Belieben geformt.“
    http://wikireal.info/wiki/Meinungsmache

    Ich lade dazu ein, den bürgerlichen Feminismus als Teil einer allgemeinen professionellen Meinungsmache zu sehen, während sich dessen Spezialität, die psychologische Kriegsführung gegen Männer (zunächst und scheinbar) nur gegen 50% der Bevölkerung richtet.

    Die deutsche Übersetzung des Begriffs verhilft zur Klarheit über die semantische Doppeldeutigkeit des Begriffs:
    – die vergiftete Männlichkeit (passiv)
    – die vergiftende Männlichkeit (aktiv)

    Er wird in dieser deutschen Übersetzung genauso wenig verwendet, wie zahlreiche andere angelsächsische Begriffe des bürgerlichen Feminismus, wie z.B. die „rape culture“, „war on women“, „survivor of sexual harassment“, „women´s oppression“ weil die verwendete hyperbole, den empirischen Tatsachen Hohn sprechende Sprache offensichtlich wäre.
    Bei einem „Krieg gegen Frauen“ erwartet der Durchschnittsbürger Leichenberge, die es nicht gibt; die Existenz einer „Vergewaltigungskultur“ wäre nicht vermittelbar.

    Die propagandistische Eindeutschung des Begriffs unterbleibt hier aus zwei Gründen:
    1. Gift „bezeichnet man einen Stoff, der Lebewesen über ihre Stoffwechselvorgänge, durch Eindringen in den Organismus ab einer bestimmten, geringen Dosis einen Schaden zufügen kann. Mit der Zunahme der Expositionsmenge eines Wirkstoffes steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Gesundheitsschädigungen durch eine Vergiftung auftreten. Ab einem bestimmten Dosisbereich ist somit nahezu jeder Stoff als giftig (toxisch) einzustufen.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gift

    Dazu ein feministischer Klassiker (kursiv von mir): „Wenn das Leben auf diesem Planeten überleben soll, muss es eine Entseuchung der Erde geben. Ich denke, das wird von einem evolutionären Prozess begleitet sein, der in einer drastischen Reduktion des männlichen Bevölkerungsanteils mündet.“ Mary Daly

    Dieses Zitat bezieht sich auf den Umgang mit der bereits vergifteten Männlichkeit, der einen Zustand vor der Vergiftung als evolutionäres Ideal heraufbeschwört, welcher eben „drastisch“ ohne Männlichkeit auskommt. Was wiederum klassisch faschistische Fantasien von Euthanasie heraufbeschwört.

    2. Insofern es sich auf den aktiv vergiftenden Teil bezieht, schreibt Lucas: „Dass das Bild der Mutter-Kind-Beziehung für eine faschistische Politik so interessant ist, lässt sich leicht erklären. Das Kind ist vor der Geburt eben ganz von der Mutter umhüllt, hat keine Chance auf Eigenständigkeit, lebt mit ihr in einer innigen Einheit – so wie eine faschistische Politik auch den von ihr umhüllten Volkskörper als Einheit fantasiert, als innere Einheit und als Einheit zwischen Volk, Staat und Führer.“
    https://man-tau.com/2017/02/27/vom-fortbestehen-des-faschismus/

    Der Vorwurf, das Volk zersetzend und vergiftend fällt um so leichter, wenn die Mutter und ihre (!) Kinder in dieser Tradition in den Mittelpunkt gestellt werden.

    Und der bekannte Vorwurf der Brunnenvergiftung zielt auf „die absichtliche Verunreinigung des lebensnotwendigen Grund- und Trinkwassers mit gesundheitsgefährdenden Schad- und Giftstoffen aller Art. Dies galt schon in der Antike, als trinkbares Wasser in Städten und Dörfern meist nur durch Brunnen zugänglich war, als schweres, die Allgemeinheit betreffendes Verbrechen und steht in Deutschland als Gewässerverunreinigung unter Strafe. Der falsche Vorwurf der Brunnenvergiftung ist seit dem Mittelalter eines der beliebtesten antisemitischen Stereotype und diente insbesondere zu Zeiten der Großen Pest von 1347 bis 1350 der Legitimation von Judenverfolgungen.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Brunnenvergiftung

    Kurz: Die offensichtlich faschistische und antisemitische Tradition hat verhindert, dass der hiesige bürgerliche Feminismus anders als mit dem angelsächsischen Begriff hausieren gehen kann.

