„Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer?“

Claudia Berlin hatte einmal folgenden Kommentar geschrieben, der schon damals für eine gewisse Diskussion sorgte, den ich aber noch einmal in einem eigenen Artikel zur Diskussion stellen möchte:

Gerade wegen der im Artikel gerühmten so super erfolgreichen Leistungen bzgl. der Unterdrückung der Frauen drängt sich allerdings eine Frage immer heftiger auf:

*** Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer? ****

ENTSETZT muss ich in den Masku-Blogs berechtigte Klagen lesen:

-> Soviel mehr Obdachlose,
-> Süchtige,
-> Suizid-Opfer,
-> benachteiligte Jungs in den Schulen…

da füge ich hinzu:

-> desorientierte, agressive und/oder verzweifelte Teenys und Twentysomethings, denen niemand zeigt, wie man „Mann wird“. (Das ist nun wirklich kein Job für Mutti!)

Sollen diese Probleme denn die so erfolgreich unterdrückten Frauen lösen? Weil Ihr halt ungern „was mit Menschen“ macht – und erst recht ungern mit Männern?

Woran liegt das? Denkt mal drüber nach!

Ich bin eine 60plus, die die 2. Frauenbewegung miterlebt hat. Durchweg war es wesentlicher Teil der Bewegung, dass frau sich abwendete von den Erwartungen an Männer und auf verschiedensten Ebenen ausprobierte, was denn so mit Frauen geht. Sowohl bei den akuten Problemen ansetzend (Frauenhäuser, Wildwasser, zusammen mit bewegten Männern Kitas), als auch experimentierend in Sachen Arbeit, Kunst, Liebe.. bis hin zum Bau-Kollektiv! 🙂

Sowas seh ich nicht in der sog. „Männerbewegung“. Es wird sich am Feminismus gerieben, anstatt an den beklagten Defiziten SELBST zu arbeiten.
Wobei die deutschprachige bzw. EU-Fem-Szene offensichtlich nicht mal genug Material bietet. Ein Blog wie dieses muss recht oft nach USA gucken, um noch irgendwelche neuen Femi-Gemeinheiten zu finden…

Schöne Woche wünsch ich! 🙂

Das erinnert natürlich auch etwas an die alte Debatte der „Aktiven und der Bloggenden“.  

Natürlich machen Männer auch einiges. Sie sind ja meist bereits berufstätig und in allen Bereichen der Arbeit, Kunst und der Liebe vertreten. Männer haben beispielsweise mit MGTOW (Männer gehen ihren eigenen Weg) aber auch damit, dass sie immer später oder gar nicht heiraten oder Kinder bekommen, dass sie sich in Parallelwelten (Computerspiele oder andere Bereiche, wo Männer hauptsächlich  mit Männern interagieren) zurückziehen oder das sie sich zB im Flirten verbessern um so andere Möglichkeiten zu haben.

Aus meiner Sicht ist aber die Entwicklung eigener Theorien und die Gegendarstellung zu männerfeindlichen Theorien durchaus ein wichtiger Bereich der „Befreiungsarbeit“. Den hat der Feminismus natürlich auch genauso durchgeführt (wenn auch mit sehr negativen Ergebnis) indem sie Theorien entwickelt haben, die das Geschlechterverhältnis und seine Konstruktion beschreiben und darauf aufbauend gelebt haben, etwa indem sie „das private als politisch“ angesehen haben, „politisches Lesbenstum“ eingerichtet haben oder schlicht Männern die Schuld an allem gegeben haben.

Das war ein Großteil der feministischen Bewegung, der Anteil derer, die tatsächlich „Baukollektive“ gegründet haben ist dagegen verschwindend gering. Ebenso wie der Anteil derer, die heute im Feminismus an tatsächlichen Problemen arbeiten: Man studiert lieber Gender Studies, mit seiner Abkehr von Logik, Nachweis und Überprüfbarkeit und deren Ersetzung durch Glaube, Gefühle und Identitäten wohl der Studiengang der am ehesten zu weiblichen Klischees passt, statt Physik oder Bauingenieur zu studieren. Man ist nach wie vor lieber bei der Familie und in einem Halbtagsjob statt Überstunden zu machen.

Und natürlich geschieht ein Teil des Wandels auch schlicht in den privaten Familien: Männer übernehmen dort ganz selbstverständlich auch die Betreuung der Kinder und verlangen immer mehr, dass auch Frauen zum Familieneinkommen beitragen. Das Unterhaltsrecht und das Sorgerecht haben sich entwickelt und eine Frau kann keine lebenslange Versorgung auch bei kurzer Ehe nicht mehr erwarten. Sie verstehen sich auch nicht mehr per se als Beschützer oder diejenigen, die mit dem Schiff untergehen und die Rettungsboote den Frauen überlassen. Das Geschlechterverhältnis hat sich gravierend geändert und so zu tun als sei dies allein dem Feminismus und nicht auch einem anderen Verständnis der Männer entsprungen ist wenig überzeugend. Allerdings sehen viele Männer diese neuen Verhältnisse auch nicht als Geschlechterkampf. Sie wollen neue Ergebnisse mit den Frauen, sie müssen diese dazu nicht wie der Feminismus zum Feind erklären.

Der moderne Feminismus ist zudem wohl eine der größten Einschränkungen für Männer, der mit irrationalen Forderungen und ideologischen Vorhaltungen arbeitet. Sich gegen ihn zu stellen, ist aus meiner Sicht eine Notwendigkeit für Männer und Frauen.

„Was hat dich zur Feindseligkeit gegenüber dem Feminismus gebracht?“

Resolute Nuss unterbreitet auf Gleichheit und Differenz einen interessanten Vorschlag:

Wenn man einen Feminsten fragt: Warum hat Feminismus so einen schlechten Ruf? und wenn man einen Maskulisten fragt: Warum hat der Maskulismus so einen schlechten Ruf? Werden die Antworten mehr oder weniger in die andere Richtung zeigen. Deswegen wäre meine Idee ein Beitrag bei dem jeder der möchte halt beschreibt was das erste oder die ersten großen Ereignisse waren die zu dieser Feindseligkeit geführt haben war. Dabei sollte natürlich konkret erklärt werden und keiner mit Frauen/Männerhass ankommen.

Dabei glaube ich gar nicht mal, dass man immer ein Ereignis benennen kann, welches das wirklich ausmacht. Häufig wird es eher ein Prozess gewesen sein.

