Lucas Schoppe zu dem Fehler über „Strukturen“ zu reden, diese Strukturen aber über Eigenschaften von Menschen zu beschreiben

Lucas hat einen interessanten Kommentar geschrieben, der sich zu besprechen lohnt. Ausgangslage war der Artikel, in dem rassistische Beleidigungen von Indern gegenüber Schwarzen als Verkörperung von „Weißheit“ angesehen wurden:

Wenn „Weißsein“ / whiteness eine Struktur, nämlich eine Macht- und Gewaltstruktur bezeichnet, die durch Privilegien, Ansprüche („entitlement“) und Ignoranz gegenüber Nicht-Weißen gekennzeichnet ist – und wenn Gewalt gegen Nicht-Weiße insgesamt zu interpretieren ist als Ausdruck solcher Strukturen – dann ist es nur logisch, Menschen, die solche Gewalt ausüben, als irgendwie „weiß“ zu interpretieren. In einem strukturellen Sinne halt.

Das lässt sich, so wie viele andere blödsinnige Statements auch, in einer einfachen Deduktion darstellen.
1. Gewalt gegen People of Color ist weiß.
2. x übt Gewalt gegen People of Color aus.
Also: x ist weiß.

Der Fehler steckt natürlich schon in der ersten Prämisse. Gewalt kann alles mögliche sein, heimtückisch, brutal, vielleicht sogar hilflos, aber nicht weiß. Das ergibt ebenso wenig Sinn, wie wenn man behaupten würde, Gewalt wäre rosa mit grünen Herzchen drauf.

Der Blödsinn ergibt sich aus einem Kategorienfehler – nämlich angeblich über „Strukturen“ zu reden, diese Strukturen aber über Eigenschaften von Menschen zu beschreiben („männlich“, „weiß“, manchmal auch „alt“).

Ja, die Gleichsetzung von Gruppen mit gesellschaftlichen Strukturen ist einer der Grundfehler des Feminismus, weil dadurch so getan wird als gäbe es tatsächlich einen einheitlichen Block „Mann“ oder „Weiße“, die alle bestimmte Strukturen erzeugen und dafür verantwortlich sind und alle davon profitieren und um die Erhaltung dieses Zustandes mit anderen Gruppen kämpfen. Es ist eine stark vereinfachende Theorie, die ideal dafür ist einen Sündenbock zu finden oder eine Gruppe abzuwerten, aber keine durchdachte Theorie.

 

Das hat drei Konsequenzen, die jeweils so gravierend sind, dass man so etwas einfach nicht machen sollte.

Erstens lassen sich auf diese Weise soziale Strukturen niemals sauber analysieren. Man tut immer nur so, als ob man analysieren würde, haut aber lediglich Ressentiments raus.

Das ist in der Tat richtig. Es sind eben monokausale Ansätze, die einer komplexen Welt nicht gerecht werden können und damit tatsächliche Gründe verschleiern. Wer annimmt, dass die Männer den Frauen die Führungspositionen wegnehmen, der verkennt den vollkommen verschiedenen Einsatz, die Heterogenität der Gruppen, die unterschiedlichen Interessen und die Vorteile, die andere Lebensprioritäten bieten können.

Zweitens ist das prototypisch biologistisch. Denn im Unterscheid zu dem, was echte Biologen tun, werden hier biologische Kategorien mit politischen und moralischen Fantasien aufgeladen.

Was uns zu der Frage bringt, was biologistisch ist. Feministen würden da wahrscheinlich die Augen verdrehen und erwidern, dass es nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, aber mit den Geschlechterrollen und den Rollen, die jeweils den jeweiligen Menschen nach „Körperteilen“ zugewiesen werden. Dass nicht sie diese Aufladung betreiben, sondern sie ja gerade bekämpfen, aber dazu eben aufzeigen müssen. Die Gesellschaft gebe eben Frauen vor, dass diese die Kinder erziehen müssen, erzeuge das Bild, dass Frauen nicht für Führungspositionen geeignet sind etc. Und weil die Geschlechterrollen so strikt und so verschieden wären würden eben auch die deutlichen Unterschiede entstehen.

Drittens ist die gezielte Konfusion von biologischen und strukturalistischen bzw. politischen Kategorien eine Einladung, das alte „Feld-und-Festung“-Spiel (Motte and Bailey) zu spielen. (https://allesevolution.wordpress.com/2018/12/11/toxische-maennlichkeit-als-vergiftungsmetapher-und-feld-und-festung-strategie/ ) Jemand lanciert hochproblematische, entwürdigende, vielleicht auch hetzerische Angriffe gegen viele andere, agiert also auf einem weiten Feld – zieht sich aber, wenn es Kritik gibt, sofort in eine Festung zurück und erklärt, dass das alles doch ein Missverständnis wäre und SELBSTVERSTÄNDLICH gar nicht so gemeint gewesen sei.

„Feld und Festung“ ist eh einer zum Verständnis bzw zum Kritik am Feminismus ganz wesentliche Figur. Und in der Tat greift dies auch hier: Männer/Weiße/etc angreifen und sich dann darauf zurückziehen, dass ja nicht die Personen, sondern die Strukturen, das „Weißsein“ oder eben die „Toxische Männlichkeit“ gemeint ist ist dann eben eine gute Rückzugsmöglichkeit, mit der man Hass verbergen kann.

„Kill All Men!“
„Wie kannst Du nur so einen menschenfeindlichen Scheiß daherreden?“
„Oh, das ist mal wieder so ein typische Missverständnis. Kill All Men bezieht sich doch nicht auf Männer, sondern auf Strukturen. Informier dich erstmal, bevor du deinen Senf dazuhaust, der eh niemanden interessiert.“

Dieses Spiel, offensichtliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mit Unschuldsmiene als Struktur- und Gesellschaftskritik zu verkaufen, wird eben gerade durch die gezielte Konfusion biologischer und politischer Kategorien möglich.

Insoweit findet sicherlich eine Vermixung statt: Der Mann ist gleichzeitig Mann, aber auch Struktur. Je nach dem, was gerade besser passt oder wie vorsichtig man sein muss.

Einen ganz ähnlichen Text wie den oben zitierten habe ich schon vor vielen Jahren mal in der Emma gelesen, den ich allerdings gerade nicht wiederfinde. Das Argumentationsmuster ist aber jedenfalls schon lange gängig.

