Gemurmel aus dem Schlafsack

Ein Freund macht eine Party. Es sind einige Leute von außerhalb dort, ich auch, die dort übernachten werden.

Während der Party hatte sich einer der Gäste von zwei Uhr bis 4 Uhr mit einer in der Schönheit durchaus zu ihm passenden Blondine unterhalten. Er ist Single, sie ist Single, man hört immer wieder ihr Lachen über etwas von ihm gesagten. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Aber er bleibt beständig auf einer körperlichen Distanz, hält brav den üblichen Abstand ein, unterhält sich viel, lacht viel, aber eskaliert nicht, versucht sie nicht zu berühren, bringt sie nicht aus der Küche hinaus an einen ruhigeren, weniger hellen Ort, wo sie ungestörter sind, isoliert sie nicht von den Anderen, um zu Kino (Berühren) und Komfort (Gefühlsbindung herstellen) überzugehen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt wo es spät wird, wo es von „Party“ zu „ich will das Sofa als Schlafplatz“ übergeht. Die Partystimmung läßt nach, die, die aus der Stadt kommen, schwinden immer mehr dahin, vereinzelt sind Schlafsäcke zu sehen, erste Gähner kündigen von viel Alkohol und später Urzeit.

Sie merkt, dass die Party zuende ist und sie irgendwas machen muss. Sie sagt „Ich mach mich dann auch besser mal auf den Weg, es ist spät“ Es hängt mit einem zu leichtem Fragezeichen in der Luft.

Er sagt „Ja, es ist wirklich spät“. Man sieht das er nicht glücklich ist, aber er kann es nicht ändern, ihm fällt nicht ein, was er sagen soll. Er hätte es früher überleiten sollen, sie dazu bringen etwas zu trinken und dann dort zu schlafen, weil sie so nicht mehr nach Hause kommt. Oder früher eskalieren und dann mit zu ihr fahren, bevor man im hellen Licht der Küche vor Leuten aus dem Nichts heraus so etwas vorschlagen muss. Er hat weder die Phasen noch die Dynamik eines solchen Flirts beachtet, nicht geplant oder intuitiv erfasst, wie er bei ihr vorankommt, einfach nur gehofft, dass es schon irgendwie laufen wird. Er ist zu passiv geblieben und hat eine Gelegenheit verschenkt. Er sieht auch keine Rettung, kommt nicht darauf, sie noch nach unten zu geleiten und dann immer weiter oder traut es sich nicht.

Sie geht.

Als alle Leute schlafen hört man aus seinem Schlafsack ein leichtes Gemurmel: „Verdammt!“ murmelt es. „Ich hätte was sagen sollen!“ murmelt es. „Warum habe ich nichts gesagt!“ murmelt es.

Er sieht nicht, dass er das Spiel bereits viel früher verschenkt hat.