    Klassisch: Eine Einordnung in die legendären „Strukturen“, die eben diese Männlichkeit hervorgebracht haben könnte unterbleibt.
    Hier Wikipedia: „Diese Verhaltensformen der toxischen Maskulinität werden gesellschaftlich eingefordert und forciert; darunter fällt das Belächeln, Auslachen, Kleinreden, Verurteilen, Verletzen, Bloßstellen, Beleidigen, Beschimpfen und Diskriminieren von Männern, die nicht der Idee des wahren Mann-Seins entsprechen.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Toxic_masculinity – man beachte: keine Übersetzung

    50% der Bevölkerung bestehen aus Frauen; es erfolgt keine Klärung der Frage, WARUM bestimmte Formen von Männlichkeit von Frauen „eingefordert und forciert“ werden. Die mit der „Repressionshypothese“ einhergehende Entlastung von Frauen ist offensichtlich, als würde es keine wechselseitige Beziehung zwischen Männern und Frauen geben.
    Es bleibt das „Verhalten“ der Männer nur erklärbar aus der „Männlichkeit“, die irgendwie drastisch reduziert werden müsse – womit sich „Weiblichkeit“ als das „bessere Andere“ inszeniert.
    Das aber andrerseits nie als wirksames Gegenmodell existiert hat.

    Die Selbstinszenierung als Arzt, der den Befall des Volkskörpers durch ein Gift diagnostiziert ist offensichtlich (und offensichtlich faschistisch).
    Wenn Weiblichkeit aber ein hälftiger Bestandteil eben dieses Körpers ist, dann bezieht sich die Diagnose zur Hälfte auf das, was diese andere Hälfte hervorgebracht hat.

    Es gibt keine isolierte „Krise der Männer“, sie werden nicht plötzlich defizitär, es kann auch kein „Ende der Männer geben“, ohne die Frage zu stellen: „In Bezug auf WAS?“ Nämlich auf ihre Rolle und ihre Funktion in existierenden Beziehungen zwischen Mann und Frau in Partnerschaften, im Arbeitsleben und der Gesellschaft.

    Wenn Rolle und Funktion in diesem Sinne für Männer „toxisch“ geworden ist, dann wird es diese natürlich auch für Frauen geworden sein.
    Die Sprachhypnose – only me würde von Projektion sprechen – besteht darin, nur die Seite der Männer als Problemfall zu diskutieren.
    Sehr bequem! Wie üblich.

    „Toxic masculinity“ bitte ich nachfolgend so einzuordnen: Propaganda, Meinungsmache, psychologische Kriegsführung des bürgerlichen Feminismus

    • Ich würde noch einen wichtigen Punkt ergänzen, er betrifft die Semantik von Ausdrücken wie „toxic masculinity“.

      Denn man kann das Adjektiv „toxic“ auf zwei ganz verschiedene Weisen verstehen: a) determinierend, b) explikativ.

      Wer „toxic masculinity“ im Sinne von a) versteht (oder verwendet), der interpretiert es so wie „gelbes Auto“, „kleine Stadt“, „sehr altes Buch“. Das heißt es wird aus einer bestimmten Gesamtheit, Menge oder Gruppe – z. B. aus der Menge aller Autos – eine bestimmte Untergruppe herausgegriffen, z. B. die gelben Autos, oder die schrottreifen.

      Die Interpretation a) impliziert normalerweise, dass es auch andere Gegenstände der genannten Gesamtheit gibt, die zufälligerweise nicht gelb sind, oder nicht klein.

      Ich vermute, „toxic masculinity“ war von seinem australischen Erfinder ursprünglich genau so gemeint: damit sollte eine bestimmte Sorte von Männlichkeit gekennzeichnet werden. Es sollte aber nicht unterstellt werden, dass alle Männlichkeit immer schon („von Natur aus“) toxisch ist.

      Heute dagegen wird das „toxic“ in Ausdrücken wie „toxic masculinity“ explikativ verwendet, im Sinne von „ein runder Ball“, oder „ein weißer Schimmel“. D.h., mit dem Adjektiv „toxic“ wird eine Beschaffenheit hervorgehoben, die der Männlichkeit immer schon, von Natur aus zukommt – und zwar aller Männlichkeit, und zwar weil sie Männlichkeit ist.