Dort ging es um Gewalt in lesbischen Beziehungen, und ich habe den Text gelesen, weil ich erleichtert war, dass endlich einmal eine Gewalt thematisiert wurde, an der ich nicht qua Mannsein mitschuldig war. Ich hatte mich natürlich geirrt:

Die Autorin erklärte Gewalt in lesbischen Beziehungen damit, dass die heterosexuellen Strukturen so machtvoll und umfassend wären, dass NICHT EINMAL lesbische Beziehungen davon frei sein könnten. Eine Frau, die eine andere Frau schlägt, würde also in diesem Moment die männliche Rolle übernehmen, die ihr von der Männergesellschaft aufgenötigt wurde.

„Gewalt ist männlich.“
„Aber da vorne schlägt doch eine Frau zu!“
„Nee, das ist ein Mann, denn dieser Mensch ist gewalttätig, und Gewalt ist männlich – also muss er ein Mann sein. Ist doch logisch.“

Der Feminismus muss halt irgendwie seine Theorien stimmig bekommen und mit der Umdeutung gelingt das irgendwie zumindest theoretisch.

Wenn nach der Theorie das Ergebnis 8 sein muss, aber die Aufgabe 5+4 lautet, dann muss eben die 5 eine andere 4 sein oder die 4 eigentlich eine drei. Man schafft des Kaisers neue Kleider.

40 Gedanken zu “Lucas Schoppe zu dem Fehler über „Strukturen“ zu reden, diese Strukturen aber über Eigenschaften von Menschen zu beschreiben

  1. Manchmal vergleiche ich feministische Fanatiker mit Chemtrail-Fanatikern:

    Ja, die Emissionen in großer Höher wirken schädlicher als in Bodennähe.

    Ja, es gibt Machtstrukturen die unfair, ausgrenzend und gewaltätig wirken.

    Ja, es gibt chemische Zusätze im Kerosin die teilw. geheim gehalten werden, weil die eine Nation höher fliegen mag, ohne das was gefriert oder sich störende Gase im Tank bilden.

    Ja, es gibt Gruppen die Macht haben und die auch mit unlauteren Mitteln verteidigen wollen, und sehr wahrscheinlich enstehen da für die Gesellschaft schädliche Strukturen.

    Statt aber die Wachstumsraten und absehbar höheren Emission die zweifelsohne einen Einfluss auf Wolken haben (Kristallisationskeime, Wassertröpfchenkollision, Verwirbelungen) zu diskutieren, werden Verschwörungstheorien über Gehirnkontrolle und Bevölkerungsreduktion erstellt.

    Statt Machstrukturen zu dikutieren, werden Verschwörungstheorien über Männer versus Frauen aufgestellt. Es wäre doch mal interessant sogenante Schattenmächte ins Licht zu holen und deren Wirken zu analysieren (siehe zBhttps://www.youtube.com/watch?v=QDMaM0jhOc8 1h38m ). Aber der Feminismus hat selbst schädliche Strukturen entwickelt, zB ein wissenschaftliches Authoren-System wo sich gegenseitig referenziert wird, um mehr Punkte und einen höheren Rang zu erhalten. Kritik ist dabei unerwünscht und wird mit der kalten Schulter bestraft, kritische Stimmen werden dadurch ausgegrenzt.

    Der Feminismus hat heute viele schädlcihe Machstrukturen einfach 1zu1 reproduziert, und versucht eher aufgedeckte Techniken selbst zu verwenden, als deren schädliches Wirken zu verhindern.

    Ich frage mich ob das im Menschen strukturell steckt, zB Schlangenkopf-beißt-in-Schwanz Logikkreise zu verfallen, um einen eingeschworenen Zirkel die Macht zu bewahren. Oder ob (achtung Verschwörungstheorie!) irgendwelche Machteliten, die bedrohenden Entwicklungen, durch geschickte Techniken, in die Irre führen.

    Also das berechtigte Kritik an Kondensstreifen und dem Wachstum des Flugverkehrs, oder an verkrusteten Machstrukturen, durch irgendeine Form der Beeinflussung in wahnsinige Theorien getrieben werden.

    Mit der Folge das berechtigte Kritik verdeckt wird und in der Öffentlichkeit oder in der wissenschaftlichen Diskussion oberfächlich nur der Wahnsinn sichtbar ist.

    Diese Erscheinung des Umlenkens von sachlich in wahnsinnig, kann man auch bei Extinction Rebellion sehen, wo man einfach fragen könnte was mit Emissionen und Mitwelt passiert wenn China, Indien und Afrika das Konsumniveau von USA erreicht haben, blockieren Irre umweltfreundlichste Verkehrsmittel wie Züge!

    Oder zB Tierrechtler, da gibt es IMHO im Umgang mit unseren Erdenmitbewohnern gewichtiges ethisches zu diskutieren, aber ein kleiner Teil von denen flipt derart aus, dass Hochsitze angesägt werden.

    Da frage ich mich auch ob selbsternannte Machteliten nicht schon ewig kompensations Strategien entwickelt haben, genau wissen welcher Typ Mensch welche Kritik in kämpferisches Handeln umwandelt, und wie dieses kämpferische Handeln in Wahnsinn umgewandelt werden kann.

    @Androsch Kubi, u.a. was meinst du?

    • Oh, da du speziell mich fragst, offenbar als Fan von Verschwörungstheorien 🙂

      „Da frage ich mich auch ob selbsternannte Machteliten nicht schon ewig kompensations Strategien entwickelt haben, genau wissen welcher Typ Mensch welche Kritik in kämpferisches Handeln umwandelt, und wie dieses kämpferische Handeln in Wahnsinn umgewandelt werden kann.“

      Ich versuche mich immer selbst in diese Machteliten hineinzuversetzen und frage mich, wie ich Ziel XY erreichen könnte, wenn ich nur skrupellos und reich genug wäre.

