Ist die Welt in feministischer Hand?

 Ein sich wiederholendes Thema in den Kommentaren ist die Ansicht, dass die Welt oder zumindest Deutschland / Westeuropa fest in feministischer Hand ist und man nur noch auswandern kann. Mir kommt das eher nicht so vor.

Viele Frauen sehen sich selbst als emanzipiert und das ist auch gut so meiner Meinung nach. Aber sie teilen die feministische Theorienwelt nicht. Diese ist in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt (weil auch reichlich abstruss). Es halten sich natürlich gerade im weiblichen Bewußtsein verschiedene Mythen hartnäckig, insbesondere die 23% Lohnunterschied. Und natürlich wird eine Frau protestieren und schrill aufschreien, wenn man meint, dass Frauen nicht rückwärts einparken können oder irgendwas nicht genauso gut können wie Männer. Aber es ist meiner Meinung nach häufig eher ein zurückhaltender Protest, eher ein Shittest.

Natürlich erfordern viele Positionen, die etwas mit Frauen zu tun haben (Gleichstellungsbeauftragte etc) heute eine gewisse Nähe zum Feminismus, weil es sich dann besser verkaufen läßt, dass man sich für Frauen einsetzt, aber das ist etwas anderes. Die „normale Frau“ mag sich feministisch nennen, sie mag auch „den Feminismus“ unterstützen, aber sie ist keine Feministin im klassischen Sinne. Sie versteht unter Feminismus eher Gleichberechtigung, aber die meisten Frauen sehen schon, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind – und viele mögen dieses Unterschied. Ich glaube viele Männer und viele Frauen sind gerne Männer bzw. Frauen. Vielleicht nicht in jedem Aspekt, aber sie würden auch nicht mit dem anderen tauschen wollen.

Vielleicht wünschten sie, dass das andere Geschlecht so wäre wie sie selbst – die Frauen, dass Männer gefühlsbetonter und weniger sexbessen wären, die Männer, dass Frauen weniger Gefühlsbetont und dafür sexbetonter wären. Aber genug mögen die Differenz auch, mögen das Männliche an Männern und das Weibliche an Frauen.

Insoweit durchmischen sich in der „praktischen Welt“ Gleichheitsfeminismus und Differenzfeminismus wesentlich mehr als in der Theorie: Allerdings wird auch hier gerne jeweils das vertreten, was günstiger ist.

145 Gedanken zu “Ist die Welt in feministischer Hand?

  1. Na ist auch dir endlich aufgefallen, dass Feminismus als Feindbild nix taugt? Eben weil alle Frauen keine „klassischen“ Feministinnen sind. Und schon gar nicht die „Elite“, die in Politik und Wirtschaft aktiv sind.

    Das, was uns Frauen verbindet, ist nach wie vor die noch nicht erreichte Gleichberechtigung. Sowie die Tatsache, dass uns auch nach wie vor, die Selbstbestimmung über unseren Uterus verwehrt wird. Mit der Einschränkung, dass es auch Frauen gibt, die daran nichts ändern wollen.

    Dass verschiedene Themen ideologisch verbrämt werden, dient wohl mehr als Klebstoff – „gemeinsam sind wir stark“. Zumal sich damit Maskulisten auch zusammenkleben.

    Dass du damit sowohl ihnen als auch deinem Fan Club den Wind aus den Segeln nimmst, ist dir aber auch bewusst, oder?

    • @lucia

      „Das, was uns Frauen verbindet, ist nach wie vor die noch nicht erreichte Gleichberechtigung.“

      Wo€ habt ihr denn noch nicht gleiche Rechte?

      “ Sowie die Tatsache, dass uns auch nach wie vor, die Selbstbestimmung über unseren Uterus verwehrt wird.“

      Inwiefern dürft ihr über euren Uterus nicht selbst bestimmen? Ich sehe nur die EInschränkung des Abtreibungsrechts nach einiger Zeit, aber da geht es eben um die Frage, ab wann der Fötus Mensch ist und ein eigenes Recht auf Leben hat. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich für Abtreibungen bin, aber ein Recht „Solange das Kind im Körper ist kann man es abtreiben (also bis kurz vor der Geburt) würde ich auch etwas weitgehend finden.

      “ Mit der Einschränkung, dass es auch Frauen gibt, die daran nichts ändern wollen.“

      Eben.

      • Wo habt ihr denn noch nicht gleiche Rechte?

        So lange eine Gesellschaft sowohl politisch als auch ökonomisch von Männern dominiert wird, kann von einer Gleichberechtigung keine Rede sein. Sichtbar wird das am besten in der fehlenden Gleichstellung.

        http://diestandard.at/1287099431876/Kommentar-Das-Herrenhaus-Europa

        Inwiefern dürft ihr über euren Uterus nicht selbst bestimmen? Ich sehe nur die EInschränkung des Abtreibungsrechts nach einiger Zeit, aber da geht es eben um die Frage, ab wann der Fötus Mensch ist und ein eigenes Recht auf Leben hat. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich für Abtreibungen bin, aber ein Recht „Solange das Kind im Körper ist kann man es abtreiben (also bis kurz vor der Geburt) würde ich auch etwas weitgehend finden.

        Es ist nicht die Frage, wann abgetrieben werden kann, sondern, dass dafür erst eine Genehmigung erteilt werden muss. Dass sie erteilt wird, bestätigt ja nur, dass wir eben keine Selbstbestimmung über unseren Uterus haben.

        http://diestandard.at/1285200356656/Europarat-gegen-Abtreibungsrecht

      • @Christian
        „…aber ein Recht „Solange das Kind im Körper ist kann man es abtreiben (also bis kurz vor der Geburt) würde ich auch etwas weitgehend finden.“

        Sehe ich ähnlich. Eine Abtreibung kurz vor einer „normalen“ Geburt, ohne medizinische Indikation scheint mir ethisch nur schwer rechtfertigbar zu sein.

        Lucia du hast vollkommen Recht: Dein Bauch gehört dir, nur das Lebewesen in deinem Bauch gehört nicht dir. 50% davon stammen nicht aus deinem Organismus 😉 Meine Wohnung gehört auch mir, meine Untermieter nicht. Sobald dieses Lebewesen auch „ohne Nabelschnur“ existieren kann erübrigt sich auch die Frage nach einem Recht auf Abtreibung ohne medizinische Indikation.

        Was wäre der wesentliche Unterschied zwischen einem Neugeborenen und einem 5 Minuten davor abgetriebenen, gleichaltrigen Baby? Der Unterschied, du wolltest es nicht mehr in deinem Bauch und du wolltest, dass es tot ist, zerschnitten und abgesaugt, weggeworfen.

        Es ist immer wieder erstaunlich, welche irrationalen Felder sich bei so manchen Feministinnen in diesem Thema auftun. Selbst vegan, Tierrechtlerinnen – manche sogar Frutarier – haben sie keinerlei Probleme damit „das Recht auf Abtreibung bis zur Geburt“ zu fordern.

      • @ lucia

        „Kein Arzt oder Krankenhaus, die eine Abtreibung oder Sterbehilfe ablehnen, sollen dafür zur Verantwortung gezogen werden“

        Das ist doch kein Verstoss gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Es besagt doch nur, dass kein Arzt oder Krankenhaus gezwungen werden darf, gegen ihr Gewissen zu handeln. Es heisst ja nicht, dass Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, Frauen, die abtreiben lassen, bestraft werden sollen. Wenn man Ärzte zwingen würde, Föten zu töten, wäre das in höchstem Masse diktatorisch. Und ich sag das als einer, der kompromisslos für das Recht der Frau auf Fötentöten ist. Euer Bauch gehört Euch und basta! Allerdings zieht das unweigerlich logisch auch das Recht zur Vaterschaftsverweigerung nach sich.

      • @ Lucia

        *So lange eine Gesellschaft sowohl politisch als auch ökonomisch von Männern dominiert wird, kann von einer Gleichberechtigung keine Rede sein. Sichtbar wird das am besten in der fehlenden Gleichstellung.*

        Gleichstellung ist nicht gleich Gleichberechtigung.

        Gleichstellung = Ergebnisgleichheit ist Unrecht, weil Menschen nun mal verschieden sind, als Individuen wie als Gruppen.

        „Die Menschen aber sind nicht gleich, das sagt mir die Gerechtigkeit“, lässt Nietzsche seinen Zarathustra sagen.

        WENN Männer und Frauen ungleichartig sind – das zu erwarten ist eigentlich zwingend, so wie Evolution funktioniert, Gleichartigkeit vorauszusetzen nenne ich linken Kreationismus, denn das widerspräche allem, was wir über Evolution und ihr Funktiionieren wssen, dann sind Ungleichverteilungen unter den Bedingungen Gleichberechtigung und Freiheit ebenso zwingend, denn dann können und werden sich diese natürlichen Ungleichartigkeiten ausdrücken.

        Wer hier die Gleichstellung des Ungleichartigen erreichen will, der MUSS die Gleichberechtigung und Freiheit für alle abschaffen, der MUSS ungleichberechtigen und bevorzugen/benachteiligen.

        Feministische Politik strebt genau das an, setzt genau das um: für Mädchen/Frauen mehr Freiheiten, mehr Unterstüzung, mehr Förderung, mehr Hilfe als für Jungen/Männer.

        Legitimiert wird das mit Ungleichverteilungen, die ohne Prüfung, einfach weil sie vorhanden sind, als Belege für Benachteiligungen gwertet werden – wenn sie Mädchen/Frauen negativ treffen, die die Jungen/Männer negativ treffen, werden dagegen verhehlt, verdeckt, verschwiegen.

        Legitimiert wird dasdarüberhinaus mit dem behaupteten allgemeinen Opfertum der Frau mittels halbwahrer oder ganz gefälschter Statistiken, einseitiger Erhebungen, einseitiger Forschung usw.

        In Wahrheit sind von fast allen negativen Erscheinungen Jungen/Männer sehr viel schwerer betroffen als Mädchen/Frauen.

        Aber Mädchen/Frauen fühlen sich als Opfer dieser Gesellschaft, weil die Propaganda des Feminismus sie das lehrt.

        Frauen müssen gar nicht alle FeministInnen sein.

        Das sind sie weiß Gott nicht.

        Es genügt, dass sie Mitläuferinnen sind, stillschweigend all die Privilegien/vergünstigen einstreichen, die ihnen feministische Lobbypolitik auf Kosten der Jungen/Männer verschafft.

        Mitläuferinnen sind sie.

        Das mache ich ihnen nicht zum Vorwurf, schließlich sind Frauen fundamental egoistisch, nicht weniger als Männer auch.

        Es ist Sache der Männer, diesen Zustand zu beenden.

        Aber Alphamänner stoßen lieber Betamänner vor den Bus, um bei Frauen zu punkten, als für Jungen-/Männerrechte einzutreten.

        Diesen mache ich das zum Vorwurf.

        Die immer deutlichere Schieflage zulasten der Jungen/Männer, der normalen Männer, nicht der Alphamänner, die FeministInnen allein im Blick haben, entsteht, weil feministische FrauenpolitikerInnen allein Frauenpolitik und Frauenförderung betreiben.

        Und Alphamänner halten es genauso.

        Jungen-/Männerpolitik macht niemand in diesem femizentrischen System.

        Das muss man den Männern zum Vorwurf machen, die unfähig/unwillig sind, den überbordenden weiblichen Egoismus einzuschränken und wieder zu erden, der angetrieben wird von einer Ideologie, die nichts anderes ist als die transzendierende Überhöhung dieses weiblichen Egoismus, des Strebens nach WEIBLICHER Selbstverwirklichung, die allein Zweck ist, alles andere wird als Mittel zu derselben betrachtet, auch Männer.

    • Du verwechselt Gleichberechtigung mit
      „Gleichstellung“!
      Beides sind widersprüchlich!

      Und was hat Deine Gebärmutter mit Feminismus
      zu schaffen?(Dein Frau sein?)
      Ist das nicht „Biologismus“?

  2. Aber sie teilen die feministische Theorienwelt nicht. Diese ist in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt (weil auch reichlich abstruss).

    Die Theorienwelt des Feminismus müssen sie auch nicht kennen. Es genügt, sich in einem Patriarchat zu wähnen, welches Frauen in ihrer Lebensgestaltung einschränkt, sie benachteiligt und daraus die Forderung nach Kompensation, sprich Privilegierung, abzuleiten. Das kann frau auch ohne jemals etwas von Butler, Beauvoir, Zetkin oder Schwarzer gelesen zu haben.
    Das Klageweib ist allgegenwärtig. Ein theoretisches Fundament, um die Klage zu begründen, ist nicht unbedingt notwendig. Wenn das theoretische Fundament fehlt, könnten wir anstatt von Feministinnen zu sprechen die Heulbojen einfach als Klageweiber bezeichnen.

    • Das Klageweib ist allgegenwärtig.

      Dass auch Klagemänner allgegenwärtig sind, bestätigst du gerade.

      Und da Maskulisten nur wie getretene Straßenköter jaulen können, können sie auch als solche bezeichnet werden.

      LOL

      • Und da Maskulisten nur wie getretene Straßenköter jaulen können, können sie auch als solche bezeichnet werden.

        Tja Lucia, der getretene Strassenköter hat ja Grund zu jaulen. Ich nehme mal an, dass Du dich in diesem Sinnbild mit als diejenige siehst, die tritt. Aber Vorsicht! Irgendwann beisst er dich, der getretene Strassenköter.

        Du trittst also gerne Strassenköter. Oder würdest es gerne tun. Der Strassenköter steht sinnbildlich für ein Wesen, das in der sozialen Hierarchie ganz unten steht und von jedem nach belieben getreten werden darf. Deshalb ein gutgemeinter Rat an Dich: Vorsicht bei der Verwendung von Metaphern!

      • @Peter
        „Tja Lucia, der getretene Strassenköter hat ja Grund zu jaulen.“
        Eben. Das sprachliche Bild, dass unsere Lucia verwendet, ist von entwaffnender Ehrlichkeit.
        Hier sieht man wirklich, wie es um die vermeintliche „Privilegierung“ aussieht. Männer sind lästige Viecher, die man ruhig treten kann. Und dann kann man noch darüber ablästern, wenn sie, die lästigen Viecher, entsprechende physiologische Reaktionen absondern. In solchen Sätzen kommt das wahre innere Bild, was Frauen wie Lucia über die Geschlechterverhältnisse haben, bis zur Kenntlichkeit verkleidet zum Vorschein.

        Ich bin ja dem Hausherrn hier sehr dankbar dafür, dass er L. eine Sonderbehandlung in seiner Moderationspolitik einräumt. Besser kann man nicht verdeutlichen, worum es geht in diesen Debatten.

        Und nirgends zeigt sich die Verlogenheit und Bigotterie des Feminismus unverstellter.

      • @virtual-cd

        In solchen Sätzen kommt das wahre innere Bild, was Frauen wie Lucia über die Geschlechterverhältnisse haben, bis zur Kenntlichkeit verkleidet zum Vorschein.

        Wow, bis zur Kenntlichkeit verkleidet ???

        Verkleidet ist gut,

        ist ja so unglaublich saugut,
        besser geht’s wirklich nicht. LOL

    • @ Peter
      Das Stichwort für lucia ist „Gleichstellung“. Dachte ich mir auch nicht anders. Den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und dem damit verbundenen Recht, der Pflicht „selbst etwas zu schaffen“ und Gleichstellung, dem Recht einen Teil dessen zu lukrieren, was andere erwirtschaftet haben, hat sie noch nicht verstanden/verstehen wollen unsere „Powerwumme“.

      • @ Terminatus

        Warum sollten Frauen das auch verstehen?

        Männer, Alphamänner reichen ihnen ja alle Goodies und Bonbons auf dem Silbertablett und lassen Betamänner diese Werbegeschenke an die holde Weiblichkeit bezahlen.

        Frau stampft mit dem Fuß auf und wird bedient.

        Es hagelt Fördermaßnahmen, die Quotensänfte wird vorbeigetragen, die Tür geöffnet, die Polster zurechtgerückt, damit frau nur ja einsteigen möge.

        Da muss man sich nicht wundern, wenn Frauen korrupt genug sind, sich in diesem System wohlig einzuhausen.

        Warum sollten sie besser sein als Männer, zumal alle Welt ihnen weismacht, sie seien es tatsächlich.

        Frauen sind nach wie vor das gepämperte, geförderte, geschützte, geschonte Geschlecht, das unter Sonder-und Schonbedingungen arbeitet, auf Förderkrücken einherstolziert und von allen Seiten bedauert wird ob der ungeheuren Opfer, die es bringt.

        Das wichtigste Opfer: Frauen müssen 6 Jahre länger leben als Männer.

        Wenn Männer nicht einmal in der Lage sind, die Frage „Liebling, habe ich in den neuen Jeans einen fetten Arsch?“ wahrheitsgemäß mit „Nicht nur in den neunen“ zu beantworten, dann muss man sich nicht wundern, dass Frauen im Schnitt im Wolkenkuckucksheim leben.

        Männer bauen es ja, schirmen es ab und femizentrische Medien reden der wichtigsten Kundengruppe – das sind die Frauen – nach dem Munde, propagieren das, was diese hören wollen, informieren nicht, sondern bauchpinseln.

    • @Peter
      „Die Theorienwelt des Feminismus müssen sie auch nicht kennen. Es genügt, sich in einem Patriarchat zu wähnen, welches Frauen in ihrer Lebensgestaltung einschränkt, sie benachteiligt und daraus die Forderung nach Kompensation, sprich Privilegierung, abzuleiten. Das kann frau auch ohne jemals etwas von Butler, Beauvoir, Zetkin oder Schwarzer gelesen zu haben.“

      Ja, so kann man das beschreiben. Die wirklichen theoretischen Diskussionen des Feminismus interessiert kaum eine Sau. Aber ein ganz vages Konzept von der Minderwertigkeit von Männern im Vergleich zu Frauen, zu Männern als einfach irgendwie „defizitärer Lebensform“, hat fast jede Frau im Kopf. Und sie lieben es, sich untereinander darin zu bestätigen.
      Man könnte das „Vulgär-Feminismus“ nennen. So wie es in der 69er-Bewegung einen Vulgär-Marxismus gab, der auf den simplen emotionalen Reflex hinaus lief, zu sagen: „Wer Geld hat, ist ein Arschloch“. Die ganzen Begrifflichkeiten, die Sache mit dem Mehrwert und wo er herkommt, der Besonderheit der Ware Arbeitskraft gegenüber allen anderen Waren, der Fetischcharakter des Geldes, der begrifflichen Trennung verschiedener Kapitalanteile, dem tendenziellen Fall der Profitrate – das ganze Zeug war den meisten viel zu schwierig und hat sie auch gar nicht interessiert.
      Es ging nur darum, etwas bei der Hand zu haben, was es mir erlaubt, mich besser, überlegen, moralisch erhaben zu fühlen.

      Spirituell gesehen würde man von EGO-Pushing reden. Und so sehe ich das auch mit dem Feminismus. Er hat in seiner vulgarisierten Form – der sich auf die schlichte Formel bringen ließe, dass Frauen eben in allem und überall die besseren Menschen sind – Breitenwirkung entfaltet. Er ist zur kulturellen Hegemonie geworden. Die Bilder, Geschichten und Mythen, die erzählt werden, handeln nur noch von dem Mann als Mangelwesen. Alle Filme, Serien, TV-Spots kennen nur noch zwei Arten von Männern als Typus: Entweder den brutalen, gewalttätigen Fiesling. Oder den Trottel, den Waschlappen, den etwas lebensunfähigen Trottel.

      Frauen lieben es, diese Mythen erzählt zu bekommen – und sich gegenseitig zu erzählen. Weil sie damit qua Geschlecht zu den „Besseren“ gehören. (Ohne etwas wirklich dafür leisten zu müssen).
      Machen wir uns nichts vor: Wäre es andersherum, würden die meisten Männer die Ideologie dahinter genau so begierig in sich aufsaugen, sie untereinander weitererzählen usw. usf.

      • Machen wir uns nichts vor: Wäre es andersherum, würden die meisten Männer die Ideologie dahinter genau so begierig in sich aufsaugen, sie untereinander weitererzählen usw. usf.