Ich glaube meine ersten Berührungen mit der Debatte war wirklich Diskussionen darüber, warum ein Junge nicht zurückschlagen dürfen sollte, wenn ihn ein Mädchen schlägt, irgendwann in der sechsten Klasse oder so. Das erschien mir sehr ungerecht und ich war der Auffassung, dass ich das natürlich dürfte.

ich erinnere mich auch an ein bekanntes Kinderlied, welches irgendwann mal als Kind beim Wandern gesunden wurde:

Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt.
Er liebte ein Mädchen, das hatte gar kein Geld.
Das Mädchen musste sterben, und wer war schuld daran?
Ein kleiner Matrose in seinem Liebeswahn.

Irgendwann mit 14 fand ich dieses Lied reichlich bescheuert. Heute würde ich meine Gedanken damals vielleicht so ausdrücken:

Wo ist da der Kausalzusammenhang? Warum kann sie nicht selbst arbeiten gehen?

Ich würde auch heute ergänzen: Und warum lässt man das Kinder singen?

Ich kann mir da heute durchaus Sachverhalte vorstellen, wo er sie geschwängert hat und sie dann sterben musste, weil sie sich keinen Arzt leisten konnte und er bereits unterwegs zum nächsten Hafen war. Aber dennoch ist es ja eine sehr undifferenzierte Schuldzuweisung, die ich damals sehr ungerecht fand.

Diese Sachverhalte sind erst einmal nicht gegen einen Feminismus gerichtet, aber es zeigte jedenfalls ein gewisses Interesse an Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Mich interessierte das Thema an sich und wenn ich was dazu fand, dann las ich es durchaus interessiert. Es war aber wenig konkretes. Ich las ein paar mal die EMMA, die in der Bücherei auslag, aber so viel weiter habe ich es auch nicht verfolgt.

Interessanter wurde es dann eigentlich erst mit dem Studium und natürlich dem Internet. Insbesondere ist mir ein Flugblatt in Erinnerung, welches eine radikale Frauengruppe an der Uni verteilen lies. Darauf fand ich insbesondere zwei Begriffe höchst interessant:

Zum einen war von „Frauenlesben“ die Rede, zum anderen von einer „Zwangsheterosexualisierung“.  Beide Begriffe fand ich so abstrus, dass ich sie erst einmal googlen per Fireball suchen musste.

„Frauenlesben“ war ein Begriff, der Lesben sichtbar machen sollte und zudem auch irgendwie was damit zu tun hatte, dass ja Frauen eigentlich alle auch irgendwie lesbisch sind und nur durch das Patriarchat in die Heterosexualität getrieben werden (–> Zwangshetereosexualität) (wohl beeinflusst von Adrienne Rich und Co)

In älteren Beiträgen findet man dazu noch etwas, heute ist der Begriff wohl eher „out“:

„FrauenLesben“ ist eine – ich vermute in den 80er Jahren aufgekommene – Schreibweise, die

  • die sprachliche ‚Unsichtbarkeit‘ von Lesben unter dem (vermeintlich neutralen, aber stillschweigend heterosexuell gedachten) Oberbegriff „Frauen“ beseitigen sollte,
  • also tendenziell ein Synonym für „Heteras und Lesben“ ist
  • und zugleich aber auch auf die Kontroverse anspielt, ob Lesben (nach ihrem Selbstverständnis) Frauen sind bzw. sein sollen.* Die Schreibweise ist also eine abgeschwächte Variante zu „Frauen und Lesben“ bzw. „Frauen oder Lesben“.
    „FrauenLesben“ sollte sowohl lesbar sein als „Frauen, unter Einschluß [Sichtbarkeit] von solchen, die lesbisch sind,“
    als auch als „Heteras und Lesben, die sich als Frauen verstehen, + Lesben, die sich nicht als Frauen verstehen“.

Meine Kommilitonen und ich fanden das relativ komisch, wir lachten über Begriffe wie „MännerSchwule“ oder die Frage „wenn es denn Frauenlesben gibt, gibt es dann auch MännerLesben“?

Ich erinnere mich sogar, dass ich am nächsten Tag eine Verteilerin dieser Zettel fragte, ob sie sich tatsächlich Zwangsheterosexualisiert fühlen würde. Sie verstand den Begriff erst gar nicht. Ich sagte, dass er in den Flyern stehen würde, die sie verteilt, und erklärte ihr, dass es bedeutet, dass sie eigentlich eher lesbisch sei und nur von Männern in die Heterosexualität gezwungen werde. Sie lachte und teilte mit, dass sie mit ihrem Freund eigentlich sehr zufrieden sei, es gehe ihr eher um Gleichberechtigung, sie habe die Flyer gar nicht gelesen.

Das weckte meine Neugier sogar noch mehr. Hier gab es anscheinend einige vollkommen bescheuerte Konzepte, die erkennbar keinen Sinn machten, aber von Feministinnen vertreten wurden. War da nicht doch irgendwo ein Sinn versteckt? Vielleicht war ich nur zu dumm, dass zu verstehen.

Ungefähr um die Zeit fiel mir aber auch ein anderes Buch in die Hände:

Einer meiner ersten Kontakte mit Büchern zu Geschlechterunterschieden war bei einem Zwischenstopp auf einem Bahnhof, bei dem ich mit meiner damaligen Freundin die Zeit in einer Buchhandlung totschlug. Sie bekam irgendwie “Männer sind anders, Frauen auch” von John Gray in die Hände und wies mich nach einigem Blättern auf eine Liste der Sachen hin, die Frauen und Männer jeweils in Beziehungen vermissen (oder so in der Art, es ist eine Weile her).

Sie wies mich darauf hin, weil sie eben genau diese Sachen in unserer damaligen Beziehung vermisste. Und auch ich vermisste wiederum einige Punkte der Liste bei ihr. Ich kaufte das Buch und verschlang es. Und es hat mir in vielen Punkten tatsächlich sehr geholfen die Beziehung zu verbessern. Gerade in Punkten wie „Bei Problemen der Frau will sie nicht, dass man sie löst, sondern das man ihr zuhört“ und einigen anderen Punkten. In diesem Buch war als weitergehendes Buch zu den biologischen Grundlagen das Pease & Pease Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen“ empfohlen und das kaufte ich mir auch und es war der Beginn einer großen Liebe zur Geschlechterbiologie.

Der Maskulismus kam dann wie folgt dazu:

Ich hatte schon einiges über Geschlechterunterschiede gelesen und mir so meine Gedanken gemacht. Dann las ich in der Süddeutschen einen Bericht über das Buch“Frauen und Kinder zuerst” von Paul-Hermann Gruner, dass einige interessante Fragen ansprach. Ich kaufte es mir aus einer Laune heraus und vieles dort passte gut zu anderen Überlegungen die ich hatte. Ich las etwas weiter, Arne Hoffmann und Warren Farrell. Gerade in Verbindung mit den Geschlechterunterschieden machte das durchaus alles Sinn.

