Nervöse Filter – Wie uns unser Gehirn täuscht – Doktorant

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„Ja, alle Männer sind schuld“ (Teil 2)

Der zweite Teil (Teil eins findet sich hier) der Besprechung des Artikels bei Everyday Feminism, der uns erklärt, warum wirklich alle Männer schuld an der Unterdrückung der Frau sind:

3. The Impact of Your Actions Is More Significant Than the Intent

Cool. You didn’t mean to contribute to the objectification of queer women when you made that lesbian porn joke. Perhaps you even think that you’re so “enlightened” as a “feminist man” that we should just know that you “didn’t mean it like that.” In fact, maybe you even think that you were being “subversive” when you said it. Okay.

But from a woman’s perspective, that doesn’t matter, because we still have to feel the effects of that mindset every single day – and your bringing that to the foreground has a negative impact on us, no matter what the hell your intent was.

Geil, sie schreiben einen Artikel darüber, dass wirklich alle Männer schlecht sind und regen sich darin darüber auf, dass Frauen jeden Tag damit leben müssen, dass sie abgewertet werden. Weil ja nicht alle paar Tage ein Artikel in einer Zeitung erscheint, der (weißen heterosexuellen alten) Männern erklärt, dass sie schuld sind.

Und einen Witz über Lesben – es dürfte auch genug Frauen geben, die Witze über Lesben oder Schwule machen oder über Männer oder die ihrem Mann deutlich spüren lassen, dass sie in der Beziehung die Hosen anhaben. „Männer sind Schweine“ ist eine Aussage zu der es erst einmal kein so allgemeines Gegenstück über Frauen gibt.

Und natürlich sexualisieren alle Leute bis zu einem gewissen Grad die Leute, an denen sie sexuell interessiert sind. Es sind keineswegs nur Heteros und keineswegs nur Männer. Frauen machen es auch, nur ist für sie eben Status häufig interessanter als reines Aussehen, man erinnere sich etwa an kreischende Fans einer Band, aber natürlich werden auch hübsche Männer sexualisiert oder eben bei lesbischen Frauen andere Frauen. Nur liegt bei Frauen und Männer eben eher ein anderes Verständnis von Sex vor, und eben ein im Schnitt deutlich stärkerer Sexualtrieb.

Many men don’t do hurtful things maliciously. They may be doing them subconsciously, adhering to the ways in which they’ve been taught to behave, as all of us do.

Other men, of course, are intentionally violent. But the effects of both can be incredibly damaging.

Surely, we’re less likely to harbor resentment towards someone who stepped on our toes accidentally than we are towards someone who stomped on them with malevolence – especially when accountability is had and an apology is issued. But our goddamn toes still hurt.

To a gender minority, there’s very little difference between the impact of inadvertent and intentional harm. A man who makes you feel unsafe by accident is as harmful to you as one who does it on purpose

Man hat kein Recht darauf, dass man vollkommen angstfrei durchs Leben kommt. Weil andere Leute weder etwas dafür können, dass bestimmte Leute tatsächlich eine Gefahr darstellen und weil man sein Verhalten nicht so ändern kann, dass andere Leute auf keinen Fall Angst haben.

Der Klassiker ist, dass man einfach mit einer Frau einen gemeinsamen Weg hat und ihr Unwohl ist, weil eine ihr unbekannte Person hinter ihr geht. Ihre Angst ist in den allerallermeisten Fällen vollkommen unbegründet und ich muss wegen dieser Angst nicht meinen Weg verändern.

Der andere Grund ist, dass man Angst lernen kann. Wer das Gefühl hat, dass etwas bedrohlich ist, der kann in allem eine Bestätigung einer Gefahr sehen. Etwa der Mann, der ihr folgt, und bei dem sie dann schnell abbiegt und dadurch gerade so der Gefahr entgeht, obwohl der Mann  nie eine Gefahr darstellte. Oder das Pfefferspray in der Tasche, welches der Frau immer notwendiger erscheint, weil sie es jedes Mal in der Jackentasche umklammert, wenn sich ein Mann nährt und sich so selbst das Gefühl gibt, dass sie wieder nur knapp einem Übergriff entkommen ist. Um so mehr man damit Sachen als Gefahr definiert, um so mehr Angst werden Frauen haben.

So no matter how well-intentioned you are, you’re not off the hook when you hurt people. And because of everything we’ve discussed above, you are likely (yes, all men) to hurt and violate. And you need to be willing to take responsibility for that.

