Carolin Emcke: „Politisch korrekt“ als Morsezeichen der Denkfaulen

Carolin Emcke findet den Ausdruck „politisch korrekt“ nicht korrekt genug und kritisiert ihn daher:

Anfangs mag es mitunter Ausdruck eines nachvollziehbaren Unmuts darüber gewesen sein, dass jede noch so unbedachte Äußerung mit einer Hermeneutik des Verdachts belegt werde, dass jeder Irrtum, jedes Unwissen, jede Ungeschicklichkeit sofort als Beleg tiefster Verfehlungen und also als „politisch unkorrekt“, gegeißelt werde. Aber davon ist nichts mehr übrig. Kaum jemand weiß mehr, wann der Begriff entstanden ist, welche Bedeutungen ihm einmal innewohnten. „Politisch korrekt“ ist eine bloße Chiffre geworden, seiner eigenen wandelvollen Geschichte beraubt. Es ist gegenwärtig das wirkmächtigste Instrument der Diffamierung eines Gegenübers. Das Urteil, etwas oder jemand sei „politisch korrekt“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie, nun, „politisch korrekt“ seien. „Politisch korrekt“ ist das Morsezeichen der Denkfaulen, mit dem sich reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte.

Das ist schon faszinierend:

Nimmt sie die „andere Seite“ gar nicht wahr?

Die, die Leute sogleich als Nazis beschimpft, sich als Mob auf jemanden stürzt, der meint, dass der Penis ein männliches Sexualorgan ist? Der nicht Leute mit beliebigen Pronomen anreden will oder meint, dass man Meinungen damit abtun kann, weil der andere das falsche Geschlecht (Mann) oder die falsche Hautfarbe (weiß) hat?

Nimmt sie gar nicht wahr, dass sie damit quasi das selbe macht, was sie anderen vorhält?

Wie kann man einen Absatz schreiben, in dem man Leuten vorhält, die bestimmte Wörter benutzen, dass sie zu Argumenten unfähig und unwillig sind und diese Worte dann gleichzeitig als solche ansehen, die nur von Denkfaulen kommen können, also deren weitere Ausführungen direkt abwerten ohne das sie eine inhaltliche Kontrolle übernimmt?

Natürlich kann „politisch korrekt“ sofort ein Argument folgen etwa:

„Es mag nicht politisch korrekt sein biologische Gründe für  Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen zu sehen, aber diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Position nicht haltbar ist“

Nichts einfacher als das. Leider folgt dann häufig der Hinweis, dass man als alter weißer Mann wegen seiner privilegierten Stellung die Klappe halten solle und man nur das Patriarchat stützen wolle.

Es ist ein geschickt arrangiertes Ensemble aus Worten und Motiven, die gemeinsam all jene diskreditieren wollen, die sich auf Menschen- und Bürgerrechte beziehen. Sie werden bespöttelt als „Moralisten“ – als müsse sich rechtfertigen, wer das Grundgesetz für ein schützenswertes Gut hält.

Hier spielt sie Burg und Festung (Motte-Bailey). Denn Menschen- und Bürgerrechte wäre auch nur ein Begriff, der der schnellen Entwertung von Kritik dient, aber keineswegs alles umfasst, was ansonsten als „politisch korrekt“ angesehen wird. Sie tut so als könne es kein „zuviel“ an „Moral“ geben.

Die Hexenverbrennungen zeigen als Extrembeispiel, dass das natürlich der Fall sein kann, wenn man davon ausgeht, dass zumindest einige Leute dort tatsächlich meinten, damit einem höheren Gut zu dienen. Und da wollte man eben auch nur Gottes Gesetze schützen.

Gerade das Grundgesetz hat allerdings auch nicht verdient, dass intersektionale Feministen sich darauf berufen, denn es ist gerade zum Schutz des Einzelnen, als Individualgrundrecht, aus dem Gesichtpunkt heraus geschaffen worden, dass man ein Individuum ist und nicht nur Teil einer Gruppe. Es schützt, wenn auch nicht unbeschränkt, die allgemeine Handlungsfreiheit und erlaubt einem damit auch „unkorrekt“ zu handeln, wenn man das für richtig hält.

Diejenigen, die unter Religionsfreiheit nicht nur Respekt vor katholischer und protestantischer, sondern auch vor jüdischer oder muslimischer Frömmigkeit verstehen, die Armut nicht nur für ein Problem der Umverteilung, sondern auch der Anerkennung halten, diejenigen, die Stigmatisierung von bestimmten Körpern oder bestimmten Familien kritisieren, werden als „Gutmenschen“ verhöhnt – als sei Zynismus neuerdings ein Ausweis der Kultiviertheit.

