Selbermach Samstag 265 (23.11.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

Wie sind Männer und Frauen von Sexismus betroffen? (Umfrage Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung)

Arne weist auf eine interessante Umfrage hin:

Sexismus ist in der deutschen Gesellschaft allgegenwärtig, wird aber von Männern und Frauen unterschiedlich stark wahrgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Demnach beobachten 68 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer Sexismus in ihrem Umfeld.

Es wäre natürlich interessant, was hier jeweils als Sexismus bewertet worden ist und ob Männer und Frauen da gleiche Kriterien haben. Leider wird im folgenden dazu sehr wenig gesagt.

Aber:

  • Frauen: 68%
  • Männer: 50%

Wobei „beobachten“ ja nicht bedeutet, dass es jeweils gegen sie selbst gerichtet ist.

Männer und Frauen „erleben dieselbe Wirklichkeit, nehmen sie aber anders wahr und deuten dieselben Situationen unterschiedlich“, schreibt der Soziologe Carsten Wippermann. Für die bevölkerungsrepräsentative Studie befragte sein Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung 2.172 Menschen ab 16 Jahren, sie liegt ZEIT ONLINE exklusiv vor.

Damit hält die Studie wissenschaftlich fest, was sich bereits in den öffentlichen Debatten zu #MeToo und #Aufschrei zeigte. Die meisten Befragten sind sich demnach einig über den Kern von Sexismus: Eine Person werde aufgrund ihres Geschlechts herabgesetzt und als Objekt für eigene Zwecke instrumentalisiert, sei es zur eigenen Profilierung, Luststeigerung oder aus Dominanzgebaren, erklärt Wippermann. Außerdem gebe es praktisch keine Sphäre der Gesellschaft, die frei von Sexismus sei, egal, ob Öffentlichkeit, Medien, Beruf oder Privatleben, online ebenso wie offline.

Das ist eine interessante Definition_

  • Herabsetzung aufgrund des Geschlechts
  • Aufgrund des Geschlechts zum Objekt gemacht für die eigenen Zwecke des anderen
  • aus verschiedenen Gründen wie Profilierung, Luststeigerung und Dominanzgebähren

Unter diese Definition könnte man natürlich den gesamten intersektionalen Feminismus subsumieren, da er Männer herabsetzt und damit die eigene Opferstellung begründet, wobei die einzelnen Männer da nur Teil der Gruppe und keine Individuuen mehr sind. Motiv wäre hier die Profilierung.

Welche konkreten Handlungen und Äußerungen aber sexistisch sind, darüber herrscht Uneinigkeit – mit Ausnahme von schweren Übergriffen wie Vergewaltigung. In einer ebenfalls in der Studie enthaltenen qualitativen Befragung habe sich gezeigt, „dass Frauen und Männer bei vielen Spielarten selbst unsicher sind in der Deutung, bei der sie falschliegen und die Wahrnehmung bzw. das Motiv des je anderen missinterpretieren“, schreibt Wippermann. Er bezeichnet Sexismus deshalb als Kommunikation, an der mindestens zwei Akteure beteiligt sind, und diesen Akt für sich interpretieren. „Was für einen Absender sexistisch gemeint sein kann, muss vom Empfänger nicht so verstanden werden“ – und andersherum.

Also ein Bereich, der stark von der eigenen Wahrnehmung geprägt ist,

 

Gefragt nach ihrer eigenen Betroffenheit antworteten 44 Prozent der befragten Frauen und 32 Prozent der Männer, dass sie derzeit Sexismus gegen sich persönlich erleben. Wöchentlich sehen sich acht Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer Sexismus ausgesetzt. Frauen, die Sexismus erleben, tun das zu 60 Prozent durch Unbekannte, Männer, die Sexismus erleben, zu 46 Prozent.

Sexismus gegen sich selbst:

  • Frauen: 44%
  • Männer: 32%

Wöchentlicher Sexismus gegen sich selbst:

  • Frauen: 8%
  • Männer: 7%

Sexismus durch Unbekannte:

  • Frauen: 60%
  • Männer:46%

Interessanterweise erleben demnach Männer eher Sexismus durch Bekannte. Die Aussagen sind interessant, aber noch interessanter wäre eine Art „objektive Betrachtung der Häufigkeit“, bei der man die aufgeführten Fälle überprüft. Wäre aber natürlich ein erheblicher Aufwand.