      Dazu müssen die nicht viel über den Typ Mensch wissen, sie müssen sich nur bewusst sein, dass es radikalisierbare Menschen gibt (und die gab es immer). Der Rest ist „Geld drauf werfen“ und „Netzwerke aufbauen“. Die Wespen kommen automatisch, wenn man einen Topf Honig aufstellt. Über die Finanzierung der Vereine kann stets subtiler Druck aufgebaut werden und die nützlichsten (in dem Fall z.B. radikalsten) Köpfe werden befördert. Scheren sie zu sehr aus, bringt man sie mit einem Telefonat wieder auf Spur. Mehr ist nicht nötig. Fehlschläge werden dabei selbstverständlich einkalkuliert, weil unvermeidbar. Man schaut nur zu, wirft Geld darauf, organisiert hin- und wieder eine Konferenz, damit die sich alle kennenlernen und vernetzen und justiert hier- und da ein bisschen nach. Der Rest ist ein Selbstläufer, weil man ja Überzeugungstäter engagiert hat und die oft auch noch unter dem Druck stehen, ihre eigene Finanzierung als lohnend zu beweisen.

      Verstärken lässt sich das natürlich trotzdem noch, wozu hat man Zeitungen, wozu einen eigenen Lobby-Pass fürs Kanzleramt? Man stellt z.B. eine Art Campact-Plattform ins Netz, rückt medial ein dringliches Thema ins Rampenlicht und wird auch noch persönlich vorstellig, droht oder bietet Parteispenden oder Aufsichtsratsmitgliedschaften an.

      So würde ich vorgehen! Viele Politiker sind wohl recht billig zu haben, auf Geld und Medienlob angewiesen und voller Angst vor Shitstorms…

      Wenn es also eine Organisation wie XR gibt, bei der sogar bekannt ist, dass die Aktivisten Geld bekommen, dann kann man davon ausgehen, dass deren Radikalität gewollt ist. Sollten sie trotz medialen Fehlschlägen (Sympathieverlust) weiterhin genauso agieren, wie sie es tun, könnte auch das gewollt sein.

      Was plausibel ist, können wir nur wissen, wenn wir das Ziel kennen! Angenommen Umweltanstrengungen sollen lächerlich und unmöglich gemacht werden, könnte man das z.B. genau so angehen. Wohlwissend, dass die Aktivisten in ihrer Begrenztheit und Radikalität unwissentlich ihrem Ziel genau entgegenarbeiten. Aber vielleicht spielt man auch nur, lässt „Testballons“ steigen, probiert aus wie weit man gehen kann, wieviele Leute mitmachen usw. lernt daraus, koordiniert neu, ergänzt und macht noch und noch einen Anlauf „steter Tropfen höhlt den Stein“, irgendeine Schwachstelle tut sich irgendwann immer auf und dann schiebt man energisch den Fuß in die Tür…

      Reicht das als Antwort?

      • Ach so, vielleicht noch als Abgrenzung. Es gibt psychologisch natürlich viele Ansätze, die sich auch vom Ausgangspunkt her unterscheiden.

        Will ich eine anerkannte Sache im Mainstream ins Aus rücken oder will ich ein unangenehmes Thema nur im Aus halten (oder auch ins Rampenlicht rücken). Ersteres ist sehr aufwendig, für Zweiteres reicht das Schalten einer durchgeknallten VT-Webseite, auf die man immer verweisen kann, wenn das Thema hochkocht (ala „schaut sie euch an, die Verrückten, die glauben wirklich jeden Schei**!“) wirkt fast hundertprozentig, weil es erstens tatsächlich in jeder Szene Leute gibt, die einfach unkritisch alles glauben und weil zweitens niemand zu den Idioten gehören möchte und jeder Mainstreamler daher versucht, das Thema weiträumig zu umschiffen (und gelegentlich über „die Spinner“ abzulachen).

        Dirk Pohlmann unterscheidet da mehrere Arten von Beeinflussung und Desinformation, ich bekomme jetzt nicht alle aus dem Kopf hin, aber es läuft darauf hinaus, dass es „verstärkende“ gibt, die genau so wirkt. Desinformation, die eine Szene lächerlich machen soll oder dazu führt, dass Einzelpersonen komplett durchdrehen (djadmoros kann was dazu erzählen, er hat einen Fall aus der Ufo-Szene recherchiert).

        • Ja, danke für die Antwort.

          Ich würde nur den „Radikale“ mit „fanatische Extremisten“ ersetzen, da man „radikal“ auch als Synonym für „konsequent“ nehmen kann.

          Ich mache es genauso, schauen welche Agenda zersetzend, verstreuend oder aufwiegelnd wirkt und welche Themen verdeckt werden sollen, wo Handeln in Nutzloses umgelenkt werden soll.

  2. „Feministen würden da wahrscheinlich die Augen verdrehen und erwidern, dass es nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, aber mit den Geschlechterrollen und den Rollen, die jeweils den jeweiligen Menschen nach „Körperteilen“ zugewiesen werden.“

    Zunächst einmal möchte ich unserer schönen Sprache danken, dass wir von einem biologischen und einem sozialen Geschlecht sprechen können. 🙂
    Die Geschlechterrolle wäre nach diesem Verständnis eine soziale Rolle – insofern sie sich auf das soziale Geschlecht bezieht und damit änderbar.
    Die soziale Rolle(n), die das Individuum zu spielen hat, verdankt sich (einem Bündel) gesellschaftlicher Erwartungen und diese orientieren sich an der Erfüllung von (gesellschaftlichen) Funktionen.

    An den zwei letzteren Punkten kommt die feministische Weltsicht in Erklärungsnot, denn da Frauen 50% von Gesellschaft stellen ist anzunehmen, sie sind an der Formulierung von Erwartungen an das männliche Individuum hälftig beteiligt und das Funktionieren des männlichen Teils der Gesellschaft läge auch in ihrem Interesse. Wären sie an der Zuweisung dieser Rollen beteiligt, trügen sie für deren Resultate jedoch die hälftige Verantwortung.

    Ergo kann es eine solche, tatsächlich gesellschaftlich geprägte männliche Geschlechterrolle nicht geben, denn das würde der These einer „männlichen Gesellschaft“, „Männergesellschaft“, eines „Patriarchats“ widersprechen.
    Nach einer solchen Sichtweise ist es naheliegend, ausschließlich männliche Interessen prägen Geschlechterrollen in einer „Männergesellschaft“ – oder verkürzt: Mann = Gesellschaft.