      Die Frage, ob konkrete Männlichkeit in diesem oder jenen Fall ebenfalls toxisch ist, ist damit schon beantwortet: sie ist notwendigerweise toxisch – handelt es sich doch um (echte) Männlichkeit.

      Der Unterschied zwischen den Interpretationen a) und b) ist schon wichtig, weil einem sonst die Tragweite der letzteren Interpretation b) nicht so in die Augen sticht.

      Dein übergeordneter Punkt mit „Propaganda, Meinungsmache, psychologische Kriegsführung des bürgerlichen Feminismus“ ist natürlich richtig, aber man müsste dieses Phänomen anders analysieren, denke ich. Auch die Männerbewegung hat das nicht richtig verstanden.

      • Du schreibst „man kann das Adjektiv „toxic“ auf zwei ganz verschiedene Weisen verstehen: a) determinierend, b) explikativ. (…)

        Die Interpretation a) impliziert normalerweise, dass es auch andere Gegenstände der genannten Gesamtheit gibt, die zufälligerweise nicht gelb sind, oder nicht klein.“

        Das ist richtig.

        „Ich vermute, „toxic masculinity“ war von seinem australischen Erfinder ursprünglich genau so gemeint: damit sollte eine bestimmte Sorte von Männlichkeit gekennzeichnet werden. Es sollte aber nicht unterstellt werden, dass alle Männlichkeit immer schon („von Natur aus“) toxisch ist.“

        Du fängst den nächsten Absatz mit „Heute dagegen“ an, ich möchte dem vorgreifen, denn in den vielzitierten „Guidelines for Psychological Practice With Boys and Men“ der APA: https://www.apa.org/about/policy/boys-men-practice-guidelines.pdf wird ein wahrer Eiertanz um diese Frage veranstaltet.

        Kannst du dir vorstellen warum?
        Weil: Wie bekommen die „Armen“ das Paradigma der Intersektionalität mit der Annahme: „traditional masculinity—marked by stoicism, competitiveness, dominance and aggression—is, on the whole, harmful.“ unter einen Hut?
        https://www.apa.org/monitor/2019/01/ce-corner

        Der Kunstgriff besteht darin, eine „dominante“ Männlichkeit zu erfinden, die natürlich eine weiße Hautfarbe hat – womit männliche „agressiveness“ weniger schlimm ist, wenn sie bei schwarzen Männern vorkommt, denn dann handelt es sich nur um ein (rassistisches) Stereotyp, dass sie so seien.
        Facepalm.

        Auch mit dem absolut unterkomplexen „marked by“ tun sie sich keinen Gefallen. Denn sie müssen einerseits einräumen, dass das Bild des „John Wayne“ in den letzten 50 Jahren flexibleren Vorstellungen von Männlichkeit gewichen ist. Andererseits finden sie auch Funktionsrollen, die dominant von Männern ausgeübt werden, wo eine oder mehrere Eigenschaften erforderlich sind.

        Womit sie sich selbst in den Arsch treten und es nicht merken: Wenn sie bspw. Aggression – das aus dem lateinischen „aggredi“ abgeleitet worden ist, was auch aktives „in Angriff nehmen“ bedeuten kann – zwar negativ konnotieren, aber als männlich beschreiben, dann wird das Gegenteil weiblich. Sie reproduzieren somit die traditionelle, sanfte, aber passive Weiblichkeit ganz nebenbei.

        Die „traditionelle Weiblichkeit“ ist aber nicht nur sakrosankt, sondern dass etwas „traditionell“ ist bedeutet nicht, sie leiten Männlichkeit aus historischen Funktionen oder gesellschaftlichen Erfordernissen ab.
        Es ist einfach eine (komplett ahistorische) Behauptung.
        Das ist, was mich am meisten anzickt: Es sind wilde Thesen, bloße Behauptungen, die behandelt werden wie eine Theorie.

        „Heute dagegen wird das „toxic“ in Ausdrücken wie „toxic masculinity“ explikativ verwendet, im Sinne von „ein runder Ball“, oder „ein weißer Schimmel“. D.h., mit dem Adjektiv „toxic“ wird eine Beschaffenheit hervorgehoben, die der Männlichkeit immer schon, von Natur aus zukommt – und zwar aller Männlichkeit, und zwar weil sie Männlichkeit ist.“

        Ja, denn der Brückenschlag zur Biologie, bzw. einem biologistischen Determinismus ist paradoxerweise logisch, eben weil sie sie ignorieren. Wir wissen natürlich, der männliche Testosteronlevel ist höher als der der Frauen und bewirkt Differenzen bspw. in Sachen Bewegungsdrang und Aggression zwischen den Geschlechtern.
        Da für sie die Biologie Teufelszeug ist, die nur schädliche „Geschlechterstereotypen“ produziert, können sie nicht akzeptieren, dass es diese Geschlechterdifferenzen gibt.