Tatsächlich las ich erst Gruner, dann meine ich Warren Farrell und irgendwann dann Arne. Ich weiß gar nicht, wie ich erfahren hatte, dass Arnes Buch rausgekommen ist. Ich schaute in den Buchhandlungen, ob es dort auslag, was aber natürlich nicht der Fall war. Die Angestellte der Buchhandlung guckte leicht irritiert als ich ein Buch mit dem Titel „Sind Frauen die besseren Menschen?“ bestellte, oder zumindest glaubte ich es, weil ich mich jedenfalls etwas rebellisch fühlte. Ich glaube ich steckte es auch recht schnell in eine Tasche und verbarg es etwas im Bücherregal. Man wollte ja nicht direkt als Spinner gelten.

Insbesondere Farrell hat mich damals tief beeindruckt. Das Hinterfragen der Geschlechterrollen, das versöhnliche dabei, die ausgleichende Botschaft, ich fühlte mich zu der Zeit tatsächlich etwas diskriminiert und neigte etwas zu einem „Opfermaskulismus“. Allerdings hielt ich das Thema abgesehen von einigen wenigen Diskussionen durchaus aus meinem Umkreis raus.

Natürlich wollte ich aber dennoch über das Thema diskutieren, was aber im damaligen Internet schwierig war. Ich war aber damals ein Fan des Usenet und versuchte es mit dem Thema in verschiedenen Gruppen. Da keine wirklich passend war gründete ich dort die Gruppe de.soc.gleichberechtigung (heute vollkommen tot) und diskutierte dort die nächsten Jahre. Dort gab es einige Feministinnen und einige Maskulisten und es ging durchaus heiß her.

In der Zeit las ich einiges über feministische Theorie und natürlich über Maskulismus und Feminismus. Es wurde aus meiner Sicht immer klarer, dass viele Thesen im Feminismus so nicht klappen konnten und ungerecht waren. Es wurde komplett die Biologie ausgeblendet. Die gesamten Theorien waren zudem extrem einseitig und ich konnte insbesondere gut nachvollziehen, was Warren Farrell schrieb und weswegen er es wichtig fand, dass man sich die Sache von beiden Seiten anschaute.

Warren Farrells Texte sehe ich heute insbesondere unter dem Gesichtspunkte, dass sie einem einen gänzlich anderen Frame der Geschlechter bieten, indem eben auch Männernachteile vorkommen. Diese Sichtweise verändert aus meiner Sicht unglaublich viel, auch wenn ich insgesamt für ein Verstehen die Evolutionäre Biologie wesentlich wichtiger finde.

Irgendwann verlagerte sich die Diskussion in die Blogs, gerade bei der Mädchenmannschaft und dem Mädchenblog. Damals konnte man bei der Mädchenmannschaft ja sogar noch diskutieren, wenn man auch recht schnell an die Grenzen kam. Bei meiner ersten Sperrung dort schrieb ich eine freundliche Email, warum man mich gesperrt hatte und das ich meiner Meinung nach höflich und sachlich geblieben war. Man schaltete mich sogar wieder frei. Das hielt aber nicht lange, was sicherlich auch daran lag, dass ich etwas häufig „Testosteron“ gesagt hatte, ich überlegte noch kurz unter fremden Namen weiter zu kommentieren, aber das es wohl weniger Biologisten meines Schlages gab hätte ich mich zu sehr verstellen müssen als das es noch Spass machte. Also gründete ich diesen Blog.

Ich würde noch nicht einmal sagen, dass ich Feminismus hasse. Mich erschreckt eher seine Radikalität, ich finde die Einseitigkeit der Schuldvorwürfe und den einseitigen Standpunkt, der in den vorherrschenden Ausrichtungen vertreten wird und die dort recht offen zu Tage tretende Wissenschaftsfeindlichkeit erschreckend und mich ärgert, dass sie über die wesentlich besseren Lösungen, die in anderen Bereichen bestehen hinweggehen.

Was für mich eigentlich das Thema interessant macht ist aber nicht der Hass auf eine andere Richtung, sondern das Geschlechterverhältnis an sich, das Verstehen, was Mann und Frau ausmacht und was sie aneinander interessiert. Ich finde, dass es eine der wesentlichen Bausteine ist, die das Verstehen menschlicher Gesellschaften ermöglicht und ich bedauere sehr, dass der vorherrschende Feminismus hier tatsächliche Forschung behindert und aus meiner Sicht eine Feindlichkeit in die Debatte bringt, die nicht bestehen muss.

Mich fasziniert aber auch das System „Feminismus“ und wie man nicht erkennen kann, dass es extrem unlogisch ist, einseitige Schuldzuweisungen hervorbringt und das es wesentlich bessere Erklärungen gibt.

Es ist immer noch die Faszination vorhanden, mit der ich damals nicht verstanden habe, warum man meint, dass Heterosexualität, der wesentliche Vorgang auf dem Fortpflanzung beruht, gesellschaftlich erzwungen sein kann. Mit einem Feminismus, der Gleichberechtigung will, habe ich nach wie vor keine Probleme. Aber leider will das der gegenwärtig vorherrschende Feminismus nicht.

Ein Teil ist damit auch durchaus das, was die Motivation vieler im Internet Diskutierender ausmacht:

Jemand hat unrecht im Internet

Jemand hat Unrecht im Internet

Ich habe schon immer gerne diskutiert, mit dem Geschlechterthema und dem Feminismus habe ich dafür ein nicht zu beendendes Thema gefunden.

Ich finde es sehr schade, dass es auf Seiten des Feminismus kaum jemanden gibt, der ernsthaft über die dortigen Probleme diskutieren möchte. Wer tief im Thema drin ist, der hat wohl zu viele versunkene Kosten um sich auf tiefere Diskussionen einzulassen und die „MeinFeminismus“-Feministinnen haben üblicherweise keine Ahnung von feministischer Theorie und wollen sich auch nicht auf tiefere Diskussionen dazu einlassen. Es ist auch etwas unfair: Viele haben kaum Argumente, sie verteidigen ein System, welches sie nicht kennen, sie treffen auf Gegner, die die Diskussion schon häufig geführt haben. Es liegt inzwischen eine sehr hohe Einstiegsschwelle vor. Ich kann auf ein paar hundert Artikel mit Studien zur Biologie und ein paar hundert weitere Artikel Bezug nehmen, die das verwendete Argument häufig schon enthalten. Andere, die erst in das Thema einsteigen, haben noch nie wirklich etwas zum Thema gelesen, vielleicht ein paar Blogartikel, aber nichts, was wirklich die Hintergründe behandelt oder Grundlagen feministischer Theorie behandelt oder gar belegt. Sie wollen auch gar nicht in Studien wühlen und schon gar nicht wollen sie plötzlich über Hormone nachdenken müssen, wenn sie doch eigentlich nur finden, dass man die Geschlechterrollen ändern muss. Das „kommt es denn wirklich auf die Begründung an, wichtig ist, was wir ändern“-Argument kommt dann recht häufig, zeigt aber im wesentlichen, dass man nicht bereit ist, die Grundlagen wirklich einmal über eine soziale Begründung hinaus zu hinterfragen. Überhaupt gibt es wenig Feministinnen, die – zumindest nachdem man etwas ins Thema eingestiegen ist – wirklich über Grundlagen diskutieren wollen. Man macht vielleicht Anfänge, aber irgendwann kommt der Punkt, wo sie keine Argumente mehr für ihre Position haben, ihre Sichtweise ändern müssten und eingestehen müssten, dass die feministische Theorie ganz gewaltige Schwächen hat. Die meisten ziehen es dann vor, die Diskussion abzubrechen. Und dieser fehlende Ehrgeiz seine eigene Meinung zu verteidigen und Argumente dafür zu suchen, das dogmatische, dieses „du musst nicht verstehen, nur glauben“ ist wohl das, was mich am meisten stört.

