Selbermach Samstag 262 (02.11.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

Institutionalisierung politischer oder ideologischer Ideen

Lucas Schoppe schreibt in einem Beitrag etwas dazu, dass der Erfolg feministischer Ideen auch stark damit zusammen hängt, dass der Feminismus institutionalisiert worden ist:

Dass Institutionalisierungen für politische Positionen nützlich sind, ist einleuchtend. Wie aber verhält es sich umgekehrt? Warum sind manche Positionen für Institutionen belanglos, während andere weit über ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung hinaus gefördert werden?

Feministische Positionen sind politisch auch deswegen so interessant, weil sie Institutionen und ihre Ausweitung legitimieren. Wird die Hälfte der Bevölkerung als dringend schutzbedürftig und förderungswürdig betrachtet, wird aber die Gesellschaft (als „Patriarchat“ oder „Männerherrschaft“) so beschrieben, dass sie Förderung und Schutz verweigert – dann müssen eben politische Großinstitutionen tätig werden, um den bedrohten Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.

Steht die andere Hälfte der Bevölkerung wiederum als privilegiert und potenziell bedrohlich fantasiert da, dann rechtfertigt das, sie im Interesse allgemeiner Gerechtigkeit für die Finanzierung der Institutionen haftbar zu machen. Sogar Einschränkungen von Grundrechten, etwa in der Kindessorge, können als legitim dargestellt werden – schließlich ginge es um den Schutz Schutzloser.

Es ist daher irreführend, feministische Positionen lediglich auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu beziehen, das ohnehin so vielfältig ist, dass ihm einzelne politische Positionen kaum gerecht werden können. Feminismus ist auch keine Bewegung für die Frauen und keine gegen die Männer.

Heute steht Feminismus vor allem für das Verhältnis großer Institutionen zu einzelnen Menschen: In all seiner Widersprüchlichkeit ist er heute vor allem eine politische Fantasie, die eine Aufrechterhaltung und Ausweitung institutioneller Macht orchestriert.

Das ist eine interessanter Aspekt. Er bringt einen zu der Frage, was man für eine „Institutionalisierung“ braucht. Eine allgemeine Einschätzung, dass diese jeweilige Gruppe Unterstützung braucht und der Staat da Handeln muss, eine gewisse „Fürsorgepflicht“ hat, hilft da sicherlich stark. Des weiteren ist es sicherlich auch ein schleichender Effekt, bei dem zB in einer Schutzinstitution Mitarbeiter eingestellt werden, die der Ideologie dahinter angehören und damit ein gewisses „Hausklima“ erzeugen, welches immer mehr dazu führt, dass dort die Ideologie ganz selbstverständlich gelebt wird. Es wäre interessant wie viele Mitarbeiter des BMFSFJ Feministinnen sind, soweit sie in Abteilungen arbeiten, die Bezug zu Frauen- oder Familienthemen haben.

Und natürlich dürfte dazu eben wie auch von Lucas angeführt beitragen, dass das Bestehen der Benachteiligung die Institutionalisierung rechtfertigt und damit alle, die in der Institution oder von ihr geförderten Bereichen arbeiten ein starkes Interesse daran haben, den Apparat am laufen zu halten, da sie auf diese Weise ihr Geld verdienen.

Weitere interessante Fragen wäre:

Wie löst man die Institutionalisierung auf? Oder wir bringt da andere Ideen mit herein?

Ich vermute mal, dass ein solcher Prozess gar nicht so einfach ist. Ein neuer Minister müsste sich trauen, sich mit seiner Behörde anzulegen, die er ja nur sehr eingeschränkt ersetzen kann. Er muss sich evtl darauf gefasst machen, dass er einen gewissen Partisanenkrieg gegen sich erzeugt, wenn er gegen die dort vorherrschende Ideologie handelt. Was für einen Politiker eben auch immer gefährlich ist, da es schnell negative Schlagzeilen produziert.

Schoppe schreibt dann etwas später, dass man dort nichts dagegen hat, dass Frauen grundsätzlich von Männern abhängig sind in dem Sinne, dass die Gruppe der Männer in bestimmten Bereichen die Gruppe der Frauen finanziert und insoweit eine gewisse Abhängigkeit besteht, etwa bei der Krankenkasse. Das aber gleichzeitig diese Abhängigkeit nichts positives sein kann, sondern der gesamte Diskurs eher von einer sehr feindseligen Rhetorik gegenüber Männern geprägt ist, die aus Sicht von Lucas ihre Funktion hat:

Die routinierte männerfeindliche Rhetorik hingegen hat das Ziel, Menschen auf ihre bloße Funktionalität für andere zu reduzieren und die Leistungen, die sie fortlaufend erbringen, sogleich aus dem Blickfeld zu schieben, nachdem sie genutzt werden konnten. Wer von einer mehrtausendjährigen Unterdrückung der Frauen durch Männer ausgeht, der wird niemals irgendeine Leistung von Männern ausreichend finden, um die Schuld zu tilgen.

Für die Härte und Inhumanität dieser Klischees ist es entscheidend, dass sie eben nicht zur Organisation des Geschlechterverhältnisses taugen, sondern dass sie institutionelle Machtausübung orchestrieren.

Denn in der lebensweltlichen Interaktion sind wir fast ausnahmslos darauf angewiesen, die Würde und Selbstachtung unseres Gegenüber nicht völlig zu verletzen – sonst wird er, oder sie, nicht weiter mit uns kooperieren. Akteure in Institutionen aber agieren aus einer so überlegenen Machtposition, dass sie Beschränkungen der Verachtung durch die lebensweltliche Interaktion nicht beachten müssen: Die anderen müssen ja ohnehin kooperieren, ob sie es nun wollen oder nicht.

Also der Gedanke, dass man nicht gewisse Leistungen anerkennt, weil man nicht auf Kooperation angewiesen ist. Eine Rhetorik dieser Art könne quasi nur „von oben herab“ erfolgen, weil man im wirklichen Leben gerade auch als Mann und Frau kooperieren muss. Wer aber auf diese Weise auftritt, der ist nicht mehr an Kooperation interessiert, sondern will allenfalls seine eigene Macht (oder ggfs auch seine eigene Unabhängigkeit) demonstrieren will.

Also ein großes „wir brauchen keine Männer“. Bzw ein „Wir haben die Macht, die anderen können uns gar nichts“.
Was sich dann natürlich wieder mit der Opferposition beißt, die dann wieder die Institution rechtfertigt.