        Weil sie andererseits im Rahmen der These der 15 Milliarden andauernden Frauenunterdrückung auch nicht erklären können, wie und warum die „traditionelle Männlichkeit“ zur Tradition geworden ist muss es wohl an der Männlichkeit an sich liegen, die problematisch ist.
        Und die ist biologisch fundiert.
        Sie landen dort, weil sie im Grunde unfähig sind, irgendetwas zu erklären.

        „Die Frage, ob konkrete Männlichkeit in diesem oder jenen Fall ebenfalls toxisch ist, ist damit schon beantwortet: sie ist notwendigerweise toxisch – handelt es sich doch um (echte) Männlichkeit.“

        Hier drängeln sich dann sechs rosa Elefanten auf 4 Quadratmetern.
        Via Arne: „The gender stereotype that says “boys don’t cry” is being perpetuated implicitly by mothers more than fathers, a new University of Guelph study has revealed.

        Prof. Kristel Thomassin found mothers may be more gender-biased than fathers when it comes to encouraging or discouraging their child’s expression of sadness and anger.

        However, mothers likely aren’t even aware they have these gender biases.

        “We found that on an implicit level, moms tend to show a bias, and this bias considers girls expressing these emotions to be more favourable than boys expressing the same emotions,” said the psychology professor and lead author of the study.

        Thomassin thought mothers and fathers would be more accepting of daughters showing sadness than sons and more accepting of sons showing anger than daughters.

        Instead, the study found only mothers had differing attitudes based on gender, favouring daughters expressing sadness and anger more than sons.“
        https://news.uoguelph.ca/2019/11/mothers-push-gender-stereotypes-more-than-fathers-study-reveals/

        Was zur Frage überleitet, wie denn „echte Männlichkeit“ tatsächlich sozial konstruiert und vor allen Dingen reproduziert wird. Denn in der Studie wird – widerwillig – eingeräumt, der „gender bias“ in der Behandlung von Söhnen und Töchtern geht von der Mutter aus, nicht vom Vater.

        Meine – schon seit langer Zeit vertretene – These ist, Mütter fahren instinktiv ein Programm gegenüber den eigenen Söhnen. Nicht nur weil es um ein Training zu einem der Geschlechterrolle adäquaten und gesellschaftlich anerkannten Verhalten geht, sondern weil es ihr und dem weiblichen Geschlecht insgesamt nützt.

        Wer die mit „traditioneller Männlichkeit“ beschriebenen Eigenschaften aufweist, hat eine höhere Chance, sich in einer Auseinandersetzung um die besten Jobs in der Gesellschaft zu bewähren.
        Wovon wiederum die Frauen profitieren, die ein solches Exemplar dauerhaft verpflichten können, seine von ihm erworbenen Ressourcen (selbstredend auch mit der Mutter) zu teilen.
        Eine solche Erziehung und der damit verbundene „bias“ wäre ein strategischer Gewinn – für Frauen.

        Deshalb bin ich mit der „echten Männlichkeit“ ein wenig zögerlich, denn es stellt sich für mich die Frage, warum wir auf unsere eigene Nutzenmaximierung als „human doings“ für andere furchtbar stolz sein sollten.

        • Einen Punkt von Dir finde ich überzogen: „Mütter fahren instinktiv ein Programm gegenüber den eigenen Söhnen. Nicht nur weil es um ein Training zu einem der Geschlechterrolle adäquaten und gesellschaftlich anerkannten Verhalten geht, sondern weil es ihr und dem weiblichen Geschlecht insgesamt nützt.“

          Evolutionär betrachtet macht diese Annahme wenig Sinn. Frauen stehen untereinander in Konkurrenz: Eine Mutter erzieht ihren Sohn nicht zum Wohl der anderen Frauen, auch nicht zum Wohl der Gesellschaft.