    Auf diese Art kann man sich bspw. um die Beantwortung der Frage herumdrücken, wie es dem „Patriarchat“ gelingt, Erziehung des Nachwuchses dominant zu einer Frauensache zu machen, deren Resultat jedoch ausschließlich Männern nützt. Alles voller „männlicher Strukturen“ und internalisiertem „Patriarchat“ (insbesondere bei Frauen) und erst ab einer Frauenquote von 126% zu ändern. 😉
    Als Trostpreis für die „rettende Weiblichkeit“ gibt es den unterverantwortlichen Status als permanent „anwesend Abwesende“ oder „abwesend Anwesende“ in der „männlich dominierten“ Gesellschaft.

    D.h. die permanente Verwechslung und Gleichsetzung von biologischem und sozialen Geschlecht, wenn es sich um „Mann“ handelt ergibt sich aus diesem Kurzschluss wie von selbst.
    Gibt es destruktive Erscheinungen in der „Männergesellschaft“, lässt sich dies auf das destruktive männliche Wesen zurückführen und umgekehrt.
    An diesem Punkt wird „toxische Männlichkeit“ gleichbedeutend mit biologischer Männlichkeit, biologisches und soziales Geschlecht deckungsgleich.

    Kurzum: Lucas hat den feminisierenden Biologismus berechtigt kritisiert, der sich im vulgären Intersektionalismus m.E. als deterministischer Biologismus verschärft.

    • An den zwei letzteren Punkten kommt die feministische Weltsicht in Erklärungsnot, denn da Frauen 50% von Gesellschaft stellen ist anzunehmen, sie sind an der Formulierung von Erwartungen an das männliche Individuum hälftig beteiligt und das Funktionieren des männlichen Teils der Gesellschaft läge auch in ihrem Interesse. Wären sie an der Zuweisung dieser Rollen beteiligt, trügen sie für deren Resultate jedoch die hälftige Verantwortung.

      Genau hier dockt die „grosse feministische Erzählung“ an, eine universelle Geschichtsdeutung, die zumindest teilweise erklärt, warum der Feminismus politisch erfolgreich ist und attraktiv erscheint.
      Kurz zusammengefasst lautet die Erzählung folgendermassen: Jahrtausende lang war die Welt eine männliche, von Männern für ihre Bedürfnisse gestaltete Welt, an der Frauen kaum oder gar keine Teilhabe hatten, bis sich der Feminismus bildete und die gesellschaftlichen Strukturen von Grund auf zu ändern anschickte, um die Frauen zu befreien. Feminismus hat damit den Status einer religiösen Erweckungsbewegung.
      Solch grosse Erzählungen sind überaus attraktiv, auch wenn sie bei genauerem Hinsehen nicht überzeugen, da sie Deutungsmuster liefern, die universell anwendbar sind und in einer komplexen und grösstenteils unverständlichen Welt scheinbar alles erklären.

      • Pjotr, mein Reden: Frauen wurden schon als Einzellerin zur Zellteilung gezwungen. 😉

        „Feminismus hat damit den Status einer religiösen Erweckungsbewegung.“
        Völlig einverstanden.

        Aber gerade habe ich, als Frau Ministerin Franziska Giffey, ja diesen brandneuen und hotten Text als Einleitung zu meiner Dissertation geschrieben:
        „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

        In der ich als Frau für und von uns, insbesondere Frauen, eine sogenannte „Mündigkeit“ fordere und zwar präzedenzlos (!!!). Mir ist das unangenehm, evtl. ist es überfordernd, traumatisierend und/oder erzeugt Hitzewallungen?
        Was meinst du?

        • Was sind das für Zeiten…

          Ich habe jetzt eine geschlagene Minute drüber nachgedacht, ob Giffey tatsächlich in ihrer Einleitung ein nicht deklariertes Kant-Zitat hat oder nicht.

          Ich neige zu „nicht“, aber nicht, weil ich Giffey das nicht zutrauen würde, sondern weil ich „Das passt zu crumars Humor“ für ein Quäntchen plausibler halte.

          O Tempo’a, o mo’es.

        • In der ich als Frau für und von uns, insbesondere Frauen, eine sogenannte „Mündigkeit“ fordere und zwar präzedenzlos (!!!). Mir ist das unangenehm, evtl. ist es überfordernd, traumatisierend und/oder erzeugt Hitzewallungen?
          Was meinst du?

          Meine Rede seit langem ist, dass der Feminismus in nahezu allen Varianten lediglich die Transformation des traditionellen Geschlechterverhältnisses ist, die Anpassung an veränderte Bedingungen und eben gerade gar nichts an den grundlegendsten Strukturen des Geschlechterverhältnisses ändert.
          Mir scheint, es sind die sogenannten Antifeministen – viele zumindest – die Frauen ernst nehmen und dafür werden sie gehasst. Wer auch immer Frauen so wie Männer beurteilt, dem wird mit Schaum vor dem Mund geantwortet. Rational ist das nicht und es kann auch nicht rational angegangen werden. Vielleicht hat Evo-Chris ja doch teilweise recht und es handelt sich um tief verankerte Emotionen oder gar Instinkte.

  3. „internalisiertem „Patriarchat“ (insbesondere bei Frauen) “

    Dazu schön Sandra Konrad in „Das beherrschte Geschlecht“. Im ersten Viertel des Buches zeigt sie, wie Frauen über Jahrhunderte Unterdrückt wurden, also insbesondere auch sexuell. Später im Buch kommt sie dann auf die heutige Situation zu sprechen und wundert sich, wieso gerade junge Frauen keine Problem mit Pornos haben und zitiert einige junge Frauen mit Aussagen zu Sex-Erlebnissen. Eigentlich handelt es sich bei allen diesen Zitaten um ganz selbstbestimmten Sex (viele der Aussagen handeln von Fellatio). Das bezeichnet Sandra Konrad dann aber als Selbstbetrug! Diese jungen Frauen, die sie zitiert und allgemein die heutige Generation, die doch laut ihrer eigenen Aussage alle (sexuelle) Freiheit hat, würde ihre eigenen Wünsche und Grenzen nicht kennen, da wir die patriarchalischen Strukturen so verinnerlicht haben und daher Spaß daran haben, das zu machen, was Männer wollen und das zu mögen, was Männer mögen und nicht das, wir „eigentlich“ selbst wollen. Die offene Unterdrückung von früher hätte sich also nur gewandelt – und nur Dank Frauen wie Sandra Konrad weiß ich nun, dass ich das, was ich will, eigentlich doch nicht will.

