„Warum fühlen sich alle so schnell angegriffen?“

(Meine Vermutung ich das die Gegenseite anführen würde, dass man es nicht locker sehen kann, weil damit Machtverhältnisse gefestigt werden)

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„Ja, alle Männer sind schuld“ (Teil 1)

Die Seite Everyday Feminism spricht sich noch einmal ausdrücklich dafür aus, alle Männer in die Haftung für die Unterdrückung der Frau zu nehmen:

Dear Well-Meaning Men Who Believe Themselves to Be Safe, Thereby Legitimizing the “Not All Men” Argument,

Let’s start here, even though this should go without saying: We don’t think that all men are inherently abusive or dangerous. Plenty of men aren’t.

There are men that we love very much – men around whom we feel mostly safe and unthreatened; men who, in fact, support, respect, and take care of us on familial, platonic, romantic, and sexual levels. Not every man has violated us individually; for most of us, there are plenty of men that we trust.

We know what you mean by “not all men” – because on a basic level, we agree with you.

But the socialization of men is such that even a good man – a supportive man, a respectful man, a trusted man – has within him the potential for violence and harm because these behaviors are normalized through patriarchy.

Es gibt also einige Männer, die sie persönlich noch nicht verletzt haben und die mögen sie. Auch eine schöne Formulierung: Uns haben sie noch nichts getan. Anderen vielleicht schon. Denn es sind ja Männer.

Und Männer haben alle das Potential zur Schadensverursachung, eben die toxische Männlichkeit, weil alle eben im grauenhaften Patriarchat aufgewachsen sind. Und da gibt es kein Entkommen, weil wir Männer eben die Sache vollkommen im Griff haben, auch wenn Männer ganz wesentlich von Frauen erzogen werden.

And as such, we know that even the men that we love, never mind random men who we don’t know, have the potential to be dangerous. Surely, all people have that potential. But in a world divided into the oppressed and the oppressors, the former learn to fear the latter as a defense mechanism.

Natürlich ist diese simple Unterteilung in die Unterdrücker und die Unterdrückten etwas, was einfach vorausgesetzt wird, denn Frauen können niemals nie Macht haben oder in irgendeinem Bereich gar Männern etwas wegnehmen können. Wer hätte so etwas auch je gehört?

So when you enter a space – any space – as a man, you carry with yourself the threat of harm.

Of course, in most cases, it’s not a conscious thing. We don’t think that most men move through the world thinking about how they can hurt us.

Ha, sie haben unser Spiel immer noch nicht durchschaut! Natürlich wollen alle Männer nur Frauen schaden. Die patriarchale Dividende verdient sich ja nicht von alleine.

Die naiven Dinger!

We don’t believe The Patriarchy™ to be a boardroom full of men posing the question “How can we fuck over gender minorities today?” You would be hard-pressed to find a feminist who actively believes that.

Dafür denken sie nur, dass Männer alle einen unterbewußten Hass auf Männer aufgenommen haben, der sie zu einer Zeitbombe macht, die jederzeit explodieren kann. Was für ihr Feindbild auch wesentlich besser ist, denn so können sie darauf verweisen, dass Männer eben demütig an sich arbeiten müssen, damit sie „das Böse“ aus sich heraus bekommen.

But what makes (yes) all men potentially unsafe – what makes (yes) all men suspect in the eyes of feminism – is the normalized violating behaviors that they’ve learned, which they then perform uncritically.

Make no mistake: When you use the phrase “not all men” – or otherwise buy into the myth of it – you’re giving yourself and others a pass to continue performing the socially sanctioned violence of “masculinity” without consequence, whether or not that’s your intention.

Er gibt sich und anderen einen Freipass sich weiterhin männlich zu verhalten und das bedeutet natürlich Gewalt. Was sind wir Männer alle schrecklich.

In truth, the only thing approaching defiance against this kind of violence is to constantly check and question your own learned entitlement – and that of other men. But you can’t do that if you’re stuck in the space of believing that “not all men” is a valid argument.

Es gibt keine guten Männer. Alle Männer sind der Feind und wer sich nicht beständig die Büßerpeitsche auf den Rücken haut und sich seiner Privilegien entsagt, der ist ein Schwein. Aber sonst mögen wir Männer eigentlich ganz gerne, zumindest die, die uns noch nichts getan haben (was nicht bedeutet, dass sie unschuldig sind – Büßerpeitsche muss weiter genutzt werden).

So we wanted to call you in, well-meaning men, to talk about these four points that you’re missing when you claim “not all men” as a way to eschew responsibility for patriarchal oppression.