          Evolutionär ist jene Mutter am erfolgreichsten, die ihren Sohn erzieht zu einem sozial attraktiven Heiratspartner (also für andere Eltern, die ihre Töchter verheiraten wollen), und vielleicht noch zu einem motivierten und potenten Versorger der eigenen Eltern im Alter.

          Das Wohlergehen der holden Weiblichkeit insgesamt spielt bei der Erziehung keine Rolle. Sowas zahlt sich evolutionär für die jeweilige Mutter nicht aus. Auch nicht für den Vater.

          Noch ein zweiter Punkt, Du schreibst: „Wer die mit „traditioneller Männlichkeit“ beschriebenen Eigenschaften aufweist, hat eine höhere Chance, sich in einer Auseinandersetzung um die besten Jobs … zu bewähren. Wovon wiederum die Frauen profitieren, die ein solches Exemplar dauerhaft verpflichten können, seine von ihm erworbenen Ressourcen (selbstredend auch mit der Mutter) zu teilen. Eine solche Erziehung und der damit verbundene „bias“ wäre ein strategischer Gewinn – für Frauen.“

          Das ist kein Selbstgänger: Daraus, dass ein Mann tüchtig ist, geschäftstüchtig, erfolgreich usw., daraus folgt nicht automatisch, dass er bereit ist, sein Geld an die geliebte Gemahlin abzugeben, oder an die liebe Mama.

          Ich habe mal für einen solchen Typ gearbeitet: Sehr tüchtig, sehr erfolgreich – aber er zahlte nicht für Frauen. Nicht aus Prinzip, sondern weil das nicht seine Art war. Er wollte mit selbständigen, eigenverantwortlichen Menschen zu tun haben: Frauen wie Männer.

          Aber man muss wohl sagen – und insofern hast Du recht -: solche Typen sind eher die Ausnahme. Die meisten Männer können es gar nicht erwarten, all ihre Ressourcen an irgendwelche Frauen zu transferieren – einfach so. Dieser Punkt wird von uns Männerrechtlern gern übersehen.

          • Schöne Auseinandersetzung! 🙂

            „Evolutionär betrachtet macht diese Annahme wenig Sinn. Frauen stehen untereinander in Konkurrenz: Eine Mutter erzieht ihren Sohn nicht zum Wohl der anderen Frauen, auch nicht zum Wohl der Gesellschaft.“

            Wie erklärst Du Dir dann den weiblichen „in group bias“, der in zahlreichen Studien nachgewiesen worden ist?
            Wie, dass in der angeblich patriarchalen Gesellschaft die Konvenienzehen dominant von Frauen verabredet worden sind?

            Auch dass Frauen allergisch auf „sexy“ gekleidete Frauen reagieren und es zahlreiche Artikel über den für Frauen so schädlichen „Vergleich“ existieren zeigt mir, dass Frauen gerade eines nicht offen suchen, nämlich intrasexuelle Konkurrenz.

            Die feminin-istische Kampagne gegen „fat shaming“ ist faktisch eine gegen „fat women shaming“ und die idiotische Idee, dass „beauty comes in all sizes“, ist ohne die Verfettung US-amerikanischer Frauen nicht erklärbar.

            Das Thema der „Konkurrenz“ ist m.E. maßlos übertrieben worden und das Thema „Solidarität“ völlig unterbelichtet geblieben.
            Wir sollten vielleicht die neue Wortschöpfung Coopetition bemühen: „Coopetition bezeichnet Marktphänomene, bei denen eine Dualität aus Kooperation und Wettbewerb besteht und das Handeln der Marktteilnehmer beeinflusst, ohne dass diese explizit kooperieren.
            Derartige Systeme werden in der Spieltheorie mathematisch als Nicht-Nullsummenspiele beschrieben.“

            „Evolutionär ist jene Mutter am erfolgreichsten, die ihren Sohn erzieht zu einem sozial attraktiven Heiratspartner (also für andere Eltern, die ihre Töchter verheiraten wollen), und vielleicht noch zu einem motivierten und potenten Versorger der eigenen Eltern im Alter.“

            Darauf wollte ich hinaus.
            50% von „Eltern“ ist die Mutter.
            In einer gegebenen Gesellschaft ist die Vermittlung derjenigen Eigenschaften an den Sohn relevant, der ihn zu einem „sozial attraktiven Heiratspartner“ macht.
            In einer richtig patriarchalen Gesellschaft würde ich das noch festdengeln, bspw. durch einen Leitspruch: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir wohl ergehe und du lange lebst auf der Erde.“
            Warum auch immer die „Mutter“ in einer richtig patriarchalen Gesellschaft überhaupt erwähnt wird…ein bekloppter Spruch (wird niemandem auffallen).