        Das ist guuuuut. 🙂

        Hier wird ja nix anderes gemacht. LOL

      • @ virtual-cd

        Guter Beitrag!
        Ich frage mich (und Dich) allerdings, ob der Feminismus in seiner vulgären Form bei den „Frauen“ angekommen ist, oder die vulgären Frauen beim Feminismus. Oder anders gefragt: Macht der Feminismus die Frauen vulgär? Und auch uns Männer?

      • @ messi
        Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass der Feminismus, in der heutigen Ausprägung ab ca. den 90ern uns alle paraphil macht – Verlagerung des „Männlichen“ und „Weiblichen“ ins Private bis hin zur Überkompensation. Wäre dem nicht so, hätte Freud Recht gehabt, würden in einer offeneren Gesellschaft – was sie ja unwidersprochen gegenüber den 20ern des v. Jhs. ist – die paraphilen Manifestationen – damals Perversionen – zurückgehen. Gegenteiliges ist der Fall. Der Feminismus trägt sein Schärflein dazu bei.

      • @ virtual-cd
        Machen wir uns nichts vor: Wäre es andersherum, würden die meisten Männer die Ideologie dahinter genau so begierig in sich aufsaugen, sie untereinander weitererzählen usw. usf.

        Sehe ich nicht so, da wir ja alle von Frauen sozialisiert wurden. Dass der Mann mittels Europarecht – wenns der europäische Gerichtshof für Menschenrechte sagt, muss es ja stimmen – nur mehr zum Samenspender für Lesben und Singlefrauen verkommt, scheint unabwendbar zu sein. Dass weiters die „Schöne Neue Welt“ vor unserer Haustüre ist, sollte auch dem dümmsten Mann mittlerweile aufgehen.

      • @ Virtual-CD

        Alle Filme, Serien, TV-Spots kennen nur noch zwei Arten von Männern als Typus: Entweder den brutalen, gewalttätigen Fiesling. Oder den Trottel, den Waschlappen, den etwas lebensunfähigen Trottel.

        Das ist nicht ganz vollständig. Ergänzend kommt – eine wichtige Ergänzung – vor allem in Filmen/Serien Mr. Right hinzu, der das männliche Gesocks, also all die brutalen, gewalttätigen Fieslinge reihenweise über den Haufen schiesst oder zusammenprügelt. Und warum tut er das? Weil da ein Weibchen in Not der Hilfe bedarf, ein Weibchen des Typus Mutter Theresa mit Sex-Appeal, also genau das, was uns tagtäglich auf der Strasse begegnet 🙂

        Der typische „Weibchen bedarf der Hilfe – Movie“ ist nach dem immer gleichen Strickmuster konstruiert: Makelloses Weibchen – sowohl charakterlich wie körperlich – wird von pööhsen männlichen Untermenschen belästigt, was ihre Frisur und ihre lackierten Fingernägel beschädigen könnte. Doch Hilfe naht! Es gibt da den einen Mr. Right, der so ganz anders ist und das ganze fiese männliche Gesocks in seinem gerechten Zorn ins Nirwana befördert.
        Manchmal aber muss der Weibchenbeschützer sterben – wie im Film „Titanic“. Für das Weibchen. Das gefällt den gefühlsduseligen Tussen natürlich ganz besonders. Das männliche Ideal schlechthin: stirbt so schön romantisch, für sie!

      • Machen wir uns nichts vor: Wäre es andersherum, würden die meisten Männer die Ideologie dahinter genau so begierig in sich aufsaugen, sie untereinander weitererzählen usw. usf.

        @ Terminatus

        Genau. Deshalb muss dem Egoismus Grenzen gesetzt werden, durch Gesetze, welche den rücksichtslosen und masslosen Egoismus Grenzen eindämmt.
        Zur Zeit aber wird der weibliche Egoismus in seiner Masslosigkeit nicht eingeschränkt, sondern gefördert und als legitim, als moralisch grechtfertigt behauptet.

      • @ terminatus30

        *Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass der Feminismus, in der heutigen Ausprägung ab ca. den 90ern uns alle paraphil macht…*

        Ich bezweifle, dass das, individuell, so ist. Ich glaube, es handelt sich dabei eher um postmodernen Chic, der einen andern Einfluss auf die persönliche Sexualität hat.

        *Verlagerung des „Männlichen“ und „Weiblichen“ ins Private bis hin zur Überkompensation.*

        Ich sehe das anders herum: Die Verlagerung des sexuellen ins Öffentliche, ins trivial Öffentliche, ist eine Kompensation der schwindenden individuellen Kraft der Sexualität, und davon sind viele Individuen betroffen. Vor die Wahl gestellt, würden sich doch die meisten lieber als Paraphile, denn als Asexuelle outen. Sex sells änd wi ar ol äbaut Bisness… Mindestens, insofern wir öffentlich sind.

        Der grössere Teil der „prominenten“ Frauen hat ihren Status primär durch Zurschaustellung ihrer sexuellen Reize erlangt. Und bei Männern ist es ähnlich: Unter den beim Volk Bekannten finden sich viel mehr Sportler als Denker.
        Insofern sehe ich im Feminismus weniger die Wurzel als viel mehr einen Ausfluss unseres kulturellen Übels.

      • @Peter

        Deshalb muss dem Egoismus Grenzen gesetzt werden, durch Gesetze, welche den rücksichtslosen und masslosen Egoismus Grenzen eindämmt.

        Es lebe die totale Überwachungsdiktatur.

        Egoismus durch Gesetze regeln, ist ja wohl der größte Schwachsinn, den ich hier jemals gelesen habe.

      • Egoismus durch Gesetze regeln, ist ja wohl der größte Schwachsinn, den ich hier jemals gelesen habe.

        Das ist vielmehr die schwachsinnigste Antwort, die ich je auf einen Beitrag erhalten habe.

        Ein kleines Beispiel, ein klein wenig Realität in die Pippi-Langstrumpf-Puppenstube: Warum ist Kinderarbeit bei uns verboten? Ist doch rentabel. Na? Naaaa?

      • @ virtual-cd

        *Machen wir uns nichts vor: Wäre es andersherum, würden die meisten Männer die Ideologie dahinter genau so begierig in sich aufsaugen, sie untereinander weitererzählen usw. usf.*

        So ist es.

        Die Männer der ersten Hälfte des 20. Jhdts. bieten reiches Anschauungsmaterial für die Richtigkeit dieser Annahme, ob als „Avantgarde der Arbeiterklasse“ im Leninismus/Stalinismus, ob als Rasseelite im Nationalsozialismus, um nur diese beiden Beispiele zu nennen.

        Der Mensch als Mann und Frau ist egoistisch/korrupt, fällt auf Schmeichelei herein, nimmt, was er kriegen kann, solange bis ihm ein Gegenegoismus, eine Gegenmacht auf die Finger, die er in die Mustöpfe steckt, klopft.

        Der Feminismus hat viel zu lange keinen Gegner gehabt.

        So haben heute FeministInnen ihre Finger in ziemlich vielen Mustöpfen und finden das ganz normal.
        Es hat ihnen ja auch niemand auf die Finger geklopft.

        Im Gegenteil.

        Man hat die Deckel von den Mustöpfen geschraubt und sie zur SElbstbedienung bereitgestellt.

        Weil die armen Opferfrauen ja entschädigt werden mussten für ihr ungeheures Unterdücktsein, ihr Oofertum, ihr eingebildetes.

      • @ virtual-cd

        Im Feminismus arbeiten die Interessen der Neomarxisten (Zerstörung der westlichen kulturellen Traditionen durch Zerschlagung ihrer Tradierung in der Familie, durch Zerschlagung eben dieser Familien, durch Vergesllschaftung der Kinderaufzucht und damit Kontrolle des Inputs durch den Staat, durch die linken/linksliberalen pädagogischen Eliten, durch Vereinzelung des Einzelnen ohne Familiennetzwerk gegenüber dem dadurch immer mächtiger, eines Tages als revolutionär erhofften Staates) und die marktradikaler Konsumkapitalisten (Vereinzelung des von allen Bindungen befreiten Individuums, Bindungen an Religion, Nation, Volk, Familie, befreit zum Legionär des Shareholder Values, der mit leichtem Gepäck reist, jederzeit und überall abkommandierbar ist dorthin, wo er gerade gebraucht wird, allzeit flexibel, da aus allen Bindungen herausgelöst, allein der Sinngebung durch Konsum und dem „Haste-was-dann-biste-was anheimgegeben).zusammen.

        Auch wenn beide Seiten die jeweils andere als nützliche Idioten für die eigene Agenda zu benutzen gedenken, klappt die Zusammenarbeit sehr gut, macht es möglich, dass Springer und Bertelsmann für den Feminismus trommeln und Frau Schwarzer für die BILD schreiben kann, macht „feministische“ Alphamänner möglich, macht es möglich, dass Feminismus ein Elitenprojekt ist, ein Projekt der linksliberalen, marktradikalen Eliten des konsumkapitalistischen Systems.

      • @ messi
        „Ich bezweifle, dass das, individuell, so ist. Ich glaube, es handelt sich dabei eher um postmodernen Chic, der einen andern Einfluss auf die persönliche Sexualität hat.“

        Mag sein. Interessantes Thema. Teilweise kann ich zustimmen. Der feministische Einfluss bleibt allerdings in meinen Augen einer und kein Ausfluss. Indizien dafür sind die sog. Alphafrauen, die sich gern mal zur Schnecke machen lassen, freilich bis dato, dem Zeitgeist geschuldet, noch nicht wissenschaftlich-öffentlich analysiert. Oder kennst du Berichte darüber, wie sich Alphafrauen „Callboys, Toyboys“ halten, über nicht wenige Akademikerinnen, die sich privat von Fremden dominieren lassen wollen? Das ist in meinen Augen ein Novum. Vor zehn Jahren gabs das, soweit ich mich überhaupt daran erinnern kann, in öffentlich zugänglichen Foren in diesem Ausmaße nicht! Heute findest du etliche angemeldete Profile, wo Akademikerinnen den dominanten Partner für eine Affäre, ONS oder direkt für den BDSM-Bereich suchen. „Junggebliebene Ärztin sucht den potenten, jungen dominanten Lover“ …

        Das sind für mich Indizien dafür, dass der Zeitgeist Frauen in ein Korsett schnürt, welches sie nicht zu Tragen gewillt sind. Einige zumindest. In den Medien liest man bis dato immer nur von DEN Managern und DEN Bossen als Sadisten und Egoisten.

        „Ich sehe das anders herum: Die Verlagerung des sexuellen ins Öffentliche, ins trivial Öffentliche, ist eine Kompensation der schwindenden individuellen Kraft der Sexualität, und davon sind viele Individuen betroffen. Vor die Wahl gestellt, würden sich doch die meisten lieber als Paraphile, denn als Asexuelle outen. Sex sells änd wi ar ol äbaut Bisness… Mindestens, insofern wir öffentlich sind.“

        Ja, wer gibt schon gern zu, dass er nur zweimal in der Woche Sex mit seiner Frau/Freundin hat. Interessant jedoch und für mich noch ein Beleg für den Einfluss des Feminismus` ist die Steigerung des Konsums an Gewaltpornografie als, in meinen Augen oftmals Ventil. Früher sprach man von diversen Shootergames, Rollenspielen als Ventile, Männlichkeit zu leben.

        Ich sehe dies für die Gewaltpornografie in ähnlichem Maße, ein Nimmerland für Dauermasturbierer.

      • @ terminatus30

        Monokausale Erklärungen passen besser in unsere Köpfchen, als dass damit die Wirklichkeit hinreichend erklärt werden könnte. Der Feminismus hat viele Ursachen und zeitigt viele Wirkungen. Was im postmodernen Chic, der sich immer mit dem Heiligenschein der Frauendienstbarkeit, dem Lorbeerkranz der femininen Eroberung unmenschlicher..äh männlicher Domänen schmückt, zu Tage tritt, ist eine tiefe Entfremdung des Individuums von seinem Kollektiv. Wir Menschen (und nicht nur wir) sind janusköpfig: Um einigermassen intakt zu sein, müssen wir gleichzeitig das Ganze unserer Teile sein, und Teil eines grösseren Ganzen.
        Was für Kapriolen schlagen Individuen doch, um Teil eines Kollektivs sein zu hoffen! Wenn Kollektive zerschlagen, nicht vorhanden sind, werden wir kleine Tierchen ein Symbol, einen Totem erfinden, unter dem wir uns sammeln können, damit wir einem Clan angehören dürfen.
        Der Feminismus musste doch nie bergan, gegen die menschlichen und sozialen Wirksamkeiten marschieren, nein, er konnte locker mit dem Mainstream mitreiten, dabei noch das hohe Lied der Avantgarde trällern.
        Machen wir uns also nichts vor: Der Feminismus ist nicht der Grund für unser Übel, auch nicht der Grund für unser Wohl, sondern die Folge. In der Hauptsache mindestens.
        Woher unser Wohl und Übel kommt, das gegenwärtige? Am besten schliessen wir dabei den Feminismus als grundsätzlich aus… Keine (Un-)Ehre, wem sie nicht gebührt.

      • @ Terminatus

        *Das sind für mich Indizien dafür, dass der Zeitgeist Frauen in ein Korsett schnürt, welches sie nicht zu Tragen gewillt sind. Einige zumindest. In den Medien liest man bis dato immer nur von DEN Managern und DEN Bossen als Sadisten und Egoisten.*

        Der Vorteil meiner Überzeugung, dass der Mensch wesentlich instinktiv disponirert wird in einer Weise, die sich soziokultureller Beeinflussung in weiten Teilen zäh entzieht, ist der, dass man ziemlich unaufgeregt auf Veränderungen reagieren kann, wie Du sie wahrnimmst.

        Ich glaube nicht, dass sich tatsächlich in der sexuellen Orientierung/Ausformung der sexuellen Persönlichkeit bei Männern und Fauen wesentliches geändert hat.

        Ich glaube, diese „Veränderungen“ sind zum Großteil nur ein Sichtbarwerden dessen, was immer schon in ähnlichen Prozentanteilen vorhanden war, geschuldet dem Wegfall negativer Sanktionen für abweichendes, minoritäres, „unnormales“ Verhalten, das sich deshalb heute vermehrt zu zeigen wagt, dadurch wahrnehmbarer geworden ist.

        Es gab wohl immer schon einen gewissen Anteil von Frauen mit „Unterwerfungslust“, die Männer suchten mit Dominanzlust(Kriegsminister Louvois etwa am Hofe Ludwigs XIV mit seinen Stulpenstiefeln, seinen riesigen Doggen mit Stachelhalsbändern, seiner Hundepeitsche, mit der auch seine Mätressen/Ehefrau traktierte, was seinem eerotischen Erfolg keinen Abbruch tat, im Gegenteil, so mancher Dame rieselte ein wohliges Grausen den Rücken herunter, wenn die aggressv-martialische Erscheinung, die er deshalb auch noch kultivierte, stiefelknallend über’s Versailler Parkett stapfte) und umgekehrt einen gewissen Anteil eher „weiblicher“ Männer und eher „männlicher“ Frauen.

        Nur wurden bis vor wenigen Jahrzehnten die Menschen zur Vereindeutigung gezwungen, d. h. weibliche Männer und männliche Frauen durften ihre weiblich/männlichen Anteile nicht zeigen, nicht ausleben.

        Das dürfen sie heute, et voilà, der wunschdenkende Teil der Öffentlichkeit bildet sich ein, es hätten großartige Verschiebungen im Grundgefüge menschlicher Emotionalität/
        Triebhaftigkeit staatgefunden.
        Dabei hat sich nichts Großartiges geändert, es wurde nur sichtbar, was verborgen war.

        Hinzu kommt, dass das Auftauchen der weiblichen Männer und der männlichen Frauen von den Medien und Zeitgeist beherrschenden Veränderern/Kulturrevolutionären als Bestätigung ihres Sozkultes gehypt wird, sie werden gefeiert als Vorboten des erhofften neuen Menschen, als Avant-Garde.

        Dass dieser Avant-Garde nicht viele folgen, fällt dann weniger auf.

        Das statt dessen eher der Islam kommt und/oder ein christlicher Fundamentalismus, nun ja, das wird man dann wohl wieder einmal die Ironie der Geschichte nennen können.

      • @ Roslin

        *Der Vorteil meiner Überzeugung, dass der Mensch wesentlich instinktiv disponirert wird…. dass man ziemlich unaufgeregt auf Veränderungen reagieren kann, wie Du sie wahrnimmst.*

        Sei ehrlich, Deine Unaufgeregtheit, die ich schätze und teile, ist doch eher Deinem Weltpessimismus geschuldet, natürlich nicht einem persönlichen.
        Um den persönlichen Pessimismus von sich fern zu halten, gibt’s ja Methoden (zB einen Glauben).

        Und ich bin mit Dir auch einig, dass sich die Menschen weniger geändert haben, als das Bild, das sie abgeben.

      • @Roslin
        Ich habs jetzt 2mal versucht. Grr. so ein langes Posting. Jedenfalls ist es mir so zu einfach. Meinen Standpunkt kennst du. Manifestationen müssten normalerweise abnehmen, tun sie nicht, sie nehmen zu, ergo ist die Theorie falsch oder sie ist richtig und wird durch Zusatzfaktoren – kompensierende – verdeckt; diese sind teilweise einem ausufernden Feminismus geschuldet, so meine Meinung.

      • @ Messi

        Ich bin da tief zwiegespalten.

        Für die Menschheit bin ich nicht pessimistisch, die wird überleben.

        Ob jetzt mit 2 Milliarden in 100 Jahren oder 10 Milliarden, das sei dahingestellt.
        Obwohl natürlich in der Differenz das größte Grauen verborgen liegt, dass die menschliche Geschichte je kannte.

        Pessimistisch bin ich hinsichtlich der Einschätzung der Zukunftsfähikgeit, der Überlebensfähigkeit unserer spezifischen, westlichen, europäischen Zivilisation mit ihren Weiterungen (Nordamerika, Ozeanien).

        Da bin ich so pessimisitisch, dass ich sie, ärztlich gesprochen, aufgegeben habe, für unheilbar erkrankt halte, für dermaßen dekadent, dass sie nicht einmal mehr erkennt, welche Grundlagen gesichert bleiben MÜSSEN, wenn man über eine längere Generationenfolge hinweg tradieren und bestehen will.

        Das Erschreckende ist ja, dass viele dieses Überleben der westlichen Zivilisaton gar nicht wollen, sondern in Teilen der intellektuellen Eliten, vor allem der linken/linksliberalen, ein zerstörerischer Selbsthass herrscht.

        Die Selbstverachtung vieler linker, rotgrüner Männer ist ja nur Teil eines größeren Symptomenkomplexes, äußert sich auch in einem Phänomen wie der „Weißen Schuld“.

        All das führt zu einer suizidalen Grundeinstellung, die Susan Sontag einmal äußern ließ, die weiße Rasse sei die Krebserkrankung der Menschheit.

        Die von Weißen geschaffene Kultur ist kein Grund des Stolzes, sondern der Scham, des Schuldgefühles („Wir haben die ganze Welt unterjocht, wir sind nur deshalb so reich, weil wir die ganze Welt ausbeuten, die anderen sind arm, weil wir so reich sind usw.“).

        Genauso, wie viele weiße heterosexuelle Männer unter der seit Jahrzehnten laufenden Diffamierungs -, Beschämungs-, Beschuldigigungkampagne des Feminismus leiden, nicht mehr Männer sein wollen (groteskes Beispiel Raewyn Connell, in milderer Form in grünuchischen Manifesten zu studieren), sich nicht mehr freuen können, Mann zu sein, genauso, wie sie nicht mehr stolz sein können auf ihre Männlichkeit, weil sie kaum noch jemand lehrt, wie unverzichtbar der Beitrag der Männer, männlicher Qualitäten für den Aufbau/Erhhalt/die Selbstbehauptung von Zivilisationen ist, sie stattdessen herumlaufen wie gepürgelte Hunde – da hat Lucia ganz recht, wenn auch anders als sie glaubt – genauso sind weiße Menschen beschämt über den Erfolg ihrer Zivilisation, laufen mit einem riesigen Schuld – und Wiedergumachungskomplex herum, entschuldigen sich bei Farbigen für die Skalverei, bei Muslimen für die Kreuzzüge, bei Chinesen für die Opiumkriege und ihre Folgen usw., leisten Wiedergutmachung, Reaparationen noch und nöcher und vergessen dabei, stolz zu sein auf ihre Zivilisation, die ja nicht verbrecherischer war als andere, sondern nur stärker, erfolgreicher, darum mächtiger, auch mächtiger in der Durchsetzung ihres Egoismus.
        Der aber wiederum nicht stärker war als der der Chinesen, der Inder, der Araber, der Indianer, der Schwarzafrikaner usw.

