Erfahrungen einer Frau in einem technischen Beruf und mit Diskriminierung allgemein

Leserin Sophie schildert ihre Erfahrungen als Frau in einer eher männlich geprägten Branche wie folgt:

Ich geb mal als bekennende Verräterin (:D stolz drauf) in den Augen der Feministen meinen Senf dazu. Da ich selbst relativ junge, noch Kinderlose Ingenieurin bin (Werkstofftechnik, Schweißfachingenieur in einem klassischen Stahlbauunternehmen), kann ich da einen exemplarischen Einblick in die angebliche Diskriminierungshochburg geben:
Unter meinen Kollegen (eher der, „klassische“ Männertyp, gut ausgebildet, technisch, liebt Fußball und Männerabende) gibt es aus meimer Sicht keine offene Diskriminierung. Es ist also alles entspannt. Ich habe öfters mal den Eindruck, dass man mir Unwissenheit unterstellt und dann sich mit Erklärungen etwas wichtig tut (Feninisten würden es Mens-plaining nennen) . Das beziehe ich jedoch nicht auf mein Geschlecht, sondern eher auf meine Introversion (Schweigen wird ja oft als Schwäche interpretiert, oft von Extravertierten) und meinen Status als Neuling. Ich bin aber auch seit jeher mehrheitlich mit Männern und ausgewählten Frauen aus meinem technischen Bereich befreundet und daher gegen einige Witzchen abgehärtet (wobei andere darauf heftiger reagieren – ich kenne den Werkstattslang und mag des exquisiten Frauen-Geschmack, ausgedrückt durch die Erotikkalender in der Werkstatt – trotz Heterosexualität ;o) ). Wenn ich Sexismus erlebt habe, dann eher von wenigen Doktoren und Professoren an meiner Uni und das auch nur von denen, die generell machtgeil sind und nur bei Frauen die Sexismuskarte in ihrem Dominanzgerangel spielen, weil sie glauben, jede Frau springt drauf an). Nie und ausdrücklich nie erlebte ich Diskriminierung von Arbeitern in der Werkstatt. Die reagieren allesamt positiv auf mich als Ingenieurin, obwohl ich definitiv optisch eine Gewichtsklasse über dem „Ideal“. Nettigkeit aus Geilheit wird seitens der Feministen den Männern oft unterstellt. Kann ich ausdrücklich verneinen. Was tatsächlich stimmt: Frauen schieben Meinungsverschiedenheiten oft auf Geschlschterunterschiede, als auf eigen /beidseitig verursachte Kommunikationsprobleme. Gerade klischeehaft die Frauen aus der Buchhaltung und Sekretärinnen. Unser Chef ist genderneutral cholerisch – der brüllt alle an :D. In meiner Firma bin ich leider jetzt die einzige Frau im Technikbereich (die anderen eher in den Finanzen und Buchhaltung). Ich erlebe aber, bei meiner Vorgängerin war es auch so, dass bei uns die (5) Frauen in der Firma, mich eingeschlossen, vorwiegend Überstunden machen (40h pro Woche + nicht vergütete 10 ÜS sind bei mir die Arbeitszeit, keine Gleitzeit, Osten). Wobei die Männer eher darauf achten pünktlich zu gehen. Der Chef hat aber keine Führungsqualitäten. Wir Frauen kuschen eher aus falschem Autoritätsglauben und Pflichtbewusstsein, anstatt es richtig zu machen (ich nehm mich da nicht raus).
Das einzige, was ich erlebt habe, und auch von meinen Kolleginnen (2 gegangen, eine wie ich aus der Tätigkeit bewerbend) bestätig bekommen habe, dass man als junge, kinderlose Frau etwas länger sucht. Der AG hat halt die übliche Schwangerschaftangst. Nach der Uni hatte ich 4 Monate länger gesucht als mein Partner (gleicher Abschluss, gleiche Uni, gleiches Alter) und ich hatte mehr neben dem Studium gearbeitet plus mein SFI. Ich hatte eine höhere Absagenquote. Dasselbe erlebt meine Kollegin im Betrieb (Wirtschaftsingenieurin). Sie sucht auch gerade krampfhaft seit einem Jahr. Nun kann ich Bewerbungsfehler bei ihr nicht ausschließen, aber da ergbit sich eine kleine Differenz von Seiten der AG beim Bewerben. Gehaltstechnisch verdiene ich 4000 Euro mehr Brutto als mein Partner. Das kann aber Branchenabhängig sein und ich habe besser verhandelt :D. Also kein Gender Pay Gap von meiner Seite. Probleme auf Arbeit sind eher kommunikativer und persönlicher Natur. Frauen und Männer haben halt andere Sozialstrukturen und geschlechtertypische Eigenarten in der Kommunikation. Daher empfinde ich es als anstrengend inzwischen die einzige Frau im technischen Bereich zu sein, da ich naturgemäß aus dem üblichen Verbrüderungssaufen ausgeschlossen werde. Ich hätte gern mal eine 2. Ingenieurin/Technikerin mit der ich mal fachlich reden kann. Ich bin aber trotzdem gegen eine Quote (außer, wenn es auch eine Männerquote in Frauenberufen gibt). Ich würde mich diskriminiert fühlen durch eine Quote. Wenn ich mir ein Verhältnis wünschen könnte, dann Frau:Mann=10:90 bis 60:40 (zu viele Frauen sind mir persönlich zu anstrengend, die Sozialstruktur sollte nicht zu homogen sein. Also mein Verhältnis im technischen Bereich Frau:Mann=1:80, gesamt 6:83 ist einfach zu wenig. 20% kann man schon versuchen such als Wunschziel zu setzen und eben nicht jeder Frau im gebärfähigem Alter unterstellen, sie würde 3 Monate nach der Einstellung gleich Schwanger werden. Nicht jede Frau will ein Kind.
Ich denke Frauen müssen einfach Eier(stöcke) haben und sich in die Branchen trauen. Männer sind generell in der Mehrheit ziemlich angenehme Menschen (einzelne Personen mit Minderwertigkeitskomplexen ausgeschlossen). Tatsächlich werden Frauen, die offen sagen, dass sie keine Kinder wollen, von ihrem Umfeld (auch von Kollegen sehr stark dikriminiert).
Mein Fazit als „Betroffene“: hinter der Diskriminierungsdebatte steckt aus meiner Sicht mehr eine gefühlte Wahrheit und weniger Fakten. Die Frauen sollten weniger reden, sondern mehr den Männern Karrieretechnisch folgen.
Und zu der „wer bleibt zu Hause“-Debatte: einfach festlegen 3Monate +1Jahr Frau, dann 1 Jahr der Mann oder eine teure Nanny, dann Kindergarten. Aber keine Frau traut sich das Prinzip durchzusetzen: „Wir beide gleich lange Elternzeit, oder kein Kind.“. Da knickt dann die Frau ein. Ich verstehe nicht, warum Frau nicht temporär für einige Jahre bereit sind die Alleinversorgerin zu sein. Ich kenne einige Männer, die das cool finden würden (sagen sie).