Wer will mag das Thema gerne als Blogstöckchen aufgreifen, natürlich würde es mich besonders freuen, wenn eine Feministin schreibt, was sie dazu gebracht hat, den Maskulismus gegenüber feindselig eingestellt zu sein und was sie am Feminismus gut findet,  ansonsten gerne in den Kommentaren.

Es haben das Thema bisher aufgegriffen:

Institutionalisierte Geschlechterpolitik und Identitätspolitik

Leser Nick schreibt in einem Kommentar:

Ich bin äußerst skeptisch gegenüber Identitätspolitik, weil jede Identitätspolitik irgendwann “umkippt” und zur pöstchenerhaltenden Politik der sich dann etablierenden Funktionäre wird.

Der real existierende Feminismus ist ein Paradebeispiel dafür: Er baucht den “Gegner” eben geradezu existenziell, um seine politischen Strukturen am Laufen zu halten.

Die wenigsten Frauen fühlen sich vom real existierenden Feminismus vertreten – warum sollte man ihn also als “Verhandlungspartner” auch nur in Erwägung ziehen?

Ein institutionalisierter Maskulismus würde den Job imho auch nicht unbedingt besser machen, würde sich ähnlich entwickeln, wenn ihm Pöstchen und Staatsmacht verliehen würde.

Weder Männer noch Frauen brauchen eine institutionalisierte Vertretung, die meisten Menschen sind in der Lage, eine Meinung zu vertreten. Die meisten wollen weder einen Maskulismus noch einen Feminisus, und die meisten Frauen lehnen auch z.B. sowohl das aktuelle Sorgerecht als auch die Benachteiligung von Jungen ab.

Ganz vermeiden lässt sich Identitätspolitik zwar offenbar nicht, aber ich würde das Ziel nicht in einer institutionellen Vertretung sehen, sondern darin, auf einer möglichst breiten Basis festgefügte und habitualisierte radikalfeministische bzw. geschlechterreaktionäre Interpretationsmuster ans Tageslicht zu zerren, Selbsthemmungen abzubauen und so möglichst breite Diskussionen zu entfachen.

Wenn die institutionalisierte, vom Staat eingesetzte Diskushoheit in der Geschlechterfrage perdu ist, dann kann man ja wieder jedes einzelne Problem gesamtgesellschaftlich und auf Augenhöhe breit diskutieren und demokratisch lösen.

Es sieht mir ganz danach aus, als wären wir auf gutem Weg dahin, wenn die GesterKempers schon panisch so einen Schrott in die Waagschale werfen.

In der Tat ein großes Problem. Wenn eine bestimmte Identitätspolitik betrieben wird, dann neigt diese Identität dazu eine Abgrenzung zu brauchen und sich anhand ihrer Gegner zu definieren. Genau dies führt dann wieder zu einer Institutionalisierung der ganzen Sache und damit zu verkrusteten Strukturen und Personen, die beweisen müssen, dass sie auch wirklich fest im jeweiligen Lager stehen und „für die Sache kämpfen“.

Andererseits ist eine Institutionalisierung auch kaum zu vermeiden, wenn man einen gewissen Einfluss aufbauen möchte und es um die Besetzung von Positionen und Funktionen geht.

Man kann wohl immer nur versuchen, einen Humanismus, eine Gleichberechtigungspolitik als Ziel auszugeben und eine Instituitionalisierung in diese Richtung zu lenken, wenn sie eintritt.

Wie denkt ihr bekommt man das Problem in den Griff?

 

Jammerfeminismus und Jammermaskulismus

In den Kommentaren ging es darum, wie sich Opfer sein im Feminismus und im Maskulismus unterscheidet. Dazu gab es die folgenden Kommentare:

Anlass war dieser Kommentar von Matthias zu dem ich etwas zu Opfer sein im Maskulismus ausführte. Leszek schlug vor, daraus einen Artikel zu machen.

Ich sagte dazu:

Sicherlich ein interessantes Thema. Wir können ja schon mal etwas vor-brainstormen

Ich hatte ja irgendwo schon einmal darauf verwiesen, dass auch der Maskulismus seine Standpunkttheorie hat, etwa in dem Sinne, dass alles was die Frau macht entweder einfach und problemlos oder eben Ausbeutung ist. Dazu diverse Verschwörungstheorien (“alle Richter sind Diener des Matriarchats” oder eben “die feministische Weltverschwörung”) Es scheint nicht so viele Wege zu geben, eine solche Einseitigkeit letztendlich umzusetzen.

Ich würde sagen, dass im Jammerfeminismus die Rolle häufig besser passt. Wohl deswegen kommt häufig im Jammermaskulismus noch mehr Aggressivität hinzu?

Welche Gemeinsamkeiten / Unterschiede würdest du denn sehen?

Leszek schrieb:

Ich denke, erstmal müssten wir eine Verhältnisbestimmung zwischen “Jammermaskulismus” und “Radikalmaskulismus” (bzw. den Äquivalenten beim Feminismus) vornehmen.

Ist das immer kongruent oder muss es das nicht zwangsläufig sein?

Gemeinsamkeiten:

Klar, die verschwörungstheoretischen Konstrukte “Patriarchat” einerseits und “Feminat/Femokratie” andererseits.

Dann die verallgemeinerten Zuschreibungen negativer Eigenschaften auf das jeweils andere Geschlecht: Frauen sind Parasiten/Männer sind patriarchalische Gewalttäter.