    • @Hannah:

      »Dank Frauen wie Sandra Konrad weiß ich nun, dass ich das, was ich will, eigentlich doch nicht will.«

      Genau! Denn stell Dir nur vor, Du würdest das selbst entscheiden! Was wäre denn dann mit dem Vertretungsanspruch von Frauen wie Sandra Konrad, die der Gesellschaft weiterhin erzählen, »wie wichtig Feminismus immer noch« ist, weil sie Frauen wie Dir immer noch erzählen müssen, wie falsch Deine Selbstwahrnehmung immer noch ist – siehe, sprach der/die Herr_*In_x, ihr Herz ist verstockt! Und indem der von ihnen definierte Feminsmus »immer noch wichtig« ist, sind sie selbst »immer noch wichtig« – so sieht es aus, wenn ein arriviertes Establishment nur noch mit Eigenlegitimation beschäftigt ist.

      • Je mehr Rechte und Quoten und sowas es gibt, desto mehr kommen Feministinnen ja auch in Erklärungsnöte, wieso Frauen immer noch nicht zu (mindestens) 50% MINT-Fächer studieren, weniger Stunden, sch erdreisten, beim Kind zu Hause zu bleiben arbeiten etc. Siehe „Gender-Equality Paradox“ . Die Erklärung ist dann halt: Wir haben diese bösen Strukturen so total verinnerlicht. Das Ergebnis ist dann immer mehr Radikalismus, denn da ja offenbar bisher nichts geholfen hat und diese Strukturen durch Medien, Werbung usw. immer wieder verstärkt werden, helfen also nur noch mehr Zwänge, Verbote und möglichst frühe und umfassende Indoktrination.

          • @Hannah:

            »Nachträglich korrigieren ist wohl nicht vorgesehen, oder?«

            Korrekturtechnisch ist das hier der siebte Kreis der Hölle! 🙂 Manchmal vermurkse ich Kursivsetzungen, und das ist dann mal schmerzhaft … 😀

          • „Nachträglich korrigieren ist wohl nicht vorgesehen, oder?“

            Schreiben im Internet ist halt kein Geschlechtsverkehr, bei dem sich Frau hinterher korrigieren kann, dass es doch eine Vergewaltigung war.

          • Das ist hier kein Forum mit Anmeldung, sondern ein Blog.

            Ich kenne kein einziges Blog, in dem Kommentatoren ihre Beiträge editieren können.

        • Die Erklärung ist dann halt: Wir haben diese bösen Strukturen so total verinnerlicht. Das Ergebnis ist dann immer mehr Radikalismus, denn da ja offenbar bisher nichts geholfen hat …

          Womit dann die letzten Reste an Eigenverantwortung entsorgt wären. Konsequenterweise könnten auch Männer jegliche Verantwortung von sich weisen und auf die Prägung durch Gesellschaft und deren „Strukturen“ verweisen. Das aber wird, ganz dem tradierten Geschlechterverhältnis folgend, nicht akzeptiert. Männer sind verantwortlich und ihr Tun folgt einem Plan – dem Erhalt des weltumspannenden Patriarchats! Wenn wir diese steile These mal für einen kurzen Moment als gültig annehmen, dann hiesse das, dass Männer bewusst und planmässig agieren, während Frauen sich ihrer selbst nicht bewusst sind und als manipulierte Bauern … aaahm Bäuerinnen im grossen Schachspiel geopfert werden. Hat hier jemand Jeho … aahm progressiv gesagt?

    • Das größte Problem dieser Darstellung ist, Männern eine Macht zu unterstellen, die sie weder haben, noch haben wollen.
      Wir sind demnach so allmächtig, dass wir Frauen veranlassen können zu „machen, was Männer wollen und das zu mögen, was Männer mögen und nicht das, wir „eigentlich“ selbst wollen“ – ohne dass das Frauen überhaupt bemerken!
      Wenn es nicht so absurd wäre, mir diese Macht anzudichten, könnte ich mich geschmeichelt fühlen. 😉

      „Dank Frauen wie Sandra Konrad weiß ich nun, dass ich das, was ich will, eigentlich doch nicht will.“

      Ja, wenn Männer dich dermaßen ins Unbewusste hinein manipulieren können (per Telepathie, Telekinese, Hypnose, Manipulation, Teleportation und all den anderen heißen Scheiß, den wir exklusiv beherrschen), dann stehen deine Bedürfnisse immer unter einem Vorbehalt.
      Was du eigentlich willst kannst du gar nicht wissen, denn im Patriarchat ist das für Frauen immer „uneigentlich“.

      Und jetzt zur empirischen Realität, der wahren Wirklichkeit.
      In einer Studie, „an der 2330 heterosexuelle Paare teilnahmen, sollte untersucht werden, wie groß bei Männern und Frauen die Anteile der sexuellen Wünsche sind, die …

      – vom Partner bereits erfüllt werden („erfüllt“),
      – vom Partner derzeit nicht erfüllt werden, aber gern erfüllt würden, wenn sie bekannt wären („erfüllbar“),
      – vom Partner derzeit nicht erfüllt werden, weil er sie nicht erfüllen möchte („nicht erfüllbar“).“

      Ergebnisse:
      „Im Durchschnitt werden 35% der sexuellen Wünsche der Männer erfüllt (in der Grafik grün dargestellt). Dem gegenüber stehen 65% unerfüllte Wünsche. Bei Frauen sind es im Mittel 44% ihrer sexuellen Wünsche, die vom Partner erfüllt werden, während 56% ihrer Wünsche unerfüllt sind.

      Die unerfüllten sexuellen Wünsche unterteilen sich in …

      erfüllbare (in der Grafik gelb dargestellt) und
      nicht erfüllbare (in der Grafik orange dargestellt).
      Den weitaus größeren Teil der unerfüllten sexuellen Wünsche würden die Partner zusätzlich gern erfüllen, wenn diese sie nur kennen würden: Der Anteil erfüllbarer sexuellen Wünsche liegt bei Männern bei 36% und bei Frauen bei 40% ihrer sexuellen Wünsche.“

      Man kann wie folgt schließen: „Bei jedem zweiten Mann und jeder zweiten Frau ließe sich die Anzahl erfüllter sexueller Wünsche mindestens verdoppeln.“

      Noch einmal zum real existierenden Patriarchat und der Sexualität in Partnerschaften:

      – 35% der sexuellen Wünsche der Männer, aber
      – 44% der sexuellen Wünsche der Frauen wurden erfüllt.