        Wie wenig die anderen uns überlegen sind, ethisch, kann man beim Studium der Geschichte dieser Kullturräume vor dem Eintreffen der Europäer erkennen.

        Da trifft man eben keine edlen Wilden (Nordamerika etwa), die im Einklang mit der Natur leben, sondern tatsächlich auf Wilde, die sich in permanenten Kleinkriegen abschlachteten mit wesentlich höhreren Tötungsraten, die ihre Umwelt veränderten / zerstörten (Brandrodung etwa), um sie kurzfirstig vorteilhaft zu gestalten, was sich nur deshalb nicht so verheerend auswirken konnte, nicht weil sie weiser wären – wie die politischen Ethnogruppen es heute gerne behaupten, weil das bei den schuldbewussten Weißen so gut ankommt und man von denen Reparationen erhält genau wie Frauen von den Männern, sondern weil sie zu schwach waren, so verheerend einzu greifen wie Europäer das konnten.

        Die Europäer hatten nicht die schlechtere Moral, das verderbtere Ethos, sondern nur die stärkeren Kanonen, die sie ihrer zivilisatorischen Überlegenheit verdankten.

        Weder die Inkas noch die Azteken verzichteten auf imperiale Politik, nur eben mit dem Steinmesser und der Steinaxt anstelle der Muskete und der Kanone.

        Der Skavenhandel der Araber war verheerender für Schwarzafrika als der der Europäer. Redet darüber jemand?
        Weiß das überhaupt jemand jenseits von ein paar spezialisierten Historikern?

        Es wird weithin vergessen, dass Europäer die schwarzen Sklaven von schwarzen Fürstentümern/Fürsten kauften, dass die Skavenjäger im Inneren Afrikas einheimische Krieger dieser Fürstentümer waren.

        Werden diese ja noch heute existierenden Völker (Ashanti z.B.) in Afrika moralisch erpresst, entschuldigen sich die Zulu für die Schreckensherrschaft eines Shaka Zul (der zwar mit dem Sklavnhandel nicht viel zu schaffen hatte, trotzdem ca. 2. Mio. Menschen zur Strecke brachte als Folge seiner Politik, seiner Massenmorde mit der Holzkeule).

        Natürlich nicht.

        Entschuldigen sich die Araber für den Großangriff auf den schristlichen Nahen Osten, das christliche Ägypten, das christliche Nordafrika, das christliche Spanien, das christliche Anatolien, der eit dem 7. Jhdt. lief über fast 4 Jahrhunderte hinweg bevor Europa zur Gegenoffensive in Form der Kreuzzüge antrat?

        Natürlich nicht.

        Das wird unter den Teppich gekehrt.

        Der weiße Mensch ist zum Universalsündenbock der Welt geworden und er hat sein Kreuz angenommen, so sehr, so gründlich, dass er sich am liebsten abschaffen will.

        Die Malaise des weißen, heterosexuellen Mannes ist da nur der Spezialfall einer umfassenderen Krankheit zum Tode der westlichen Zivilisation, ein Nicht-mehr-leben wollen, die Sehnsucht nach Erlösung im Aufgehen/Untergehen in Multikulti.

        Dass schwächer sein nicht heißt, moralisch besser sein, wie die Schwächeren gerne behaupten, um ihr Selbstbewusstsein zu schonen (auch das haben unsere berufsdiskriminierten Frauen mit all den anderen berufsdiskriminierten Minderheiten und Mehrheiten dieser Welt gemein, auch da ist der Fall der weißen Frau nur ein Sonderfall eines allgemeineren Phänomens), werden die Europäer spätestens dann erfahren, wenn sie aufgehört haben werden, die Stärkeren zu sein.

        Das wird innerhalb der nächsten 50 Jahre der Fall sein, wenn wir zum Punching Ball chinesischer, indischer Politik geworden sein werden, wenn die USA sich zurückgezogen haben werden, weil sie auf die Überdehnung und Unterfinanzierung ihres Imperiums reagieren müssen.
        Und das heißt: die Hadrianische Lösung – Konzentration auf die Kernprovinzen, Rückzug aus den Randprovinzen, Rückzug aus Europa, das sich heute noch hinter dem breiten Rücken der USA verstecken kann.

        Wie will sich denn ein vergreistes, dekadentes, selbstbehauptungsunwilliges und bald auch -unfähiges Europa da alleine selbst behaupten?

        Kann ich nicht erkennen.

        Hinzu kommt, dass Mulitkulti und Demographie die Weichen innerhalb Europas in Richtung Bürgerkrieg stellen, die brennenden Straßenzüge Londons sind da nur ein Vorgeschmack.

        Ich sehe die Lage als so verfahren an, dass, insofern hast Du Recht, mich auch das wieder ganz gelassen macht.

        Wenn man weiß, dass man auf der Titanic hockt, wenn man weiß, dass die den Eisberg spätestens 1914 gerammt hat und seitdem gemächlich absäuft, mit einigen dramatischen Zwischenhochs und -tiefs, das ist wahr, dann kann man auch noch die letzten Herbsttage genießen, solange die Lichter noch brennen, die Kapelle drunten im Saal noch spielt.

        Es ist ja ein schöner Kontinent, der da zugrunde geht, mit der vielleicht schönsten kulturellen Blüte, die die Menschheit bis dato gesehen hat.

        Was gibt es nicht alles zu sehen an erstklassiger Architektur aus fast 3000 Jahren, in einer Vielfalt und mit einem Rang, wie nirgendwo sonst auf der Welt, nicht mal in China und Japan.

        Und dazu die Musik dieses Kontinents.

        Und damit meine ich nicht Lady Gaga.

        Es ist Wehmut mit Gelassenheit gepaart.

        Fühle mich sehr verwandt jenen Römern, die, vielleicht von ihren Villen im noch sicheren Nordafrika aus, fassungslos zusahen, wie das unverwüstlich gelgaubte Imperium nördlich des Mittelmeeres in wenigen Jahrzehnten auseinanderfiel, überrannt von Barbaren, unseren Vorfahren.

        Bis der nie für möglich gehaltene Zusammenbruch auch ihre Haustür erreichte.

        Ja, so fühle ich mich.

        Die Einschläge kommen näher und man müsste so viel, so Grundlegendes ändern, dass ich nicht sehe, wie das gemacht werden soll ohne die Erfahrung eines großen Zusammenbruches.

        Ist der aber da, ist es für Antibiotika und ein bißchen medikamentlöse Therapie zu spät.

        Dann wird amputiert, gemetzgert, dass es nur so spritzt.

        Da will ich nicht dabei sein.

        Daraus wird dann wieder irgendwann eine neue, halbwegs lebenserte, halbwegs liebenswerte Ordnung herauswachsen.

        Das kann Jahrhunderte dauern.

        Aber die Menschheit hat alle Zeit der Welt.

        Wir Europäer haben die nicht.
        Dafür sorgen unsere Demographie, unsere Verschuldung, unsere tief unernste Dekadenz, unser Tanz auf dünnem Eis.

        Wir gehen stürmischen Zeiten entgegen und die Hütte, in der wir hocken, gleicht mehr und mehr einer Bruchbude mit leergefressenen Speicher und Bewohnern, die zu alt, zu müde, zu schwach sind, noch großartig zu renovieren.

        Die Unwetter werden sie wegblasen, deren Wetterleuchten wir doch bereits sehen können.

      • @Roslin:

        Was ein Epos des sterbenden Schwans.

        Die Europäer trifft nur die zerstörende Gewalt, mit denen sie andere Kulturen zerstört haben.

        Steht sogar in der Bibel im Johannes Evangelium: Alles, was ihr sät, werdet ihr ernten. Demnach wird wohl so gut wie nichts übrigbleiben.

        Und das ist gut so.

      • @ Roslin

        Du düster-schöner Poet! Ich möchte uns trösten: Auch Kulturen werden altersschwach.

        *Das Erschreckende ist ja, dass viele dieses Überleben der westlichen Zivilisaton gar nicht wollen, sondern in Teilen der intellektuellen Eliten, vor allem der linken/linksliberalen, ein zerstörerischer Selbsthass herrscht.*

        Was erschreckt Dich dabei? Auch alte, sterbende Menschen wollen sich entschuldigen; manchmal hält sie der Anstand davon ab…
        Wenn dem so wäre, dass Linksliberale allein für die Suizidalität des Westens stünden, warum das Erschrecken? Haben die Nicht-Linksliberalen nichts relevantes zu sagen?

        *Die von Weißen geschaffene Kultur ist kein Grund des Stolzes, sondern der Scham, des Schuldgefühles („Wir haben die ganze Welt unterjocht, wir sind nur deshalb so reich, weil wir die ganze Welt ausbeuten, die anderen sind arm, weil wir so reich sind usw.“).*

        Ja, aber das geht doch jedem Menschen ähnlich, der sein Leben lang mit seiner Schlauheit und seinen Privilegien auf Kosten der anderen reich wurde.

        Das Gefühl des Stolzes ist schon konsumiert worden! Von unseren Vorfahren. Dass WIR es nicht mehr fühlen, ist wohl klar. Wir sind Erben und nicht Kreatoren.

        *…leisten Wiedergutmachung, Reaparationen noch und nöcher und vergessen dabei, stolz zu sein auf ihre Zivilisation, die ja nicht verbrecherischer war als andere, …*

        Da bin ich ganz bei Dir: Wenn man eingesehen hat, dass man stärker war, weil man schlauer war, nicht moralisch besser, sollte man sich nicht entschuldigen. Das wäre arrogant!

        Ich hab leicht reden, ich bin kein Deutscher…

      • Die von Weißen geschaffene Kultur ist kein Grund des Stolzes, sondern der Scham, des Schuldgefühles

        @ Meister Roslin alias Hiob

        Die Selbstbezichtigung und der Selbsthass ist ein Meister aus Deutschland. Das Phänomen des Hasses auf die eigene Kultur, oft einhergehend mit einer Idealisierung fremder, als exotisch empfundener Kulturen aber ist zu einem Charakteristikum des gesamten Westens geworden.

        Interessant ist es, welche Position der politische Feminismus in diesem Diskurs einnimmt. Er interpretiert die Dominanz der westlichen Kulturen, der damit einhergehende Imperialismus und Militarismus und seine Verbrechen als männliches heterosexuelles Phänomen, womit insbesondere die Frauen von jeder „Erbschuld“ freigesprochen werden. Das Böse wird abgespaltet und auf das Andere projeziert. Eine überaus bequeme Haltung, um sich von jeder Verantwortung freizusprechen.

        Der hier manchmal als Pudel bezeichnete Mann, der Männlichkeit grundsätzlich negativ konnotiert und sich abzugrenzen versucht („neuer Mann“) ist ein von Schuldkomplexen geplagtes Wesen, welches überkompensiert und feministischer als feministisch zu sein versucht.
        Ich kenne Schweizer mit Migrationshintergrund, die eine ausgeprägt repressive Ausländerpolitik befürworten. Das Phänomen der Überkompensation ist mir bekannt. Es ist die Verleugnung der eigenen Identität.

        Deine Analyse allerdings halte ich nicht für richtig. Die zukünftige Welt wird eine vernetzte sein. Wir stehen erst am Anfang eines Prozesses, der meist unter dem Begriff Globalisierung subsummiert wird. Wir stehen erst am Anfang einer technischen Revolution durch die Mikroelektronik sowie die Genetik. Staatsgrenzen und Kulturräume verlieren an Bedeutung, die Unterschiede werden sich einebnen, der Big Mac in Tokyo ist der gleiche wie der in Wolfenbüttel, das iPhone ebenso. Nicht Regierungen werden die Geschicke der Völker bestimmen, sondern multinationale Konzerne, die keine Heimat mehr kennen, sondern nur Standorte. Kriege werden vielmehr den Charakter von Bürgerkriegen haben als Konflikte zwischen Staaten und deren regulären Armeen. Die Demarkationslinien werden keine geografischen sein, keine kulturellen, keine ethnischen, sondern sich auf Verteilkämpfe zwischen arm und reich beschränken, in der Tendenz wenigstens.

        Die Identifikation mit einem Volk, einer Heimat, einer Ethnie, einer Sprachgemeinschaft, einer Religion wird sich verflüchtigen. An seine Stelle tritt die Identifikation mit der sozialen Klasse, der man angehört.

      • @ Lucia

        *Was ein Epos des sterbenden Schwans.

        Die Europäer trifft nur die zerstörende Gewalt, mit denen sie andere Kulturen zerstört haben.

        Steht sogar in der Bibel im Johannes Evangelium: Alles, was ihr sät, werdet ihr ernten. Demnach wird wohl so gut wie nichts übrigbleiben.

        Und das ist gut so.*

        Lucia, wenn es Dich nicht gäbe, ich müsste Dich erfinden, so prototypisch verkörperst Du die postmoderne Dekadenz der westlichen Zivilisation in kariakturhafter Überzeichnung.

        Du bist kein Einzelfall, Du bist nur die Spitze des Eisberges, das ganze, große luxurierende Ressentiment zum Ausdruck bringend, das postmodernes Denken heißt, diese letzte Verfallsstufe der Linken.

      • @ Peter

        *Die Identifikation mit einem Volk, einer Heimat, einer Ethnie, einer Sprachgemeinschaft, einer Religion wird sich verflüchtigen. An seine Stelle tritt die Identifikation mit der sozialen Klasse, der man angehört.*

        Daran zweifle ich.
        Der Mensch ist instinktiv tribalistisch, inwieweit der Stamm, zu dem er zugehören möchte, eine biologisch geformte Entität (genetische Ähnlichkeit) ist, inwieweit er eine kulturell geformte ist, weiß ich nicht. Beides spielt meiner Ansicht nach eine Rolle, in welcher Gewichtung, weiß ich nicht, mag von Stamm zu Stamm auch verschieden sein (Fußballfan, Parteianhänger, Familie, Clan, Stamm, Volk, Staatsvolk)

        @ Messi

        Nein, der Mensch ist nicht von Grund auf böse.
        Es genügt, dass er nicht von grundauf gut ist, sondern IMMER egoistisch (auch ein Franziskus, wenn auch nur in minimalster Weise).

        Die meisten Menschen verkörpern Graustufen, von einem sehr hellen Grau (die Uneigennützigeren) bis hin zu einem sehr dunklen Grau (die radikalen Selbstverwirklicher ohne Rücksicht auf Verluste).

        Dann mag ein Franziskus, ein Gandhi fast weiß sein, ein Stalin, ein Hitler fast schwarz und wir „normalen“ Menschen ordnen uns mit unseren Grautönen zwischen den Extremen ein.

      • @ Peter

        *Interessant ist es, welche Position der politische Feminismus in diesem Diskurs einnimmt. Er interpretiert die Dominanz der westlichen Kulturen, der damit einhergehende Imperialismus und Militarismus und seine Verbrechen als männliches heterosexuelles Phänomen, womit insbesondere die Frauen von jeder „Erbschuld“ freigesprochen werden. Das Böse wird abgespaltet und auf das Andere projeziert. Eine überaus bequeme Haltung, um sich von jeder Verantwortung freizusprechen.*

        Genau das ist ja seine Funktion im weiblichen Psychohaushalt.

        Frauen können heute aus ihrer Fähigkeit, Kinder zu gebären und zu nähren, kein Selbstbewußtsein mehr generieren.
        Darauf aber ist der Mensch lebensnotwendig angewiesen.

        Sie stehen vor dem Phänomen, dass der Beitrag von Frauen am offfensichtlichen Zivilisationsprozess deutlich geringer ist als der von Männern.(die überwiegende Zahl kultureller Höchsteister – meistens Männer).

        Wie erklärt man das?

        2 Möglichkeiten:

        Entweder Männer haben hier auf diesem Gebiet natürliche Vorteile, sind im Schnitt dazu begabter – ganz schlecht für’s ohnehin prekäre weibliche Selbstwertgefühl, s.o.

        Zweite Möglichkeit: ICH WURDE UNTERDRÜCKT!

        Dazu muss ich nur annehmen, dass Männer inhärent böse sind, zum Unterdrücken von Frauen neigen.

        Diese Erklärung des Phänomens ist natürlich die bei weitem angenehmere für’s weibliche Selbstwertgefühl.

        Zum einen: ICH BIN NICHT SCHULD, DA OPFER! Verantwortlich ist frau dann nur für’s Gute, Wahre, Schöne, für die himmliischen Anteile hinnieden, für die Produktion der Hölle sind allein Männer zuständig.

        Zum anderen: Ich kann die abwerten, die im Alltag schon in der Regel rein physisch größer, stärker, schneller sind als ich es bin, von denen ich weiß, dass sie mich im Ernstfall in der Regel jederzeit an die Wand klatschen können, wenn die Auseinandersetzung existentiell-physisch wird, von denen ich weiß, dass ich immer einen von diesen Kerlen brauche, um mich vor bösen Buben des gleichen Geschlechtes zu schützen.

        Trotzdem bin ich dazu verdammt, mit den so „Gefürchteten“ engstens zusammenzuleben, bin dazu verdammt, sie zu lieben, wenn mir ein Sohn geboren wird, der mir rasch über den Kopf wächst (den ich darum so formen will, dass ich ihn kontrollieren kann), sie zu begehren als Heterosexuelle, weil ich mich mit ihnen paaren will/muss.

        Ganz komplizierte Gemengelage mit jeder Menge Ambivalenzen.

        Da bietet der Feminismus einfachste Antworten und ist ganz klar empauernd, eine Ideologie des Neides, der üblen Nachrede, der Abwertung des überwertig Bewunderten (es sind ja oft Frauen, die Männer größer haben wollen als sie je sein können – „Mach mir die Welt schön, ich mach mir die Haare schön“).

      • Warum sollte man „hoffen, dass es ein Mädchen und kein Junge wird“? Das IST Propaganda der Mehrwertigkeit weiblichen Lebens, wie sie dem Zeitgeist entspricht.

        Eine solche Werbung mit gegenteiligem Ausgang wäre rechtlich so nicht mehr durchsetzbar. Direktive aus der EUDSSR.

      • Zitiere:
        die „wichtigsten Lebensphasen einer Frau. Von den eigenen ersten Schritten bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie selbst Mutter wird.#

        Ja klar, selbst Mutter zu werden ist das Wichtigste für eine Frau.

        Träum weiter Alpenjodler.

        LOL

      • @ Syuygy
        Geschmacklos – wo wird diese Werbung geschaltet, im Euroraum? Allerdings gebe ich zu bedenken, dass das

        „Viel zu schade zum Einkaufen, Waschen, Putzen und Wickeln“

        auch als Reaktion auf die gendergerechte Werbung im Euroraum, wo vermehrt nur! mehr Männer beim Kochen, mit dem Kinderwagen usw. gezeigt werden dürfen, gesehen werden kann. Sozusagen ein Aktivieren der alten Rollenbilder, welches nicht auf Kosten der Frau erfolgen muss, sondern erst durch ein einseitiges Bild in der Werbung der letzten Jahre als Gegenfaktor zustande kommt.

        Des Weiteren gebe ich zu bedenken, dass dies in keiner Relation zu den Werbungen steht, die zumeist kurz vor dem Hauptabendprogramm geschalten werden und den Mann als Idiot darstellen. Eine solche Werbung im TV kann ich mir schwerlich vorstellen.

      • @ Syzygy

        Mein Gott, erschreckend! … nein, im Ernst: das ist die „frauenfeindlichste“ Werbung, die dir aufgefallen ist? Da wird ja nicht mal eine Frau verprügelt oder ihr der Tod gewünscht, wie es ja bei umgekehrter Rollenverteilung offenbar sehr lustig ist:

      • @ Terminatus

        „Geschmacklos – wo wird diese Werbung geschaltet, im Euroraum? “

        Finde ich etwas albern. Das Frauenfeindlichste an IWC-Uhren ist, dass sie extrem groß sind, worauf auch viele ihrer Werbungen anspielen. Ich finde auch die „männerfeindlichen“ Werbungen auf einem so niedrigschwelligen Level harmlos (Lätta: wer ist Paul, Clooney in Nespresso-Werbungen) harmlos. Anders sieht es mit zynischen Werbungen aus, aus denen ein Vernichtungswunsch erkennbar ist (wenn bei IKEA der Mann aus dem fahrenden Auto geworfen wird, bei Zewa Wisch und Weg der Mann weggewischt wird). Auch die Emma hat ja alte antisemitische Witze wieder recycelt und „Jude“ durch „Mann“ ersetzt (Was ist ein gelöstes Problem? Ein Mann in Salzsäure etc.).