Auch das ist keine wirklich korrekte Zusammefassung der Positionen – denn auch hier wird ja wiederum von der anderen Seite verhöhnt. Eben weil sie meinen, dass sie die Guten sind, weil sie sich eine Theorie gebastelt haben, in der sie andere beleidigen können, weil diese die Bösen sind.

Dabei purzeln die Vorwürfe munter durcheinander: Mal wird bemängelt, die „politisch Korrekten“ seien „elitär“ und „weltfremd“, dann wiederum gelten sie als zu sehr in der Welt verhaftet und unfähig, in ästhetischen Kategorien zu denken, mal wird unterstellt, die „politisch Korrekten“ verstünden die Nöte der Menschen nicht, dann wiederum, wenn sie Nöte adressieren, wird das als „Identitätspolitik“ folklorisiert und als zimperlich infantilisiert.

Weil es ja auch nur ein Verhalten, einen Sachverhalt, gibt, bei dem etwas als politisch korrekt bezeichnet wird. Wobei der Vorwurf, dass sie zu sehr in ästhetischen Kategorien denken, mich etwas überrascht. Hat den schon mal jemand angetroffen?

Die widersprüchlichen Zuschreibungen, die mit dem Label „politisch korrekt“ verbunden sind, entblößen die klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen.

Die „widersprüchliche Zuschreibung“ die ich einfach mal so in den Raum stelle aber keineswegs näher begründe, mit Beispielen belege oder bezüglich einer Position beispielhaft nachweise.

Und eine „klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen“, dass ist fast amüsant, weil es sehr stark spiegelt, was von vielen, die einer „politischen Korrektheit“ anhängen, tatsächlich gemacht wird.
Sie hierarchisieren in Gut und schlecht, in Opfer und Täter, das alles nach pauschalen Gruppen nach Hautfarbe und Geschlecht. Sie verwenden Personengruppen als Strukturen, ganz ungeachtet deren Heterogenität.

Es sollen nur manche als „echte“ Deutsche zählen, nur manche Frauen als „richtige“ Frauen gelten, es sollen nur manche Personen ihre Ängste artikulieren, nur manche Gruppen ihre Rechte selbstbewusst wahrnehmen dürfen. Die anderen werden als „wütend“, „humorlos“ oder „kosmopolitisch“ diskreditiert. Der Vorwurf der „politischen Korrektheit“ ist nur noch ein menschenverachtender Code, der jene „ab ins Körbchen“ kommandieren will, die es wagen, die Würde tatsächlich aller Menschen für unantastbar und die Grundrechte wirklich aller für unveräußerlich zu halten.

Was für ein billiger Text. Ein ehrlicher Text käme aus meiner Sicht nicht daran vorbei zunächst erst einmal darzustellen, was man als Übertrieben, als zu korrekt empfindet und dann zu schauen, inwieweit das tatsächlich ein Über-das-Ziel-hinausschießen sein kann. Und das kann ja ganz einfach in beide Richtungen der Fall sein:

Die „politisch korrekten“ können übertreiben, wenn sie in der Aussage, dass ein Penis ein männliches Sexualorgan ist, einen unglaublichen Frevel sehen, der das Patriarchat etc stützt.

Diejenigen, die „politische Korrektheit“ vorhalten können übertreiben, wenn sie meinen, dass jeder, der in Transsexuellen nicht schlicht Geisteskranke sieht, politisch korrekt ist.

Um mal Extrempositionen zu benennen. Statt dessen kommt sie mit der Würde des Menschen.

Und das bei Leuten, die Männer, Weißen und Heterosexuellen absprechen, sich überhaupt zu Themen äußern zu können, weil sie Unterdrücker sind.

Es geht dann im gleichen Stile weiter: Die einen wollen doch nur die Menschenrechte, die anderen sind Schurken, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Durch die Verwendung einer Phrase.
Wenig durchdacht, schlecht argumentiert. Kaum Gehalt. Aber wenigsten politisch korrekt.

Jessica Yaniv sah es als Diskrimierung an, dass ihr Frauen, die bei anderen Frauen die Genitalien mit Wachs enthaart haben, nicht auch ihren „weiblichen Penis“ mit Wachs enthaaren: Klage abgewiesen

Der Prozess von Jessica Yaniv, die sich diskrimiert sah, weil Schönheitssalons, die „Waxing“ für Frauen anboten, bei ihr nicht auch ein Waxing durchführten, weil sie als Transfrau auch genau so eine Frau sei, ist beendet und sie muss sogar eine Strafe zahlen, weil die Klagen als mißbräuchlich eingestuft worden sind

Jessica “Jonathan” Yaniv, who infamously brought human rights complaints against multiple British Columbia estheticians for declining to perform services on her male genitals has lost her cases.