Dei Grafik dazu ist ganz interessant:

Frauen erleben Sexismus also eher durch Fremde, Männer auch häufig, aber eben häufiger als Frauen auch im Freundeskreis.

Es wäre interessant das näher zu bestimmen:

Bei Frauen könnten es etwa Anmachen von Fremden sein, bei Männern erwartungen von Freunden, dass sie etwas machen, weil sie Männer sind (etwa das Tragen schwerer Gegenstände, die aber nicht so schwer sind, dass nicht auch Frauen das hätten machen können). In der Familie werden es Frauen vielleicht als Sexismus sehen, dass sie eher putzen oder andere Hausarbeiten machen, während Männer bei der Teilung des Einkommens großzügiger sind.

Nachdem im Oktober 2017 bekannt geworden war, dass der US-Regisseur Harvey Weinstein Schauspielerinnen sexuell genötigt haben soll, hatten Betroffene, vor allem Frauen, in sozialen Medien unter dem Hashtag #MeToo weltweit über Sexismus und sexualisierte Gewalt berichtet. In der aktuellen Befragung sind sich ein Viertel der Männer und Frauen einig, dass die #MeToo-Debatte dazu beigetragen hat, dass es weniger Sexismus im Alltag gebe.

Nur ein Viertel der Männer und Frauen. Das ist nicht sehr viel,

 

Bereits 2014 hatte es nach einem Bericht des stern über den FDP-Politiker Rainer Brüderle eine ähnliche Diskussion unter dem Hashtag #Aufschrei gegeben, in der über Alltagssexismus berichtet wurde.

Ein weit verbreiteter Vorwurf lautet seitdem, man (gemeint sind meist Männer) wisse ja nun gar nicht mehr, was beim Flirten noch erlaubt sei. Dies wird durch die Befragung für den Großteil der Bevölkerung widerlegt. Dass es, zumindest in der Theorie, einen klaren Unterschied zwischen Sexismus und einem Flirt gibt, bekräftigt eine große Mehrheit der Befragten: Für 73 Prozent haben Flirten und Sexismus nichts miteinander zu tun. 27 Prozent stimmen dagegen der Aussage zu, dass Sexismus nicht immer schlimm sei, sondern nur eine Art von Flirten (33 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen sehen das so.)

Das ist so eine Frage, wo schnell bestimmte Antworten gegeben werden, weil sie richtig erscheinen und auch für viele Fälle richtig sind.

Es dürfte sich bei konkreten Situationen etwas mehr differenzieren. Es wäre etwa interessant wie viele Frauen eine vorsichtige Berührung bei einem Flirt oder einen übereilten, aber gut gemeinten Versuch sie zu küssen in einer Flirtsituation als Belästigung wahrnehmen würden. Oder ob sie Aussagen wie :

„in einer Flirtsituation in der beide ein Interesse aneinander zu scheinen haben ist es mir lieber der Mann versucht etwas, auch wenn er sich irrt und ich doch nicht so weit war als wenn ein Mann in einer Flirtsituation passiv bleibt und darauf wartet, dass ich den ersten Schritt mache um mich nicht zu belästigen“

zustimmen würden.

Auch geben 82 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer an, dass sie das unerwünschte Senden von Bildern mit sexuellem Inhalt als Sexismus ansehen. Den meisten Männern ist demnach klar, dass Penisbilder nicht als Flirtversuch durchgehen.

Auch hier immerhin 18% die es für Männer interessant machen. Immerhin sollen ja sogar 5% der Frauen davon angeregt sein. 

Ich kenne sogar eine, die das mal erzählt hat. Sie war die Freundin (C) einer Freundin (B) einer Freundin (A)und beide zusammen hatten eine gewisse „Schlampigkeit“ oder „Sexpositivität“, wobei B nur eher damit kokettiert und C offensiver war. Sie berichtete also, dass sie mal in einem Callcenter gearbeitet habe und der Leiter oder Vorgesetzte da immer mit den Angestellten Studentinnen geflirtet habe und etwas belästigtend war. Sie, C,  habe sich aber davon nicht abschrecken lassen und ihm auch Sprüche gedrückt und deutlich gemacht, dass sie beim Reden über Sex und bei Anspielungen mithalten kann. Kurz darauf hatte sie ein Penisbild per Mail bekommen. Dann hat sie mit ihm geschlafen.