      • @ Syzygy

        „Oder kinderfeindlich“ – auch wieder ein Junge, gibt es den auch mit Mädchen?

        Der Peta-Spot ist natürlich interessant, aber ist das nicht eine Metapher auf die Pelztiertötung mit Keulen? Es gibt auch andere Spots, die in die Richtung gehen – auch interessant, dass der Spot sofort in den Medien als frauenfeindlich angeprangert wird – bei Zewa, Ikea und Otto war das nicht der Fall.

        Der Kettensägespot nimmt einen Horrorfilm-Topos auf, außerdem kommt der Kettensägenmann nicht so gut weg, die Säge springt nicht auf, das „Opfer“ flieht darauf nicht, sondern schaut spöttisch-genervt und kontrolliert seine Fingernägel.
        Stell dir eine Kettensägewerbung vor, in der ein Mann im Baumarkt von seiner idiotisch-kindischen Frau genervt wird und dann grinsend eine Kettensäge in den Einkaufswagen packt – das wäre wirklich frauenfeindlich, obwohl weniger explizit.

      • @Syzygy: Naja, der Kerl der die Frau niederstreckt ist wohl ganz klar der (das) Böse.

        Die Werbung wäre imho eher „Robbenjägerfeindlich“ : Sie werden auf eine Stufe mit brutalen Gewaltverbrechern gestellt.

        (Die müssen auch irgendwovon leben, und können am wenigsten dafür dass sich feine Damen so oft gerne mit Pelzen schmücken)

      • @Nick
        Ach ne, das ist Porno-PETA, die „Tierschützerorganisation“ welche, um Geld zu lukrieren, jetzt angeblich in die Pornoindustrie einsteigen will.

        http://www.focus.de/digital/internet/tierschutz-mit-sexappeal-peta-beantragt-porno-domain_aid_667489.html

        Interessant! Ob ihnen da nicht die großteils weibliche Klientel abspringen wird – ach ne, ist doch für eine gute Sache 😉

        Vielleicht sehen wir dann „deutsche Promis“ in Pornos „für den Tierschutz“ 😉 Na Frau Schwarzer, wie wärs?

        Der Kapitalismus macht also letztlich auch nicht vor „Tierschutzorganisationen“ halt. Nun ja, Villen müssen finanziert werden.

        Ich halte diesen Spot für männer- und nicht frauenfeindlich, da hier, ganz stereotyp ein Mann als Täter gezeigt wurde.

      • Wenn man feministische Maßstäbe für sexistische Werbung anlegen würde, dann wäre ja schon der freundliche Handwerker, der einer Dame einen Dienst erweist zu mißbilligen.

        Objektifizierung und so..

        Ich möchte mal die Welle der Empörung über eine Werbung sehen, in der ein Mann sein nörgeldends und unattraktiv gewordenes Weib entsorgt, indem er es aus dem Auto wirft.

        Naja, wenn kein Unterschied zwischen einer Aufreizend dargestellten Frau und einem wegeworfenen Mann gesehen wird, dann ist wohl jedes Maß hoffnungslos verloren.

  3. @ Lucia

    *Das, was uns Frauen verbindet, ist nach wie vor die noch nicht erreichte Gleichberechtigung. Sowie die Tatsache, dass uns auch nach wie vor, die Selbstbestimmung über unseren Uterus verwehrt wird.*

    Die Gleichberechtigung für Frauen ist schon längst erreicht, mit der Gleichverpflichtung hapert es.
    Und was den Uterus betrifft (spricht Du eigentlich von Deinem eigenen, oder einem abstrakt, ideellen?), erklär mir doch bitte, durch wen und inwiefern Euch die Selbstbestimmung über Euren Uterus, bzw. Eure Uteri verwehrt wird.
    Du sprichst von Gleichberechtigung, meinst aber Gleichstellung. Ist Dir der GROSSE UNTERSCHIED bewusst? Gleichberechtigung kann man beschliessen und vollständig installieren, Gleichstellung hingegen ist ein Ideal. Egal ob es einem lieb ist oder nicht, ein Ideal kann man nicht installieren, man kann nur hinstreben, es nie erreichen. Und das ist sehr reizvoll: auch wenn man völlig scheitert, kann man immer noch behaupten, auf dem richtigen Weg zu sein. DAS ist der UNTERSCHIED zwischen Ziel und Ideal.

    Und das Nichterkennen dieses Unterschiedes enttäuscht mich schmerzlich an der Linken (nicht die LINKEN), die eigentlich meine politische Heimat wäre. Solange die linken Parteien Gleichstellung als Ziel propagieren, das sie mit Gesetzen, Verordnungen und Geldern installieren wollen, solange kann ich sie nicht mehr wählen. Sie sind mir schlichtweg zu dumm für meine Stimme.

    Aber die Bürgerlichen sind ja nicht besser: In der Schweiz wird das Parlament neu gewählt. Aus fast allen Parteien haben sich Frauen vereinigt, um zu pamphletieren, dass wir Frauen wählen sollen. „Multitasking…Empathie…Ergebnisorientiertheit“, alles rein weibliche Eigenschaften. Da ich keine einzige Möchte-gern-Parlamentarierin gehört habe, die sich gegen diesen sexistischen Chauvinismus gestellt hätte, habe ich alle Frauen auf der von mir bevorzugten Wahlliste gestrichen und durch Männer ersetzt. Der Weisheit letzter Schluss ist das kaum, da ich wohl damit auch den einen oder andern „Pudel“ stärke, ich kenne ja die wenigsten Kandidaten. Aber es hat mir gut getan, mir kleinem Wutbürger….

    • @ messi
      Mir stinkt zudem die zentralistisch, kommunistische Umsetzung im Geheimen, ohne das der Bürger auch nur im Geringsten darüber informiert wird. Verbote Frauen in „klassischen Rollen“ zu zeigen usw.

      Das hat mit links-liberal, das hat mit Demokratie nichts zu tun, genau das ist ein faschistisches Element, welches einer demokratisch, freiheitlichen Gesinnung zuwider sein muss.

      • Genau! Und ich wäre vermutlich noch erbitterter, wenn ich nicht die Mitspracherechte eines Schweizers hätte, die Rechte des Bürgers eines (halb-)direkt-demokratischen Staates, im Gegensatz zu einem Bürger in einer nur parlamentarischen Demokratie. Der kann ja oft nur zwischen Pest und Cholera wählen.
        Und ja: gesellschaftsliberal sollte die Linke meiner Wahl sein, sonst ist sie dogmatisch (…. und passt sich dem Feminismus an).
        Die Frage nach dem Mass des wirtschaftsliberalen Elements ist meines Erachtens eine pragmatische, keine fundamentale.

  4. „Ein sich wiederholendes Thema in den Kommentaren ist die Ansicht, dass die Welt oder zumindest Deutschland / Westeuropa fest in feministischer Hand ist und man nur noch auswandern kann. Mir kommt das eher nicht so vor.“

    Wenn die Welt in der Hand der „bösen“ Feministin wäre, wären wir von allen Maskulinsten befreit. Es ist aber nicht der Fall!

    „Viele Frauen sehen sich selbst als emanzipiert..“

    Wenn es wirklich so wäre und auch Männer die Befreiungs-Schritte machen möchten, wären wir als Spezies „Mensch“ vorwärts gekommen.

    Wenn die „Gleichstellungsbeauftragten“ lediglich Diener des gegenwärtigen Systems sein sollen, dann wünsche ich euch „viel Spaß“. Wer mehr Sex und wer mehr Gefühl will, ob Frauen oder Männer, kann ich hier nicht sagen.

    „Allerdings wird auch hier gerne jeweils das vertreten, was günstiger ist.“

    Und das wundert Dich?

    • @ Starosczyk
      Ach Staro, die Welt ist nicht in der Hand der Feministinnen und ihrer Helfeshelfer. Bei uns sind sicher weit über 90% der Bevölkerung weit entfernt von der Ideologie des Gender Mainstreaming, in Asien, Afrika und Südamerika noch weit mehr. Es genügt doch schon, dass der Feminismus die Politik erobert hat und an den Schalthebeln der Macht und der öffentlichen Meinung sitzt – 80% der Journalisten sehen sich als „links“ und berichten dementsprechend. Mehr brauchst du nicht um eine Gesellschaft zu kontrollieren. „Media Control“ wie das Chomsky nannte.

      • Sozialismus funktioniert – nach meiner Erfahrung – genau wie Kapitalismus, der gegenwärtig wieder so beklagt wird, nach den patriarchalischen Prinzipien, d. h. die Abwertung des weiblichen Wesens ist beiden Systemen inharänt; auch, wenn da vielleicht Kanzlerinnen auftreten oder so.

      • Alexander

        „@ Starosczyk
        Worin besteht diese Abwertung des weiblichen Wesens, die Du wahrnimmst, konkret?“

        Beispiel:

        „Ein sich wiederholendes Thema in den Kommentaren ist die Ansicht, dass die Welt oder zumindest Deutschland / Westeuropa fest in feministischer Hand ist und man nur noch auswandern kann. Mir kommt das eher nicht so vor.“

        Und dabei wird nicht berücksichtigt, dass die Welt seit Tausenden von Jahren quasi an der männlich-göttlichen Hand geführt wird. Gottes-Bilder – auch, wenn sie abgelehnt und nicht ernst genommen werden, haben Wirkungen: 1.Mose 3,16: „Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber [a]er soll dein Herr sein.“

        Ch. Mulack sagt in diesem Zusammenhang: „Während die ursprüngliche allumfassende und real erfahrbare weibliche Kraft selbstverständlich das Männliche als ihre Schöpfung mit einschloss und so beide Geschlechter im Namen des Mütterlichen auf realistische Weise miteinander verband, wurde es im monotheistischen Glauben zunehmend ausgegrenzt und diffamiert.“

        Mögen Menschen, die hier rein lesen, keine Gläubige sein, dennoch: „Dennoch aber ist diese Erinnerung tief verankert im kollektiven Unbewussten der Menschheit. Sie beinhaltet eine Art des Urvertrauens, das sich aus dem frühkindlichen Erleben mütterlicher Kräfte ebenso speist wie aus jenen späteren Erfahrungen mit der Mutter Erde. Gemeinsam wirken sie in der Erinnerung der Menschheit nach und sind tief im kollektiven Unbewussten verankert. Dort vermögen sie die unterschiedlichsten Kräfte in Gang zu setzen.“

    • Wenn die Welt in der Hand der „bösen“ Feministin wäre, wären wir von allen Maskulinsten befreit. Es ist aber nicht der Fall!

      @ Staro

      Was schwebt Dir denn als Endlösung so vor, um die Welt von den Maskulisten zu befreien?

      Du hast aber soweit recht: die Welt ist nicht fest in feministischer Hand. Es genügt festzustellen: Gender Mainstreaming ist nicht demokratisch legitimiert.

      • Peter

        Wenn die Welt in der Hand der „bösen“ Feministin wäre, wären wir von allen Maskulinsten befreit. Es ist aber nicht der Fall!
        @ Staro
        Was schwebt Dir denn als Endlösung so vor, um die Welt von den Maskulisten zu befreien?
        Du hast aber soweit recht: die Welt ist nicht fest in feministischer Hand. Es genügt festzustellen: Gender Mainstreaming ist nicht demokratisch legitimiert.

        Was mir so vorschwebt? Bis auf ein paar hässlichen Einfälle nicht viel. Ich würde ihnen allerdings den Spiegel vor die Augen führen können.

    • Bist du hier der neue Genderisten-Hofnarr? Ich war in letzter Zeit studiumsbedingt nicht aktiv, so dass ich nicht mehr auf der Höhe bin, was das illustere Publikum dieses Blogs betrifft.

  5. Hier wird der erhebliche Einfluss des Staatsfeminismus und feministisch geprägter NGOs auf die Medien, auf die Gesetzgebung und auf die Privatwirtschaft schlichtweg verharmlost. Mag sein, dass die ordinäre Frau auf der Strasse sich nicht wie eine ideologisch pure Feministin versteht – doch was kümmert das entrechtete Männer oder Väter, die aufgrund eines feministisch inspirierten Jugendamtes ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen und wegen einem feministisch vereinnahmten Scheidungsgerichts zum Unterhaltssklaven degradiert wurden?

    Der Feminismus hat den Support der gewöhnlichen Frau gar nicht mehr nötig, denn er hat sich schon längstens in den Staaten institutionalisiert und kann somit unabhängig vom Stimmbürger durch Medien, Universitäten, NGOs, Gleichstellungsbüros und vereinnahmte Politiker Druck auf Organe und Mitglieder der Gesellschaft ausüben.

    Siehe dazu aktuell die DAX-Unternehmen, welche durch die Forderung einer der wahren Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter verletzenden gesetzlichen Frauenquote dazu erpresst werden, nun bewusst künftige Führungskräfte nicht primär nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht auszuwählen – das ist schlichtweg durch den Feminismus herbeigezwungener, männerfeindlicher Sexismus der staatlich verordneten Art.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/weibliche-fuehrungskraefte-friedensangebot-gegen-frauenquote-11493516.html

    Abgesehen von Fällen wie jener der Monika Ebeling, gibt es kaum weitere Beispiele, welche so deutlich die Vormachtstellung der feministischen Ideologie in den verschiedenen Regierungen und regierungsnahen Institutionen belegen.

    • @ Manifold
      Genauso sehe ich das auch! Wer braucht die Bevölkerung, wenn er Kontrolle über die Legislative und Judikative hat bzw. die öffentliche Meinung bestimmt.

      Wie bei den „Hexenverbrennungen“, jede plappert es nach und keine weiß, dass es nicht 9 Millionen „Hexen und! Ketzer“ über die Jahrhunderte waren, die ums Leben kamen sondern zwischen 30 und 60.000 auf mehrere Jahrhunderte verteilt, über den ganzen Kontinent und teilweise Nordamerika.

    • @ manifold

      Da Du Dich hier grad meldest: Ich lese zwischendurch an Deinen „Moralischen Grundlagen des Maskulismus“ Darin postulierst Du, dass justiziable Rechte durch ebensolche Pflichten erworben werden müssten.

      *Zu diesen Prinzipien gehören die Untrennbarkeit eines Rechts mit einer Pflicht, …*

      Gleichzeitig bist Du gegen das Recht einer Frau, bei ungewollter Schwangerschaft abzutreiben. Und wie begründest Du das? Mit DEM Recht auf Leben, einem Leben, das naturgemäss noch nie eine Pflicht erfüllt hat?

      *Konkret wäre eine angemessene Pflicht für dieses Recht wohl entweder die nahezu vollständige Selbstfinanzierung der Pension oder die Zeugung mindestens zweier Kinder um die demographische Belastung der Überalterung der Gesellschaft abzufedern.*

      Wie Du mit mir einig gehen wirst, gibt es Menschen, denen man herzlicher eine Abstinenz von der Elternschaft empfehlen möchte, ohne sie von der Altersversorgung, die sie für unsere Eltern mitbezahlen, auszuschliessen.

      Dir geht’s doch weder um Männer-, noch um Menschenrechte. Du möchtest reich, mächtig und frauenbesitzend werden. Du möchtest ein Alpha werden. alles andere ist zweitrangig für Dich.

      • Du hast wohl meinen Blogeintrag noch nicht fertig gelesen, denn ich erwähnte neben den meritokratischen Rechten auch die sogenannten moralischen Rechte, welche alleine durch das am Leben sein eines Menschen bereits erworben wurden (sprich: deren vorausgesetzte Pflicht bereits durch das am Leben sein erfüllt wurde). Dazu gehören unter anderem Menschenrechte, das Recht auf Leben oder auch das Recht auf einen fairen Prozess – diese moralischen Rechte besitzt ein Mensch somit ab der Zeugung bis zum Tod.

        Unser Rentensystem ist nunmal nicht nachhaltig, was dir jeder Experte bestätigen wird, so dass steigende Kosten auf jeden zukommen. Nachhaltigkeit des Rentensystems erreicht man entweder, indem man vollständige Selbstfinanzierung des Lebensabends verlangt oder auf eine nachhaltige Demographie hinwirkt – da ist also auch etwas für elternuntaugliche Personen dabei.

        Deine ad hominem-Bemerkungen ignoriere ich jetzt einfach mal.

      • @ Manifold
        *… neben den meritokratischen Rechten auch die sogenannten moralischen Rechte, welche alleine durch das am Leben sein eines Menschen bereits erworben wurden…*

        Ja.

        *Deine ad hominem-Bemerkungen ignoriere ich jetzt einfach mal.*

        Ecce homo

    • Manifold

      „Mag sein, dass die ordinäre Frau auf der Strasse sich nicht wie eine ideologisch pure Feministin versteht – doch was kümmert das entrechtete Männer oder Väter, die aufgrund eines feministisch inspirierten Jugendamtes ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen und wegen einem feministisch vereinnahmten Scheidungsgerichts zum Unterhaltssklaven degradiert wurden?“

      Haben die arm-seligen Väter ( im Patriarchat von Gott eingesetzt) mit dem Verlust des Kontaktes zu eigenem Kind nichts am Hut?

      „Siehe dazu aktuell die DAX-Unternehmen, welche durch die Forderung einer der wahren Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter verletzenden gesetzlichen Frauenquote dazu erpresst werden, nun bewusst künftige Führungskräfte nicht primär nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht auszuwählen – das ist schlichtweg durch den Feminismus herbeigezwungener, männerfeindlicher Sexismus der staatlich verordneten Art.“

      Vielleicht braucht das kapitalistische Mark (ausgerechnet auf der Führer-Etage) einfach auch Frauen, um funktionieren zu können –

  6. Irgendwie ist das schon bizarr, in Europa und Nordamerika führen die Feministinnen das große Wort und in Asien, Afrika und Südamerika, wo die ngroße Mehrheit der Menschen lebt, snd ihre Ideen nichtexistent und völlig irrelevant. Eben ein Luxusphänomen der reichen Gesellschaften.

    @Lusia, fahr doch mal nach Afrika oder Südamerika, dann siehst du schon, dass die westliche Kultur das Paradies für Leute wie dich ist. Du würdest es dort keine drei Tage aushalten.

    • Habe ich ihr auch schon angeraten, doch zu einem dieser ominösen Matriarchate überzusiedeln – aber man verzichtet wohl nicht gerne auf den (von Männern erschaffenen) westlichen Lebensstandard. Und so wird die „Überzeugung“ wohl weiterhin ein Bündel leerer Worte bleiben.

      • Bizarr ist vor allem das Gezeter von weißen Feministinnen gegen die „weißen Männer“, als könnten sie ihre Hautfarbe verändern dadurch, dass sie sich auf die Seite der angeblich Unterdrückten stellen, z.B. hier:

      • Soviele Millionen sind dafür gestorben, dass du hier deine Meinung frei sagen darfst, sogar die Grundlage deiner Freiheit ablehnen darfst.

        Vielleicht wirst du dir später einmal deiner infantilen Undankbarkeit bewusst – bis dahin wirst du wohl weiterhin blind irgendwelchen Nichteuropäern im Busch hinterher rennen wollen.

    • @Macho:

      Och ich habe mich über ein Jahr lang in Afrika und Südamerika aufgehalten. Und habe Ethnien kennengelernt, deren zwischenmenschliche Lebensqualitäten dem westlichen „Paradies“ weit weit überlegen sind.

      Wer aber nur die westliche kapitalistische Brille so wie du aufhat, der siehst das natürlich nicht.

      • @ lucia

        Warum bist Du zurückgekommen? Und davor: warum hast Du von Afrika nach Amerika gewechselt? Willst Du die einheimischen Frauen dort schonen und die einheimischen Männer hier erziehen, Mädchen?