Die Tendenz das andere Geschlecht jeweils nur als privilegiert anzusehen: Es wird undenkbar, dass es auch auf Seiten des anderen Geschlechts signifikante Diskriminierungen und soziale Problemlagen geben kann.

Ich sehe die Aggressivität im Jammerfeminismus auch nicht unbedingt als geringer als im Jammermaskulismus. Der Opfernarzissmus begünstigt auf beiden seiten die Haltung: Ich bin Opfer, deswegen kann ich mir alles erlauben. Ist Dir mal aufgefallen, dass es gerade Jammerfeministinnen sind, die sich besonders gerne auf Valerie Solanas berufen?

Dann, wie Du richtig sagst, das erkenntnistheoretische Privileg/Standpunkttheorie. Wobei Jammerfeministinnen das ja explizit theoretisch ausgearbeitet haben, bei Jammermaskulisten ist das mehr implizit vorhanden, aber zum Glück noch ohne theoretische Basis. Wäre mir jedenfalls nicht bewusst.

Seitenblick stellte sein Ansicht wie folgt dar:

Eine Überlegung zur präziseren Erfassung der Jammerfraktionen:

Ich beobachte grob zwei recht verschiedene Typen des Jammerns bzw. der Jammerer.

Jammerer vom Typ 1 benutzen es wie eine Art Luftholen nach einer anstrengenden Sache. Dann kommt mal einiges laut raus, manches kommt überspitzt und – von außen betrachtet – ungerecht, und überhaupt sind alle doof.

Danach – und das ist der Witz – sind bei diesen Leuten wieder Energien da, um etwas zu verändern. Typ-1-Jammerer sagen anschließend manchen Leuten mal die Meinung, verabschieden sich vielleicht auch von belastenden Situationen, gehen die Problemfelder an, räumen also mal ein bisschen auf.

Und gut ist’s. Danach kommt Typ 1 auch erst mal ohne Jammerei durchs Leben. Bis zum nächsten Anlass.

Jammerer Typ 2 geht ganz anders vor. Dieser Typ findet mehr und mehr Gefallen an der Jammerei und richtet sich darin geradezu behaglich ein. Die Vorteile (bemitleidet werden, arme Unschuld sein etc.) schmecken halt so gut – da ignoriert man auch den Nachteil, dass man bei der Dauerjammerei als handelndes Subjekt nur noch sehr eingeschränkt vorkommt.

Zum inneren Einrichten gehört, die Jammeranlässe immer zu repetieren, ja geradezu zu zelebrieren. Für Letzteres braucht man eine Gruppe von Mitjammerern.

Weil es ein Prozess ist, zum Typ-2-Jammerer zu werden, kommt eine immer stärker werdende selektive Wahrnehmung dazu (der Jammer-Anlass wird verallgemeinert, manchmal sogar zu einem geschichtsbestimmenden oder metaphysischen Prinzip erklärt). Man erkennt diesen Typ m.E. an dem Verhältnis zwischen Jammerei und Aktion. Muss ich ausführen, welche Seite eindeutig die Oberhand hat?

Ich finde beide Typen bei sogenannten Maskulisten und Feministen und sonstigen -isten.

Leszek ergänzte noch wie folgt:

Ich habe den Eindruck, dass Jammermaskulisten im Schnitt passiver sind als Jammerfeministinnen. Die Verknüpfung von Jammern und konkretem Engagement scheint Jammerfeministinnen tendenziell leichter zu fallen.

Jammerfeministinnen haben m.E. nicht selten einen eher höheren Bildungsgrad (Gender Studies-Studentin oder so), ich weiß nicht, ob das bei Jammermaskulisten genauso ist.

Ich habe den Eindruck, dass bei Jammerfeministinnen der Opfernarzissmus häufiger in unrealistischen Appellen an die Umwelt zum Ausdruck kommt, ihre Ansprüche zu erfüllen. Jammermaskulisten scheinen mir hier im Schnitt pessimistischer zu sein.

Jammerfeministinnen sind häufiger sexualfeindlich als Jammermaskulisten, allerdings – auch bei Jammermaskulisten kommen sexualfeindliche Einstellungen m.E. häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Frage ist also, wie gejammert und gelitten wird, ob es Unterschiede im Maskulismus und Feminismus gibt, was damit erreicht werden soll und welche Umstände jeweils das Jammer erleichtern.

„Das Patriarchat“ als Abgrenzung innerhalb des Feminismus

In einem Artikel auf der Seite „A Voice for Men“  fand ich den folgenden Abschnitt interessant:

For purpose of discussion, two main camps are identifiable, one which we can call liberal feminism, and the other, radical feminism.

Liberal Feminism is the ideology most people are familiar with, and is, on it’s face, similar to a philosophy of humanism. This is the ideology’s great disguise. Superficial examination of liberal feminism reveals a drive toward equality of legal rights between men and women, a libertarian view of bodily autonomy, sexual self determination, and equal access to opportunity. These are all goals a humanist or a small-L libertarian would support, and which are represented in feminist literature written for a non-feminist general public.

What differentiates liberal feminism from true humanism is that all these goals are taken in the context of patriarchy theory. That is the name of a specific dogma of the ideology of feminism.

Das Patriarchat als Abgrenzungskriterium finde ich durchaus passend. Denn mit der Einbeziehung des Patriarchats wird ein sehr vages Konzept übernommen, dass eher den Charakter einer Verschwörungstheorie hat und noch nicht einmal mehr vernünftig definiert werden kann. Mal ist es die Herrschaft der Männer, mal nur ein Überwiegen männlicher Privilegien, mal wieder wird es einfach gar nicht definiert, steht einfach für etwas vages im Zusammenhang mit der Unterdrückung der Frauen durch oder jedenfalls zugunsten von Männer(n). Wer von einem Patriarchat innerhalb einer demokratischen Gesellschaft ausgeht macht es sich sehr einfach und kreiert schnell einen unwiederlegbaren Gegner, der für alles verantwortlich ist. Mit jemanden, der das Patriarchat hinter allem sieht, es aber nicht definiert, ist schwerer zu diskutieren, als mit jemanden, der Umstände und ihre Auswirkungen noch benennt.

Der Begriff der heterosexuellen Matrix, den Butler bevorzugt, ist auch nicht wirklich aussagekräftiger, weil er mit nahezu allem verbunden werden kann, was irgendwie mit Heterosexualität zu tun hat, insbesondere der hegemonialen Männlichkeit. Er ist allerdings zumindest etwas eingrenzbarer als „das Patriarchat“.

Allerdings scheint mir mit einem „Feminat“ ein ähnlicher Begriff im Maskulismus vorhanden zu sein. Auch dieser scheint mir kaum abgrenzbar zu sein und daher ähnlichen Funktionen zu dienen. Ich rufe daher dazu auf, diesen Begriff einmal in den Kommentaren klar zu definieren und darzulegen, wie das Feminat errichtet ist und seine Macht ausübt.