      Das Patriarchat hat meiner Ansicht nach irgendetwas mit den Resultaten einer „Männerherrschaft“ missverstanden – sollte es nicht mindestens umgekehrt sein???

      Ich wiederhole noch einmal diesen Satz: „Der Anteil erfüllbarer sexuellen Wünsche liegt bei Männern bei 36%“ – die die Partnerin zusätzlich gern erfüllen würde, wenn sie diese sie nur kennen würde.

      Was übersetzt heißt: Das dominante, herrschende, ja, das allmächtige Geschlecht bekommt in der erbärmlichen Realität noch nicht einmal das Maul auf, um seine sexuellen Wünsche zu artikulieren.
      Ich würde mutmaßen, aus der Angst abgelehnt zu werden.
      Was sich leider nicht mit der These männlicher Allmacht verträgt…

      Auf Theratalk haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Paare zum reden über ihre Gefühle und Bedürfnisse zu bekommen.
      Ein erstaunlich vernünftiger Ansatz. 🙂

      https://www.theratalk.de/studie_erfuellbare_sexuelle_wuensche.html

    • „Im ersten Viertel des Buches zeigt sie, wie Frauen über Jahrhunderte Unterdrückt wurden“

      Nur Interesse halber: Geht Konrad auch auf die Situation von den Männern während dieser Jahrhunderte ein oder spielt die keine Rollen um zu behaupten das (nur) Frauen unterdrückt wurden?

      • „Geht Konrad auch auf die Situation von den Männern während dieser Jahrhunderte ein“

        Naja klar: Als Unterdrücker. 🙂

        An einigen Stellen ist es tatsächlich schon fast witzig. So beklagt sie sich z.B. darüber, dass die medizinisch Behandlung von Frauen im Mittelalter eher an Foltermethoden erinnert… äh ja… aber ich tippe mal, grundsätzlich, also auch für Männer. Wenn hier ein Experte für mittelalterliche Medizin hier ist, gerne korrigieren.

        Abgesehen davon mag das ja richtig sein, dass Frauen früher weniger Rechte hatten als Männer. Die Frage ist doch aber, ob das alles heute noch relevant ist. Ich würde sogar sagen, dass man als Frau in einigen Dingen mehr Freiheiten hat als Männer. So kann ich mich z.B. rosa oder blau anziehen, Röcke oder Hosen, Highheels oder Sneaker. Für Männer ist das wohl schwieriger.

    • Hanna, du denkst vielleicht, dass du weißt, was du willst, oder was Sandra Konrad will. Aber ihr werdet beide immer noch systemisch vom Patriachat gesteuert. Es ist sehr wirkmächtig und gewinnt am Ende immer!

  4. Das ist kein Fehler, sondern eine Strategie. Man will nicht als Sexist und Rassist, der man ist, angreifbar sein, also faselt man was von „Strukturen“, während man natürlich und immer Menschen meint und vor allem ihr Geschlecht oder ihre „Rasse“.

    Mittlerweile schützt nicht nur eine beknackte antiintellektuelle Hilfskonstruktion den linken Sexismus und Rassismus, sondern ganz real eine staatliche Institutionalisierung durch die zutiefst sympathische und erzdemokratische Merkel-Regierung. Am realen oder imaginierten Hass „der anderen“ (der Bodensatz der einfach unbelehrbaren, renitenten Mehrheit) zieht man sich hoch und inthronisiert Menschenfeindlichkeit in allen möglichen Variationen als Staatsraison (am deutlichsten bei dem Narrativ Klimawandel zu bestaunen).

    • „44% der sexuellen Wünsche der Frauen wurden erfüllt“

      Ja, aber doch nur, weil das gar nicht die eigentlichen, richtigen Wünsche sind…

      „„Der Anteil erfüllbarer sexuellen Wünsche liegt bei Männern bei 36%“ – die die Partnerin zusätzlich gern erfüllen würde, wenn sie diese sie nur kennen würde.“

      Bei Frau Konrad kommt das gleich an diversen Stellen vor. Obwohl sie selbst sagt, dass die von ihr interviewten Frauen z.B. Fellation als „ermächtigend“ beschrieben haben, ist das falsch, Selbstbetrug. Und Frauen, die ihr gesagt haben, sie praktizieren ab und an mal Dinge, die sie selbst nicht supertoll finden, einfach um dem Partner den Wunsch zu erfüllen – wohlgemerkt, ohne dass sie unter Druck gesetzt wurden – sind vollkommen unterdrückt, ohne das zu merken. (die von ihr durch die Zitate genannten Beispiele sind zudem noch völlig harmlos, da ging es also nicht um völlig abgefahrene, extreme Praktiken)

      Also Jungs, merkt euch das: Wenn eine Frau euch freiwillig einen sexuellen Wunsch erfüllt, dann unterdrückt ihr die Frau!

      • Ja, das ist bestimmt der beste Ratschlag für eine erfüllte partnerschaftliche Sexualität – internalisiertes Schuldbewusstsein! 🙂
        Ich kann mich erinnern, das hat bei der katholischen Kirche ausgezeichnet geklappt! /sarcasm off

  5. „Das ergibt ebenso wenig Sinn, wie wenn man behaupten würde, Gewalt wäre rosa mit grünen Herzchen drauf.“

    Das ergibt schon Sinn, wenn das Ziel eben nicht die Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse und die Lösung von Problemen ist, sondern das Ziel allein darin besteht, die westliche Zivilisation zu dekonstruieren und zu schwächen.

