Bento Autorin Lena: „Ich bin keine Hetzerin, keine Ahnung warum Twitter mich sperrte“ (Man wird ja wohl noch allen Männern einen qualvollen Tod wünschen dürfen)

Ein Artikel, der mich insbesondere wegen seiner Verlogenheit stört:

Wer mich kennt, kennt mich von Twitter. Ich poste, was mir gerade in den Sinn kommt, oft geht es um die Uni, meine Zweifel. Trotzdem versuche ich witzig zu sein – manchmal klappt das sogar.

Jetzt wird mir allerdings vorgeworfen, ich würde Hetze betreiben. Twitter hat deshalb am Wochenende vorrübergehend meinen Account gesperrt. Jetzt bin ich wieder online, trotzdem frage ich mich: Ich soll eine Hetzerin sein? Wie bitte

Lena versucht zu verstehen, warum Twitter sie sperrte

Lena Weber ist bei Twitter als „Lena Blauer Haken“ unterwegs, sie twittert über Ungerechtigkeit, Beleidigungen von Minderheiten und ganz gewöhnliche Alltagsprobleme. Fast 22.000 Menschen folgen ihr. Bei bento schreibt sie regelmäßig über die Herausforderungen eines Studiums.

Ich würde gerne erklären, wieso genau ich gesperrt wurde, aber der Twitter-Support lieferte mir – trotz meines Einspruchs – keine Begründung. Sie schrieben mir immer wieder, es verstoße gegen die Regeln der Plattform, Gewalt gegen andere aufgrund von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, geschlechtlicher Identität, religiöser Zugehörigkeit, Alter, wegen Behinderung oder Krankheit zu fördern oder eine Person deshalb anzugreifen.

Ja, okay cool, sehr gute Regeln – aber ich mach‘ halt auch nichts davon. Im Gegenteil: Ich setze mich bewusst dafür ein, dass eben niemand diskriminiert wird. Und bevor jetzt einige Einwände kommen: Nein, weiße Cis-Männer haben kein Problem mit Diskriminierung, wirklich nicht.

Also machte ich mich selbst auf die Suche nach der Ursache für die Sperrung und ging meine Tweets der letzten Tage durch.

Überraschung: Ich habe in keinem von ihnen plötzlich angefangen, homophobe Gedanken zu verbreiten oder ausländerfeindliche Parolen zu schwingen. Meine persönlichen Best-ofs:

  • „Zwei Sandkörner laufen durch die Wüste, sagt das eine zum anderen: … Nichts, denn Sandkörner können nicht sprechen.“
  • „Mein Samstagabend ist eine Flasche Wein, Shining schauen und Malen nach Zahlen.“

Okay, etwas politischer wird es dann doch noch: Einer meiner Tweets bezieht sich auf die Demonstration der Partei „Die Rechte“ am 9. November in Bielefeld. 230 Neonazis kamen und 14.000 Gegendemonstranten (SPIEGEL ONLINE). Mein Tweet darüber beinhaltete den Ausdruck „Drecks Nazis“, bekam relativ viel Aufmerksamkeit, aber war mitnichten eine Gewaltandrohung. Ob ich wirklich dafür gesperrt wurde? Keine Ahnung, Twitter erklärt es mir ja nicht.

Das ist tatsächlich ein recht unehrliches Dummstellen, denn Twitter hat ihr genau den Link dargestellt, der beanstandet worden ist, sie hätte ihn also nicht suchen müssen und jedem auch nur durchschnittlich intelligenten Menschen hätte klar sein müssen, was Twitter beanstandet, selbst wenn man deren Definition nicht teilt:

Jetzt kann man darüber streiten, ob das ein Scherz war oder zumindest keine „Förderung vom Gewalt“. Und wenn sie dazu gestanden hätte, den Tweet in den Artikel eingebaut hätte und dann gesagt hätte, dass es keine „Förderung von Gewalt“ war sondern Männer eben einfach ekelige widerliche Typen sind, die an allem Leid der Welt schuld sind und deswegen in die Hölle gehören, dann wäre es zumindest ein ehrlicher Artikel gewesen. Selbst dann wenn sie gesagt hätte, dass es ein Witz oder Ausdruck eines bestimmten Gefühls aufgrund eines persönlichen Situation war hätte man zumindest einen ehrlichen Artikel gehabt.

Aber so zu tun als wäre sie wegen schlechter Witze über Sand oder ihren Samstagabend vor dem Fernseher gesperrt worden ist bewusste Irreführung von Lesern, die sich kein eigenes Bild machen können.

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Immerhin konnte ich mich auf eines verlassen: meine Twitter-Community. Leute, die mich gerne lesen, starteten den Hashtag #freelena. Doch umso mehr Zeit verstrich, desto mehr Tweets unter dem Hashtag bezeichneten mich als linke Hetzerin, die es verdient habe. Endlich habe Twitter „sauber gemacht“. Meine Lieblingsbeleidigung: „frustrierte Männerhasserin“. Darauf hätte ich gerne etwas entgegnet. Aber ach schade, ging ja nicht.

Wieso Twitter meine dauerhafte Sperrung zurückgenommen hat, weiß ich wieder nicht – keine Erklärung. Was die Sache also zeigt, ist, dass der Twitter-Support und seine Handlungen alles andere als transparent sind. In Deutschland gibt es auch keinen offiziellen Pressekontakt. Das Vorgehen fühlt sich nach Willkür an.

Ja, schrecklich, wie können sie sie nur in einem Topf mit Frauenhassern werfen, wenn sie doch gegen Sexismus von Männern kämpft-

 

(…)

Ich versuche, immer noch gelassen zu bleiben. Ist ja nur das Internet, nur eine blöde Plattform. Aber am Ende bin ich auch nur eine 21-jährige Studentin, die ihren Ausgleich durch kleine Witzchen auf Twitter sucht und sich am Zuspruch erfreut – den es ja durchaus auch gibt. Für mich fühlt es sich falsch an, Twitter auf Wiedersehen zu sagen: Ich ertrage den Hass, um weiter gegen ihn anzukämpfen.

Sie erträgt den Hass. Ich bin sicher einen umgekehrten Tweet gegen Frauen hätte sie entsprechend eingeordnet.

Ich wäre wirklich interessiert daran, warum sie den Tweet nicht in dem Artikel übernommen hat, wenn ihre Weste so rein ist. War es Bento zu peinlich? Oder hatte sie selbst Angst, dass man ihr bei Einbindung des Tweets vorhält, dass es sehr wohl Hetze war?

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