Gleiches gilt natürlich für das Patriarchat.

Meint ihr, dass es besser wäre auf solche Konstruktionen zu verzichten?

Strömungen im Maskulismus

Ebenso wie der Feminismus  gibt es auch im Maskulismus eine Vielzahl von verschiedenen Denkrichtungen, die einmal ausgeschlüsselt werden sollten

Mein erster Versuch einer Einteilung war wie folgt:

Da gibt es eben auch ganz verschiedene Spielarten, vom konservativen Maskulismus („die Frau gehört hinter den Herd, der Mann arbeitet, das ist am besten für alle“) über den radikalen Maskulismus („alle Frauen sind Parasiten“), den Equity-Maskulismus („Gleiche Rechte, nicht Gleichstellung“), den Differenz-Maskulismus („Männer und Frauen sind verschieden) in den Ausprägungen sozialer Differenzmaskulismus, biologischer Differenzmaskulismus und differenzierter Differenzmaskulismus und was nicht noch alles.

Ich verweise zudem auf Leszeks Kommentar:

Damit hätten wir schonmal 4 potentielle Differenzierungskriterien:

– politische Differenzen (hierbei sollte das gesamte politische Spektrum berücksichtigt werden)

– spezifische Männer- und Frauenbilder und damit einhergehende unterschiedliche gesellschaftliche Zielvorstellungen (Dekonstruktion versus Re-Patriarchalisierung versus Emanzipation und Gleichberechtigung etc.)

– strategische Differenzen (Geschlechterpolitik ja oder nein etc.)

– Einstellungen zum Feminismus

In dem gleichen Kommentar auch ein Zitat von Arne Hoffmann:

Vergleichbare Konflikte unterschiedlicher Lager (wie in der feministischen Bewegung) gibt es auch in der Männerbewegung. In Diskussionsforen wie „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“ (WGvdL) prallen seit Jahren Traditionalisten, die von einer natur- oder gottbestimmten Vormachtstellung des Mannes ausgehen und diese auch gesellschaftlich durchsetzen wollen, mit emanzipatorischen Männerrechtlern zusammen, die an einer Gleichberechtigung beider Geschlechter interessiert sind.

Manchen Männerrechtlern ist die Bewahrung, anderen die Dekonstruktion von Geschlechtsidentität wichtig.

Ich will einfach mal ein paar Einteilungen sammeln und über die verschiedenen Richtungen diskutieren.

Dabei ist alles noch etwas schwammig, es ist wohl eher ein Rohentwurf.

1. Grobeinteilung

  • Gleichheitsmaskulismus: Die grobe Einteilung könnte man wohl auch hier in einen Gleichheitsmaskulismus sehen, bei dem die gesellschaftlichen Umstände für die Geschlechter verschieben sind, aber bei dem im Gegensatz zum Gleichheitsfeminismus die Schwierigkeiten aus der sozialen Rolle der Männer hergeleitet werden. Das kann beispielsweise die Ansicht sein, dass Männern die Versorgerrolle und die Schutzrolle zugewiesen wird und daraus Probleme entstehen oder die Auffassung, dass Frauen von den Leistungen der Männer mehr profitieren als andersrum die Männer von den Leistungen der Frauen etc.
  • Differenzmaskulismus: Der Differenzmaskulismus hingegen geht von einer Ungleichheit der Geschlechter aus. Das kann eine Ungleichheit aufgrund einer spirituellen Essenz sein oder eine Ungleichheit aufgrund biologischer Unterschiede.

2. Einzelne Strömungen

  • konservativer Maskulismus: Im konservativen Maskulismus wird davon ausgegangen, dass die Rollenbilder der Geschlechter die beste Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern wiedergeben und daher vorzugswürdig sind. Dies kann man differenzmaskulisch mit einem essentialistischen Biologismus begründen, mit einer spirituellen bzw. religiösen Erklärung oder auch im Gleichheitsmaskulismus mit lediglich körperlichen Umständen wie dem stillen und der Notwendigkeit einer klaren Einteilung. Ich vermute, dass insbesondere religiöse Bezüge zur Rolle der und auch eine essentialistsche Biologie die häufigsten Erklärungsansätze sind.
  • Liberaler Maskulismus: Der liberale Maskulismus ist häufig ein Gleichheitsmaskulismus der möglichst wenig Regelungen vorsehen möchte und alles dem Aushandeln der jeweiligen Personen untereinander überlassen möchte. Gesetzlicher Unterhalt beispielsweise kann unter dieser Betrachtung abgelehnt werden, weil er den Geschlechtern Vorschriften macht und Pflichten errichtet. Es wird sich häufig um einen Gleichheitsmaskulismus handeln. Es ist aber auch denkbar, dies als Differenzmaskulismus zu vertreten
  • Gleichberechtigungsmaskulismus: Der Gleichberechtigungsmaskulismus geht davon aus, dass die Gesellschaft lediglich dafür sorgen muss, dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben. Er ist daher auch häufig in einer Gleichheitsmaskulistischen Ausrichtung zu finden.
  • Radikaler Maskulismus: Der radikale Maskulismus stellt die Geschlechter in einem Kampf gegenüber. Die Frau ist dabei an der Unterdrückung des Mannes interessiert und es gilt dies zu verhindern. Der Mann wird dabei gerne als der bessere Mensch angesehen, die Frau als der schlechtere, entweder aufgrund der Rolle oder aber aufgrund von Differenzen zwischen Männern und Frauen. Ziel des radikalen Maskulismus ist eine Befreiung des Mannes von der Unterdrückung durch die Frauen / einen Teil der Frauen. Im radikalen Maskulismus dürfte auch vieles zu finden sein, was sich als Antifeminismus bezeichnet.
  • Biologie-Maskulismus: Ein klassischer Differenzmaskulismus, der davon ausgeht, dass Männer und Frauen zumindest im Schnitt verschieden sind. Es werden insbesondere Ansätze aus der Evolutionsbiologie und der medizinsichen /biologischen Geschlechterforschung besprochen und daraus folgen für das Verhältnis von Männer und Frauen gezogen.
  • Pickup-Maskulismus: In enger Verbindung mit biologischen Betrachtungen steht der „Pickup-Maskulismus“. Dieser betrachtet das Geschlechterverhältnis insbesondere aus der Warte der verschiedenen Anziehungen und Attraktivitätsmerkmale und geht davon aus, dass Frauen im Schnitt bestimmte Männer, insbesondere Alphamänner bevorzugen und daher bestimmte gesellschaftliche Konstellationen entstehen. Pickup-Maskulismus weist dabei häufig dem Einzelnen Mann eine hohe Verantwortung zu, aus der heraus er erkennen soll, was Frauen attraktiv finden und sich entsprechend verhalten soll, um für sich selbst ein akzeptables Leben aufzubauen. Gesamtgesellschaftliche Betrachtungen oder Verbesserungen treten häufig dahinter zurück. Diese Spielart ist insbesondere in der Amerikanischen „Roissysphere“ von Bedeutung.
  • linker Maskulismus: Üblicherweise ein Gleichheitsmaskulismus, der von soziologisch bedingten Unterschieden ausgeht und die Nachteile der Männerrolle aus Männersicht darstellen möchte
  • Profeministischer Maskulismus: Der Profeministische Maskulismus geht davon aus, dass es für Männer am besten ist, wenn sie dem feministischen Theorien folgen. Dabei steht im Vordergrund eine starke Abwertung der Männerrolle, die von der Nutzung von gesellschaftlich zugewiesenen Privilegien geprägt ist, und eine Aufwertung „weiblicheren“ Verhaltens bzw. eine Entsagung dieser Privilegien. Innerhalb dieser Betrachtungen wird aber versucht die Schwierigkeiten die Männer innerhalb der Gesellschaft haben abzubauen und dadurch ein für Männer vorteilhafteres Leben zu erlangen.