      • @ lucia

        Hab ich alter Sack schon ein paar Jahre gemacht. Ich bin immer wieder zurückgekommen, um meine Reisekasse zu füllen, um meine Leute zu geniessen. Ich war in Gegenden, wo die Kinder meine Haut anfassten, weil fremd für sie. Das gibt gute Geschichten.
        Nicht deswegen bin ich zurückgekommen, sondern weil ich ein Mann bin, und mein Geld selbst verdienen. Im Gegensatz zu Roslin wähne ich mich nicht auf einer Titanic, die ich altersgemäss nicht verlassen kann, sondern auf einer Insel, die noch eine Weile tragen wird.

        Also, Lucia, warum Du?

  7. Na klar, die Lebensqualität ist enorm in einer Wellblechhütte ohne Kanalisationsanschluss mit sechs Kindern ohne Ernährer.

    Aber da wo diese Leute leben bist du sicher nicht gewesen. Me muero de la risa. no te chingues, chica.

  8. Reise wie ich um die Welt, dann kannst du dir deine Fragen selbst beantworten.

    Ja, mit der goldenen Mastacard, von Pappi spendiert, lässt sichs gut leben, sei es in Südamerika, sei es in Afrika. Die Einheimischen, meist arm, taugen zumindest als bunte Fassade westlich-weiblicher Selbstverwirklichung. Ab und zu etwas Mitleid spendiert und wohlfeile Solidarität, bevor es in der Businessclass zum nächsten exotischen Reiseziel geht.

      • Nur keinen Neid auf was? Auf deine Privilegien? Ganz offensichtlich weisst Du ganz genau, dass Du privilegiert bist. Woher also nimmst Du das moralische Recht, zusaetzliche Privilegien zu fordern, indem Du behauptest, Du seist, weil weiblich, in dieser patriarchalen Gesellschaft diskriminiert?

        Du forderst fuer Dich weitere Privilegien, obwohl Du ganz genau weisst, dass Du einer privilegierten Klasse angehoerst. Das ist schaebig, Lucia. Auf was koennte ich denn neidisch sein wenn nicht auf Deine Privilegien?

  9. @Lucia

    „Die Europäer trifft nur die zerstörende Gewalt, mit denen sie andere Kulturen zerstört haben. Steht sogar in der Bibel im Johannes Evangelium: Alles, was ihr sät, werdet ihr ernten. Demnach wird wohl so gut wie nichts übrigbleiben. Und das ist gut so.“

    Als anarchistische Feministin müsste Dir doch eigentlich bewusst sein, dass nicht eine vermeintliche „Bösartigkeit“ der westlichen Welt für das Unrecht von Kolonialismus, Imperialismus und Ausbeutung anderer Länder und Kulturen verantwortlich ist, sondern schlichtweg der Umstand, dass sie Macht dazu hatten/haben.

    Wer die Macht hat, der wird sie missbrauchen!

    Noam Chomsky hat als schärfster Kritiker des US-Imperialismus z.B. immer wieder darauf hingewiesen, dass die USA nicht deshalb so handeln, wie sie es tun, weil sie „böse“ wären, sondern schlicht – weil sie die Macht dazu haben. Chomsky ist durchaus ein Anhänger der amerikanischen Kultur.

    Roslin hat völlig Recht damit, dass jede andere Kultur, hätte sie sich im Laufe der Geschichte zu ähnlicher Macht entwickelt, wie die westliche, sich aber auch nicht einen Deut besser verhalten hätte, als die westliche Kultur.

    Ein weiterer Faktor muss hier berücksichtigt werden: der Übergang vom Mythos zur Vernunft. Der wurde in der westlichen Kultur vollzogen und es handelt sich hierbei um die größte Errungenschaft des Westens.
    Kulturen, die auf dem Mythos beruhen, haben keinen Begriff von universellen Menschenrechten, individueller Freiheit und einem alle Menschen verbindenden Menschheitsbewusstsein. Ein solches kann erst entstehen, wenn die Rationalität den Mythos als zentrales Leitprinzip einer Kultur abgelöst hat.
    Janet Biehl, die von mir geschätzte Hauptvertreterin des zeitgenössischen Anarcha-Feminismus, hat u.A. deshalb den die Mythen prä-moderner Gesellschaften idealisierenden Matriarchatsfeminismus scharf kritisiert und auch dessen Technologiefeindlichkeit und Männerfeindlichkeit entschieden als anti-anarchistisch zurückgewiesen.

    Ganz entgegen allem Gerede eines „marxistisch inspirierten“ kulturellen Verfalls als Ursache für den Niedergang westlicher Gesellschaften wäre es auch einem Marx oder Engels nicht im Traum eingefallen die westliche Zivilisation zu verdammen oder ihren Untergang zu wünschen. Personalisierte oder gruppenspezifische Schuldzuweisungen für soziale Missstände waren ihnen völlig fremd. Sie analysierten soziologische Strukturen, nicht der Kapitalist war für sie böse, sondern die systemimmanenten Strukturen, die ihm seinen Platz innerhalb des sozialen Raums zuweisen. Die schuldzuweisenden Denkstrukturen, die Roslin für marxistisch zu halten scheint, sind durch und durch unmarxistisch, zumindest wenn man von den tatsächlichen theoretischen Grundlagen des Marxismus ausgeht.

    Die überwältigende Mehrheit aller bedeutenden marxistischen und anarchistischen Denker hat die westliche Zivilisation und ihre Errungenschaften bejaht. Ihre Kritik war eine kontextspezifische, keine allgemeine und es ist übrigens gerade eine Errungenschaft der westlichen Zivilisation, dass diese auch eine Tradition der Selbstkritik besitzt, die fast jeder anderen Kultur fehlt.

    Insbesondere aus dem Poststrukturalismus und aus dem Multikulturalismus heraus haben sich jene trivialen, auf gruppenspezifischer Schuldzuweisung beruhenden Ideologien entwickelt, die einer einseitigen Verdammung einer ganzen Kultur das Wort reden. Dahinter steht der Verlust ernsthafter soziologischer und psychologischer Analyse der komplexen Ursachen sozialer Probleme. Und dies geht z.T. wie selbstverständlich einher mit der Verwerfung jener Idee universeller Menschenrechte, die sich im Westen entwickelt hat und die für einen regressiven Kulturrelativismus geopfert wird, der z.T. Toleranz für jegliche menschenverachtenden Handlungsweisen (einschließlich Genitalverstümmelungen) fordert, aber Menschenrechte und Demokratie nicht mehr als bedeutsam erkennen kann.

    Das ist keinesfalls klassisch links, es ist einfach nur klassisch dumm!

    Ganz anders, liebe Lucia, in jener Politischen Philosophie, der Du Dich selbst zuordnest.
    Es gibt eine starke Wertschätzung der Errungenschaften westlicher Kultur in den Werken vieler Denker des libertären Sozialismus. Was ist mit Gustav Landauer und Rudolf Rocker, diesen beiden großen Anhängern vieler kultureller Werte der westlichen Zivilisation?

    Was ist mit Murray Bookchin und Paul Goodman, deren Denken stark geprägt ist, von der Wertschätzung für die kulturellen Errungenschaften des Westens?

    Andere Kulturen auch für ihre Errungenschaften zu achten, muss nicht bedeuten die Werte der eigenen Kultur nicht mehr zu sehen und zu schätzen
    Und die Fehler der eigenen Kultur zu kritisieren muss nicht bedeuten die Fehler anderer Kulturen zu übersehen.

    Der Westen hat als einzige Kultur eine Tradition der Selbstkritik entwickelt – diese gehört zu seinen Errungenschaften.

    In Formulierungen wie „Die Europäer trifft nur die zerstörende Gewalt, mit denen sie andere Kulturen zerstört haben.“ oder „Demnach wird wohl so gut wie nichts übrigbleiben. Und das ist gut so.“ wird diese Tradition der Selbstkritik in ein irrationales Extrem getrieben, dass danach strebt seine eigenen Grundlagen zu zerschmettern.

    So sieht also „anarchistischer“ Feminismus Deiner Ansicht nach aus.

    Nicht wirklich: Von Emma Goldman zu Janet Biehl, von Voltairine de Cleyre zu Wendy McElroy wirst Du in der anarchistisch-feministischen Tradition schwerlich irgendwelche Stützen für solche Ansichten finden – auch nicht für Männerfeindlichkeit übrigens!

    • @ Leszek

      Zum Anarchosozialismus/-feminismus kann ich nichts sagen, das war nie meine Welt. Als Katholik komme ich aus einer ganz anderen Tradition, das habe ich immer links liegen lassen.

      Der Neomarxismus der 68’er/Post-68’er-Kulturrevolutionäre ist es, der den klassischen Marxismus der ökonomischen Theorie abgelöst hat, der seine Aufgabe darin sieht, zunächst einmal die europäische Tradition, die kulturelle Tradition zu zerschlagen, die Marxisten als Hauptursache erkannten für das Ausbleiben der sozialistischen Weltrevolution 1914, als die Proletarier aller Länder sich eben nicht vereinigten, sndern als Patrioten, z.T. völkische Patrioten aufeinander schossen und für bourgeois-kapitalistsche Demokratien oder gar autoritäre Monarchien/Nationalstaaten kämpften. So rictheten diese modernen Marxisten und ihre Jünger im Westen (Frankfurter Schule – Adorno, vor allem Marcuse, Fromm – Hereinholen von Freud) ihr Hauptaugenmerk auf die Kritik, das Niederkritisieren der westlich-europäischen Zivilisation, die in ihren Augen verantwortlich war für die Katastrophe zweier Weltkrieg (war sie ja tatsächlich) und die Verhinderung der proletarischen Weltrevolution

      Weil sie die Proleten in einem falschen Bewusstsein gefängen hielt, dass diese verleitete, gegen ihre „objektiven“ Klasseninteressen zu handeln (Analoges findet sich im Feminismus: Frauen verblendet von der „patriarchalen“ Kultur, leben im falschen Bewusstsein etc. pp., müsen von der feministischen Avant Garde zur Erkenntnis ihrer wahren, „objektiven“ Interessen befreit werden).

      So soll der Baugrund freigeräumt werden – durch Zerschlagung/Zerstörung der Stützen dieser als Hindernis/Feind erkannten europäischen Tradition für die irgendwann dann doch noch zu ermöglichende große proletarische Revolution.

      Auch der heutige, dominierende Feminismus reitet auf diesem damals abgeschossenen Vektorpfeil, auch wenn er sich selbst gar nicht emhr als neomarixistisch versteht.

      Ich sehe auch Foucault/Butler als von diesem Neomarxismus herkommende Ketzer, als marxistische Renegaten an, die aber nach wie vor auf diesem geistigen Vektorpfeil ritten/reiten – Niederkritisieren/Zerstörung/Zerschlagung der kulturellen Bezüge/Verhaftungen des euorpäischen Menschen, Zerschlagung der patriarchalen Familie, der Religion (daher der spezifische Hass gegen Chrisentum/Katholische Kirche im Vergleich zum Nichthass gegenüber dem Islam, der als Hebel begrüßt wird, mit dessen Hilfe diee europäische Tradition weiter eingerissen werden kann, als Vertreter der von Europa unterdrückten Teile der Menschheit, daher auch Multikulti – Auflösung der ethnonationalistischen Staaten des Westens, Begründung von „Willensnationen“ usw. letzten Endes von suparnationalen Entitäten mit austauschbarer, beliebiger Bevölkerung.

      In diesem Herauslösenwollen, in dieser „Befreiungsabsicht“, treffen sich die neomarxistischen und die marktradikal-liberalen Kräfte der Gegenwart, machen die Einteilung in Links und Rechts so irreführend, vorgestrig und sinnentleert.

      *Ein weiterer Faktor muss hier berücksichtigt werden: der Übergang vom Mythos zur Vernunft. Der wurde in der westlichen Kultur vollzogen und es handelt sich hierbei um die größte Errungenschaft des Westens.
      Kulturen, die auf dem Mythos beruhen, haben keinen Begriff von universellen Menschenrechten, individueller Freiheit und einem alle Menschen verbindenden Menschheitsbewusstsein. Ein solches kann erst entstehen, wenn die Rationalität den Mythos als zentrales Leitprinzip einer Kultur abgelöst hat.*

      Genau das wird heute zu einem weiteren Sargnagel des Westens.

      Der Westen hat hier einseitig „abgerüstet“, bastelt an einer universalistischen Ordnung, die außer ihm aber niemand sonst vertritt, arbeitet mit Fleiß an seiner Abschaffung zugunsten universalistischer Prinzipien, die, wenn er sie als einziger einhält, um so wirksamer zu seinem Untergang führen.

      Mit dem Aufstieg von Mächten, die sich diesem Universalismus nicht verpflichtet fühlen (islamische Welt, vor allem aber China, dem ethnonationalistischen Staat der Han-Chinesen) ist die von universalistischen Prinzipien geleitete neue Weltordnung des Westens Toast.

      Wir glauben noch die Macht zu haben, sie mit missionarischem Eifer durchsetzen zu können, nicht erkennend, dass wir dazu längst zu schwach geworden sind.

      Gegen China/den Islam geht nicht mehr viel (muss sich nur das Schicksal der Klimapolitik ansehen), kann auch gar nicht anders sein, denn die Völker des Westens werden ökonomisch/demographisch im Weltgefüge immer unbedeutender, das wird bald richtig, richtig spürbar (um 1900 noch 25 % der Weltbevölkerung, heute noch ca. 10 % bald unterschreiten wir die 5 %, auch ökonomisch wird unser Anteil an der Weltwirtschaft, am Weltwohlstand immer geringer)
      Wir vertreten mit immer schwächer werdenden Kräften, mit schwindender kultureller Leuchtkraft des Westens – Folge unserer schwindenden ökonomisch-politischen Macht – immer weniger attraktiv werdend, universaltistische Werte, die gerade noch dazu herhalten können, uns abzuschaffen, weil niemand sonst sie wirklich vertritt.

      Wir vergeuden Kraft und Energie, von denen wir immer weniger haben, dazu eine Welt zu missionieren anstatt uns darauf zu konzentrieren, unser eigenes Überleben zu sichern, die Grundlagen unserer Existenz, unserer Kultur zu verteidigen und zu sichern.

      So kann Ute Scheub die bald bevorsehende Niederlage des westllichen, des weißen Mannes (Heldendämmerung) feiern, in ihrem grenzenlosen Hass auf die Kultur der toten weißen Männer nicht erkennend, dass mit deren Niederlage auch die Niederlage der westlichen Frau beschlossen ist.

      Weil ja in der geschlechterklassenkämpferischen (Fehl-)Analyse aus der Niederlage der Männer die Möglichkeit eines Sieges der Frauen herausgelesen werden kann, auch wenn daraus nur ein Sieg der islamischen/han-chinesischen Männer folgen wird.

      Wir führen Kriege zur Durchsetzung unserer universalistischen Prinzipien (angeblich), für die sich in den Staaten, die wir „befreien“, nur winzige Minderheiten überhaupt interessieren (Irak, Afghanistan, Libyien), Minderheiten, die von unserer Propagandamaschine gehypt werden (genau wie die „neuen“ Männer und Frauen) und können diese Kriege nicht einmal mehr gewinnen.

      Sie fressen unsere letzten finanziellen Ressourcen.

      Auch der arabische „Frühling“ wird bald in einem islamisch/islamistischen Wintersturm enden.
      Darauf wette ich.

      Der Westen hat in den letzten Jahrzehnten alle Stützkonstruktionen zur Organisation eines Solidaritätsraumes erfolgreich dekonstruiert – denn darin sehe ich die Funktion von Begriffen wie Nationalstaat (Volk als extendierte Familie, nicht einfach nur Bevölkerung, die beliebig austauschbar ist), Religion, Familie.

      Statt dessen verlassen wir uns auf universalistische Prinzipien, die aber ohne emotionale Verankerung, ohne instinktive „Tiefenverankerung“, nur als vernünftige Willensentscheidungen, ohne instinktiv – emotionale Absicherung, nur Flugsand sind, der nicht trägt.

      Die aufgegeben werden, sobald es krisenhaft wird.

      Dann werden unsere multiethnisch gewordenen, muttireligiösen Gesellschaften umso leichter genau an jenen Bruchkanten auseinanderfallen in Bürgerkriegesparteien, die um knapper werdende Ressourcen streiten.

      Zu den alten Klassengegensätzen, dem Gegensatz zwischen arm und reich, werden sich die neuen Gegensätze noch hinzugesellen, die zwischen verschiedenen Religionen und Ethnien.

      Und wenn es kracht, werden sich die Loyalitäten nach diesen Einheiten richten: Muslime zu Muslimen, Araber zu Arabern, Türken zu Türken, Christen/Ethnodeutsche, -franzosen, -briten, – griechen, -spanier usw. zu Christen/Ethnodeutschen, -briten, – franzosen usw.

      Das ist mein Alptraum von der multikulturellen/mulitiethnischen Zukunft des Westens: ein riesiger Libanon, in dem sich segregierte Gruppen in homogenen, ethno-kulturell homogenen Binnenkantonen sammeln und als Bürgerkriegsparteien um Macht /Einfluss und knapper werdende Ressourcen kämpfen.

      So sehe ich den bevorstehenden Untergang des Westens.

      • Der Westen hat in den letzten Jahrzehnten alle Stützkonstruktionen zur Organisation eines Solidaritätsraumes erfolgreich dekonstruiert – denn darin sehe ich die Funktion von Begriffen wie Nationalstaat (Volk als extendierte Familie, nicht einfach nur Bevölkerung, die beliebig austauschbar ist), Religion, Familie.

        Ein gewisser Böhmischer Gefreite – zu dem ich hiermit aber nicht die geringste Nähe unterstellen will – hat mal gedacht, dass Staaten die auf „Schwatzbuden“ beruhen es niemals hinkriegen würden, ihre Männer dazu zu bringen würde in Massen an Atlantikstränden ins Maschinengewehrfeuer zu rennen.

        Er sah, als sein Untergang nicht mehr zu leugnen war, die Zukunft unabwendbar in der globalen Machtübernahme der authoritären, und nach seiner Auffassung deshalb „fiitteren“ „Ostvölker“. Den weiteren Verlauf der Geschichte kennen wir.

        Genau der ökonomische Erfolg des Westens ist auf Dauer nicht zu haben ohne den Übergang vom Mythos zur Vernunft.

        Man kann man millionen von Fabriken kopieren und versuchen milliarden Ingenieure „systemkonform“ Ausbliden: Am Ende führt das zwangsläufig auch nur zum Übergang vom Mythos zur Vernunft, mit exakt den gleichen „Problemen“ wie wir sie haben.

    • @Leszek:

      Eine Errungenschaft der westlichen Zivilisation, dass diese auch eine Tradition der Selbstkritik besitzt, die fast jeder anderen Kultur fehlt.

      Selbstkritik hat rein gar nichts mit jeglicher Art von Kultur zu tun. Der Fähigkeit sich selbst zu erkennen ist sie unabdingbar immanent. Denn nur festzustellen – „ego cogito, ergo sum“ – reicht dafür nicht aus, nicht wahr?

      Jede Kultur muss sich an dem messen lassen, wie sie gelebt wird. Die Tradition der Selbstkritik hat weder das Christentum verhindert; noch die Diskriminierung der Frau,
      (u.a. auch durch angebliche philosophische Genies https://evoacht.wordpress.com/2011/08/22/evolutionstheorie-meets-philosophie/ )

      sowie aller nicht der willkürlichen Heteronormativität entsprechenden Menschen; noch die Versklavung von Frauen, Männern, Kindern; noch Diktatoren wie bspw. Stalin, Hitler, Franco, Mussolini; noch Kriege, noch die angewandten Massenvernichtungswaffen; noch die Umweltzerstörung. Und ganz zu schweigen von der herrschenden alltäglichen Gewalt.

      Die männlich donminierte kapitalistische westliche Zivilisation ist Krebsgeschwür sowie ihr dadurch bedingter Tod gleichzeitig. Dass daran auch Frauen beteiligt sein müssen, ergibt sich schon alleine aus ihrer Gebärfähigkeit, ohne die es diese dekadente menschenverachtende westliche Zivilisation ja auch nicht geben würde.

      Wozu sind Menschenrechtskonventionen nütze, wenn damit nur die Verstöße anderer an den Pranger gestellt werden, aber die Eigenen ignoriert werden?
      Richtig, zu rein gar nichts.