Natürlich muss ich genau so wenig Verantwortung für andere Männer übernehnen, wie Frauen Verantwortung für andere Frauen übernehmen müssen. Und solange mein Verhalten ein normales Verhalten ist schulde ich einer Frau nichts. Tatsächlich ist es aus meiner Sicht weitaus eher die übertriebene Gruppenschuld aufgrund der Identitätspolitik, die dazu führ, dass Leute verletzt werden. Einmal, weil sie dazu getrieben werden immer striktere Regeln einzuhalten und zum anderen, weil ein Keil zwischen Gruppen getrieben wird, der vollkommen unnötig ist. Denn die meisten Männer und Frauen kommen sehr gut miteinander aus. Hört auf Leuten eine Gruppenschuld aufzuzwingen, sie können nichts für das Verhalten anderer, gerade wenn es bereits allgemein als schlechtes Verhalten anerkannt ist.

4. The Depth of Work to Be Done Is Avoided By Most Men

It’s understandable that we react by distrusting even “safe” men as a rule when even safe men can hurt us – because even “safe” men have been raised in and shaped by a patriarchal society that both actively and passively harms us every day. There’s no escaping that, regardless of anyone’s best intentions, so it’s useless to talk about intent as a mitigator of harm.

Dieses Selbstmitleid und diese Darstellung als die Einzigen, die es in dieser Gesellschaft schwer haben ist wirklich erstaunlich. Wie Ichbezogen muss eine Perspektive eigentlich sein, wenn man davon ausgeht, dass das andere Geschlecht quasi ohne Sorgen durchs Leben geht während das eigene Geschlecht geradezu durch die Hölle geht? Kennen sie keine Gemeinheiten des eigenen Geschlechts? Sehen sie nicht, wie auch Frauen dazu beitragen, dass die Gesellschaft so ist wie sie ist? Und glauben sie wirklich in einer so unglaublich schlechten Welt zu leben, wie es hier anklingt?

Und es ist auch eine nette Überspielung eines sehr wichtigen Punktes, nämlich dem Punkt der Schuld des Indivuduums vs der Schuld der Gruppe. Sie haben einfach festgestellt, dass unsere Gesellschaft ein Patriarchat ist und das Männer darin eine Sozialisiation haben, die Frauen schadet. Und dann festgestellt, dass weil es eine Welt „für Männer“ ist auch Männer als Gruppe die Verantwortung dafür haben, die Gesellschaft zu ändern und sie für Frauen besser zu machen. Ein wirkliches Argument dazu, ein Nachweis, dass es tatsächlich die Regeln für Männer sind, dass die Frau keinerlei Anteil an der Gesellschaft haben, dass es nicht einzelne Männer sind, die Regeln brechen, statt Regeln, die Leid erzeugen, dass alles fehlt. Der Mann ist schuld, ist schuld, ist schuld. Und er muss es ändern, weil Frauen leiden.

Dass dieser Appell überhaupt nur dann sinnvoll ist, wenn Männer tatsächlich wesentlich besser sind als es diese Theorien unterstellen, dass scheint ihnen auch nicht bewußt zu sein. Warum sollten so fürchterliche Männer, die alle an allem Schuld sind und die ein für sich vorteilhaftes System geschaffen haben, überhaupt das System ändern?

Add to that the constant stream of disappointment and hurt we feel when self-proclaimed “safe” or “feminist” men do turn out to harm us – which happens way too often to be treated like an anomaly – and it’s easy to see why women react with distrust or even outright hostility when “safe” men show up in feminist spaces.

Ich finde es vollkommen okay, wenn Männer sich radikalen Feministinnen überhaupt nicht mehr nähren und ihnen insofern ihre Safe Spaces lassen. Solange sie diesen zumindest mit eigenen Mitteln schaffen und Männern nicht von Positionen ausschließen, die gesellschaftlich relevant sind.

We want to trust that your good intentions will lead to positive actions, we do. But here’s what we need you to understand before that can possibly happen: What you’re asking us to accept from you will take a hell of a lot of work on your part – and we’ve seen over and over again that many self-proclaimed “allies” just aren’t willing to do it.

Ja, jeder Mann sollte Feminist werden. Denn dort ist man bereit zu glauben, dass er es vielleicht doch schaffen kann, kein Monster mehr zu sein. Also im Gegensatz zu allen anderen Männern. Wenn er wirklich wirklich hart an sich arbeitet.