            „Das ist kein Selbstgänger: Daraus, dass ein Mann tüchtig ist, geschäftstüchtig, erfolgreich usw., daraus folgt nicht automatisch, dass er bereit ist, sein Geld an die geliebte Gemahlin abzugeben, oder an die liebe Mama.“

            Um von individueller „Bereitschaft“ nicht abhängig sein zu müssen, würde ich Dir die Verpflichtung in Form eines Gesetzes vorschlagen, in der der lieben Gemahlin das hälftige Familieneinkommen einfach zusteht.
            Was tatsächlich existiert und was wiederum bedeutet: Es ist ein Selbstgänger.

            Es ist historisch gar nicht so lange her, als die Gesellschaft „wusste“, wohin die Kinder einer geschiedenen Ehe gehören: Selbstverständlich zum Vater der Kinder. Denn nur dieser ist unmittelbar verpflichtet, für die Kinder (materiell) zu sorgen.
            Der Umweg über: „Gib-das-Geld-Deiner-Ex-Gemahlin-damit-sie-für-das Wohlergehen-Deiner-Kinder-sorgt!“ wäre dieser Gesellschaft absurd vorgekommen, ebenso wie die Idee, dass Kinder natürlich zur Mutter gehören.
            Die biologische Mutterbindung empfand diese Gesellschaft als eine mehr oder weniger absurde Konstruktion

            Ist es nicht merkwürdig, wie sehr die Änderungen gesellschaftlicher Auffassungen in einer „patriarchalen Gesellschaft“ eben diesen „unterdrückten Frauen“ in die Hände spielte?
            Man könnte fast meinen, es handelte sich um überaus nützliche Änderungen für ein bestimmtes Geschlecht.

          • @ crumar

            Danke für Deine Hinweise!

            Grundsätzlich würde ich in der Diskussion zwei Dinge voneinander trennen:
            – bestimmte weibliche Merkmale oder Verhaltensweisen oder Konstellationen und die entsprechenden Erklärungen hierfür
            – die Gegenüberstellung von feministischer Theorie / Ideologie und bestimmten Fakten über Frauen, ihr Verhalten, ihren Status u.dgl., wobei diese Fakten usw. mehr oder weniger schlecht zu dieser Theorie passen, diese Theorie in Frage stellen, sie vielleicht sogar in Teilen widerlegen.

            Zum zweiten Punkt habe ich nichts gesagt.

            Noch zwei kurze Hinweise zu zwei von Deinen Punkten:
            „Auch dass Frauen allergisch auf „sexy“ gekleidete Frauen reagieren und … usw.“
            Ja, kann ich gut erklären. Ist auch in der Soziologie viel untersucht worden.
            „… und das Thema „Solidarität“ völlig unterbelichtet geblieben.“
            Nee, eben nicht. Diese „Solidarität“ ist eine direkte Folge der Konkurrenz unter Frauen: Krieg ist Frieden. Lüge ist Wahrheit.

            „… würde ich Dir die Verpflichtung in Form eines Gesetzes vorschlagen, in der der lieben Gemahlin das hälftige Familieneinkommen einfach zusteht. …“
            Da habe ich mich im letzten Beitrag undeutlich ausgedrückt. Mir ging es um den Mann, der nicht für Frauen zahlt. Wenn der aber erst mal verheiratet ist, dann wird er früher oder später für seine Ehefrau zahlen, jedenfalls kann sie dies erzwingen. Aber nochmal mein Punkt von oben: Warum fällt es uns Männerrechtlern so schwer anzuerkennen, dass es normale Männer gar nicht erwarten können, in genau diese Verpflichtung zu kommen: für eine Frau zu zahlen.

  5. These: die Spezifikation als „…Männlichkeit“ erleichtert die Durchsetzung des Begriffs als Ganzes, da es normativ gängig ist für jede Schuld einen Mann zu suchen, dem man sie zuweisen kann.

  6. Gutes Video über toxische Männlein und wie sie hergestellt werden.

    Viele in den Kommentaren die ihre Familiengeschichte wiedererkennen, scheint also was dran zu sein.

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