Because it is all men, actually. And here’s why.

Mal sehen was als Begründung für die Erbschuld des Mannes kommt:

1. All Men Are Socialized Under (And Benefit From) Patriarchy

Here’s the truth: Most of the time, when we generalize and use the word men, what we’re actually referring to is the effects of patriarchy. What we’re actually intending to communicate when we say “men are horrible,” for instance, is “the ways in which men are socialized under patriarchy, as well as how that benefits them and disadvantages everyone else, sometimes in violent ways, is horrible.”

But that’s kind of a mouthful, isn’t it? So we use men as a linguistic shortcut to express that.

And before you come at us with “But that’s generalizing,” it’s actually not. Because it is true that all men are socialized under and benefit, to some degree, from patriarchy.

That is to say, the only thing that we truly associate all men with is patriarchy – and that’s hella reasonable, even though it affects men differently, based on other intersections of identity.

Because here’s how it works, my friends: Living in the United States, every single one of us is socialized under patriarchy – a system in which men hold more power than other a/genders, in both everyday and institutionalized ways, therefore systematically disadvantaging anyone who isn’t a man on the axis of gender. As such, we all (all of us!) grow up to believe, and therefore enact, certain gendered messaging.

We all learn that men deserve more than anyone else: more money, more resources, more opportunities, more respect, more acknowledgment, more success, more love. We all internalize that. To say that “not all men” do is absurd – because, quite simply, all people do.

Was für ein erschreckendes Weltbild und sie glauben das wirklich. Männer erhalten nicht einfach so mehr Geld, sie arbeiten hart dafür, machen mehr Überstunden, suchen sich die Jobs, die mehr Geld bringen, auch wenn sie weiter weg sind, sie dreckiger sind und man eher stirbt oder sich verletzt und dann – diese Schweine – teilen sie es meist auch noch einfach so mit ihrer Familie. Stellen ihre Frau häufig ganz oder teilweise davon frei, selbst der Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gehen Ehen ein, in denen der Halbteilungsgrundsatz gilt und damit zB in Deutschland alle Gewinne der Ehe hälftig geteilt werden, ein Verlust innerhalb der Ehe, wenn man etwa mit einem Unternehmen pleite gegangen ist, aber nicht. Und dann haben die Töchter (und natürlich auch die Söhne, aber das ist ja klar) sowie die Ehefrau auch noch ein garantiertes Erbrecht über den Pflichtteil und erben im übrigen wenn sie nicht enterbt worden sind das komplette Vermögen. Sie sind auch ohne die Erwerbstätigkeit direkt in Krankenkassen und Rentenkassen (zB über Witwenrenten) eingebunden. Häufig schließen Männer sogar Wetten auf ihren Tod mit anderen ab, bei den der Gewinn an die Frau ausgezahlt wird, um sie auch über den Tod abzusichern (über eine Lebensversicherung). Und natürlich sind Frauen auch in vielen Bereichen mehr respektiert: Ein Mann, der nicht arbeitet, sondern nur die Kinder betreut, gerade wenn er eine gute Ausbildung hat, ist ein Versager, eine Frau eine Mutter, die ihre Karriere für die Kinder opfert. Überall werben Hilfeorganisationen mit den Fotos von Mädchen, weil sie wissen, dass diese eher Spenden generieren, weil man Mädchen eben eher hilft und Frauen leben in diesem schrecklichen Patriarchat sogar länger als die bösen Unterdrücker. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen, aber das alles passt eben nicht in das einfache Bild des Feminismus, der lieber den Mann als Unterdrücker sieht.

For people who aren’t men, this means that we’re socialized to feel less-than and to acquiesce to the needs of the men in our lives. And this doesn’t have to be explicit to be true.

Vor allem ist es nicht wahr. Im Gegenteil: Eine schöne Frau beispielsweise bekommt so viel Beachtung und Wertschätzung wie wohl kaum jemand. Und es sind Männer, die sich weitaus mehr um Frauen bemühen und lernen, dass die Wertschätzung einer Frau etwas ist, was nicht unbedingt einfach zu erhalten ist und die weitaus deutlicher Ablehnungen erhalten, weil sie ansprechen müssen.

When we find it difficult to say no to our male bosses when we’re asked to take on another project that we don’t have the time for, or to our male partners when they’re asking for emotional labor from us that we’re energetically incapable of, it’s not because we actively think, “Well, Jim is a man, and as a not-man, I can’t say no to him.”