The Justice Centre for Constitutional Freedoms today issued a news release declaring victory on behalf of their clients, as an early ruling in favour of the mostly home-based salon workers was announced just one day after the Canadian federal elections.

According to the news release, The decision noted, “human rights legislation does not require a service provider to wax a type of genitals they are not trained for and have not consented to wax.” The decision further found that Yaniv “engaged in improper conduct,” “filed complaints for improper purposes,” and concluded Yaniv’s testimony was “disingenuous and self-serving.” Finally, noted the Tribunal, Yaniv was “evasive and argumentative and contradicted herself” while giving evidence.

The JCCF represented five of more than 10 aesthetician workers Yaniv brought complaints against, many of whom were immigrants or from visible minority or highly religious communities. This, along with Yaniv’s history of racially charged remarks, led many to speculate that the complaints were racist or xenophobic in nature.

Most significantly, the Tribunal ordered costs of $2,000 payable each to three of the five women represented by the Justice Centre, including one woman, Mrs. Hehar Gill, who had been forced to close her business due to Yaniv’s vexatious litigation. According to the JCCF’s news release, Mrs. Gill, a practicing Sikh, explained to Yaniv that she was only able to provide services to female clients due to her religion.

Wir leben in interessanten Zeiten, wenn so eine Klage überhaupt ausgebracht wird und ein Gericht darüber entscheiden muss. Um so mehr, wenn man sich noch nicht mal sicher ist, ob sie es nicht vielleicht doch gewinnt.

Aber immerhin scheint hier der Wahnsinn doch noch nicht so weit fortgeschritten zu sein. 30

„Das die rassistischen Sprüche nicht von Weißen kommen ist egal, weil sie Weißsein durch ihren Rassimus darstellen“

Wo wir gestern gerade bei Peak Femimism waren gab es gleich einen Artikel, der dazu passt:

Two 17-year-old boys accused of harassing four African-American middle schoolgirls — using racial slurs and urinating on one of the victims — are facing charges including bias intimidation and lewdness.

The incident, which took place during an Oct. 18 high school football game in the New Jersey suburb of Lawrence Township and was partly captured on a video that circulated on social media, involves a cast of characters that has given some observers pause: Police say the boys are of Indian descent.

While it’s tempting to see the reported ethnicity of the boys suspected in the assault as complicating the story and raising questions about whether the assault should be thought of as racist, I look at it through a different lens. Instead of asking what the boys’ reported racial identity tells us about the nature of the attack, we should see the boys as enacting American whiteness through anti-black assault in a very traditional way. In doing so, the assailants are demonstrating how race is a social construct that people make through their actions.They show race in the making, and show how race is something we perform, not just something we are in our blood or in the color of our skin.

Also da haben indianisch-amerikanische Jungs schwarze Mädchen mit rassistischen Sprüchen bedacht.

Und er führt aus, dass sie damit amerikanisches Weißsein durch anti-schwarze Angriffe darstellen.

Den gedanklichen Spagat finde ich erstaunlich: Da handeln Nichtweiße. Aber irgendwie ist es die Schuld der Weißen. Einfach weil man anführt, dass sie eben Rassismus in die Welt setzen und der Rassismus anderer, der ja nach „Privilege und Power“ kein Rassismus sein kann, damit quasi doch wieder weißer Rassismus ist, der nur durch „Stellvertreter“ ausgeübt wird.

 

At first blush, this reported assault sounds nauseatingly familiar, like the run-of-the-mill American racial harassment that has always been common but has become increasingly revealed thanks to videos shared on social media. The boys’ actions resemble those of people who feel empowered to act out their resentment against nonwhite people who are deemed out of place, confronting them with hostility or slurs or calling the police. The people patrolling what they see as their spaces are often — but not always —white. The Yale sociologist Elijah Anderson calls areas that are policed in this way, “the white space,” even though the spaces in question are officially public. The experiences of black people accused of these purported infractions have acquired a panoply of names that capture the absurdity of facing such hostility while innocently carrying out everyday activities: driving while black, barbecuing while black, walking while black, sitting at home while black. The encounters often end with violent — too often, fatal — outcomes.

Einfach die allgemeinen Plätze als Weiß definieren, dann die Handelnden auch wenn sie nicht weiß sind zu Stellvertretern von Weißen machen.