Vielleicht können wir hier noch ein paar weitere Einteilungen erarbeiten.

Männerrechtsbewegung, Maskulismus: Quo vadis?

Leser Leszek schreibt in einem Kommentar:

Ich bin in der Tat der Ansicht, dass rationale Argumente und wissenschaftlich fundierte Konzepte absolut unerlässlich sind. Bewegungen auf nicht-rationaler, d.h. auf mythologischer Grundlage können eventuell gesellschaftliche Veränderungen bewirken – aber keine guten! Sie ziehen kulturelle Regression nach sich (weshalb ich ja z.B. auch den Matriarchatsfeminismus für eine regressive Variante des Feminismus halte).

Propagandalügen können zeitweise effektiv sein, aber sie korrumpieren eine Bewegung von innen, irgendwann fliegen sie auf und werden einem um die Ohren geschlagen und was durch sie letztendlich erreicht wird, ist entweder negativ oder hat keinen dauerhaften Bestand.

Eine soziale Bewegung braucht ein solides theoretisches Fundament, und dieses sollte um Objektivität bemüht sein, d.h. wissenschaftlich fundiert, auf rationalen und überzeugenden Argumenten beruhend, offen für Kritik.

Das halte ich für unerlässlich, wenn eine soziale Bewegung nicht nur Erfolg haben, sondern auch etwas Konstruktives bewirken will, das dauerhaft Bestand hat.

Sind Vernunft und Wissenschaft also m.E. unerlässlich, so sind sie aber auf keinen Fall ausreichend. Vernunft und Wissenschaft sind notwendige, aber nicht hinreichende Faktoren für das Erreichen von mehr Gerechtigkeit. Für sich genommen bewirken sie zuwenig.

Etwas anderes muss hinzukommen, und das ist das Entscheidende:

DIE FÄHIGKEIT EINER SOZIALEN BEWEGUNG IN DER HERRSCHENDEN ÖFFENTLICHKEIT EIN GEFÜHL DER MORALISCHEN EMPÖRUNG ZU ERZEUGEN!

Das ist ein sehr zentraler pragmatischer Aspekt des Erfolges sozialer Bewegungen. Der Feminismus hatte Erfolg, weil es ihm gelungen ist moralische Empörung hinsichtlich des Themas der Diskriminierung der Frau in der Öffentlichkeit hervorzurufen, (m.E. in manchen Aspekten berechtigt, in anderen nicht).

Ich will Roslins Argument, dass hierbei auch eine männliche Instinktdisposition Frauen zu schützen und zu helfen eine gewisse Rolle spielt nicht widersprechen, das spielt sicherlich mit rein, trotzdem greift diese Erklärung m.E. zu kurz.

Der Erfolg des Feminismus erklärt sich darüber hinaus aus einer universell anwendbaren Strategie: Moralische Empörung über Unrecht in der Öffentlichkeit wachzurufen.

Losgelöst von Rationalität und Ethik kann moralische Empörung auch viel Schlechtes bewirken, wenn sie von destruktiven Kräften instrumentalisiert und in die falschen Kanäle gelenkt wird, aber trotzdem ist die Erzeugung eines Gefühls moralischer Empörung für die Beseitigung von Unrecht unerlässlich. Anders geht es nicht. (…)

Die entscheidende Frage lautet also: Wie können gut begründete und berechtigte Anliegen der Männerrechtsbewegung so in die Öffentlichkeit getragen werden, dass hinsichtlich der Formen des Unrechtes unter dem Männer in unserer Gesellschaft zu leiden haben, ein allgemeines Gefühl der moralischen Empörung in der Gesellschaft entsteht?

Ein Gefühl öffentlicher Schande, nach dem Motto: So dürfen wir mit unseren Jungen und Männern doch nicht umgehen.

Darauf sollte in pragmatischer Hinsicht fokussiert werden.

Welche Aktionen, welche Formen von Propaganda sind dazu geeignet?

Völlig ungeeignet ist alles, was ganz im Gegensatz dazu moralische Empörung gerade gegen die Männerechtsbewegung hervorruft: Frauenfeindliche, homophobe, fremdenfeindliche und ultrarechte Einstellungen sind nicht nur allgemein entschieden zu verurteilen und zu bekämpfen, egal wo sie auftreten, sondern sie sind für den Erfolg der Männerrechtsbewegung auch rein pragmatisch in hohem Maße schädlich. Da bin ich ganz mit Arne Hoffmann.

Der Ansatz: Wir zensieren auf unseren Blogs und in unseren Foren gar nichts, weil die Feministinnen ja so viel zensieren ist pragmatisch falsch, geht nach hinten los, führt nur dazu dass die Mehrheit der Vernünftigen von einer kleinen Gruppe Schreihälse vertrieben wird und ein negatives Image in der Öffentlichkeit entsteht – strategisch schlecht!

In pragmatischer Hinsicht sollte es vor allem darum gehen ein Gefühl der moralischen Empörung über Diskriminierungen und Benachteiligungen von Männern in der Öffentlichkeit wachzurufen. Wollt Ihr Erfolg haben, dann strengt Eure Phantasie an und überlegt Euch, was in dieser Hinsicht funktionieren kann.

Konkrete Beispiele von Jungen und Männern, die stark unter bestehenden Missständen leiden, können ein gutes Mittel sein. Ein konkretes Beispiel bewirkt bei vielen Menschen mehr als tausend Statistiken (letztere sollte man als Beleg allerdings auch zur Hand haben.)