Auch dreist. Es sind Männer, die weitaus mehr Überstunden machen und die auch weitaus eher von ihren Chefs dazu angehalten werden oder bei denen eben die Karotte der Beförderung wesentlich effektiver ist. Und natürlich erbringen auch Männer „emotionale Arbeit„. Die Zufriedenheit der Frau ist der Maßstab für die allgemeine Zufriedenheit in einer Ehe („Happy Wife, happy life“).

It’s because we’ve been taught again and again and again since birth through observation (hey, social learning theory!) that we are not allowed – or will otherwise be punished for – the expression of no. In the meantime, what men are implicitly picking up on is that every time they ask for something, they’re going to get it (hey, script theory!).

Immer wieder erstaunlich, was Feministinnen so denken. Natürlich lernen Frauen Nein zu sagen. Sie haben weitaus eher die Gelegenheit im Geschlechterverhältnis es zu sagen, sie sind weitaus häufiger der „Entscheider“, sie haben auch häufig die strengeren Vorstellungen von ihrem Partner als die Männer.

A sense of entitlement isn’t born out of actively believing oneself to be better than anyone else or more deserving of favors and respect. It comes from a discomfort with the social script being broken. And the social script of patriarchy is one that allows men to benefit at the disadvantage of everyone else.

Als ob es nicht genug Frauen geben würde, die glauben, dass sie besser sind als alle anderen. Allein schon im Feminismus mit seiner Tendenz dazu, immer noch mehr Diskriminierungen aufzuspüren, die andere noch nicht gesehen haben und immer noch etwas „woker“ zu sein ist das weit verbreitet.

And all men are at least passively complicit in this patriarchal system that rewards male entitlement. We see it every single day.

The thing about privilege is that it’s often invisible from the inside. It’s hard to see the scale and scope of a system designed to benefit you when it’s as all-encompassing as patriarchy. And that might lead you to buy into the idea of “not all men.”

Aber gleichzeitig können wir sagen „Frauen haben keine Privilegien, sonst würden wir die ja sehen“. Es ist schon faszinierend, dass der Feminismus aufstellt, dass die Sicht auf die eigene Gruppe beschränkt ist, und dann aber so tut als sei das nur bei einer Gruppe der Fall und die andere könne nichts übersehen.

To those on the outside, however, the margins are painfully visible. That’s why men who really want to aid in leveling the playing field have a responsibility to listen to people who can see the things they can’t.

When gender minorities tell you that you’re harming them, listen. Listen even when you don’t understand. Listen especially when you don’t understand.

You can’t see all the ways in which your maleness distorts the fabric of society, but we can. And if you want to help dismantle patriarchy, you have to make the choice to accept that a thing isn’t less real just because you haven’t seen it – or don’t believe yourself to have experienced it.

Das Patriarchat bringt allen Männern Vorteile, aber ihr solltet mithelfen es abzuschaffen. Eine Gruppe sieht nicht, wie sie anderen schadet und welche Privilegien sie hat, aber wir gehen davon aus, dass nur ihre alle Schuld habt und es uns in keinem Bereich besser geht. Deswegen müsst ihr die Welt bitte so ändern, dass wir es besser haben. Und das weil ihr einfach schlechte Menschen seid.

2. All Violations (Big and Small) Are Part of the Same Violent System

Picture this: A well-meaning man offers a woman a compliment at a bar. He has no sinister motive, and he is – after all – in an appropriate setting for flirting.

When the woman rebuffs him for whatever reason (she’s in a relationship, she’s not into men, she’s just not interested), the man feels snubbed – because he was polite and respectful, but not rewarded for it.

This well-meaning man would probably tell you that he’s not owed a woman’s affection; he knows that. But he still feels hurt that he didn’t get it. And that’s fair. Rejection hurts.

But maybe he believes himself to have approached her in a kind enough way that he should have at least gotten to talk to her a bit. After all, men know that being gentlemanly is the “right” way to “get” women, and therefore expect on some level to be rewarded for that good behavior. But if that sentiment drives some of his disappointment, then that’s a sense of entitlement, however small.

Such a man isn’t an outright abuser. But his learned entitlement makes him potentially unsafe for women to be around. And it’s hard to see that sense of entitlement from the inside, let alone question it or start to break it down.

As such, when we generalize and say, “Men feel entitled to our bodies,” this man would be wrong if he said, “Not all men are like that – I’m not.” He just doesn’t connect the bitterness of rejection with the broader sense of entitlement he’s learned and internalized. Furthermore, he may not realize how this sense of entitlement is symptomatic of a larger patriarchal culture in which men are taught that they’re owed romantic and sexual interest from women.