In the New Jersey incident, the heritage or skin color of the boys suspected of the assault doesn’t matter. What matters is that they were participating in this pattern and thus enacting whiteness in a very traditional way.

Brilliant eigentlich. Der Text geht entsprechend weiter. Er ist sicherlich kein offizieller Lehrbuchtext des Feminimus, sondern erst einmal nur die Meinung des Autors. Dennoch eine beachtliche Umdeutung.

Peak Stupidity 2019 – Gender Edition – zum Sammeln der abwegigsten Geschichten

Crumar schreibt:

Vorschlag an den Hausherrn und uns alle Angesichts des ablaufenden Jahres:

„Peak Stupidity 2019 – Gender Edition“

Eine Sammlung mit den abstrusesten genderistisch/feministischen Vorstellungen von weiblicher Benachteiligung des Jahres 2019 erstellen.
Aus diesen eine Hitliste erstellen, abstimmen und den verdienten Platz 1 ermitteln.

Ausgezeichnet wird zum Jahresausklang/Neujahr mit „Die goldene Klitoris“ in der anatomisch zeitgemäßen und korrekten Version (erstelle ich)!

Findet der Vorschlag Unterstützung? 🙂

Ein Peak 2019 ist eine gute Idee, wobei es sicherlich schwierig wird, den intersektionaler Feminismus ist bekanntlich ein „Race to the bottom“. Es wird immer wieder jemand versuchen noch abwegigere Sachen für „problematisch“ zu erklären.

Aber es darf hier gerne gesammelt werden

„Linke Männer, ihr seid auch Sexisten“

Nichts mögen radikale Feministinnen lieber als zu betonen, dass auch die Männer in ihrer Umgebung sich keineswegs der Erbsünde des Mannseins entledigen können und sie in ihre Schranken zu verweisen, ihnen deutlich zu machen, dass es eine ganz klare Hierarchie gibt, in der sie niedriger stehen und die Klappe zu halten haben:

Liebe linke Männer,

ich weiß, ihr wählt grün oder rot, nennt euch Feministen, holt euer Mittagessen beim bosnischen Burek-Verkäufer eures Vertrauens und geht auf die Donnerstagsdemo in Wien. Aber ich muss euch etwas verraten: Ihr habt oft mehr mit Rechten gemeinsam, als euch lieb ist.

„Liebe …“, so beginnen Hunderte E-Mails in meinem Postfach.

„Ich muss Dich darauf hinweisen, dass … “ Und dann beginnt sie, die Belehrung auf durchaus höfliche, aber nicht minder diskreditierende Art und Weise, warum ich mit meiner Meinung völlig daneben liege und mich doch bitte mehr informieren soll – all das auf mehr Platz, als diese gesamte Kolumne einnimmt.

Das ist natürlich netter als die „Geh dich erhängen, du Fotze“-Nachrichten, die ich von Neonazis erhalte. Aber diese Nachrichten-Flut, die alle Kolumnistinnen erhalten, zeigt auch: Die Absender halten sich für schlauer – für schlauer als Populisten und Neonazis. Und für schlauer als Frauen.

Sie halten sich erst einmal für schlauer als die Einzelperson, die sie kritisieren. Aber bei Anhängern von Identitätstheorien greifen sie damit natürlich direkt die ganze Gruppe von Frauen an.

Das ist eigentlich eine interessante Sache:

Sie kann nicht kritisiert werden, weil sie für die Gruppe der Frauen steht. Und die hat auf dem Bereich eben „Opferwissen“ und damit „Deutungshoheit“. Was für ein arrogante Haltung, dass man damit schlauer ist als alle anderen, wenn diese das falsche Geschlecht haben. Selbst der schlauste und gebildetste Mann würde quasi ein Sakrileg begehen, selbst gegenüber der dümmsten ungebildetsten Frau, wenn man diese These ernst nimmt.

Auf sich selbst bezogen wäre das Argument schon überaus anmaßend, es ist erstaunlich, dass es ihr dennoch logisch erscheint in ihren Gruppentheorien.

Mansplaining kann selbst der linkeste Mann nicht ablegen. Auch statistisch gesehen scheint es, als ob Männer labern und labern und labern. Im deutschen Fernsehen, bei den #allmale-Panels, in der Politik. Sue Montgomery, Bürgermeisterin eines Stadtbezirks von Montreal, zeigte im Mai mit einem Strick-Experiment, wer im Stadtrat bei einem Kommitee-Meeting wie viel Redezeit hat.