      • @ lucia

        Für mich ist in Leszek Aussagen Folgendes zentral: Jede menschliche Kultur, die die Macht dazu hat und expandiert, wird Scheusslichkeiten erzeugen, gebären. Ich bin allerdings nicht einig mit Roslin, falls ich ihn nicht missverstanden habe, DER Mensch sei von Grund auf böse. Ich glaube viel mehr, dass DIE MenschEN von Grund auf, kollektiv zum Bösen fähig sind. In meinem Bekanntenkreis habe ich noch keinen bösen Menschen enttarnt, allerdings habe ich schon Böses erlebt, mit,von und gegen Bekannte.

        Alles Böse, das Du der westlichen Kultur zu Recht anlastest, wird inhärent begleitet von einem Guten. Vielleicht sollte ich ja gar nicht von bös und gut, sondern von übel und genehm sprechen.

      • Wozu sind Menschenrechtskonventionen nütze, wenn damit nur die Verstöße anderer an den Pranger gestellt werden, aber die Eigenen ignoriert werden?
        Richtig, zu rein gar nichts.

        Aus dieser Einsicht aber solltest Du schlussfolgern, dass die Abschiebung der Verantwortung – indem Gewalt und Hegemoniestreben als männliches heterosexuelles Prinzip schlechthin gedeutet wird – eine Absage an die selbstkritische Reflexion beinhaltet, sofern man nicht männlich oder nicht heterosexuell ist. Das ist Bigotterie. Den Opferstock plündern, damit ins Puff gehen und Sonntags Keuschheit anmahnen – so gehts nicht.

        Glaubst Du denn, Du seist zur Anklage berechtigt, nur weil Du weder männlich noch heterosexuell bist? Macht Dich das zu einem besseren Menschen, zu einem moralischeren?

        Eine überaus bequeme Haltung, sich allein aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit und der sexuellen Orientierung von jeder Verantwortung und Schuld freizusprechen!

      • @messi:

        Die Macht dazu muss erst mal entstehen können, und die ist NUR in männlich dominierten Kulturen qua Macht- und Besitzdenken entstanden. Dazu kommt noch das Konkurrenz- und Statusdenken.

        Das den Haken hat, dass nur nach Macht und Besitz selektiert wird, anstatt nach Werten wie bspw. Charakter etc. Dass sich dadurch nur die Reichsten das neueste Modell von Mercedes leisten können und die Masse sich mit dem billigsten Quark vom Aldi zu frieden geben muss, ist das Resultat.

        Im Grunde genommen können alle philosophischen sowie biologischen Erklärungen, warum es ist, so wie es ist, mit dem kapitalistischen Motto – ohne Moos nix los – besser erklärt werden. Zumal genau das, die gelebte Situation unmissverständlich widerspiegelt.

      • @Peter:

        Glaubst Du denn, Du seist zur Anklage berechtigt, nur weil Du weder männlich noch heterosexuell bist? Macht Dich das zu einem besseren Menschen, zu einem moralischeren?

        Bist du denn berechtigt, Gesetze einzufordern, die den angeblichen weiblichen Egoismus eindämmt?

        Und btw habe ich noch nie behauptet ein besser Mensch zu sein. Mann mann, du drehst dir auch NUR aller so zurecht, sodass es in deine Schublade passt.

      • Bist du denn berechtigt, Gesetze einzufordern, die den angeblichen weiblichen Egoismus eindämmt?

        Der Egoismus, der auf Kosten anderer geht, muss durch Gesetze eingedämmt werden. Das gilt ganz allgemein, nicht bloss für den feministisch-weiblichen, der sich auf Kosten der Männer bereichern will. Es gernügt, Männern und Frauen die gleichen Rechte zuzugestehen. Das ist im Ehe., Familien-, Kindes- und Scheidungsrecht nicht der Fall. Frauen werden massiv privilegiert.
        Als rechtsäquivalent zum Abtreibungsrecht der Frau sollte dem mann die Ablehnung der Vaterschaft zustehen. Nur so als Beispiel.

      • @ lucia

        *Die Macht dazu muss erst mal entstehen können, und die ist NUR in männlich dominierten Kulturen qua Macht- und Besitzdenken entstanden*

        Genau da liegt Dein Denkfehler. Zuerst kam nämlich zusätzlicher Besitz, im Zuge der neolithischen Revolution, der nicht unhinterfragt Eigentum eines Individuums, einer Familie war, der verteilt werden musste, worum verhandelt und gestritten wurde. Erst dann kam die systematische Machtfrage auf.

        Nur wenn Du das kapiert hast, kannst Du unsere biologische Determiniertheit, ohne moralisch verblendete Entrüstung, verstehen.

      • @messi

        Die neolithische Revolution war nur der Übergang von der nomadischen Lebensweise der Sammler und Jäger aus dem Paläo- und Mesolithikum. Dass sie sich am Anfang nur selbstversorgen konnten, ergibt sich aus ihrer Unkenntnis über Landwirtschaft und Viehzucht. Folglich gab es auch nichts zu verteilen, was anderen gehörte. Und das belegen die noch existierenden Matriarchate, die weder Macht- noch Besitzdenken kennen.

        Ergo; der Denkfehler ist deiner.

      • *Die neolithische Revolution war nur der Übergang von der nomadischen Lebensweise der Sammler und Jäger aus dem Paläo- und Mesolithikum. Dass sie sich am Anfang nur selbstversorgen konnten, ergibt sich aus ihrer Unkenntnis über Landwirtschaft und Viehzucht.*

        Das war noch nicht die Revolution, dieser Übergang. Die im Nachgang entstehende Verstädterung, die damit einhergehende Eigentums-, danach Machtverteilung war revolutionär. Dein Denkfehler bleibt, da Du Ursache und Wirkung verkehrst.

    • Hi Leszek,
      einige Gedanken.

      Zur Frankfurter Schule, „Political Correctness“ siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=KXxo6ym-0uY

      Einiges halte ich für falsch, spielt aber keine Rolle.

      „Noam Chomsky hat als schärfster Kritiker des US-Imperialismus z.B. immer wieder darauf hingewiesen, dass die USA nicht deshalb so handeln, wie sie es tun, weil sie „böse“ wären, sondern schlicht – weil sie die Macht dazu haben. Chomsky ist durchaus ein Anhänger der amerikanischen Kultur.“

      Deine Lesart Chomskys halte ich für falsch. „Die USA“ handeln in meiner Chomsky-Lesart so, weil sie seit mehr als einem halben Jahrhundert nach der Lippmann-Doktrin handeln

      „Lippmann war an den Propagandakommissionen beteiligt gewesen und hatte den Wert ihrer Errungenschaften erkannt. Er meinte, daß eine von ihm so genannte ‚Revolution in der Kunst der Demokratie‘ dazu führen könnte, ‚Konsens herzustellen‘ (manufacturing consent), d.h. mittels der neuen Propagandatechniken die Öffentlichkeit auf Ereignisse einzustimmen, die sie eigentlich ablehnt.“ Chomsky: Einleitung, in: Ders.: Media Control, 30.

      Chomsky meint eben nicht, dass „die“ USA – der Führungs- und Entscheidungsapparat – die legitime Macht haben, meist nicht sondern wenn, dann legal legitimiert sind und durch bestimmte Manipulationstechniken die Bevölkerung im Zaum halten. Es werden folglich oftmals Handlungen gesetzt, Chomsky bringt als Beispiel verschiedenste Kriegsszenarien, deren Legitimation eine Scheinlegitimation ist. Sogesehen tut Amerika dies nicht weil Amerika dies will, weil Amerika die Macht dazu hat, sondern nur weil der Führungsapparat vorgibt zu tun, wofür er eigentlich nicht legitimiert ist. Der Führungsapparat setzt in dem Sinne Handlungen die nicht-gut, da nicht-gewollt, ergo nicht-legitimiert also „böse“ sind.

      „Ein weiterer Faktor muss hier berücksichtigt werden: der Übergang vom Mythos zur Vernunft. Der wurde in der westlichen Kultur vollzogen und es handelt sich hierbei um die größte Errungenschaft des Westens. Kulturen, die auf dem Mythos beruhen, haben keinen Begriff von universellen Menschenrechten, individueller Freiheit und einem alle Menschen verbindenden Menschheitsbewusstsein. Ein solches kann erst entstehen, wenn die Rationalität den Mythos als zentrales Leitprinzip einer Kultur abgelöst hat.“

      Nun gut, da ich die auf Nestle zurückgehende Unterscheidung, die Trennung von „Mythos“ und „Logos“, geschweige denn deren Loslösung in der Weise nicht teile, teile ich auch deine Aussagen dahingehend nicht. Wenn du unter Mythos auch religiöse Mythen miteinbeziehst, dann stimmt deine Aussage zu Menschenrechten auch wieder nicht. Ohne Christentum keine Menschenwürde, ohne Menschenwürde, so meine Behauptung auch keine „universellen“ Menschenrechte als Postulat. Ohne Christentum kein Nietzsche, ohne Augustinus u.a. kein Begriff von Freiheit, auf welchen du wahrscheinlich anspielst. Das verbindende Menschheitsbewußtsein sehe ich im Weltethos-Konzept und das ist von Küng, einem christlichen Theologen, begründet worden, verwirklicht.

      • Das Fundament der universalen Menschenrechte im Christentum zu sehen, halte ich für falsch. Diese sind vielmehr durch Globalisierung entstanden, wie das Christentum im übrigen auch. Ohne die römische „Globalisierung“, bzw. Mediterranisierung wäre der christliche Glaube im besten Fall eine jüdische Sekte geblieben. Wenn schon, ist es der Monotheismus, welcher Gott zur universalen Person erklärt. Zugegeben ist da das Christentum am radikalsten, weil damit Gott zum Menschen wurde. Ecce Homo! Aber zuerst war die Ökologie, Ökonomie, die Machtverteilung. Erfolgreiche Religionen passen sich daran an, und natürlich: sie wechselwirken.

      • @ messi
        Du verallgemeinerst was ich für nicht zulässig halte. Das! Fundament, auf Basis dessen! sich unsere allgemeinen Menschenrechte herauskristallisierten, ist ein christlich-griechisches, über das (dunkle) Mittelalter gerettetes, ausgebautes. Bestritten wird das meines Wissens wissenschaftlich nicht.

        Es ist so. Nun zu behaupten, ja aber wenn .. ist irrelevant, da wir nicht wissen, ob sich dann diese! Form von „universalen Menschenrechten“ herausgebildet hätte. Bsp. die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“ schaut dann doch ein wenig anders aus als die „allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, welche sehr wohl christliche Wurzeln trägt.

      • @ terminatus30

        Natürlich verallgemeinere ich, und das ist nicht unzulässig(imallgemeinen).

        *…. ist ein christlich-griechisches, über das (dunkle) Mittelalter gerettetes, ausgebautes. *

        Gerettet und uns geschenkt wurde die griechische Philosophie von den Muslimen. Wir dürfen auch mal danke sage zu denen, die nicht unsere Ahnentafel zieren!

      • @messi
        Nein, sehe ich überhaupt nicht so. Wenn ich nur auf die Patristik verweise, die Scholastik. Richtig ist, dass über Spanien, Cordoba, Toledo Aristotelesübersetzungen nach „Europa“ gelangten. Das ist ein muslimisches Erbe.

      • Hi Terminatus,

        zu Deinen Ausführungen zu Chomsky: Ist alles richtig, was Du sagst. Wenn Chomsky sagt: „Die USA sind nicht böse, sie haben nur die Macht“ (und das hat er sinngemäß schon mehrfach gesagt), dann ist damit streng genommen gemeint: „Die Herrschaftseliten in den USA handeln so, weil sie die Macht dazu haben und man könnte noch hinzufügen: dabei benutzen sie gezielte Propagandatechniken, um die Öffentlichkeit im Sinne ihrer Anliegen zu manipulieren und zu desinformieren.“
        Worum es mir ging, war ja aber einfach aufzuzeigen, dass es im Sinne Chomskys nicht die „Bösartigkeit“ einer bestimmten Kultur ist (in diesem Falle der us-amerikanischen), die dem Machtmissbrauch zugrunde liegt, sondern der einfache Umstand, dass jede starke Machtkonzentration notwendigerweise auch den entsprechenden Missbrauch der Macht nach sich zieht.

        Es nutzt daher nichts die amerikanische oder die westliche Kultur zu verdammen. Jede andere Kultur würde es bei vergleichbaren Konstellationen auch nicht anders machen. Es ist nicht die „Bösartigkeit“ des Westens, sondern das Faktum erheblicher Machtkonzentration, welcher den Missbrauch der Macht nach sich zieht. Da nur dies die Kernaussage war, um die es mir ging, habe ich es entsprechend verkürzt dargestellt.

        Zu Mythos und Logos: Beide können die kulturelle Wirklichkeit strukturieren, da ist die Gemeinsamkeit. Aber die Vernunft kann das gegenwärtig Bestehende begründet in Frage stellen, über das Bestehende hinausdenken. Das kann die im Mythos befangene Person nicht. Natürlich gibt es wie immer Mischformen, Zwischenstufen etc., aber grundsätzlich ist das der gewaltige qualitative Unterschied zwischen Mythos und Vernunft. Erst die Vernunft macht wissenschaftlichen Fortschritt möglich, erst die Vernunft macht Gesellschaftskritik möglich, indem das Bestehende an höheren (universalistischen) Werten gemessen wird.

        Das mythologische Bewusstsein ist KEINE Pathologie. Es stellt eine natürliche kulturelle und individuelle Entwicklungsstufe dar. Aber die Vernunft ist die HÖHERE Stufe. Sie kann alles, was der Mythos kann (die Wirklichkeit strukturieren) und noch MEHR: über Bestehendes hinausdenken und daher weit größeren kulturellen, wissenschaftlichen und moralischen Fortschritt initiieren.

        Die Unterscheidung zwischen beiden halte ich daher für berechtigt.

        Mit deiner Fokussierung auf das Christentum verwechselst Du m.E. zwei Dinge: Einmal Vernunft und universalistische Moral als kulturübergreifend vorhandene in der menschlichen Natur verwurzelte Entwicklungsstufen, sie sich unter bestimmten kulturellen Bedingungen aktualisieren – und zweitens bestimmte kulturelle Bedingungen, die ihrer Aktualisierung förderlich sind.

        Vernunft und universalistische Moral bestehen als entwicklungspsychologische Potentiale unabhängig vom Christentum (vgl. Piaget & Kohlberg), mag aber sein, dass das Christentum zumindest in bestimmten Phasen hilfreich und begünstigend wirkte sie zu aktualisieren. Das bedeutet aber nicht, dass andere Kulturen sie nicht auch aktualisieren können.

        Ich bin mit Emmanuel Todd der Meinung, dass der Fortschritt der Alphabethisierung hierfür das entscheidendste Kriterium darstellt. Aber sicherlich kann es auch mit einer Religion verknüpfte spezifische Bedingungen geben, die hierfür hinderlicher oder förderlicher sein können.

      • @ Leszek
        Jede andere Kultur würde es bei vergleichbaren Konstellationen auch nicht anders machen. Es ist nicht die „Bösartigkeit“ des Westens, sondern das Faktum erheblicher Machtkonzentration, welcher den Missbrauch der Macht nach sich zieht.

        Nun ja, einer nicht falsi- oder verifizierbaren Allaussage kann ich schwerlich etwas entgegensetzen. Sie steht da. Auch die Folgerung ist beliebig. Die Aussage lässt jedoch ein Menschenbild dahinter erahnen, das kritisierbar ist. Es zeigt sich dies, in deiner Erörterung zum Höheren, deine Belegung einer Höheren Stufe. Entwicklung ist weder besser noch schlechter, Entwicklung ist. Insofern ist die normative Bewertung subjektiven Zuschreibungen (d)eines besser, da durch Vernunft hinterfragbar, geschuldet. Freud sagte einmal, dass wer die menschliche Existenz für sinnlos halte, keinen Sinn in der Welt findet, krank sei. Wer sagt mir, dass nicht die Religion, diese Sinnsuche erfüllt, und die Vernunft, die Ratio der Wissenschaft diese Sinnsuche ad absurdum führt, somit nicht der an Gott glaubende – mystische Mensch – das „Niedrigere“ darstellt sondern der immer suchende – vernünftige Mensch?

        Wenn keine Fragen mehr bleiben, was bleibt dann: Die Sinnlosigkeit und Unzufriedenheit.

    • Leszek

      „Als anarchistische Feministin müsste Dir doch eigentlich bewusst sein, dass nicht eine vermeintliche „Bösartigkeit“ der westlichen Welt für das Unrecht von Kolonialismus, Imperialismus und Ausbeutung anderer Länder und Kulturen verantwortlich ist, sondern schlichtweg der Umstand, dass sie Macht dazu hatten/haben.“

      Möchte gerne Lucia helfen: Nicht schlichtweg der Unstand, dass Kapitalisten die Macht dazu haben, die Welt an der Nase zu führen, sondern die Tatsache, dass Kapitalismus patriarchalisch organisiert ist, ist die Ursache den aufgezählten Verbrechen.

      „Ganz entgegen allem Gerede eines „marxistisch inspirierten“ kulturellen Verfalls als Ursache für den Niedergang westlicher Gesellschaften wäre es auch einem Marx oder Engels nicht im Traum eingefallen die westliche Zivilisation zu verdammen oder ihren Untergang zu wünschen. Personalisierte oder gruppenspezifische Schuldzuweisungen für soziale Missstände waren ihnen völlig fremd. Sie analysierten soziologische Strukturen, nicht der Kapitalist war für sie böse, sondern die systemimmanenten Strukturen, die ihm seinen Platz innerhalb des sozialen Raums zuweisen. Die schuldzuweisenden Denkstrukturen, die Roslin für marxistisch zu halten scheint, sind durch und durch unmarxistisch, zumindest wenn man von den tatsächlichen theoretischen Grundlagen des Marxismus ausgeht.“

      Ja klar, sie möchten nur die Macht an sich ziehen und selbst missbrauchen könnten: kein guter Macht-Wechsel. In beiden Systemen ist die Frau quasi Mensch zweiter Wahl.

      „Andere Kulturen auch für ihre Errungenschaften zu achten, muss nicht bedeuten die Werte der eigenen Kultur nicht mehr zu sehen und zu schätzen
      Und die Fehler der eigenen Kultur zu kritisieren muss nicht bedeuten die Fehler anderer Kulturen zu übersehen.“

      Eine Frage ist, was du von der Kultur behalten oder entfernen willst. Eine andere – meiner Meinung nach wichtigere Frage – ist: Kann ein wesentlicher Schritt nach vorne geschehen, ohne System-Veränderungen vorzunehmen; quasi ohne Paradigma-Wechsel? Andersrum: Kann die Gesellschaft ohne Frauen existieren?

  10. „auch wenn daraus nur ein Sieg der islamischen/han-chinesischen Männer folgen wird.“

    Wer sagt dir eigentlich, dass diese anderen Kulturen mit zunehmendem wirtschaftlichem Erfolg nicht von den gleichen Dekadenzphänomenen befallen werden, wie der sich gegenwärtig selbst abschaffende Westen ?

  11. @ Chris

    Niemand sagt mir das.

    Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Entwicklung tendenziell in diese Richtung geht.

    Aber der Westen hat hier einen Entwicklungsvorsprung, ist näher am Abgrund und die anderen können/werden vielleicht aus unseren Fehlern lernen.

    Sie sehen ja, auf welche Minen wir treten.
    Wir sind aus deren Sicht deren Minenhunde.

  12. @Roslin

    Ich halte die Hypothese vom „Kulturmarxismus“ als einer wesentlichen Ursache für kulturellen Verfall des Westens für eine konservative Verschwörungstheorie.

    Welcher bekannte „Neo-Marxist“ hätte denn ein gegen die westliche Kultur gerichtetes Programm vertreten? – Ich kenne keinen.

    Was ein „Niederkritisieren“ der westlichen Zivilisation angeht: Ich habe mehrere Bücher von Erich Fromm gelesen. Ich finde nicht die Spur davon in seinem Werk. Er bezieht sich doch dauernd auf alle möglichen westlichen Denker. Alles was ich aus seinem Werk herauslese, ist eine weitgehend realistische Analyse des Einflusses kapitalistischer Gesellschaftsstrukturen auf die menschliche Psyche, (die in einigen Punkten eigentlich auch für Konservative annehmbar sein dürfte). Wo in seinem Werk findet sich denn die Verdammung der gesamten westlichen Zivilisation?