Aus meiner Sicht war es hier die Vorgeschichte, die es interessant gemacht hat. Denn er hat damit mit dem Bild eben schlicht einen drauf gesetzt und deutlich gemacht, dass er auch keine Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen hat, hat also in doppelter Hinsicht „Eier gezeigt“. Da sie vorher alles darauf aufgebaut hatte, dass sie nicht prüde ist blieb ihr dann so gesehen nicht mehr viel als nachzuziehen.

Aber das nur als kleiner Exkurs zum „richtigen“ Einsatz von Dickpics

 

Allerdings gibt es offenbar eine Lücke zwischen dem, was die Befragten theoretisch als Sexismus definieren und dem, was sie im Alltag auch als solchen erkennen. Dass Frauen mehr Sexismus in ihrer Umgebung beobachteten als Männer liegt laut Wippermann auch an unterschiedlichen „Wahrnehmungsfiltern“ und der Kompetenz, sich in andere hineinzuversetzen. Demnach nehmen nicht nur Männer generell weniger Sexismus in ihrem Umfeld wahr, auch nehmen Frauen seltener als Männer Sexismus zum Nachteil von Männern wahr. Es spreche einiges für die Hypothese, dass Sexismus von einer Asymmetrie zwischen Tätern und Betroffenen begleitet sei, sagt Wippermann, und dass diese Asymmetrie auch in der Ignoranz der Täter bestehe, sich die Wirkung ihrer ausgesandten Signale auf die Betroffenen vorzustellen und zu verantworten.

Männer nehmen also generell weniger Sexismus wahr, vermutlich, weil sie da weniger sensibel sind aber auch, weil man ihn vielleicht eher ausübt, gerade als Fremder, wenn weniger Zeugen in der Nähe sind. Frauen hingegen nehmen keinen Sexismus gegen Männer wahr.

Auch hier war wieder eine Grafik eingefügt:
Interessanterweise scheinen hier die Formen der Übergriffigkeit der Art nach nicht wirklich der Menge nach Abzuweichen. Männer gegenüber wird man etwas eher verbal übergriffig, berühren ist bei Frauen etwas häufiger.

Der Großteil der Befragten, die von Sexismus betroffen sind, sagten, sie fänden es schwierig, sich zur Wehr zu setzen. 90 Prozent der von Sexismus betroffenen Frauen haben noch nie eine Anzeige nach einem sexistischen Übergriff erstattet, 86 Prozent der betroffenen Männer ebenso wenig. Der Großteil der Befragten fordert außerdem von der Politik mehr Maßnahmen, um Sexismus vorzubeugen.

Wäre interessant was für Maßnahmen sie bei welcher Art von Sexismus wollen.

Bei vielen Formen des Sexismus wird man aber auch kaum eine Anzeige machen können oder es die Mühe wert sein.
Wenn eine Frau beispielsweise von einem Mann lüstern angestarrt wird, dann ist das nicht strafbar. Und selbst wenn müsste sie, um ihn anzeigen zu können, ja in irgendeiner Form seine Personalien feststellen oder ihn festhalten. Wenig praktikabel.

„Sexismus ist nichts, das wir einfach tolerieren oder ignorieren können“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ZEIT ONLINE. Ihr Ministerium unterstützt laut einer Sprecherin bereits Initiativen wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Giffey will nun zusammen mit Vertretern von Bund und Kommunen, von Verbänden und Unternehmen sowie aus Kultur und Medien konkrete Empfehlungen erarbeiten und umsetzen. „Wir brauchen breite gesellschaftliche Bündnisse, denn Politik allein kann hier nicht alles richten“, sagte die Ministerin. „Gemeinsam müssen wir Sexismus als das bezeichnen, was er ist: nämlich eine Form von Gewalt.“

Allerdings sagte sie das wahrscheinlich nur in Bezug auf Sexismus gegen Frauen.