Merkwürdigerweise scheinen einige dieser fürchterlichen Männer gar nicht den gleichen Bedarf zu sehen wie diese Männerhasser… äh Feministinnen wollte ich natürlich sagen.

Being a “safe” man – hell, being a feminist man – is more than just believing yourself to be and collecting accolades from others about the minimal work that you’re doing not to be an asshole.

Doing the work means really doing the work – getting your hands dirty (and potentially having an existential crisis in the process).

Consider it like this: If you go through life assuming that your harmful behavior is appropriate and most of society provides a positive feedback loop, why would you stop to examine yourself? You’ve never been given any indication that you should.

If you never learn to see your behavior within the context of the broader harm done to gender minorities, what motivation will you have to change? And if you keep passively absorbing toxic attitudes towards male entitlement, will you really move to check bad behavior in other men?

Erkenne deine Sünden und die Sünden deiner Gruppe und tue Buße bis keine bösen Männer mehr da sind. Du schuldest es den geknechteten Frauen in Kanada! Ein Mann soll also anscheinend im Innenverhältnis jede Männlichkeit ablegen, im Außenverhältnis aber ein unerbittlicher Kämpfer für die gute Sache sein, der sich mit jedem anlegt, der ein politisch nicht korrektes Verhalten zeigt. Ein ganzer Mann eben. Ansonsten ist er es nicht wert, sich Ally nennen zu dürfen und von den Feministinnen akzeptiert zu werden.  Es reicht nicht einfach passiv zu hoffen, dass Männer sich ändern, um alle Schuld an eine andere Gruppe abzugeben und einfach nur Änderungen allgemein einzufordern und selbst keinerlei Verantwortung für den Zustand der Gesellschaft bei sich zu sehen muss man Feministin sein. Der Mann hingegen muss aktiv Verantwortung übernehmen dafür, dass Männer die Welt gestalten. Sonst ist er nicht gut genug für die Frauen.

Merken die Feministinnen eigentlich nicht, dass sie hier ganz klassische Geschlechterklischees bedienen? Die Frau, der nichts gut genug ist und die daher will, dass ein Mann, der ihre Gunst will, die Welt für sie besser macht.

Because here’s the truth: Even when it’s not conscious, male entitlement is a choice – a choice to be uncritical, a choice to continue to passively benefit. And attempting to fight that entitlement is also a choice ­– one that has to be both conscious and ongoing. You’ve got to choose it every day, in every instance.

Ihr seid zwar besessen von einem Dämon, der durch diese Gesellschaft in euch gefahren ist, und zwar in jeden Mann, und der eure Gedanken verseucht, aber ihr müsst wenigstens versuchen ihn auszutreiben. Wobei der Dämon natürlich niemals auszutreiben ist – weil es in einem Race to the Bottom wie der Identitätspolitik keinen Zustand des „Gut genug“ gibt, sondern die Verantwortung für die Gruppe immer bestehen bleiben wird. Und natürlich auch, weil Männlichkeit etwas ist, was viele, viele positive Seiten hat, genau wie Weiblichkeit, was viele Frauen (und schwule Männer) sexy finden und was eben nur diese kleine Gruppe radikaler Ideologen als Quelle alles Übels ausgemacht hat, unter Ausblendung all dieser positiven Faktoren (wie etwa Sorgen für die Familie, Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand in der Gesellschaft, Beschützer, guter Vater, Erfinder und was noch nicht alles, ).

But how many well-meaning men are truly choosing that path, instead of just insisting that it’s “not all men” and that they’re “not like that?”

Hint: You are “like that” – especially if you’re not actively fighting patriarchy. And claiming that you’re “not like that” doesn’t negate patriarchy – it enforces it.

Es reicht schon, dass man nicht die Auffassung teilt, dass alle Männer schlecht sind, nicht alle von dem Dämon toxische Männlichkeit besessen. Wer meint, dass nur ein Mann, evtl er selbst, gut ist, der unterstützt schon das Patriarchat. Charming indeed!

Fighting learned male entitlement means assuming the burden of vigilance – watching not just yourself, but other men. It means being open to having your motives questioned, even when they’re pure. It means knowing you’re not always as pure as you think.