Ich kenne diese Dauerbeschallung aus Bar-Abenden, wenn Männer, eine selbst gedrehte Zigarette in der Hand, lang und breit erklären, warum Kommunismus das einzig gerechte politische System ist. In völligem Selbstverständnis, dass sie natürlich mehr über Marx Thesen und soziale Gerechtigkeit wissen als das weibliche Gegenüber. Ein Bekannter von mir philosophierte stundenlang, es läge nicht in der Verantwortung der Start-up-Unternehmen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass Frauen und Diversität fördert. Ein anderer schrieb seine Doktorarbeit über Feminismus. Sich selbst bezeichnete er trotzdem lieber als Humanist.

Diese Mistkerle, da reden sie doch einfach über Themen! Unerhört! Tun so als wäre die Meinung eines Mannes in irgendeiner Weise relevant und nicht per se eine Beleidigung der anwesenden Frauen. Meinen diese Schweine echt, dass eine Doktorarbeit in irgendeiner Weise ein mehr an Wissen geben würde oder auch nur Männer dazu berechtigen würde einfach was zu Themen zu sagen? Welch vermessene Haltung für jemanden mit dem falschen Geschlecht!

Die antirassistische Arbeit vieler linker Männer hört an dem Punkt auf, an dem sie ihr eigenes Verhalten reflektieren müssen. Wer wirklich Veränderung möchte, der muss dahin, wo es weh tut. Dazu gehört auch, sich mit seinem eigenen verinnerlichten Rassismus auseinanderzusetzen.

Nein, es bringt nichts, überall „I am a Feminist“ zu schwadronieren, wenn man unangenehme Frauen aus der Partei schmeißt und mit Männern ersetzt – wie es der kanadische Premier Justin Trudeau mit der damaligen Justizministerin Judy Wilson-Raybould getan hat. Wären Feministen konsequent, würden sie Frauen fördern und es nicht nur proklamieren. Wären all die mächtigen linken Männer, all die Chefs von linken Zeitungen, all die Generalsekretäre von ehrenamtlichen Institutionen wirklich konsequent in ihren politischen Ansichten, dann würden sie auf ihren Platz am Panel verzichten und eine Frau, idealerweise eine Woman of Color, für das Podium vorschlagen.

Das sage ich ja auch immer, wenn ein männlicher Feminist einen Artikel veröffentlicht, bei dem er etwas anprangert: Warum macht er eigentlich nicht seinen Platz frei? Warum lebt er nicht als tatsächliches Vorbild und kündigt seinen Job unter der Bedingung, dass eine Frau seinen Platz erhält?

Aber ich sage es nur, weil es so schön das Dilemma männlicher Feministinnen mit etwas Erfolg darstellt und ich es mag, wie sie sich dann winden. Ich verstehe schon, dass sie darauf nicht verzichten wollen und können. Sie meint es hingegen ernst.

(…)

Gewalt gegen Frauen hat einen gemeinsamen Nenner: das Geschlecht. 137 Frauen werden jeden Tag weltweit durch den eigenen Partner oder Familienmitglieder getötet. Die UNO-Daten zeigen auch, dass es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Femizide in Österreich gab. Vergangenes Jahr wurden in Österreich 70 Menschen zwischen Januar und November ermordet. Davon waren 41 Frauen.

Schon wieder diese unehrlichen Statistiken . Aber dazu ist ja das passende gesagt.

Männer, ganz egal ob links oder rechts, profitieren von den gesellschaftlichen Strukturen. Ich weiß, liebe linke Männer. Ihr denkt, ihr seid die besseren Männer, weil ihr auf der richtigen Seite steht. Eure politischen Ansichten sind vielleicht genau das Gegenteil. Das bedeutet aber nicht, dass ihr nicht diskriminiert, dass ihr nicht sexistisch seid. Also: Try harder. Ist nicht so schwer, versprochen.

Nur ist eben das blöde: Es gibt kein „jetzt habt ihr es wirklich hart genug versucht, vielen Dank, wir sind zufrieden, mehr kann man wirklich nicht verlangen“. Weil ihr eben in einer Gruppenschuld steckt. Erst wenn kein Mann mehr eine Frau umbringt (unabhängig von männlichen Toten), niemand mehr auch nur einer Frau etwas getan hat und kein Mann mehr eine Führungsposition hat oder einer Frau widerspricht oder sich anmaßt zu irgendwas was der richtigen Meinung entspricht zu sagen (aber auch nicht nichts zu sagen, das wäre auch falsch) wäre vielleicht die Schuld etwas gemindert. Aber Kekse gibt es dafür natürlich nicht! Die Bußerpeitsche muss immer im Einsatz bleiben!

Selbermach Samstag 261 (26.10.2019)

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