Also nur Männer verspüren eine Verbitterung bei einer Zurückweisung? Das wäre mir neu. Frauen reagieren da nicht anders. Sie gehen eher noch viel mehr davon aus, dass sie einen Anrecht auf seinen Körper haben, weil ein Mann eben weitaus seltener ablehnt und die Frau ihm damit „mehr“ gibt als im umgekehrten Fall.

Männer glauben auch nicht, dass Frauen ihnen romantisches und sexuelles Interesse schulden – sie glauben weitaus häufiger, dass sie hart dafür arbeiten müssen, dass viel Glück dabei ist und das es ihr Fehler ist, dass keine Frau dieser Welt etwas von ihnen will. Genug vergöttern Frauen und stellen sie auf ein Podest, sind bereit alles für sie zu tun, damit sie ihnen ihre Gunst schenken, arbeiten mit Bestechungen und Geschenken, weil sie sich  selbst nicht als wertvoll genug ansehen.

This may seem like a tiny sliver of the patriarchal pie, but it’s poisoned nonetheless.

Here’s another example: A well-meaning man, in a conversation with a woman, talks over or mansplains to her without recognizing the behavior. He would probably never intentionally do this. Maybe he’s read Men Explain Things to Me by Rebecca Solnit and wouldn’t dream of patronizing a woman. He just wants to voice his opinion. And that’s fair, right?

Here’s the thing about opinions, though: They’re actually not all equally valid or worth sharing, no matter what you were taught in grade school. You’re actually not automatically entitled to share your opinion; in fact, your opinion might be pointless or even harmful in some conversations.

Und zwar ist deine Meinung aus Sicht einer Feministin mitunter wertlos oder schädlich, weil du das falsche Geschlecht hast.

Natürlich „mansplainen“ Männer untereinander auch gerne, lieben es allgemein Fakten darzulegen und Wissen zu verbreiten.

This well-meaning man thinks he’s contributing to a discussion, which he feels entitled to do, because he has a right to his opinion. He doesn’t see the pattern of being talked over, belittled, or dismissed that his female friend experiences daily, to which he’s just contributed.

Nein, Männer haben noch nie das Erlebnis gehabt, dass Leute über sie hinweg reden, dass sie abgewertet werden, dass sie nichts zu sagen haben. Weil Männer untereinander stets die Regeln eines vornehmen Debatierclubs beherrschen. So muss wohl die Vorstellung im Feminismus dieser Autorinnen sein. Ihr kommt gar nicht der Gedanke, dass Männer solche Diskussionen auch unter sich austragen und  Frauen weitaus eher als Männer in Schutzräumen leben, in denen ihnen gegenüber strengere Regeln gelten als anderen Männern gegenüber.  Männer wachsen damit auf, dass sie sich gegenseitig Sprüche drücken und das Männer höher in der Hierachie ihren Platz dadurch verteidigen, dass sie andere klein machen oder über sie hinweg reden.

And why would he? He was just offering his opinion. He wasn’t trying to make her feel small. From his perspective, it’s just a discussion.

How could this – in any way, shape, or form – be similar to something as potentially career-damaging as gender minorities not being invited to share their thoughts in academic or professional settings, or being passed over and not asked to sit on a panel of experts? How could this be similar to an intimate partner believing that his word is the end all, be all, never letting his partner get a word in to express her needs?

We hate “slippery slope” arguments, but that’s exactly what this is – a series of sometimes unintentional microaggressions that enables a larger culture of silencing and marginalizing people other than men. In that context, all of these violations matter.

Wer Frauen nicht aussprechen lässt, der wird eben zum Vergewaltiger oder bereitet das Klima dafür vor.

Think about it: If you never unlearn the entitlement inherent in offering unsolicited compliments or talking over a woman, will you really stop there?

One man expects a reward for good behavior, the next for unsolicited “compliments,” the next for street harassment. One man stays quiet about rape jokes, the next actively makes them, the next learns that if he commits rape, his friends will laugh it off. There’s a very clear line that leads from “benign” entitlement to harm and violence against us.

So sure, maybe “not all men” street harass or commit sexual violence. But how have your own actions contributed to a culture that allows those things to happen?

Wenn sie wenigstens auch solche Reihen für Frauen aufmachen würden: Die eine sagt, dass Männer gerne unterbrechen, die nächste sagt, dass Männer alle zur Gewalt erzogen werden, die nächste sagt, das alle Männer von der Unterdrückung der Frau profitieren und die nächste sagt dann, dass man alle Männer in Lager sperren sollte. 

Weiter geht es morgen im Zweiten Teil.