Der Dämon ist in dir und du wirst immer der Feind sein! Niemand kann dir ganz vertrauen, denn jederzeit kann sich deine dunkle Seite zeigen. Es gibt keine Kekse für gutes Verhalten, denn gutes Verhalten ist überhaupt erst etwas, was dich auf die Stufe einer Person bringt, mit der wir uns abgeben. Du musst nicht weniger machen als jeden Mann, der sich falsch verhält, kritisieren, sonst bist du einer von denen (und sie sind Bestien)!

It means assessing the harm you’re capable of causing, and then being proactive in mitigating it.

Most of all, it’s a conscious decision to view every individual’s humanity as something exactly as valuable and inviolable as your own.

Wir müssen allerdings nicht selbst die Menschlichkeit jedes Menschen anerkennen, wir können eine Gruppe davon ausnehmen, weil sie ja das Böse sind.

And it means doing it every single moment of your life. Point blank, period.

Jeden. Einzelnen. Moment. Deines. Lebens! Nicht weniger!

If you really want to stop the “all men” cycle, that’s the only place to start.

***

Well-meaning men, if we’re being honest, we love many of you. And those of you whom we don’t know, we want to believe and appreciate. We want to feel safe around you.

We don’t want to fear or distrust men. We don’t want to have to perform risk assessments on every man that we meet. Trust us – it’s a miserable life! We’d gladly abandon this work if it wasn’t absolutely necessary to our survival.

Wir wollen Männer mögen können, aber die Voraussetzungen, unter denen wir das machen können, sind eben unüberwindbar hoch. Dafür können wir nichts, wir stellen es Männern ja frei die gesamte Gesellschaft und fast alle Menschen darin zu ändern (auch genug Frauen fördern ja toxische Männlichkeit) und sich beständig die Büßerpeitsche auf den Rücken zu hauen, dann mögen wir ihn ja. Oder wir hassen ihn etwas weniger, denn er könnte ja jederzeit sein Verhalten ändern.

But it’s not our job to be vigilant against harmful behaviors that we can’t possibly hope to control, though. Nor is there anything that we alone can do about this.It’s incumbent uponmen to make themselves safer as a group.

Die meisten Männer –  man kann es gar nicht oft genug wiederholen – sind auch vollkommen sicher. Sie tun niemanden etwas und sind hochproduktive Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie verhalten sich dennoch männlich und die allermeisten Männer und Frauen haben damit kein Problem. Männliche Männer mit gutem Beruf und Selbstbwußtsein sind bei vielen Frauen sehr bliebt und relativ dominante Männer sind bei vielen Frauen eher gefragt als „Weicheier“.Arbeitet ihr Tag und Nacht daran dieses Verhalten eurer Gruppe zu ändern? Sagt ihr all euren Freundinnen, dass sie aufhören müssen,soziale Arbeit und Gender Studies zu studieren und es statt dessen ein technischer Beruf sein muss und das sie sich einen Mann suchen sollen, der wesentlich weniger verdient und bereit ist,für die Kinderbetreuung auszusetzen, damit ihr 60+ Stunden die Woche in einem Büro verbringen könnt? Wahrscheinlich nicht. Aber das wäre wahrscheinlich auch schon wieder toxische Männlichkeit.

And there’s no way that you can do that until you accept that yes, it is all men – including you – and start working against it.

Love always,

Aaminah and Melissa

Aaminah Khan, die eine der Autorin, selbst macht bei sich selbst natürlich auch keine Kompromisse, wenn es das Hinterfragen ihres eigenen Lebens angeht:

Aaminah Khan, a.k.a. jaythenerdkid, is a refugee support worker, writer and some-time human rights activist living in North Queensland. Her greatest accomplishments include quitting medical school and getting Richard Dawkins to block her during a Twitter debate. Find her on Twitter (@jaythenerdkid) or Facebook (/itsjaythenerdkid), where she fangirls the Indianapolis Colts, rants about social justice and gushes about her long-suffering mother’s infinite patience.

Wie man sieht hat sie alles gemacht, damit sie mit ihrer Arbeit den Gender Pay Gap verkleinert.  Natürlich würde sie auch nie einer Gemeinschaft angehören, die wohl mit die konservativste Einstellung zu Geschlechterrollen propagiert oder gar diese gegen Kritik verteidigen. Sie würde eine solche Mitgliedschaft natürlich sofort beenden, da sie niemals etwas von anderen fordern würde, was sie nicht selbst zu machen bereit wäre.