    Die Kritik an der Aufklärungsvernunft, die Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ formuliert haben, mag partiell überzogen sein. Aber sie sollte doch im zeitlichen Kontext gesehen werden. Angesichts des Schreckens des Nationalsozialismus ist es doch psychologisch nachvollziehbar, dass sie zu dieser Zeit in eine starke kulturelle Skepsis gegenüber dem Potential der westlichen Zivilisation zur Humanität gerieten. Was sie in der „Dialektik der Aufklärung“ geschrieben haben, ist ein Versuch der intellektuellen und emotionalen Verarbeitung des Nationalsozialismus und keinesfalls ein Aufruf zur Zerstörung der westlichen Zivilisation.

    Bleibt Marcuse: Bei ihm gibt es freiheitliche und humanistische Elemente, denen ich zustimme, aber auch ein paar Aspekte, die ich für zeitbezogene Irrtümer halte. Marcuse ist von Erich Fromm und Murray Bookchin, zwei von mir sehr geschätzten linken Denkern, in einigen Aspekten m.E. berechtigt kritisiert worden.

    Es wäre schön, wenn Du mir die zentralen „neo-marxistischen“ Werke einmal konkret benennen könntest, auf die sich Deine Kritik bezieht. Wie gesagt, habe ich hier den Eindruck, dass es sich um konservative Mythen handelt.

    Mir scheint, hier werden typische Dekadenz-Symptome, die zwangsläufige Produkte der Sozialisation in einer kapitalistischen Konsumgesellschaft sind, als Resultate der Theorien einiger marxistischer Denker ausgegeben, um die tatsächlichen Ursachen nicht sehen zu müssen.

    Was ist wahrscheinlicher? Dass kulturelle Dekadenz eintritt, weil eine kapitalistische Konkurrenz- und Konsumgesellschaft einen entsprechenden Sozialisationsdruck auf die Menschen ausübt – oder weil zu viele Leute Adorno und Horkheimer gelesen haben, (in deren Werken kulturelle Dekadenz zudem scharf kritisiert wird)?

    Die Ablehnung einer universalistischen Weltsicht bedeutet in letzter Instanz die Ablehnung der Moderne, die Forderung nach Rückkehr in den Mythos. Zumindest in diesem Punkt trifft sich Deine Weltsicht ja mit der von Lucia.

    Die Ausrichtung der individuellen Persönlichkeit primär an Religion, Volk, Nation steht der Ausrichtung an individuellen Rechten konträr gegenüber. Was Du forderst ist ein erneutes kollektivistisches soziozentrisches Wertesystem.

    Es kann aber nur das eine oder das andere geben. Entweder individuelle Freiheit, was die Freiheit zu Initiative und Verantwortung, kritischem Denken und persönlicher Kreativität einschließt oder die Strukturierung der individuellen Persönlichkeit gemäß irgendwelcher Kollektividentitäten.

    Damit sind dann aber langfristig auch alle Rechte und Freiheiten dahin, die in modernen Gesellschaften errungen wurde.

    Ohne universalistische Werte keine Menschenrechte!

    Ein Ergebnis der internationalen Glücksforschung ist übrigens, dass Menschen in individualistischen Gesellschaften eine höhere Lebenszufriedenheit haben als in kollektivistischen.

    Die Gesellschaft, die Du anstrebst, dürfte kaum lebenswerter sein als Lucias Matriarchat. Ob ich mich nun für Religion, Volk und Nation aufopfern muss, oder die prämodernen Mythen der jeweiligen Matriarchatsgesellschaft mein kümmerliches Dasein strukturieren, mit dem Verlust der individuellen Freiheit geht auch alles verloren, was ein Individuum seinen tatsächlichen Anlagen und Neigungen gemäß – in Freiheit – der Gesellschaft zu geben vermag, der es angehört.

    Die Gesellschaft, die Du anstrebst, würde aus zwei Gründen keinen dauerhaften Bestand haben: Erstens, die menschliche Vernunft wird immer wieder die Mythen von Religion, Volk und Nation durchschauen, von denen sie niedergehalten wird. Der Mythos wurde einmal durchbrochen, er würde wieder durchbrochen werden – egal wie lange es dauert. Die Probleme der Moderne sind nicht durch Rückkehr in den Mythos und erneute primäre Identifikation mit Kollektividentitäten zu lösen.

    Zweitens: Die Menschen sind in der Art von Gesellschaft, die Dir vorschwebt, einfach nicht glücklich. Sie wünschen sich im Innersten frei von der mythologischen Strukturierung durch Religion, Volk und Nation ihr Leben leben zu können. Sie werden jede Nische suchen, um aus dem kollektivistischen Wertesystem auszubrechen. Und irgendwann wird es gelingen.

    Universalistische Werte kann man anderen Gesellschaften nicht mit Gewalt aufzwingen, das ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Sie bilden sich automatisch, wenn in einer Kultur die Mehrheit der Menschen einen gewissen Grad an Alphabetisierung und Bildung erreicht hat. Dann werden die Mythen immer unglaubwürdiger und brechen zunehmend zusammen, als Reaktion darauf kommt es dann zu starken Backlashbewegungen konservativer Kräfte – wie jetzt im Islam – aber am Ende setzt sich die Moderne durch.

    Rationalität und universalistische Moral sind keine kulturrelativistisch zu verstehenden Spezialitäten des Westens. Es handelt sich um fest in der Natur des Menschen verankerte entwicklungspsychologische Stufen. Sie aktualisieren sich, wenn im Zuge zunehmender Alphabetisierung und Bildung die religiösen Weltbilder als umfassende kulturelle Weltdeutungen zerfallen.

    Der französische Demograph Emmanuel Todd hat ein interessantes Buch dazu zugeschrieben, speziell über die islamische Welt:

    „Die unaufhaltsame Revolution. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern“

    http://www.amazon.de/Die-unaufhaltsame-Revolution-islamische-ver%C3%A4ndern/dp/3492051316/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1318729948&sr=1-1

    Es sei als Buchtipp empfohlen, falls Du es noch nicht kennst.

    Und hier noch ein Interview zum Thema mit Emmanuel Todd:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522341.html

    Langfristig werden sich die Werte aller Kulturen weitgehend angleichen. Warum? Weil überall die gleiche entwicklungspsychologische Tiefenstruktur des Menschen gegeben ist. Und durch die neuen Kommunikations- und Informationstechnologien tritt diesbezüglich noch mal eine Beschleunigung ein. Die Übergänge bis dahin können allerdings turbulent sein, mit zahlreichen Stagnationen, Regressionen und Zickzackbewegungen. Am Ende steht die universelle Anerkennung von Menschenrechten und Demokratie weltweit, (vielleicht im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft, wie Du sie favorisierst oder eines freiheitlichen Sozialismus, wie ich glaube, das soll hier jetzt nicht Diskussionsgegenstand sein.)

    Ich bin langfristiger Optimist.

    • Hi Leszek,

      Todd schreibt aber auch:
      „Die allgemeine Alphabetisierung ist in den entwickelten Ländern gegeben, und sie müssen irgendwie mit dem Widerspruch zurechtkommen, daß die Alphabetisierung der Massen eine Tendenz zur Demokratisierung entfaltet und die Differenzierung durch die höhere Bildung eine Tendenz zur Oligarchisierung.“Weltmacht USA, 245.

      Das würde bedeuten: Alphabetisierung, Demokratisierung, Oligarchisierung, Verknüpfung von Wissenschaft, Politik und Plutokratie, all jenen, die es angeblich besser wissen als Herrscher über die „normalen“ Menschen.

      Man kann es drehen und wenden wie man will. Wir haben, meiner Meinung nach, Instinktdispositionen die uns an uns selber und an unsere Familie, „Clan“ Gesellschaft binden. Hajek hat das erkannt. Bindend sind hier vor allem Sprache und Kultur. Gehen diese in einem umfassenden universalistischen „Europa“ unter, schwindet der Konsens, die Folgen sind das, was Roslin andeutet. Man kann die Jugoslawienkriege unter diesem ethnisch, religiösen Konflikt lesen.

      Dein Beispiel mit der Glücksforschung ist schief. „Kollektivistisch“ wird hier wohl mit diktatorisch und nicht demokratisch, „individualistisch“ mit westlich unter einer gemeinsamen kulturellen Sozialisation verstanden. Dann mag dem so sein. Ohne gemeinsame Wurzeln jedoch auch kein individuelles Glück, das kannst du mir nicht erzählen. In einem Hochhaus mit 30 Kulturen unterm Dach zu leben führt nicht zu einer Öffnung, sondern zu einem Rückzug zur eigenen Kultur, einem Backlash – geh mal nach Leipzig, in französische, englische Vorstädte.

      Im übrigen, weil immer auf Kant in diesen „Weltutopien“ zurückgegriffen wird, Kant sprach in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ keineswegs von der Auflösung der Nationalstaaten. Im 5ten Definitivartikel spricht er davon, dass die Autonomie eines jeden Staates geachtet werden soll. Föderalismus freier Staaten und nicht Zentralismus eines Superstaates.

      • Hi Terminatus,

        „Dein Beispiel mit der Glücksforschung ist
        schief. „Kollektivistisch“ wird hier wohl mit diktatorisch und nicht demokratisch, „individualistisch“ mit westlich unter einer gemeinsamen kulturellen Sozialisation verstanden. Dann mag dem so sein.“

        Hier ist die Quelle: Es geht hier vor allem um den Unterschied in der Lebenszufriedenheit zwischen den wohlhabenden westlichen Gesellschaften und den Japanern.

        http://www.gluecksforschung.de/Geld_Einkommen_und_Glueck.htm#kultur

        „Die wohlhabenden Japaner schneiden allerdings trotz ihres beträchtlichen Wohlstandes stets schlechter ab, als die Bürger kulturell westlich orientierter Industrieländer. Die Japaner sind – trotz ihres beträchtlichen Wohlstandes – seit Jahrzehnten stets weniger glücklich als die Bürger westlicher Kulturen und Wertesysteme. Das liegt vor allem an ihrer kollektivistischen Kultur, in deren Mittelpunkt das Wohlergehen der Gemeinschaft steht und die vor allem Harmonie und Pflichterfüllung gegenüber der Gruppe und Gesellschaft verlangt und weniger Wahlfreiheiten und –möglichkeiten, wie man sein eigenes Leben einrichten will, zur Befriedigung der individuellen Wünsche und Bedürfnisse zulässt.
        Ganz allgemein gilt, dass Menschen in kollektivistischen, das heißt das Gemeinwohl betonender Kulturen, wie die japanische, stets weniger glücklich sind als Menschen, die in westlich orientierten, individualistischen, d.h. die Individualität des einzelnen berücksichtigenden, Kulturen leben (…).“

        Vielleicht sind sich Ostasiaten und der Rest der Welt genetisch ja doch ähnlicher als Rushton glaubt. 🙂

    • Leszek

      „Die Gesellschaft, die Du anstrebst, dürfte kaum lebenswerter sein als Lucias Matriarchat. Ob ich mich nun für Religion, Volk und Nation aufopfern muss, oder die prämodernen Mythen der jeweiligen Matriarchatsgesellschaft mein kümmerliches Dasein strukturieren, mit dem Verlust der individuellen Freiheit geht auch alles verloren, was ein Individuum seinen tatsächlichen Anlagen und Neigungen gemäß – in Freiheit – der Gesellschaft zu geben vermag, der es angehört.“

      Das Wesen der Freiheit beruht auf Gegenseitigkeit, d.h. deine Freiheit endet dort, wo meine anfängt und umgekehrt.

      „Zweitens: Die Menschen sind in der Art von Gesellschaft, die Dir vorschwebt, einfach nicht glücklich. Sie wünschen sich im Innersten frei von der mythologischen Strukturierung durch Religion, Volk und Nation ihr Leben leben zu können. Sie werden jede Nische suchen, um aus dem kollektivistischen Wertesystem auszubrechen. Und irgendwann wird es gelingen.“

      Woher weißt du es? Yang Erche, eine junge Frau der Moso-Gruppe war z. B. in der Tat in der durch Chinesen mit ihrem Sozialismus befallenen matriarchalen Gemeinschaft unglücklich und hat das Land auf eine turbulente Art und Weise verlassen. Wie kann ich diesen Vorfall generalisieren?

      „Langfristig werden sich die Werte aller Kulturen weitgehend angleichen. Warum? Weil überall die gleiche entwicklungspsychologische Tiefenstruktur des Menschen gegeben ist. Und durch die neuen Kommunikations- und Informationstechnologien tritt diesbezüglich noch mal eine Beschleunigung ein. Die Übergänge bis dahin können allerdings turbulent sein, mit zahlreichen Stagnationen, Regressionen und Zickzackbewegungen. Am Ende steht die universelle Anerkennung von Menschenrechten und Demokratie weltweit, (vielleicht im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft, wie Du sie favorisierst oder eines freiheitlichen Sozialismus, wie ich glaube, das soll hier jetzt nicht Diskussionsgegenstand sein.)“

      Wenn Demokratie platt „51 gegen 49“ bedeutet, dann hat sie keine Zukunfts-Chancen.

  13. @ Leszek

    Die Vorstellungen von Zwangsheterosexualität, sozialer Konstruiertheit von sexueller Orientierung usw. haben ihren Ursprung doch in Werken von Marcuse wie etwa seinem Essay „Eros und Sexualität“, der „Eindimensionale Mensch“.

    Dazu Erich Fromms „Der autroitäre Charakter“ in seiner Erzeugung in der patriarchalen Familie sowie die Schriften Wilhlem Reichs und seiner Jünger, Leibspeise der Muttikultianhänger, der ja nach eigenem Anspruch der Ideengeber von Fromms „Autoritärem Charakter“ war.

    All das führt zu Kapitalismus, Krieg und hegemonialer Männlickeit.

    All das ist überwindbar, indem man die Familie als Sozialsiationsinstanz zerschlägt, dadurch den Menschen zu seiner ursprünglich polymorph-perveren Sexualität befreit und so Krieg, Kapitalismus, Patriarchat, hegemonials Männlichkeit überwindet, ein Programm, das, propagiert als dominante Ideologie in den geisteswissenschaftlichen Fächern, ausgehend von unseren Hochschulen, die die Eliten entsprechend formatieren, in Politik und Gesellschaft umgesetzt wird.

    Zum Zwecke der Schaffung des Paradieses auf Erden.

    All das lässt sich herunterbrechen auf die Fragen Was ist die Natur des Menschen? Hat er überhaupt eine oder wird er in seinem Wesen soziokulturell konstruiert? Ist er von Natur aus gut?

    Doe Linke in all ihren Spielarten beantwortet sie damit, dass der Mensch von Natur aus gut sei, nur eine verderbte Zivilisation ihn verderbe (Kapitalismus, Patriarchat, repressive Erziehung).

    Diese Antworten definieren die Richtung des Angriffes von links.

    Antworten, die ich natürlich allesamt für falsch halte, für eine grundlegende Verkennung der menschlichen Natur.

    • @ Leszek

      Kurzer Nachtrag:

      Bitte unterstelle mir keine Gesellschaftsordnung, die ich nicht will.

      Ich will eine liberale, parlamentarische Demokratie mit Volksabstimmungen zu Einzelfragen.

      Hier ist mir die Schweiz Vorbild.

      Ich will einen liberalen Staat, der die Menschen gegenüber dem Sturz in’s Bodenlose absichert, also einen Sozialstaat, der in’s Wirtschaftsleben eingreift, um die zyklischen Krisen des Kapitalismus abzufedern, der das Funktionieren freier Märkte sicherstellt durch das Zerschlagen von zu groß gewordenen Korporationen, der in bestimmtem Umfang umverteilt, aber auch wieder nicht zu sehr, um den Anreiz, sich selbst aus der Armut zu befreien nicht zu gering werden zu lassen, denn wie gesagt, der Mensch ist faul, gefräßig und geil, von Natur aus, fundamental egoistisch, nicht von Natur aus gut, in religiöser Terminologie: erbsündig, unerlöst.

      Auch Nicks Erwartung, eine Wende zur Rationalität sei quasi naturnotwendig, teile ich nicht.

      Man kann zweckrationale Gesellschaften betreiben und ihnen Mythologien zugrunde legen, Mythologien säkularer oder religiöser Art.

      Die Erwartung z.B., Religion stürbe ab im Gefolge des Zivilsiationsprozesses, war ein Irrtum.

      Europa ist hier im Weltmaßstab eine Ausnahme, eine, die immer unbedeutender wird.

      Dann wäre noch zu klären, was Mythos, was evidenzbasierte empirie ist.
      Ich halte es für einen Mythos, dass alle Ethnien in ihren Begabungsprofilen/Persönlichkeitsmerkmalen austauschbar gleichartig sind, glaube z.B. dass der demokratische Rechtsstaat eine spezifische Schöpfung der Weißen ist, angepasst auf ihr Wesen, ihre Natur, dass er sich nicht missionarisch verbreiten lässt, dass alle Ethnien ihre eigenen Wege suchen müssen und hoffentlich auch finden zu einer menschenwürdigen Gesellschaft, die den Einzelnen s wenig unterdrückt/beschädigt wie nur möglich.

      Mein großes Motte lautet „In Ruhe SEIN lassen“, Politik/Erziehung als das Wirken eines Gärtners, der so wenig wie möglich eingreift, das Bäumchen nach seiner inhärenten Eigenart wachsen lässt, bestenfaslls hier und da ein wenig zurechtstutzt, um Wildwuchs und Überwucherung der Nachbarpflänzchen zu verhindern, aber vorsichtig, ansonsten sicherstellt, das das Bäumcnen ÜBERLEBT.

      Ich glaube, die Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur sind viel enger gewoben als wir ahnen, glaube, dass verschiedene Ethnien auf der Basis breiter Gemeinsamkeiten (und gleichen WERTES bei UNGLEICHARTIGKEIT) doch differente Naturen haben, die sich demzufolge auch differente Kulturen ausformen.

      • @ Roslin

        *Ich halte es für einen Mythos, dass alle Ethnien in ihren Begabungsprofilen/Persönlichkeitsmerkmalen austauschbar gleichartig sind, glaube z.B. dass der demokratische Rechtsstaat eine spezifische Schöpfung der Weißen ist, angepasst auf ihr Wesen, ihre Natur,… *

        Auch ich glaube, dass die Völker verschieden sind, allerdings basiert diese Verschiedenheit weniger auf den biologischen Dispositionen der Individuen, die ich sicher nicht ausschliesse, als vielmehr, ich nenn’s mal so, auf der historischen Ökologie. Wie Individuen passen sich auch Populationen der Ökologie an, wandern oder sterben aus. Was viele indigene Europäer befürchten ist das Wandern, die Immigration. Auch ich. Allerdings passen sich die Migranten an, auch, wenn sie keine Invasoren, sondern Arbeits- oder Flüchtlingsmigranten sind. Und umgekehrt. Ich habe mit Sicherheit mehr kulturelle Kennzeichen, Symbole und Werte mit einem italienischen Secondo gemein, als mit meinen Ur-ur-Grosseltern.

        Das primäre Problem der Menschheit ist m.E. die globale Bevölkerungszunahme. Wir Westler haben diesbezüglich unsere Hausaufgaben gemacht, machen uns aber ins Hemd, weil wir Angst haben, plötzlich unbedeutend, verschwindend wenige zu werden. Bürgerlich-Korrekte schieben dann gerne, um diesen fundamentalen Pessimismus zu kaschieren, die Finanzierbarkeit des Rentensystems vor. Diese Angst scheint mir zum Teil unbegründet:
        Erstens pflanzen sich die indigenen Fortpflanzungsmüden nicht fort, was deren Anteil in der nächsten Generation vermindert, zweitens sinkt die Fortpflanzungsrate der Zugewanderten durch die Segnungen von Bildung, Wohlstand und Geschlechtergleichberechtigung.