Bildliche Darstellungen können sehr effektiv sein.

Propagandistische Aktionen, die aus dem Rahmen des Gewohnten fallen – aber in sympathischer Weise – können hilfreich sein.

Besonders menschenverachtende Zitate von Radikalfeministinnen können angeprangert werden.

Vielleicht ist irgendwer der Meinung, was ich hier gesagt habe, sei doch offensichtlich und ein alter Hut, außerdem zu allgemein und zu wenig konkret. Nun ja, ich hatte bislang einfach nicht den Eindruck, dass Strategiediskussionen in der Männerrechtsbewegung tatsächlich unter der von mir vorgeschlagenen Prämisse geführt werden.

Es ist natürlich auch nicht meine Aufgabe, hierzu ein detailliertes Konzept zu entwickeln.

Ich bin weder Männerrechtler noch Feminist, sondern nur ein linker Gutmensch, der jede Diskriminierung ablehnt, egal ob Frauen oder Männer betroffen sind.

Ich bin übrigens auch nicht der Ansicht, dass alle in unserer Gesellschaft bestehenden Benachteiligungen von Männern nur vom Feminismus herrühren. Manchmal spielen gewisse Varianten des Feminismus eine Rolle, manchmal sind ganz andere Faktoren ausschlaggebend.

Die Männerrechtsbewegung gleicht der feministischen Bewegung sehr darin, dass multikausale Analysen der Ursachen bestehender Missstände nicht so ihre Stärke sind. Für die einen ist es immer „das Patriarchat“, für die anderen immer „der Feminismus“.

Die Wirklichkeit scheint mir doch komplexer. Allerdings teile ich die Ablehnung von misandrischem Radikalfeminismus und Genderfeminismus in ihren Grundlagen wie ihren Auswirkungen voll und ganz.

Meine Wertschätzung für bestimmte Equity-Feministinnen, liberale Feministinnen und Anarcha-Feministinnen beeinträchtigt dies allerdings nicht.

O.K., zurück zum Thema: Mein Vorschlag ist wie gesagt Strategiediskussionen, Öffentlichkeitsarbeit und praktische Aktionen immer bewusst unter der zentralen Prämisse durchzuführen: Wie kann moralische Empörung über Unrecht in der Öffentlichkeit wachgerufen werden? Dabei sind wahrnehmungs- und kommunikationspsychologische Erwägungen von herausragender Bedeutung.

Es mag persönlich befriedigend sein, sich in irgendwelchen Foren auszukotzen, pragmatisch wegweisend ist das nicht. Die Mehrheitsbevölkerung kann nur gewonnen werden, wenn man in für sie nachvollziehbarer Weise an sie herantritt. Das Entstehen einer von der Mehrheitsbevölkerung abgeschotteten Subkultur oder eines elitären Zirkels sollte unbedingt vermieden werden.

Der Radikalfeminismus diskriminiert nicht nur Männer sondern auch Frauen: Frauen, die von sich aus gerne Hausfrauen und Mütter sein wollen, Frauen, die ohne Quoten Karriere machen wollen, Frauen, die ihre Väter, Männer, Söhne, männlichen Freunde lieben, Frauen, die ihre Heterosexualität genießen. Das sollte einbezogen werden. (Nebenbei bemerkt: der Radikalmaskulismus diskriminiert natürlich auch Männer, insbesondere Schwule und Migranten. Auch da gleichen sich die Fanatiker auf beiden Seiten wieder darin, dass sie es noch nicht einmal fertig bringen die jeweils eigene Zielgruppe konsequent zu umfassen.)

Also, worauf ich hinaus will: die Männerrechtsbewegung wäre m.E. gut beraten anstatt frauenfeindliche Einstellungen in den eigenen Reihen zu kultivieren, besser die Frauenfeindlichkeit der anderen Seite deutlich zu machen.

Die meisten Frauen sind keine Parasiten, genauso wenig wie die meisten Männer patriarchalische Gewalttäter. Mütter leiden ebenfalls darunter, wenn ihre Söhne in der Schule scheitern, Selbstmord begehen, Drogen- und Alkoholprobleme entwickeln. Die Interessen von Männerrechtlern und den Müttern von Jungen gehen hier unmittelbar ineinander über. Warum wird das nicht genutzt?

Das Potential, hinsichtlich Intersektionalitäten und thematischer Überschneidungen mit anderen sozialen Bewegungen wird ebenfalls weder theoretisch herausgearbeitet, noch praktisch genutzt.

Die Männerrechtsbewegung weist viele Intersektionalitäten und Bezüge zu anderen Bewegungen auf: Das Thema der Diskriminierung von Jungen hat Bezüge zur Kinderrechtsbewegung, das Thema speziell der Diskriminierung von ausländischen Jungen hat eine deutlich antirassistische Komponente, die Forderung, dass männliche behinderte Gewaltopfer ebenfalls ein Anrecht auf einen Selbstbehauptungskurs haben sollen, überschneidet sich mit Forderungen von Interessengruppen von Menschen mit Behinderung, das Thema der hohen Zahl männlicher Arbeitsunfälle hat eine kapitalismuskritische Dimension, der Kampf gegen die einseitige Wehrpflicht eine potentiell antimilitaristische, – vieles weitere könnte genannt werden.

Vermutlich liegt es daran, dass die politisch heterogene Männerrechtsbewegung einen relativ starken konservativen Flügel hat, dass solche Intersektionalitäten und thematischen Überschneidungen mit anderen sozialen Bewegungen weder theoretisch reflektiert noch im Sinne einer konstruktiven Bündnispolitik genutzt werden. Strategisch klug ist das m.E. nicht – auch nicht, wenn man konservativ ist und sich den Erfolg der eigenen Bewegung wünscht.

Dass die Forderung eines Adoptionsrechts für homosexuelle Paare kein selbstverständliches Anliegen der Männerrechtsbewegung ist, ist auch wieder so eine Inkonsequenz.

Wer Männerrechtler ist, der sollte m.E. jede Diskriminierung und Benachteiligung von Männern kritisieren, und nicht nur bestimmte, die ihm ideologisch in den Kram passen. (Aber jede Diskriminierung ihrer jeweiligen Bezugsgruppe zu kritisieren, das kriegen Männerrechtler ja genauso wenig hin wie Feministinnen.)

Worauf ich hier hinauswill, ist hoffentlich deutlich geworden: Durch Isolierung von anderen sozialen Bewegungen mit sich überschneidenden Themen bleiben viele praktische Möglichkeiten ungenutzt.

Ich finde das interessante Denkansätze und stelle daher den Kommentar hier noch einmal als Artikel ein.