  6. M.E. kann man Weisssein schon als eine Strukturkategorie nehmen, jedoch nicht als eine Gruppenkategorie, also wo dann alle weissen Menschen darin subsumiert werden. Weil eine Gruppe meint ja alle Menschen dieser Gruppe und eine Struktur meint m.E. nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit oder Regelmässigkeit.
    Deshalb sehe ich den Kategorienfehler nicht, wenn sogenannte biologische Eigenschaften zu einer Strukturdimension erhoben werden, zumal Struktur hier ja sicherlich nicht die Biologie meint, sondern eben eine durch menschliches Handeln erzeugte Struktur.
    Die Analysekategorie Weisssein hat jedoch den Nachteil, dass hier eben nur die Struktur gemeint ist und somit die Handlungsebene nicht einbezogen wird. Hier greift man dann wieder auf die Analysekategorie Rassismus zurück, der eben für die Handlungs- und Strukturebene gebraucht werden kann.
    Das Konzept Weisssein hat jedoch m.E. eine Vielzahl von Nachteilen:
    1. Wie gesagt, es unterscheidet nicht zwischen Handlung und Struktur.
    2. Die Gefahr der Essenzialisierung: Dass also mit Weisssein so etwas gemeint wird wie Rassismus etwas mit der Identität oder der Biologie zu tun haben müsste, dies quasi nichts Gesellschaftliches ist.
    3. Damit verbunden ist, dass quasi suggeriert wird, dass quasi nur Menschen mit der Hautfarbe Weiss Rassismus hervorbringen können und somit immer auf der Täterseite stehen und Nichtweisse immer die Opfer sind und keine rassistische Struktur hervorbringen oder mitreproduzieren können.
    4. Die Frage stellt sich ja auch, wenn Chinesen oder andere Menschen mit einer anderen Hautfarbe Rassismus gegen Schwarze produzieren, wie das dann genannt werden will, weil das Konzept „Weisssein“ passt ja dann nicht mehr.
    5. Gerade weil das Konzept Weisssein biologistisch oder identitätspolitisch aufgeladen wird, verschlimmbessert es quasi das noch, was es eigentlich bekämpfen möchte. Es stösst auf Abwehr, weil sich niemand kollektiv als Tätergruppe brandmarken lassen möchte, zumal das Konzept eben nicht zwischen Handlung und Struktur unterscheidet oder für die Handlungsebene keine eigene Begrifflichkeit hat. Oder das Konzept führt dann zu einer Überidentifikation gewisser Weissen, wie man das analog und exemplarisch bei den Antideutschen sieht, die offenbar so unter dem Vorwurf leiden, dass sie Deutsche sind und sich irgendwie kollektiv als Deutsche schuldig am Holocaust und der Nazi-Herrschaft fühlen (Sippenhaftung), dass sie quasi Deutschland und die Deutschen nur noch als das Böse sehen und somit dieses eben bekämpfen. Ich sehe das Konzept Weisssein auch eher darin, dass sich hier so etwas wie Antideutsche herausgebildet haben, die vermutlich auch darunter leiden, dass sie weiss sind und nun alles möglich tun müssen, damit ihr Schuld getilgt wird und wieder mit Autorität sprechen können. Es geht also auch um sie um ihre eigenes symbolisches Kapital und ihr Wohlbefinden. 🙂

    • Ich finde immer lustig, wie das Weltbild von SJWs, Feministen und sonstigen Linken auf rationaler Ebene analysiert und widerlegt wird, als ginge es denen um eine rationale Analyse mit dem Ziel der Problemlösung.
      Wir haben es hier mit einer Ideologie zu tun.

      • Eben *nicht* bzw weniger Ideologie, denn dieses ist ein Gedankengebäude, welches rational zusammengefügt wird. Wir haben es mit einer esoterischen Weltanschauung zu tun, die sich ideologisch gesehen wie eine Schlange häuten kann (Nietzsche), und ebensoguteines in der Verkleidung eines mystischen Ökologismus als auch in der einer rational begründeten marxistischen Ideologie daherkommen kann, parallel oder zeitversetzt. Damit scheinen die meisten vollkommen überfordert zu sein und es ist daher eine ziemlich gute Abwehrstrategie des Feminismus, eine Tarnkappe.

      • Feministen lachen sich tot über diese nachgelagerten Rationalisierungen des Gegners, soweit sie sie überhaupt zur Kenntnis nehmen und es wirkt so, als erwarte der so vorgehenden feministische Gegner Fleißkärtchen vom Feminismus. Gibt es einen logischen Fehler in der feministischen Ideologie, so ist der Verursacher dieses Fehlers das sich rational gebende Patriarchat, denn es zwingt die Menschen in ein patriarchalisches Korsett, in dem die Gefangenen, wenn sie sich sich aus dem Korsett befreien wollen, Mittel verwenden müssen, die ihnen das Patriarchat gibt. Die Mittel sind so konzipiert sind, dass sie das Patriarchat stützen. Daraus folgt: begeht die feministische Ideologie einen logischen Fehler, ist das ein guter Indikator, dass er auf dem Weg der Befreiung ist – Lucas Schoppe hingegen, der den Fehler nachweist ist ein gute Indikator für das Patriarchat, das den Feminismus mit Logik kleinhalten will.

        In diesem Zusammenhang: ich habe das Buch von djadmoros angelesen. Es ist gut geschrieben und reich an Quellen und ist bis jetzt dem Titel treu, nämlich eine Historisierung des Feminismus zu versuchen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Buch eine kenntnisreiche Zusammenstellung feminismusbezogener Fakten ist oder darüber hinaus geht und dem Feminismus den Boden entzieht (was nach meiner Überzeugung nur durch Konfrontation geht). An einigen Stellen wird auf die Ähnlichkeit der 68er Bewegung mit dem Feminismus hingewiesen und aus der tatsächlichen stattfindenden Historisierung der 68er der hoffnungsvolle Analogieschluss gezogen, dass dies auch für den Feminismus möglich sein müsse. Es bleibt spannend.

      • In so wichtiger ist es aus meiner Sicht deren Fehler herauszustellen. Weil man damit gegen eine Ideologie immunisiert. Jemand, der die Fehler kennt lässt sich schwerer davon überzeugen als jemand, der sie nicht kennt.

        Das ist ähnlich wie zb Dawkins lesen Religion unlogischer erscheinen lässt

        • Apropos…

          https://slatestarcodex.com/2019/10/30/new-atheism-the-godlessness-that-failed/

          Interessanter Artikel von Scott Alexander mit der These, dass New Atheism vor 10 Jahren, also die Internet-Bewegung um Dawkins und Hitches et al, letztlich nicht viel mehr war, als eine Umdeutung der Ursünde: Die Wurzel allen Übels sei Religion. (Von Hitchens buchstäblich so geschrieben)

          Was eine sehr plausible Erklärung ist, warum aus so vielen lauten Atheisten dann ohne Reibungsverlust SJWs (Atheism Plus) wurden.

