Wie elitär ist politisch korrekte Sprache?

In der Zeit fand sich eine Kritik an politisch korrekter Sprache, die leider hinter einem Paywall war

Bento veröffentlichte Thembi Wolf eine Replik darauf, in der der Artikel wie folgt dargestellt wird:

Die Autorin Eva Marie Stegmann, die auch manchmal für bento schreibt, erklärte jetzt in der ZEIT: Sie gehört zu den 63 Prozent. Der Diskurs über die Frage „Was man heute noch sagen darf“ sei ihr zu abgehoben. Warum sollte sie sich Begriffe verbieten lassen, die sie gar nicht schlimm findet? Wir sollten nachsichtig sein, wenn jemand ein falsches Wort benutzt – vielleicht habe er nicht studiert, komme vom Land, wisse es eben nicht besser.

Im Text beschreibt Eva Marie Stegmann, wie sie zum ersten Mal in eine größere Stadt gezogen sei und im Bus gedacht habe: „Sind das viele Ausländer!“ Die Debatte um Sprache ist ihrer Meinung nach ein Kampf der Milieus: „Intellektuelle gegen Arbeiter, Großstädte gegen Kleinstädte und Dörfer.“ „Eliten“ schlügen mit ihren „rhetorischen Waffen auf Unbewaffnete“ ein – die dann „ihr Kreuz bei der AfD“ machen würden.

Die Meinung in dem Bento-Artikel ist:

Ich verstehe die Autorin – und glaube, sie liegt falsch. Auf faire Sprache zu bestehen ist richtig. Fehltritte sind keine Frage des Milieus. Wenn sie uns passieren, sollten wir uns entschuldigen – nicht verteidigen.

Eva Marie Stegmann schreibt, wie froh sie ist, dass es Twitter noch nicht so lange gibt. Dass nicht auf ewig im Internet festgehalten ist, wie sie über „Ausländer“ dachte. Online stehen unsere Fehler, Entgleisungen und Wissenslücken jedem zur Verfügung. Wir sind einem Tribunal aus Millionen Userinnen und Usern ausgesetzt. Immer ist jemand mit einem besseren moralischen Kompass unter ihnen, mit einem feineren Sinn für Konnotationen. Das kann Angst machen.

Die schwarze Autorin Loretta Ross schlägt deshalb vor, dass wir unsere Kritik besser verpacken. Statt einer „Call Out“-Kultur des öffentlichen Niedermachens für sprachliche Fehltritte, könnte ein „Call In“ nützlich sein: Manche Fehler sollten besser im Zwiegespräch angesprochen werden. Andere müssen öffentlich gemacht werden – aber respektvoll. (New York Times)

Und das ist der andere Teil der Wahrheit: Welcher der Menschen in dem bayerischen Dorf, von denen Eva Marie schreibt, muss mit öffenlicher Demütigung für unbedachte Wortwahl rechnen? Wer wird angefeindet oder vorgeführt – außer denen, die eine Rolle in der Öffentlichkeit gewählt haben, und damit besondere Verantwortung tragen?

Die meisten bekommen, wenn sie statt Schaumkuss „Mohrenkopf“ sagen, keinen Shitstorm. Ob sie das Wort nun unwissend oder böswillig gewählt haben. Sie bekommen keinen Besuch von der Sprachpolizei und die intellektuelle Elite klingelt nicht, um Selbstjustiz zu üben. Es merkt einfach niemand: Denn ihre Umgebung weiß es vielleicht auch nicht besser. Unbescholtene Bürger stehen nicht in der Gefahr, plötzlich überall als Rassisten beschimpft zu werden. Mit dieser Angst vor Verurteilung die Wahlentscheidung für die AfD zu erklären, ist fahrlässig.

Die Unwissenden muss man abholen – da hat die Autorin recht. Wer nicht weiß, was an seiner Wortwahl verletzend war, muss fragen dürfen. Dann aber sollte er sich entschuldigen und die Verantwortung übernehmen. Und wir müssen das gelten lassen.

In genau diesem Moment zeigt sich auch: Hat jemand versehentlich verletzt und bereut – oder beharrt er auf seinem Recht, zu verletzen?

Sie nennt die „N-Worte“ und (vermutlich) Bezeichnungen wie „Schwuchtel“ als Beispiele dafür, dass man da politisch korrekt sein soll.

Allerdings bewegen sich da beide dann am oberen Bereich der korrekten Sprache. Da ist sicherlich ein gesellschaftlicher Konsens vorhanden gewisse Worte zu meiden, weil sie abwertend sind.

Problem ist aber, dass es auch darunter Ebenen gibt, bei denen politisch korrekte Sprache eingefordert wird.

Beispiele wäre:

  • Die Benutzung irgendwelcher Ponomen, die frei erfunden sind
  • alles zu vermeiden, was ausdrücken würde, dass zB nur Männer einen Penis haben oder nur Frauen Perioden und damit Transfeindlichkeit
  • die Hinnahme der Zuweisung alles Schlechten zu „alten weißen Männern“, weil das eben ganz woke deutlich macht, dass PoCs natürlich außen vor

Und in diesen Verrücktheiten spielt häufig das Elitäre.

Ist politisch korrekte Sprache aus eurer Sicht elitär bzw in welchen Bereichen?

Was wären gute Beispiele dafür?