Mann, der Kind wickeln will, wird aus Wickelraum geschmissen

Arne hat auch schon darüber berichtet und ich will es auch einmal kurz kommentieren:

Eine Meldung aus Australien erreicht immerhin den Focus: 

Ein Vater wollte in einem Wickelraum für Eltern die Windel seiner Tochter wechseln und wurde von dort anwesenden Frauen rüde rausgeschmissen.  Geschockt von der Reaktion musste er sein Kind im Waschbecken auf der Männertoilette wickeln.

Der frisch gebackene Vater stand unter Schock – denn er wurde von einer Gruppe von Müttern aus dem Eltern-Wickelraum geworfen. Dadurch war er gezwungen, die Windeln seines Babys auf der Männertoilette zu wechseln. Das berichtet die britische Zeitung “Daily Mail”.

Die Meldung klingt etwas reißerisch formuliert und es wäre ja auch schön, wenn es so selten vorkommt, dass uns dafür eine Meldung aus Australien erreichen muss. Ich vermute es kommt durchaus häufiger vor, nur das die wenigsten Männer sich deswegen dann an eine Zeitung wenden und die das dann auch noch zu einer Geschichte machen

Meist wird es ja schon keine Wickelräume geben.

Troy Tinson aus dem australischen Mandurah sei in einen Wickelraum für Eltern in einem örtlichen Einkaufscenter gegangen, um seiner Tochter die Windeln zu wechseln – als sich drei Frauen, die vor den Wickeltischen standen, sagten, er wäre nicht willkommen.

“Sie sagten, dass in diesem Raum Frauen wären, die stillen, und dass er darum nicht gerne gesehen wäre. Er wäre ein Mann und es gäbe schließlich Männertoiletten, in die er gehen könne”, erzählte Troys Frau vergangenen Freitag dem australischen Radiosender ABC Perth.

Jetzt weiß man natürlich nicht, wie konservativ diese Frauen waren, die sich dort extra in einen Raum zurück gezogen hatten, damit sie ihr Kind stillen konnten ohne das sie dabei von anderen gesehen werden.

Natürlich stillen inzwischen in Deutschland auch schon viele Frauen in der Öffentlichkeit und meist ist das vollkommen diskret, so dass man davon nichts sieht, aber das werden wahrscheinlich nicht diejenigen sein, die sich in einen Wickelraum zurückziehen, weil sie meinen, dass sich dort dann eben nur Männer aufhalten.

Ich könnte durchaus verstehen, wenn konservativere Frauen gerne einen entsprechenden Rückzugsraum zum stillen hätten, sagen wir mal jemand wie eine konservative Muslimin oder aus einer anderen konservativen Richtung.

Und natürlich würde so jemand dann den Wickelraum als weibliches Revier ansehen, in dem ein Mann nichts zu suchen hat, während modernere Frauen  dann eben dies weniger einfordern würden und Verständnis dafür hätten, dass auch er mit seinem Kind einen Platz zum wickeln braucht und demnach ein Stilltuch oder ähnliches überlegen würden.

“Er war am Boden zerstört. Er ist ein toller Vater, ein verantwortungsbewusster Vater. Er kümmert sich um unsere Töchter, während ich arbeiten gehe.”

Troy fühlt sich erniedrigt

Troy wechselte die Windel seiner Tochter – im Waschbecken auf der Männertoilette. Terina erzählte, dass er sich von dieser Erfahrung sehr erniedrigt fühle.

Ich habe mal etwas nach den Namen gesucht, in der Hoffnung noch etwas mehr zu finden. Ein anderer Artikel verweist immerhin darauf, dass es noch ähnliche Geschichten gab:

A QLD Dad was called a “sicko” and forced to leave a shopping centre parent’s room while changing his son’s nappy. Read his story here.

Another dad was told he was a ‘dirty old man’ for taking his seven-week-old baby into the parents’ room. Read his story HERE.

Es ist eine interessante Debatte, die natürlich auch zu dem Thema „Transsexuelle auf Frauentoiletten“ passt. Anscheinend verteidigen hier auch Frauen „ihre“ Reviere und finden ein solches Eindringen in ihre Räume nicht gut.

Man könnte von einer systematischen Benachteiligung von Männern sprechen, bei denen die Frauen in dem Bereich mehr Macht haben, aber Frauen können ja als Gruppe überhaupt keine Macht haben. 

Laut der “Daily Mail” seien die Reaktionen auf diversen Social Media-Plattformen hauptsächlich positive Worte an den Vater gewesen.

“Er kam mit einem Baby, dessen Windeln gewechselt werden müssen. Nicht, weil er stillende Mütter angaffen wollte, er hatte jedes Recht, diese Einrichtung zu benutzen”, habe ein User kommentiert.

“Ich bin selbst Vater von vier Kindern, ich würde auf keinen Fall den Raum verlassen. Ich würde einen Sitzplatz in Anspruch nehmen und warten, bis ein Wickeltisch frei wird. Wenn die Frauen damit ein Problem haben, können sie ja gehen”, habe ein anderer dazu geschrieben.

Um so alltäglicher auch Väter in dem Bereich werden und um so weniger werden sicherlich solche Konfrontationen.

Ist euch so etwas aus Deutschland bekannt? Stillen Frauen da eher in bestimmten Wickelräumen und sehen diese daher eher als ihren Bereich an?

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