          Wahllos einer der Gedanken rausgegriffen:

          Sure, a lot of people who identify as atheists now are pretty critical of social justice. That’s because the only people remaining in the atheist movement are the people who didn’t participate in the mass transformation into social justice. It is no contradiction to say both “Most of the pagans you see around these days are really opposed to Christianity” and “What ever happened to all the pagans there used to be? They all became Christian.”

          • Hier ein Quercheck:
            – A Produkt + Markt survey, commissioned by WIN-Gallup International, conducted on November, 2014, found that 17% of Germany were „convinced atheists.“

            – A 2018 estimate shows that 37.8 % of the German population were nonconfessional, not member of an religious group.
            Quelle jeweils Wiki.

            Pew 2019: „Self-described atheists now account for 4% of U.S. adults, up modestly but significantly from 2% in 2009; agnostics make up 5% of U.S. adults, up from 3% a decade ago; and 17% of Americans now describe their religion as “nothing in particular,” up from 12% in 2009.“

            „Meanwhile, the religiously unaffiliated share of the population, consisting of people who describe their religious identity as atheist, agnostic or “nothing in particular,” now stands at 26%, up from 17% in 2009.“
            https://www.pewforum.org/2019/10/17/in-u-s-decline-of-christianity-continues-at-rapid-pace/

            Es gibt keine „western societies“ – wer die Unterschiede nicht sieht ist blind.

            Der Autor des Artikels schreibt: „But I imagine the same travelers visiting 2005, logging on to the Internet, and holy @#$! that’s a lot of atheism-related discourse what is going on here?“
            Diese Debatte hat mich 2005 einen Scheiß interessiert, weil sie hier gar nicht relevant war.
            Oder hat hier irgendwer aus dem Forum daran teilgenommen?
            Es hat auch nie jemand in D ernsthaft versucht, irgendwelche Kreationisten im Schulstoff unterzubringen oder „intelligent design“ – es also die Notwendigkeit nicht.

            Solche Äußerungen des Autors, die atheistische Organisation in den USA habe lediglich eine Umdeutung der Ursünde vorgenommen und „Die Wurzel allen Übels sei Religion“ zeigen m.E. mangelnde Selbstreflexion und eine bornierte Sichtweise.
            Sie haben sich aus dem manichäischen Denken des Christentums nicht befreien können und dazu hat ihr politisches System, bestehend aus lediglich zwei Parteien und dem Mehrheitswahlrecht alles Schlechte beigetragen.

            All das sind Faktoren, die erklären, warum es diese SJWs in D in vergleichbarer Anzahl nie gegeben hat.

          • „zeigen m.E. mangelnde Selbstreflexion und eine bornierte Sichtweise.“

            Lass das nicht all die Hitchens Fans hier hören. Der hat das buchstäblich gesagt.

          • Diese Idee bedeutet für die Menschheitsentwicklung ungefähr, als würdest du einem 4-jährigen Kind vorwerfen, es sei zu einer rationalen, wissenschaftlichen Denkweise nicht in der Lage und daher die Wurzel allen Übels auf der Welt.
            Das Kind glaubt an Drachen oder Fabelwesen?
            Bestimmt homophob und rassistisch!
            Hitchens nimmt demnach moderne Ansprüche an Welterklärung, Moral etc. pp., verfrachtet sie in die Geschichte und misst daran Religion bzw. ein religiöses Glaubenssystem, zieht dann eine Linie und betrachtet das „outcome“ in der Jetztzeit.
            Grober Fehler.
            Auch eine mythische Weltsicht ist eine Weltsicht – selbst der Gott des Donners enthält eine Kausalität und mit der Naturschranke fallen die Götter im Kampf der Titanen.

            Während die griechische Mythologie noch voller diversity und individueller Wahl war, gab es danach (oder davor, siehe Amun) allerdings einen unheiligen Drang zum Zentralismus (Monotheismus) und Kollektivismus, den ich hiermit anprangern möchte.

            Die Postmoderne begann mit dem Islam, der für sich beanspruchte, die Meta-Narrative des Juden- und Christentums zu beerben – so war Moses quasi der Schwippschwager des Propheten Mohamed sein Onkel, bzw. selber Prophet. Zum Christentum konvertierten vor allem progressive Frauen des Judentums und Jesus. Und wie wir alle wissen: „Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug.“

            Jesus war damit der erste Antikapitalist und Antisemit. Kein Wunder, dass er Wein in Seife verwandelte, in der sich dann andere, namentlich erwähnt in der Bibel Franziska Giffey, die Hände in ihrer Unschuld wuschen.

            Ich glaube, damit habe ich kurz und bündig die tatsächliche Entstehung und Geschichte der drei wichtigsten Weltreligionen erklärt! 🙂

    • Deshalb sehe ich den Kategorienfehler nicht, wenn sogenannte biologische Eigenschaften zu einer Strukturdimension erhoben werden

      und

      Die Gefahr der Essenzialisierung: Dass also mit Weisssein so etwas gemeint wird wie Rassismus

      Also bitte, was soll denn das?
      Man stelle sich mal vor, man würde die Probleme der afrikanischen Staaten – geringe industrielle Entwicklung, instabile Regierungen, hohe Gewaltkriminalität, mangelhafte Bildung, Unterernährung, Menschenrechtsverletzung – unter dem Label „kritische Schwarzseinsforschung“ erforschen.

      Du bist diesen Schwätzern auf den Leim gekrochen.

      • @Pjotr

        Dann wäre der Aufschrei gross. Aber auch nur, weil man gegenwärtig Afrika als Opfer der halben Menschheitszivilisation anschaut, sonst wäre das kein Problem. Abgesehen davon, dass Du ja nicht rassistische Strukturen in Afrika beschreibst, sondern eher strukturelle Unfähigkeit, Korruption, Misswirtschaft etc. In der Weisseinsforschung wird eine Spielart des Rassismus thematisiert, wo die Hautfarbe tatsächlich für einen strukturellen Rassismus verantwortlich sein könnte (das biologische Unterscheidungsmerkmal der Hautfarbe wird durch menschliches Handeln zu einer gesellschaftlichen Struktur) und es somit Sinn machen könnte, diese Spielart des Rassismus so zu nennen. Ich habe jedoch gesagt, weshalb ich das für abträglich erachte.

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