        Zugegeben, für mich selbst tönt das etwas zu optimistisch, aber wenn wir aufhören, Familien, die sich selbst nicht tragen können, bis zur Luxusgrenze zu finanzieren, wenn wir die Gleichstellungsphantasien aus unseren Kollektivträumen streichen, statt dessen konsequent Gleichberechtigung installieren, wenn wir überzeugt den Sozialstaat hochhalten, welcher Nothilfe leistet und seine Giesskannen in den Schuppen verbannt, solange es keinen Überfluss gibt, wenn wir globale Entwiklungszusammenarbeit nicht mehr durch kitschige Bauchgefühle, sondern durch kritischen Verstand gestalten (die Bauchgefühle sind an sich ja nicht böse, sie erlauben aber den rationalen Egoisten, sowohl die Geber als auch die Empfänger zu verarschen und auszubeuten), dann ist auch etwas Optimismus in unseren Perspektiven angebracht.

        Kurz: Der Westen ist ein Licht für die Menschheit, und er begründet dies auch durch seine Selbstkritik. Wir müssen allerdings aufpassen, dass daraus keine Selbstzerfleischung wird.

      • @Roslin

        Was das Konzept des „autoritäres Charakter“ der Frankfurter Schule angeht. Das war doch für das damalige Deutschland auch ziemlich zutreffend. Der Nationalsozialismus ist in seiner psychologischen Dimension nicht zu verstehen, ohne dass man eine Konzeption des autoritären Charakters (und auch des narzisstisches Charakters) miteinbezieht. Und da halte ich die Deutschen ganz gewiss nicht für in genetischer Hinsicht zum Autoritären und Narzisstischen disponiert (ich teile übrigens auch nicht die zu negative Beurteilung der deutschen Kultur, die Emmanuel Todd am Ende des oben geposteten Interviews gibt).
        Wenn die Deutschen damals eine starke Neigung zum Autoritären hatten – und die hatten sie offensichtlich – dann war dies sozialisationsbedingt und veränderbar. Somit hatten die Theoretiker der Frankfurter Schule mit ihrer diesbezüglichen Analyse und Kritik im Großen und Ganzen Recht.

        (Horkheimer war übrigens der Ansicht, dass das Fehlen eines Vaters mit starker Identität, mit der sich der Junge dann auseinandersetzen muss, negative psychologische Entwicklungen begünstigt.)

        Auch Wilhelm Reich hatte mit seiner Kritik an der sexuellen Unterdrückung der damaligen Zeit völlig Recht. Er hat das Erklärungspotential von sexueller Unterdrückung für soziale Phänomene zwar übertrieben, aber eine scharfe Kritik an der sexuellen Unterdrückung damals war richtig.

        Ich halte übrigens auch Vorwürfe von linker Seite an viele bedeutende deutsche Philosophen, sie hätten doch alle irgendwie dem Nationalsozialismus direkt oder indirekt zugearbeitet für unsachlich, undifferenziert und in vielen Fällen klar falsch. Georg Lukács hatte ja z.B. in seiner Schrift „Die Zerstörung der Vernunft“ einen großen Teil der deutschen Geistesgeschichte als prä-faschistisch verdammt. Zurecht hat Adorno dieses einseitige Werk von Lukács scharf kritisiert und als „die Zerstörung der Vernunft von Lukács“ bezeichnet.

        Kürzlich ist übrigens ein Buch über die deutsche Geistesgeschichte erschienen, dass sich interessant anhört:

        Peter Watson – Der deutsche Genius

        Werde ich mir bei Gelegenheit mal kaufen. Hier noch ein Interview zu dem Buch:

        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/von-deutschem-genius-der-fleiss-ist-heiss-1576967.html

        Ich denke, man muss absolut kein Nationalist sein (ich jedenfalls lehne jeden Nationalismus ab) um die Errungenschaften der deutschen Kultur in Philosophie, Literatur, Musik und Wissenschaft zu schätzen.

        Ich bin übrigens der Ansicht, dass im Kapitalismus z.T. das gefördert wird, was den Interessen der herrschenden Klasse irgendwie nützt. Manchmal lohnt es sich zu fragen: Welchen Nutzen hat die herrschende Klasse davon, dass eine bestimmte Theorie auf den Universitäten vermehrt gelehrt wird?

        Ich jedenfalls halte es z.B. keinesfalls für zufällig, dass der Postmodernismus mit seinem „Anti-Essentialismus“ und seinen fließenden Identitäten ausgerechnet zu einem Zeitpunkt massiv populär an den westlichen Universitäten wird, als der neoliberale globale Kapitalismus den „flexiblen Menschen“ mit fließender Identität benötigt.

        Eine Diskriminierung des „weißen heterosexuellen Mannes“ lehne ich genauso ab wie eine Diskriminierung der „schwarzen, homosexuellen Frau“ – um es mal prägnant bildlich auszudrücken.

        Ich lehne jede Diskriminierung ab, egal wer betroffen ist, halte jedes Messen mit zweierlei Maß für falsch und habe mit der Politischen Korrektheit und ihren einseitigen, kruden Kriterien, wer diskriminiert werden darf und wer nicht nichts zu tun.

        Ich bin in religiösen Fragen tolerant, solange religiöse Menschen dies auch bei mir sind. Ich möchte weder eine bestimmte Religion, noch einen Atheismus missionarisch aufgezwungen bekommen. Dergleichen soll dem Individuum überlassen bleiben, ohne Druck von außen.

        Obwohl ich kein Christ bin, schätze ich auch die großen Denker des Christentums. Der heilige Thomas von Aquin wird mich zwar nicht dazu bewegen, Katholik zu werden, aber ich lese ihn durchaus mit Gewinn und Genuss. Wusstest Du eigentlich, dass die Katholische Kirche bis heute noch nicht alle seine Schriften veröffentlicht hat? Sehr bedauerlich.

        Zu deinen gesellschaftspolitischen Präferenzen: O.K., dann klaffen ja zumindest keine Welten zwischen unseren Anschauungen und wir haben bei aller Unterschiedlichkeit gewisse Grundwerte gemeinsam. Es klang für mich in einigen Deiner obigen Formulierungen so, als wolltest Du für ein Modell plädieren, dass in seiner starken Ausrichtung des Individuums an Religion, Volk und Nation gerade einige der wichtigsten kulturellen Werte des Westens untergräbt.

        Ich gestehe jedem seine Religion zu, aber ich will keine Religion als allgemeines kulturelles Leitbild, dass für jeden gelten soll. Das wäre ein Zurückfallen hinter die Aufklärung.

        Und ich halte es für sinnvoller, dass der Mensch sich in erster Linie mit den Gruppen identifiziert, in die er konkret eingebunden ist und dass er die Möglichkeit hat sich direktdemokratisch in diesen zu engagieren: Familie, Freundeskreis, Kommune und Stadtteil, Betrieb und alle möglichen selbstorganisierten Interessengruppen. Ein Bedürfnis nach der Identifikation mit falschen Abstraktionen wie „Volk“ und „Nation“ taucht m.E. vor allem dann auf, wenn die tatsächlichen realen, konkreten Gemeinschaften, in die ein Mensch eingebunden ist, zerstört werden und er in seinem realen Lebensumfeld immer weniger Partizipationsmöglichkeiten besitzt.
        Ist der Mensch eingebunden in reale Gemeinschaften, die er aktiv mitgestalten kann, dann wird er auch die Kultur, der er angehört schätzen und bereit sein sie notfalls zu verteidigen.
        Ich bin gewiss kein Anhänger einer radikalfeministischen „Zerstörung der Familie“.

        Hinsichtlich der verschiedenen Kulturen, gibt es m.E. selbst wenn die von Dir vermuteten Unterschiede zwischen Menschengruppen tatsächlich real wären, eine gemeinsame Tendenz hin zu universalistischen Werten. Niemand lässt sich gerne unterdrücken und ausbeuten. Jeder Mensch sehnt sich nach Achtung, Anerkennung und der Möglichkeit persönlicher Selbstverwirklichung. Jeder Mensch ist nicht nur Individuum, sondern auch Teil einer Gemeinschaft und hat ein Bedürfnis diese irgendwie konstruktiv mitzugestalten.
        Diese menschlichen Wesensmerkmale erscheinen mir recht unabhängig davon, ob es darüber hinaus tatsächlich unterschiedliche durchschnittliche Begabungsprofile und Persönlichkeitstendenzen zwischen Menschengruppen gibt oder nicht. Für mich persönlich ist es beim gegenwärtigen Forschungsstand zu früh, selbiges anzunehmen – aber selbst wenn Du Recht hättest, gibt es eben auch das spezifisch Menschliche, dass alle gemeinsam haben – und ich denke, die Unterschiede wären da letztendlich nur gewisse Variationen im Gesamtbild der Ähnlichkeiten.

        Ich sehe gerade, hier hat sich ja eine interessante Diskussion mit vielen lesenswerten Beiträgen zum Thema entwickelt. Ich weiß gar nicht, ob ich die Zeit finde auf alles zu antworten.

      • @ Leszek

        *Was das Konzept des „autoritäres Charakter“ in der Frankfurter Schule angeht. Das war doch für das damalige Deutschland auch ziemlich zutreffend. *

        Aber die 68’er wendeten diese Analytik an, um ihre Gegenwart zu auseinanderzunehmen und in Bausch und Bogen zu verdammen, sie analysierten nicht den Natiionalsozialismus, sondern in Deutschland die Adenauer-Republik, in den USA die Republik der Kennedy/Lyndon Johnson-Jahre, kapitalistische Sozialstaaten (ja, auch die USA waren/sind einer), die ihren Bürgern ein nie da gewesenes Maß an Wohlstand, persönlicher FReiheit, demokratischer Teilhabe ermöglichten, all das nicht perfekt, all das mit zahlreichen Fehlern behaftet, aber himmelweit entfernt von den totalitären Höllen des Stalinismus, Natiionalsozialismus, Maoismus.

        Als unsere 68’er durch die Straßen tobten, um den Faschismus im liberalen Rechts-und Wohlstandsstaat hervorzukitzeln, tobte die maoistische Kulturrevolution durch China, vernichtete Millionen.

        Was die Bekämpfer des autroitären Charakters nicht sehr empörte.

        Im Gegenteil.

        Viele von ihnen hielten das kleine rote Buch des großen Vorsitzenden in Ehren.

        Was für ein Ausmaß an Selbstverblendung, Selbstgerechtigkeit.

        Wie wenig Aufklärung bei diesen Aufklärern.

        Setzt sich fort bis heute.

        Simone de Beauvoir, die Minderjährige in ihr Bett zog, um sie dann an Sartres Seite zu betten, ist die Säulenheilige Nummer 1 der Frauenbewegung, immer noch eine moralische Instanz, trotz Sex mit minderjährigen Abhängigen (Schülerinnen), trotz Stalin-und Maoverehrung.

        Vergeben und vergessen.

        Hätte sie Hitler verehrt, sie wäre eine Unperson.

        Dasselbe gilt für Sartre, ein Widerling, ein Stalin -und Maoverehrer auch er.

        Aber sie sind das hochheilige Paar der Postmoderne, der „Freien“.

      • @ Leszek

        Es fällt mir schwer, den Philosophen Lukacs zu würdigen. Geht mir oft so bei dieser Art Linken, bei denen mich vor allem ärgert, wie hoch ihr Ansehen im Vergleich zu den Rosenbergs auf der Gegenseite immer noch ist im heutigen Zeitgeistmilieu.

        Was sehr viel aussagt über den heutigen Zeitgeist.

        Nicht dass ich für Rosenberg mehr Ansehen einforderte, nein, im Gegenteil: Ich wünsche mir die Verachtung, die einen Rosenberg zu Recht trifft, auch für die Lukacs‘..

        Denn der war ja vor allem auch eines: ein Verbrecher, Anhänger des Roten Terrors, stellvertretender Volkskommissar für Bildung der Regierung Bela Kun in Ungarn, Politkommissar der Roten Armee, persönlich verantwortlich für den Tod von 8 Menschen, die er erschießen ließ.

    • Alexander

      „All das lässt sich herunterbrechen auf die Fragen Was ist die Natur des Menschen? Hat er überhaupt eine oder wird er in seinem Wesen soziokulturell konstruiert? Ist er von Natur aus gut?“

      Schlecht, nach der Art von Th. Hobbes bestimmt nicht. Und ich kann mit oder ohne Konstrukt meine Geschlechts-Teile nicht an die Garderobe anhängen – wenn du weißt, was ich meine.

  14. Nachtrag an Leszek und messi:
    Ich empfehle die Gespräche von Papst Benedikt mit Jürgen Habermas.

    Ich gebe hier einmal eine Passage eines Aufsatzes von Horster wider:

    „Schon früher hatte der Kardinal die Auffassung vertreten, dass der Staat erkennen müsse, „daß ein Grundgefüge von christlich fundierten Werten die Voraussetzung seines Bestehens ist. Er muß in diesem Sinne sozusagen einfach seinen historischen Ort erkennen, den Erdboden, von dem er sich nicht gänzlich lösen kann, ohne zu zerfallen. Er muß lernen, dass es einen Bestand von Wahrheit gibt, der nicht dem Konsens unterworfen ist, sondern ihm vorausgeht und ihn ermöglicht.“ (Ratzinger 1987, 196) Dass diese normative Erbschaft vom Christentum stammt, daran hatte Habermas ebenfalls keinen Zweifel gelassen. Im Sommer 1999 drückte er das in einem Interview in aller wünschenswerten Klarheit aus: „Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur eine Vorläufergestalt oder ein Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben, von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden.“ (Habermas 2001, 174 f.) aus: Horster: Jürgen Habermas und der Papst. Zum Verhältnis von christlichen Gemeinschaftswerten und gesellschaftlicher Moral.

    • @ terminatus30

      *… dass der Staat erkennen müsse, „daß ein Grundgefüge von christlich fundierten Werten die Voraussetzung seines Bestehens ist. *

      Oft genug war es genau anders rum: Der römische Staat bestand vor dem Christentum, eine Tonsur bewahrte nicht vor dem Koalitionszwang mit der einheimischen Eliten. Die katholischen Eliten sind und waren systematische Heuchler. Und das ist vermutlich nicht schlecht. Wenigstens sind sie selten ehrliche Mullahs. Ist mir lieber so. Was mein persönliches moralisches Fundament betrifft – ich bin Katholik- konnte ich all meine religiösen Massgaben entsorgen, mit grossem Gewinn. Platzgewinn. Der mit dem Kopfputz und den roten Schuhen tanzt ist tatsächlich auch ein Gewinn. Indirekt. Er ist nur Staatsoberhaupt eines echten Zwergstaates geworden.

      *Er muß lernen, dass es einen Bestand von Wahrheit gibt, der nicht dem Konsens unterworfen ist, sondern ihm vorausgeht und ihn ermöglicht.*

      Ja, mit roten Schuhen, sonstigem Putz, und sehr viel Selbstgerechtigkeit. Woher weiss der denn, dass er die besseren Lehrer hatte als wir? Woher weiss er, dass er mehr Weisheit inkorporiert? Ach ja, das kann man nicht wissen, man muss es glauben. Der Heilige Vater wird doch deshalb heilig genannt, weil er den stärksten Glauben braucht in die ungeheuerliche Position, die er einzunehmen vorgibt.

      • @ Leszek
        Hans Albert ist ja nun, mit Verlaub, nicht dafür bekannt ein Anhänger der Frankfurter Schule gewesen zu sein, kein! Theoretiker der Linken, in dem Sinne, viel zu sehr assoziiert mit dem kritischen Rationalismus, mit Popper und seiner wissenschaftstheoretischen Fundierung, einer Annäherung an eine Wahrheit, die es postmodern nicht mehr gibt, geben kann. Und zu genau denjenigen, die du aufführtest, gehört er eben nicht. Wo im Münchhausen-Trilemma ist seine Argumentation denn verortet? Oder ist er gebürtiger Chinese, denn „China“ gehört vielleicht auch! zu Deutschland – möglich wärs. Ansonsten wüsste ich nicht, wie das Christentum KEINE Relevanz für die abendländische Kultur haben hätte können, oder mehr hat.

        Muss ich jetzt die „Linke“, die anarchistische Kritik am kritischen Rationalismus anführen? Deine Aufgabe hiermit übernehmen? Feyerabend, Lakatos und andere zitieren? Ich denke nicht.

    • Terminatus 30
      „Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben, von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebesethik.“

      Allerdings darf nach H. Joas (2006) keine Kausalbeziehung zwischen dem „Christentum“ und der Moderne angenommen werden. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen als Errungenschaft der Aufklärung wird zunehmend auch auf den besonderen Umgang Jesu mit den Frauen zurückgeführt, der Gleichberechtigung von Mann und Frau zum Ausdruck bringt; d. h. die Entscheidungsfreiheit sowohl der weiblichen als auch der männlichen Person gewinnt höchsten Stellenwert.

  15. Ich jedenfalls halte es z.B. keinesfalls für zufällig, dass der Postmodernismus mit seinem „Anti-Essentialismus“ und seinen fließenden Identitäten ausgerechnet zu einem Zeitpunkt massiv populär an den westlichen Universitäten wird, als der neoliberale globale Kapitalismus den „flexiblen Menschen“ mit fließender Identität benötigt.

    @ Leszek

    Genau so sehe ich das auch. Der ideale Mensch aus anarchokapitalistischer/neoliberalistischer Sicht ist der bindungslose Mensch, der „anti-essentialistische“, der hyperflexible, der sich jeden Tag „neu erfindet“ (wie oft habe ich diesen Bullshit schon an Seminaren zurückgewiesen (!)), d.h die fliessende Identität, die sich fast ausschliesslich an den arbeitsmarktlichen Erfordernissen ausrichtet.

    Hier gibt es einen tiefen Graben auf der politischen Rechten, der so gut wie nie grundsätzlich thematisiert wird.

    Auf der einen Seite sind die diejenigen Konservativen, für die Religion, Ethnie, Volk, Staat und Heimat notwendige Begriffe ihrer (kollektiven, jaja kollektiven) Identität sind. Auf der anderen Seite steht der Neoliberale, der sich als kapitalistischer Kosmopolit versteht („Heimatschutz und marktwirtschaftliche Notwendigkeiten vertragen sich nicht“) und die Welt als eine Welt von Wirtschaftsräumen, eine Welt von mehr oder weniger geeigneten Standorten begreift (typisch:FDP).

    Meister Roslin ist in beiden Welten verhaftet, was zu einer gewissen Schizophrenie, einer Ambivalenz in seiner Argumentation führt.

  16. @ Peter, die Stimme der unvernünftigen Hypervernunft

    *Meister Roslin ist in beiden Welten verhaftet, was zu einer gewissen Schizophrenie, einer Ambivalenz in seiner Argumentation führt.*

    Das scheint nur so.

    Marktwirtschaft/Kapitalismus ist für mich nur ein Instrument, das bisher als einziges BEWIESEN hat, dass es, in sozialstaatlicher Einhegung, tatsächlich in der Lage ist, Massenwohlstand zu generieren.

    Emotional bin ich in ihm nicht beheimatet, erwarte von ihm nicht das Heil der Welt, das ich ohnehin von keiner menschengewirkten Ideologie erhoffe.

    Mir genügt es ja, wenn es hier auf Erden nicht allzu unerträglich wird, nicht der Planet großflächig zum Kongo verkommt, in dem viel zu viele Menschen des Menschen Wolf sind, z.T. sein müssen, wenn sie überleben wollen.

    Dazu ist Marktwirtschaft/Kapitalismus ein gutes Hilfsmittel, wie Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Demokratie auch.

    Sehe all das relativ gelassen.

    Denn am Ende, auf lange Sicht (die so lange gar nicht ist), sind wir alle tot, das einzig Sichere im Leben eines jeden von uns.

    Und das, so oder so, für eine verdammt lange Zeit, verglichen mit den paar Jährchen hier.

  17. Feminismus ist heute viel unterschwelliger, automatisierter, leichter. Er wird nicht darüber hinaus noch verfolgt, weil er bereits überall implementiert ist. Frauen sind de facto schon überall bevorzugt. feministinnen, die um ihrer Stellen willen fortgesetzt Diskriminierung krähen müssen, werden deshalb von vielen Frauen nicht angenommen. Das ändert an ihrer Privilegierung nichts. Männer werden mehr und mehr diskriminiert, und da ist nichts, was diese Entwicklung umdrehen könnte, bis sie am Boden aufschlägt. Das verrät jeder Wochenmedienblick.

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